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Cannabis – Legalisierung in Hildesheim

  • 14. September 2023
  • Damian Liam Fielding

Die Cannabis-Legalisierung ist ein hochaktuelles und kontrovers diskutiertes Thema, das nicht nur in Hildesheim, sondern weltweit die Gemüter bewegt. Immer mehr Länder und Regionen setzen sich mit der Frage auseinander, ob Cannabis legalisiert werden sollte und welche Auswirkungen dies mit sich bringt.

In Hildesheim gibt es unterschiedliche Standpunkte zur Cannabis-Legalisierung und die damit verbundenen Chancen und Risiken wirken sich auf den Alltag der Menschen aus. Um mehr darüber zu erfahren, habe ich eine Reihe von Interviews mit verschiedenen Personen aus Hildesheim geführt.
Bitte beachte, dass dieser Blogbeitrag keine persönliche Stellungnahme zum Konsum von Cannabis darstellt, sondern eine objektive Betrachtung der aktuellen Diskussionen und Entwicklungen rund um die Cannabis-Legalisierung ist.

STANDPUNKTE UND PERSPEKTIVEN

In Deutschland steht eine Veränderung in Bezug auf die Cannabis-Legalisierung bevor, auch wenn sie noch nicht vollständig und klar formuliert ist. Ein Gesetzentwurf mit zwei Säulen bildet den Anfang dieses Wandels. Die erste Säule, deren Eckpunkte bereits (hier) in meinem ersten Blogbeitrag verfügbar sind, widmet sich dem Anbau der Cannabispflanzen. Die Details zur zweiten Säule sind bisher weniger bekannt und werden aufgrund des EU-Rechts kritisch begutachtet.

Dennoch sind einige Aspekte bekannt:

  • Die zweite Säule wird sich hauptsächlich mit dem regionalen Modellvorhaben und der kommerziellen Lieferkette befassen.
  • Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren ab der eingerichteten Lieferkette und ist räumlich auf bestimmte Kreise und Abgabestellen für erwachsene Einwohner begrenzt.
  • Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert, und die gewonnenen Erkenntnisse werden den Europäischen Partnern und der EU-Kommission zur Verfügung gestellt.
  • Der Gesundheits- und Jugendschutz soll den Eckpunkten des Papiers vom 26. Oktober 2022 folgen.

Foto: Image Creator by Dall-E

Das erste Semester meines Studiums begann mit dem Startingpoint und der darauf folgenden State 14 im Oktober 2022. Doch neben des Studiums fiel mir ein besonderer Aspekt auf, der auf jeder Feier und vor allem auf dem Campusfest im Sommer 2023 allgegenwärtig war: der Alkoholkonsum. In unserer Gesellschaft ist der Genuss von Alkohol so fest eingebürgert, dass er nahezu überall präsent ist. Doch neben dem Geruch von Alkohol war auch etwas Eigenartiges wahrzunehmen – ein geheimnisvoller Hauch, der auf den unterschwelligen Cannabiskonsum hinwies, der bisher im Schatten der Illegalität verborgen blieb.

AUSWIRKUNGEN UND POTENZIELLE RISIKEN

Es ist lange überfällig, dass man darüber mal anders redet als bislang.

Frau Dr. Renate Soellner

Dr. Renate Soellner berichtet von ihrer Erfahrung auf einer Tagung im vergangenen Jahr. Sie erwähnt den Namen Burka Blienert, den neuen Drogenbeauftragten der Bundesregierung und betont, wie beeindruckend seine Perspektive auf das Thema ist. Seit 1992 beschäftigt sie sich mit diesem Thema und erst 30 Jahre später hörte sie zum ersten Mal jemanden in der Politik, der alternative Ansichten vertritt. Dies sei eine willkommene Abwechslung von der Dämonisierung und negativen Assoziationen, die oft mit Drogen verbunden werden. Dr. Soellner hebt hervor, wie erfrischend es sei, dass sich endlich Veränderungen anbahnen und neue Blickwinkel eingenommen werden. Dies trage zu einem differenzierteren Verständnis bei.

Bleibt der Alkoholkonsum so eingebürgert, wenn Cannabis legalisiert wurde?

Ein häufiges Argument besagt, dass illegale Drogen nicht mit legalen verglichen werden können, da die Gesellschaft bereits gelernt hat, mit letzteren umzugehen. Doch dieser Ansicht kann Frau Dr. Renate Soellner nicht zustimmen, denn die alarmierende Zahl von 70.000 alkoholbedingten Todesfällen spricht klar dagegen. Frau Soellner sieht vorerst keine größere Gefahr als beim Konsum von Alkohol.

Immer wieder wird argumentiert, dass Alkohol legal ist, während Cannabis dies nicht ist. Die Toxizität für den Körper ist bei Alkohol tatsächlich höher, da es ein Zellgift ist. Herr May, Geschäftsführer der Drogenhilfe Hildesheim, betont, dass die Argumentation nicht so einfach ist. Es gibt kein Schwarz-Weiß-Denken, kein Gut und Schlecht. Viele sagen, dass Cannabis eine Pflanze ist, aber das gilt auch für Heroin. Die Komplexität des Themas erfordert eine differenzierte Betrachtung und ein Verständnis für die verschiedenen Aspekte.

Frau Dr. Renate Soellner

Foto: https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/psychologie/mitglieder/professor-innen/renate-soellner/

Frau Dr. Renate Soellner ist eine erfahrene Diplom-Psychologin mit einer Leidenschaft für die Forschung und Lehre. Seit 2009 ist sie an der renommierten Universität Hildesheim tätig, wo sie eine Professur für Methodenlehre in der Psychologie innehat. Ihre Expertise erstreckt sich auf verschiedene Bereiche der Psychologie, wobei sie sich besonders intensiv mit dem Thema Cannabisabhängigkeit auseinandergesetzt- und darüber promoviert hat.

Drogenhilfe Hildesheim Dominic May

Foto: https://drobs-hi.de/unser-team.html

Dominic May ist ein erfahrener Fachmann mit einer beeindruckenden Laufbahn in der Drogenhilfe. Nach seiner Ausbildung als Krankenpfleger und einem Studium in Sozialpädagogik entschied er sich für eine suchttherapeutische Ausbildung. Seit 2006 ist er als Leitung und Geschäftsführer in der Drogenhilfe tätig und blickt auf über 27 Jahre Erfahrung in diesem Bereich zurück. Sein Engagement ist eine wertvolle Unterstützung für Menschen mit Suchterkrankungen auf dem Weg zu einem suchtfreien Leben.

Viele Menschen befürchten, dass der Cannabiskonsum nach einer Legalisierung stark ansteigen wird. Jedoch zeigen Studien aus anderen Ländern, in denen Cannabis bereits seit geraumer Zeit legalisiert wurde, wie beispielsweise Kanada, USA und einige Teilstaaten, dass dieser Anstieg möglicherweise anfangs zu beobachten ist, aber später wieder abnimmt. Die Legalisierung ermöglicht es einigen Menschen, Cannabis einmal auszuprobieren, da das Risiko einer Kriminalisierung nicht mehr besteht. Jedoch führt dies nicht zwangsläufig dazu, dass alle, die es ausprobiert haben, langfristige Konsumenten werden, so Frau Dr. Soellner. Der selben Meinung ist Herr May. Auf die Frage ob es eine höhere Suchtgefahr nach der Legalisierung gäbe, antwortet er:

Ich glaube nicht. Es drauf kommt an, wie man das anbietet, in welcher Form, in welchem Bereichen und wie flexibel die Politik ist.

Dominic May (Drogenhilfe Hildesheim)

Gesundheitliche Aspekte des Cannabiskonsums

Die Drogenhilfe Hildesheim betont aus ihrer langjährigen Erfahrung im Gesundheitsbereich die sich wandelnde Dynamik im Zusammenhang mit dem Cannabiskonsum. Früher lag der Fokus primär auf schweren Drogenabhängigkeiten wie Heroin, während der Cannabiskonsum weniger präsent war. Doch mit der Zeit hat sich dies geändert, da die Gesellschaft zunehmend offener für das Thema Sucht geworden ist. Heute ist die Drogenhilfe besser in der Lage, Menschen professionell zu unterstützen. Obwohl die Zahlen in den letzten Jahren möglicherweise stagniert sind, bleibt Cannabiskonsum ein dauerhaftes Thema.

Foto: Image Creator by Dall-E

Die Drogenhilfe Hildesheim legt besonderen Fokus auf den Cannabiskonsum und Amphetamin-Missbrauch, gefolgt von Kokain und substituierten Drogen wie Heroin. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen Konsum und Abhängigkeit, da viele Menschen aus verschiedenen Gründen Unterstützung suchen. Abhängigkeit wird anhand von bestimmten Kriterien definiert. Kontrollverlust, Vernachlässigung von Interessen und Hobbys, erlebte Entzugserscheinungen, psychische oder physische Beeinträchtigungen sowie die Entwicklung von Toleranz sind einige dieser Kriterien. Wenn mindestens drei davon über einen bestimmten Zeitraum zutreffen, spricht man von Abhängigkeit. Diese Definition stammt aus dem ICD 10.

Es ist jedoch wichtig zu unterscheiden, dass Substanzen verschiedene Auswirkungen auf die Abhängigkeit haben. Zum Beispiel weisen Kokain und Cannabis kaum eine physische Abhängigkeit auf, was sich im Entzugsverhalten zeigt – im Gegensatz zu Opioiden oder Alkohol. Interessant ist eine Studie aus Berlin aus dem Jahr 1994, die zeigte, dass Jugendliche die Abhängigkeit von Substanzen anders wahrnehmen als es die ICD 10-Richtlinien vorgeben.

Das was für uns zählt ist was die Menschen selbst über ihren Konsum und ihre Abhängigkeit sagen. Menschen, die Hilfe suchen, brauchen Unterstützung, unabhängig von starren Definitionen. Denn individuelle Bedürfnisse stehen im Vordergrund.

Dominic May (Drogenhilfe Hildesheim)

Herr May betont, dass die individuelle Entscheidung und Selbstverantwortung im Umgang mit Suchtmitteln wichtig ist, sodass keinem durch das Verhalten Schaden zugefügt wird. Entscheidend ist jedoch, dass Menschen, die Hilfe suchen, diese auch erhalten, unabhängig von den Richtlinien und Definitionen.

Auswirkungen auf die Kriminalität

Der Blick auf die Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung erstreckt sich nicht nur auf gesundheitliche Aspekte, sondern wirft ebenfalls ein Licht auf Veränderungen im Bereich der Kriminalität. Die Frage nach möglichen Einflüssen auf das kriminelle Geschehen rückt in den Fokus.

Die Drogenhilfe vertritt eine klare, weltweit akzeptierte Haltung: Die Kriminalisierung von Drogenkonsumenten und das Verbot von Substanzen führen nicht zur Lösung des Problems, wie es in vielen Teilen der Welt deutlich wird. Ein sinnvoller Jugendschutz, verbunden mit angemessenen Angeboten, ist bei sämtlichen Drogen von Bedeutung. Interessanterweise können auch legale Substanzen wie hochpotente Psychopharmaka abhängig machen und gesundheitlichen Schaden anrichten, manchmal sogar mehr als illegale Drogen. Die Entdramatisierung und Entstigmatisierung illegaler Substanzen ist von essentieller Bedeutung. Allerdings sollte dies nicht zu einer Verherrlichung führen, ähnlich wie es im Alkoholbereich zuweilen der Fall ist. Dass ein Werbespot für „Bitburger“ direkt nach einem „Keine Macht den Drogen“- Beitrag folgt, ist ein gutes Beispiel für diese Ambivalenz, die vermieden werden sollte.

Dr. Soellner teilt eine ähnliche Ansicht: Sie weist darauf hin, dass Werbung für Bier vor Fußballspielen ganz selbstverständlich ist und als normal angesehen wird. Dabei wird der leichte Rauschzustand von Cannabis sogar oft als Kavaliersdelikt abgetan.

Die Drogenhilfe Hildesheim führte vom 26. bis 30. Juni im Gebäude des Hildesheimer Stadttheaters eine Aktionswoche unter dem Namen „Talking About Drugs“ durch. Einer der Vorträge der Woche trug den Titel „Wir geben das Gras frei – und nun?“ und wurde von der Referentin Prof. Dr. habil. Gundula Barsch gehalten, einer Soziologin der Hochschule Merseburg, die sich seit vielen Jahren mit dem Themenfeld Sucht beschäftigt. Auf ihrer Website sind zahlreiche ihrer Forschungsberichte einsehbar.

In ihrem Vortrag zum Thema Cannabis geht sie auf verschiedene Aspekte ein, darunter auch die Auswirkungen auf die Kriminalität. Durch ihre Erfahrungen mit der Legalisierung von Cannabis in Kalifornien berichtet sie von einer Umverlagerung der Strafverfolgung. Dadurch geraten Jugendliche vermehrt ins Visier, da das Einstiegsalter beim Cannabiskonsum etwa bei 15 bis 16 Jahren liegt. Sie kritisiert, dass diese Tatsache oft ausgeblendet wird und hinterfragt, wie dies im Rahmen der Legalisierung in Deutschland gehandhabt wird. Dennoch vertritt auch sie eine ähnliche Meinung wie Herr May und Frau Dr. Soellner.

Foto: Image Creator by Dall-E

Website von Prof. Dr. habil. Gundula Barsch

Eigentlich war geplant, ein Interview mit der Polizei durchzuführen, jedoch haben sie nach mehreren Anfragen folgendes mitgeteilt:

Foto: Image Creator by Dall-E

Wir bitten um Verständnis, dass wir als Polizeiinspektion keine Stellung zur Cannabis-Richtlinie bzw. zu politischen Bestrebungen und Forderungen in Zusammenhang mit einer Cannabis-Legalisierung beziehen.

Polizeiinspektion Hildesheim

VIELFÄLTIGE ANSÄTZE IN DEUTSCHLAND

Hildesheim befindet sich in Niedersachsen. Aufgrund der Länderhoheit hat das Land Niedersachsen die Möglichkeit, die bisher bestehende Strafverfolgung in Bezug auf den Cannabiskonsum selbst zu definieren.

Laut dem Deutschen Hanfverband (DHV) hat Niedersachsen eine vergleichsweise liberale Richtlinie zur Anwendung des § 31a BtMG (Betäubungsmittelgesetz), der das Absehen von der Strafverfolgung bei geringen Cannabis-Mengen regelt. Die Richtlinie wurde im Jahr 2017 geändert und sieht vor, dass die Staatsanwaltschaft von der Verfolgung absehen soll, wenn eine Person bis zu sechs Gramm Cannabis zum Eigenverbrauch besitzt. Dies stellt eine positive Entwicklung dar, da eine solche Richtlinie den Fokus weg von Kleinmengen und hin zu anderen Schwerpunkten lenkt.

Besonders bemerkenswert ist, dass diese Richtlinie auch für den zweiten oder dritten Wiederholungsfall innerhalb von zwei Jahren gilt, vorausgesetzt, es liegen keine besonderen Umstände vor. Dies zeigt eine pragmatische Herangehensweise an die Strafverfolgung, die sich auf wiederholte Verstöße konzentriert, anstatt Einzelpersonen mit geringen Mengen Cannabis unnötig zu belasten.

Länderhoheit

Deutschland ist bekannt für seinen Föderalismus, der den 16 Bundesländern eine hohe Autonomie gewährt. Dieses Konzept, bekannt als Länderhoheit, erlaubt den Ländern, ihre Angelegenheiten eigenständig zu regeln. Bildung, Kultur, Polizei, Justiz und vieles mehr liegen in ihrer Verantwortung.

Foto: Image Creator by Dall-E

Niedersachsen liegt im Vergleich zu den anderen Bundesländern im Mittelfeld. Einige Bundesländer haben eine höhere Grenze für den Besitz von Cannabis festgelegt, wie zum Beispiel Berlin (15 Gramm), Thüringen (10 Gramm) oder Schleswig-Holstein (10 Gramm). Andererseits gibt es auch Bundesländer, die eine niedrigere oder sogar keine Grenze für den Cannabisbesitz haben, wie Bayern (keine Grenze), Baden-Württemberg (sechs Gramm nur beim ersten Mal) oder Sachsen (keine Grenze). Diese Unterschiede in den Regelungen verdeutlichen die vielfältigen Ansätze der einzelnen Bundesländer im Umgang mit dem Thema Cannabis.

In mehreren Bundesländern erwägt man im Rahmen der Cannabis-Legalisierung den Test kommerzieller Lieferketten, die von der Produktion über den Vertrieb bis zum Verkauf in Fachgeschäften reichen. Allerdings bleibt die genaue Auswahl der beteiligten Regionen noch unklar. Interesse daran haben unter anderem Städte wie Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Bayern hingegen lehnt die Pläne der Ampel-Regierung strikt ab. Diese unterschiedlichen Standpunkte verdeutlichen die Debatte über den möglichen Einsatz von kommerziellen Cannabis-Lieferketten in verschiedenen Teilen Deutschlands.

CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR HILDESHEIM

Foto: Image Creator by Dall-E

Obwohl der Verkauf von Cannabis und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile noch nicht in allen Details geklärt sind, könnte Hildesheim dennoch eine Rolle als Teststadt in diesem neuen rechtlichen Rahmen spielen.

Die Drogenhilfe äußert dazu: „Ich bin nicht unbedingt Freund von der Apotheke, also Alkohol in der Apotheke passt auch nicht. Es müsste Stellen geben, die Lizenzen haben, wo die Leute geschult und aufgeklärt sind. Außerdem muss den Menschen ausgeglichenes Cannabis angeboten werden und nicht dieses hochgezüchtete Zeug.“ Diese Aussage unterstreicht die Notwendigkeit, den Cannabismarkt mit besonderem Augenmerk auf Qualität und professionelle Beratung zu gestalten.

Frau Soellner hebt die Relevanz der Kontrolle über die Inhaltsstoffe von Cannabis hervor: „Wenn man bedenkt, dass man auch ein gewisses Maß an Kontrolle über die Inhaltsstoffe haben möchte, finde ich es äußerst positiv, wenn diese Kontrolle gewährleistet ist. Ähnlich wie bei der Einnahme von Aspirin bevorzuge ich Produkte, bei denen ich sicher sein kann, dass sie die erwarteten Inhaltsstoffe enthalten. Ein verantwortlicher Ansatz wäre, verschiedene Wirkstoffkombinationen zur Verfügung zu stellen, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Es gibt verschiedene Körperreaktionen abhängig von der eigenen Verfassung oder von der aktuellen Situation. Daher wäre eine breite Auswahl an Optionen sinnvoll.“ Dies verdeutlicht die Wichtigkeit von Informationen und einer vielfältigen Produktpalette für mögliche Konsumenten im Rahmen einer eventuellen Cannabis-Legalisierung.

Im Rahmen des Interviews mit der Drogenhilfe, vertreten durch Herrn May, wurde deutlich, dass eine Vielzahl von Angeboten zur Verfügung steht, die sich unmittelbar auf die gesundheitlichen Aspekte des Cannabiskonsums beziehen. Herr May betont: „Unsere Angebote umfassen Substitutionsbehandlungen sowie psychosoziale Betreuung für etwa 200 Personen, die Unterstützung in verschiedenen Lebenslagen benötigen, sei es bei Konflikten mit dem Jobcenter oder anderen Anliegen wie dem Umgang mit Konsummitteln oder rechtlichen Fragen. Wir legen großen Wert auf Beratung und bemühen uns, innerhalb von 14 Tagen einen Termin für jeden Ratsuchenden zu arrangieren, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Zusätzlich bieten wir in unserem niedrigschwelligen Bereich, der Küche, Möglichkeiten für Heroinabhängige, Spritzen auszutauschen, Wäsche zu waschen und gemeinsam zu kochen. Dieses Angebot dient dazu, die Menschen von der Straße zu holen und gleichzeitig praktische Unterstützung anzubieten.“

„In unserer Einrichtung finden besonders Menschen über 40, die keine Ausbildung oder Arbeit haben, Unterstützung. Viele von ihnen sind körperlich beeinträchtigt durch Erkrankungen wie Hepatitis, HIV oder kardiovaskuläre Probleme und werden wahrscheinlich nie wieder arbeiten können. Unsere Dienstleistungen sind breit gefächert, wir bieten Angehörigenarbeit und psychologische Unterstützung für Familienmitglieder. Zudem organisieren wir Vorbereitungskurse für Menschen, die ihren Führerschein aufgrund von Straßenverkehrs- oder BTM-Delikten verloren haben.“

Foto: Image Creator by Dall-E

„Häufig führen wir medizinische Rehabilitationsangebote für Abhängigkeitserkrankte durch. In Gruppensitzungen, die zweimal wöchentlich von 17 bis 19 Uhr stattfinden, begleiten wir unsere Klient*innen über einen Zeitraum von 6 bis 18 Monaten. Wir kümmern uns auch um die finanzielle Abwicklung der Angelegenheiten mit Versicherungen oder Krankenkassen. Um Menschen direkt auf der Straße zu erreichen, setzen wir sogar einen Bus ein, der aktiv nach Bedürftigen sucht und Hilfestellung anbietet.“

„Ein weiterer wichtiger Aspekt ist unsere Präventionsfachkraft, die gezielte Tools und Angebote in Schulen anbietet, um präventiv auf das Thema Sucht und Drogen aufmerksam zu machen.“

Soziale und gesellschaftliche Implikationen

Herr May kann aufgrund seines Lehrauftrags an der HAWK berichten, dass mindestens 50 bis 60% der angehenden Sozialarbeiter mit illegalen Drogen in Kontakt kommen. Er weist in seinen Seminaren zusätzlich auf die negativen Folgen hin. Wie beispielsweise Einträge im Führungszeugnis, die berufliche Einschränkungen nach sich ziehen können. Dies verdeutlicht, dass der Umgang mit Drogen eine gewisse Komplexität mit sich bringt.

Foto: Image Creator by Dall-E

Es gehört zum Studenten*innen sein ein Stück weit dazu. Feiern, Partys und Konsum. Es ist ein jugendtypisches Verhalten, etwas auszuprobieren. Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen stark in der Persönlichkeit und im Selbstbewusstsein sind. „Nein“ sagen können, vernünftig damit umgehen können und Grenzen kennen. Das ist ein wichtiger präventiver Ansatz, den man haben muss.

Dominic May (Drogenhilfe Hildesheim)

Dr. Soellner hebt hervor, dass eine ausgewogene Aufklärung notwendig ist, um einen differenzierten Umgang mit Drogen zu fördern. Einstellungen zu legalisierten Drogen können sich im Laufe der Zeit normalisieren. Dennoch betont sie die Wichtigkeit eines verantwortungsbewussten Umgangs, besonders in psychisch schwierigen Phasen. Die sozialen und gesellschaftlichen Implikationen des Drogenkonsums verdeutlichen die Notwendigkeit einer ausgewogenen Aufklärung und präventiver Maßnahmen, um junge Menschen in ihrer Persönlichkeit zu stärken und sie auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit Suchtmitteln vorzubereiten.

BEWERTUNG UND AUSBLICK

Die Diskussion um die Cannabis-Legalisierung in Hildesheim hat tiefe Einblicke in die sozialen und gesellschaftlichen Implikationen des Cannabiskonsums gewährt. Die Interviews mit der Drogenhilfe Hildesheim und Frau Dr. Soellner haben verdeutlicht, dass die Debatte nicht nur Gesundheitsaspekte, sondern auch soziale Auswirkungen und präventive Ansätze miteinbeziehen muss.

In der Zukunft wird die Cannabis-Legalisierung in Hildesheim und anderen Städten weiterhin eine kontroverse Debatte sein. Die Entwicklung von effektiven Jugendschutzgesetzen und qualifizierten Angeboten für Konsumenten wird eine zentrale Rolle spielen. Wie sich diese Debatte entwickeln wird und welche Entscheidungen getroffen werden, bleibt abzuwarten. Die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen lassen darauf schließen, dass die Debatte über die Cannabis-Legalisierung und dessen geplanter Umsetzung der Politik noch lange nicht abgeschlossen ist.

Abschließend möchte ich mich herzlich bei der Drogenhilfe Hildesheim und Frau Dr. Soellner für ihre wertvollen Einblicke und die Offenheit bedanken.

Ein Beitrag von: Damian Liam Fielding, veröffentlicht am 14.09.2023

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