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Die Brennnessel

  • 23. November 2020
  • Kulturpraxis

 Volkstümlich auch:

Donnernessel, Donnernettel, Dudelkolbe, Estekraut, Feuerkraut, Gichtrute, Große Neddeln, Hanfnessel, Nessel, Saunessel, Senznessel, Tausendnessel, Teufelskraut, Tissel, Tittenkölbl, Zingel.

– – –

Rezepte, Geschichten und Gedicht – Die Brennnessel macht deutlich mehr Spaß, wenn man weiß, was man mit ihr anzufangen hat, als wenn man zum x-ten Mal darunter leiden muss, dass man sie versehentlich im Vorübergehen gestreift hat. Doch es ist nicht schwer, sich für die zugefügten Schmerzen zu rächen – esst die Pflanze einfach auf.

Brennnesselgedicht

Fasse sie nicht an, denn sie brennt dich,

so als griffest du ins Feuer!

Doch, was so dich will erschrecken,

sei als nützlich Kraut dir teuer.

Hinter ihrer biss’gen Miene

will sie Güte nur verstecken

Blatt und Stengel musst du pflücken,

ihren Nutzen zu entdecken.

Jungen Schoss nimm zu Gemüse

aus den Fasern Nessel spinne,

aus dem Saft doch für die Haare

dir ein Elixier gewinne!

– Max Rieple (aus „Kleine Kräuter-Apotheke“, 1962)

Wurde im 18. Jahrhundert in Skandinavien eigens angebaut, wobei die Fasern der Stengel zur Textilherstellung und die Blätter als Gemüse Verwendung fanden. Generell war sie früher eine der wichtigsten Faserpflanzen, da der Stengel ähnlich wie der Lein sehr lange und feste Bastfasern besitzt. Auch in Deutschland und Österreich stellte man zur Zeit des ersten Weltkrieges wieder aus Nesselfasern Stoff her, da es nicht genug Baumwolle für die Uniformen der Soldaten gab.

Auch im 2. Weltkrieg tauchte die Brennnessel wieder auf, denn ihr Export nach England wurde gestoppt. Die Engländer hätten sie ja nutzen können, um Tarnfarbe daraus herzustellen und ihre Verwundeten zu heilen…

Besonders im Mittelalter, wo Auspeitschung ja ohnehin als Lösung aller Probleme angesehen wurde, sei es nun zur Selbstbestrafung, damit Gott endlich die Pest von der Erde nimmt, oder als tatsächlich legitimes (wenn auch schmerzhaftes) medizinisches Mittel, wurde die Brennnessel gegen rheumatische Leiden benutzt, eben durch Auspeitschung der betroffenen Stellen. Durch die hervorgerufene Hautentzündung aufgrund der Ameisensäure entsteht eine gesteigerte Durchblutung der Haut sowie der darunter gelegenen Organbezirke.

Früher aß man am ersten Tag des Jahres, also am 1. Januar, einen Brennnesselkuchen, um sich ein gutes Jahr zu bescheren. Außerdem gab es am Johannistag Brennnesselpfannkuchen, damit man gegen Nixen- und Elfenzauberei immun war.

Hildegard von Bingen nannte die Brennnessel auch „Dudelkolbe“. Sie verglich den Kolben mit der weiblichen Brustspitze (die man damals auch Tute nannte). Ähnlich entstand wohl auch der Name „Tittenkölbel“.

Man mischte Hühnern Brennnesselsamen ins Futter, sodass sie viele Eier legen würden.

Wenn die Pflanze sehr hoch wuchs, sollte es einen harten Winter geben.

Wenn die Brennnessel besonders gut blühte, sollte auch die Dinkelernte besonders gut sein.

Brennnesseln enthalten sehr viel Eisen!

Wenn du also eine Person bist, die Blut spendet, menstruiert oder aus anderen Gründen unter Blutarmut leidet, hilft die Brennnessel dir bei der Blutbildung und -reinigung – auch z.B. gegen Frühjahrsmüdigkeit und Schlappheit

Außer Eisen enthält die Brennnessel noch unter anderem die Vitamine A, C, und E. A ist dabei zuständig für gute Schleimhäute und super, wenn man Veganer*in ist (kommt ansonsten häufig in Fisch, Fleisch, Ei und Milchprodukten vor), C und E ergänzen dies, schützen die Zellen vor oxidativem Stress und garantieren ene normale Funktion des Immunsystems. Außerdem hilft die Brennnessel nicht nur bei Abwehr-Schwächen, sondern auch bei Abwehr-Überreaktionen, wie beispielsweise Allergien

Hilft gegen Haarausfall und Schuppen, festigt Nägel und kann sogar gegen unreine Haut helfen, durch ihre enthaltene Kieselsäure, Kalzium und den bereits erwähnten Vitaminen.

Auf den Kater erst mal einen schönen Brennnessel-Tee – oder bei einer Blasenentzündung, Menstruationsbeschwerden. Besonders die Blätter im Frühling sind dabei sehr wirksam, aber wundert euch nicht, wenn ihr öfter aufs Klo rennen müsst – irgendwie muss das Gift ja raus.

Falls ihr auf Schmerzen steht oder einfach was Medikamente angeht nur sehr sparsam und verzweifelt seid, könnt ihr die Brennnessel auch äußerlich benutzen und euch mit den Stängeln abschlagen. Hilft besonders bei Gelenkschmerzen, Arthrose, Gicht und Ähnlichem.

Wenn man mit Kräutern kocht, ist es schwer zu sagen, ob man nun nur zehn Blättchen oder gleich zweihundert Gramm benötigt — man pflückt einfach so viel man möchte und passt die restichen Gegebenheiten an. Deswegen sind die Rezepte unten so einfach wie möglich gehalten: um Freiraum zu geben. Wenn es einem zu herb ist, nimmt man weniger Brennnessel. Ansonsten kann man auch immer ein wenig Milch dazugeben, wenn man es milder mag.

Es versteht sich wahrscheinlich von selbst, dass es empfohlen ist, beim Pflücken Handschuhe zu tragen. Achtung, einfache Einmalhandschuhe reichen oft nicht. Wer sehr mutig ist oder einen plötzlichen und unstillbaren Hunger nach der Pflanze verspürt, kann auch die Schmerzen vermeiden, indem er/sie die Blätter kräftig und ohne Zögern vom Stiel Richtung Blattspitze hin streichend abreißt.

Am besten schmecken die Blätter, wenn man sie Mai-Juli erntet, obwohl sie noch bis zum November gepflückt werden können. Je älter sie werden, desto bitteren Geschmack nehmen sie an. Später im Jahr sollte man also eher die Sprossspitzen und jungen Blätter sammeln. Nach der Blüte schmecken die Blätter nicht mehr so gut, dafür aber die Samen, die vom Stängel herabhängen.

Vor dem Kochen immer die festeren Blattstiele wegschneiden und alles gut waschen. Nicht abbrühen, denn dadurch gehen die Vitamine und Mineralien verloren.

Die jungen Blätter im Frühjahr haben eine besonders harntreibende, entgiftende Wirkung. Das gesamte Kraut ist zur Blütezeit besonders entzündungshemmend. Die Samen im August/September wirken stärkend. Die Wurzel im März oder im Oktober heilt Blasen- und Prostataleiden.

Zusätzlich benötigt:

Olivenöl

Salz

Pfeffer

Zubereitung:

Blätter in Olivenöl unter Wenden ca. 10 Minuten anbraten und mit Salz/Pfeffer abschmecken.

Zusätzlich benötigt:

Semmelbrösel

1 TL Butter

Ei (ein halbes pro Person)

Salz

Bohnenkraut

Basilikum

 

Zubereitung:

1. Einen Teelöffel Butter mit Semmelbröseln verrühren und pro Person ein halbes Ei dazugeben.

2. Fein gehackte Brennesselblätter untermischen. Mit Salz, Bohnenkraut und Basilikum würzen.

3. Aus der Masse kleine Klöße formen.

4. In Salzwasser (oder gleich in der Suppe) kochen.

! Gut als Suppeneinlage !

Zusätzlich benötigt:

1 Tasse Obstessig

 

Zubereitung:

1. Obstessig zum Kochen bringen.

2. 1 EL Blätter und/oder Wurzeln mit kochendem Obstessig übergießen.

3. Nach 10 Minuten abseihen.

! Nach Abkühlen anwenden !

Zusätzlich benötigt:

Salz

Pfeffer

Dill

Butter/Margarine

Gemüsebrühe

(Kartoffeln)

 

Zubereitung:

1. Die (jungen) Brennnesselblätter in Salzwasser weichkochen und grob hacken.

2. In etwas Butter andünsten und mit der Brühe auffüllen.

(3. Kartoffeln fein würfeln und hinzufügen, wenn man die Suppe sämiger haben möchte.)

4. Mit Dill, Salz und Pfeffer würzen.

Zusätzlich benötigt:

Doppelt so viel Giersch wie Brennessel

1 große Zwiebel

Fett (Öl, Butter, Margarine…)

Salz

(Etwas Mehl)

 

Zubereitung:

1. Die Kräuter in Wasser kurz aufkochen lassen, abseihen und hacken.

2. Zwiebel in kleine Würfel schneiden.

3. Je nach Menge der Kräuter 1-2 Kaffeetassen voll Wasser in einen Kochtopf schütten und mit der Zwiebel zum Kochen bringen.

4. Die gehackten Kräuter und die nötige Menge Fett dazugeben, durchrühren und etwa 20 Minuten bei niedriger Temperatur kochen.

5. Salzen und nach Geschmack mit etwas Mehl binden.

Ein Beitrag von Ariane Siebel

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