Kulturagenten

Kulturagenten als Kooperationsstifter? Förderprogramme der Kulturellen Bildung zwischen Schule und Kultur


Das Institut für Kulturpolitik führt die Begleitforschung zum Projekt „Kulturagenten für kreative Schule“ durch



Die Frage wie Kunst und Kultur als fester Bestandteil in den Alltag von Kindern und Jugendlichen integriert werden kann, ist seit vielen Jahren Gegenstand des Diskurses um Kulturelle Bildung in Deutschland. Besonders der Schule wird in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Das Ziel des Modellprogramms „Kulturagenten für kreative Schulen“, das durch die Bundeskulturstiftung und die Stiftung Mercator initiiert und gefördert wird, ist es deshalb, ein fächerübergreifendes Angebot der Kulturellen Bildung in Schulen und langfristige Kooperationen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen sowie mit Künstlerinnen und Künstlern aufzubauen. Am Programm, das zwischen 2011 und 2015 durchgeführt wurde, waren 138 Schulen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen beteiligt. Diese wurden durch 46 Kulturagenten bei der Entwicklung von Konzepten, der Durchführungen von Projekten und dem Aufbau von Kooperationen unterschützt. 

Unter der Leitung von Dr. Tobias Fink sowie Prof. Dr. Wolfgang Schneider und unter der Mitarbeit von Dr. Thomas Renz und Dr. Doreen Götzky begleitete die Universität Hildesheim das Programm.

Die Ergebnisse der Begleitforschung wurden auf dem Fachtag "Aus Modellprogrammen lernen. Forschungsergebnisse zum Programm Kulturagenten für kreative Schulen" vorgestellt. 

 

„Nachhaltige Kooperationen schaffen, eine Herausforderung“

Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der Begleitforschung zum Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“ auf dem Fachtag „Aus Modellprogrammen lernen“ am 16. Juni 2016 in Hildesheim

Am 16. Juni veranstaltete das Institut für Kulturpolitik zum Abschluss der Begleitforschung des bundesweiten Programms Kulturagenten für kreative Schulen einen Fachtag auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim. Präsentiert wurden Ergebnisse der mehrjährigen Begleitforschung, die in Kooperation mit der Kulturstiftung des Bundes durchgeführt wurde. An dem Modellprogramm, das von der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator initiiert und bis 2015 mit jeweils bis zu 10 Millionen Euro gefördert wurde, nahmen insgesamt 138 Schulen teil, die von 46 Kulturagent_innen begleitet wurden. 

Über 100 Vertreter_innen aus Kultur-, Bildungs-, und Sozialpolitik, aus Stiftungen und Ministerien sowie WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen und ProgrammgestalterInnen diskutierten auf dem ausgebuchten Fachtag notwendige Veränderungen für die Weiterentwicklung von Förderprogrammen im Bereich der Kulturellen Bildung. Die Begleitforschung lieferte hierzu Erkenntnisse zur Zusammenarbeit zwischen Schulen und Kultureinrichtungen sowie theoretische Modelle, die der Analyse und Weiterentwicklung von Förderprogrammen dienlich sein können.

Fachtagung

(Foto: Julia Breit)

Dr. Tobias Fink, Dr. Thomas Renz und Dr. Doreen Götzky präsentierten in Ihrem Vortrag Kulturagenten als Kooperationsstifter zentrale Ergebnisse der Begleitforschung. Im Fokus der Forschung stand die Analyse der Programminstrumente im Hinblick auf (langfristige) Kooperationen zwischen Schulen und Kunst- und Kultureinrichtungen. Theoretisch fundiert wurde die Forschung durch die Theorie des Neoinstitutionalismus, demzufolge die Problematik von Kooperationen vor allem in Unterschieden zwischen den beteiligten organisationalen FeldernSchule und Kultur begründet liegt. Die Entwicklung und Durchführung gemeinsamer Projekte durch Partner aus verschiedenen Feldern stellt aus dieser Perspektive legitimatorisch, organisational, motivational und fachlich eine große Herausforderung dar. Die Forschung zeigt auf, dass die Instrumente des Programms, – KulturagentInnen, Kunstgeld, Kulturfahrplan und Kulturbeauftragte – in den beteiligten organisationalen Feldern unterschiedlich wirksam wurden. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse finden Sie hier.

In zwei auf den Vortrag folgenden Repliken nahmen Dr. Helle Becker und Anke Schad Stellung zu den Ergebnissen. Im Anschluss beleuchteten und diskutierten drei parallele Panels anhand von Impulsbeiträgen eingeladener Expert_innen spezifische Aspekte der Thematik. Das erste Panel widmete sich der Entwicklung von Programmen zwischen inhaltlichen Erfordernissen und politischen Möglichkeiten. Dr. Doreen Götzky diskutierte mit Kerstin Hübner von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, Prof. Dr. Dirk Jäschkke aus dem Sächsischen Ministerium für Finanzen sowie Sascha Willenbacher vom Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste Prozesse der Programmentwicklung und die mit diesen verbundenen Herausforderungen. Ausgangspunkt hierfür war die Erkenntnis, dass Programmdesigns nicht nur Ergebnis fachlich-inhaltlicher Überlegungen sind, sondern rechtlichen, politischen und finanziellen Rahmenbedingungen unterliegen. Unter dem Titel Zwischen Kultur, Schule und Sozialem: Ressortübergreifende Zusammenarbeit organisierendiskutierte Dr. Thomas Renz mit Dr. Angelika Tischer von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Anke Schad als Kulturpolitikforscherin und Evaluatorin sowie dem Kulturagenten Matthias Vogel aus Hamburg Herausforderungen durch das Aufeinandertreffen verschiedener organisationaler Felder. Im dritten Panel thematisierten Dr. Tobias Fink mit Yara Hackstein von der forum k&b und Dr. Helle Becker vom Büro Expertise & Kommunikation für Bildung in Essen die Gestaltung konstruktiver Evaluationen zwischen kritischer Begleitung und Legitimation. Erwartungen von Programmentwickler_innen, Förderern, Implementationsakteuren, Zielgruppen und Wissenschaftlern an Evaluationen und Begleitforschungen sind oftmals kontrovers. Wie kann mit dem Anspruch von Erfolgsevaluation, Prozessbegleitung oder Mitentwicklung angemessen umgegangen werden?

Zusammengefasst und dem Plenum präsentiert wurden die Ergebnisse der drei Panels durch Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Prof. Dr. Birgit Mandel und Nina Stoffers. In einer abschließenden Diskussion thematisierte Prof. Dr. Wolfgang Schneider mit Teresa Darian von der Kulturstiftung des Bundes und Dr. Tobias Diemer von der Stiftung Mercator die Relevanz der Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung von Förderprogrammen der beiden Stiftungen.

 

(Foto: Julia Breit)
v.l.n.r. Teresa Darian (Kulturstiftung des Bundes), Prof. Dr. Wolfgang Schneider,
Dr. Thomas Renz, Dr. Tobias Fink, Dr. Doreen Götzky, Dr. Tobias Diemer (Stiftung Mercator)

Die vollständigen Ergebnisse der Begleitforschung werden Ende des Jahres 2016 unter dem Titel „Kulturagenten als Kooperationsstifter? Förderprogramme der Kulturellen Bildung zwischen Schule und Kultur“ im VS Verlag erscheinen.


"Kooperation zwischen Schulen und Kulturpartnern im Programm Kulturagenten für kreative Schulen" - Zusammenfassung der zentralen Ergebniss und weiterführende Fragen  

 

Die Begleitforschung wurde in Kooperation mit der Kulturstiftung des Bundes durchgeführt.

Aktuelle Informationen zur Weiterführung des Programmes in den Bundesländern finden sie hier.

 

Eine weitere Begleitforschung zum Programm wird von Prof. Dr. Hermann Josef Abs (Universität Duisburg-Essen) gemeinsam mit  Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität Giessen) unter dem Titel „Entwicklung von kultureller Bildung zwischen Schule und externen Partnern im Programm Kulturagenten für kreative Schule“ durchgeführt.