Bildungswege: „Ich wollte unbedingt wieder studieren“

Montag, 15. Oktober 2018  / Alter: 61 Tage

Sajedeh Khabaz Ghazian und Jean Paul Turatsinze werden mit einem Stipendium ausgezeichnet. „Die feierliche Übergabe zum Semesterstart ist ein Zeichen für alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Universität fördert besondere Leistungen“, sagt Vizepräsident Professor Martin Schreiner.

Lehramtsstudentin Sajedeh Khabaz Ghazian und Informatikstudent Jean Paul Turatsinze mit Marina Hohage und Vizepräsident Martin Schreiner. Die beiden Studierenden erhalten ein Rotary-Stipendium. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Zwei Stipendien vergibt der Rotary-Club Hildesheim im neuen Studienjahr an zwei Studierende der Universität Hildesheim. Das Stipendium beinhaltet einmalig 1000 Euro für das Studienjahr Wintersemester 2018/19 und Sommersemester 2019.

Die Rotary-Stipendien Stipendien erhalten Sajedeh Khabaz Ghazian und Jean Paul Turatsinze für ihre besonderen Leistungen auf dem Weg in die Wissenschaft. Beide sind ohne Verwandte nach Deutschland gekommen und haben sich in den letzten Monaten und Jahren sehr darum bemüht, in kurzer Zeit die deutsche Sprache so gut zu erlernen, dass sie jetzt ein Studium in Hildesheim aufnehmen können.

„Die feierliche Übergabe zum Semesterstart ist auch ein Zeichen für alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Universität fördert besondere Leistungen“, sagt Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung. Die Universität Hildesheim vergibt bis zu 200 Stipendien im Studienjahr, darunter das „Deutschlandstipendium“, das „Lore-Auerbach-Stipendium“ sowie das Stipendium im „Minerva-Kolleg“. „Wir sind froh und dankbar, dass es Menschen in der Region Hildesheim gibt, die sich für Bildung engagieren“, sagt Schreiner. Die Universität Hildesheim sucht nun weitere Stifter, die Studentinnen und Studenten auf ihrem Bildungsweg unterstützen.

Sajedeh Khabaz Ghazian studiert ab Oktober 2018 Lehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch in Hildesheim. In den letzten Monaten fuhr sie täglich von einer kleinen niedersächsischen Stadt mit Bus und Bahn über Hannover bis nach Hildesheim. Ihr Ziel: der Sprachkurs an der Universität Hildesheim. Nun startet sie im Oktober in ihr Lehramtsstudium. „Ich lebe seit fünf Jahren in Deutschland. In Iran habe ich bereits Englisch studiert und unterrichtet. Als ich in Niedersachsen ankam, wollte ich unbedingt wieder studieren – das war immer mein Ziel. Anna Pulm vom International Office hat mich auf dem Weg an die Universität sehr unterstützt und beraten. In einem Schulpraktikum habe ich die Freude gefunden, mit Kindern zu arbeiten. Ich mag Sprachen, spreche Persisch, Deutsch und Englisch. Ich möchte unbedingt die deutsche Sprache beherrschen, ich werde viele Vorlesungen in Literatur- und Sprachwissenschaft besuchen“, sagt die 34-Jährige.

Jean Paul Turatsinze studiert seit dem Sommersemester 2018 am IT-Campus in Hildesheim. Da seine Hochschulzugangsberechtigung aus Ruanda in Deutschland nicht anerkannt wurde, hat der 23-Jährige in Hannover das Studienkolleg besucht und die Abschlussprüfung bestanden und parallel die Sprache gelernt. Er spezialisiert sich im Studiengang „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ in Hildesheim auf den Umgang mit Daten und Informationen. „Ich mag das Fach, ich habe schon in der Schule in Ruanda Computer als Schwerpunktfach belegt. Um ehrlich zu sagen, es ist schwer, aber ich versuche mir viel Mühe zu geben, um das Studium zu schaffen. Ich freue mich, wenn im Oktober endlich wieder die Vorlesungen beginnen“, sagt Jean Paul Turatsinze. Er besucht Vorlesungen in der Informatik und Informationswissenschaft.

Dr. Marina Hohage, Präsidentin des Rotary Clubs Hildesheim, über die Rotary-Stipendien:

„Der Rotary Club Hildesheim hat die Förderung junger Menschen zu seinem besonderen Schwerpunkt erklärt. Der gleichmäßige Zugang zur Bildung und beruflicher Perspektive steht dabei im Vordergrund. Studierende, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, haben nicht selten besondere Hürden zu bewältigen. Dies wird auch bei den in diesem Jahr ausgewählten Stipendiaten deutlich, die ohne ihre Eltern zu uns gekommen sind, sprachliche Barrieren überwinden mussten und bei allen zu organisierenden Details auf sich allein gestellt sind. Beide Stipendiaten haben mit beachtlichem Tempo und Erfolg die deutsche Sprache erlernt, engagieren sich ehrenamtlich an Schulen oder im kirchlichen Bereich und haben durch die Teilnahme an Vorbereitungskursen sowie regelmäßig lange Anreisewege enorme Anstrengungen aufgezeigt, um an der Stiftung Universität Hildesheim studieren zu können. Beide Studierende unterstützen wir sehr gerne und hoffen, damit einen Beitrag leisten zu können, dass sie an der Universität Hildesheim ihren erfolgreichen Weg fortsetzen können“, so Marina Hohage.

Studierende mit einem Stipendium unterstützen

Wer Studierende mit einem Stipendium unterstützen möchte, kann sich direkt an Markus Langer (05121 883 90130, markus.langer@uni-hildesheim.de) oder Prof. Dr. Martin Schreiner (05121 883 11102, martin.schreiner@uni-hildesheim.de) wenden.

Stiftungskultur an der Universität Hildesheim

Die Universität Hildesheim ist Träger des Deutschen Hochschulfundraisingpreises 2018. Der Deutsche Hochschulverband hat die Stiftungskultur in Hildesheim ausgezeichnet. Hildesheimer Bildungsstifterinnen und Bildungsstifter – Bürger aus der Stadt und Region sowie Unternehmen und Stiftungen – tragen mit ihren Spenden dazu bei, dass Bildungswege junger Menschen unterstützt und neue Forschungsgebiete ausgebaut werden können.

Übersicht über Stipendienprogramme der Universität Hildesheim

Von: Pressestelle, Isa Lange

Lehramtsstudentin Sajedeh Khabaz Ghazian und Informatikstudent Jean Paul Turatsinze mit Marina Hohage und Vizepräsident Martin Schreiner. Die beiden Studierenden erhalten ein Rotary-Stipendium. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim