Wissen grenzübergreifend zusammenbringen: Internationaler Doktorand*innen-Austausch nach Hildesheim

Freitag, 22. Oktober 2021 um 13:21 Uhr

Für drei Monate forschen die Promovenden Amr Azouz aus Ägypten und Anna Rosa Schlechter aus Österreich an der Universität Hildesheim. Gefördert wird ihr Austausch durch STIBET, dem Stipendienprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdiensts für internationale Doktorand*innen.

Amr Azouz. Foto: Mara Schrey

Anna Rosa Schlechter promoviert an der Universität Wien am Institut für Judaistik über den österreich-israelischen Aphoristiker Elazar Benyoëtz und dessen literarische Zweisprachigkeit. Zwischen Aufenthalten in Jerusalem forscht sie nun für drei Monate an der Universität Hildesheim zu Parallelen in seinen deutschen und hebräischen Werken. „Besonders spannend ist, dass ich mich in Hildesheim direkt mit einem führenden Experten austauschen und Feedback zu meinem Dissertationsvorhaben bekommen kann.“ Regelmäßig tauscht sie sich mit Prof. Dr. René Dausner aus, der am Institut für Theologie an der Universität Hildesheim lehrt und ebenfalls über Benyoëtz promovierte.

„Besonders spannend für mich ist, dass ich mich in Hildesheim direkt mit einem führenden Experten austauschen und Feedback zu meinem Dissertationsvorhaben bekommen kann.“ (Anna Rosa Schlechter)

Amr Azouz promoviert an der Ain-Shams-Universität in Kairo über die Ambiguitätsthematik beim literarischen Übersetzen von der arabischen Sprache in die deutsche. Anhand des Romans „Die Kinder unseres Viertels“ von Nagib Machfus untersucht er, wie sich Werke angesichts der Verschiedenheit von Kulturen adäquat übersetzen lassen. An der Universität Hildesheim kann er sich mit der Wissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Montanari austauschen, die schwerpunktmäßig zum Thema Mehrsprachigkeit forscht. Zudem profitiert er von dem fachlichen Austausch mit Vizepräsidentin Prof. Dr. Bettina Kluge vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Burkhard Moennighoff.

„Durch die Diskussionen konnte ich neue Perspektiven für meine Arbeit gewinnen“, erzählt Amr Azouz. Hilfreich für seine Dissertation sind insbesondere auch Quellen aus Hildesheim. Im Rahmen des Austauschs hospitierte er an der ältesten Schule Nordeuropas, am Hildesheimer Andreanum, bei Dr. Sabine Schreiner, die über Deutsch als Fremdsprache promovierte, und lernte so den Schulalltag kennen. Seine Forschung präsentierte er im September in einem Vortrag an der Universität Hildesheim.

„Mein Dissertationsvorhaben habe ich im Doktorand*innenkolloquium vorgestellt, was eine gute Plattform für gegenseitigen Austausch und Feedback darstellt“, erzählt Anna Rosa Schlechter.

Praktisch findet sie die kurzen Strecken in Hildesheim im Vergleich zu ihrer Heimatuniversität: „Die Universität Wien ist die größte Österreichs und verteilt sich auf die ganze Stadt. In Hildesheim ist alles in Fahrradnähe. Es ist alles etwas kompakter und sehr nett, Leute spontan wiederzutreffen, da man sich leichter begegnen kann. Hier ist es ruhiger. Es gibt nicht die Masse von Studierenden, wie ich es aus Wien kenne.“

„Hier ist alles in Fahrradnähe.“ (Anna Rosa Schlechter)

Neben ihrer Promotion arbeitet sie an Forschungsprojekten der Universität mit und erkundet in ihrer Freizeit die Hildesheimer Umgebung mit dem Semesterticket: „Es gefällt mir sehr, dass ich mir damit ganz Niedersachsen anschauen kann. Ich habe so wirklich schöne Orte entdeckt.“

Abgerundet wurde der Aufenthalt von Amr Azouz durch einen Besuch im Römer Pelizaeus-Museum, eine Stadtführung in Göttingen und eine Wanderung mit Goethes „Faust“ im Gepäck zum Brocken, auf dem die Szene „Walpurgisnacht“ spielte.

Gefördert wird der dreimonatige Austausch der beiden internationalen Promovierenden nach Hildesheim durch das Stipendien- und Betreuungsprogramm für internationale Doktoranden und Postdoktoranden (STIBET) des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). Das Programm ermöglicht die individuelle Betreuung von Promovierenden aus dem Ausland.

„Die Förderung von Forschenden durch solche Projekte ist wichtig, insbesondere da wir in Heimatuniversitäten von Entwicklungsländern keine großen Förderungsmöglichkeiten haben“, sagt Amr Azouz. „Ich hoffe, die Chance zu bekommen, die Stadt und die Universität Hildesheim wieder zu besuchen.“

Auch im kommenden Jahr wird das STIBET vom International Office ausgeschrieben und Professor*innen sind herzlich eingeladen, Promovenden für den nächsten Austausch vorzuschlagen.  

Text: Mara Schrey

 

Das International Office

Das International Office ist die Anlaufstelle der Universität Hildesheim für alle Austausch- und Gaststudierende und solche, die es werden wollen. Informationen zu einem Austausch nach Hildesheim finden internationale Promovenden hier.

 

 


Von links: Prof. Dr. René Dausner, Amr Azouz, Anna Rosa Schlechter, Anna-Maria Pulm (Intern. Office) und Ulrike Bädecker-Zimmermann (Intern. Office) Foto: Mara Schrey

Anna Rosa Schlechter Foto: Mara Schrey