Nach dem Erdbeben in Mexiko: „Danke, dass ihr meinem Land helft“

Mittwoch, 15. November 2017  / Alter: 157 Tage

Mexiko wurde im September von schweren Erdbeben erschüttert. Die Universität Hildesheim arbeitet mit der mexikanischen Universität in Toluca seit 2010 zusammen und unterstützt die Partnerhochschule am Freitag, 17. November, mit einer Benefizveranstaltung. Die Studentin Anastasia Kauz hat das Erdbeben in Mexiko miterlebt. Hier berichtet sie von der Naturkatastrophe und dem Wiederaufbau.

Mexiko wurde im September 2017 von schweren Erdbeben erschüttert, die zahlreiche Todesopfer und erhebliche Sachschäden forderten. Fotos: Noemi Cornalo/privat

Benefizveranstaltung für die Erdbebenopfer in Mexiko

Mexiko wurde im September 2017 von zwei schweren Erdbeben erschüttert, die zahlreiche Todesopfer und erhebliche Sachschäden in mehreren Bundestaaten forderten – auch in der Region der Partneruniversität Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex), nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Die Universität Hildesheim arbeitet mit der Partneruniversität seit 2010 eng zusammen. Mit einer Benefizveranstaltung am Freitag, 17. November 2017 (Programm als PDF) soll der Wiederaufbau in Mexiko unterstützt werden. Die gespendete Summe wird an die Universität UAEMex weitergeleitet, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Studierende der Fakultät für Architektur entwickeln damit Projekte zum Wiederaufbau. Schirmherr der öffentlichen Veranstaltung „Día de Muertos“ ist Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer. María Camacho-Mohr vom Verbindungsbüro der mexikanischen Universität an der Uni Hildesheim wird in einem Impulsvortrag Einblicke in den traditionellen mexikanischen Feiertag „Día de Muertos“ geben, an dem Tag wird den Verstorbenen gedacht. Neben mexikanischen Köstlichkeiten werden die Musiker Manuel Alejandro und Michael Orlovich lateinamerikanische Musik spielen. Außderdem zeigt die Tanzgruppe „Sol México“ traditionelle Tänze Mexikos. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei. Studierende, Lehrende und Bürger, die den Wiederaufbau unterstützen möchten, können sich gerne bei María Camacho-Mohr melden (Telefon 05121 883 92014, E-Mail camachom@uni-hildesheim.de).

Interview mit der Studentin Anastasia Kauz

Anastasia Kauz studiert an der Universität Hildesheim Sozial- und Organisationspädagogik. Derzeit ist sie zum Auslandssemester in Toluca und studiert an der Fakultät für Administration mit dem Schwerpunkt auf "Human Ressources". Die 24-Jährige hat Auslandserfahrungen im Bachelor und im Master gesammelt. Anfang September hat sie erlebt, wie ein Erdbeben Mexiko erschüttert. Gemeinsam mit weiteren Studentinnen hilft die Hildesheimer Studentin beim Wiederaufbau.

Sie studieren derzeit in Mexiko. Wie haben Sie das Erdbeben erlebt? Wie reagiert die Universität?

Anastasia Kauz: Die meisten von uns waren mittags, zu der Uhrzeit als das Erdbeben passierte, Zuhause. Da wir direkt an der Hauptstraße wohnen und man die vorbeifahrenden Busse im Haus merkt und die Vibration spürt, haben wir uns schon beim ersten Erdbeben am 8. September gefragt, was für ein Schwertransporter diesmal vor unserem Fenster fährt. Dieses Mal haben wir etwas schneller verstanden, was da gerade passiert. Wir riefen alle unsere Mitbewohner aus ihren Zimmern und versammelten uns, wie all unsere Nachbarn, mitten auf der Hauptstraße und warteten. Die Universität evakuierte alle Gebäude und entließ ihre Studentinnen und Studenten bis zum Ende der Woche nach Hause. In Toluca direkt ist kein Erdbeben ausgebrochen, im Bundesstaat Chiapas und in der Stadt Puebla (19. September) waren die Epizentren.

Sie studieren fern von zu Hause. Rückt man, obwohl man einander nicht kennt - in so einer Notsituation zusammen?

Anastasia Kauz: Wir, meine Mitbewohner und ich kennen uns nach der kurzen Zeit ganz gut. Und jeder war froh den anderen an diesem Tag zu sehen. Ich wohne mit Studierenden aus Argentinien, Kolumbien, Mexiko, Spanien und Deutschland zusammen. Mit dem Rest des Landes ist man schon näher gerückt. In der Universität war in jeder Veranstaltung das Erdbeben ein Thema und wie wir es überstanden haben. Alle zeigten sich sehr fürsorglich jedem gegenüber. Auch wir, alle meine ausländischen Mitbewohner, bekamen eine andere Verbindung zum Land und wollten helfen, wo wir nur konnten. Einige von uns fuhren nach Mexico-City, um dort direkt zu helfen, andere in umliegende Dörfer, wo es noch keine Rettungskräfte gab. Die Mexikaner bedankten sich für unsere Hilfe mit den Worten: „Danke, dass ihr meinem Land helft.“. Ein ehrlicher und rührender Satz.

Wie geht es nun weiter? Läuft das Semester in Toluca, ist es unterbrochen, wie geht es weiter?

Anastasia Kauz: Seit ein paar Tagen ist alles - zumindest in meiner Fakultät wie beim Alten. Andere Fakultäten hat es schwerer erwischt und sie müssen erst darauf warten, bis die Lehre wieder freigegeben werden konnte.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Der Rektor der Universidad Autónoma del Estado de México äußert sich zur Erdbebenhilfe:

"Due to earthquakes of last September 7 and 19 that struck Mexico, our facilities in the main Rectorate Building and campus nearby Mexico City and Tenancingo City were damaged. I would like to express our appreciation on behalf of the Universidad Autónoma del Estado de México, for the noble gesture and solidarious spirit shown by Anastasia Kauz, Meike Margarete Huppatz, Emma Sofie Pruessner and Alina Krebs, who are our guests at UAEM this term. Amidst these adverse events, the students of Hildesheim made donations in kind and volunteered support of the Mexican Red Cross. This spontaneous action is not only a demonstration of the German people kind nature, but also hard proof of the comprehensive education Stiftung Universität Hildesheim provides students ."
Dr. Alfredo Barrera Baca, Universidad Autónoma del Estado de México

Kurz erklärt: Toluca und Hildesheim

Die Stiftung Universität Hildesheim und die Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) in Toluca kooperieren seit 2010 unter anderem in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen. Bisher haben etwa 50 Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Toluca an dem Austausch teilgenommen. Außerdem beinhaltet die Zusammenarbeit den Austausch von Dozentinnen und Dozenten sowie gemeinsame Veröffentlichungen, so entstand zum Beispiel ein Sammelband zur Fremdsprachenvermittlung.

Es gibt zahlreiche Kooperationsabkommen zwischen deutschen und mexikanischen Hochschuleinrichtungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und der Universidad Autónoma del Estado de México ist allerdings besonders: das Verbindungsbüro der mexikanischen Universität in Hildesheim ist die erste und einzige ständige Vertretung einer mexikanischen Hochschuleinrichtung in Deutschland.

Studierende und Dozentinnen und Dozenten, die Fragen zum internationalen Austausch haben, können das Team des International Office der Universität Hildesheim kontaktieren. Im Wintersemester 2017/18 studieren sechs Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim in Toluca, erstmals sind neben den Sprach- und Übersetzungswissenschaften auch eine Studentin aus der Psychologie und eine Studentin aus dem Bereich Sozial- und Organisationspädagogik in Toluca. Aus Toluca studieren derzeit sechs Studierende in Hildesheim im Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften sowie in Kulturwissenschaften & Ästhetische Kommunikation.
Die Universitäten wollen die Zusammenarbeit in den Bereichen Kulturwissenschaften, Informatik, Pädagogik und Sozial- und Organisationspädagogik sowie Sprachwissenschaft ausbauen.

Wie die Partnerhochschulen aus Toluca und Hildesheim zusammenarbeiten, lesen Sie hier.

Von: Pressestelle, Isa Lange

Mexiko wurde im September 2017 von schweren Erdbeben erschüttert, die zahlreiche Todesopfer und erhebliche Sachschäden forderten. Fotos: Noemi Cornalo/privat