Green, clean, safe: 23 % mehr Studierende aus dem Ausland

Donnerstag, 04. Oktober 2012 um 08:47 Uhr

Samuel Gross übersetzt Literatur und möchte seine Sprachkenntnisse verbessern. Kulturwissenschaftsstudentin Lea Zehaf ist begeistert von den Inszenierungen deutscher Theaterregisseure. 23 % mehr Studierende aus dem Ausland studieren in diesem Wintersemester an der Universität Hildesheim. In diesen Tagen stehen Intensivsprachkurse, Bibliothek- und Stadtführungen auf dem Programm, bevor die Lehrveranstaltungen starten.

„Der kriselnde Euro, Staatsschulden und Sparmaßnahmen werden in Medien und Politik debattiert, im Alltag spüre ich das kaum“, sagt Samuel Gross aus Brüssel. Der 23-Jährige studiert seit Oktober an der Uni Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“. „Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft. Jeder muss sich um Arbeit, um einen Beruf bemühen, auch wenn es dann vielleicht nicht der Traumjob ist.“ Seine Leidenschaft: Literatur. Auf russischsprachige und deutsche Übersetzungen hat er sich in drei Jahren Studium spezialisiert. „Aber davon kann ich nicht leben, also werde ich zusätzlich einen Beruf in der Tourismusbranche suchen.“ Statt Leipzig oder Saarbrücken hat er sich für den Studienort Hildesheim entschieden, Kommilitonen und Dozenten haben ihm die Stadt im Norden empfohlen. „Lesen und die Grammatik klappen schon ganz gut, in Hildesheim möchte ich mein gesprochenes Deutsch verbessern“, sagt Samuel Gross.

Auch für Lea Zehaf, die in der Schule in Frankreich Deutsch gelernt hat, steht im nächsten Studienjahr neben der Theaterpraxis und -theorie die Sprache im Mittelpunkt. In den Künsten sei Verständigung über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg möglich. „Aber gerade im Theater muss ich präzise mit Akzenten und Wörtern umgehen“, sagt die 20-jährige Kulturwissenschaftsstudentin der Uni Aix-Marseille und zeigt sich begeistert von den neuen, ungewöhnlichen Inszenierungen der deutschen Regisseure und Theaterschaffenden.

Die beiden zählen zu den 115 ausländischen Studierenden aus 22 Ländern, die in diesem Wintersemester im Rahmen des Erasmus-Programms oder anderer Förderinstitutionen ein oder zwei Semester an der Universität Hildesheim studieren. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der „incoming students" um 23 %. Warum Hildesheim? Elke Sasse-Fleige, Leiterin des International Office, fasst die Gründe in einem Satz zusammen, den sie häufig hört: „Green, clean, safe". Dass sei die Rückmeldung von Studierenden aus Großstädten wie beispielsweise Istanbul, Rom und Buenos Aires. Zudem kooperiert die Universität Hildesheim mit nunmehr 146 Partnerhochschulen in Europa, über 170 weltweit. Darunter sind Partnerhochschulen aus Frankreich, Novgorod und Südkorea, mit denen die Universität Hildesheim internationale Studiengänge mit Doppelabschluss vereinbart hat. Hwang Jin Yoon und Hyoung-Youn Go von der Pai Chai Universität in Korea wollen ihre Sprachkenntnisse verbessern, sie freuen sich auf das Studium „Internationales Informationsmanagement".

„Wir haben das Angebot an englischsprachigen Lehrveranstaltungen in diesem Semester deutlich ausgebaut. Gleichwohl wollen wir, dass die Studierenden deutschsprachige Lehrveranstaltungen besuchen, schließlich ist das die hiesige Wissenschaftssprache", sagt Elke Sasse-Fleige. Deshalb stehen in der nächsten Woche die Intensivsprachkurse Deutsch auf dem Programm. Außerdem ist der Austausch mit Hildesheimer Studierenden wichtig. Hier setzen die studentischen Initiativen „Erasmus-on-tour" und „Go.Intercultural" an. Zudem begleiten rund 100 ehrenamtliche „buddys" – Studierende der Universität Hildesheim aus höheren Semestern – ihre neuen Kommilitonen.

„Welche Missverständnisse und Chancen entstehen, wenn auf dem Campus, im Berufsleben oder Praktikum Menschen aus verschiedenen Ländern aufeinander treffen? An unseren interkulturellen Trainings nehmen 10 bis 20 Studierende aus unterschiedlichen Kulturen je Workshop teil“, so Anna-Lena Ahrens. Die Studentin des „Internationalen Informationsmanagements“ engagiert sich seit vier Jahren bei „Go.intercultural“. „Wir wollen aber keine Stereotype und Rezepte vermitteln, es kommt auf die Situation und die Personen an“, ergänzen Carolin Schlemme und Ina Voges. Seit 2009 haben 450 Studierende die Trainings besucht, im letzten Semester waren fast 40% der Teilnehmenden internationale Studierende. ECTS-Punkte und ein Zertifikat können erworben werden, das Institut für Interkulturelle Kommunikation unterstützt die studentischen Trainer. Die engagierten Studierenden von Erasmus-on-tour erkunden mit ausländischen Studierenden Deutschland. Sie organisieren auch in diesem Wintersemester Städtetouren nach Dresden oder Berlin und Fahrradtouren durch Niedersachsen, uns sie freuen sich über weitere Studierende, die mitmachen.