Publikationen


Rolf Elberfeld: Dekoloniales Philosophieren. Versuch über philosophische Verantwortung und Kritik im Horizont der europäischen Expansion. Hildesheim: Olms 2021.

Die Forderungen nach einer Dekolonisierung des Denkens und der Wissenschaften sind in den letzten Jahren immer eindringlicher geworden und haben inzwischen die europäischen Universitäten erreicht. Das vorliegende Buch versucht deutlich zu machen, warum auch die Philosophie einen Prozess der Dekolonisierung durchlaufen muss und was ein solcher Prozess für Forschung und Lehre in der Philosophie bedeutet. Ein zentraler Punkt ist dabei die Aufarbeitung der lang verleugneten Verstrickungen der europäischen Philosophie in die europäische Expansion und den Kolonialismus. In diesem Horizont beschäftigt sich das Buch mit Fragen der Entstehung des wissenschaftlich begründeten „Rassedenkens“ in der Philosophie sowie der eurozentrischen Geschichtskonstruktionen des 18. und 19. Jahrhunderts. Zudem werden Forschungsansätze zur Überwindung einer eurozentrischen Philosophie vorgestellt und die Frage aufgeworfen, wie im Prozess einer Dekolonisierung des Denkens ethisch-epistemische Verantwortung übernommen werden kann.

Calls to decolonise thinking and scholarship have become ever more insistent in recent years and have now reached European universities. The present volume seeks to explain why philosophy also needs to undergo a process of decolonisation, and what such a process might mean for research and teaching in the subject. A central point is to re-examine the long-denied involvement of European philosophy in European expansion and colonialism. Against this background, the book examines issues around the development of academically-based “racial theory” in philosophy and the Eurocentric constructions of history in the 18th and 19th centuries. It suggests approaches to overcoming Eurocentric philosophy and asks how ethical and epistemic responsibility can be taken in the process of decolonising thought.

Seite des Olms-Verlages

 

 

Anke Graneß /  Martina Kopf / Magdalena Kraus: Feministische Theorie aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Eine Einführung, Wien: facultas / Stuttgart: UTB, 2019. [Inhaltsverzeichnis]

Dieser Band präsentiert feministische Konzepte und Debatten aus Afrika und seiner Diaspora, aus Asien und Lateinamerika (z.B. Womanismus, islamische Feminismen, post- und dekoloniale Feminismen, Ökofeminismus) anhand ausgewählter Theoretikerinnen sowie deren kritische Auseinandersetzung mit der aus dem Westen rezipierten feministischen Theorie und Genderforschung.

Aus dem Inhalt:

  • Postkoloniale Theorie und Kritik:Feminismus und Dekolonisation
  • Schwarzer Feminismus, Womanismus,Intersektionalität
  • Feministische Theorien aus Afrika
  • Feministische Theorie und Islam
  • Feministische Theorie in Lateinamerika
  • Ökofeminismus

 

 

Rolf Elberfeld, Philosophieren in einer globalisierten Welt. Wege zu einer transformativen Phänomenologie, Alber: Freiburg i.B. 2017  [Inhaltsverzeichnis]

»Dass die Weltgeschichte von Zeit zu Zeit umgeschrieben werden müsse, darüber ist in unseren Tagen wohl kein Zweifel übrig geblieben.« (Johann Wolfgang von Goethe)

Die allumfassende globale Vernetzung bestimmt heute nicht nur unser Bild von der gegenwärtigen Welt, die Erfahrung dieser Vernetzung verändert seit gut 30 Jahren zunehmend auch unsere Auffassung von der Geschichte: durch Forschungsinteressen, die sich von einfachen nationalen Geschichtsschreibungen verabschieden und Vernetzung und Verflechtung ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen. Auch das Philosophieren hat längst auf diesen Prozess reagiert. Das Buch will eine verflechtungsgeschichtliche Perspektive auf verschiedene Weisen des Philosophierens eröffnen. Es reflektiert die methodischen Reaktionen auf die Globalisierungsprozesse in der Philosophie und den Geisteswissenschaften im 20. Jahrhundert. Schließlich zeigt es systematische Perspektiven auf, wie Philosophieren in einer globalisierten Welt heute entfaltet werden kann.

 

 

Rolf Elberfeld (Hg.), Philosophiegeschichtsschreibung in globaler Perspektive, Meiner: Hamburg 2017 [Inhaltsverzeichnis]

Programm der Tagung 2016

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Philosophiegeschichtsschreibung – vom breiten Strom der europäischen Fachphilosophie weitgehend unbemerkt – zu einem globalen Projekt geworden. Während die Philosophiegeschichtsschreibung zur europäischen Philosophie sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts zunehmend auf Europa konzentrierte und fast alle anderen Traditionen aus der Philosophie ausschloss, entstanden in verschiedenen Philologien sowie verschiedenen Ländern und Sprachen Philosophiegeschichtsschreibungen beispielsweise zur indischen, chinesischen, japanischen, afrikanischen, lateinamerikanischen, arabischen und jüdischen Philosophie, die bisher noch nicht übergreifend untersucht und in eine globale Perspektive gerückt worden sind.

In neuerer Zeit sind zudem verschiedene Versuche unternommen worden, Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive zu entwerfen, die im englischsprachigen Bereich zumeist unter dem Titel „History of World Philosophies“ firmieren. Der vorliegende Band versammelt Analysen zu den verschiedenen Philosophiegeschichtsschreibungen, zur Entstehung der europäischen Philosophiegeschichtsschreibung und zum damit einhergehenden Ausschluss anderer Traditionen des Denkens und bietet darüber hinaus eine Übersicht global orientierter Philosophiegeschichten, eine Forschungsbibliographie zum Gesamtthema und eine Bibliographie zur Philosophiegeschichtsschreibung in japanischer Sprache.

Der Band eröffnet erstmals philologisch rückgebunden ein globalisiertes Bild der Philosophiegeschichtsschreibung, das es in vielfältiger Weise weiter zu erforschen gilt.


Zeitschriftenbeiträge

 

 

Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive. Ein Gespräch mit Anke Graneß

Zeitschrift weiter denken. Journal für Philosophie, Nr. 1/2021 (Themenschwerpunkt "Arabische Philosophie")

Mit Begriffen wie ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ würde ich im Zusammenhang mit Narrativen zur Geschichte der Philosophie nicht operieren wollen. Der Punkt ist vielmehr zu verstehen, dass es sehr verschiedene Möglichkeiten gibt, die Geschichte dessen, was wir als Philosophie bezeichnen, zu erzählen. Diese Erzählungen gehen immer mit Ein- und Ausschließungen einher, abhängig von dem, was jeweils unter Philosophie verstanden wird. Charakteristisch für die heute dominante Erzählung der Philosophiegeschichte, wie wir sie aus dem Unterricht oder aus Büchern kennen, ist, dass sie mit einem zunehmend verengten Blick einhergeht. Denn ausgeschlossen oder abgewertet wurden und werden ja nicht nur außereuropäische Philosophietraditionen und Philosophinnen, sondern auch weisheitliches Denken sowie viele verschiedene Formen, in denen sich Philosophie über Jahrhunderte ausgedrückt hat, wie Meditationen, das Gespräch oder verschiedene ästhetische Praktiken, sodass am Ende nur noch Texte in Form eines philosophischen Traktats übrig blieben. Ich würde also eher von verengten und offenen Perspektiven auf die Philosophiegeschichte sprechen und nicht von richtig oder falsch. [...]

 

 

Reinhard-Koselleck Projekte „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“ (aktueller Stand und Aussicht)

Rolf Elberfeld (Universität Hildesheim), 28.2.2021 (Information Philosophie)

Geschichten der Philosophie sind für viele noch immer wichtige Quellen, um sich mit den geschichtlichen Entwicklungen des Denkens vertraut zu machen. Diese literarische Gattung hat inzwischen selbst eine lange Geschichte. Vergleicht man Philosophiegeschichtsschreibungen aus verschiedenen Jahrhunderten, so wird schnell klar, dass die jeweils dargestellten Themen und Personen sich stark voneinander abweichen. Das Forschungsprojekt „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“ hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Philosophiegeschichtsschreibungen innerhalb und außerhalb Europas in möglichst vielen verschiedenen Sprachen zunächst zu sichten – derzeit sind es bereits über 20 Sprachen –, um dann aufgrund einer neuen Materialbasis und im Rahmen längeren Auseinandersetzungen eine methodische Basis für eine globale Perspektive in der Philosophiegeschichtsschreibung zu entwickeln. [...]

 

 

 

Presseartikel


Information Philosophie 2019_3

Die Zeitschrift Information Philosophie hat in ihre Auflagen 2019_3 über das Projekt "Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive" referiert.

Die Deutsche Forschungs-Gemeinschaft hat den Antrag von Rolf Elberfeld auf eine Reinhart Koselleck-Projekt mit dem Thema "Geschichte der Philosophie in globaler Perspektive" bewilligt. Für das Projekt stehen insgesamt 1,25 Millionen Euro für fünf Jahre zur Verfügung. "Reinhart Koselleck"-Projekte stehen für besonders innovative und im positiven Sinn risikobehaftete Forschung. Es ist dies das erste Reinhart Koselleck-Projekt, das im Fach Philosophie bewilligt worden ist. Rolf Elberfeld baut seit zehn Jahren einen Forschungsschwerpunkt zur interkulturellen Philosophie an der Univesität Hildesheim auf. Mit dem bewilligten Projekt will er seine Forschungen thematisch ausweiten und international in hohem Umfang vernetzen.

 

Verflochtene Denklandschaft

Geschichte(n) der Philosophie in globaler Perspektive: Das erste Reinhart-Koselleck-Projekt der DFG in der Philosophie (Prof. Dr. Rolf Elberfeld)

Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Philosophie (DGPhil), Nr. 45 (Herbst 2019)

Seit etwa zehn Jahren wird am Institut für Philosophie der Universität Hildesheim ein Forschungsschwerpunkt zur Philosophie in globaler Perspektive aufgebaut. Dies zeigt sich auch auf der Ebene der Lehre, z.B. wird seit dem WS 2015/16 turnusgemäß alle zwei Jahre eine Grundlagenvorlesung zum Thema »Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive« angeboten, in der Wissen über die wichtigsten Traditionen der Philosophie in Asien (Indien, China, Japan), in Afrika, in Südamerika und der islamischen sowie jüdischen Welt vermittelt wird. Aus der Konzeption der ersten Vorlesung ist die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Forumstagung der »Deutschen Gesellschaft für Philosophie« im Oktober 2016 zum Thema »Philosophiegeschichtsschreibung in globaler Perspektive« (Meiner-Verlag 2017) hervorgegangen.


A global view on the histories of philosophy

(EU Research Summer Autumn 2019)

“Since the 2018 World Congress of Philosophy it has become more evident than ever that the field of Philosophy has globaly transformed itself, yet this is not currently reflected within the historical framework. We spoke to Professor Rolf Elberfeld about his work in developing a global framework on the history of philosophy, which will help pave the way for doing philosophy in a global perspective in future.

While many nations and cultures across all the world have their own traditions of thinking, philosophy came to be conventionalised as a purely European project by the late 18th century. Now Professor Rolf Elberfeld and his colleagues in a new DFG-funded project aim to develop a more inclusive picture. “We aim to find a new framework for the history of philosophy, which includes different traditions,” he outlines. While European philosophers have made important contributions to the field, Professor Elberfeld believes it’s important not to neglect traditions from other parts of the world in the wider historiography. “One of the main aims of the project is to put the history of philosophy in global perspective,” he says. [...]

We have a pluralised picture of the history of philosophy. We see many different traditions in China, Japan, India, Africa, Latin America, and other parts of the world.”


Interview in der Zeitschrift „Relation”

Magazin der Universität Hildesheim – Interview mit Projektleiter Prof. Dr. Rolf Elberfeld

„Ich sehe zunächst einen politischen Auftrag. Man kann die Geschichte nur von dem Standpunkt des Jetzt aus betrachten. Die Spätfolgen der europäischen Kolonialisierung erkennen wir jetzt als riesiges Problem. Die Philosophie ist fast ausschließlich mit der europäischen Perspektive identifiziert worden. Viele Forschungen sind bereits weiter darin fortgeschritten, die Geschichte als Verflechtungsgeschichte zu verstehen. In der Literaturgeschichte hat beispielsweise bereits Goethe von einer Weltliteratur gesprochen. Es gibt also durchaus auch in anderen Gattungen Vorläufer unseres Projektes. [...]

Das Projekt wird für fünf Jahre von der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördert. Als Vorgaben formuliert die DFG, dass die Reinhart Koselleck-Projekte innovativ und risikoreich sein sollten. In unserem Fall besteht das Risiko des Vorhabens darin, dass wir absolut nicht vorhersehen können, wohin die Forschung uns bringt. Wir können kein Ergebnis versprechen. Ein konkretes, anvisiertes Ziel ist allerdings, ein Einführungsbuch zu konzipieren, das Philosophiestudierenden im Bachelorstudium eine globalere Perspektive bietet, anstatt der Standarterzählung: Philosophie beginnt bei Thales, in Europa hat sie ihren Höhepunkt und ist heute in Nordamerika angekommen, wo die analytische Philosophie alle Probleme gelöst hat.”