Altgriechische Philosophiegeschichtsschreibung

Reflexion zu den bibliographischen Sammlungen und Unterscheidungen (im Aufbau)

Zitierte Literatur für die altgriechische Philosophiegeschichtsschreibung:

Jørgen Mejer, Überlieferung der Philosophie im Altertum. Eine Einführung. Kgl. Danske Videnskabernes Selskab, 2000.

Klaus Döring, Historia Philosophia. Grundzüge der antiken Philosophiegeschichtsschreibung. Sonderdruck der Stiftung „Humanismus Heute“ des Landes Baden-Würtemberg, Freiburg i.B./Würzburg 1987.

 

5. Jahrhundert v. u. Z.

Ιππίας ο Ηλείος, Συναγωγή

Hippias von Elis (geb. im 5. Jahrhundert v. u. Z.)

„Wir wissen, dass der Sophist Hippias eine Sammlung von Exzerpten gemacht hat (DK 86 B 4 und 6), und Parallelstellen in Platon und Aristoteles zeigen, dass in Hippias‘ Werken auch philosophische Anschauungen in einer 'doxographischen' Aufstellung gegeben waren.“ (Mejer 26)

 

Πλάτων, Διάλογοί

Platon (geb. 428/427 v. U. Z. in Athen oder Aigina; gest. 348/347 v. U. Z. in Athen)

„Platon erweckt den Eindruck, dass er nicht nur die vorsokratische Philosophie im allgemeinen, sondern auch die Werke einzelner Philosophen sehr gut kenne. Platon zitiert Herakleitos, Parmenides und Protagoras, er paraphrasiert oder referiert ausserdem Empedokles, Zenon, Anaxagoras, Gorgias und andere Sophisten.“ (Mejer 17)

„Genauer studieren können wir die Frage, wieweit und in welcher Weise die antiken Philosophen in ihren Werken ausdrücklich auf andere Philosophen und deren Lehren Bezug nahmen, zuerst bei dem Philosophen, von dem als erstem ganze Schriften erhalten sind, bei Platon. Dieser hat sich bekanntermaßen in seinen Dialogen immer wieder in der einen oder anderen Weise mit den Werken und Lehren der Sophisten und der Vorsokratiker auseinandergesetzt. Diese Auseinandersetzung ist, pauschal gesprochen, durch zwei Charakteristika gekennzeichnet, nämlich 1. dadurch, daß die Grenze zwischen Zitiertem bzw. Referiertem einerseits und daraus Abgeleitetem oder auch eigenmächtig Hinzugefügtem andererseits bewußt unklar gehalten ist, und 2. dadurch, daß Platon, wo er sich auf andere Philosophen und deren Lehren bezieht, dies immer in mehr oder minder unernster, ironischer Form tut - einen einzigen Fall ausgenommen: den seines Lehrers Sokrates.“ (Döring 8)

 

4. Jahrhundert v. u. Z.

Αριστοτέλης, Μετά τα φυσικά/ Πολιτικά/ Ηθικά Νικομάχεια/ Περί ψυχής

Aristoteles (geb. 384 v. U. Z. in Stageira; gest. 322 v. U. Z. in Chalkis auf Euböa)

„Für Aristoteles spielt die Geschichte eine ganz andere und zentrale Rolle in der Welt: die Wahrheit ist zu stark, um nicht gesehen zu werden, die meisten aber haben nur einen Teil von ihr gefunden (vgl. z. B. Pol. 2. 5 1264 a 1-4, Met. a l, 993 a 31 -b 19 und M l, 1076 a 12-16). Aristoteles legt großen Wert auf den Anfang irgendeines Gedankens oder Dinges, und er versucht immer, die geschichtliche Entwicklung und historische Parallelen in der Vergangenheit als Grundlage seiner eigenen Theorien anzuführen.“ (Mejer 24)

„Aristoteles setzt seine eigene Philosophie uneingeschränkt als Telos der bisherigen Philosophiegeschichte. Was die Früheren noch unklar, bruchstückhaft und nur der Intention nach gelehrt hatten, das findet in der Philosophie des Peripatos seine Erfüllung. […] Aristoteles kann und will auf die Bestätigung seiner eigenen Thesen durch die Zeugnisse der Früheren nicht verzichten, s. z. B. De anima l. 2 oder Eth. Nic. 7. l. Die Früheren wiederum sind richtig zu verstehen nur als Etappen auf dem Wege zur endgültigen Philosophie des Peripatos; sie ist zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber doch dem Abschluss nahe, wie er selbst in imponierender Naivität erklärt hat (bei Cic. Tusc. Disp. 3. 69).“ (Mejer 26)

 

Φαινίας ὁ Ἐρέσιος, Περί τών Σωκρατικών

Phainias von Eresos (etwa 375-300)

„Phainias verfaßte eine Schrift ‚Über die Sokratiker‘ […]. Leider gibt es nur zwei Zeugnisse, aus denen wir etwas über diese Schrift erfahren. Da beide Anekdoten enthalten - das eine eine Antisthenes-Anekdote, das andere eine Sokrates-Aristipp-Anekdote -, ist zu vermuten, daß sie eher Lebensbeschreibungen der Sokratiker als Beschreibungen ihrer Lehren enthielt. Übrigens ist dieses Werk das früheste uns bekannte, in dem eine Gruppe von Philosophen als zusammengehörige Einheit behandelt wurde.“ (Döring 23f.)

 

Θεόφραστος, Περί Φυσικῶν δόξῶν

Theophrastos von Eresos (geb. um 371 v. u. Z. / gest. um 287 v. u. Z. in Athen)

„Für die Überlieferungsgeschichte der frühen Philosophie ist Theophrastos Περί Φυσικῶν δόξῶν = Opiniones Physicae ohne Zweifel das wichtigste Werk des Peripatos. Die Fragmente dieses Werkes sind in Diels Doxographi Graeci […] zusammengestellt.“ (Mejer 27)

„Die Philosophiegeschichtsschreibung als eigenständige Disziplin beginnt in der Antike – grob gesprochen – in und mit der Generation der Aristotelesschüler, und zwar in zwei Ausprägungen: zum einen mit Theophrasts ‚Lehrmeinungen der Naturphilosophen‘ […] seiner Sammlung der Lehren der von uns heute so genannten Vorsokratiker, als problemorientierte, doxographische (d. h. Lehrmeinungen darlegende) Philosophiegeschichtsschreibung und zum anderen mit den Philosophenbiographien des Aristoxenos als personenorientierte, biographische Philosophiegeschichtsschreibung.“ (Döring 6)

 

Εὔδημος, Άριθμητικὴ ἱστορία / Γεωμετρικὴ ἱστορία / Άστρολογικὴ ἱστορία

Eudemos von Rhodos (geb. um 370 v. U. Z. in Rhodos; gest. um 300 v. U. Z.)

„Die Philosophiegeschichte war offensichtlich ein wichtiges Element in dem Unterricht der aristotelischen Schule (s. z. B. Top. I 14, 105 b 12-18). Davon zeugen auch die Anlage einer Bibliothek durch Aristoteles (s. [74] T 42), seine Ausarbeitung vieler Einzeluntersuchungen (oder Materialiensammlungen) über frühere Philosophen (De Pythagoreis, De Archytae Philosophia, De Democrito usw.) sowie die zahlreiche Informationen über die Ergebnisse ihrer Vorgänger in den Schriften der Aristotelesschüler: Eudemos über Geometrie, Arithmetik und Astronomie (Fragm. 133-150 Wehrii) […]“ (Mejer 25)

 

Δικαίαρχος, Περὶ βίων

Dikaiarchos (geb. ca. 375/350 v. u. Z. in Messene; gest. um 285 v. u. Z.)

„Dikaiarch stellte in seiner Schrift ‚Über Lebensformen‘ […] verschiedene Typen von Lebensführungen am Beispiel von Weisen und Philosophen dar, über deren Leben er bei dieser Gelegenheit natürlich mehr oder minder ausführlich berichten mußte. Sokrates kam dabei übrigens erheblich besser weg als bei Aristoxenos: Dikaiarch pries ihn als Beispiel eines wahrhaften Philosophen, dessen ganzes Leben Philosophie gewesen sei.“ (Döring 22f.)

 

Ἀριστόξενος ὁ Ταραντῖνος, Πυθαγόρου βίος / Περὶ Πυθαγόρου καὶ τῶν γνωρίμων αὐτοῦ / Περὶ τοῦ Πυθαγορικοῦ βίου / Πυθαγορικαὶ ἀποφάσεις / Ἀρχύτα βίος / Σωκράτους βίος / Πλάτωνος βίος

Aristoxenos von Tarent (geb. um 360 v. u. Z.; gest. um 300 v. u. Z.)

„Der erste, von dem wir sicher wissen, daß er Philosophenbiographien verfaßt hat, ist der Aristotelsschüler Aristoxenos. Um 370 in Tarent geboren, hatte Aristoxenos zunächst der dort ansässigen pythagoreischen Gemeinde angehört, sich dann aber Aristoteles und seiner Schule in Athen angeschlossen. Verfaßt hat er neben zahlreichen anderen Schriften, von denen vor allem die musiktheoretischen von Bedeutung sind, eine oder mehrere biographische Schriften über Pythagoras sowie Lebensbeschreibungen des Pythagoreers Archytas, des Sokrates und Platons.“ (Döring 18)

 

Ἰδομενεύς Λαμψακηνός, Περὶ τῶν Σωκρατικῶν

Idomeneus von Lampsakos (etwa 325-270)

„Der Peripatetiker Phainias von Eresos (etwa 375-300) und der Epikureer Idomeneus von Lampsakos (etwa 325-270) waren die ersten, die über eine Gruppe von Philosophen schrieben - beide »Über die Sokratiker.“ (Mejer 45)

 

3. Jahrhundert v. u. Z.

Ἀντίγονος ὁ Καρύστιος, Διαδοχὴ τῶν φιλοσόφων

Antigonos von Karystos (3. Jh. v.), Biographien

„Die Philosophenbiographien des Antigonos von Karystos (Mitte des 3 Jh. v. Chr. ) waren auf Grund persönlichen Verkehrs mit Philosophen in Athen ausgearbeitete literarische Porträts der Akademiker Polemon, Krates, Krantor und Arkesilaos, des Peripatetiker Lykon, der Skeptiker Pyrrhon und Timon, des Stoiker Zenon und des Menedemos. Antigonos ist als Quelle für Athenaios, Diogenes Laertios, Aristokles (bei Eusebios) und den Index Academicorum des Philodemos wichtig.“ (Mejer 44)

„Antigonos behandelte in ihnen ausschließlich Philosophen der eigenen und der unmittelbar vorausgehenden Zeit, und das Besondere an ihnen war, daß Antigonos für seine Schilderungen des Lebens der einzelnen Philosophen nicht, wie dies sonst üblich war, auf literarisches Material zurückgriff, sondern sich, zumindest in der Hauptsache, auf eigene Beobachtungen und die Beobachtungen von Zeitgenossen gestützt zu haben scheint. Wie die erhaltenen Reste zeigen, entstanden auf diese Weise persönlich gefärbte, abwechslungsreiche Lebensbilder, die die Individualitäten der dargestellten Philosophen deutlich hervortreten ließen.“ (Döring 25)

 

Ἕρμιππος ὁ Σμυρναίος, Βίοι τῶν ἐν παδείᾳ διαλαμψάντων

Hermippos aus Smyrna (geb. 289/277 v. u. Z.; gest. 208/204 v. u. Z.)

„Eine neue Phase in der Geschichte der Biographie im allgemeinen und der Philosophenbiographie im besonderen begann etwa drei Generationen nach den gerade erwähnten Aristotelesschülern mit den Biographen Hermippos aus Smyrna und Satyros aus Kallatis am Schwarzen Meer. Beide werden in unseren Quellen zwar auch als Peripatetiker bezeichnet, doch scheinen sie stärker als vom Peripatos von derjenigen Form der Gelehrsamkeit geprägt worden zu sein, die sich in der Zwischenzeit in Alexandrien im Zusammenhang mit dem Aufbau und Ausbau der Bibliothek entwickelt hatte […]“ (Döring 24)

„Hermippos verfaßte Lebensbeschreibungen von Philosophen, Historikern und Rednern, betrieb das Schreiben von Biographien also in großem Stil. Ob alle seine Lebensbeschreibungen ein einheitliches Werk bildeten, läßt sich nicht mehr ermitteln. Es gibt jedoch Anhaltspunkte dafür, daß zumindest die Philosophenbiographien enger zusammengehörten. Das Werk, das sich aus ihnen zusammensetzte,  muß dann allerdings recht umfangreich gewesen sein, denn in mehreren Fällen umfaßten die Biographien einzelner Philosophen allein schon mehr als ein Buch.“ (Döring 26)

 

Ερατοσθένης ο Κυρηναίος,  Περὶ τῶν κατὰ φιλοσοφίαν αίρέσεων

Eratosthenes von Kyrene (geb. zwischen 276 und 273 v. u. Z. in Kyrene; gest. um 194 v. u. Z. in Alexandria).

„‘Über die Schulen in der Philosophie‘, ein nur in der Suda genanntes doxographisches, philosophiegeschichtliches Werk. Wenn die Angabe der Suda zutrifft, handelt es sich um die älteste bekannte Schrift dieser Art.“ (Wikipedia „Eratosthenes“)

„Die Chronologie der griechischen Schriftsteller und Philosophen wurde, auch wenn einige Einwände und Divergenzen in der Folgezeit weiter vorkommen, mit den Bemühungen des Eratosthenes von Kyrene (etwa 275-205) und des Apollodoros von Athen (2. Jh. v. u. Z.) festgelegt.“ (Mejer 41)

 

Σάτυρος Κάλλατις, Βίοι

Satyros aus Kallatis war ein antiker griechischer Biograph, der etwa in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. u. Z. lebte.

„Einige der wichtigsten Philosophenbiographien sind von Autoren mit Beziehungen zu Alexandreia geschrieben. Hermippos (Ende des 3. Jh. v. Chr. ) aus Smyma und Satyros aus Kallatis (vor 175 v Chr. ) verfassten beide Lebensbeschreibungen von Philosophen und von prominenten literarischen und politischen Persönlichkeiten, die später von Herakleides Lembos (um 150 v. Chr.) epitomiert wurden.“ (Mejer 43)

 

2. Jahrhundert v. u. Z.

Σωτίων από την Αλεξάνδρεια, Διαδοχαί τῶν φιλοσόφων

Sotion von Alexandreia (Anfang des 2. Jh. v. u. Z.)

Der erste, der eine zusammenhängende Geschichte mehrerer philosophischer Schulen schrieb, war wahrscheinlich Sotion von Alexandreia (Anfang des 2 Jh. v. u. Z.).

„Nicht nur innerhalb der einzelnen Schulen machte Sotion die Abfolge von Lehrern und Schülern zum leitenden Faden, sondern er brachte auch die Schulen untereinander in den gleichen Sukzessionszusammenhang, in dem er das tatsächliche oder von ihm ad hoc angenommene Schülerverhältnis eines Schulgründers zu einem älteren Philosophen als Verbindung benutzte. Durch dieses Verfahren suchte er die gesamte Geschichte der griechischen Philosophie in ein grosses System zu bringen und legte damit den Grund für alle folgenden Sukzessionsschreiber.“ (Mejer 46)

Sotion war jedoch, soweit wir sehen, der erste, der den Versuch unternahm, die gesamte griechische Philosophiegeschichte von den Anfängen bis auf seine Zeit nach dem Prinzip der tatsächlichen, erschlossenen oder auch nur vermuteten schulmäßigen Zusammengehörigkeit durchzuorganisieren. Dies geschah gewiß nicht ohne den Einfluß der weiter oben besprochenen, mit dem Sophisten Hippias beginnenden Bestrebungen, die überkommenen philosophischen Anschauungen in der. Weise zu ordnen, daß man entweder über größere Zeiträume hin Abfolgen von Denkern aufstellte, deren Auffassungen sich ganz oder teilweise gedeckt hatten, oder die Entwicklung der Philosophie als einen Prozeß ansah, in dem immer wieder das Spätere das Frühere teils verworfen und durch Neues ersetzt, teils aufgegriffen und weiterentwickelt hatte.“ (Döring 30f.)

 

Ηρακλείδης ο Λέμβος, επιτομή των „Βίων“ του Σατύρου, επιτομή της „Διαδοχής“ του Σωτίωνα

Herakleides Lembos (2. Jh. v. u. Z.)

Von ihm sind jeweils ein Abriss von Satyros „Biographien“ und von Sotions „Sukzessionsfolge“ überliefert.

 

Σωσικράτης ο Ρόδιος, Φιλοσόφων διαδοχή

Sosikrates von Rhodos (geb. um 200 v. u. Z.; gest. um 128 v. u. Z.)

„Sosikrates schrieb eine Geschichte von Kreta und eine Geschichte der Philosophie in mehreren Büchern (die sogenannten Philosophenschulen), die besonders auf die einzelnen Schulen einging und die Lehrer-Schüler Verhältnisse berücksichtigte. Seine Werke sind nur in wenigen Fragmenten erhalten. Durch Diogenes Laertius wissen wir, dass Sosikrates sowohl über Monimos als auch über Diogenes von Sinope sowie Thales von Milet berichtete.“ (Wikipedia „Sosikrates“, 10.9.2019)

 

Ἀντισθένης ὁ Ῥόδιος, Διαδοχὴ τῶν Φιλοσόφων

Antisthenes von Rhodos (2. Jh. v. u. Z.)

„Es ist wahrscheinlich, dass er derjenige Geschichtsschreiber Antisthenes ist, der eine der im Hellenismus häufigen Sukzessionen (griechisch Διαδοχὴ) griechischer Philosophen verfasst hat, die oft bei Diogenes Laertios erwähnt bzw. zitiert wird.“ (Wikipedia „Antisthenes“ 10.9.2019)

 

Ἀπολλόδωρος, Χρονικά

Apollodor (gest. ca. 120 v. u. Z.)

„Die Chronologie der griechischen Schriftsteller und Philosophen wurde, auch wenn einige Einwände und Divergenzen in der Folgezeit weiter vorkommen, mit den Bemühungen des Eratosthenes von Kyrene (etwa 275-205) und des Apollodoros von Athen (2. Jh. v. Chr.) festgelegt. Die Chronik des Apollodoros, ein in iambischen Trimetern abgefasstes Gedicht, bildet für die Chronologie der Philosophen das beste Material, das wir heute besitzen, und ist oft von Diogenes Laertios, im allgemeinen durch eine mittelbare Quelle, benutzt worden.“ (Mejer 41)

 

1. Jahrhundert v. u. Z.

Αλέξανδρος ο Πολυίστωρ, Φιλοσόφων διαδοχαί

Alexander Polyhistor (geb. um 100 v. Chr.; gest. um 40 v. Chr.)

„Antisthenes von Rhodos, Iason und Alexander Polyhistor (vielleicht auch Nikias von Nikaia, der aber nicht mit Sicherheit datiert werden kann) schrieben im l. Jh. v. Chr. je eine Sukzession.“ (Mejer 46)

 

Φιλόδημος, Περί σύνταξις των Φιλοσόφων

Philodemos (geb. um 110 v. u. Z.; gest. um 40–35 v. u. Z.)

„Der Titel scheint nicht von anderen benutzt worden zu sein und bedeutet wohl eine ‚systematische Übersicht‘ […]. Aufbau und Inhalt stimmen mit den Fragmenten der Sukzessionsliteratur und mit Diogenes Laertios überein - die Behandlung des Arkesilaos bei Philodemos stimmt fast wörtlich mit der bei Diogenes überein […]. Die Betonung liegt auf dem aüsseren Verlauf der Entwicklung der Schulen, auf den für die Schule wichtigen Handlungen und Erlebnisse ihrer Mitglieder und auf der Abfolge von Lehrern und Schülern. Informationen über die Lehre der Philosophen sind spärlich und der biographischen Darstellung (z. B. dem Rubrik 'Erfindungen') untergeordnet; die Übereinstimmung der Darstellungsweise der Geschichte beider philosophischen Schulen ist bemerkenswert und kann nicht zufällig sein.“ (Mejer 47)

 

1. Jahrhundert n. u. Z.

Αέτιος, Περί των αρεσκόντων τοις φιλοσόφοις φυσικών δογμάτων ξυναγωγή

Aëtios (1. Jh. n. u. Z.)

„Aetios‘ Werk (»Placita« genannt) scheint, wie so viele der philosophischen Lehrbücher des 2. Jh. s n. Chr., eine Mischung aus verschiedenen philosophischen Tendenzen zu sein […], geht aber wahrscheinlich auf ein gleichartiges Werk eines Stoikers aus der ersten Hälfte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts zurück (von Diels »Vetusta Placita« genannt), denn die jüngsten darin behandelten Denker waren der Stoiker Poseidonios und der Arzt Asklepiades von Prusa.“ (Mejer  29)

 

2. Jahrhundert n. u. Z.

Πλούταρχος, Βίοι Παράλληλοι / Ηθικά

Plutarch (geb. um 45 in Chaironeia; gest. um 125)

Die „Bíoi parálleloi (οἱ βίοι παράλληλοι, Vitae parallelae, „Parallele Lebensbeschreibungen“), hat Plutarch seinem Freund Quintus Sosius Senecio gewidmet. Sie entstanden ab 96. In diesen Vitenpaaren wird jeweils ein herausragender Grieche mit einem Römer verglichen. Plutarch behandelt berühmte, teils mythische Staatsmänner der Vergangenheit von Theseus bis Marcus Antonius. Jedes Biographienpaar stellt einen Griechen und einen Römer zusammen, deren Leben Ähnlichkeiten aufweisen. Beispielsweise steht Alexander der Große neben Caesar, Demosthenes neben Cicero. Vollendet wurden 23 Biographienpaare, von denen 22 erhalten sind; geplant waren wohl noch weitere.“ (Wikipedia „Plutarch“)

„In einer Sammlung, die unter der modernen Bezeichnung Moralia bekannt ist, sind 78 Schriften zusammengestellt, darunter einige unechte. Den größten Teil machen Abhandlungen über Fragen der Ethik aus. Daneben stehen u. a. Schriften zur Naturphilosophie, zur Logik und Erkenntnistheorie, zur Rhetorik und zu Lehren einzelner Denker und Philosophenschulen.“ (Wikipedia „Plutarch“)

Plutarch: Große Griechen und Römer. Übers. u. hg. von Konrat Ziegler, 6 Bände, Zürich 1954-1965.

Plutarch: Moralische Schriften. Übers. u. hg. von Otto Apelt, Leipzig 1926–1927. (Viele weitere Ausgaben und Teilübersetzungen)

 

Ἀθήναιος Ναυκράτιος, Δειπνοσοφισταί

Athenaios (Lebte im Übergang vom 2. zum 3. Jh. n. u. Z.)

„Besonders im 2. und 3. Jh. n. Chr. waren Exzerptensammlungen verbreitet (z. B. Ailianos und Athenaios) […]“ (Mejer 53)

Claus Friedrich (Einleitung und Übersetzung): Athenaios. Das Gelehrtenmahl. Kommentiert von Thomas Nothers. Herausgegeben von Peter Wirth. Hiersemann, Stuttgart 1998.

 

Κλήμης Ἀλεξανδρεύς, Στρωματείς

Clemens von Alexandrien (geb. um 150 in Athen; gest. um 215 in Kappadokien)

„Man sollte sich z. B. merken, dass Klemens die Quelle vieler Fragmente des Herakleitos, des Empedokles und des Demokritos ist.“ (Meyer 60)

„In seinem Hauptwerk, den acht Büchern der Stromateis (Plural von στρωματεύς strōmateús ‚Teppich‘ [im Sinne von ,Tagesdecke‘], ‚Flickwerk‘), versucht Clemens, die grundsätzliche Vereinbarkeit von griechischer Philosophie und christlichem Glauben und die epistemologische Überlegenheit des letzteren zu erweisen. Die Philosophie wird als noch defiziente Vorstufe der wahren Erkenntnis (γνῶσις gnôsis) dargestellt, die Möglichkeit für diese sei erst durch die Parusie Christi eröffnet worden. Genau darin aber liege der Nutzen der heidnischen Schriften, da derjenige, der sie auf der Grundlage des christlichen Glaubens benutze, in ihnen Hinweise zur Erlangung der Wahrheit finden könne. In seinem kurzen Abriss über die philosophischen Anschauungen außerhalb der griechisch-römischen Welt erwähnt er auch den Buddhismus und liefert das älteste Zeugnis für diese Weltdeutung in der westlichen Literatur.“ (Wikipedia „Clemens von Alexandrien“)

Clemens Alexandrinus: Stromata Buch I-VI. Hrsg. v. Früchtel, Ludwig. Mit einem Nachtr. v. Treu, Ursula, 1906; Stromata. Buch VII und VIII. Excerpta ex Theodoto - Eclogae propheticae quis dives salvetur – Fragmente. Hrsg. v. Früchtel, Ludwig / Stählin, Otto, 1909.

 

3. Jahrhundert n. u. Z.

Φλάβιος Φιλόστρατος, Βίοι Σοφιστών σε δύο βιβλία

Philostratos (geb. um 165/170; gest. zwischen 244 und 249)

„Lebensbeschreibungen der Sophisten (Bíoi sophistōn, lateinisch Vitae sophistarum) in zwei Büchern, 242/243 dem Kaiser Gordian III. gewidmet. Das Werk enthält 59 Biographien, von denen die meisten bedeutende griechische Sophisten der römischen Kaiserzeit zum Thema haben, die im Zeitraum von Kaiser Nero bis zur Gegenwart des Autors lebten – eine Epoche, für die Philostratos den Begriff der „Neuen“ oder „Zweiten“ Sophistik prägte. Daneben werden auch zehn „klassische“ Sophisten des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. sowie acht Philosophen, die Philostratos zu den Sophisten zählte, vorgestellt. Das Werk ist als kultur- und sozialgeschichtliche Quelle von hohem Wert.“ (Wikipedia „Philostratos“)

Philostratos: Leben der Sophisten, hg. v. Kai Bodersen, Wiesbaden 2014. (Griechischer Text mit deutscher Übersetzung)

 

Διογένης Λαέρτιος, φιλοσόφων βίων καὶ δογμάτων συναγωγή

Diogenes Laertius (ca. 3. Jh. n. u. Z.) [Kurzbeschreibung]

„Das wichtigste Werk dieser ganzen Literatur, das einzige, das uns im wesentlichen vollständig vorliegt, ist die von Diogenes Laertios um 200 n. Chr. verfasste Schrift […]  Diogenes' Werk enthält ein überaus reiches und in vielfacher Schichtung zusammengetragenes Material, das nach Herkunft und Art sehr verschieden ist. Neben Biographischem im engeren Sinne bietet es Apophthegmensammlungen, Schriftenverzeichnisse, Homonymenlisten, Urkunden (Testamenten, Briefe usw); neben wertlosen Informationen finden wir Stücke auserlesenster Gelehrsamkeit. Dazu kommen doxographische Abschnitte aus der theophrastischen und anderen Traditionen.“ (Mejer 48)

Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Buch I–X. Aus dem Griechischen übersetzt von Otto Apelt. Zwei Bände (Philosophische Bibliothek. Bd. 53/54). Meiner, Leipzig 1921. Sonderausgabe, Meiner-Verlag 1998.

Erste vollständige lateinische Übersetzung Ambrogio Traversari (1386−1439) am Beginn des 15. Jahrhundert: Liber de vita et moribus philosophorum.

Manuela Kahle: Zum Beispiel Sokrates. Rezeption und Transformation der Vitae philosophorum des Diogenes Laertios im Florenz des 15. Jahrhunderts, Diss. München 2012.

 

Πορφύριος, Ιστορία της Φιλοσοφίας

Porphyrios (geb. um 233 in Tyros; gest. zwischen 301 und 305 in Rom)

„Die „Philosophiegeschichte“ (Philósophos historía) in vier Büchern ist bis auf Fragmente verloren. Sie enthielt Biographien von Philosophen, die bei den Neuplatonikern als bedeutend galten, und Darstellungen von deren Lehren. Im ersten Buch wurden unter anderem die Sieben Weisen behandelt. Das dritte Buch enthielt die Lebensbeschreibung des Sokrates. Das Werk endete mit Platon, dem das vierte Buch gewidmet war. Offenbar betrachtete Porphyrios die Geschichte der griechischen Philosophie als einen Prozess, der mit Platon seinen Höhepunkt und zugleich seine Vollendung fand. Alles Spätere erscheint aus dieser Perspektive als bloße Interpretation der Lehre Platons. Erhalten geblieben ist die Biographie des Pythagoras (Pythagórou bíos), die einen Teil des ersten Buches bildete und wohl schon früh separate Verbreitung fand. Als Quelle hat sie zwar höheren Rang als die Pythagoras-Biographie des Iamblichos, weist aber wie diese zahlreiche legendenhafte Ausschmückungen auf. Auffallend ist in den Fragmenten der „Philosophiegeschichte“ die kritische Darstellung des Sokrates, die Porphyrios einer sokratesfeindlichen Quelle (Aristoxenos) entnahm.“ (Wikipedia „Porphyrios“)

 

Ιάμβλιχος, Περί του πυθαγορικού βίου

Iamblichos (geb. um 240/245 in Chalkis; gest. um 320/325 320/25)

Michael von Albrecht u. a. (Hg.): Jamblich: Pythagoras. Legende – Lehre – Lebensgestaltung. Darmstadt 2002 (griechischer Text und deutsche Übersetzung von Über das pythagoreische Leben mit interpretierenden Essays).

 

Ψευδοπλούταρχος, Περί των αρεσκόντων φιλοσόφοις φυσικοίς δογμάτων (Placita Philosophorum)

Pseudoplutarch (Datierung unsicher)

„Die wesentlichsten doxographischen Zusammenstellungen, die wir noch besitzen, sind die pseudoplutarcheischen Placita Philosophorum (100-200 n. Chr.) und die entsprechenden Exzerpte im ersten Buche der Eclogae des Johannes von Stoboi (kurz Stobaios, um 400 n. Chr.).“ (Mejer 28)

Die pseudoplutarcheischen Placita sind auch von der arabischen Philosophie übernommen, und die arabische Übersetzung (Aetius Arabus genannt) muss für die Rekonstruktion der Placita miteinbezogen werden.“ (Mejer 30)

Heike Bottler, Pseudo-Plutarch und Stobaios. Eine synoptische Untersuchung, Göttingen 2014.

 

4. Jahrhundert n. u. Z.

Εὐνάπιος, Βίοι Φιλοσόφων καὶ Σοφιστῶν

Eunapios von Sardes (geb. im Zeitraum 347-349 in Sardes; gest. nach 414)

„Einen Eindruck der spätantiken Biographieschreibung geben, ausser Diogenes Laertios und Porphyrios, die erhaltenen Sophistenbiographien des Philostratos (um 238 n. Chr. publiziert) und des Eunapios (um 400 n. Chr.), deren Hauptzweck eine Schilderung berühmter neuerer und zeitgenössischer Sophisten ist, die hauptsächlich unterhaltende Aussagen und Episoden darstellte.“ (Meyer 44)

Matthias Becker: Eunapios aus Sardes. Biographien über Philosophen und Sophisten. Einleitung, Übersetzung, Kommentar. Stuttgart 2013 (erste deutsche Übersetzung mit umfangreichem Kommentar).

 

5. Jahrhundert n. u. Z.

Ιωάννης Στοβαίος, Εκλογαί

Stobaios (5. Jh. n. u. Z.)

„Die Exzerpte des Stobaios folgen nicht derselbe Ordnung wie die des Pseudoplutarchos, der den Aufbau am besten bewahrt hat, aber der Wortlaut und die Übereinstimmung vieler Einzelheiten machen es wahrscheinlich, dass die zwei Texte auf eine gemeinsame Quelle zurückzuführen sind; in den ersten Büchern hat Stobaios oft mehrere Passagen als Plutarchos ausgeschrieben.“ (Mejer 29)

Otto Hense (Hg.): Ioannis Stobaei anthologii libri duo posteriores. 2 Bände. Berlin 1894-1909.

 

Θεοδώρητος, Ελληνικών παθήσεων θεραπεία

Theodoret (geb. 393 in Antiochia, Syrien; gest. um 460 in Kyrrhos)

„Die Schrift ‚De Graecarum affectionum curatione‘ (Heilung der griechischen Krankheiten) ist ein Höhepunkt der Apologetik der Alten Kirche. Theodoret (circa 393 - circa 460), Bischof von Kyrrhos, tritt dem Vorurteil entgegen, Glaube und Lebensführung der Christen vertrügen sich nicht mit klassischer Bildung und Gesittung. Er wirbt für die integrative Fähigkeit des global ausgerichteten Christentums, friedliche lokale Gemeinschaften etablieren zu können. Die griechische Tradition selbst bezeuge die Wahrheit des Christentums.“ (Worldcat www.worldcat.org/title/de-graecarum-affectionum-curatione-heilung-der-griechischen-krankheiten/oclc/899949471)

Theodoret: „De Graecarum Affectionum Curatione“. Heilung Der Griechischen Krankheiten. Übers. u. hg. von Clemens Scholten. Leiden 2015.

 

6. Jahrhundert n. u. Z.

Δαμάσκιος, φιλόσοφος ίστορία

Damaskios (geb. um 462 in Damaskus; gest. nach 538)

„Ein weiteres Werk, die zwischen 517 und 526 verfasste Lebensbeschreibung von Damaskios' Lehrer und Freund Isidor, ist nur in Fragmenten erhalten, die in der Bibliothek des byzantinischen Gelehrten Photios und in der Suda überliefert sind. Damaskios selbst bezeichnet dieses Werk als Biographie, doch überschreitet es den Rahmen einer bloßen Lebensbeschreibung Isidors, da es eine breite Darstellung der Geschichte der neuplatonischen Schule in Athen seit dem Ende des 4. Jahrhunderts bietet; daher scheint der in der Suda angegebene Titel Philosophische Geschichte (Philósophos historía) angemessener. Damaskios beschreibt darin prominente Philosophen, wobei er auch reichlich Kritik übt, und polemisiert gegen die Christen.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Damaskios)

Das Leben des Philosophen Isidoros von Damaskios aus Damaskos. Wiederhergestellt, übersetzt und erklärt von Rudolf Asmus. Leipzig: Meiner 1911. [Internetarchiv]

 

 

 

Fragmentsammlungen:

Hermann Diels: Doxographi Graeci. Berlin 1879.

archive.org/details/doxographigraec00dielgoog/page/n10

Felix Jacoby: Die Fragmente der griechischen Historiker (Wikipedia „Die Fragmente der griechischen Historiker“)

 

Literatur zusammengestellt von Rolf Elberfeld