Lecture: Sonja Dinter „Die Macht der historischen Handlung“. Die Erinnerung an den transatlantischen Sklavenhandel in Frankreich und Großbritannien zwischen postkolonialem Nationalismus und Globalisierung

Donnerstag, 24. September 2020 um 16:00 Uhr

24. September 2020, 16 Uhr

Informationen zum Vortrag von Sonja Dinter:

„Der Vortrag basiert auf meiner geschichtswissenschaftlichen Dissertationsschrift zur jüngeren geschichtspolitischen Entwicklung in Großbritannien und Frankreich. Beide Länder waren führende Kolonialmächte des 19. und 20. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert führende Akteure des transatlantischen Sklavenhandels. Demographische Veränderungen durch postkolonial geprägte Migrationsbewegungen haben dazu geführt, dass Teile der aktuellen Bevölkerungen in unterschiedlichen Beziehungen zu dieser Geschichte stehen. Beginnend in den 1990er Jahren sind koloniale Sklaverei und transatlantischer Sklavenhandel in beiden Ländern zu Gegenständen öffentlicher Auseinandersetzungen und geschichtspolitischer Initiativen geworden. Der Vortrag präsentiert einen Ansatz für die Deutung der erinnerungskulturellen Entwicklung und rückt dabei die Historizität dieser Entwicklung in den Mittelpunkt. Der Ansatz geht davon aus, dass die Verteilung von Gestaltungs- und Deutungsmacht im größeren Rahmen der vorherrschenden politischen, kulturellen und sozialen Verhältnisse von entscheidender Bedeutung für die Konstruktion eines öffentlich erinnerten Geschichtsnarrativs ist. Dies gilt über mehrere Zeitschichten hinweg, deren Konflikte – vom historischen Ereignis über den Moment der Quellenproduktion und die historiographische Verarbeitung bis zur Enthüllung eines Denkmals – sich in der Erinnerung verknoten und überlagern.“

 

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