Noah Grossmann
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Noah GrossmannUniversitätsplatz 1, 31141 HildesheimKulturcampus Domäne Marienburg, Haus 3 (KC.Hs3.1.01)+49 5121 883-10768
Foto: Clemens Heidrich
Noah Grossmann
Noah Grossmann studierte Germanistik und Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen (B.A. 2017) sowie Philosophie an der Goethe Universität Frankfurt (M.A. 2022). Danach war er mit einem Stipendium für sechs Monate am Max-Weber-Kolleg Erfurt und war zwischen November 2022 und Dezember 2024 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Programmbereich Theoriegeschichte des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin. Er arbeitet als systemischer Coach in der Organisationsberatung. Seit April 2025 ist Noah Grossmann wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis" der Universität Hildesheim.
Promotionsprojekt
Szenen ästhetischer Sozialität bei Paul Gilroy, Saidiya Hartman und Fred Moten
Wenn Saidiya Hartman Sklaventänze beschreibt, Paul Gilroy Dub-Sessions und Fred Moten Jazz-Improvisationen, betonen die Autor*innen stets, dass es sich hierbei um gemeinsame, ästhetische Vollzüge handelt. Sie lassen die fragilen Momente relativer Selbstbestimmung aus einem ästhetisch-sozialen Geschehen zwischen rassifizierten Menschen hervorgehen.
Dieser emphatische Bezug auf das Black social life (und die Kritik am darin enthaltenen Optimismus) bilden das Hauptinteresse dieses Dissertationsvorhabens. Dabei wird die Frage verhandelt, wie ästhetische Sozialität in rassistischen Gesellschaften theoretisiert werden kann: Wie können die fragilen, begrenzten Möglichkeiten von der ästhetischen Sozialität genauso in den Vordergrund gerückt werden wie die Gewalt und das Leiden? Welche Theorie ist dieser Herausforderung angemessen?
Seit es kritische Gesellschaftstheorien aus Schwarzer Perspektive gibt, steht zur Debatte (und ist heiß umkämpft), inwiefern die Begriffszusammenhänge westlicher Ästhetik und kritischer Theorien das Leben der Versklavten und in die Diaspora Migrierten erfassen können. Das Projekt untersucht vor diesem Hintergrund, wie sich die Beschreibungsweisen Schwarzer ästhetischer Sozialität in der jüngeren Black Radical Tradition zu jenen westlichen, kritischen Theorien verhalten, die in den Leben der (meist weißen) Marginalisierten nach emanzipatorischen Potenzialen gesucht haben. Walter Benjamin, Raymond Williams, Judith Butler und andere haben Begriffe wie ›Erinnerungsspur‹, structure of feeling oder ›Performativität‹ entwickelt, um den bürgerlichen Subjektivierungsweisen alternative Formen von Sozialität entgegenzustellen.
Hartman, Gilroy und Moten beziehen sich an zentralen Stellen ihrer Beschreibungen Schwarzer Sozialität darauf, aber deuten diese Begriffe um, um die Sozialität von Sklav*innen, Kolonisierten und ihren Nachfahren zu beschreiben. Anhand dieser »Umwendungen« (Sonderegger) von Theorie und den zu beobachtenden intellektuellen Allianzen sollen sowohl Kontinuitäten als auch Bruchlinien theoretischen Denkens rekonstruiert werden. Das Projekt fragt also nach der Spezifik des Theorieparadigmas ästhetischer Sozialität im Kontext von Überlegungen zu race/blackness.
Dabei soll einerseits durch das Nachzeichnen von Theoriekonstellationen gezeigt werden, wie innerhalb der Black Radical Tradition Schwarze Sozialitäten unterschiedlich theoretisiert werden, und welche Einflüsse etwa aus der Literatur einwirken (z.B. von Toni Morrison und Ralph Ellison). Andererseits sollen neben Ähnlichkeiten und Differenzen in der Theorieentwicklung die Begrenzungen des westlichen Kanons (von Benjamin über Butler und Habermas zu Williams) sichtbar gemacht werden, wenn Fragen von race/blackness verhandelt werden.
Publikationen
A Moment in Time? Arendt, Moten, and the Futures of Black Action in Little Rock. In: Martin Renz, Julius Schwarzwälder (Hrsg.): Spaces of Appearance. Aesthetics and Politics after Analogy. Frankfurt am Main, 2025. DOI:10.14361/9783839406847-008
Formen von Study — oder wie Black music interpretiert wird [Rezension zu: Dhanveer Singh Brar: Teklife, Ghettoville, Eski. The Sonic Ecologies of Black Music in the Early 21st Century. London: Goldsmiths Press, 2021], in: KULT online.
Konferenzen & Vorträge
Walter Benjamin: Formen des Gelächters oder Chancen im Kino – und wie sie begründet sind. Tagung »Chancen des Gelächters. Zur Ästhetik und Politik des Humors bei Walter Benjamin«, Berlin, Walter-Benjamin-Archiv, 15.04.2023
Paul Gilroy und die ästhetische Sozialität des Dub. Tagung Intensivtreffen ‚Graduiertenkolleg Ästhetische Praxis‘, Göttingen, Waldschlösschen, 01.10.2025
Die eigene Position mitschreiben - Epistemische Kritik an Wissensproduktion nachgehen durch Schreibübungen und Relektüren. Workshopgestaltung mit Lukas Graf, Annika Haas und Juri Wasenmüller für das ‚Graduiertenkolleg Ästhetische Praxis‘, Kulturcampus Hildesheim, 12.12.2025
Ästhetische Praxis zwischen Negativtität und Widerstand. Workshopgestaltung mit Lukas Graf, Stefanie Leiding, Hannah Chodura und Julia Rüegger für das ‚Graduiertenkolleg Ästhetische Praxis‘, Kulturcampus Hildesheim, 16.01.2026
Die ästhetische Praxis von Alice Creischer und Andreas Siekmann - Fragen an die Ausstellung “Die Zirkulation von Arbeit, Kapital und Leben als Lieferkette - Das Potosi-Prinzip-Archiv erklärt einen Typus ecclesiae catholicae” im Dommuseum Hildesheim. Workshopgestaltung mit Max Negrelli, 18.02.2026
Lehre
WiSe 2023/24: Kritikweisen von Kultur – zur Entstehung der Cultural Studies (Seminar), Humboldt-Universität Berlin, Institut für Kulturwissenschaft
WiSe 2021/22: Einführung in die Philosophie (Seminar), Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Philosophie
Sprecher
Prof. Dr. Jens Roselt
Koordination
Lisa Kalkowski
Postanschrift
Universität Hildesheim
DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis“
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim
Standort
Kulturcampus Domäne Marienburg
Domänenstraße, Haus 3
31141 Hildesheim
Kulturcampus Gebäudeplan
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