Zur Person

Juri Wasenmüller (they/them) studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá sowie Soziokulturelle Studien (M.A.) an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Die Forschungsschwerpunkte liegen in Gender- und Queer Studies, kritischer Rassismus- und Migrationsforschung sowie dekolonialer Theorie.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit ist Juri journalistisch und literarisch tätig. Als freie*r Autor*in schrieb Juri u. a. aus Buenos Aires für verschiedene Medien, war Social-Media-Redakteur*in bei der taz und Kolumnist*in beim Missy Magazine. In Texten, Vorträgen und Moderationen beschäftigt sich Juri mit postsowjetischer Migration aus klassismuskritischer, queerer und dekolonialer Perspektive sowie mit der Rolle osteuropäischer und postsowjetischer Migrant*innen in antirassistischen Allianzen in Deutschland.

2021–2022 studierte Juri an der European University in St. Petersburg und forschte zum Thema „Queere postsowjetische Migration“. Das Projekt wurde durch das Programm Metropolen in Osteuropa der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Auch Juris Bachelor und Masterstudium wurden von der Studienstiftung unterstützt.

Seit April 2025 ist Juri wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in im DFG-Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ an der Universität Hildesheim.

 

Foto: Irène Mélix

Promotionsprojekt

Kollaborative Schreibpraktiken und dekoloniale Erzählstrategien im Kontext der ehemaligen UdSSR

Das Forschungsvorhaben widmet sich der Frage, wie kollaborative literarische Schreibpraktiken zu dekolonialen Historiografien im Kontext der ehemaligen Sowjetunion beitragen können. 

Ausgangspunkt der Arbeit sind Herausforderungen der Selbstverortung in postsowjetisch-diasporischen Kontexten in Deutschland. In den deutschsprachigen Migrationswissenschaften wird üblicherweise nach dem Verhältnis der besagten Migrant*innengruppe zur deutschen Dominanzgesellschaft gefragt. Das vorliegende Promotionsprojekt hingegen rückt Diskurse um Dekolonisierung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Verstrickung in Strukturen und Kontinuitäten von russischem Imperialismus ins Zentrum. Damit werden Perspektiven aufgegriffen, die in den vergangenen Jahren in diskursiven und aktivistischen Räumen rund um den “postost” Begriff verhandelt wurden, bislang jedoch wenig Eingang in die Forschung fanden. 

Juri Wasenmüllers Arbeit reagiert auf die Leerstellen an Begriffen und Erzählmustern, die komplexe Erfahrungen von Mehrfachzugehörigkeit und Zwischenpositionen in ambivalenten (post)sowjetischen Machtverhältnissen erfassen können.

Am Beispiel der Geschichte ethnisch Deutscher in Kasachstan zeichnet Juri Wasenmüller nach, wie imperiale Kategorisierungen, stalinistische Repressionen und sowjetische Nationalitätenpolitik bis heute historische Narrative und die Selbstwahrnehmung verschiedener (post)sowjetischer Bevölkerungsgruppen prägen.

Ziel ist die Entwicklung neuer narrative Zugänge zu einer rassismus- und kolonialismuskritischen Geschichtsschreibung durch Prozesse kollaborativen (autoethnografischen) Schreibens.

Die Arbeit stellt sowohl historiografische als auch methodologische Fragen:
Wie können Geschichten erzählt werden, wenn der Zugang zu Wissen durch politische Repression, fehlende Archive und kollektive Traumata fragmentiert ist?
Was kennzeichnet dekoloniale Erzählstrategien? Welche neuen Möglichkeiten der Selbstverortung eröffnen sich durch den Zugang zu bislang unerzählten Vergangenheiten?

Kurzvita

Studium

10/2020 –  02/2025Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), MA Soziokulturelle Studien
09/2021 – 02/2022European University St. Petersburg (EUSP), Rechercheaufenthalt zum Thema „Queere postsowjetische Migration“ in Zusammenarbeit mit dem Gender Studies Program der EUSP und der Charitable Foundation Sphere; Studium: MA Russian and Eurasian Studies (IMARES), gefördert durch das Stipendienprogramm „Metropolen in Osteuropa“ der Studienstiftung des deutschen Volkes
07/2016 – 12/2016Direktaustausch Universidad Nacional de Colombia (Bogotá), gefördert durch ein PROMOS-Stipendium
10/2014 – 07/2018Freie Universität Berlin, Bachelor of Arts Politikwissenschaften

Beruflicher Werdegang

11/2022 – 03/2024Vorstandsvorsitz im Verein Neue deutsche Medienmacher*innen (NdM)
10/2022 – 04/2024Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie an der Europa-Universität Viadrina, Lehrstuhlinhaberin: Prof. Dr. Kira Kosnick
06/2019 – 10/2020Redakteur*in und Chef*in vom Dienst im Bereich Social Media und Community bei der taz, die tageszeitung
Seit 2018freiberufliche*r Journalist*in und Kolumnist*in, u.a. taz, die tageszeitung, Missy Magazine, Zeit Online
Publikationen

Publikationen (Auswahl):

11/2020: „Migrantische Selbstorganisation gegen Klassismus und Rassismus“. in: Seeck, Francis/Theißl, Brigitte (hgs.), Solidarisch gegen Klassismus: organisieren, intervenieren, umverteilen, Münster: Unrast, 157-167.

Veranstaltungen & Vorträge

Vorträge (Auswahl)

05/2025:„Kollaboratives Forschen und dekoloniale Historiographien im Kontext ‚russlanddeutscher‘ Migration aus Kasachstan“,  X3 Spaces Creative Fest, Berlin
03/2024:Expert*innen-Workshop: „Postsowjetische Lebenswelten in Deutschland“, Friedrich-Ebert-Stiftung, Steinbach
11/2023:(mit Masha Beketova) „Decolonizing (German) Journalism. Writing about postsocialist migration”, n-ost, Berlin

Moderationen (Auswahl)

04/2023:„Antislawismus, Weißsein und Rassismus in Deutschland und Westeuropa“ mit Anna Safuta, Angelika Kim und Dennis Chiponda, im Rahmen der Ausstellung Өмә, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin
10/2021:„Go West? Eastern Europe, Decoloniality & Migration” mit Madina Tlostanova, Jannis Panagiotidis und Lesia Kulchynska; kampnagel, Hamburg
03/2021:„Im Gespräch über postsowjetische Migrationserfahrungen“ mit Darja Klingenberg, Jannis Panagiotidis und Dmitrij Kapitelman, Мыteinander-Reihe, Jüdisches Museum, Frankfurt (Main)

Sprecher
Prof. Dr. Jens Roselt

Koordination
Lisa Kalkowski

Postanschrift
Universität Hildesheim
DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis“
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

Standort
Kulturcampus Domäne Marienburg
Domänenstraße, Haus 3
31141 Hildesheim

Kulturcampus Gebäudeplan
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