Foto: Irène Mélix

Juri Wasenmüller

Juri Wasenmüller (they/them) studierte Politikwissenschaft (B.A.) an der Freien Universität Berlin und der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá sowie Soziokulturelle Studien (M.A.) an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

 

Neben der wissenschaftlichen Arbeit ist Juri journalistisch und literarisch tätig. Juri arbeitete unter anderem für die taz, war Kolumnist*in beim Missy Magazine und veröffentlichte Essays sowie literarische Texte in Sammelbänden und Zeitschriften. Darin befragt Juri Narrative postsowjetischer Migration nach Deutschland aus rassismus- und klassismuskritischer, queerer und dekolonialer Perspektive.

 

Seit April 2025 ist Juri wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in im DFG-Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ an der Universität Hildesheim.

Promotionsprojekt

Kollaborative Schreibpraktiken und dekoloniale Erzählstrategien im Kontext der ehemaligen UdSSR

Das Forschungsvorhaben widmet sich der Frage, wie kollaborative literarische Schreibpraktiken zu dekolonialen Historiografien im Kontext der ehemaligen Sowjetunion beitragen können. 

Ausgangspunkt der Arbeit sind Herausforderungen der Selbstverortung in postsowjetisch-diasporischen Kontexten in Deutschland. In den deutschsprachigen Migrationswissenschaften wird üblicherweise nach dem Verhältnis der besagten Migrant*innengruppe zur deutschen Dominanzgesellschaft gefragt. Das vorliegende Promotionsprojekt hingegen rückt Diskurse um Dekolonisierung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Verstrickung in Strukturen und Kontinuitäten von russischem Imperialismus ins Zentrum. Damit werden Perspektiven aufgegriffen, die in den vergangenen Jahren in diskursiven und aktivistischen Räumen rund um den “postost” Begriff verhandelt wurden, bislang jedoch wenig Eingang in die Forschung fanden. 

Juri Wasenmüllers Arbeit reagiert auf die Leerstellen an Begriffen und Erzählmustern, die komplexe Erfahrungen von Mehrfachzugehörigkeit und Zwischenpositionen in ambivalenten (post)sowjetischen Machtverhältnissen erfassen können.

Am Beispiel der Geschichte ethnisch Deutscher in Kasachstan zeichnet Juri Wasenmüller nach, wie imperiale Kategorisierungen, stalinistische Repressionen und sowjetische Nationalitätenpolitik bis heute historische Narrative und die Selbstwahrnehmung verschiedener (post)sowjetischer Bevölkerungsgruppen prägen.

Ziel ist die Entwicklung neuer narrative Zugänge zu einer rassismus- und kolonialismuskritischen Geschichtsschreibung durch Prozesse kollaborativen (autoethnografischen) Schreibens.

Die Arbeit stellt sowohl historiografische als auch methodologische Fragen:
Wie können Geschichten erzählt werden, wenn der Zugang zu Wissen durch politische Repression, fehlende Archive und kollektive Traumata fragmentiert ist?
Was kennzeichnet dekoloniale Erzählstrategien? Welche neuen Möglichkeiten der Selbstverortung eröffnen sich durch den Zugang zu bislang unerzählten Vergangenheiten?

Kurzvita

Studium: 

2020 – 2025: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), M.A. Soziokulturelle Studien

2021 – 2022: European University St. Petersburg (EUSP), M.A. Russian and Eurasian Studies (IMARES), Forschungsaufenthalt zum Thema „Queere postsowjetische Migration“ in Zusammenarbeit mit dem Gender Studies Program der EUSP, gefördert durch das Stipendienprogramm „Metropolen in Osteuropa“ (Studienstiftung des deutschen Volkes)

2016: Direktaustausch Universidad Nacional de Colombia (Bogotá), gefördert durch ein PROMOS-Stipendium

2014 –2018: Freie Universität Berlin, B.A. Politikwissenschaften

Förderung von Bacherlor- und Masterstudium durch die Studienstiftung des deutschen Volkes

Beruflicher Werdegang:

2022 – 2024: Vorstandsvorsitz im Verein Neue deutsche Medienmacher*innen (NdM)

2022 – 2024: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie an der Europa-Universität Viadrina, Lehrstuhlinhaberin: Prof. Dr. Kira Kosnick

2019 – 2020: Redakteur*in und Chef*in vom Dienst im Bereich Social Media und Community bei der taz, die tageszeitung

Seit 2018 freiberufliche*r Journalist*in und Kolumnist*in, u.a. taz, die tageszeitung; Missy Magazine; Zeit Online

Publikationen und Preise

04/2026: Georg R. Schroubek Nachwuchspreis für die Masterarbeit „Kollaborative Ansätze einer dekolonialen Reflexion ethnischen Deutschseins in Kasachstan“

11/2020: „Migrantische Selbstorganisation gegen Klassismus und Rassismus“. In: Seeck, Francis / Theißl, Brigitte (Hg.), Solidarisch gegen Klassismus: organisieren, intervenieren, umverteilen, Münster: Unrast, S. 157–167.

Veranstaltungen & Vorträge (Auswahl)

Vorträge (Auswahl)

03/2026: „Über Klasse schreiben“ – ein Essay, PostOstCafé: Klasse und Krawall, Maxim Gorki Theater, Berlin.

12/2025 Workshop: „Die eigene Position mitschreiben“ - Epistemische Kritik an Wissensproduktion nachgehen durch Schreibübungen und Relektüren. Workshopgestaltung mit Lukas Graf, Annika Haas und Noah Grossmann für das ‚Graduiertenkolleg Ästhetische Praxis‘, Kulturcampus Hildesheim.

09/2025 Vortrag: „Entangled Histories of Ethnic Germans in the Soviet Union – Decolonial Historiographies and Collaborative Writing Practices“, Summerschool: A Postcolonial Condition: Art, Literature, Film, and the Everyday in Eastern Europe, organisiert vom Kunstgeschichtlichen Seminar und den Osteuropastudien der Universität Hamburg

05/2025: Vortrag: „Kollaboratives Forschen im Kontext ‚russlanddeutscher‘ Migration aus Kasachstan“, X3 Spaces Creative Fest, Berlin

03/2024: Expert*innen-Workshop: „Postsowjetische Lebenswelten in Deutschland“, Friedrich-Ebert-Stiftung, Steinbach

11/2023: (mit Masha Beketova) „Decolonizing (German) Journalism. Writing about postsocialist migration”, n-ost, Berlin

Moderationen (Auswahl)

04/2023: „Antislawismus, Weißsein und Rassismus in Deutschland und Westeuropa“ mit Anna Safuta, Angelika Kim und Dennis Chiponda, im Rahmen der Ausstellung Өмә, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin

10/2021: „Go West? Eastern Europe, Decoloniality & Migration” mit Madina Tlostanova, Jannis Panagiotidis und Lesia Kulchynska; kampnagel, Hamburg

03/2021: „Im Gespräch über postsowjetische Migrationserfahrungen“ mit Darja Klingenberg, Jannis Panagiotidis und Dmitrij Kapitelman, Мыteinander-Reihe, Jüdisches Museum, Frankfurt (Main)

Sprecher
Prof. Dr. Jens Roselt

Koordination
Lisa Kalkowski

Postanschrift
Universität Hildesheim
DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis“
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

Standort
Kulturcampus Domäne Marienburg
Domänenstraße, Haus 3
31141 Hildesheim

Kulturcampus Gebäudeplan
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