Julia Rüegger
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Julia RüeggerUniversitätsplatz 1, 31141 HildesheimKulturcampus Domäne Marienburg, Haus 3 (KC.Hs3.1.01)+49 5121 883-21132
Zur Person
Julia Rüegger studierte Kreatives Schreiben, Theater und Philosophie an der Universität Hildesheim und am Schweizerischen Literaturinstitut (B.A. 2017), gefolgt vom Masterstudiengang «Philosophie Künste interkulturell», ebenfalls an der Universität Hildesheim sowie an der Universidad Complutense de Madrid (M.A. 2020). Sie arbeitet als freischaffende Autorin, Lyrikerin und Literaturvermittlerin und forscht an der Schnittstelle von Theorie und künstlerischer Praxis. Seit April 2025 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis" am Institut für Philosophie der Universität Hildesheim.
Promotionsprojekt
Flanieren als kritische ästhetische Praxis
Unter dem Begriff ‚Flanieren‘ wird klassischerweise jene Praktik des ziellosen Umherschweifens verstanden, die Mitte des 19. Jahrhunderts in westlichen Metropolen aufkam und den Akt des Gehens im urbanen Raum als einen Zustand der intensivierten Wahrnehmung und Immersion denkt. Diese Praktik hat sich immer auch künstlerisch niedergeschlagen, z.B. in Walter Benjamins Passagenwerk oder Franz Hessels Ein Flaneur in Berlin, wobei die künstlerische Reflexion wiederum auf die Praxis zurückwirkte. Während der so geprägte Prototyp des Flaneurs in den meisten Fällen ein bürgerlicher, weißer, nichtbehinderter Mann ist, dessen Flaniertätigkeit auch seine Privilegien widerspiegelt – eine Konstellation, die sich bis in die «Psychogeografie» der 60er-Jahre hinein fortsetzt –, werden seit einiger Zeit entgrenzte Formen des Flanierens erprobt, für die das ‚Flanieren‘ vielleicht gar kein akkurater Ausdruck mehr ist. Diese richten den Fokus sowohl auf andere Weisen des Umherstreifens wie auch auf Akteur:innen, die traditionell vom Flanieren ausgeklammert blieben. Dabei stehen oftmals Flaneur:innen im Fokus, die aus unterschiedlichen Gründen marginalisiert werden und für die sich die Erscheinung und Bewegung im öffentlichen Raum als herausfordernd oder existenziell bedrohlich darstellt.
In meinem Dissertationsprojekt schließe ich an diese kritische Neukonfiguration an und betrachte das Flanieren als dezidiert gegenhegemoniale Praxis, die sich an der Schnittstelle ästhetischer und gesellschaftspolitischer Prozesse abspielt, dort, wo neue Verbindungen geknüpft, Alltagsgewohnheiten ausgesetzt und Handlungsräume ausgelotet werden, die sich der herrschenden ‚Aufteilung des Sinnlichen‘ (Rancière) widersetzen.
Der Aktualisierung des Flanierens kommt aber auch aufgrund des Wandels von Städten und der zunehmenden Privatisierung von öffentlichem Raum, welche die demokratische Alltagskultur und das ‚Recht auf Stadt für alle‘ (Lefebvre) in Bedrängnis bringt, neue Dringlichkeit zu. Zudem verändern Google Maps und die digitale Vernetzung die Bedingungen des Flanierens, das immer auch die Möglichkeit des Sich-Verlierens umfasste. All diese veränderten Parameter machen es erforderlich, gegenwärtiges Flanieren unter neuen Vorzeichen zu erforschen. Dabei richte ich den Fokus insbesondere auf jenes Flanieren, das nicht länger ein Luxusgut der wenigen ist, sondern eine demokratisierende, gemeinwohlorientierte Praxis.
Kurzvita
Ausbildung
2020 | M.A.-Abschluss im Studiengang Philosophie-Künste interkulturell (PKi) mit Nebenfach Literatur an der Universität Hildesheim |
| 2017 - 2018 | Austauschsemester an der Universidad Complutense, Madrid |
| 2017 | B.A.-Abschluss im Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus mit den Nebenfächern Theater und Philosophie an der Universität Hildesheim |
| 2015 - 2016 | Austauschsemester am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel, Hochschule der Künste Bern |
Weitere Tätigkeiten
| Seit 2024 | Leiterin von literarischen Schreibworkshops mit Jugendlichen (u.a. an Gymnasien und dem Literaturhaus Freiburg i. Br.) |
| Seit 2023 | Regelmäßige Moderation von Lesungen und Podien sowie Konzeption und Moderation der Reihe «Generationengespräche» am Literaturhaus Basel |
| Seit 2022 | Kulturjournalistische Tätigkeit für verschiedene Medien (u.a. Surprise-Straßenmagazin, ProZ |
| Seit 2021 | Lektoratstätigkeit und Schreibberatung für den Verein lektorat.literatur (Basel) |
| 2020 - 2025 | Gründungsmitglied, Veranstalterin und Kuratorin des künstlerischen Offspaces WABE (Basel) |
Künstlerische Förderungen
| 2025 | Writer-in-Residence in Graz |
| 2024 | Werkbeitrag des Kantons Basel-Stadt für die Arbeit am zweiten Gedichtband, Writer-in-Residence am Literarischen Colloquium Berlin |
Publikationen
Theoretische Publikationen
“F wie Flanieren. Vom ziellosen Gehen als widerständige Praxis”, auf dem Blog von Art of Intervention,
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„Flanieren als demokratische Praxis für ein umfassendes Recht auf Stadt“ in: Vom Fluss des Wassers zum Fluss des Geldes. Eine widerständige Kartografie der Pharmaindustrie, hrsg. von Multiwatch und der Unofficial Hiking Society AG, Zürich: edition 8 (2025).
„Männlichkeiten als Lebensweise in Geschichte und Gegenwart“, Tagungszusammenfassung auf H-Soz-Kult,
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„Utopische Institutionen. Milo Raus künstlerische Entwürfe für eine demokratischere Zukunft“, in: Frankfurter Hefte, Ausgabe 07/08, Berlin/Bonn 2022.
Link zum Beitrag
Literarische Publikationen (nur Monografien)
Und überlaut die Zikaden, mit Valerie K. Meyer, edition mosaik, Salzburg 2025
einsamkeit ist eine ortsbezeichnung, Schiler & Mücke, Berlin/Tübingen 2023
Konferenzen & Vorträge
2025: „Between Hyper-Visibility and Invisibility. Approaching the Gaze of the Female Flâneur“, Vortrag an der Tagung „Spectacle and Spectatorship: Interrogating the Female Gaze" im Rahmen der Fifth Annual International Women in the Arts Conference, University of Arkansas Rome Center
2025: „Spaziergangswissenschaft trifft Literatur. Lucius und Annemarie Burchkhardt mit Robert Walser im Gespräch“, Podiumsdiskussion in der Buchhandlung Labyrinth in Basel, organisiert vom Lokal für Raumbegehung
2024: „Wohnen heißt Zusammenwohnen. Kohabitation als demokratische Praxis“, Vortrag im Panel Demokratie als Lebensform an der XI. Tagung für Praktische Philosophie, Universität Passau
2021: „Präsentische Demokratie vs. Démocratie à venir“, Zoom-Vortrag an der ersten Jahrestagung des German Pragmatism Network zum Thema Living Democracy? – Die Zukunft der Demokratie
Sprecher
Prof. Dr. Jens Roselt
Koordination
Lisa Kalkowski
Postanschrift
Universität Hildesheim
DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis“
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim
Standort
Kulturcampus Domäne Marienburg
Domänenstraße, Haus 3
31141 Hildesheim
Kulturcampus Gebäudeplan
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