Zur Person

Annika Haas ist Medientheoretikerin und seit Dezember 2023 Postdoktorandin am DFG-Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“. Sie hat Medienwissenschaft in Potsdam und Istanbul sowie Kunst und Medien an der Universität der Künste Berlin und am California Institute of the Arts studiert. 2022 wurde sie mit der Arbeit Avant-Theorie. Hélène Cixous’ écriture du corps an der Universität der Künste Berlin promoviert. Zahlreiche Kooperationsprojekte sowie experimentelle Lehrformate prägen ihre Theoriepraxis an der Schnittstelle von Medienkulturwissenschaft und Kunst.

Von 2020 bis 2023 war Annika Haas wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Theorie der Gestaltung an der Universität der Künste Berlin. Zuvor wirkte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“ mit (2017–2020), war Assoziierte im Doktoratsprogramm „Epistemologien ästhetischer Praktiken" am Collegium Helveticum Zürich (2018–2022) und Gastwissenschaftlerin  am Laboratoire d’études de genre et de sexualité an der Université Paris 8 (2020/21).

Forschungsprojekt

Beyond Repair: Artistic Practices and Critique in Times of Crisis

Dieses Forschungsprojekt an der Schnittstelle von Medien- und Affekttheorie untersucht zeitgenössische künstlerische Praktiken und Kritiken im Kontext sich verstetigender Krisen. Angesichts des irreparablen Projekts der (kolonialen) Moderne (Mignolo 2007) sind Reparatur, Reparationen und Kulturtechniken des Reparierens gängige, wenn auch ambivalente und begrenzte Antworten auf Krisen. Das Forschungsprojekt widmet sich künstlerischen Praktiken beyond repair (Haghighian 2019) und der damit verbundenen Suchbewegung nach weiterhin bewohnbaren Welten im Angesicht sich überlagernder geopolitischer Konflikte, ideologischer Polarisierung, anhaltender kolonialer Gewalt und Prekarität (CURE 2025, Attia & BAK 2021, Berlant 2022, Stuelke 2021). Im Mittelpunkt stehen Szenen der Krise unter dem Einfluss des Techno-Kapitalismus. Auf welche Alternativen zu Reparatur und Techno-Solutionismus machen künstlerische Praktiken aufmerksam?

Techno-solutionistische Problemlösungen vernachlässigen oft die irreparablen Schäden, die in Krisensituationen sichtbar werden. Medientheorie und Affekttheorie widmen sich diesen irreparablen Schäden zunehmend. Dazu zählen sich weitende „discursive divides“ (Abend/Richterich 2019, Zuboff 2022), die techno-kapitalistische Befeuerung „selbstzerstörerischen Wachstums“ (Livingston 2019) sowie ausbeuterische technische Infrastrukturen, die historische Formen der Gewalt wie „electronic colonialism“ (Rezaire 2018), „recursive colonialism“ (Parisi & Dixon-Román 2020) und „techno-precarity“ (Adair et al. 2020) perpetuieren. – Konstituieren künstlerische Praktiken in diesem Forschungskontext eine eigene Form der Kritik?

Die im Mittelpunkt dieses Projekts stehenden künstlerischen Praktiken entwickeln sich aus der Anerkennung des Irreparablen und Unwiederbringlichen heraus. Sie befassen sich mit verschiedenen Szenen der Krise und ihrer Beziehung zu den materiellen, epistemischen und ästhetischen Dimensionen der dominanten westlichen Vorstellungen von Technologie. Wie verändern sich künstlerische Praxis und künstlerische Formen der Kritik in Krisenzeiten? Welche Rolle spielen Technologien dafür?

Zusammen mit drei Künstler*innen aus unterschiedlichen geopolitischen Kontexten werden diese Fragen in gemeinsam entwickelten Settings diskutiert. Anregung dazu gibt die projekteigene Feldforschung zu Methoden der vielstimmigen Diskursbildung (z. B. group critique) in der zeitgenössischen Kunst, insbesondere aus dem Kunsthochschulkontext in Südkalifornien seit den 1970er Jahren.

Publikationen

Alle Publikationen unter: https://orcid.org/0000-0002-1710-467X

hier eine Auswahl:

 

Monografie und Herausgeberschaften

2024: Feeling Bad AFK. Publikation anlässlich der Ausstellung Ungovernable Ingredients, silent green Kulturquartier Berlin, 18.-20.12.2024

2023: Avant-Theorie. Hélène Cixous’ ‹écriture du corps›. Dissertation, Universität der Künste Berlin
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2021: How to Relate: Wissen, Künste, Praktiken / Knowledge, Arts, Practices, hg. mit Maximilian Haas, Hanna Magauer, Dennis Pohl, Bielefeld: transcript.
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2018: Widerständige Theorie. Kritisches Lesen und Schreiben, hg. mit Jonas Hock, Anna Leyrer, Johannes Ungelenk, Berlin: neofelis.
Leseprobe

2018: Windtunnel Bulletin no. 7, hg. mit Sarine Waltenspül, Zürich: Forschungsschwerpunkt Transdisziplinarität, Zürcher Hochschule der Künste.
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Ausgewählte Aufsätze

2025: "Fadenspiele forschend ausstellen" in Zeitschrift für Medienwissenschaft, mit Mario Schulze und Sarine Waltenspül, Jg. 17, Heft 33 (2/2025): Aneignung Revisited: Memes, 106–119 open access online

2024: „Hélène Cixous's Textual Bodies in the Archive and Beyond: ‹I note at top speed what presents itself all the time.›", in: Vanessa Gravenor, Hanne Loreck (Hrsg.), Archives of the Body, Hamburg: HfBK 2024.
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2024: „Multilations“, in: Katalog zur Ausstellung Soma of the Land von Petja Ivanova, Folkwang Museum Essen, 06.09.-20.10.2024.

2024: WELCOME TO KLUB WRKR, [Ausstellungstext], in: Kyle Bellucci Johanson, KLUB WRKR, council_st Los Angeles, May–June 2024, www.councilst.com/kyle-bellucci-johanson 

2023: „Die Orange lesen. Poetische Politik 1975/2022“, in: An den Rändern des Wissens. Über künstlerische Epistemologien, Kathrin Busch, Barbara Gronau, Kathrin Peters (Hg.), Bielefeld: transcript 2023, 199–216.
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2023: „Mit und ohne Namen: Warum jedes Schreiben situiert ist“ (mit Noam Gramlich), in: Doing Research. Wissenschaftspraktiken zwischen Positionierung und Suchanfrage, Sandra Hofhues, Konstanze Schütze (Hg.), Bielefeld: transcript 2023, 304–311, DOI: 10.14361/9783839456323-037
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2022: „Donc, une lettre bond." Hélène Cixous’ Akrobatie der Zeit, in: Der Alltag der Dekonstruktion. Über das Anekdotische bei Hélène Cixous und Jacques Derrida, Philippe P. Haensler, Stefanie Heine, Philipp Hubmann, Thomas Traupmann (Hg.), Wien: Passagen Verlag, 221–240.

2021: „Translation: A Relational Practice" (mit Emily Apter), in: How to Relate: Wissen, Künste, Praktiken / Knowledge, Arts, Practices, Schriftenreihe „Wissen der Künste“, hg. mit Maximilian Haas, Hanna Magauer, Dennis Pohl, Bielefeld: transcript, 144–159.
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2020: „Théo rit: A Mimetic Approach to Writing Difference(s) with Hélène Cixous“, in: Change Through Repetition. Mimesis as a Transformative Principle Between Art and Politics, hg. v. Babylonia Constandinides, Simon Gröger, Elisa Leroy, Doris Rebhan, Berlin: Neofelis, 111–126.
Leseprobe

2020: „In tief verbundener Abwesenheit. Cixous’ telepathische Lektürepraxis“, in: Feministisches Spekulieren. Genealogien, Narrationen, Zeitlichkeiten, hg. v. Marie-Luise Angerer, Naomie Gramlich, Berlin: Kadmos, 80–95

2019: „Situiertes Schreiben mit Haraway, Cixous und grauen Quellen" (mit Noam Gramlich), in: Zeitschrift für Medienwissenschaft, Nr. 20 (1/2019), 38–52.
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Lobende Erwähnung – GfM Best Publication Award Gender und Medien 2019

Vorträge, Konferenzen, Workshops
9.-11.10.2025Beyond Repair: Proceeding in Brokenness, The Good Life beyond Optimism and Pessimism: Philosophy –– Ideology –– Affective Materialities, University of Augsburg
10.-12.10.2024„My Body, My Data, My Choice? Data Bodies in the Uncanny Archive“,
Conference of the Society for the Study of Affect, Millersville University, Lancaster, Pennsylvania (USA)
25.-28.09.2024Workshop-Chair bei Konferenz „Glitch Assembly“,
Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft, Universität Mainz, zusammen mit Lisa Andergassen, Lisa Rein, Martin Beck, Julia Preisker, Irina Raskin. 
Download Workshop-Zine 
25.-26.04.2024„The Alphabet of Data Body-Feelings“,
Tagung Archive des Körpers, Hochschule für Bildende Künste Hamburg
17.06.2023„Liquifying Language“, Workshop, Matter of Flux Festival, Art Laboratory Berlin
Download Workshop-Zine
25.05.2023„Durch den Körper. Hélène Cixous’ Philosophie und Schreiben“,
Hessische Theaterakademie Ringvorlesung 2023, konzipiert von Fanti Baum, Frankfurt/M.
25.04.2023„Auto-Archives“, Vortrag an der Ruskin School of Art, Oxford University, im Rahmen von Dissenting Knowledges, Oxford X UdK Berlin Creative Collaborations
22.-23.02.2022„Letters of Joys. Reading, Writing and Corresponding with Hélène Cixous“, Lecture & Workshop am Trinity College, Dublin University. Auf Einladung der Metaphysical Society
17.-18.11.2021Medienhaus Lectures: „Performance. Peformance? Performance!“,
zusammen mit Henrike Uthe, Universität der Künste Berlin
Juli 2021„Excavating the Present.“,
zusammen mit Christopher Weickenmeier. Workshopreihe in der Klosterruine Berlin
28.05.2021„Hyperrêve. Hélène Cixous lesen.“,
zusammen mit Esther von der Osten. Lektüreworkshop im Rahmen der Veranstaltungsreihe Der Alltag der Dekonstruktion an der Universität Zürich,
organisiert von Philippe P. Haensler, Stefanie Heine, Philipp Hubmann und Thomas Traupmann
05.-07.07.2018„How to Relate: Aneignen – Vermitteln – Figurieren.“ Jahrestagung des DFG-Graduiertenkollegs „Das Wissen der Künste“.
Zusammen mit Maximilian Haas, Hanna Magauer, Dennis Pohl; Universität der Künste Berlin

 

Sprecher
Prof. Dr. Jens Roselt

Koordination
Lisa Kalkowski

Postanschrift
Universität Hildesheim
DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis“
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

Standort
Kulturcampus Domäne Marienburg
Domänenstraße, Haus 3
31141 Hildesheim

Kulturcampus Gebäudeplan
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