Assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs

Praktiken des Verlernens. Im Versuch der Dekolonisierung: Ästhetische Praxis an der Schnittstelle von Ausstellung und Vermittlung in Ethnologischen Museen

An der Schnittstelle von Cultural Studies, Neuerer Museologie und kritischer Vermittlung untersucht dieses Forschungsvorhaben, wie ästhetische Praktiken museale Ordnungen durchbrechen und transformieren können. Ausgangspunkt für eine Reflektion dieses Potentials soll der u.a. von Gayatri Chakravorty Spivak und Walter D. Mignolo beschriebene Prozess des Verlernens eingeübter Denk- und Verhaltensmuster sein. Wie können Praktiken des Verlernens im Museum aussehen, um sich machtvoller Strukturen bewusst zu werden und ihnen etwas entgegenzusetzen? Was können weitere ästhetische und kuratorische Praktiken sein, um alternative Ordnungen zu ermöglichen?

Untersucht wird das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig mit zwei Ausstellungen, die im Rahmen des Projekts REINVENTING.SKD entstanden sind. „Berge Versetzen“ von PARA, Rehema Chachage und Verlie Asiimwe Amani setzt sich mit dem Raub der Spitze des Kilimandscharo durch Hans Meyer auseinander. Mit „Berge Versetzen“ zieht eine kolonialismuskritische Installation und Ausstellung zeitgenössischer Kunst in das GRASSI Museum, die ohne ethnologische ‚Objekte‘ arbeitet. Der „Backstage-Bereich“ stellt ebenfalls keine originalen Cultural Belongings aus, sondern widmet sich musealen Praktiken, die sonst im Verborgenden stattfindenden. Die Praktiken des Restaurieren, Erinnern und Kuratieren werden in drei Räumen für Besucher:innen erfahrbar. Das Dissertationsvorhaben untersucht diese Ausstellungsansätze und analysiert Ansätze des Verlernens auf einer ästhetisch-kuratorischen Ebene. Es werden Potentiale des Verlernens eruiert und zugleich ein kritischer Blick auf eine Begriffsaneignung und Instrumentalisierung durch Museen geworfen.

 

Zur Person 

Jocelyne Stahl ist Kulturwissenschaftlerin und arbeitet als Kuratorin, Vermittlerin und Wissenschaftlerin zu Themen der Bildung und Vermittlung im Kontext (ethnologischer) Museen und ihrer kolonialen Kontinuitäten. Sie studierte Medien- und Kulturwissenschaft in Düsseldorf und Kulturwissenschaft in Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte und -interessen sind postkoloniale und dekoloniale Ansätze, ästhetische Praktiken in Kurations- und Vermittlungsprozessen sowie raumtheoretische Betrachtungen und die Befragung der Dichotomie Zentrum | Peripherie. Als Kuratorin und Vermittlerin ist Jocelyne Stahl praktisch im Bereich Ausstellungsentwicklung, Bildung und Vermittlung tätig. Seit August 2021 ist Jocelyne Stahl Assoziiertes Mitglied am DFG-Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ der Universität Hildesheim.

 

Veröffentlichungen (Auswahl)

Stahl, Jocelyne und Sibilak, Carolin (2024): „Den Alienkönig zum Fliegen bringen. Potenziale und Herausforderungen von VR als Werkzeug der Bildung und Vermittlung in Museen“, in: Katharina Haverich und Lucas Kuster (Hg.): „Das Metaversum zerstalten. Virtuelle Realität, Vielfalt, Kultur“, Bielfeld: transcript, S. 108-121

Stahl, Jocelyne und Schimanowski, Maike (2024): „No Consent – No Object? Das Ausstellen von Leerstellen als Möglichkeit rassismuskritischen Kuratierens“, in: Anna Greve und Sithara Weeratunga (Hg.): „Rassismuskritisches Kuratieren“, Kunst und Politik - Jahrbuch der Guernica-Gesellschaft, Band 25/2023, Göttingen: V&R unipress, S. 97-106

Stahl, Jocelyne (2024): „Gelernt und Eingeübt? Zu Begriff und Praxis des Verlernens“, in: Jens Roselt und Ekaterina Trachsel (Hg.): „Üben üben. Praktiken und Verfahren des Übens in den Künsten“, Reihe „Ästhetische Praxis. Transdisziplinäre Perspektiven“, Paderborn: Brill Fink, S. 195-216

Stahl, Jocelyne (2024): „Das Fehlen eines Steins in Leipzig und am Kilimandscharo: Praktiken des Verlernens und Versuche visueller Gerechtigkeit im Kontext ethnologischer Museen“, in: Christopher Nixon (Hg.): Visuelle Gerechtigkeit, kritische berichte - Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften, Heft 2/2024, S. 56-63

Stahl, Jocelyne (2024): „Wessen Wissen zählt? Ausstellungen als Orte von Wissenstransfer und Praktiken des Verlernens“, Online-Zugriff unter KuBi-Online 

 

Konferenzen (Auswahl)

Stahl, Jocelyne „Backstage becomes Frontstage. Practices of unlearning and the curating of museum practices at GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig”, Beitrag zur Tagung „Decolonial Aesthetic Practices?” des DFG-Graduiertenkollegs „Ästhetische Praxis”, Universität Hildesheim, 7.-9.11.2024

Jocelyne Stahl „Wessen Wissen zählt? Ausstellungen als Orte von Wissenstransfer und Praktiken des Verlernens“, Tagung „Experiment Wissen. Wissenstransfer in der Kulturellen Bildung gemeinsam gestalten“ des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung, Wolfenbüttel, 16.03 – 18.03.2023

 „Theorie in der Praxis“, Panel bei Click & Connect, Netzwerktreffen des Vermittlungs*netzwerks, Theaterhaus Hildesheim, Panelist:innen: Sandra Rasch, Céline Bartholomäus, Jocelyne Stahl, Mod.: Sophia Gründelbach, Simon Niemann, 10.-12.11.2022

 

Fellowship

Fellow des MuseumsLab 2023 (Deutscher Akademischer Austauschdienst, Museum für Naturkunde Berlin, MA Museumsmanagement und Kommunikation der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, African Consultancy Group The Advisors)

Unsere Jahrestagung „Macht ≠ Stärke. Schwache ästhetische Praktiken“ findet am 29. und 30. Januar 2026 am Kulturcampus Domäne Marienburg statt.

Zur Veranstaltung

Sprecher
 Prof. Dr. Jens Roselt

Koordination
  Dr. Sonja Dinter

 Postanschrift
Universität Hildesheim
DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis“
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

 Standort
Kulturcampus Domäne Marienburg
Domänenstraße, Haus 3
31141 Hildesheim

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