Sejal Mielke

Zugehörigkeit(en). Bildungstheoretische Reflexionen (AT)

Den Ausgangspunkt der Dissertation bildet die Annahme, dass sich Subjekte in und durch Praktiken als bestimmte Subjekte hervorbringen (vgl. Butler 2001). Hierbei liegt das Interesse auf der diskursiven Konzeptionierung von Zugehörigkeit sowie der damit verbundenen Positionierung. Einer solchen Lesart folgend, beschreibt Zugehörigkeit ein Moment von „Subjektivation“ (Butler), d.h. die Art und Weise, wie ein Subjekt mittels Sprache in eine soziale Ordnung gebracht wird. Dabei gilt Anerkennung als Bedingung und zugleich als Modus jeglicher Subjektkonstitution. Der Prozess des Zum-Subjekt-Werdens ist damit von Beginn an durch die Anrede Anderer reguliert und erweist sich als ein von Macht durchzogener Akt, da jede normative Matrix mit einer wertbezogenen Differenz einhergeht, die es ermöglicht, zwischen anerkannten und diskreditierten Subjektpositionen zu unterscheiden. Dieser Anerkennungsakt ist nach einem binären Prinzip organisiert, welches Subjekte dazu nötigt, sich innerhalb einer ausschließenden Ordnung darzustellen und gleichsam selbst zu verstehen. Dadurch drohen jene, die nicht der geforderten Eindeutigkeit entsprechen oder sich ihr entziehen, sozial inexistent zu werden. Insofern erzeugen Differenzordnungen nicht nur trennscharfe Unterscheidungen, die mit Marginalisierung und Privilegierung einhergehen, sondern sie regulieren auf subtile Art und Weise wer Zugehörigkeit erfährt und wem diese verweigert wird.

Um die Debatte um Zugehörigkeit weiterzuentwickeln, bedarf es anderer Formen der Zugehörigkeit. Dafür greife ich auf das Potenzial der Ästhetik als Aísthēsis zurück.

 

Zur Person:

Sejal Mielke ist Erziehungswissenschaftlerin und promoviert an der Universität Tübingen. Im Wintersemester 2019/20 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin (Elternzeitvertretung von Dr. Christian Grabau) am Institut für Erziehungswissenschaft (Arbeitsbereich: Allgemeine Pädagogik). Über das Wintersemester 2019/20 und Sommersemester 2020 war sie Junior Fellow im internationalen und interdisziplinären Civis-Verbund zum Thema belonging. Seit Februar 2021 wird ihr Dissertationsprojekt durch ein Promotionsstipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Von September 2021 bis Januar 2022 absolvierte Sejal Mielke einen Forschungsaufenthalt an der Amsterdam School for Cultural Analysis der Universiteit van Amsterdam. Seit dem Wintersemester 2019/20 hatte sie Lehraufträge an den Universitäten Tübingen, Würzburg, Chemnitz und Mainz inne. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich kulturell-ästhetischer Bildung sowie bildungstheoretischer Fragestellungen.

Sejal Mielke ist seit Oktober 2021 assoziiertes Mitglied am DFG-Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ der Universität Hildesheim.

 

Vorträge

07/2021: Visualität und Zugehörigkeit, Goethe-Universität Frankfurt, Workshop zum Thema Transdisziplinarität in der Bildungsforschung (online)

06/2021: Facetten des Sehens, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Nachwuchstagung der Gesellschaft für interdisziplinäre Bildwissenschaft

07/2022: On the aesthetic dimension of belonging (angenommen), Federal University of Minas Gerais (Brasilien), International Congress of the Aesthetics

 

Mitgliedschaften

  • Forschung Netzwerk Kulturelle Bildung
  • Deutsche Gesellschaft für Ästhetik
  • assoziiertes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (Kommissionen: Bildungs- und Erziehungsphilosophie sowie Interkulturelle Pädagogik)
  • Association for Cultural Studies (ACS)
  • FG Dekolonial e.V.
  • Connecticut-Baden-Württemberg Human Rights Research Consortium (Arbeitsgruppe: Graduate Student)