Über die Dreistigkeit poetischer Praxis. (AT)

Diese Forschungsarbeit verbindet Betrachtungen zur Eigenart poetischer Praxis aus drei Gebieten: der Literatur selbst, der Philologie und der Übersetzung. Mit dem Stichwort der Dreistigkeit soll ein gemeinsames Moment derselben herausgestellt werden: poetische Praxis als grenzüberschreitende Geste, deren ausgreifende Bewegung sich selbst notwendigerweise die Grundlage entzieht; sei dies in semantischer, rhetorischer oder epistemologischer Hinsicht: Theorien der metaphorischen Wortbedeutung sind ebenso von Interesse wie die Frage nach ironischem Sprechen und dem grundsätzlichen Verhältnis von Literatur und Wissen.

Die Unmöglichkeit einen (poetischen) Text in eine Äquivalenz zu bringen, sei es mit einer fremdsprachlichen Übersetzung oder in Form einer Deutung, markiert den wissenschaftlichen Ungrund philologischer Erkenntnis und Übersetzungspraxis, die in direktem Zusammenhang der Suspendierung des Wirklichen oder eines angemessenen, klaren Wortgebrauchs steht. Die Dreistigkeit poetischer Praxis überträgt sich auf philologische und übersetzerische Arbeit, die ihrerseits ein poetisches und sich selbst suspendierendes Moment vereint.

Zu den literaturwissenschaftlichen und übersetzungstheoretischen Positionen, die für das Forschungsprojekt von besonderem Interesse sein werden, gehören Paul de Man, Peter Szondi und Werner Hamacher sowie Uljana Wolf. Diese sind nicht nur in theoretischer Hinsicht interessant, sondern insbesondere auch in ihrer eigenen affektiven Haltung, markiert Dreistigkeit doch ein enges Verhältnis von Scham(losigkeit), Auflehnung und Gelassenheit. Autor*innen und Übersetzer*innen, die die Dreistigkeit poetischer Praxis auf verschiedene Weise sichtbarmachen und poetologisch genauer betrachtet werden sollen, sind Francis Ponge, Ilse Aichinger, Anne Carson und Monika Rinck.

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