Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive
Vorlesungsreihe WiSe 2025/26 | Universität Hildesheim
Donnerstags, 10 Uhr | Kulturcampus, Raum 50.2.02
Mit Rolf Elberfeld, Anke Graneß, Sool Park, Sarhan Dhouib, Abbed Kanoor, Monika Rohmer, Jordan Kynes und Leon Krings

In einer Welt, die immer stärker durch globale Verflechtungen, kulturelle Übersetzungsprozesse und vielfältige Wissensformen geprägt ist, steht auch die Philosophie vor der Aufgabe, ihre eigenen Voraussetzungen kritisch zu befragen.
Um Orientierung in einer globalisierten Welt bieten zu können, bedarf es einer Philosophie, die sich ihrer historischen und kulturellen Situiertheit bewusst ist und ihre Geschichte nicht länger ausschließlich aus der Perspektive Europas erzählt.
Die Vorlesung „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“ führt in methodische und systematische Fragen einer globalen Philosophiegeschichtsschreibung ein. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die bloße Erweiterung der bekannten Kanons, sondern die grundsätzliche Reflexion darüber, was „Philosophiegeschichte“ im Kontext globaler Wissensordnungen überhaupt bedeuten kann.
Diskutiert werden zentrale Problemfelder wie die Debatten um den Ursprung der Philosophie, um Schriftlichkeit und Mündlichkeit philosophischer Traditionen, um die Rolle von Sprache und Übersetzung im Philosophieren sowie um die Verflechtungen zwischen Philosophie, Religion, Mythologie, Ethnologie, Kunst und Körperpraxis.
Die zu behandelnden Regionen umfassen unter anderem:
- Ostasien (China, Korea, Japan) – mit einem Fokus auf daoistischen, konfuzianischen und buddhistischen Denktraditionen sowie deren ästhetisch-praktischen Dimensionen
- die Arabische Welt – mit einem Schwerpunkt auf der Vermittlung zwischen antiker, islamischer und moderner Philosophie, auf Sufismus, Rationalismus und der Übersetzungstradition
- Afrika – mit Blick auf die Vielfalt afrikanischer Philosophien, Fragen der Person, der sozialen Gerechtigkeit und der Dekolonisierung des Denkens.
Darüber hinaus werden in jeder Sitzung Querverbindungen zur europäischen Philosophiegeschichte hergestellt, um deren implizite Zentrismen und Auslassungen sichtbar zu machen. Themen wie Rassismus, Geschlechterverhältnisse, Nationalismus und koloniale Wissensproduktion bilden leitende Bezugspunkte.
Abschließend widmet sich die Vorlesung verschiedenen Modellen globaler Philosophiegeschichtsschreibung und fragt, wie ein plurales, relationelles und vernetztes Verständnis von Philosophiegeschichte aussehen kann – jenseits dichotomer Kategorien wie „westlich/nicht-westlich“ oder „schriftlich/oral“.
Die Veranstaltung ist Teil der Arbeit der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Philosophieren in einer globalisierten Welt – Historische und systematische Perspektiven“ (GloPhi), die sich der Erforschung und Neuverortung philosophischer Praktiken in einem polyzentrischen, globalen Zusammenhang widmet.
Vorlesungsinhalte
23. Oktober 2025
Was ist Philosophie?
30. Oktober 2025
Ursprünge des Philosophierens I: Ägypten / China
Sool Park & Anke Graneß
6. November 2025
Ursprünge des Philosophierens II: Philosophiegeschichtsschreibung / Mythologie
Rolf Elberfeld & Abbed Kanoor
13. November 2025
Ostasien, Teil 1
Rolf Elberfeld, Sool Park & Leon Krings
20. November 2025
Ostasien, Teil 2
Rolf Elberfeld, Sool Park & Leon Krings
27. November 2025
Ostasien, Teil 3
Rolf Elberfeld, Sool Park & Leon Krings
4. Dezember 2025
Arabische Welt, Teil 1
Abbed Kanoor, Jordan Kynes & Sarhan Dhouib
11. Dezember 2025
Arabische Welt, Teil 2
Abbed Kanoor, Jordan Kynes & Sarhan Dhouib
18. Dezember 2025
Persische Welt
Abbed Kanoor
8. Januar 2026
Afrika, Teil 1
Anke Graneß & Monika Rohmer
15. Januar 2026
Afrika, Teil 2
Anke Graneß & Monika Rohmer
22. Januar 2026
Afrika, Teil 3
Anke Graneß & Monika Rohmer
29. Januar 2026
Dekolonisierung und Rassismus
5. Februar 2026
Modelle globaler Philosophiegeschichtsschreibung

