Podcast-Folge zu afrikanischen Schöpfungsmythen:
Perspektiven aus Nigeria, Südafrika und Ghana
Podcast Episode on African Creation Myths: Perspectives from Nigeria, South Africa, and Ghana
Abosede Ipadeola, Lindokuhle Shabane, Nikitta Dede Adjirakor
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In der aktuellen Folge des NDR-Podcasts „vertikal horizontal. Glaubens- und Gewissensfragen“ mit dem Titel „Wie entstand die Welt? Schöpfungsmythen in Afrika“ kommen auch drei Fellows unserer DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Philosophieren in einer globalisierten Welt – Historische und systematische Perspektiven“ zu Wort: Abosede Priscilla Ipadeola, Lindokuhle Shabane und Nikitta Dede Adjirakor.
Die Folge nimmt die Hörer:innen mit auf eine Reise in die vielfältigen Schöpfungserzählungen des afrikanischen Kontinents.
Die Inhalte dieser Mythen sind vielfältig: Die Themen reichen von mythischen Hühnern, die Land aus dem Wasser scharren, über Göttinnen, die Regen und Flüsse erschaffen, bis hin zu einem übergeordneten Wesen, das alle Geschlechter in sich vereint. Diese Mythen eröffnen nicht nur Perspektiven auf den Ursprung der Welt, sondern prägen auch gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen und ethische Leitbilder.
Abosede Priscilla Ipadeola (Nigeria) stellt die Yoruba-Tradition vor, in der Olódùmarè und andere göttliche Wesen an der Erschaffung der Welt beteiligt sind. Eine zentrale Rolle spielt ein Huhn, das durch sein Scharren das Land aus dem Wasser hervorbringt. Ipadeola betont, dass diese Erzählungen tief in der Gesellschaft verankert sind und die Yoruba sie den christlichen Missionaren selbstbewusst als die „eigentliche“ Schöpfungsgeschichte entgegengesetzt haben.
Lindokuhle Shabane (Südafrika) berichtet von Mythen, in denen ein „erstes Wesen“ den Raum für die Ahnen schafft, die den Lebenden Botschaften übermitteln. Besonders hervorgehoben wird eine Göttin, die Flüsse, Regen und Wetter erschuf und die ausschließlich von Frauen angerufen werden kann. Shabane machte deutlich, dass solche Erzählungen nicht nur kosmologische Deutungen, sondern auch gesellschaftliche Ordnungen und Geschlechterrollen reflektieren.
Nikitta Dede Adjirakor (Ghana) betonte die Bedeutung der Vielfalt der Mythen: Gerade die Unterschiede zwischen den Erzählungen eröffnen Räume für einen Dialog über Diversität und Mehrsprachigkeit. Sie wies darauf hin, dass Kolonialismus und christliche Mission Einfluss auf die Mythen genommen haben und manche Traditionen verdrängt wurden. In ihrer eigenen Ga-Adangme-Tradition erzählt man von einem übergeordneten Wesen, das alle Geschlechter in sich vereint und die gesamte Welt erschaffen hat, eine Sichtweise, die zugleich Parallelen zur biblischen Genesis wie auch eigenständige kosmologische Horizonte eröffnet.
Die Folge verdeutlicht, dass afrikanische Schöpfungsmythen nicht nur Erklärungen für den Ursprung der Welt liefern, sondern auch tief in die soziale Praxis und in Fragen von weltanschaulichen Grundannahmen und ethischer Lebensführung hineinreichen. Sie zeigen, wie Ursprungserzählungen zugleich kulturelle Identität stiften und universelle Fragen nach Sinn, Ordnung und Zusammenleben aufwerfen.
→ Die ganze Podcastfolge kann hier in der ARD-Audiothek nachgehört werden.
In the latest episode of the NDR podcast “vertikal horizontal. Questions of Faith and Conscience” entitled “How Was the World Created? Creation Myths in Africa”, three fellows of our DFG Center for Advanced Studies “Philosophizing in a Globalized World – Historical and Systematic Perspectives” are featured: Abosede Priscilla Ipadeola, Lindokuhle Shabane, and Nikitta Dede Adjirakor.
The episode takes listeners on a journey into the diverse creation narratives of the African continent: from mythical chickens scratching land out of water, to goddesses creating rivers and rain, to a supreme being uniting all genders within itself. These myths not only recount the origins of the world but also shape social orders and ethical frameworks.
Abosede Priscilla Ipadeola (Nigeria) presented the Yoruba tradition, in which Olódùmarè and other divine beings participate in the creation of the world. A central role is played by a chicken that scratches away the water until land emerges. Ipadeola emphasized that such stories are deeply rooted in Yoruba society and were confidently upheld against Christian missionaries, who were told that the biblical Genesis was not the “real” creation story.
Lindokuhle Shabane (South Africa) shared narratives in which a “first being” created the space for the ancestors, who continue to pass on messages to the living. Particularly noteworthy is a goddess who created rivers, rain, and weather, and who can be invoked exclusively by women. Shabane highlighted that these stories do not only explain cosmic origins but also reflect social structures and gender relations.
Nikitta Dede Adjirakor (Ghana) stressed the importance of diversity among myths: their differences open up spaces for dialogue about plurality and multilingualism. She also pointed out that colonialism and missionary activity reshaped or even erased certain traditions. In her own Ga-Adangme tradition, a supreme being that embodies all genders created the entire world—an account that resonates with aspects of biblical Genesis while also opening unique cosmological horizons.
The episode demonstrates that African creation myths are not only explanations of cosmic beginnings but also deeply interwoven with social practices, questions of responsibility, and ways of life. They show how origin stories can simultaneously ground cultural identity and raise universal questions about meaning, order, and human coexistence.
→ You can listen to the full podcast episode (in German) here in the ARD Audiothek.


