Projekthintergrund

Über das Projekt und seine Hintergründe

Dem Gebot der Chancengerechtigkeit zufolge, sollte jede und jeder anhand seiner individuellen Talente, Begabungen und Präferenzen einen Beruf oder ein Studium ergreifen. Tatsächlich ist die Berufs- und Studienwahl stark geschlechtlich segregiert. Mit anderen Worten: Bei den Ausbildungsberufen wählen junge Frauen häufiger ein Tätigkeitsfeld im Dienstleistungssektor, während junge Männer häufiger im gewerblich-technischen Bereich repräsentiert sind. Die bei Frauen beliebtesten Studiengänge sind BWL, Germanistik, Medizin, Jura und Pädagogik – bei Männern ist ebenfalls BWL auf Platz 1, gefolgt von Maschinenbau, Informatik und Elektrotechnik.

Durch die zukünftige Arbeitsmarktentwicklung bieten sich jungen Frauen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowohl in Unternehmen und Forschungseinrichtungen als auch im Lehramt jedoch hervorragende berufliche Perspektiven und vielfältige Karrierechancen. Dennoch schließen bisher bundesweit nur rund 19% der Studentinnen ein Studium in diesen Fächern ab.

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) hat 2002 für die Förderung von Mädchen und Frauen in MINT-Fächern einen umfangreichen Bericht über den Stand in den Schul- und Universitätsfächern vorgelegt. Neben Kontext- und Begleitmaßnahmen werden strukturelle Veränderungen in den Fächern als wichtiges Handlungsfeld benannt: Reform von Lehr- und Lernformen, Überarbeitung der Studieninhalte, Erschließung neuer Zielgruppen und Monoedukative Angebote.

Auch die Bundesregierung hat den Handlungsbedarf für dieses Thema erkannt: 2008 rief Bundesministern Prof. Dr. Annette Schavan den Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm mach MINT“ ins Leben. Der Pakt hat zum Ziel, mehr Frauen für duale und akademische Berufe im MINT-Bereich zu gewinnen.

Die abgeleiteten Folgerungen und Handlungsbedarfe aus dem BLK Bericht wurden 2011 im Bericht der Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, GWK, einer Revision unterzogen. Die GWK sieht in ihrer Evaluation der gesichteten Maßnahmen auf schulischer und hochschulischer Ebene von einer Entwicklung gänzlich neuer Maßnahmen ab. Stattdessen werden die Folgerungen aus dem Bericht der BLK nochmals bekräftigt. Maßnahmen, welche eine strukturelle Reform der betreffenden MINT-Studiengänge zum Ziel haben, sollten dabei eindeutig den Vorrang gegenüber Begleitmaßnahmen haben, um nachhaltig wirken zu können.

Das Projekt wurde im Frühjahr 2014 initiiert und wird über frei werdende Mittel des Professorinnenprogramms finanziert. Seit dem Frühjahr 2015 ist Charlotte Schiller wissenschaftliche Mitarbeiterin im MINT-Projekt. Projektleiterin ist die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Silvia Lange.

Der Anteil von Studentinnen beträgt an der Universität Hildesheim insgesamt rund 74%. Die Studiengänge mit dem niedrigsten Frauenanteil sind IMIT (Informationsmanagement und Informationstechnologie) und WINF( Wirtschaftsinformatik).

Es ist und bleibt daher die Zielvorgabe, mehr Frauen in Bereiche mit starker Polarisation der Geschlechterverhältnisse zu rekrutieren und im Studium zu halten, bestehen. Die Gleichstellungsbeauftragte übernimmt hier mittels des Gleichstellungsplans als Steuerungsinstrument vielfältige Schritte in diese Richtung. Ebenso bekennt sich der Fachbereich 4 dazu, wo immer möglich gender und diversity Aspekte in das Studium miteinzubeziehen.