Unterstützungsanker in der Uni: Studierende beraten Studierende

Dienstag, 09. Oktober 2012 um 18:10 Uhr

Da ist einerseits der Raum, ziemlich gewöhnlich, mit Telefon und Büroausstattung. Und da sind die Studierenden – die „Anker-Peers“. Auf sie wird es ankommen. Die Universität Hildesheim baut ein „Anker-Zentrum“ auf: In jedem Studiengang soll ab 2013 ein studentisches Team Studieninteressierte und Studienanfänger beraten. Schon in den Schulen werden sie Kontakt aufnehmen. Ihr Vorteil: Sie sind etwa gleichalt und können auf Augenhöhe kommunizieren. Nur etwa ein Viertel aller Kinder aus Familien ohne akademische Familientradition schaffen den Sprung an die Hochschule.

Traue ich mir ein Studium zu, was muss ich leisten? Wie funktioniert eigentlich eine Universität? Wo liegen meine Stärken? Wie soll ich das Studium finanzieren? Diese Ungewissheiten, sagt Anna-Elise Weiß, tauchen besonders bei Studierenden aus bildungsfernen Elternhäusern auf. „Woher sollen sie auch etwas über die Uni wissen, wenn Eltern und Geschwister kaum von universitären Erfahrungen berichten können?“ Die Studienberaterin der Universität Hildesheim leitet seit Herbst 2012 gemeinsam mit Ulrike Oehme das Projekt „Uni-APP – das Anker-Peers-Programm“. Ihr Ziel: eine höhere und erfolgreiche Bildungsbeteiligung der „Studierenden der ersten Generation“. Also jener, die als erste in ihrer Familie den Schritt in die akademische Ausbildung wagen. Nur etwa ein Viertel aller Kinder aus Familien ohne akademische Familientradition schaffen den Sprung an die Hochschule Dabei unterstreicht das Projektteam: „Wir sprechen mit unserem Beratungsangebot alle Schülerinnen und Schüler an und setzen auf ihre Stärken.“

An guten Beratungsangeboten an Unis und in Berufsbildungszentren mangelt es nicht, sagt Weiß. „Aber diejenigen, die die Beratung besonders benötigen, erreichen die Unterstützungsangebote kaum.“ Woran das liegt? „Die Hemmschwelle beim Zugang zur professionellen Beratung im Komplex Hochschule scheint sehr hoch“, ergänzt Oehme. 

Die Universität Hildesheim baut deshalb ab sofort ein „Anker-Zentrum“ auf. Da ist einerseits der Raum in der Uni. Mit Telefon, Internet und Büroausstattung.

Und da sind die Studierenden – auf sie wird es wesentlich ankommen. Denn sie werden im Sommersemester 2013 in der Studienwahlphase als „Experten“ in die Schulen ausschwärmen. Ihr Pluspunkt gegenüber bestehenden Angeboten zur Studien- und Berufsorientierung? „Sie sind etwa gleichalt, haben den Studieneinstieg gerade selbst erlebt und können auf Augenhöhe Kontakt aufnehmen. Dabei klären sie erste Fragen, die im Zusammenhang mit dem Studium auftreten“, sagt Oehme. Für komplexere Anliegen vermitteln die studentischen Berater an bestehende Beratungsinstitutionen weiter. Zum Beispiel an die Zentrale Studienberatung, und weisen auf die Info-Woche „Abi!…und dann?“, das Schnupper-Studium, Ansprechpartner für Studienfinanzierung und Stipendien hin. Nach der Studieneingangsphase werden sie zu „Ankern“ im Uni-Alltag.

Das Projekt „Uni-APP“ startet mit acht Studierenden als „Anker-Peers“ im Fachbereich 1 Erziehungs- und Sozialwissenschaften. Sie arbeiten als studentische Hilfskräfte und können sich die Schulungen und Tätigkeit als Studienleistungen anrechnen lassen. In den nächsten Wochen entwickeln die Studierenden einen Flyer, ein Logo und eine Internetseite. „Sie werden ihre eigene Sprache dafür finden. Unsere Studierenden wissen am besten, welche Fragen zum Ende der Schulzeit und am  Anfang des Studiums wichtig sind“, sagen Weiß und Oehme und sind gespannt auf die Ideen der Studierenden. Im Sommersemester 2013 kommen weitere acht „Anker-Peers“ hinzu.

Diese universitäre Infrastruktur ist bundesweit etwas Besonderes; ein Team aus ausgebildeten Studierenden baut eine Unterstützungsstruktur für Studieninteressierte und Studienanfänger auf, eben ihre Peergroup. Alle studentischen Berater werden regelmäßig geschult. Denn das sei „der Knackpunkt“, so Anna-Elise Weiß. „Sie müssen ihre Grenzen der Beratung kennen, empathisch sein, Gespräche führen und Fragen stellen können“, beschreibt sie die Anforderungen. „Vor allem müssen die studentischen Berater ein Verständnis von Beratung und Unterstützung erlangen. Nur so können sie als Anker für die Ratsuchenden wirken.“

Das Projekt Uni-APP wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik und die Zentrale Studienberatung entwickeln es gemeinsam.

Jetzt bewerben und Anker-Peer werden!

Studierende aus dem Fachbereich I können sich noch bis zum 15. Oktober als Anker-Peers bewerben. Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an Anna-Elise Weiß und Ulrike Oehme von der Zentralen Studienberatung.