Unterstützung für begabte Studierende

Birgit Nagorny und Manfred Scheim über ihre Entscheidung Stipendiengeber zu werden

"Es ist wirklich spannend, dass da auf einmal zwei Menschen sind, die ein Interesse an mir und dem, was bei mir passiert, haben", so Student Philipp Oesterlen, der seit dem Wintersemester 2017/18 das Deutschlandstipendium erhält. Das besondere an der Förderung durch das Deutschlandstipendium ist, dass die Hälfte des Fördergeldes von Unternehmen oder Privatpersonen gestiftet wird und hier ein Kontakt zwischen Studierenden und Fördernden entstehen kann. Kennengelernt haben sich Stipendiat Philipp Oesterlen und seine Fördernden das Ehepaar Birgit Nagorny und Manfred Scheim bei der feierlichen Übergabe der Stipendienurkunden. Nun besuchen sie Herrn Oesterlen in seiner Arbeitsstätte, einem kleinen Restaurant in Hannover.

Auf das Stipendienprogramm sind Frau Nagorny und Herr Scheim durch einen Zeitungsartikel aufmerksam geworden. "Unsere Kinder sind groß und liegen uns sozusagen nicht mehr auf der Tasche. Wir kennen die Situation aus eigener Erfahrung, ein Studium zu finanzieren, wenn das Geld nicht reichlich ist und die Eltern nicht so betucht oder gar nicht vorhanden sind."

Auch Philipp Oesterlen fällt es nicht leicht, den finanziellen Aufwand für sein Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis zu leisten. Von dem Deutschlandstipendienprogramm hat er dann durch einen ehemaligen Mitbewohner erfahren. "Ich habe mich näher mit den Anforderungen befasst und mich beworben. Glücklicherweise hat es geklappt."

Frau Nagorny konnte als älteste Tochter ihrer Familie zwar das Gymnasium besuchen, aber kein Studium beginnen. So machte sie zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester, um dann später ein Studium, das sie selbst finanzierte, als Lehrerin für Pflegefachkräfte anzuschließen. In diesem Beruf arbeitete sie bis zum Ruhestand. Manfred Scheim kennt die Situation der finanziellen Schwierigkeiten während der Ausbildung ebenfalls. "Meine Eltern wollten mir damals aufgrund der Schulgeld-Pflicht keinen Besuch auf dem Gymnasium mehr finanzieren. Später habe ich eine Art Wirtschaftsabitur nachgeholt, schließlich bei einer Bank als Lehrling angefangen und mich dann in die mittlere Führungsebene hochgearbeitet."

Ihren Ruhestand nutzt das Ehepaar nun, um junge Menschen auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen. "Auch wir profitieren davon. Wir bleiben informiert und am Ball. Aufgrund unserer eigenen Situation als gut versorgte Rentner wollen wir Dankbarkeit zeigen, dass es uns so gut geht. Das Deutschlandstipendium ist für uns die Möglichkeit, ein kleines Schicksal zu bestärken."

Philipp Oesterlen selbst freut sich sehr über das Interesse. "Ich gehe mehr oder weniger alleine durchs Leben und daher ist das eine spannende Situation für mich."

Außerhalb der Universität ist Philipp Oesterlen gerade im Kulturbereich sehr aktiv. Er hat ein Kollektiv mitbegründet, das im Moment einen neuen Kulturort in Hannover errichtet und ist Teil einer kleinen Filmproduktionsfirma. Die Band, in der er spielt, kommt aus der Trip-Hop-Richtung. Für das Ehepaar ist diese Art von Musik eher unbekannt. "Das finden wir aber sehr spannend. Die Ohren zu öffnen für etwas anderes, halten wir für eine Bereicherung."