Deutsch-Israelisches Austauschprojekt

Pressemeldung, Interview mit Prof. Dr. Viola B. Georgi zum Start des Projekts (04.12.2013)

Diversity in Israel und Deutschland - German Israeli Young Researchers‘ Exchange on Diversity

Das Austauschprojekt zwischen der Universität Haifa und der Stiftung Universität Hildesheim fokussiert auf das Zusammenleben in pluralen Gesellschaften und richtet sich an junge Wissenschaftler_innen, die empirisch zu Diversity forschen und derzeit Qualifikationsarbeiten (MA oder PhD) anfertigen. Durch das wechselseitige Kennenlernen und den Austausch über Forschungsprojekte und Forschungspraxis in ähnlichen Themengebieten sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den jeweiligen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskursen über Diversity erarbeitet und sichtbar gemacht werden. Israelische und deutsche Studierende untersuchen gemeinsam, wie verschiedene Dimensionen von Diversity (Ethnizität, Gender, Alter, Behinderung etc.) in Israel und Deutschland im öffentlichen und wissenschaftlichen Raum konzipiert und verhandelt werden. Betrachtet werden soll darüber hinaus, ob und wie diese jeweils spezifischen Konstruktionen von Differenz in relevanten gesellschaftlichen Praxisfeldern (vornehmlich im Bildungsbereich) zum Tragen kommen und dabei grundlegend für In- bzw. Exklusionsprozesse werden.

Die Verwendung des Begriffs  "Diversity" ist in jüngster Zeit sowohl in wissenschaftlichen  als auch in öffentlichen Debatten über die Konstitution moderner Gesellschaften zu einem Schlüsselbegriff avanciert. Diversity wird durch eine Reihe von Kriterien wie Alter (Generation), Geschlecht (Gender, sexuelle Orientierung), race (nationale oder ethnische Herkunft), Geburtsort oder Herkunft (Migrationserfahrung), physisch/psychische Fähigkeit (Gesundheitszustand), Sprache (linguistisches Kapital), Klasse (sozio-ökonomischer Status), Raum (Stadt vs. Land, Zentrum vs. Peripherie) und Religion (kulturelles Erbe) definiert. Die soziale Relevanz dieser Kategorien variierte über Zeit und Raum sowohl in Israel als auch in Deutschland. Das Spannungsverhältnis zwischen Heterogenität und Homogenität bestimmt die sich verlagernden Grenzen, innerhalb derer pädagogische, politische und soziale Konzepte im Umgang mit  Vielfalt entwickelt und umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang sollen insbesondere auch Prozesse der Exklusion und Inklusion näher betrachtet werden.  Neben der übergeordneten Frage, was ethnisch, religiös und sozial heterogene Gesellschaften zusammenhält, verfolgt das Projekt folgende Teilfragen: 

Welche Narrative von Diversity lassen im heutigen Israel und in Deutschland ausmachen? Wie werden Dimensionen von  Vielfalt in beiden Länder vermittelt und verhandelt? Was sind die wissenschaftlichen und methodischen Herausforderungen im Schwerpunkt  Diversity-Forschung? Wie konzipieren die jungen Wissenschaftler_innen ihre empirischen Arbeiten in diesem Bereich? Wie positionieren sie sich selbst als Forscher_innen und Bürger_innen innerhalb dieses gesellschaftlichen Diskurses? Schließlich geht es auch um die grundsätzliche Frage, was ethnisch, religiös und sozial heterogene Gesellschaften zusammenhält?

Das Projekt wird 16 junge israelische und deutsche Wissenschaftler_innen zusammenbringen, die in ihren Promotions- oder Masterarbeiten unterschiedliche Aspekte von Diversity untersuchen, d.h. die Arbeiten sollten also möglichst in dem breiten Feld der Diversity Studies angesiedelt sein, können aber aus unterschiedlichen Fachrichtungen stammen (Pädagogik, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft, Geographie, Soziologie etc.) Ferner liegt ein Fokus auf Methoden der qualitativen Sozialforschung oder auf einer kombinierten Herangehensweise mit quantitativen und qualitativen Methoden. Die Nominierung der Studierenden – die aus verschiedenen Universitäten in Israel und Deutschland kommen sollen – erfolgt durch ihre akademischen Betreuer_innen. Die nominierten Kandidat_innen werden gebeten, ein Exposé zu ihrem Forschungsprojekt sowie ein Motivationsschreiben zu verfassen.  Auf der Grundlage dieser Informationen werden deutsche und israelische Teilnehmende in kleine Forschungsgruppen eingeteilt.  

Die Partner-Universitäten werden in 2013 und 2014 insgesamt vier interkulturelle Forschungswerkstätten ausrichten. Die erste Forschungswerkstatt findet im Dezember 2013 in Deutschland (Berlin und Hildesheim) statt.

Die thematische, theoretische und konzeptionelle Gestaltung obliegt den  Projektpartner_innen (Georgi, Hotam, Agbaria, Hadar). Die ersten zwei Workshops (jeweils einer in Israel und einer in Deutschland) dienen dem Kennenlernen, dem strukturierten Austausch über Forschungsthemen und Forschungsdesigns sowie der Etablierung einer gemeinsamen Arbeitskultur. Es werden Lerngruppen (nach Möglichkeit Tandems) gebildet und die Teilnehmenden tauschen sich über die wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurse zu Diversity in beiden Ländern aus.  Die nächsten zwei Workshops werden sich auf die Praxis und den Verlauf der Forschungsprojekte der jeweiligen Teilnehmenden im Rahmen der israelischen-deutschen Tandems konzentrieren. Die Studierenden begleiten sich gegenseitig ins Forschungsfeld, erheben, diskutieren und interpretieren dabei gemeinsam empirische Daten. Durch die Auseinandersetzung mit dem Feld (z. B. Beobachtungen der Bildungspraxis in konfessionellen Kindergärten, Auswertungen von mehrsprachigen Schulprogrammen, ethnographische Erkundungen zur Verhandlung von Geschlechtsidentitäten in Schulklassen oder Interviews mit Lehrpersonen, die Minderheiten angehören) erhalten die jungen Forscher_innen die einzigartige Gelegenheit, exemplarisch sehr konkrete Einblicke in die von Diversität betroffenen gesellschaftlichen Handlungsfelder zu gewinnen.

Profil für Programmteilnehmer_innen

Unser Kandidat bzw. Kandidatin ist idealerweise

Die Kandidatin bzw. der Kandidat werden von ihren Betreuer/ihrer Betreuerin nominiert. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Kandidat_innen sich verpflichten, an allen Workshops und Aktivitäten im Rahmen des Projektes teilzunehmen.

Die Bewerbung der Kandidatin bzw. des Kandidaten soll auf Englisch eingereicht werden und folgende Dokumente enthalten:

Bewerbungsfrist ist der 01. September 2013. Die Unterlagen können bei Filiz Keküllüoğlu (filiz.kekuellueoglu@uni-hildesheim.de) und Manuela Mangold (manuela.mangold@gmail.com) eingereicht werden.  

Supervising Team

Projektleitung

Prof. Dr. Viola B. Georgi, Stiftung Universität Hildesheim, Zentrum für Bildungsintegration (E-Mail: georgiv@uni-hildesheim.de)

Dr. Yotam Hotam, University of Haifa (E-Mail: yhotam@gmail.com)

Kooperationspartner_innen

Dr. Ayman Agbria, Institut für Erziehungswissenschaft, University of Haifa (E-Mail: aagbaria@edu.haifa.ac.il)

Dr. Linor Hadar, Institut für Erziehungswissenschaft, University of Haifa/Beit Berl Academic College (E-Mail: lhadar@edu.haifa.ac.il)

Das Projekt „German-Israeli Young Researchers' Exchange on Diversity“ wird gefördert von der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum | קרן פורום העתיד גרמניה- ישראל.

Diversity in Israel and Germany – Israeli-German Young Researchers Exchange on Diversity

Call for Applications for the German-Israeli Interdisciplinary Project

Project Description

The Universities of Haifa (Israeli) and Hildesheim (Germany) are happy to announce the launching of a German-Israeli interdisciplinary project. The two years project (2013-2015) brings together 16 young Israeli and German scholars who are working on their PhD or MA-theses addressing different issues of diversity. The project aims at exploring how different dimensions and intersections of diversity are being conceptualized, negotiated, represented and applied in the educational and public arenas in Israel and Germany through a research based student exchange. The students will gain experience in presenting their works in an international comparative framework, in meeting colleagues who engage with similar issues from different perspectives, and in learning in an enriching and diverse German-Israeli scholarly atmosphere.

The partner universities (Haifa/Hildesheim) will host four research workshops in Germany and in Israel in 2013 and 2014. The first two workshops will focus on introducing the research topics and designs of all participants, establishing a common working structure/culture, building teams and learning about the academic and public discourses on diversity in both countries. The second two workshops will focus on diversity research in practice/progress in the Israeli-German teams. Students will build learning tandems and accompany each other into fieldwork. Through exposure to the field (e.g. observations in religion-based kindergartens, evaluations of multilingual school programs, ethnographic explorations of gender issues in the classroom or interviews with minority teachers) they will have the chance to gain unique and practical insights into the respective educational, social and political contexts diversity issues are situated in. In reflecting on the production of knowledge about diversity in a comparative perspective, the young researchers will gain a better understanding of the differences but also of the similarities in both countries.

Rational

In recent years, the use of the term diversity has advanced in academic and public debates about the constitution of modern societies. Diversity is defined by a series of criteria such as age (generation), sex (gender, sexual orientation), nationality or ethnicity, place of birth or of origin (migration experience), physical/mental ability (health status), language (linguistic capital), class (socio-economic status), space (urban vs. rural, center vs. periphery), and religion (cultural heritage). The social relevance of these categories has varied across time and space in Israel and Germany. Tensions between heterogeneity and homogenization have shaped the shifting boundaries that define educational, political and social approaches to diversity in both countries. It is in this context that the project focuses on processes of exclusion and inclusion. The project will ask: What are the narratives of diversity in both countries? How is diversity mediated and negotiated in contemporary Israel and Germany? What are the scientific and methodological challenges trying to capture aspects of diversity? How do the young scholars conceptualize their empirical work in this field? How do they position themselves as researchers and citizens within those societal discourses?

Eliqibility

PhD and MA students, from the Social sciences and Humanities, whose research projects are situated in the broad area of diversity studies, may apply. Studies could cover a variety of themes such as (not a closed list): Ethnic, national and religious tensions; Segregation/integration in education; Immigrants in society; Multiculturalism; Intercultural school development; Religious pluralism; Inclusion and disability studies.

Students should be nominated by their academic supervisors. Supervisors should note that participation in all workshops and projects' activities is mandatory. Students are asked to demonstrate strong commitment for the duration of the project. Proficiency in English is required.  

Students' applications should be written in English and must include: (1) a letter of interest (2) a short exposé describing the students' research project (3) A cover letter written by the students' nominating supervisor. Applications should be sent to yaelp3@gmail.com no later than August 20, 2013. The projects' academic supervising team is looking for a broad variety of social, cultural, linguistic and religious backgrounds that will be represented in terms of participants and research topics. It also aims at a composition of students that may serve as a basis for building small “cross-national” learning-teams.

Supervising Team

Prof. Dr. Viola B. Georgi, University of Hildesheim, Center for Inclusion in Education (E-Mail: georgiv@uni-hildesheim.de)

Dr. Yotam Hotam, Faculty of Education, University of Haifa (E-Mail: yhotam@gmail.com)

Dr. Ayman Agbria, Faculty of Education, University of Haifa (E-Mail: aagbaria@edu.haifa.ac.il)

Dr. Linor Hadar, Faculty of Education, University of Haifa/Beit Berl Academic College (E-Mail: lhadar@edu.haifa.ac.il)

Project Coordinator (Israel): Yael Friberg, Faculty of Education, University of Haifa (E-Mail yaelp3@gmail.com)

The project „German-Israeli Young Researchers' Exchange on Diversity“ is supported by a grant from the Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum | קרן פורום העתיד גרמניה-ישראל.