Wenn Texte nachhallen

lundi, 12. novembre 2012 um 13:43 Uhr

Der Text „hallt in uns nach", so die Jury. „Und das ist umso erstaunlicher, da sein Autor erst 23 Jahre alt ist." Juan S. Guse studiert an der Universität Hildesheim Kreatives Schreiben und gewann am Sonntag in Berlin den Literatur-Nachwuchswettbewerb open mike. „Ich kenne keine Literaturszene“, sagt er.

Der „open mike" wird seit 1993 jährlich ausgeschrieben und hat sich seitdem zum wichtigsten Literatur-Nachwuchswettbewerb im deutschsprachigen Raum entwickelt. „Schon der erste Satz ist eine Wucht: syntaktisch komplex, aber klar", sagte der Schriftsteller Thomas von Steinaecker in seiner Laudatio am Sonntag in Berlin und wies auf die einstimmige Entscheidung der Jury hin. Guses Erzählung „Pelusa" komme „ohne jeden billigen Effekt oder Klischees" aus. Der Autor halte „die Balance zwischen Unheimlichkeit und Absurdität“. Er falle durch seine „genauen, von der Wortwahl her ausgefallenen Beschreibungen“ auf. Der Text „hallt in uns nach", so die Jury. „Und das ist umso erstaunlicher, da sein Autor erst 23 Jahre alt ist."

„Es ist immer gut, wenn jemanden einen lobt“, freut sich Guse – und bleibt sachlich. „Vielleicht fanden mich ja bloß die drei in der Jury gut. Es bleibt beim Reden.“

Juan S. Guse, 1989 in Seligenstadt am Main (Hessen) geboren, studiert an der Universität Hildesheim „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“. „Weil Theorie und Praxis verbunden werden“, so Guse. Bei „Bella triste“ ist er Mitherausgeber. Seit 2001 wird diese junge Zeitschrift für deutschsprachige Gegenwartsliteratur von Studierenden der Universität Hildesheim herausgegeben. Auch an der Konzeption von „Prosanova“ wird er mitwirken. 2014 findet das Festival für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur in Hildesheim zum vierten Mal statt.

Im Februar 2014 wird der 23-Jährige während des Studiums drei Monate im Lektorat der edition Suhrkamp arbeiten. „Mit dem Preisgeld von 2500 Euro kann ich die Miete bezahlen, um nah am Verlagsgebäude und nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein, die ich so sehr hasse." Außerdem folgen Lesungen in Frankfurt, Wien und Zürich. Was die junge Literaturszene ausmacht? „Kann ich nicht genau sagen. Ich kenne keine Szene, ich kenne nur die Menschen um mich herum, und die sind alle nett“, sagt Guse.

„Open mike ist eine Eintrittskarte in den Literaturbetrieb und ein Trendbarometer. In diesem Jahr hat die junge Literatur vorgeführt, dass sie auf hohem handwerklichen Niveau arbeitet“, sagt Prof. Dr. Stephan Porombka, Professor für Literaturwissenschaft und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. „Figuren, Dramaturgie und Räume erzählerisch zu entwickeln – das haben sie drauf.“

Weitere Finalisten, die an der Universität Hildesheim Kreatives Schreiben sowie Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis studierten oder studieren sind Juliane Link, Alina Herbing, Yevgeniy Breyger und Stefan Mesch. Die anonymisierten Texte wurden unter 700 Einsendungen ausgewählt.

Kreatives Schreiben in Hildesheim studieren

Das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim gehört neben dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig, dem Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und dem Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst in Wien zu den vier einzigen Universitäts-Instituten im deutschsprachigen Raum, an denen Studentinnen und Studenten in Bachelor- und Master-Studiengängen in Theorie und Praxis des Kreativen und Literarischen Schreibens unterrichtet und ausgebildet werden.


„Ich kenne keine Literaturszene“, sagt Juan S. Guse, der Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim studiert. „Ich kenne nur die Menschen um mich herum, und die sind alle nett."

„Ich kenne keine Literaturszene“, sagt Juan S. Guse, der Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim studiert. „Ich kenne nur die Menschen um mich herum, und die sind alle nett."