„was uns heute noch ‚heilig’ ist"

Tuesday, 13. December 2011 um 15:57 Uhr

Tagungen zu den mittelalterlichen Kreuzzügen gab es bereits zuhauf. Dr. Felix Hinz vom Institut für Geschichte stellt sich am 16./17. Dezember einem politisch brisanten Thema. Eine Konferenz, die sich der These widmet, dass „der Westen“ heute wieder „Kreuzzüge“ führte, stand bislang noch aus. Auf einer internationalen Tagung werden vom 16. bis 17. Dezember 2011 Wissenschaftler aus Europa und der arabischen Welt in Hildesheim diskutieren, welche Rolle „Kreuzzüge“ heute spielen und wie der Geschichtsunterricht sich dem Thema nähert.

„Von der ursprünglichen Idee her waren die Kreuzzüge vom Papst legitimierte bewaffnete Pilgerfahrten mit dem Ziel, die Heiligen Stätten für die Christenheit zurück zu erobern. Im Zuge der Aufklärung wurde die Rolle der Religion zunehmend von säkular aufgefassten Ideologien und Werten abgelöst – die sich heute um die zweifellos vieldeutigen Konzepte Freiheit, Menschenrechte und Demokratie drehen. Das sind Ideen, für die ‚der Westen‘ sich heute in seiner Interpretation universale Gültigkeit wünscht. Letztlich geht es doch darum, was uns heute noch ‚heilig’ ist, in welcher Form wir uns dafür einsetzen wollen und wie dies von anderen wahrgenommen wird“, erläutert Dr. Felix Hinz, Institut für Geschichte.

Inwieweit der Westen seine Interpretation dieser Werte beispielsweise der arabischen Welt vermitteln bzw. auferlegen kann und was von den militärischen Interventionen im Zusammenhang mit dem „Arabischen Frühling“ zu halten ist, sind aktuell viel diskutierte Fragen. Über Historiker-Kollegen aus London ist es Hinz gelungen, mit Wissenschaftlern aus Qatar in Kontakt zu treten.

Prof. Dr. Taef el-Azhari, Universität Qatar, wird in seinem Vortrag an die unterschiedlichen Vorstellungen vom Westen, die in Kairo und auf der arabischen Halbinsel vorherrschen, heranführen. Er untersucht, wie die junge arabische vom Internet geprägte Generation mit dem Thema „Kreuzzüge“ umgeht und stellt den Anschluss an die aktuellen politischen Bewegungen in der arabischen Welt her. Prof. Dr. Mazhar Ahmad Al-Zoby, Politikwissenschaftler der Universität Qatar, wird sich in seinem Vortrag der Frage widmen, was die US-amerikanischen Kriege in der islamischen Welt aus US-amerikanischer sowie aus arabischer Sicht mit „Kreuzzügen“ zu tun haben.

Der zweite Konferenzteil wendet sich den didaktischen Konsequenzen zu: Wie wird das Thema „Kreuzzüge“ in Romanen oder Spielfilmen vermittelt? Wie nähert sich der Geschichtsunterricht bislang diesem heute wieder aktuellen Thema? Prof. Dr. Michele Barricelli, Universität Hannover, unterzieht die Darstellungen der Kreuzzüge in Schulbüchern einem internationalen Vergleich.

Veranstalter der Konferenz „Kreuzzüge des Mi ttelalters und der Neuzeit. Realhistorie – Geschichtskultur – Didaktik“ ist das Institut für Geschichte, Stiftung Universität Hildesheim. Interessierte sind zur kostenfreien Teilnahme eingeladen.

Wann & Wo? 16./17. Dezember 2011, Tagungsstätte Michaeliskloster, Hildesheim

Eröffnung: 16. Dezember 2011, 14:00 Uhr

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