Universität plant Neubau

mardi, 14. mars 2006 um 00:00 Uhr

Kein Kauf des ehemaligen Gebäudes der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege

Die Stiftung Universität Hildesheim zieht ihre Absicht, die Liegenschaft Lübecker Str. 3 von der Stadt Hildesheim zum Preis von 1,4 Millionen Euro zu kaufen, zurück. Sie tut dies zur Wahrung ihrer Autonomie, zu deren unverzichtbaren Elementen die Handlungsfreiheit gehört, und aufgrund einer kritischen Abwägung wirtschaftlicher Gesichtspunkte.

Folgende Prozesse führten zu dieser Entscheidung:

Nach dem Beschluss der Landesregierung zur Auflösung der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (Polizei) am 20. Dezember 2005 teilte die Universität der Stadt ihr Kaufinteresse an der Liegenschaft Lübecker Str. 3 mit. Das Kaufinteresse wurde zugleich öffentlich gemacht, um Transparenz herzustellen. Aufgrund stetig steigender Studierendenzahlen und Mitarbeiterstellen besteht seitens der Universität akuter Raumbedarf. Die Universität zählte im Wintersemester 1999/2000 3587, im Wintersemester 2005/06 4482 Studierende. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Marke von 5000 Studierenden überschritten werden. Das Wachstum der Universität kann ohne zusätzliche Räume nicht fortgesetzt werden.

Um den steigenden Raumbedarf zu decken, stellte die Universität im Rah-men der Haushaltsanmeldungen für 2006 bereits im Frühjahr 2005 den Antrag auf Genehmigung eines Neubaus. Dieses Verfahren ist zeitaufwendig. Der Umzug der FH Polizei eröffnete dann eine schnellere Alternative. Aus dem Wachstumsprozess und aus dem Zeitfaktor ergaben sich das im Dezember 2005 geäußerte Kaufinteresse und der Eilbedarf. Aus der Sicht der Universität ergab sich darüber hinaus die Chance, die Interessen der Stadt, des Landes und der Stiftung Universität zusammenzuführen und damit eine für alle drei Seiten gute Lösung zu finden. "Aus unserer Sicht lagen kom-plementäre Interessen vor", so Universitätspräsident Friedrich. Der damalige Oberbürgermeister, der damalige Oberstadtdirektor, der Wissenschaftsminister, der Innenminister, die Präsidenten der FH Polizei und der FH Hildesheim HAWK wurden durch den Universitätspräsidenten hierüber informiert.

Am 11. Januar 2006 erfolgte eine Ortsbegehung der Liegenschaft Lübecker Str. 3 durch Vertreter der Stadt und der Universität. Die Universität hatte vorsorglich einen externen Grundstücks- und Gebäudesachverständigen hinzugezogen. Noch im Januar fanden zwei weitere Besichtigungen statt, eine davon abermals mit einem Sachverständigen und eine weitere mit ei-nem Mitglied des Stiftungsrats. Auf der Grundlage eines umfangreichen Gutachtens des externen Sachverständigen unterbreitete die Universität der Stadt ein Kaufangebot.
Am 19. Januar 2006 führte der auf Seiten der Universität zuständige Vize-präsident für Verwaltung und Finanzen, Dr. Christian Grahl, mit einem zuständigen Vertreter der Stadt im Rathaus die Kaufverhandlungen. Das Verhandlungsergebnis lag bei dem bekannten Kaufpreis in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Dieser Preis orientiert sich an dem der Universität vorliegenden Sachverständigengutachten. Er bewegt sich auch in der Größenordnung des im Dezember 2005 zwischen Land und Stadt abgewickelten Kaufgeschäftes Samelsonplatz. Zum Vergleich: Der Samelsonplatz mit einer Fläche von 26.000 qm plus Gebäude wurde von der Stadt für 2,5 Millionen Euro an das Land bzw. die Stiftung Universität Hildesheim verkauft. Für die Lübecker Str. 3 mit einer Fläche von 16.000 qm plus Gebäude waren 1,4 Millionen Euro ausgehandelt worden. Der finanzielle Aufwand für Sanierungs- und Umbaumaßnahmen lag nach Kalkulation der Universität höher als der vereinbarte Kaufpreis. Aus der Sicht der Universität stellte dies insgesamt ein faires Verhandlungsergebnis dar.

Am 6. Februar 2006 informierte Oberbürgermeister Machens den Universitätspräsidenten Friedrich über seine Absicht, den Verkauf von der Tagesordnung des Rates abzusetzen. Er begründete diesen Schritt mit dem Hinweis auf "fehlende Rechtssicherheit". Der Präsident äußerte Verständnis und wies zugleich auf die Probleme hin, die hierdurch für die Planungen der Universität entstehen. Deren Wachstum gerät durch die Verzögerung in Schwierigkeiten.

Ebenfalls am 6. Februar 2006 setzte Oberbürgermeister Machens den Punkt Verkauf der o. g. Liegenschaft von der Tagesordnung des Rates ab. Durch die Vertagung entstand eine Schieflage, die durch die öffentliche Diskussion noch erheblich verstärkt wurde. Stadt und Universität wurden nicht mehr als gleichberechtigte, um einen fairen Interessenausgleich bemühte Partner wahrgenommen, vielmehr wurde im Verlauf der öffentlichen Diskussion unterstellt, die Stadt "verschleudere" die Immobilie, der Marktwert liege bei vier oder gar fünf Millionen Euro, usw. Die Universität lief dadurch Gefahr, in kommunalpolitische Kontroversen hineingezogen zu werden und einen Ansehensverlust zu erleiden.

Der Handlungsspielraum der Universität wurde durch die Vertagung des Verkaufs und durch die sich anschließende öffentliche Diskussion eingeschränkt. Um den Handlungsspielraum in vollem Umfang wieder herzustellen und um die Autonomie der Universität nach außen hin zu vertreten, erteilte der Senat am 15. Februar 2006 dem Präsidium den Prüfauftrag für einen Neubau. Es handelt sich hierbei um die Wiedereinsetzung der Planung in den vorherigen Stand, denn bereits im Frühjahr 2005 war von der Hochschule beim Land ein Neubau beantragt worden. Die Prüfung hat ergeben, dass längerfristig der Neubau eine günstigere Variante ist. Als Nachteil ist in Kauf zu nehmen, dass sich das Wachstum verzögern wird.

Im Interesse einer umfassenden Information weist der Präsident ergänzend auf Folgendes hin: Zum 01.04.2006 erfolgt die Anmietung einer Immobilie an der Expo Plaza in Hannover durch die Stiftung Universität Hildesheim. Dieser Schritt ist seit langem geplant. Er ist Teil der Wachstumsstrategie der Universität und dient der Erweiterung der Medienwissenschaften. Der Filmbereich der Fachhochschule Hannover wird an die Universität Hildesheim verlagert. Deren Neubaupläne haben damit nichts zu tun. Die Universität bevorzugt entschieden Baumaßnahmen in Hildesheim. Oberbürgermeister Machens hat erklärt: "Das Wachstum der Universität liegt mir besonders am Herzen und im Interesse der Stadt Hildesheim." Dafür dankt die Universität. Sie geht deshalb davon aus, dass der Oberbürgermeister die Universität dabei unterstützen wird, wenn sie in Hildesheim neue Bauten für neue Arbeitsplätze errichtet.

Mit ihrem Entschluss, die Kaufabsicht zurückzuziehen, zieht die Universität einen Schlussstrich unter eine unselige Debatte. An der kommunalpolitischen Diskussion nimmt sie nicht teil. Sollte sich in der Zukunft der Sachverhalt neu darstellen, sollten beide Seiten offen für Gespräche sein. Die Stadt Hildesheim bleibt auch in Zukunft Partner der Stiftung Universität Hildesheim. Das Wachstum der Universität soll der Stadt zum Nutzen gereichen. Ihr Wachstum wird durch verlässliche Partnerschaft gefördert.

 


Bild: Für Bauvorhaben interessant: Freies Gelände hinter dem Institutsgebäude Samelsonplatz

Für Bauvorhaben interessant: Freies Gelände hinter dem Institutsgebäude Samelsonplatz

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