Studieren im Ausland: „Manche Studis sind bei uns Stammgäste“

lundi, 13. juin 2016 um 19:50 Uhr

In dieser Woche sind Gäste aus Frankreich, Mexiko, Türkei, Bulgarien, Ungarn, Schweiz, Zypern, Italien, Russland, Weißrussland, Polen und Spanien in Hildesheim. Wer geht ins Ausland und wie finanziert man einen Auslandsaufenthalt – nachgefragt bei Marit Breede vom International Office der Uni Hildesheim.

Sie bewegen sich mit Ihrem Team auf internationalem Terrain, halten Kontakt zu Partnerhochschulen weltweit und beraten Studierende der Universität Hildesheim bei der Planung und Finanzierung eines Auslandsaufenthalts. Wie leicht ist es, Studentinnen und Studenten für ein Auslandssemester zu begeistern?

Marit Breede: Diejenigen, die zu uns kommen, sind in aller Regel bereits begeistert. Die anderen sind nur schwer zu erreichen. Der Studiengang macht einiges aus: Lehrämtler etwa gehen bisher meist nur ungern ins Ausland, wer „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ und „Internationales Informationsmanagement“ studiert, geht schon von der Studienstruktur her ins Ausland. Ein Aufbruchstrend ist bei den Sozial- und Organisationspädagogen zu beobachten. Da habe ich das Glück, dass einige der studentischen Tutorinnen und Tutoren sich für das Ausland interessieren – sie haben das dann in den Tutorien weitergegeben. Ich habe in einer Veranstaltung auch ein bisschen etwas erzählt, und prompt schossen die Zahlen der Outgoings in dem Studiengang in die Höhe. Auch die beiden Fachkoordinatorinnen sind dort sehr aktiv und haben etliche neue Partnerunis geschaffen. Ähnlich sieht es in der Psychologie aus, aber nicht ganz so ausgeprägt.

Also ist es wichtig, auf die vielen Beratungsangebote zur Finanzierung und Organisation eines Auslandsaufenthaltes überhaupt aufmerksam zu machen?

Auf jeden Fall! Es kommt außerdem sehr darauf an, welche Hürden es durch die Studienstruktur gibt. Das Lehramtsstudium ist da ein klassisches Beispiel. Durch die Schulpraktika haben die Studierenden kaum noch die Möglichkeit, sich für ein Auslandssemester frei zu machen. Und es kommt darauf an, wie viele Partnerunis es gibt. Ein Beispiel: Im Bereich Umweltwissenschaften und Umweltsicherung haben wir noch keine. Da machen die Studis dann eher Praktika – und entdecken dafür zum Glück vermehrt unsere Finanzierungsprogramme wie „Promos“. Fest steht: Diejenigen, die zurückkommen, sind zu 99 % begeistert und empfehlen ihren Kommilitonen, ebenfalls ins Ausland zu gehen. Die begeisterten Erfahrungsberichte findet man übrigens online.

Was sind aktuelle Entwicklungen, die das International Office beobachtet?

Wir beobachten mehr Interesse am außereuropäischen Raum und an Praktika. Wir erleben leider einen starken Rückgang bei den Lehramt-Outgoings. Schade ist auch der Trend zum Rücktritt vom zugesagten Austauschplatz: Die Leute legen sich immer weniger langfristig fest und scheuen Formulare und Deadlines – ohne die es bei der Finanzierung allerdings nicht geht. Ich kann nur jede Studentin, jeden Studenten ermutigen, die Finanzierungsmöglichkeiten des International Office zu nutzen, und zwar noch während des Studiums! Danach kommen viele nicht mehr in Betracht, weil man eingeschrieben sein muss. Auslandsaufenthalte sind für spätere Bewerbungen immer ein Plus. Und für die Berufspraxis sowieso – das gilt auch für Lehrerinnen und Lehrer, die später ja vor multikulturellen Klassen stehen, das ist vielen nicht bewusst. Wenn Outgoings zurückkommen, sind sie oft „infiziert" und gehen später noch einmal ins Ausland, weil's so toll war. Das Schöne ist: Wir können durch die verschiedenen Programme problemlos mehrfach fördern. Manche Studis sind bei uns quasi Stammgäste.

Während der „International Week“ stellen sich in Hildesheim unter anderem Universitäten aus Krakau/Polen, Istanbul/Türkei und Novgorod /Russland vor. Wie finden Studierende denn die passende Universität, an der sie sich ein halbes oder ein Jahr zum Studium oder Praktikum aufhalten? Mit welcher Offenheit suchen die Studierenden?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Studierende, die suchen gerade das Exotische und machen tolle Projekte. Das sind dann oft diejenigen, die sich auf „Promos“ bewerben (Karte: Ob Canada, Ghana, Nepal, Japan oder Mexiko – hier haben Hildesheimer Stipendiaten Semester, Sprachkurse oder Praktika absolviert). Andere sind da noch unerfahrener und dann natürlich ängstlicher. Für die ist Erasmus+ meist der richtige Einstieg, weil einem hier bei der Orga schon etliches abgenommen wird und es feste Strukturen und Ansprechpartner gibt. Wenn man an eine Partneruni geht, ist die Wahl ja durch die Bandbreite an Partnerhochschulen schon etwas eingeschränkt. Geht man – im Rahmen eines Praktikums oder selbst organisierten Studienaufenthalts oder einer Abschlussarbeit – außerhalb dieser Partnerschaften ins Ausland, ist man völlig frei. Dann sind es oft die eigenen Sprachkenntnisse, die Liebe zu einem bestimmten Land, bereits bestehende Kontakte oder das Thema der Abschlussarbeit, die die Wahl bestimmen. Hilfreich sind die Erfahrungsberichte anderer Studierender. Und wir haben Hilfeblätter, wie man an so etwas herangeht. Ich lade in meinen Infoveranstaltungen immer Ehemalige ein. Sie erzählen – das ist dann lebhafter, als nur einen Bericht zu lesen.

Ihr Tipp an alle, die gerade überlegen, vielleicht im Ausland zu studieren?

Mein Tipp: Einfach mal zur Beratung vorbeikommen, ob mit einer vagen Idee oder mit einem konkreten Plan. Im gemeinsamen Gespräch schält sich dann eigentlich immer heraus, was die nächsten Schritte sind, was als Finanzierung in Frage kommt, was andere Optionen wären etc. Viele gehen aus der Beratung und sagen beim Abschied zu mir: Das hat mir echt geholfen, jetzt sehe ich klarer!

Die Fragen stellte Isa Lange.

Willkommen in Hildesheim! International Week an der Universität

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ausländischen Hochschulen kommen Mitte Juni 2016 an der Universität Hildesheim zusammen. Sie diskutieren über die Mobilität im Studium, die Integration von internationalen Studierenden und Förderprogramme der Europäischen Union. Die Gäste lernen die Uni Hildesheim kennen und haben die Gelegenheit, untereinander Kooperationen anzubahnen. Außerdem nehmen sie an der Uni-Mittsommernacht teil und kommen mit Hildesheimer Lehrenden und Studierenden ins Gespräch. An der „International Week“ nehmen in diesem Jahr teil: Université Paul Valéry-Montpellier III, Universidad Autónoma del Estado de México, Marmara University Istanbul, Cukurova University, Sofia University St. Kliment Ohridski, University of Miskolc, Pädagogische Hochschule Zürich, Universita Modena e Reggio Emilia, University of Cyprus, Koposvár University, Akademie für Weiterbildung St. Petersburg, Akademie für Weiterbildung Minsk, Universidad de Murcia, Jesuit University Ignatianum und University of Novgorod.

Beratung für Studierende: Wie man einen Auslandsaufenthalt plant

Studieren weltweit – Interesse geweckt? Wer ein Semester im Ausland studieren, ein Praktikum oder einen Sprachkurs im Ausland absolvieren möchte, erhält beim International Office an der Universität einen Überblick. Welche Universitäten passen zu meinem Studium? Das Uni-Team berät Studierende, wo es hingehen kann und wie man den Aufenthalt plant und finanziert. Regelmäßig bietet das International Office „Info-Talks" an. Außerdem gibt es einmal im Monat Beratungssprechstunden auf dem Bühler-Campus und Kulturcampus. Studierende können in der Studienvariante „Kulturpolitik im internationalen Vergleich" nach Marseille, Istanbul, Pretoria oder Casablanca aufbrechen. Zur Vor- und Nachbereitung von Auslandsaufenthalten finden interkulturelle Trainings statt, da läuft in diesem Semester noch „Beruf international" (24. und 25. Juni 2016, Anmeldung noch möglich). Alle Veranstaltungen findet man online.

Etwa 150 Erasmus-Partnerhochschulen gehören zum Netzwerk, weltweit arbeitet die Universität mit über 250 Partnerhochschulen zusammen. Türkei, Schweden, Polen, China: Online kann man sich durch Partneruniversitäten, Förderprogramme und Erfahrungsberichte klicken.

Sprachbarriere? Sprachkurse und Sprachtandem nutzen

Hildesheimer Studierende betreuen als „Buddy“ ausländische Studierende unter anderem aus Afghanistan, Frankreich, Madagaskar oder Tadschikistan, um ihnen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern.

Die Universität, die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und die Volkshochschule in Hildesheim bieten gemeinsam ein Sprachenforum an: In Sprachkursen können sich Studierende auf einen Auslandsaufenthalt vorbereiten. Und über das Programm Promos lassen sich sogar Sprachkurse im Ausland fördern. Für Studierende, die mit Erasmus+ ins Ausland geben, gibt es zusätzlich kostenlose Online-Sprachkurse der EU, die auf das Auslandssemester vorbereiten.

Neben den Sprachkursen kann man an einem Sprachtandem teilnehmen, das geht so: Das Sprachtandem besteht aus zwei Personen mit unterschiedlichen Muttersprachen, die sich gegenseitig beim Erlernen der anderen Sprache helfen. Dabei sollen beide Personen von der gemeinsamen Arbeit profitieren. Das Team bestimmt selbst, was und wie es lernen möchte. Die Tandempartner können zum Beispiel über Zeitungsartikel diskutieren, um den mündlichen Ausdruck zu verbessern, sich auf Prüfungen vorbereiten oder zusammen einen Film in der Fremdsprache oder mit Untertiteln gucken.  Interessierte können das Team des International Office kontaktieren. Außerdem kann man an Schreibtandems teilnehmen, Lehramtsstudierende begleiten die Lernenden.

Hildesheim: Campus international

An der Universität Hildesheim studieren derzeit 461 Studierende aus 72 Herkunftsländern, die über Förderprogramme und Kooperationen mit Partnerhochschulen ein Semester oder länger in Hildesheim verbringen. Das Team des International Office, das an der Universität für Auslandsaufenthalte zuständig ist, unterstützt die Studierenden umfassend, zum Beispiel auch bei der Wohnraumvermittlung. Viele der jungen Leute studieren in Hildesheim Internationale Kommunikation und Übersetzen, aber auch Kulturwissenschaften, Lehramt, Erziehungswissenschaft, Informationsmanagement und Informationstechnologie. Die meisten Vollzeitstudierenden kommen derzeit aus der Türkei, aus Russland, Polen, Griechenland, der Ukraine, Italien und der Schweiz. „Je schwieriger die Zeiten sind, desto wichtiger ist ein Austausch auf internationaler Ebene“, sagt Ulrike Bädecker-Zimmermann vom International Office. Studierende unterstützen internationale Studierende beim Ankommen in Deutschland, zum Beispiel in den Initiativen „Erasmus on tour“ und „Go intercultural“.

Die Universität Hildesheim hat drei Double-Degree-Programme in Kooperation mit der Staatlichen Universität Nowgorod (Russland, Interkulturelle Kommunikation, der Aix-Marseille Université (Frankreich, Kulturvermittlung) und der Pai Chai Universität Daejeon (Südkorea, Informationswissenschaften) entwickelt. Dabei erwerben die Studierenden beider Partnerhochschulen einen Abschluss in beiden Ländern.

Die Hochschule wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem europäischen Qualitätssiegel „E-Quality". Für das Projekt „Internationale Schreibpartnerschaften" erhielt die Universität Hildesheim das Europäische Sprachensiegel.


Studium, Praktikum, Sprachkurs: Marit Breede vom International Office der Universität Hildesheim berät Studentinnen und Studenten bei der Planung und Finanzierung von Auslandsaufenthalten. Foto: Clemens Heidrich

Studium, Praktikum, Sprachkurs: Marit Breede vom International Office der Universität Hildesheim berät Studentinnen und Studenten bei der Planung und Finanzierung von Auslandsaufenthalten. Foto: Clemens Heidrich