Musikarchive in Tadschikistan

Saturday, 10. December 2011 um 10:12 Uhr

Die stellvertretende Kulturministerin Tadschikistans besuchte das Center for World Music, um neue Kooperationsmöglichkeiten der digitalen Sicherung und internationalen Vernetzung von Musikarchiven in Tadschikistan auszuloten.

„Neben einem zum Teil bereits digitalisierten Bestand staatlicher Musikarchive gibt es in Tadschikistan vor allem eine Vielzahl unerschlossener Privatsammlungen teilweise mit wertvollen handschriftlichen Einzelstücken“, betonte die stellvertretende Kulturministerin Tadschikistans, Prof. Dr. Faroghat Azizi, im Gespräch mit Prof. Dr. Raimund Vogels, dem Geschäftsführer des Center for World Music (CWM), Kerstin Klenke, der wissenschaftlichen Koordinatorin des CWM, und Dr. Angelika Jung, Musikethnologin aus Weimar mit Schwerpunkt Zentralasien.

Diese Sammlungen zu sichten, digital zu sichern und schließlich der wissenschaftlichen Musikforschung und pädagogischen Praxis in einer digitalen Datenbank zur Verfügung zu stellen, wäre Ziel einer Zusammenarbeit zwischen staatlichen Kulturinstitutionen Tadschikistans und dem CWM. Die staatlichen und privaten Sammlungen, letztere zumeist im Besitz von Musikschaffenden oder deren Nachkommen, würden auf diese Weise über die Grenze Tadschikistans hinaus recherchier- und – je nach Rechtelage – eventuell sogar einsehbar werden. „Auch Musiker, die ihr Repertoire mit Hilfe von Aufnahmen erweitern, werden von einer digitalen Sicherung des Materials in einer Datenbank profitieren“, betont Prof. Dr. Raimund Vogels.

30 000 musikethnologisch relevante Schallplatten der Laade-Sammlung des CWM werden bereits in eine solche Datenbank eingepflegt. Sie umfasst derzeit hoch aufgelöste Image-Scans der Schallplattenhüllen und Covertexte und ermöglicht das Abspielen von Audioaufnahmen. 3D-Ansichten von Instrumenten, Fotografien und Videoaufzeichnungen sind als weitere Features der Datenbank angedacht.

Die digitale Bündelung von Musikarchiven weltweit ist ein visionäres Projekt, das nur in internationaler Zusammenarbeit, mit gesicherter staatlicher Förderung und unter Berücksichtigung komplexer Rechtslagen realisierbar ist. Im Falle der tadschikischen Sammlungen würde die Expertise der Musikethnologinnen und Musikethnologen vor Ort für ihre inhaltliche Erschließung genutzt und das Know-How deutscher Spezialistinnen und Spezialisten im Bereich Digitalisierung und Katalogisierung wiederum nach Tadschikistan weitergegeben werden. Die Weiterbildung von Beschäftigten im Ausland wurde bereits in anderen Digitalisierungsprojekten umgesetzt, so Azizi, die zuversichtlich ist im Hinblick auf das Zustandekommen eines Kooperationsprojekts. Die digitale Sicherung von Aufnahmen und anderen musikbezogenen Materialien versteht sie gerade auch angesichts der politischen Instabilität der Region als wichtige Maßnahme zum Schutz des Kulturerbes Tadschikistans.

Der regionale Fokus der Aktititäten des CWM wird neben Afrika auch auf Asien erweitert. Als erster Schritt in diese Richtung ist eine Zusammenarbeit mit dem Musikmuseum in Teheran, Iran, in Planung. Kooperationen mit Musikethnologinnen und -ethnologen und Musikinstitutionen in Tadschikistan und Usbekistan, zu dem bereits langjährige Forschungskontakte bestehen, wären nicht nur regional nahe liegend, sondern auch musikalisch sehr interessante Nachfolgeprojekte.


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