Musik: „Immer wieder Pionier sein“

mercredi, 22. juin 2016 um 11:07 Uhr

Sie musizieren mit Intensität, statt an der Oberfläche zu kratzen: Junge Musikerinnen und Musiker aus der Universität begeistern die Hildesheimer Bürger seit 20 Jahren mit Konzerten, mitten in Hildesheim.

Derzeit läuft auf dem Kulturcampus das Projektsemester. Musikstudierende sind in große und kleine Projekte zum Thema „aussetzen“ eingebunden. Einen Vorgeschmack bietet das „Wandelkonzert“ – das niemals aussetzt. Denn seit 20 Jahren organisiert ein Team um Jan Hellwig vom Musik-Institut der Universität Hildesheim Konzertreihen, im Wintersemester unter dem Label „Bühne frei!“ im Sommersemester das „Wandelkonzert“. Am Donnerstag, 23. Juni 2016, steht das nächste „Wandelkonzert“ an.

„Wir gehen raus in die Stadt, um unser Repertoire an den verschiedenen Weltkultorten den Bürgern und Gästen der Stadt Hildesheim zu präsentieren. Es kann ja nicht sein, dass die jungen Musikerinnen und Musiker nur für die Prüfung üben“, sagt Jan Hellwig.

Eine, die ihre Musik präsentieren möchte, ist Alina Seibel. „Ich arbeite auf etwas hin“, sagt sie. Die 22-Jährige studiert in Hildesheim Kulturwissenschaften mit den Fächern Musik und Medien. Solo, Duo und Trio, von Renaissance bis Jazz stehen auf ihrem Spielplan, ein volles Programm. Ihr Instrument, die Blockflöte beherrscht Seibel virtuos, kombiniert moderne Spieltechniken mit Bach. „Sie zeigt einfach, welches Spektrum mit der Blockflöte möglich ist“, sagt der Musikdozent Jan Hellwig.

Was lernt man in solchen Projekten? „Wir lernen uns zu präsentieren, zu zeigen, wofür wir uns begeistern können, auch wie wir gut mit anderen Künstlern zusammenarbeiten können“, sagt Magdalene Gööck, die die Konzertreihe in diesem Jahr mitorganisiert. Die 23-Jährige studiert in Hildesheim Szenische Künste mit den Fächern Theater, Musik und Philosophie. „Ich habe große Freude, mit anderen zu musizieren.“ In diesem Jahr singt sie ein Stück von Händel – am Abend im renommierten Roemer-Pelizaeus Museum. „Wir lernen auch die tollen Klangräume in Hildesheim kennen, es gibt unglaubliche Räume.“

Die Spielorte sind besonders. „Man kann Ort und Zeit vergessen, wenn man durch den Kreuzgang des Doms geht und den Klängen der Vortragenden lauscht“, sagt Jan Hellwig. Konzerte im Weltkulturerbe Dom und Michaelis oder im Roemer- und Pelizaeus-Museum – die Institutionen unterstützen das Konzert mit Offenheit und Vertrauen in die Ideen der jungen Musiker. „Abends im Museum haben wir unter Absprache einen großen Freiraum, und Support vom Wachmann bis zur Direktorin, das ist genial. Wir dürfen den Flügel vor Ort nutzen, uns mit Aktionen in den verschiedenen Museumsbereichen bewegen“, sagt Hellwig.

Wer Konzerte organisiert, der könne „immer wieder Pionier sein, muss aber auch die Baustellen erkennen“, sagt Jan Hellwig. Zu seinem musikalischen Anfängen sagt der Dozent: „Daheim stand ein Klavier, an dem ich Klänge ausprobierte. Ich hatte dann einen tollen Klavierlehrer, er hat die Autonomie in Gang gebracht, die man als Musiker haben sollte.“ Nach Stationen in Hannover, Triest, Stuttgart und Jerusalem unterrichtet Hellwig seit 1989 an der Uni in Hildesheim. Die Stärke der Ausbildung in Hildesheim sei die Kombination aus Theorie und praktischem Tun. „Man kann dem Charakter der jungen Menschen folgen und sie bestärken. Es gibt auch Institutionen, die Talente kaputt machen.“ Studierende aus den Musikwissenschaften haben extra Ensembles gegründet, entdecken in solchen Konzertprojekten neue Konstellationen und die Stärken der anderen Kommilitonen. Eine Absolventin arbeitet im Jugendsymphonie-Orchester, ein anderer hat ein professionelles Jazz-Quintett gegründet.

Wandelkonzert in Hildesheim

Von Barock bis Avantgarde: Das Wandelkonzert beginnt am Donnerstag, 23. Juni 2016, um 14:14 Uhr an der Michaeliskirche. „Das ist natürlich eine absurde Zeit für die arbeitende Bevölkerung“, lacht Jan Hellwig. „Aber wir spielen an kultigen Orten, erreichen viele Menschen zufällig, sie bleiben stehen, gehen mit uns mit. Das Programm orientiert sich an den Leidenschaften der mitwirkenden Musikerinnen und Musiker.“ Weiter geht es um 15:15 Uhr am Marktplatz. Die nächste Station ist die Kreuzkirche (16:16 Uhr). Um 17:17 Uhr beginnt das Konzertprogramm im Dom. Letzte Station ist um 19:30 Uhr das Roemer- und Pelizaeus-Museum. Man kann jederzeit hinzustoßen, die Konzerte sind kostenfrei. Hier geht's zum Programm (PDF) und zu den Programmdetails und einzelnen Stücken (PDF).

Romantik in Bad Rehburg: Ein weiteres kleines Kurkonzert findet am Sonntag, 26. Juni 2016 um 15:00 Uhr statt. Studierende des lnstituts für Musik und Musikwissenschaften der Stiftung Universität Hildesheim präsentieren einen ,,Mix" aus Beiträgen ihres Projektes ,,Bühne frei!" des Sommersemesters 2016, die Leitung hat Jan Hellwig inne.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)


Lehren und studieren normalerweise auf dem Kulturcampus der Uni Hildesheim: Musik-Dozent Jan Hellwig, Esther Kammüller, Magdalene Gööck und Alina Seibel. Zwei Mal im Jahr bringt das Uni-Team mit einem Wandelkonzert Musik in die Stadt. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Lehren und studieren normalerweise auf dem Kulturcampus der Uni Hildesheim: Musik-Dozent Jan Hellwig, Esther Kammüller, Magdalene Gööck und Alina Seibel. Zwei Mal im Jahr bringt das Uni-Team mit einem Wandelkonzert Musik in die Stadt. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim