Mehr Platz und ein neues Raumkonzept: die Universität Hildesheim erweitert ihren Campus

mercredi, 09. février 2022 um 15:20 Uhr

Die Universität Hildesheim wächst – mit ihr auch die Zahl der Studierenden und Mitarbeiter*innen. Durch einen geplanten Neubau im nordöstlichen Bereich der Universität soll dafür zusätzlicher Raum geschaffen werden. Mit der Erweiterung des Universitätsgeländes hält zudem ein neues Raum- und Arbeitskonzept im New-Work-Stil auf dem Campus Einzug, welches zukunftsweisend für die öffentliche Verwaltung in Niedersachsen ist. Mit einem möglichen Baubeginn ist frühestens in drei bis vier Jahren zu rechnen.

Zwischen der alten Mensa, der Liebfrauenkirche und dem Vereinsheim der Kleingartenanlage Blauer Kamp entstehen die zwei geplanten neuen Gebäude. Grafik: HNW Landschaftsarchitektur

„Durch die steigende Zahl an Studierenden und Mitarbeiter*innen wird ein zunehmender Bedarf an Fläche deutlich“, sagt Thomas Hanold, Dezernent im Dezernat Bau und Gebäudemanagement der Universität Hildesheim. Um den Flächenbedarf zu decken, sollen zwei neue Gebäude zwischen der alten Mensa, der Liebfrauenkirche und dem Vereinsheim der Kleingartenanlage Blauer Kamp entstehen. Die sich noch im Bau befindliche neue Mensa bildet eine markante Gebäudespitze, die in Verbindung mit der Treuburger Straße und dem Liebfrauenkirchplatz eine Sichtachse auf die beiden Neubauten und den restlichen Campus schafft.

Zukünftig wird das Bild des Zentralcampus der Universität Hildesheim im Stadtteil Marienburger Höhe ein 5-geschossiger sowie ein 3-geschossiger Bau hinter der Treppe des Musiksaals im nordöstlichen Bereich der Universität ergänzen. Im Zentrum des Projekts steht das Ziel, verbindende Elemente für eine höhere Aufenthaltsqualität zu schaffen. „So entsteht ein Ring aus kraftvollen Solitärgebäuden um den Campus herum mit einer schlüssigen Abfolge von Plätzen und Sichtachsen. Mit der Erweiterung wird die neue Erschließungsachse von der Bushaltestelle als Campuspromenade abgeschlossen“, so Hanold. In den neuen Gebäuden sollen die einst ausgelagerten Organisationseinheiten aus der Bahnhofsallee und der Schützenallee (Institut für Psychologie) wieder am zentralen Universitätsstandort untergebracht werden.

Die Campuserweiterung zielt auf ein naturnahes und nachhaltiges Baukonzept ab. Geplant ist ein energieeffizienter und grüner Campus mit hoher Aufenthaltsqualität in den Außenbereichen, der auch grüne Dächer beinhaltet, die mit Photovoltaik ausgestattet sind, um Sonnenlicht unmittelbar in elektrische Energie umzuwandeln. Neben den neuen Gebäuden wird auch bei der Außenanlage auf eine Fortsetzung von naturnahen Gestaltungsmotiven gesetzt. Neu ist in diesem Zusammenhang die Option eines integrierten Regenwassermanagements, welches als markantes Motiv auf der Basis skandinavischer Konzepte eingesetzt wird. Wasser wird damit auf eine naturnahe Weise in der Fläche zurückgehalten und erlebbar gemacht. Das Konzept leistet somit einen aktiven Beitrag zur Klimaresilienz.

Das Projekt beginnt zunächst mit den Raumbedarfsplanungen. Auch an dieser Stelle werden neue Wege beschritten. Aufbauend auf den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie soll künftig auch an der Universität stärker im Homeoffice und mobil gearbeitet werden können. Damit ändern sich auch die Anforderungen an ein klassisches Bürogebäude, sowohl aus arbeitsorganisatorischer Sicht als auch unter dem Aspekt Nachhaltigkeit. Die Bedeutung des eigenen Büros als Stillarbeitsplatz nimmt ab, wichtiger wird seine Rolle als Ort der Interaktion von Teams und als Kommunikationszentrum.  Die konventionellen Vorgaben der Raumprogramme müssen auch aus wirtschaftlicher Sicht hinterfragt werden. Ist es auch künftig wirtschaftlich, personalisierte Büros bereit zu stellen, die nur zwei bis drei Tage in der Woche belegt sind?  Um dieser Frage nachgehen zu können und die Anforderungen an künftige zeitgemäße Bürostrukturen neu zu entwickeln hat das Wissenschaftsministerium der Universität Fördergelder bewilligt. Im Rahmen eines Pilotprojektes wird die Universität neue innovative Raumkonzepte entwickeln, die so an noch keiner Universität in Deutschland umgesetzt wurden. Durch Sharing-Konzepte und innovative aktivitätsbasierte neue Arbeitsorte, welche die klassischen Büroflächen ergänzen, soll eine attraktive und zukunftsweisende Arbeitsumgebung entstehen. Für jede Tätigkeit sollen spezifische Raummodule geschaffen werden, darunter Ruhezonen für konzentriertes Arbeiten, offene Bereiche für den gemeinsamen Austausch und spezielle Bereiche für kreative Teamsitzungen sowie Rückzugsorte zum Telefonieren oder für Videokonferenzen. Damit möchte sich die Universität auch in der Zukunft als attraktiver Arbeitgeber positionieren und nachhaltiger mit Fläche umgehen. Der notwendie Kulturwandel setzt eine sorgfältige vorbereitende Analyse der Arbeitsprozesse voraus, zudem ist die Einbindung der Mitarbeiter*innen für den Erfolg der Konzepte entscheidend.

Ein erster Bauabschnitt soll möglichst in fünf Jahren fertiggestellt sein. Um den Bedarf an Parkplätzen zu decken und zugleich einen autofreien Campusbereich zu erhalten, soll auf dem Areal des derzeitigen Parkplatzes neben dem Forumsgebäude eine Parkpalette entstehen. So kann sicher gestellt werden, dass für neue Parkplätze nicht wertvoller Boden neu versiegelt werden muss – ein weiterer Betrag zur Nachhaltigkeit. Die Erweiterung des Campus betrifft ca. 18 Kleingärten der Kleingartenanlage Blauer Kamp. Neben dem Kleingartenareal soll im Rahmen der Umgestaltung ein Ackerstreifen zu einem Grünstreifen renaturiert werden. „Denkbar ist hierbei einen Bachverlauf mäandern zu lassen, eine Streuobstwiese zu schaffen und Blühstreifen“, so Hanold. Auch der Ersatz entfallender Kleingärten, ggf. mit neuen und innovativen Konzepten, ist auf dieser Fläche geplant.

„Die Pandemie hat uns gezeigt, dass mobiles Arbeiten immer mehr an Bedeutung gewinnt und sich auch der Arbeitsalltag an Universitäten verändert hat. Mit den Bauplänen und dem New-Work-Konzept zielen wir darauf ab, ein dezentrales Arbeiten zu ermöglichen. Räumliche Nähe ist damit nicht mehr zwangsläufig erforderlich, um gemeinsam produktiv zu sein. Im Vordergrund steht eine offene und transparente Kommunikationskultur, die auch in der öffentlichen Verwaltung umgesetzt werden kann“, betont Universitätspräsidentin Prof. Dr. May-Britt Kallenrode die Pläne. Einen ersten Vorgeschmack auf das neue Raum- und Arbeitskonzept könnte die alte Mensa liefern. Sie soll für das Projekt Digital Campus Learning ebenfalls zu einem innovativen Arbeitsort für die Wissenschaft umgebaut werden.

 

Weitere Informationen

Für Rückfragen stehen Ihnen die Stabsstelle Kommunikation und Medien unter kommunikation@uni-hildesheim.de und +49 (0)5121 - 883 90100 sowie Thomas Hanold, Baudezernent der Universität Hildesheim, unter hanold@uni-hildesheim.de und +49 (0)5121 - 883 91402 zur Verfügung.


Der Platzbedarf steigt – um Abhilfe zu schaffen, sollen im nordöstlichen Bereich der Universität Hildesheim ein 5-geschossiger sowie ein 3-geschossiger Bau entstehen. Grafik: Hirsch Architekten

Mit einem energieeffizienten und grünen Campus soll neben dem neuen Platzangebot eine hohe Aufenthaltsqualität in den Außenanlagen geschaffen werden. Grafik: Hirsch Architekten

In den Außenanlagen wird wie hier beispielhaft auf naturnahe Gestaltungsmotive gesetzt – darunter die Option eines integrierten Regenwassermanagements, um Wasser erlebbar zu machen. Foto: HNW Landschaftsarchitektur