Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education

Monday, 25. November 2013 um 10:00 Uhr

Die Universität Hildesheim hat Professorinnen für Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education berufen Eine vierte Professur „Inklusion“ ist in der Ausschreibung. Universitäten sollten in der Lehrerausbildung umfassend auf Herausforderungen im Bereich Bildung und Migration reagieren – so die Botschaft aus Hildesheim.

Mit Prof. Dr. Beatrix Kreß konnte Ende November eine weitere Wissenschaftlerin berufen werden, die sich mit mehrsprachigen Bildungsbiografien befasst. Die Professorin für Interkulturelle Kommunikation forscht zu Migration und Mehrsprachigkeit, ein Arbeitsschwerpunkt sind Slawische Länder. Die Sprachwissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Gespräche zwischen russischsprachigen Eltern und deutschsprachigen Lehrern ablaufen und welche Zusammenhänge zwischen Herkunftssprachen und Identitätsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund bestehen. Seit 2008 lehrt sie als Juniorprofessorin in Hildesheim. Beatrix Kreß studierte Slawistik und Germanistik und promovierte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

„Der Raum Hildesheim, Hannover, Braunschweig ist von Mehrsprachigkeit geprägt und so konnte ich schnell den Kontakt zu russischsprachigen Fördereinrichtungen aufbauen. Die Universität Hildesheim bietet mir die Möglichkeit, meine Erkenntnisse in breitere Bildungszusammenhänge einzubetten. Äußerst reizvoll ist für mich die Internationalität und kulturelle Diversität der Studierenden, mit deren Unterstützung die Verbindung von Theorie und Praxis interkultureller Kommunikation im Seminargeschehen besonders gut gelingt", sagt Beatrix Kreß.

„Mehrsprachige Schülerinnen und Schüler sind eine wichtige Ressource und eine Bereicherung – das wird jetzt auf allen Ebenen bewusst. Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die schon lange im Beruf sind, wünschen sich mehr Wissen darüber, wie sie Mehrsprachigkeit einbeziehen können. Daher sind der Dialog und die Zusammenarbeit der Hochschulen und der Austausch mit anderen Projekten, wie etwa DaZ-Net, ein Netzwerk von Schulen mit mehrsprachigen Schülern, so wichtig“, sagt Prof. Dr. Elke Montanari, die seit 2012 an der Uni Hildesheim forscht. Zuvor war sie Juniorprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Elke Montanari befasst sich damit, wie Kinder mehrere Sprachen erwerben, welche Erfahrungen in Kitas und Schulen gemacht werden und wie Erzieher, Eltern und Lehrer mehrsprachige Kinder besser verstehen und fördern können. Die Professorin für Deutsch als Zweitsprache untersucht derzeit, wie 6- bis 10-jährige Kinder mit deutscher Zweitsprache ihren Wortschatz aufbauen (russisch-deutsch und türkisch-deutsch) und wie sich dieser in Tiefe und Breite von dem einsprachiger Schüler unterscheidet. Das dreijährige Forschungsprojekt wird bis 2016 mit knapp 200.000 Euro vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert. Wie Kinder, die Deutsch als zweite Sprache erwerben, mit Lücken im Wortschatz umgehen und wie Lehrkräfte darauf reagieren können – das lernen angehende Lehrkräfte bei Elke Montanari.

„Dabei ruht die Beschäftigung mit gesellschaftlicher Vielfalt an der Uni Hildesheim auf vielen Schultern“, hebt Montanari hervor. Entstanden ist zum Beispiel ein Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“, der im Wintersemester 2013/14 gestartet ist und Experten für die Lehrerfortbildung und Sprachförderung in Schulen ausbildet. Um die Sprachenförderung in die Lehramtsausbildung aller Fächer zu integrieren, haben sich neun lehrerbildende Hochschulen in Niedersachsen zu einer Hochschulinitiative zusammengeschlossen, die am Montag in Hannover vorgestellt wird.

Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Viola B. Georgi baut an der Universität Hildesheim derzeit das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften" auf. „Wir betrachten Migration nicht länger nur aus einer Problem- und Defizitperspektive, sondern nehmen die Ressourcen in den Blick. Das Zentrum für Bildungsintegration ist eine Plattform von wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich empirisch, grundlagentheoretisch und praktisch mit Partizipation in Bildungssystemen auseinandersetzen", sagt Viola Georgi. Das Zentrum will auch einen Beitrag zum Abbau von Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und von Minderheiten leisten und geht etwa strukturellen Ursachen von Bildungsbenachteiligung und institutioneller Diskriminierung nach. Es begleitet und vernetzt Forschungs- und Praxisprojekte und entwickelt Transferstrategien.

Die internationale Gründungskonferenz findet vom 20. bis 22. Februar 2014 zum Thema „Migration und Bildung: Theorie und Praxis interkultureller Lehrerbildung und Schulentwicklung“ statt. Migration fordert die Bildungsinstitutionen auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen aktuelle empirische Studien und Ansätze zum Umgang mit Migration und Heterogenität in der Schule und in der Lehrerbildung vor. Dabei berücksichtigen sie besonders Lehrkräfte mit Zuwanderungsbiographie und Mehrsprachigkeit. Die Tagung fragt, wie Lehrkräfte den Bedürfnissen von Kindern in heterogenen Klassen gerecht werden können. Ziel ist eine Bestandsaufnahme und Identifikation von geeigneten und notwendigen Maßnahmen, um damit zum Abbau von herkunftsbezogenen Bildungsungleichheiten beizutragen, so Georgi.  Forscher u.a. aus Kanada, Großbritannien, Türkei, Norwegen, Schweiz, USA, Griechenland und Deutschland werden erwartet.

Viola Georgi ist seit 2012 Professorin für „Diversity Education" an der Universität Hildesheim, zuvor lehrte sie an der FU Berlin. Sie wurde im November 2013 in den Rat für Migration berufen. Zentrale Aufgabe ist eine öffentliche kritische Begleitung der Politik in Fragen von Migration und Integration.