Informatik wird Pflichtfach an Schulen in Niedersachsen - Die Universität Hildesheim bildet künftige Lehrer*innen aus

lundi, 31. janvier 2022 um 15:06 Uhr

Annalena Schade und Gia Minh Vo sind die ersten beiden Absolvent*innen, die das Lehramtsstudium mit dem Hauptfach Informatik an der Universität Hildesheim beendet haben. Im Sommer 2023 soll Informatik als Pflichtfach im Sekundarbereich I der allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen eingeführt werden. Der Bedarf an Informatik-Lehrkräften ist groß und wird im Zuge der Einführung des Pflichtfachs weiter steigen.

Gia Minh Vo und Annalena Schade haben in dem Lehramtsstudium Informatik einen Roboter mithilfe einer App programmiert. Foto: Elisabeth Schimpf

Seit dem Wintersemester 2016/17 kann an der Universität Hildesheim Lehramt mit dem Fach Informatik studiert werden. Sie gehört mit der Universität Oldenburg zu den einzigen Hochschulen in Niedersachsen, die dieses Studienfach für Haupt- und Realschulen anbieten. „Der Bedarf an grundständig ausgebildeten Informatiklehrkräften kann schon aktuell ohne Bestehen des Pflichtfachs kaum gedeckt werden, weshalb bereits jetzt entsprechende Weiterbildungsangebote durch das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) für Lehrkräfte bereitgestellt werden, die keine Lehrbefähigung für das Fach Informatik besitzen“, sagt Dr. Alexander Best, Gastwissenschaftler in der Abteilung Didaktik der Informatik. Die Weiterbildungen finden unter anderem in den Regionen Hannover-Braunschweig und Lüneburg-Osnabrück statt.

Das Pflichtfach Informatik wird zunächst im Schuljahr 2023/24 in der 10. und im darauffolgenden Schuljahr 2024/25 in der 9. Klasse im Umfang von je einer Jahreswochenstunde eingeführt. Momentan sind 37 Studierende in das Lehramtsstudium mit dem Fach Informatik an der Universität Hildesheim eingeschrieben. Insgesamt studieren 5.742 angehende Lehrer*innen in Hildesheim. (Stand: 14.12.2021) „Wir sehen in unseren Veranstaltungen noch deutliche Kapazitäten“, sagt Alexander Best. Dass vergleichsweise wenige Lehramtsstudierende an der Universität Hildesheim das Fach Informatik studieren, habe verschiedene Gründe. So sei die Studienabbruchquote in Informatik-Studiengängen schon immer hoch gewesen. Außerdem „lernt nur ein geringer Anteil der Schülerinnen und Schüler das Fach derzeit während der eigenen Schullaufbahn kennen und entscheidet sich dann bei der Studienwahl in der Regel auch nicht für das Lehramt Informatik“, sagt Alexander Best.

Außerschulische Angebote seien deshalb ein wichtiger Baustein dafür, dass die Attraktivität des Studiums zunähme. Und auch junge Vorbilder, wie ältere Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Informatik-Lehrkräfte können dazu beitragen, indem sie für das Studienfach und den Beruf werben. Für viele Studierende ist der Weg über das Informatikstudium in die Wirtschaft, insbesondere aus finanziellen Gründen, attraktiver als das Lehramtsstudium. Die Berufsaussichten in der Wirtschaft sind weiterhin und zunehmend attraktiv. Dagegenhalten kann man die berufliche Sicherheit, die der Lehrerberuf, insbesondere bei einer Verbeamtung, bietet. „Neben der beruflichen Sicherheit und Planbarkeit, kann man immer wieder betonen, dass Informatik einfach ein spannendes Unterrichtsfach ist“, sagt Alexander Best. „Es fördert strukturiertes Denken, verfügt über einen hohen Anteil von kooperativen Methoden und Projektarbeit, lässt den Schülerinnen und Schülern und auch Lehrkräften Raum für die Entwicklung eigener Ideen, Projekte und Produkte, ermöglicht fächerverbindendes Arbeiten, ist hochaktuell, hat einen hohen Lebensbezug und vieles mehr. Wer sich für den Lehrerberuf interessiert und diese Eigenschaften schätzt, der sollte das Lehramtsstudium Informatik unbedingt in Betracht ziehen – und das natürlich gerne in Hildesheim.“

Das Lehramtsstudium Informatik an der Universität Hildesheim

„Das Kerncurriculum sieht nicht nur vor, dass Themen wie Programmieren und Roboter bauen im Unterricht behandelt werden, sondern auch, dass über Datenschutz und Gefahren im Internet aufgeklärt wird“, sagt die Absolventin Annalena Schade. „Da das aktueller ist denn je, habe ich mich für dieses Studium entschieden.“ Momentan befindet sie sich im Referendariat. Sie wird als einzige Absolventin der Universität Hildesheim zum Zeitpunkt der Einführung des Pflichtfachs grundständig ausgebildete Informatik-Lehrkraft sein. „In einem Didaktik-Kurs haben wir mit Grundschülern ein kleines Programmierprojekt durchgeführt. Ich habe mit einem Jungen ein Star-Wars-Spiel auf die Beine gestellt. Das war knifflig, aber er hat es sehr gut gemacht und tatsächlich ein ganzes Spiel programmiert“, berichtet Annalena Schade aus dem Bachelorstudium. Sie charakterisiert das Studium mit den Worten „praxisorientiert, anstrengend und interessant“.

Gia Minh Vo setzte seinen Weg als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Didaktik der Informatik an der Universität Hildesheim fort. Mit den Worten „praxisnah, enge Betreuung und einzigartig“ beschreibt er das Studium in Hildesheim. Schon ab dem ersten Semester sind in dem Zwei-Fächer-Bachelor die Schulpraktischen Studien (SPS) vorgesehen, in denen die Studierenden in Schulen hospitieren. In einem vierwöchigen Allgemeinen Schulpraktikum (ASP) stehen die Studierenden bereits selbst vor der Klasse. Im Master of Education hospitieren und unterrichten die Studierenden in der Praxisphase an drei Tagen in der Woche in der Schule.

Das Fach Informatik umfasst nach dem Kerncurriculum im Sekundarbereich I der allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen die Lernfelder Daten und ihre Spuren, Computerkompetenz, Algorithmisches Problemlösen undAutomatisierte Prozesse mit den inhaltsbezogenen Kompetenzen Informationen und ihre Darstellung, Algorithmen, Informatiksysteme und Informatik und Gesellschaft. Informatische Bildung sehen die Absolvent*innen als Notwendigkeit in der heutigen Zeit an. „Wenn man darauf achtet, welchen Einfluss Influencerinnen und Influencer auf Schülerinnen und Schüler haben, dann müssen auch die zukünftigen Informatiklehrerinnen und -lehrer dafür sensibilisiert werden“, sagt Gia Minh Vo.

Wie gehe ich mit Online-Werbung, Algorithmen, Fake-News und meinen Daten um? Wie recherchiere ich richtig? Was darf ich mir aus dem Internet herunterladen und was nicht? Was veröffentliche ich bei sozialen Netzwerken und was kann das für Folgen haben? Das sind wichtige Fragen, die unter anderem im Studium behandelt und später im Unterricht besprochen werden sollen.

Freie Lehr- und Lernmaterialien für Lehramtsstudierende und Lehrkräfte

Der Arbeitskreis Schulen im Digitalen Wandel unter Leitung von Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme stellt über die Website https://www.digiducation.de freie Lehr- und Lernmaterialien, sogenannte Open Educational Resources (OER), für Informatik- und Mathematik-Lehrkräfte zur Verfügung. Außerdem werden in der Vorlesungszeit Weiterbildungen rund um die Themen „Digitalisierung und Medienbildung“ angeboten. Die Termine werden auf der Homepage veröffentlicht.

erstellt von Elisabeth Schimpf


Dr. Alexander Best ist Gastwissenschaftler in der Abteilung Didaktik der Informatik an der Universität Hildesheim. Foto: privat