Hervorragend in Forschung, Lehre & Service

Friday, 11. January 2013 um 10:33 Uhr

Während Philosophieprofessor Rolf Elberfeld erforscht, wie sich interkulturelle Differenzen auch sprachlich äußern, versendet das Bibliotheksteam Erinnerungsmails vor (!) Leihfristende an Nutzer und entwickelt eine mobile App. Eine Arbeitsgruppe aus der Mathematik bietet mit den „Hildesheimer Stufen zum Einstieg in die Mathematik“ ein Lehrkonzept, mit dem seit drei Jahren Studienanfänger unterstützt werden. Für diese hervorragende Arbeit verleiht die Universität Hildesheim Preise für Forschung, Lehre und Service.

Den Preis für hervorragende Forschung 2012 erhält Prof. Dr. Rolf Elberfeld, seit 2008 Professor für Kulturphilosophie im Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ der Universität Hildesheim. Der wissenschaftliche Werdegang und das ungemein breite Œuvre des Philosophen weisen auf einen Forscher hin, „der die von ihm studierte Fächerkombination Philosophie, Japanologie, Religionsgeschichte und Sinologie seit über zwanzig Jahren konsequent miteinander vernetzt bearbeitet“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Toni Tholen.

So befasste sich Elberfeld in seiner Doktorarbeit mit dem „Verstehen der Kulturen. Moderne japanische Philosophie und die Frage nach der Interkulturalität“. 2004 erschien die Habilitationsschrift „Phänomenologie der Zeit im Buddhismus. Methoden interkulturellen Philosophierens“. „Mit seinen philosophischen Studien trägt Rolf Elberfeld dazu bei, das ostasiatische Denken in größeren Leserkreisen in Deutschland und Europa zu erschließen. Er betreibt interkulturelle Philosophie nicht nur thematisch, sondern dringt – als Übersetzer aus dem Japanischen und Chinesischen – tief in die unterschiedlichen Strukturen der Sprachen ein“, sagt Tholen. Dahinter stecke der Anspruch, „interkulturelle Differenzen auch als sprachlich begründete wahrnehmbar zu machen“.

Elberfeld hat zur Gründung des „Herder-Kollegs. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung“ 2009 maßgeblich beigetragen. Die „Transdisziplinäre Kulturforschung“ wurde jüngst in die Forschungslandkarte der Hochschulrektorenkonferenz eingetragen – damit ist dieses Hildesheimer Forschungsfeld nach außen sichtbar. Elberfeld macht „Hildesheim zum Forschungs-Ort für renommierte Philosophen und Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland, etwa aus Japan, China und Brasilien. Sie suchen den wissenschaftlichen Dialog mit ihm, mit den Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Philosophie und des Fachbereichs II“, so Tholen. 2011 wurde er in den erweiterten Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Philosophie berufen.

Einstieg in die Mathematik

Für hervorragende Lehre wird das Mathematik-Team um Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme, Prof. Dr. Jürgen Sander und Prof. Dr. Thomas Richthammer geehrt. „Das Lehrkonzept hat uns besonders überzeugt, weil Sie individuelle Zu- und Umgänge der Studierenden mit mathematischen Problemen fördern und Lernprozesse über längere Zeitspannen denken – bis hinein in alternative Prüfungssysteme“, begründet Vizepräsidentin Prof. Dr. Katrin Hauenschild die Entscheidung der Jury, in der neben Vertretern aller Fachbereiche Studierende mitwirkten.

Mit den „Hildesheimer Stufen zum Einstieg in die Mathematik“ werden seit drei Jahren Studienanfänger (Lehramt) in ihrem ersten Studienjahr unterstützt. Ziel ist es, in mathematisches Arbeiten einzuführen, gleichzeitig können sie ihre Studienwahl überprüfen. Denn die Studierenden kommen mit sehr unterschiedlichen mathematischen Kenntnissen in die Universität. Statt sie allein zu lassen, helfen die Lehrenden aus dem Mathe-Institut. Zum Lehrkonzept zählen ein Mathe-Vorkurs vor Studienbeginn, Workshops zur Wiederholung und Festigung mathematischer Basiskompetenzen und Projekttage („Mathe-Hütte“, ohne Notendruck) und ein Gespräch über Mathematik und mathematisches Tun, um Studierende individuell auf ihrem weiteren Lernweg zu beraten. Grundlegende Mathekenntnisse werden zum Beispiel zu Studienbeginn geprüft und zurückgemeldet, so dass Studienanfänger erfahren, in welchen Bereichen sie Nachholbedarf haben.

Vizepräsidentin Hauenschild unterstreicht: „Dieses Lehrkonzept ist ein Vorbild dafür, wie wir flexible und studierendenzentrierte Lehr-Formate innerhalb des engen modularisierten Bachelor-Master-Systems finden können.“ Hauenschild weist auf die weiteren von Studierenden nominierten Lehrenden hin: Professorin Ursula Bredel im Fach Deutsch, Florian Eßer und Katharina Mangold im Studiengang Sozial- und Organisationspädagogik; Nico Herrmann, Professorin Jasmin Mantilla-Contreras und Dr. Torsten Richter in den Fächern Geografie und Biologie, Professor Carsten Jochum-Bortfeld im Fach evangelische Theologie.

Bibliothek erinnert früh und wird mobil

Erinnerungsmails senden sie vor Leihfristende an Bibliotheksnutzer – nicht erst mit einer Rechnung wenn alles zu spät ist. Es sind wenige Tage, so dass die Nutzer reagieren und rechtzeitig ihr Buch zurückgeben können. Studentinnen und Studenten bleiben zusätzliche Kosten erspart und Bücher stehen rechtzeitig wieder im Regal, damit andere Nutzer auf sie zurückgreifen können. Ein andere Maßnahme entwickelt die Universitätsbibliothek Hildesheim derzeit mit dem Norddeutschen Bibliotheksverband und der Bibliothek der Uni Lüneburg: Nutzer können künftig mit einer „App“ auf ihrem Smartphone mobil auf ihr Nutzerkonto zurückgreifen. Die Testphase startet Ende Januar.

Für ihr Engagement, dass weit über die Literatur- und Informationsbesorgung hinaus geht, erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek der Universität Hildesheim unter Leitung von Dr. Ewald Brahms den „Service-Preis 2012“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Christoph Strutz. Er verweist auf weitere Entwicklungen: Seit 2010 können Studierende Anschaffungsvorschläge für Bücher einreichen; die Website ist in Englisch, Französisch, Spanisch und neuerdings in türkischer Sprache aufrufbar, mit der deutschlandweit ersten „Smart library“ spart die Bibliothek bis zu 45 % Energie und verbessert gleichzeitig die Arbeitsbedingungen.