Bildungswege nach der Flucht: Die Chance, zu lernen

jeudi, 26. mai 2016 um 15:14 Uhr

Wie gelingt Bildungsintegration? Nachgefragt bei Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache. „Wir brauchen in den Bildungseinrichtungen Lehrpersonen, die gezielt und mit Fachkenntnis Deutsch als zweite Sprache unterrichten können“, sagt die Sprachwissenschaftlerin der Universität Hildesheim.

Sie sprechen auf der Konferenz „Flüchtlinge – eine besondere Herausforderung für die Schule“ vor Rektorinnen und Rektoren der niedersächsischen Haupt-, Real- und Oberschulen. Welche Botschaft haben Sie im Gepäck?

Elke Montanari: Ich arbeite weniger mit Botschaften als mit Gesprächsangeboten: Mit den Schulleitungen möchte ich in die Diskussion eintreten, welche Ziele sich die Schulen setzen können. Welche Chancen für die Weiterentwicklung liegen in der Situation? Wie möchten die Schulen mit den Schülerinnen und Schülern mit Fluchterfahrung umgehen? Wie können Lernende und Lehrende gemeinsam die Verantwortung für die Lernprozesse übernehmen und gestalten?

Häufig ist die Rede von „Kindern ohne Deutschkenntnisse“... 

Die Rektoren werde ich bitten, zu überlegen, wie viele Sprachen man als Kind braucht, um durch Europa zu reisen… Diese Kinder beherrschen schon viele Sprachen. Nun gilt es, sie gemeinsam nutzbar zu machen: so, dass die einheimischen Schülerinnen und Schüler etwas Neues kennen lernen und natürlich die neuen Mitschüler ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können.

Ihre Studierenden begleiten Erwachsene und Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache. Im zweijährigen Masterstudiengang kann man sich für den Bereich Deutsch als Zweitsprache" qualifizieren. Was ist bei der Ausbildung von Sprachlehrkräften besonders wichtig?

In der akuten Situation ist der Einsatz von hilfsbereiten Menschen unerlässlich. Für die nachhaltige Sicherung brauchen wir aber in den Bildungseinrichtungen Lehrpersonen, die gezielt und mit Fachkenntnis Deutsch als zweite Sprache unter Einbeziehung der Mehrsprachigkeit und des Zweitschrifterwerbs unterrichten können. Dafür braucht es eine qualifizierte Ausbildung, die wir hier in Hildesheim bieten und für die wir sogar ein Doppelstudium mit dem Lehramtsstudium und ein Teilzeitstudium für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt haben. 

Die Fragen stellte Isa Lange

Deutsch als Zweitsprache studieren

Am Dienstag, 28. Juni 2016, informiert die Universität Hildesheim in einer Informationsveranstaltung über die Möglichkeit, sich im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ zu qualifizieren. Die Infoveranstaltung findet ab 13:00 Uhr am Bühler-Campus statt (Universität Hildesheim, Lüneburger Straße, Raum 066).

Kurz erklärt: Deutsch als Zweitsprache in Hildesheim

Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Schulen und in Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache und Mitglied am Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim. Sie untersucht, wie Kinder einen mehrsprachigen Wortschatz aufbauen.

Die Universität Hildesheim bildet mit 2600 Lehramtsstudierenden rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Lehramtsstudierende können im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" (Master) studieren. Die Universität arbeitet an nachhaltigen Lösungen, damit künftige Lehrkräfte professionell mit Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer umgehen können. Studentinnen und Studenten begleiten seit Herbst 2015 Erwachsene und Kinder beim Aufbau des Basiswortschatzes in einer Hildesheimer Erstaufnahmestelle und kombinieren das Sprachenlernen mit Sport und Bewegung.
 „In Sprachlernklassen mit einem qualifizierten Lernangebot können Schülerinnen und Schüler in ein bis zwei Jahren die deutsche Sprache so erwerben, dass sie sich zusammenhängend ausdrücken, begründen und erklären können und eine gute Grundlage für ihren Beruf haben“, sagt Elke Montanari. „Natürlich muss das Lernen auch danach weitergehen, in der Schule oder am Ausbildungsplatz. Hier sieht man die Qualität und das Engagement von Lehrkräften“, so Montanari. Ende Juli tagen Fachleute an der Universität Hildesheim, sie befassen sich mit Mehrsprachigkeit und Diversity Education, also der Frage, wie Schulen mit Vielfalt umgehen.


Studierende von Professorin Elke Montanari (3. v. li.) kombinieren im Studium Theorie und Praxis. Lehramtsstudentinnen bereiten Hildesheimer Schüler etwa auf mündliche Prüfungen vor. Die Schüler sind seit etwa zwei Jahren in Deutschland und bereiten sich in einer Sprachförderklasse auf eine Ausbildung vor. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Studierende von Professorin Elke Montanari (3. v. li.) kombinieren im Studium Theorie und Praxis. Lehramtsstudentinnen bereiten Hildesheimer Schüler etwa auf mündliche Prüfungen vor. Die Schüler sind seit etwa zwei Jahren in Deutschland und bereiten sich in einer Sprachförderklasse auf eine Ausbildung vor. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim