„Bei internationaler Wirtschaft schalten viele ab“

Monday, 02. December 2013 um 09:21 Uhr

Wirtschaft an Schule und Hochschule: Studien von Professor Athanassios Pitsoulis und seinem Team zeigen, was junge Leute über Export, Geld und Wirtschaft wissen. Er baut an der Universität Hildesheim die Abteilung Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik aus. In der Lehre sollen Wirtschaftsmodule für Kulturwissenschaftler und Informatiker geöffnet werden. Am 4. Dezember spricht Athanassios Pitsoulis in seiner öffentlichen Antrittsvorlesung über „Griechenland, der Euro und die Schuldenkrise".

<big></big>Wirtschaftskenntnisse, ein Muss? Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis und sein Team untersuchen ökonomische Kenntnisse und Einstellungen junger Menschen zu Staat und Wirtschaft in empirischen Studien. Auf welches Wissen die Forscher bei Studienanfängern an der Hochschule stößt ist ernüchternd: „Wir haben uns in Hildesheim zum Beispiel die Vorkenntnisse der Studierenden in der Vorlesung ‚Volkswirtschaftslehre – Internationale Wirtschaftsbeziehungen‘ angeschaut. Die Frage, ob die Subventionierung der inländischen Exportwirtschaft – also wenn der Staat mit dem Geld der Steuerzahler die Exportwirtschaft des eigenen Landes fördert – ökonomisch empfehlenswert ist, konnten nur 14% der Studierenden richtig beantworten.“ Bei einer anderen Frage ging es um die Konsequenzen freier internationaler Mobilität von Gütern und Dienstleistungen: Über 40% der Studierenden signalisierten, sie könnten dazu gar nichts sagen.

„Was aber gravierender ist: Mehr als die Hälfte jener, die der Meinung waren, sie wüssten es, haben falsch und nur 5% richtig geantwortet.“ Diese Beobachtungen stimmen den Forscher nachdenklich: „Junge Menschen sollten Sachverhalte, Reformvorschläge, Äußerungen etwa von Politikern und Fachleuten, kritisch beurteilen können.“

Athanassios Pitsoulis, der zuvor als Juniorprofessor für Mikroökonomie an der TU Cottbus gewirkt hat, baut seit Frühjahr 2013 an der Universität Hildesheim die Abteilung Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik aus. „Wir bieten nicht nur Lehramtsstudierenden eine große Bandbreite an Wahlmöglichkeiten – darunter Unternehmertum, Wirtschaftspsychologie und Wissenschaftliches Arbeiten.“ Fächergrenzen sollen überwunden werden, indem Wirtschaftsmodule auch für andere Studiengänge geöffnet werden – etwa für Kulturwissenschaftler und Informatiker. Kooperationen mit Schulen und Institutionen der regionalen Wirtschaft werden ausgebaut.

Die Forschergruppe geht derzeit der Frage nach, wie ökonomische Bildung, etwa Wirtschaftsunterricht, wirksam sein kann. „In der Grundschule können anhand von Euroscheinen Haushalte, Taschengeld, Einnahmen und Ausgaben, Kredite, Schenkungen erklärt werden. Kann ich mehr ausgeben als ich habe, welche Konsequenz folgt, wenn ich mir Geld leihe?“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Auch Schülerfirmen und Planspiele helfen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und Handlungskompetenz zu entwickeln.

Doch was passiert, wenn ein Viertklässler wissen will, was eine Rating-Agentur ist? „Ein derartiges Interesse kann auf eine Ausnahmebegabung hindeuten. Wenn man das nicht verkümmern lassen will, muss man Lehrerinnen und Lehrer in die Lage versetzen, besondere Begabungen zu erkennen, Eltern zu informieren, Fördermöglichkeiten aufzutun. An der Universität Hildesheim arbeiten wir an Wegen, wie wirtschaftliche Begabung erkannt und gefördert werden kann – in der Schule und in der Hochschule. Lehramtsstudierende müssen auch deswegen das Fach tief durchdringen. Und das ist unheimlich spannend“, sagt Pitsoulis.

Öffentliche Antrittsvorlesung

Am 4. Dezember spricht Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis über „Griechenland, der Euro und die Schuldenkrise – Europäisches Regierungshandeln auf dem Prüfstand der politischen Ökonomie“. Thematisiert werden etwa die Fragen, wie es zur Euro-Schuldenkrise kommen konnte, welche Rolle politisch-ökonomische Mechanismen dabei spielten und welche Möglichkeiten es im Spannungsverhältnis von Ökonomie und Politik gibt, die Krise zu meistern. Die öffentliche Antrittsvorlesung an der Universität Hildesheim beginnt um 18:00 Uhr in Hörsaal 1 am Hauptcampus.


Zu den aktuellen Pressemeldungen