Barrierefreie Rechtstexte – Leichte Sprache ein Fall für die Behörden

lundi, 01. décembre 2014 um 10:28 Uhr

Die Forschungsstelle Leichte Sprache befasst sich unter anderem damit, wie Menschen mit Leseschwierigkeiten der Zugang zu behördlichen Schreiben oder Gesetzestexten erleichtert werden kann. Dies schilderte auch Prof. Dr. Christiane Maaß, Leiterin der Forschungsstelle, in ihrem Kurzvortrag bei der Veranstaltung „MACHT POLITIK SPRACHE ... verständlich?“ im Oktober in Berlin.

„Leichte Sprache entfaltet in ihrer Geradlinigkeit manchmal eine ganze eigene Poesie und Eindringlichkeit, weil sie das Wesentliche so schön auf den Punkt bringt.“ – Christiane Maaß.
Im Rahmen einer Diskussion im Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz forderte die Professorin Christiane Maaß, dass die Sprache der Justiz auch für Nicht-Fachleute verständlich gemacht werden sollte. Wie leicht solche Texte missverstanden werden können und welche weitreichenden Folgen dies nach sich zieht, zeigt Maaß am Beispiel eines ausgewählten Formulars des niedersächsischen Justizministeriums „Anregung zur Einrichtung einer Betreuung“. Formulierungen  wie „Entscheidung über die Unterbringung“ sind nicht für jeden nachvollziehbar. Durch Ankreuzen dieses Falles überträgt eine Person weitgehende Entscheidungsgewalt auf eine andere Person. Im Falle einer Demenz oder eines Unfalles entscheidet diese Person dann über die mögliche Einweisung in eine geschlossene Einrichtung.

Leichte Sprache hilft hier Missverständnisse zu vermeiden indem sie Sachverhalte konkret benennt und  damit leichter nachvollziehbar macht.
So erklärt das Formular in Leichter Sprache: „Der Betroffene braucht eine geschlossene Unterbringung. Zum Beispiel in einem Kranken∙haus. Bei einer geschlossenen Unterbringung muss der Betroffene im Kranken∙haus bleiben. Der Betroffene kann nicht weg.“

Derartige Übersetzungen zu erstellen lernen auch die Studierenden des Masterstudienganges „Medientext und Medienübersetzen“ an der Universität Hildesheim im Schwerpunkt  „Barrierefreie Kommunikation“. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium und dem Amtsgericht Hildesheim wurden Informationsbroschüren zu Erbrecht und Vorsorgevollmacht in Leichte Sprache übersetzt und entsprechende Formulare mit Erläuterungen in Leichte Sprache versehen. Denn wer diese nicht versteht, fühlt sich oftmals ausgeschlossen und kann nicht selbständig handeln. Mit einer niedersachsenweiten Verbreitung dieser Broschüren wird somit ein vereinfachter Zugang zu Themen der Justiz gewährleistet, der für viele Menschen unumgänglich ist.