Pädagogische Interaktionen und Professionalisierung

Das Profil der Forschungseinheit Pädagogische Interaktionen und Professionalisierung

Im Feld der Pädagogik der frühen Kindheit besteht viel Wissen darüber, wie pädagogische Interaktionen und Settings gestaltet werden sollen. Insbesondere in den letzten Jahren sind hier eine Vielzahl von Reformbemühungen und Modellvorhaben angetreten, das Feld nachhaltig weiterzuentwickeln und zu professionalisieren. Tatsächlich besteht aber nur wenig empirisches Wissen darüber, wie im pädagogischen Alltag von Kindertageseinrichtungen und Tagespflege mit welchem Wissen und Können gehandelt wird, wie pädagogische Prozesse gestaltet werden und wie das Handlungsfeld gemeinsam mit Kindern und Eltern performat­iv herge­stellt wird. Noch weniger empirisches Wissen liegt über das pädagogische Handeln in sich neu entwickelnde Organisationsformen (u.a. Familienzentren) und über die professionelle Zusammenarbeit mit sich angrenzenden Handlungsfeldern (u.a. Familienbildung) vor. Auch die Reformbemühungen im Bereich der frühpädagogischen (Hoch-)Schulausbildung und Weiterbildung sind kaum empirisch abgesichert, fehlt es doch weitgehend an aktuellen Forschungen zur Kontur der frühpädagogischen Ausbildung und der Herausbildung eines beruflichen Habitus. Die Forschungseinheit „Pädagogische Interaktionen und Professionalisierung“ nimmt dies zum Ausgangspunkt für empirische Untersuchungen und leistet dabei einen Beitrag zu einer Fundierung frühpädagogischer Professionalisierung. 

Forschungsprofil

Die Forschungseinheit geht davon aus, dass die Verknüpfung von grundlagenbezogener Forschung, Evaluations- und Praxisforschung einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung und Professionalisierung des Handlungsfeldes leisten kann.

Auf Basis des fehlenden Grundlagenwissens zur professionellen Begleitung von Erziehungs- und Bildungsprozessen bedarf es einer Forschung, die Aspekte der konstitutiven Bedingungen pädagogischen Handelns in den Arbeitsfeldern der Pädagogik der frühen Kindheit herausarbeitet.

Neben grundlagenorientierter Forschung bedürfen die Praxisfelder der Pädagogik der (frühen) Kindheit angesichts der hier zu beobachtenden durchgreifenden Veränderungen und Reformvorhaben einer praxisbezogenen, evaluativen Begleitung durch Forschung. Eine praxisbezogene Forschung beobachtet und evaluiert die aktuellen Praxisentwicklungen und leistet einen Beitrag zur empirischen Absicherung der Reformbemühungen.

Forschungsthemen

Derzeit stehen folgende Themen im Mittelpunkt der Forschungsbemühungen:

  • Herausbildung eines beruflichen Habitus aus biographischer und ethnographischer Perspektive
  • Weiterentwicklung der (fach- und hochschulischen) Ausbildung
  • Verknüpfung elementarpädagogischer Ausbildung und Praxis
  • Umsetzung der Bildungspläne, insbesondere in einzelnen Bildungsbereichen
  • Beobachtung und Dokumentation im pädagogischen Alltag
  • Teamarbeit und pädagogische Reflexivität
  • Das Verhältnis von öffentlicher und privater Bildung und Erziehung
  • Übergänge im Kindesalter
  • Kindheit und pädagogischer Alltag in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege
  • Frühpädagogische Didaktik

 

Akutelles

Prof. Dr. Peter Cloos ist Kooperationspartner des DFG-Forschungsprojekts "Die Kita als geschlechterpolitischer Baustein im Workfare State der funktional differenzierten Gesellschaft: Aufgabenzuweisung und Umsetzung".

Das Ziel des Projekts ist es, den Umbau der Kita hin zu ihrer neuen geschlechterpolitischen Funktion im Kontext von Bundesprogrammen im differenzierungstheoretischen Analyserahmen auf der Ebene des Wohlfahrtsstaates, auf der Meso-Ebene der Kita-Organisation sowie in ihrer Leistungsbeziehung zum Sozialsystem Familie empirisch genauer zu untersuchen und geschlechtersoziologisch sowie differenzierungstheoretisch einzuordnen. Weitere Informationen hier

 

Mobile Diversitätswerkstatt Kindheitspädagogik (DivSpace)

Gefördert vom: Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Projektdauer: April 2022 bis September 2023

Projektteam: Prof. Dr. Peter Cloos, Svenja Garbade, n.n. (stud. Hilfskraft)

Email-Kontakt: divspace(at)uni-hildesheim.de

Das Forschungsprojekt
Die mobile Diversitätswerkstatt Kindheitspädagogik DivSpace untersucht, inwiefern diversitätsthematisierende Spiel- und Beschäftigungsmaterialien, geeignet sind, Diversitätsreflexivität an kindheitspädagogische Fachkräfte zu vermitteln und wie diese methodisch in der pädagogischen Praxis eingesetzt werden können. Damit bearbeitet DivSpace eine Forschungslücke, denn obgleich pädagogisches Spielmaterial seit langem in der Kindheit eine hohe Bedeutung einnimmt, ist dieses wenig untersucht und beforscht. Ebenso liegen bisher keine Konzepte zur kindheitspädagogischen Qualifizierung hinsichtlich Diversitätsreflexivität vor. Unter Diversitätsreflexivität wird das Wissen um die pädagogische Bedeutung von Differenzkonstruktionen sowie um deren Wirkung auf Subjekte gefasst. Studien betonen die hohe Bedeutung von Diversitätsreflexivität für die kindheitspädagogische Professionalisierung. Um diese zu erreichen, wird das Projekt DivSpace Materialien in Bezug auf theoretische Konzepte analysieren, bewerten und Handlungspläne für einen diversitätsreflexiven Materialumgang im Rahmen kollaborativen Lernens entwerfen. Ergebnis wird der Entwurf, die Erprobung und die nachhaltige Bereitstellung des Lehrkonzepts einer Diversitätswerkstatt Kindheitspädagogik sowohl online als auch offline sein.

Durch einen materialbezogenen, analytischen und spielerischen Zugang zu den Dingen selbst, setzt DivSpace die modular verankerten Themenbereiche Kindheit und Diversität in Beziehung zu theoretischen, didaktischen und pädagogisch-konzeptionellen Fragen. Durch das kollaborative Lehr-Lern-Konzept werden multiperspektivische Materialerkundungen ermöglicht, die das Verhältnis von Diversität, Materialität, Didaktik und das damit verbundene Gerüst pädagogischer Normativität im Spannungsverhältnis zu Normalisierung, Empowerment und Dekonstruktion aufwerfen. Die Materialien stehen einerseits analog in Materialboxen und andererseits durch einen webbasierten Zugang  zur Verfügung. Auf der Grundlage von Musteranalysen werden verschiedene forschungsbasierte Zugänge zum Material gemeinsam mit den Lernenden hergestellt und so das Spannungsverhältnis zwischen Mensch, Ding und Raum fokussiert.

Die Ergebnisse werden in Form eines öffentlich zugänglichen Portals zum Materialkatalog, den theoretischen Zugängen, wie auch Musteranalysen transportiert und über Social Media beworben. Das entwickelte, erprobte und evaluierte Lehr-Lern-Konzept wird auf einem OER-Portal bereit gestellt.