Florentine Muhry

Wessen Kanon? Autodidaktische und dekoloniale Kritik als ästhetische Praxis am Beispiel von Rasheed Araeen (AT)

Das Forschungsvorhaben von Florentine Muhry widmet sich der ästhetischen Praxis des Künstlers, Kurators, Aktivisten und Autors Rasheed Araeen (1935, Karachi, Pakistan). Ursprünglich als Ingenieur ausgebildet, zieht Araeen 1964 von Karachi nach London. In den 1970er Jahren tritt er den Black Panthers bei, gründet einflussreiche Kunstzeitschriften wie Black Phoenix (1978–79), Third Text (seit 1987) und Third Text Asia (2008), ab den 1980er Jahren tritt Araeen auch als Kurator von Ausstellungen auf. In der Gegenüberstellung von Werken, Performances, Texten und seiner Arbeit als Kurator zwischen den Jahren 1968–89, soll eine Typologie „gegenhegemonialer Interventionen“ der Kritik (Mouffe, 2007)  herausgearbeitet werden, die sich vor dem Hintergrund der soziopolitischen und gesellschaftlichen Diskurse der 1970er und 1980er Jahre in Westeuropa entwickelten. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt dabei auf der Befragung des Verhältnisses zwischen Araeens autodidaktischer Praxis und der westlichen Konzeptkunst, welche ein „de-materialisiertes“ Objektverständnis (Lippard, 1973) sowie ein hybridisiertes Modell von Künstler:innensubjekt und Kunstwelt einläutete. Bis Ende 1960er gilt Araeens künstlerische Praxis als Teil der Minimal Art Großbritanniens, zwischen 1968–89 findet eine Verschiebung hin zur Konzeptkunst statt. Mit der ästhetischen Verschränkung von sozio-biographischen Erfahrungen und tagespolitischen Materialien (z.B. Zeitungsauschnitte, Poster, TV-Sendungen), wird in seiner Arbeit eine kritische Auseinandersetzung mit der vermeintlichen Universalität der westlichen Moderne sichtbar. Es stellt sich die Frage, ob in seiner ästhetischen Praxis das Potential eines post- und dekolonialen Verständnisses von Konzeptkunst vorliegt, die sich im Netzwerk des British Black Art Movement (Orlando, 2016) entwickelte und inwieweit sie parallel zur Kanonisierung der westlichen Konzeptkunst (Art & Language, Joseph Kosuth, Hans Haacke, etc.) stattfand.

 

Zur Person

Florentine R. Muhry studierte Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Graz, Universität Wien und Sorbonne-Paris. Von 2020 bis 2022 war sie wissenschaftliche Volontärin an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Als kuratorische Assistenz war sie 2019 am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg in der Abteilung Fotografie und neue Medien sowie 2017 an der Halle für Kunst Lüneburg tätig. Seit 2018 betreibt sie den Kunstraum www.muhry.com und ist als freiberufliche Kuratorin tätig. Seit April 2022 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis" am Institut für bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Hildesheim.

 

Kurzvita

Studium

2014–2017: MA im Fach Kunstgeschichte, Universität Wien

2010–2013: BA im Fach Geschichte, Universität Wien

2012-2013:  BA Geschichte, Erasmus, Universität Sorbonne IV, Paris

2009–2010: BA Geschichte, Universität Graz

 

Berufserfahrung (Auswahl)

8/2022: „When it moves, strengthening its skin“, Kunstverein Bielefeld und Dortmunder Kunstverein, mit Paolo Baggi im Rahmen des NRW+ Residence Programms

Seit 4/2022: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg 2477 „Ästhetische Praxis", Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Hildesheim

2/2022: Goethe-Institut, Recherchereise für Kurator*innen nach Bangkok

2/2020–1/2022: K20K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Wissenschaftliche Volontärin

03–2012/2019: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Abt. Fotografie und neue Medien: kuratorische Assistenz

9/2017–11/2018: Halle für Kunst Lüneburg: kuratorische Assistenz

1/2015–7/2016: Galerie Andreas Huber, Wien: Galerie Assistenz, Messebetreuung

1/2013: Les Archives Nationales – Pierrefitte sur Seine, Paris, Praktikum

 

Freie Projekte

8/2022: In Planung, Kunstverein Bielefeld und Kunstverein Dortmund, mit Paolo Baggi im Rahmen des NRW+ Residence Programms

4/2022: Organisation eines Künstlerinnengesprächs zwischen Jutta Koether und Sabeth Buchmann, im Rahmen der co-konzipierten Talkreihe „K21 Encounters“, in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

2/2022: Goethe-Recherchereise für Kurator*innen nach Bangkok

Seit 3/2018: „muhry“, Ausstellungsraum, Hamburg

8/2019: „Jubiläumsausstellung. 30 Jahre Künstlerhaus Wendenstrasse“, Hamburg 

3/2019, 4/2019: „Sketch I & II“, Musikperformancereihe, Halle für Kunst Lüneburg

3/2017: „How far to open up?“, mit Cathrin Mayer, Forum Stadtpark, Graz

11/2016: „At the Cliffs of River Rhine“, mit Cathrin Mayer, Oslo10, Basel

 

Preise und Stipendien

3–8/2022: Preis, NRW+ Residence Programm für Kurator*innen, Münster

2016: Förderstipendium Masterarbeit, FemQueer, ÖH-Universität Wien

2016: Vollstipendium, European Forum Alpbach, IG Wien

8/2012–2/2013: Stipendium, Erasmus, Sorbonne IV, Paris

 

Ehrenamtliche Tätigkeiten im Kunstbereich

8/2017: Standing Committee, IG Wien, European Forum Alpbach, Tirol

2017–2018: Burschenschaft Hysteria, Bibliothekarin

 

Beiträge und Publikationen

2022: Begleittext Performance- und Ausstellungsprogramm, “When it moves, strengthening its skin”. Dortmund, Dortmunder Kunstverein. Unter: https://khm-bucket.s3.amazonaws.com/pdfs/DOKV_Text_when-it-moves_DE.pdf.

2022: Begleittexte, Ausst. „Dialoge im Wandel. Fotografien aus The Walther Collection“. Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

2021: Pressetext Elisa Barrera. Düsseldorf, Galerie Lucas Hirsch, 2021.
Unter: http://lucashirsch.com/wp-content/uploads/2021/12/Pressrelease_Elisa_Barrera_Daybreak_2021.pdf.

2021: Pressetext Claus Richter. Köln, Clages Galerie, 2021.
Unter: https://www.mariettaclages.de/claus-richter-easy-pressetext/.

2021: Jahresgabentext Maximiliane Baumgartner. Düsseldorf, KV Rheinlande-Pfalz, 2021.
Unter: https://kunstverein-duesseldorf.de/jahresgaben/2021/maximiliane-baumgartner/.

2021: „Kommentierte Biografie zu Georges Braque“. In: Ausst.-Kat. Düsseldorf, Georges Braque. Erfinder des Kubismus. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2021, München 2021, S. 215–231. 

2021: „Vom Bellen und Kriechen als Praktiken der Enthüllung. Joseph Beuys und Pope.L“. In: Ausst.-Kat. Düsseldorf, Jeder Mensch ist ein Künstler. Kosmopolitische Übungen mit Joseph Beuys. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2021, Berlin 2021, S. 88–102.

2020: Huber, Cécile / Muhry, Florentine: „Die eigene Stimme finden“. In: Ausst.-Kat. Düsseldorf, Coming to Voice. Absolvent_innen der Kunstakademie Düsseldorf 2020. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2021, S. 7–13.

2020: „Babenhausen“. In: Ausst.-Kat. Düsseldorf, Kunstsammlung Nord-rhein-Westfalen,  2020; Paris, Centre Pompidou 2021. Hito Steyerl. I Will Survive. Leipzig 2020, S. 9–17.

2020: „Die leere Mitte“. In: ebd., S. 18–27.

2020: „Normalität 1-X“. In: ebd., S. 28–40.

2019: Co-Redaktion des Katalogs: Esther Ruelfs, Tulga Beyerle (Hg.): Ausst.-Kat. Hamburg 2019,     Amateurfotografie. Vom Bauhaus zu Instagram. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Heidelberg 2019.

2019: Muhry, Florentine: „Gesellschaft verändern“. In: Esther Ruelfs, Tulga Beyerle (Hg.): Ausst.-Kat. Hamburg 2019, Amateurfotografie. Vom Bauhaus zu Instagram. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Heidelberg 2019, S. 130–133.

2019: „Hope is a Dangerous Thing. Elisa Barrera“. In: Almanac. London / Turin, 2019.
Unter: http://www.muhry.com/img/Text_Florentine%20Muhry%20on%20Elisa%20Barrera.pdf.

2017:   „Im Überfluss die Orientierung finden. Rezension zu Laura Hinrichsmeyer“. In: allovermagazin, Oktober 2017.
Unter: https://allovermagazin.com/?p=3007.

 

Als Herausgeberin:

Magdalena Los, Kalte Hütte, muhry, Münster 2022.

Julija Zaharijević, Million Dinar Baby, muhry, Hamburg 2018.

How far to open up? (Hg.). Ausst.-Kat. Graz, Forum Stadtpark, 2017.