Salvatore Calabrese

Zwischen Literatur und Soziologie. Kritische Autosoziobiographien bei Pierre Bourdieu, Didier Eribon und Annie Ernaux

Seit dem deutschen Erscheinen von Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ im Jahr 2016 ist hierzulande ein stetig wachsendes Interesse an einer neuen literarischen Form zu beobachten. Die Rede ist hier von „Auto-sozio-biographie“ und die Autor*innen dieses Genres erzählen von den Umständen ihrer niedrigen sozialen Herkunft und den Widrigkeiten des gesellschaftlichen Aufstiegs durch Bildung. Dabei zielen sie nicht allein auf die Rekonstruktion der eigenen Biographie ab, sondern nehmen diese vielmehr als Grundlage, um eine dezidiert linke Gesellschaftskritik im Rahmen einer Theorie sozialer Klassen voranzutreiben.

Das Forschungsprojekt widmet sich den Ursprüngen der vor allem in Frankreich prominenten Autosoziobiographie und zeigt dabei auf, wie dieses Genre erst durch die Betonung des theoretischen wie thematischen Zusammenhangs der Texte von Didier Eribon, Annie Ernaux und Pierre Bourdieu angemessen in den Blick genommen werden kann. Darüber hinaus steht die Frage im Mittelpunkt, wie das autosoziobiographische Schreiben, das sich in einem Zwischenraum von literarischer Ästhetik und soziologischer Theorie bewegt, literaturwissenschaftlich beschrieben werden kann und welche Impulse von dieser neuen Schreibform für literarische, soziologische, aber auch gesellschaftspolitische Diskurse ausgehen.

 

Zur Person

Salvatore Calabrese hat in Freiburg (B.A.) und Frankfurt (M.A.) Soziologie und Geschichte studiert und dieses Studium mit einer theoretischen Arbeit zu Pierre Bourdieus Habitusbegriff abgeschlossen. Im Anschluss folgte ein Studium des Literarischen Schreibens und Lektorierens in Hildesheim (M.A.) und die Konzentration auf die eigene literarische Schreibpraxis. Seither schreibt und arbeitet er als Grenzgänger zwischen Soziologie, Literaturwissenschaft und eigenen literarischen Texten.

 

Forschungsschwerpunkte 

Sozialtheorie Pierre Bourdieus
Autobiographieforschung (insbesondere Autosoziobiographie)
Literarisches Schreiben als ästhetische Praxis
Gegenwartsliteratur

 

Publikationen

Calabrese, Salvatore / Sczech, Verena / Hofstätter, Lukas / Neckel, Sighard / Petzold, Conny (2015): Globale Bankvorstände. Zum Stellenwert internationaler Berufserfahrung bei Bankvorständen in Deutschland und weltweit. Global Financial Class Working Paper Series Nr. 1. Frankfurt a. M.: Goethe-Universität (http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/files/44441/Working-paper_1_Globale-Bankenvorstaende1.pdf).

 

Lehre

Sommersemester 2019:
„Kreatives Schreiben“
Lehrauftrag an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen

 

Vorträge

25.10.2019:
„Wer bin ‚ich‘, wenn ich schreibe? Überlegungen zu einer Poetik des wissenschaftlichen Schreibens“ (Vortrag im Rahmen der „Jubiläumswoche 40 Jahre Kulturwissenschaften in Hildesheim“)


19.05.2021:
„Autosoziobiographie. Kritische Biographien zwischen Literatur und Soziologie“ (Gastvortrag an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

 

Literarische und wissenschaftliche Stipendien

Wintersemester 2017/18 - Sommersemester 2018:
Deutschland-Stipendium


Teilnahme an der Kölner Schmiede 2018/19