Computer Sommerschule 2007

Die Computer-Sommerschule 2007 fand vom 21.-24. August 2007 statt. Angeboten wurden vier Kurse:

Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 25.08.07

Maschinelles Lernen ist ein Schwerpunkt der Computer-Sommerschule an der Universität / Prinzip: Versuch und Irrtum

Wie kommt der Roboter aus dem Gefängnis?

Hildesheim (rei). Dieser Anblick würde wohl jeden Lehrer vor Neid erblassen lassen: Hoch konzentriert sitzen Max, Manuel und Nils vor ihren Computerbildschirmen und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Man kann förmlich sehen, wie es in ihren Köpfen raucht. „Wenn der Roboter auf eine Abzweigung trifft, weiß er ja nicht, ob der Weg nach links oder nach rechts weitergeht“, überlegt Max laut. „Tja, dann müssen wir ihm sagen, er soll sich erst um 90 Grad nach links drehen, und wenn es da nicht weitergeht, um 180 Grad nach rechts“, schlussfolgert Manuel. „Aber haben wir dann nicht das Problem, dass er gar nicht mehr aufhört, sich zu drehen?“, will Nils wissen. Die drei beschließen, es ein-fach auszuprobieren.
Das Prinzip Versuch und Irrtum sei beim Robotik-Kursus der Computer-Sommerschule durchaus erwünscht, erklärt Steffen Rendle, einer der drei Kursleiter. Das Angebot im Rah-men des Ferienprogramms der Stadt richtet sich an Schüler im Alter von 10 bis 16 Jahren. Erstmalig werden in diesem Jahr vier unterschiedliche Computer-Kurse angeboten: Um-gang mit PC und Internet, eine Einführung in die Programmiersprache „C#“, eine Schu-lung in digitaler Fotografie und Bildbearbeitung sowie erstmalig der Kursus Robotik. Insge-samt 55 Teilnehmer, überwiegend Jungen, haben sich angemeldet. Die Kursleiter sind Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter im Bereich Informationsmanagement und In-formationstechnologie sowie Teilnehmer des Jungstudentenprogramms.
Einer der jüngsten Dozenten ist der 15-jährige Lukas Florea, der seit einem Jahr neben der Schule Informatik studiert. Die erbrachten Leistungen will er sich auf sein späteres Studium anrechnen lassen.
Seine 17 Schüler im Kursus Fotografie und Bildbearbeitung sind kaum jünger als er. Lukas und sein Kumpel Martin führen den viertägigen Kursus nicht nur gemeinsam durch, son-dern haben sich auch zuvor das Konzept überlegt und das Material vorbereitet. Dafür er-halten sie ein Honorar von je 300 Euro. Das Geld, insgesamt 2600 Euro, stellt die Firma Iprocon zur Verfügung, deren Geschäftsführer selbst Absolvent des Studiengangs Informa-tik an der Uni Hildesheim ist.
Diesen Werdegang hat der 14-jährige Manuel vielleicht noch vor sich. Bei der Computer-Sommerschule ist er bereits zum fünften Mal dabei. In nur zwei Stunden haben seine Mit-streiter und er am ersten Tag die vier Lego-Roboter zusammengebaut.
„Schneller als wir“, staunt Dozent Krisztian Buza. Danach ging es ans Programmieren. Die Roboter verfügen über elektronische Sensoren, die zum Beispiel auf Hell-Dunkel-Unterschiede oder Berührung reagieren. Sie können Entfernungen messen, mit einem Greifer Gegenstände vom Boden aufheben und über ein Display oder per Sprachmodul mit ihren Nutzern kommunizieren.
Unter Anleitung bringen die Schüler dem Roboter bei, immer schwierigere Aufgaben zu lösen. Mal soll er sich entlang einer schwarzen Linie fortbewegen, mal eine Art auf den Boden geklebten Strichcode ablesen, mal einen Ball aufheben und in eine andere Rich-tung wieder abspielen. „Das ist eine Vorstufe zum Robo-Cup, bei dem Roboter gegenein-ander im Fußballspiel antreten“, erklärt Rendle. Und dann gibt es noch das Gefängnis, symbolisiert durch schwarze Klebestreifen.
Nur einen einzigen Ausweg gibt es daraus. Um den zu finden, geht auch der Roboter zu-nächst nach dem Prinzip Versuch und Irrtum vor. Max, Manuel und Nils wollen ihm aber vorgeben, den Fluchtweg gezielt zu suchen. Noch klappt es nicht ganz, denn Nils hatte mit seinen Bedenken recht: Der Roboter dreht sich sinnlos auf der Stelle. Vielleicht hat er ja einen Knast-Koller.

Läuft er oder läuft er nicht? Max, Manuel und Nils probieren aus, ob sie den Roboter richtig programmiert haben.
Die Kursleiter – im Bild Krisztian Buza und Leandro Marinho – halten sich bewusst im Hintergrund.
Foto: Reinke