Informationssysteme für Forschung (eResearch)

Schlagwörter: Forschungsunterstützung, Computergestützte Forschung, eResearch, Kollaborative Forschung

Anders als klassische Abschlussarbeiten während des Hochschulstudiums wird Forschung nach dem Erreichen eines Hochschulgrads, aber auch zunehmend im Rahmen der wissenschaftlichen Ausbildung im Studium, in interdisziplinären, geografisch und zeitlich verteilten Forschungsgruppen vorgenommen. Dies stellt Herausforderungen an die Kommunikation, den gemeinsamen Zugang zu benötigten Materialien, Rechenleistung oder Software, oder den reibungslosen Ablauf von Kreativitäts-, Kollaborations- und Koordinationsprozessen innerhalb des Forschungsteams. Computergestützte Ansätze wie gemeinsam genutzte Services, Repositories oder Plattformen stellen eine Möglichkeit dar, diesen Herausforderungen zu begegnen.

In Hildesheim werden in verschiedenen Teilprojekten derartige computergestützte Ansätze entwickelt. Diese dienen der Unterstützung spezifischer (Forschungs-) Methoden wie Literaturreviews, Delphi-Befragungen oder Design Thinking und beschäftigen sich insbesondere mit der Förderung kollaborativer Prozesse sowie der parallelen Dokumentation. Der vereinfachte Aufbau von Plattformen zum Wissensmanagement in Communities of Practice durch vorgefertigte Module stellt ein weiteres Anwendungsgebiet dar, für das digitale Lösungen erarbeitet und erweitert werden.

Mit dem Ziel, die akademische Ausbildung der Studierenden stärker auf den Aufbau von Forschungskompetenzen zu fokussieren, ihre Forschungsbestreben zu unterstützen und die Kommunikation zwischen Studierenden und betreuendem wissenschaftlichem Personal und kooperierenden Unternehmen zu strukturieren, werden weitere Werkzeuge entwickelt, die der Kompetenzbildung, verbesserten Kommunikation über laufende oder zukünftige Forschungsvorhaben und der koordinierten Durchführung der Forschung dienen.

Für die Entwicklung forschungsunterstützender (Software-) Werkzeuge ist es unabdingbar, die darunterliegenden Prozesse zu untersuchen, bspw. um kollaborative Abläufe oder wiederkehrende Forschungstätigkeiten zu analysieren. Wir sehen an dieser Stelle das Potenzial, von etablierten Methoden der Unternehmensmodellierung wie der Prozessmodellierung, -analyse und -verbesserung für die Planung der Informationssysteme zu profitieren.

Neben der Entwicklung der Softwarewerkzeuge selbst spielen der gezielte Einsatz und die Untersuchung der Effekte auf die mit ihnen durchgeführte Forschung im Rahmen des Schwerpunkts eine Rolle, z. B. der Einfluss auf Kollaborations-, Lern- oder Kreativitätsprozesse, die während der Durchführung von Forschungsprojekten stattfinden.

Im Rahmen der Lehre werden Studierende dazu angeleitet, erste eigene Forschungsprojekte im Rahmen von Seminaren, Abschlussarbeiten und IT-Studienprojekten zu planen und umzusetzen. Die derzeitige Forschung im Schwerpunkt beschäftigt sich insbesondere mit den folgenden lehrbezogenen Bereichen:

  • Digitale Unterstützung der sechsmonatigen (Bachelor) bzw. einjährigen (Master) IT-Studienprojekte, insbesondere in Bezug auf die Durchführung kollaborativer Literaturreviews und gemeinsame Erstellung von Wissenskarten (eCLR Plattform).
  • Unterstützung der Planung und Kommunikation zwischen Studierenden und Betreuenden in Seminar- und Abschlussarbeiten durch ein Canvas-basiertes Instrument (Forschungscanvas).
  • Erstellung und Verwendung einer Applikation für die Dokumentation von Design Thinking-Projekten im Rahmen studentischer Projekte (Design Thinking-App).
  • Entwicklung und Einsatz einer webtechnologiebasierten Lösung für die Durchführung und Auswertung von Delphi-Befragungen in Echtzeit als plastisches Beispiel in der forschungsbezogenen Lehre (Real-time Delphi).

Ausgewählte Publikationen

  • Hofer, J., Schoormann, T. und Knackstedt, R. (2018): Kollaborative Literaturreviews - Entwicklung eines Vorgehensmodells für die gemeinsame Erschließung von Wissensbasen in Lern- und Forschungsgruppen. In: Proceedings of E-Learning-Fachtagung (DeLFI), Frankfurt, Deutschland.