Exzellente Promotion: Wirtschaftsinformatiker Dr. Thorsten Schoormann

jeudi, 31. décembre 2020 um 06:40 Uhr

Im Interview spricht der Wirtschaftsinformatiker Dr. Thorsten Schoormann über den digitalen Wandel, der neue Möglichkeiten für die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle eröffnet. Der Fachbereich 4 „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ zeichnet den Wissenschaftler für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen aus. Die Promotion wurde mit „summa cum laude“ bewertet.

Ausgezeichnet mit dem Promotionspreis des Fachbereichs „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“: Wirtschaftsinformatiker Dr. Thorsten Schoormann. Foto: Fachbereich 4

Dr. Thorsten Schoormann vom Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik wird für seine Doktorarbeit „Developing Sustainability-Oriented Business Models – Foundations, Modeling Approaches, and Software Support“ ausgezeichnet.

Der Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Ralf Knackstedt hat die Promotion betreut und erläutert die Forschung: „Die Digitalisierung ermöglicht neue Geschäftsmodelle und tradierte Geschäftsmodelle werden im Digitalen Wandel verdrängt. Wir interessieren uns besonderes dafür, welche Chancen der Digitale Wandel für die Gestaltung ökonomisch, ökologisch, sozial und kulturell nachhaltiger Geschäftsmodelle eröffnet. Mit der Digitalisierung können aber auch neue softwaregestützte Vorgehensweisen zur Entwicklung von Geschäftsmodellen umgesetzt werden. Die Entwicklung innovativer, kreativitätsförderlicher und visuell unterstützter Methoden ist uns dabei ein besonderes Anliegen.“

Dr. Thorsten Schoormann habe in seiner herausragenden und mit einem glatten „summa cum laude“ bewerteten Doktorarbeit genau diese Entwicklung maßgeblich vorangetrieben.

Exzellente wissenschaftliche Leistungen

Der Dekan Prof. Dr. Klaus Schmid gratuliert Dr. Thorsten Schoormann herzlich zu seinen exzellenten Leistungen: Eine ausgezeichnete Promotionsschrift, Projekterfolge, eine beachtliche Anzahl von hochwertigen Publikationen und die aktive Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Hildesheim – all dies möchte der Fachbereich 4 mit der Vergabe des Promotionspreises würdigen, so der Dekan.

Parallel zu seiner Promotion hat Dr. Thorsten Schoormann das Projekt „Smart Hybrid“ durchgeführt und maßgeblich zu dessen Erfolg beigetragen. Schoormann hat 44 Publikationen im Kontext dieses Forschungsprojektes mit einbringen können. In dem Forschungsprojekt hat ein Forschungsteam der Universität Hildesheim mit sechs weiteren niedersächsische Hochschulen zusammengearbeitet. Schoormanns Publikationen erschienen auf Tagungen und in Journalen, die in der Wirtschaftsinformatik eindeutig in den obersten Kategorien angesiedelt werden.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Dr. Thorsten Schoormann begeistert andere für wissenschaftliches Arbeiten

Über die Promotion hinaus fördert Dr. Thorsten Schoormann sehr erfolgreich den wissenschaftlichen Nachwuchs. Der Wirtschaftsinformatiker motiviert andere für wissenschaftliches Arbeiten und leitet Studierende fachlich sehr hochklassig an.

So wurden beispielsweise Arbeiten, die von Dr. Thorsten Schoormann und Professor Ralf Knackstedt betreut wurden, bereits zweimal mit dem Nachhaltigkeitspreis des „Green Office“ ausgezeichnet.

„Der digitale Wandel eröffnet neue Möglichkeiten, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln“

Interview mit Dr. Thorsten Schoormann

Herr Dr. Schoormann, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit dem Promotionspreis des Fachbereichs 4?

Ich freue mich sehr darüber. Aus inhaltlicher Sicht freue ich mich, dass eine Arbeit in der Schnittmenge von Geschäftsmodellen und nachhaltiger Entwicklung ausgezeichnet wurde, da das Thema derzeit sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich relevant ist und an der Universität Hildesheim spannende, interdisziplinäre Forschung dazu vorangetrieben wird. Persönlich freue ich mich natürlich, dass die vielen Stunden, die im Rahmen einer Promotion und insbesondere der Dissertationsschrift anfallen, noch einmal gewürdigt werden.

Mit welcher Forschungsfrage haben Sie sich in Ihrer Doktorarbeit auseinandergesetzt?

In meiner Arbeit habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie Werkzeuge und Ansätze für die Entwicklung, Visualisierung und Analyse von Geschäftsmodellen aussehen können, die nicht ausschließlich ökonomische Ziele verfolgen, sondern auch versuchen einen Beitrag für ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu erzielen. Wie kann man Teams bei der Entwicklung von Geschäftsideen dazu anregen, auch über nachhaltigkeitsorientierte Alternativen und Varianten nachzudenken? Die Wirtschaftsinformatik befasst sich bereits seit einigen Jahren mit der softwaregestützten Gestaltung von betrieblichen Prozessen, insbesondere mit Hilfe formaler Modellierungsansätze. Das Wissen in Bezug auf die Visualisierung und Modellierung wurde auf das Feld der Geschäftsmodelle übertragen, um dabei neue Ansätze in Richtung nachhaltiger Entwicklung zu erforschen. Meine Arbeit ordnet sich daher in die Themenschwerpunkte der visuellen Geschäftsmodellentwicklung und deren softwarebasierten Unterstützung sowie der multidimensionalen Nachhaltigkeit ein.

Was ist eine zentrale Erkenntnis Ihrer Forschung zu nachhaltigen Geschäftsmodellen und welche Chancen entstehen durch den digitalen Wandel?

Der digitale Wandel eröffnet neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle selbst aber auch für die Entwicklung und Gestaltung der Geschäftsmodelle. Auf der Ebene der Geschäftsmodelle können bspw. innovative Lösungen für das gemeinschaftliche Teilen von Produkten, das Nachvollziehen von Bedingungen innerhalb einer Lieferkette oder die Zugänglichkeit zu bestimmten Diensten wie Bildung gefördert werden. Dadurch ergeben sich etwa Chancen für soziale und ökologische Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung. In Bezug auf die Entwicklung entsprechender Modelle können u. a. softwarebasierte Assistenten zur Gestaltung und Reflexion von Geschäftsmodellen, Generatoren für das automatisierte Vorschlagen von Ideen oder Ansätze aus der Sprachverarbeitung zur Identifikation von aktuellen Trends und Anforderungen eingesetzt werden. In unseren Arbeiten haben wir uns vor allem mit der Entwicklungsperspektive befasst und Werkzeuge erprobt, die das kollaborative und kreative Gestalten von Geschäftsideen unter Berücksichtigung von nachhaltiger Entwicklung unterstützen.

Sie setzen sich zudem dafür ein, Studierende für wissenschaftliches Arbeiten zu motivieren. Was ist hier Ihr Ansatz?

Wir versuchen insbesondere im Master-Studium wissenschaftliche Werkzeuge und Methoden zu lehren und einzuüben, um den Studierenden das Handwerkzeug für ihre Seminare und Abschlussarbeiten aber auch für eine mögliche weitere Laufbahn in der Wissenschaft zu vermitteln. Dazu haben wir verschiedene Angebote wie zum Beispiel eine Vorlesung zu ‚Theorien und Forschungsmethoden‘ in der Sebastian Bräuer und ich über aktuelle Entwicklungen in der Wirtschaftsinformatik sprechen und dabei Erkenntnisse und Anekdoten aus der eigenen Forschung sowie von (internationalen) Konferenzen integrieren oder auch engere Zusammenarbeiten mit Studierenden bei denen ich unterstütze erste Paper-Projekte zu publizieren. Darüber hinaus binden wir Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens und Ergebnisse aus der Forschung in Veranstaltungen ein wie zum Beispiel bei ‚Geschäftsmodelle und Nachhaltigkeit‘ bei der ich gemeinsam mit Maren Stadtländer und Ralf Knackstedt regelmäßig größere Anpassungen vornehme, um die Aktualität hochzuhalten. Die Forschung an wissenschaftlichen Methoden selbst finde ich persönlich sehr spannend, arbeite selbst in verschiedenen, hochschulübergreifenden Teams daran und hoffe Einiges daraus den Studierenden zugänglich machen zu können.

Das Interview führte Isa Lange.