Studieren mit Kind: Wenn das Umfeld Verständnis zeigt, gelingt der Tag

Monday, 09. February 2015 um 16:20 Uhr

Die Regale in der Unibiliothek sind prima zum Verstecken, meint die vierjährige Astrid. Mit Pixibuch und Pferd im Rucksack und ihrem kleinen Bruder an der Hand stapft die Tochter von Carsten Kästner durch die Universität. Ihr Papa studiert in Hildesheim Informationstechnologie. Isa Lange traf die Drei auf dem Campus. Einblicke in den Alltag als Student mit Kindern.

Ein Tag im Leben von Carsten Kästner, IT-Student an der Universität Hildesheim: 5:20 Aufstehen, Wäsche, Frühstück, Kita, Uni bis 15:00 Uhr, Arztbesuch, Spielen, zurück in die Universität (im Bild mit seinen beiden Kindern), Abendbrot, Gute-Nacht-Geschichte, Haushalt. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Für Carsten Kästner beginnt der Tag um 5:20 Uhr. Seine Frau verlässt um 6:00 Uhr das Haus. Der Familienvater startet in den Tag – Wäsche für die Kleinen, Frühstück, los geht es zum Kindergarten, dann in die Universität. Bis etwa 15:00 Uhr dreht sich für den Hildesheimer IT-Studenten alles rund um Informationsmanagement und Informationstechnologie.

Nun folgen Behördengänge, Arztbesuche, ein Einkauf oder Spieltermine. Manchmal geht es zurück in die Universität: Kopieren, Bücher ausleihen, Sprechstunden bei Lehrenden.

Heute ist so ein Tag. Gefolgt von Papa stapfen die vierjährige Astrid und der dreijährige Jannis über die Wiese, durch die Flure am Samelson-Campus vorbei an den Büros der Mathematik- und Informatiklehrenden – ein Pferd und Pixibuch gucken aus dem Rucksack heraus, ein mobiles Spielzimmer, das man auch neben dem Kopierer zwischen IT-Büchern auspacken kann. „Die Mitarbeiter der Universität sind freundlich zu meinen Kindern und den Umständen. Wenn die Leseecke in der Unibibliothek langweilig wird und die Beiden der Meinung sind, die vielen tollen Regale seien prima zum Verstecken, hat es noch nie Ärger gegeben. Im Gegenteil: Die Mitarbeiter nehmen sich Zeit und reden mit ihnen", sagt Carsten Kästner. Vorurteile von Mitstudierenden oder Lehrenden habe er noch nicht zu hören bekommen. „Alle in meinen Umfeld akzeptieren es so wie es ist. Wenn im Kindergarten Ferien sind, habe ich meine Kinder im Schlepptau, da meine Frau in Hannover arbeitet, auch im Programmierpraktikum der Uni. Möglichst alle Lerntreffen mit Mitstudierenden finden bei mir statt – und mit den beiden Kleinen." Zum Abendbrot gehöre die Zeit immer der Familie, der 36-jährige IT-Student liest Gute-Nacht-Geschichten vor. „Danach erledigen meine Frau und ich zusammen den Resthaushalt bis in den späten Abend."

Eltern können einen Familienraum mit Spielecke und Arbeitsplatz am Uni-Hauptcampus, Vergünstigungen in der Mensa und Spielrucksäcke nutzen. Wie organisiert man als Vater den Studienalltag? „In über 90 Prozent der Fälle bekomme ich das Seminar, das ich brauche, um in den Kindergartenzeiten zu liegen“, sagt Kästner über die Vereinbarkeit von Studium und Familie. „Auch im Immatrikulationsamt hatte ich noch nie Probleme, wenn meine beiden Wirbelwinde ihre neugierigen Nasen um jeden Tresen gesteckt haben.“

Neulich habe in der Vorlesung von Mathematikprofessor Klaus-Jürgen Förster der Kindergarten angerufen: Jannis hat Fieber. „Als ich ihn eine Woche später im Flur traf, hat er sich erkundigt wie es meinen Sohn geht.“ Der Familienalltag sei nicht immer leicht, da die Kleinen mal einen dicken Kopf am Morgen haben – und schon ist der ganze Zeitplan hin, so der Student. Wenn das Umfeld Verständnis zeige, könne der Tag aber gelingen. Problematisch werde es, wenn Klausuren am frühen Abend oder am Samstag liegen.

Im Computerraum am Samelsonplatz: IT-Student Carsten Kästner mit Kindern. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Familiengerechte Hochschule

Die Universität Hildesheim hat sich nach der erfolgreichen Auditierung seit 2008 erneut für das Zertifikat familiengerechte Hochschule beworben. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Studium, Beruf, Pflege und Familie werden regelmäßig begutachtet und weiterentwickelt. So wurde zum Beispiel ein Familienraum am Hauptcampus für Beschäftigte und Studierende mit Kindern eingerichtet, zum Ruhen, Schlafen, Stillen, Essen und Arbeiten. Gemeinsam mit Studierenden hat das Gleichstellungsbüro den Raum mit Spielmöglichkeiten ausgestattet. Ein Schreibtisch mit Internetzugang, Fläschchenwärmer und Wickeltisch sind vorhanden.Das Sportinstitut bietet mit Lehramtsstudierenden ein Kindersportprogramm an.

Alle drei Jahre evaluieren externe Prüfer die Maßnahmen zur familiengerechten Hochschule. Eine Prüferin der Beruf und Familie GmbH führt im Februar an der Universität Interviews, um zu erfassen, inwieweit die familiengerechten Arbeits- und Studienbedingungen im Alltag angekommen sind, sagt die Projektmitarbeiterin Frauke Beuter. Hochschulmitglieder können sich an dem Re-Auditerungsprozess beteiligen und Ideen und Verbesserungsvorschläge einbringen (Termine wurden via Email verschickt). Informationen über das Audit familiengerechte Hochschule an der Universität Hildesheim und die aktuellen Ziele für die Jahre 2012 bis 2015 können Interessierte online auf der Seite des Gleichstellungsbüros einsehen. Bei Fragen ist Frauke Beuter gerne erreichbar (auditfgh[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-92156).

Lesetipp: Deutsche Welle über Eltern an der Universität Hildesheim. Die Journalistin Anke Witt hat sich an der Uni umgehört: Die spanische Doktorantin Ana María lehrt an der Universität Hildesheim. Nebenbei arbeitet sie an ihrer Doktorarbeit. Ihre Tochter Eva ist acht Jahre alt und geht in die zweite Klasse. (Beitrag vom 09.04.2014)