Software entwickeln

Friday, 02. October 2015 um 16:53 Uhr

Informatiker der Universität Hildesheim kooperieren in der Lehre mit Unternehmen aus der Region. IT-Studierende sammeln schon während des Studiums wertvolle Erfahrungen, wie Software entwickelt wird und lernen die Bedingungen für Apps und Systeme im „realen Leben“ kennen.

Im November kommen Studierende bei Bosch zusammen: Die jungen Programmiererinnen und Programmierer lassen ein Wochenende lang ihren Ideen in der Software- oder Hardwareentwicklung freien Lauf. IT-Studierende haben bereits im Praktikum eine App entwickelt, die Video-Aufnahmen mit den Karten- und Bewegungsdaten kombiniert und beides während der Fahrt im Auto anzeigt. Screenshot: Institut für Informatik Uni Hildesheim

Die Welt der Software-Entwicklung bewegt sich extrem schnell, sagt Professor Klaus Schmid. Daher sei ein „intensiver Austausch zwischen industrieller Software-Entwicklung und universitärer Lehre umso wichtiger“. Dies habe die Universität Hildesheim bereits seit längerem erkannt, daher gibt es bereits seit mehr als 15 Jahren den Arbeitskreis Informationstechnologie, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende mit mittlerweile mehr als 30 Unternehmen aus Hildesheim, Hannover und Umgebung zusammenkommen.

Klaus Schmid ist Informatiker, er forscht an der Universität Hildesheim zu der Frage, wie erfolgreich komplexe Anwendungen entwickelt und gestaltet werden können. Und er setzt dabei auf Kooperationen mit der Wirtschaft. Im Sommersemester haben die Wissenschaftler zum Beispiel die Lehre im Bereich „Software Engineering“ durch Praxiskooperationen angereichert.

In der Veranstaltung „Grundlagen des Softwaretestens“ konnten Studierende bei den Lehrbeauftragten Dirk Herrmann und Uwe Walkling, die für dieses Gebiet auch bei der Robert Bosch GmbH verantwortlich sind, von den praxisnahen Einsichten und Erfahrungen der Dozenten profitieren. Sie kombinierten die praktische Durchführung mit den theoretischen Grundlagen. „Besonders belebt hat die Veranstaltung, dass sowohl die Studenten als auch wir Dozenten von eigenen Erfahrungen berichten und den vorgestellten Methoden gegenüberstellen konnten”, sagt Dirk Herrmann.

Im „Projektpraktikum“ arbeitete die Universität dieses Mal mit Bosch SoftTec zusammen. IT-Studierende haben sich im Sommersemester mit „agilen Software-Entwicklungsmethoden“ auseinandergesetzt und ihre technischen Kenntnisse ausgebaut. Dabei konnten sie eine Plattform des Unternehmens nutzen: „mySPIN“ ist eine App-Plattform für Fahrzeuge und erlaubt dem Fahrer so die Bedienung von Apps auch während des Betriebs des Fahrzeugs. Das Unternehmen hat den Studierenden eine Software- und Hardware-Referenzplattform bereitgestellt. Eine von den Studierenden entwickelte App kombiniert zum Beispiel Video-Aufnahmen mit Karten- und Bewegungsdaten und zeigt beides während der Fahrt an. Zugleich wird alles aufgezeichnet und man kann somit später eine Fahrt komplett nachvollziehen. Darüber hinaus gab es regelmäßige Treffen, um Zwischenergebnisse abzunehmen und die nächsten Entwicklungsschritte zu besprechen. Durch den kurzen Draht konnten auch technische Schwierigkeiten, die mit solch innovativen Plattformen auftreten können, schnell geklärt werden. „Die Studierenden haben gezeigt, wie man mit Motivation und Spaß beim Entwickeln zu jeder Herausforderung auch die passende Lösung findet“, sagt Robin König. Konzeptionell unterstützt wurde das Praktikum auch durch Dietmar Meister. Der Produktbereichsleiter der Bosch SoftTec GmbH hat sich über den Erfolg der Studierenden informiert und sich ein eigenes Bild bei der Endabnahme gemacht. „Das Praktikum hat perfekt das Trainieren von Software Entwicklungsmethoden mit der prototypischen Produktentwicklung kombiniert. Die Studierenden haben in den 4 Wochen viel gelernt und ein respektables Ergebnis abgeliefert“, so Dietmar Meister.

Auch für die Studierenden war das Praktikum ein besonderes Erlebnis. „In dem Praktikum haben wir gelernt, als Team zu agieren und gemeinsam ein spannendes Projekt zu realisieren“, sagt die IT-Studentin Lea Gerling. Die Ergebnisse aus dem Praktikum stellen die Studierenden Ende Oktober auch der Hochschulöffentlichkeit in einem realen Fahrzeug vor.

Im Wintersemester 2015/16 setzen die Informatiker die Zusammenarbeit fort: Mit Bosch SoftTec startet die Hildesheimer Arbeitsgruppe „Software Systems Engineering“, gemeinsam mit weiteren Hochschulen in der Region, ein „Hackathon“ zum Thema „Connected Mobility“. Bei einem Hackathon – eine Kombination der Wörter „hacken“ und „Marathon“ – arbeiten Programmierer ein Wochenende lang an einem Projekt in der Software- oder Hardwareentwicklung, dabei lassen sie ihrer Kreativität freien Lauf und setzen eigene Ideen um. Der Hackathon in Hildesheim findet vom 13. bis 14. November 2015 statt. Er steht allen Studierenden offen. Dabei können Studierende auch auf die App-Plattform für Fahrzeuge zurückgreifen. Die Gewinner des Hackathons werden Gelegenheit haben, ihr Ergebnis dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies und dem Hildesheimer Oberbürgermeister Ingo Meyer sowie weiteren Vertretern von Industrie, Politik und Hochschulen aus der Region vorzustellen.