Nicht Wald sondern Weitsicht

Monday, 30. September 2013 um 09:45 Uhr

Heidegebiete, Grasland, Küstenlandschaften, Äcker, Moore – wie kann in solchen „offenen Landschaften“ Natur geschützt werden und wie laufen ökologische Prozesse ab? Damit befassen sich rund 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 25 Ländern auf der internationalen Tagung „Open Landscapes 2013 – Ecology, Management and Nature Conservation“ an der Universität Hildesheim.

Was die Forscher untersuchen – Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras nennt Beispiele: „Wir befassen uns etwa mit der Entstehung von Offenlandschaften, welche Rolle große Weidetiere dabei spielen und wie invasive Arten Lebensräume gefährden oder welche Auswirkungen durch den Klimawandel zu erwarten sind. Dabei geht es nicht nur Lebensräume in Deutschland oder Europa gehen, sondern auch um Ökosysteme in den Tropen und Subtropen“ Die Juniorprofessorin für Ökologie und Umweltbildung der Universität Hildesheim leitet die Konferenz. Sie fordert den Erhalt von Offenlandschaften und ein angepasstes Management-Konzept für die unterschiedlichen Habitattypen.

Im Mittelpunkt der Tagung (Programm) stehen alle offenen Landschaftstypen wie etwa Küstenökosysteme, Heidegebiete oder Trockenrasen. Wer ist für die Pflege dieser Landschaftstypen verantwortlich und welches Management ist geeignet? Die 250 Wissenschaftler aus über 25 Ländern befassen sich mit Herausforderungen in den Bereichen der Ökologie und angewandtem Naturschutz. Die Konferenz wird in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Ökologie, dem Naturschutzbund Niedersachsen, der European Dry Grassland Group und der Society for Ecological Restoration - European Chapter organisiert.

An der Universität Hildesheim leitet Jasmin Mantilla-Contreras zwei Juniorforschergruppen mit sechs Doktoranden, die sich mit Offenlandschaften – einem Feuchtgebiet in Madagaskar und beweideten mediterranen Ökosystemen in Sardinien – befassen. Die Juniorforscher reisen zum Forschungsaufenthalt regelmäßig nach Madagaskar – eine der Forschergruppen entwickelt am Alaotra-See bis 2015 mit der Bevölkerung vor Ort Strategien zum Erhalt der biologischen Vielfalt an dem größten Süßwassersee Madagaskars. Das Feuchtgebiet wird durch Bevölkerungszunahme, eingeschleppte Arten und Übernutzung der natürlichen Ressourcen stark bedroht. Neben ökologischen Untersuchungen und nachhaltigen Nutzungskonzepten soll die Umweltbildung vor Ort gestärkt werden. Studierende aus dem Master „Umweltwissenschaft und Naturschutz“ und Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim wirken mit Masterarbeit in dem Forschungsprojekt mit und nehmen an einem Feldaufenthalt teil.

Erstmals stellen die Forscher Ergebnisse aus den beiden Juniorforschergruppen auf der Tagung vor. „Der Alaotra-See in Madagaskar ist inzwischen stark degradiert und die endemischen Arten des Gebietes sind stark gefährdet. In einem Nationalpark auf Sardinien ist die Biodiversität durch Überweidung von ausgewilderten Nutztieren gefährdet. Dennoch konnten die Juniorforscher in den ersten Monaten der Projekte erste Lösungsstrategien entwickeln“, sagt Mantilla-Contreras. Auf der Konferenz stellen auch Studierende des Studienganges „Umweltwissenschaft und Naturschutz“ ihre Forschungsfragen hinsichtlich Management und Schutz von Offenlandschaften vor. Zum Studium gehört auch ein Freilandpraktikum auf der Wernershöhe, einem unter Naturschutz stehenden Trockenrasen nahe Hildesheim.

Die Wissenschaftler tagen vom 29. September bis 03. Oktober erstmals an der Universität Hildesheim. Die Tagung ist kostenpflichtig, eine Anmeldung kann auch vor Ort erfolgen. Mitarbeiter und Studierende der Uni Hildesheim zahlen einen reduzierten Beitrag.