Campus unter Strom: Carsharing mit Elektroautos

Tuesday, 25. August 2015 um 17:45 Uhr

Seit fast zwei Jahren erprobt die Universität Hildesheim die Alltagstauglichkeit von Carsharing mit Elektroautos. Nach Feierabend und am Wochenende können Uni-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Autos privat nutzen, tagsüber greifen weitere Beschäftigte auf die Fahrzeuge zurück. Über ein Webportal erfolgen die Buchungen. Auf den Erfahrungen aus dem „innerbetrieblichen Carsharing" können Pflegedienste, Taxiunternehmen oder Nachbarschaftsverbünde im ländlichen Raum aufbauen.

Wissenschaftler des Instituts für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik untersuchen, wie elektrisch betriebene Fahrzeuge auf Hildesheimer Straßen zum Einsatz kommen. An der Universität untersuchen sie seit Oktober 2013 im Verbundvorhaben „e-Autarke Zukunft" ein innerbetriebliches Carsharing mit Elektrofahrzeugen. Dabei wird das Fahrzeug zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer geteilt. Zurzeit stehen für das „Tandem"-Modell fünf Elektrofahrzeuge den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Universität zur Verfügung. Ein Tandempartner kann dabei das Auto für die private Nutzung nach der Arbeit und am Wochenende verwenden, erzählt Olexander Filevych. Während der Arbeitszeit steht das Elektrofahrzeug anderen Beschäftigten der Universität für die dienstliche Nutzung bereit, zum Beispiel um vom Kulturcampus zu einem Termin in die Innenstadt zu gelangen. Die anfallenden Gesamtkosten werden geteilt.

„Die Begeisterung für die leisen, umweltfreundlichen und durchaus agilen Fahrzeuge ist groß. Zwei unserer fünf Fahrzeuge werden an einem Solarcarport geladen“, sagt Filevych. Über ein Internetportal kann man einsehen, wie viel Energie erzeugt wird und wie viel Energie das Auto zu welcher Tageszeit verbraucht hat. Auch die dienstliche Nutzung hat seit Oktober 2013 stark zugenommen. Mittlerweile sind rund 100 Nutzer – das sind etwa 14% aller Beschäftigten – im eigens entwickelten Buchungsportal angemeldet. „Die Elektromobilität kommt also gut an und das mit großen Schritten“, meint Filevych.

Um Elektromobilität in die Breite zu tragen, sucht die Arbeitsgruppe um Professor Helmut Lessing zurzeit Organisationen, Unternehmen und Einrichtungen, die das Carsharing-Modell mit Elektrofahrzeugen als Partner der Universität Hildesheim testen. Die Forschung ist Teil der im Juni ausgeschriebenen Förderrichtlinie Elektromobilität.

Die Wissenschaftler konzentrieren sich dabei auf die Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität im Landkreis Hildesheim. Nach Auslauf des Projekts soll ein Start-up die Betreuung, Buchung und Abrechnung der Fahrzeuge und Beratungsdienste übernehmen. Das Ziel der Forscher: Sie wollen Elektromobilität aus Hildesheim nun in die weiteren Landkreise in Niedersachsen tragen. Dabei erhalten die Wissenschaftler viele Rückmeldungen von interessierten Privatpersonen, die Elektroautos bereits nutzen oder nutzen möchten sowie von Betrieben, etwa Reinigungsunternehmen und Pflegedienste. Nach einem Aufruf in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung meldeten sich unmittelbar ein Dutzend interessierte Betriebe und Familien.

Und wie reagieren Menschen auf die neue Technologie? In einem weiteren Projekt ist Britta Reinecke beteiligt, in einem Wohngebiet am Moritzberg untersucht sie die Akzeptanz von neuer Energietechnik. Die Sozialwissenschaftlerin erfasst, wie akzeptiert Elektromobilität und Energietechnik, wie Elektroautos genutzt und geteilt werden. Ändert sich dadurch das Mobilitätsverhalten? Die Hildesheimer Wissenschaftlerin untersucht, welche Erfahrungen die Bewohner nach dem Einzug in den Bereichen Technik, Energie, Mobilität sammeln.

Wer Interesse an einer Kooperation hat, kann die Forscher kontaktieren. Auch Privatpersonen sind willkommen an dem Elektroauto-Projekt teilzunehmen, denn in Zukunft könnten sich auch mehrere Familien zusammen tun, um die Nutzungskosten des Elektrofahrzeugs somit untereinander zu teilen. Dabei steht insbesondere der ländliche Raum im Fokus. Kontakt zu den Forschern: Prof. Helmut Lessing (Tel. 05121 883 40512; E-Mail: lessing@cs.uni-hildesheim.de) oder Olexander Filvych (Tel. 05121 883 40644; E-Mail: filevy@uni-hildesheim.de).

Mit Elektrofahrrädern über den Universitätsplatz. Foto: Marian Schrader/Uni Hildesheim

Elektrofahrräder an der Universität

Seit dem Frühjahr stellen die Forscher um Professor Helmut Lessing vier Elektrofahrräder (Pedelecs) für Dienstfahrten innerhalb der Kernarbeitszeit kostenfrei zur Verfügung. Wie schon bei den Elektroautos sind auch die Fahrräder wieder einem Tandem-Partner zugeordnet. Gegen einen kleinen Beitrag von voraussichtlich zwanzig Euro im Monat können die Tandem-Nutzer die Pedelecs auch nach Feierabend privat nutzen. Die Forscher der Uni Hildesheim untersuchen nun, ob die Elektrofahrräder in Unternehmen dazu führen können, dass die Umwelt geschützt wird, weil sie Autos ersetzen. Erste Erfahrungen zeigen, dass im Kurz- bis Mittelstreckenbereich das Auto problemlos stehen gelassen werden kann. Erste Langstrecken-Testfahrten der Hildesheimer Arbeitsgruppe  haben ergeben, dass im Hildesheimer Raum eine Streckenlänge von max. 50 km bei mittelstarker Unterstützungsleistung zurück gelegt werden kann, wenn nicht zwischengeladen wird.  „Es besteht also ein hohes Potential für Pendler im Mittelstreckenbereich“, so das Fazit der Forscher.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)


Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Hildesheim nutzen die derzeit fünf Elektroautos im Tandem, der Heimweg variiert von wenigen bis zu 90 Kilometer. Fotos: Marian Schrader/Uni Hildesheim (Auto), Isa Lange