Das Phänomen Hate Speech und seine Erkennung durch KI: interdisziplinär – international – erklärbar? (HASeKI)

Projektbeschreibung

Förderung: MWK Niedersachsen, Programm Zukunftsdiskurse

Laufzeit: 2020-2021

Partner

Dr. Jaki
Prof. Dr. Schünemann
Prof. Dr. Heid
apl. Prof. Dr. Mandl
Universität Hildesheim

Hate Speech als ungezügeltes Kommunikationsverhalten, als ruppige Ausdrucksweise, als hochgekochte Emotionen (Hass) – diese Sichtweise ist weit verbreitet. Sie erfasst aber nur einen Teil des Phänomens: Zur aktuellen gesellschaftlichen Verunsicherung trägt bei, dass Hasskriminalität in Verbindung mit politischer Propaganda steht, die, insbesondere im rechten Spektrum, gezielt und organisiert eingesetzt wird um das Bild bestimmter Bevölkerungsgruppen nachhaltig zu schädigen, sei es durch gezielte Stereotypisierung, Entmenschlichungsmetaphern o. Ä.. Hassrede steht im Verdacht, das politische Diskursklima im Land nachhaltig zu beschädigen und den Boden für gewaltsame Angriffe auf Politiker*innen, aber auch Minderheiten zu bereiten. Vor diesem Hintergrund greifen Regulierungsforderungen stark um sich. Gegenmaßnahmen gegen hasserfüllte Kommentare im Netz scheinen gerade in der politischen Debatte notwendig. Gleichzeitig kommt auch dieses Schutzbedürfnis nicht ohne Risiko, denn gerade die politische Rede ist vor regulierenden Eingriffen besonders geschützt und stellt das zentrale Schutzziel der Meinungsfreiheit dar. Der Umgang mit Hate Speech im Netz rührt somit an grundlegende Fragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und unserer politischen Ordnung, die im Dialog mit der Bevölkerung explizit thematisiert werden müssen.

Durch die Kooperation der Antragsteller aus Informationswissenschaft, Computerlinguistik, Sprachwissenschaft und Politikwissenschaft sowie im Austausch mit weiteren Fächern wird ein breit angelegter interdisziplinärer und internationaler Dialog auf den Weg gebracht, welcher den aktuellen Stand der Forschung sammelt und bewertet. Diskutiert werden soll zudem, wie die Leistungsfähigkeit automatischer Verfahren zur Hate-Speech-Erkennung besser analysiert sowie erklärt und transparent gemacht werden kann. Dies ist eine Grundvoraussetzung für die bessere Diskussion mit der Zivilgesellschaft. In zwei Fachtagungen soll jeweils eine internationale und interdisziplinäre Fachdiskussion geführt werden, als auch die Zivilgesellschaft erreicht werden.

In der Arbeitsphase zwischen den Tagungen werden Materialien für die Vermittlung von Kompetenz im Themenbereich erarbeitet, es werden die Benchmarks analysiert und ausgewertet und es wird eine Webseite zur Schaffung von Transparenz bezüglich aktueller Klassifikationsverfahren entwickelt und online gestellt.