Universität Hildesheim - Meldungen - Fachbereich 3 https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Fachbereich 3 de-de Stiftung Universität Hildesheim Sun, 08 Dec 2019 21:53:34 +0100 Sun, 08 Dec 2019 21:53:34 +0100 TYPO3 EXT:news news-17969 Tue, 03 Dec 2019 21:37:00 +0100 Leseforscherin Prof. Irene Pieper im DLF-Interview zur PISA-Studie https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/leseforscherin-prof-irene-pieper-im-dlf-interview-zur-pisa-studie/ Die Lese- und Medienkompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler ist bei der PISA-Studie schlecht weggekommen, in einem Interview mit dem DEUTSCHLANDFUNK spricht Professorin Irene Pieper über die Lesekompetenz. Die Leseforscherin des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim hat sich auf Leseforschung und Lesedidaktik spezialisiert. Deutschlandfunk
Interview mit Prof. Dr. Irene Pieper
3. Dezember 2019

Die repräsentative PISA-Studie untersucht alle drei Jahre, wie gut Jugendliche zum Ende ihrer Pflichtschulzeit grundlegende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften in alltäglichen Situationen anwenden können. Dieses Mal lag der Schwerpunkt auf der Lesekompetenz.

Den Befund, dass jeder fünfte Jugendliche nicht einmal auf Grundschulniveau lesen kann, kommentiert Professorin Irene Pieper vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim im Interview mit dem DEUTSCHLANDFUNK: „Was sich hier verdichtet, ist ein Problem, das wir seit Längerem intensiv bearbeiten, aber noch nicht wirklich gelöst haben. Ich würde sagen, was insbesondere bedenklich stimmen muss, ist, dass der Anteil der sehr schwachen Leser so hoch ist, und da müssen wir einfach weiter arbeiten. Da gehen die Scheren auseinander.“

Im DLF-Interview macht Irene Pieper deutlich, dass das Wissen darüber, wie man Lesen fördern kann durch die Schullaufbahn hinweg, von der Primarstufe angefangen über die Sekundarstufe eins bis möglicherweise dann zum Abitur, in großem Umfang vorhanden ist. „Es gibt aber Situationen in Schulen, wo man merkt, dass es trotz dieses Wissens an anderen Dingen fehlt.  Unter anderem fehlt es schlicht an den Lehrkräften, die kontinuierlich dafür sorgen können, dass im Deutschunterricht – und der ist  insbesondere gefordert, wenn auch nicht alleine – die Angelegenheiten vorangebracht werden können", so Pieper.

Prof. Dr. Irene Pieper forscht seit vielen Jahren in den Bereichen Literarische Kompetenz und ihr Erwerb, Kommunikation im Literaturunterricht, Leseforschung und Lesedidaktik, Profession und Deutschunterricht und Lese- und Literarische Sozialisation.

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum Forschung Pressemeldungen Startseite
news-17927 Sun, 01 Dec 2019 09:35:00 +0100 Eröffnung des Graduiertenzentrums und Promotionsfeier https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/eroeffnung-des-graduiertenzentrum-und-promotionsfeier/ In dieser Woche hat die Universität Hildesheim das neue Graduiertenzentrum eröffnet. Das Graduiertenzentrum unterstützt die Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren der Universität Hildesheim durch ein breites Spektrum an Angeboten zu Qualifizierung, Finanzierung und Beratung. Zudem wurden während der Promotionsfeier 60 Personen, die ihre Promotion seit Herbst 2018 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben, feierlich gewürdigt. Die Angebote des Graduiertenzentrums zu Qualifizierung, Finanzierung und Beratung sind überfachlich ausgerichtet und orientieren sich an den Bedarfen der Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren.

Die fächerübergreifende Serviceeinrichtung stellt unter anderem Informationen bereit, fördert den Austausch und macht Qualifizierungsangebote zu Themen wie zum Beispiel „Publikationsstrategien“, „Forschungsdatenmanagement“ oder „Forschungsethik und Forschungs-verantwortung“.

„Das Graduiertenzentrum ist Teil der Minerva-Entwicklungsplanung der Universität. Wir freuen uns, dass wir mit dem Festakt unsere Arbeit aufnehmen können. Die Geschäftstelle des Zentrums wird Dr. Svea Korff inne haben. Das Zentrum sollte zum Ort und zur Plattform für die verschiedenen Gruppen des wissenschaftlichen Nachwuchses werden. Mit dem Thema des Eröffnungsvortrages, der die vielfältigen Wege in die Wissenschaft fokussiert, wird auch an das Leithema „Diversität“ der Universität angeknüpft“, sagt Professorin Meike Sophia Baader, Vizepräsidenten für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs.

Anlässlich der Eröffnung des Graduiertenzentrums dankt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich der Vizepräsidentin für ihren Einsatz. „Professorin Baader hat die Frage, wie wir mit der Graduiertenförderung umgehen, früh auf die Agenda ihrer Vizepräsidentschaft gesetzt. Das Graduiertenzentrum ist ein Bestandteil unserer Entwicklungsplanung. Diejenigen, die Doktorandinnen und Doktoranden betreuen, möchte ich ermuntern, an diesem Projekt der Universität teilzunehmen.“

Den Festvortrag während der Feierstunde hielt Dr. Anja Franz vom Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg zum Thema „Viele Wege führen zum Ziel: Qualifizierung in und für die Wissenschaft“. Der Doktortitel ist beliebt in Deutschland, nirgendwo sonst außer in den USA werden mehr Doktortitel vergeben. Die Wissenschaftlerin sprach unter anderem über kritische Ereignisse in der Promotionszeit. Man muss nicht glauben, dass das alles reibungslos verläuft, die Schwierigkeiten reichen von Bearbeitungsproblemen über die Strukturierung – wie schaffe ich es, die Promotion in meinen Arbeitsprozess zu integrieren? – bis zu Betreuungsproblemen, so Franz. Sie machte zudem deutlich, dass auf dem Weg zur Professur „der Flaschenhals dünner wird“.

Der Erziehungswissenschaftler Jonas Ringler  sprach über die „Perspektive der Promovierenden“ und die spezifischen Herausforderungen in der Promotionsphase. Er ist Mitglied der Konferenz der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein Beirat aus externen und internen Mitgliedern begleitet die Arbeit des Graduiertenzentrums. Nach zwei Jahren erfolgt eine Evaluation.

Ihre Ansprechpartnerin in der Geschäftsstelle des Graduiertenzentrums: Dr. Svea Korff 

Wer Fragen zum Graduiertenzentrum hat, erreicht Dr. Svea Korff (korffs@uni-hildesheim.de) in der Geschäftsstelle des Graduiertenzentrums. Dr. Svea Korff hat sich in Ihrer Doktorarbeit mit „Abbruchgedanken von strukturiert Promovierenden“ befasst, sie ist zudem Sprecherin des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim.

Broschüre „Perspektive Promotion“ enthält Informationen zum Promovieren an der Universität Hildesheim

Zur Eröffnung des Zentrums erschien auch eine Broschüre „Perspektive Promotion“, die Informationen zum Promovieren an der Universität Hildesheim enthält und bei Dr. Svea Korff (korffs@uni-hildesheim.de) oder Markus Weißhaupt (markus.weisshaupt@uni-hildesheim.de) zu erhalten ist.

Weitere Informationen über das Graduiertenzentrum

Promotionsfeier: 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im vergangenen Jahr ihre Promotion erfolgreich abgeschlossen haben, wurden gewürdigt

Am gleichen Tag kamen etwa 110 Ehrengäste und Gäste während der Promotionsfeier der Universität Hildesheim  zusammen. 60 Personen, die ihre Promotion zwischen Oktober 2018 und Oktober 2019 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben, wurden gewürdigt. Gleichzeitig geht ein herzlicher Dank an die Professorinnen und Professoren, die die Promotionen mit viel Engagement begleitet haben.

In diesem Jahr richtete das Dekanat des Fachbereichs 1 „Erziehungs- und Sozialwissenschaften“ die fachbereichsübergreifednde Promotionsfeier aus. Den Festvortrag hielt der renommierte Kognitionswissenschaftler und Leibniz-Preisträger Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Prinz, der bis zu seiner Emeritierung Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig war. Er sprach zum Thema „Bewusstsein erklären – wie geht das?“.

„Eine Promotion ist immer ein Highlight an einer Universität. Im Rahmen von Promotionen leisten die jungen Kolleginnen und Kollegen maßgebliche Beiträge zur Forschung in ihrem Fach. Eine Promotion stellt die Grundlage für eine wissenschaftliche Karriere dar. Auch außerhalb der Wissenschaft demonstriert ein Doktortitel, dass sich die betroffene Person intensiv mit einem Forschungsgegenstand auseinandergesetzt hat und hervorragend qualifiziert ist. Wir freuen uns über jeden, der die Phase der Promotion erfolgreich zu Ende gebracht hat und gratulieren im Namen der Universität“, sagt Professor Christina Bermeitinger, Dekan des Fachbereichs 1.

„An dieser Stelle danke ich allen sehr herzlich, die unsere jetzt Promovierten begleitet haben, die sie wissenschaftlich inspiriert,motiviert, unterstützt und betreut haben; Dank geht auch an diejenigen, die mit den Prozessen der Promotionen hier an der Universität zu tun hatten und von dieser Seite aus – in den Dekanaten, den Promotionsausschüssen und eventuell an weiteren Stellen – Begleitung waren; und Dank geht an diejenigen, die Rückhalt gegeben haben, in welcher Form auch immer, und Forschung dadurch ermöglicht wurde“, so Prof. Christina Bermeitinger.

Ein breites Spektrum unterschiedlicher Themen wurde in den Doktorarbeiten bearbeitet zum Beispiel:

  • „Konstruktion, Normierung und Validierung eines allgemeinen Entwicklungstests für Kinder unter 3 Jahren“
  • „Eine empirische Untersuchung zur Planung und Durchführung statistischer Untersuchungen von Lernenden aus 9ten und 10ten Schuljahrgängen
  • „Gott und die Welt in Szene gesetzt. Idiote de mente und De visione Dei als zwei der philosophischen Inszenierungen des Nikolaus von Kues“
  • „Prozessorientierte Visualisierung im Patent-Retrieval“
  • „Case-Factories: Maintenance Cockpit for distributed Case-baised Reasoning Systems“
  • „Developing Suastainability-Oriented Business Models – Foundations, Modeling Apporaches and Software Support“
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news-17897 Mon, 25 Nov 2019 09:22:00 +0100 Experiment in Hildesheim – Woyzeck auf der Bühne in drei Sprachen: Inklusives Theater https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/experiment-in-hildesheim-woyzeck-auf-der-buehne-in-drei-sprachen-inklusives-theater/ Das Theaterhaus Hildesheim und die Universität Hildesheim erstellen momentan die Theaterinszenierung „WOY“. Das Stück in Hildesheim wird in drei Sprachen aufgeführt: in Deutscher Gebärdensprache, in Schriftsprache und Lautsprache. Die Erstaufführung des Theaterstücks ist am Samstag, 30. November 2019. Das Theaterhaus Hildesheim und die Universität Hildesheim erstellen momentan die Theaterinszenierung „WOY“, einer inklusiven Interpretation des „Woyzeck“ von Georg Büchner. Das Drama „Woyzeck“ ist ein literarisches Fragment, eine unvollständige Erzählung über einen Mann namens Franz Woyzeck. Er wird von einem Arzt für Experimente ausgenutzt, wird mit der Zeit wahnsinnig und bringt schließlich seine Freundin Marie, Mutter eines Säuglings, um, wofür er am Ende geköpft wird. Auf der Metaebene geht es darum, wie sehr ein Mensch die Kontrolle über sein Leben besitzt oder von seiner „Natur“ gelenkt wird. Verantwortlich für die Fassung und das Konzept sind die Regisseurin Manuela Hörr sowie die Dramaturgin und Co-Regisseurin Nicola Bongard.

Das Stück in Hildesheim wird in drei Sprachen aufgeführt: in Deutscher Gebärdensprache, in Schriftsprache und Lautsprache. Damit können Menschen mit und ohne Hörschädigung das Stück gleichermaßen verfolgen. Aber auch auf der Bühne ist mit dem gehörlosen Jörg Apel als einem der zwei Schauspieler des Woyzeck und hörenden Schauspieler*innen ein diverses Ensemble vertreten.

Nicht nur die Aufführungen, auch die Kommunikation während der Proben findet mit Gebärdensprachdolmetscherinnen statt.

Studentinnen und Studenten aus dem Bereich Medienübersetzen produzieren Übertitel

Der schriftliche Teil bei „WOY“ wird von Studentinnen und Studenten des Masterstudiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ in Form von Übertiteln umgesetzt, die Textfassung in Teilen auf die Bühne holen. Diese Übertitel erstellen die Studierenden parallel zu den Proben im Seminar „Inklusives Theater“, das Nathalie Mälzer, Professorin an der Universität Hildesheim, gemeinsam mit Jeffrey Döring leitet.

Die Übertitel sind ebenso wie die Gebärden und der gesprochene Text gleichwertiger Bestandteil der Inszenierung. Das Team um Professorin Mälzer arbeitet seit mehreren Jahren daran, Übertitel im theatralen Bühnenraum ästhetisch, lesbar und verständlich zu platzieren.

Ins Bühnenbild integrierte und stets bewegliche Übertitel sichern das Verständnis

„Die ins Bühnenbild integrierten, stets beweglichen Übertitel sind der gemeinsame Nenner für alle Zuschauer*innen des Stücks: sie sichern das Verständnis für hörende, schwerhörige und gehörlose Menschen, indem sie abwechselnd aus der Lautsprache und aus der Gebärdensprache übersetzen. Damit die Übertitel im Bühnenbild stets gut wahrnehmbar bleiben, muss in jeder Szene auf das genaue Timing, den Ort der Projektion und die Lichtverhältnisse geachtet werden. Während etwa die Gebärden gut ausgeleuchtet sein müssen, verblassen Übertitel bei zu viel Licht. Hier ist höchste Präzisionsarbeit bei der Einrichtung und beim Fahren der Übertitel gefordert: von den Übertitler*innen, aber auch von der Lichttechnik und von den Schauspieler*innen, die mit den Übertiteln interagieren“, sagt Professorin Nathalie Mälzer.

Die Erstaufführung findet am Samstag, 30. November 2019, um 20 Uhr statt. Weitere Aufführungen sind am 1., 2. und 3. Dezember 2019, jeweils um 19 Uhr. Außerdem wird WOY im März 2020 im LOT in Braunschweig gezeigt. Die Stiftung Niedersachsen fördert die Kooperation von Theaterhaus und Universität Hildesheim zur Erstellung und Durchführung des inklusiven Theaterstücks WOY.

Kurz erklärt:

Inklusives Theater: Forschung zu Übertiteln in Theaterhäusern

Ein Team um Professorin Nathalie Mälzer entwickelt seit 2015 Übertitel für Theaterstücke. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim produzieren Hildesheimer Studentinnen und Studenten des Studiengangs „Medientext und Medienübersetzen“ Texte für den Bühnenraum. Die Ergebnisse der Hildesheimer Forschung sind für Theaterhäuser in Deutschland relevant.

In Deutschland gibt es zwar einige Theater- und Opernhäuser, die bei fremdsprachlichen Inszenierungen Übertitel in anderen Sprachen anbieten. Oben über der Bühne befindet sich dann oft eine dezente LED-Leiste, über die Texte dargestellt werden. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft findet man so gut wie keine Übertitel für Menschen mit Hörbehinderung, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Die Professorin für Übersetzungswissenschaft entwickelte bereits in der Vergangenheit mit Studentinnen und Studenten und Kooperationspartnern Übertitel für Theaterstücke, die sich an Gehörlose, Schwerhörige und Hörende richten.

In den Projekten kommt als kommunikatives Element der „Übertitel“ zum Einsatz: Worte werden im gesamten Bühnenraum projiziert. Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes. Die Hildesheimer Übertitel sind auf den Bühnen keine Fremdkörper, sie sind Teil des Bühnenbildes, manche Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus. Die ganze Theaterbühne wird zu einer Projektionsfläche, die Übertitel haben nicht bloß die Funktion, dass die Zuschauer mit einer Hörbehinderung den Inhalt verstehen. Sondern die Übertitel sind auch als ästhetisches Element in den Bühnenraum eingebunden.

Professorin Nathalie Mälzer untersucht in Rezeptionsstudien, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Inwiefern stoßen die Hildesheimer Übertitelungskonzepte bei Jugendlichen und Erwachsenen auf Akzeptanz, verstehen gehörlose Jugendliche und Erwachsene das Theaterstück besser?

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Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Forschung Pressemeldungen Startseite
news-17721 Tue, 05 Nov 2019 11:14:00 +0100 Wissenschaftswettstreit: Science Slam an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wissenschaftswettstreit-science-slam-an-der-universitaet-hildesheim/ Die Universität Hildesheim lädt einmal im Jahr zum beliebten Wettstreit der Wissenschaften ein. Auf der Bühne des „Science Slam" geben vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachdisziplinen Politikwissenschaft, Literatur, Sprachwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft Einblicke in ihre Forschung. Es treten an: Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Dr. Christine Lötscher, Prof. Dr. Kristin Kersten und Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis. Die Universität Hildesheim lädt einmal im Jahr zum beliebten Wettstreit der Wissenschaften ein. Auf der Bühne des „Science Slam" gaben am 5. November 2019 vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachdisziplinen Politikwissenschaft, Literatur, Sprachwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft Einblicke in ihre Forschung. Der Eintritt ist frei und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.

Es traten an:

  • Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Fachbereich 1
    Institut für Sozialwissenschaften – Politikwissenschaft

  • Dr. Christine Lötscher, Fachbereich 2
    Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft

  • Prof. Dr. Kristin Kersten, Fachbereich 3
    Institut für Englische Sprache und Literatur

  • Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis, Fachbereich 4
    Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik

„Ich finde das Format ‚Science Slam‘ sehr gut, denn es bringt die Universitätsangehörigen über Fächer, Disziplinen und Statusgruppen hinweg in großer Zahl zusammen. Die aktive Teilnahme als Vortragender ergibt sich daraus noch nicht zwingend, aber sie wird dadurch sehr begünstigt. Meine Kernbotschaft: Internet und Staat passen einfach nicht zusammen, oder doch? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Genau deshalb möchte ich sie in meinem Vortrag untersuchen. Am Ende aber müssen die Gerichte entscheiden“, sagt Professor Wolf Schünemann.

Dr. Christine Lötscher nimmt am Science Slam teil, „weil Wissenschaft Vermittlung braucht, um ihre gesellschaftliche, kulturelle Relevanz auch ins Spiel bringen zu können. Das gilt insbesondere für die Geisteswissenschaften.“ Die Botschaft der Literaturwissenschaftlerin beim Sceince Slam wird folgende sein: „Wir verstehen unsere Kultur viel besser, wenn wir uns mit Kinder- und Jugendmedien auseinandersetzen.“

Die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Kristin Kersten bringt auf den Punkt, was sie beim Science Slam vermittlen wird: „Sprachenlernen kann Leben retten!“ Die Forscherin wird darüber sprechen, was wir wirklich über bilinguales Lernen wissen sollten. „Ich finde es großartig, wenn Wissenschaft über Gelegenheiten wie diese für Viele zugänglich gemacht werden kann. Und es kann nicht schaden – insbesondere uns selbst nicht –, wenn das auch häufiger einmal mit einem Augenzwinkern geschieht. Ich habe in der letzten Zeit in unseren gesellschaftlichen Diskussionen oft die Frage gehört, ob Humor nicht eine ganz entscheidende Rolle bei der Verarbeitung von Informationen spielen kann. Ich bin überzeugt davon! Das gilt übrigens auch für das Sprachenlernen“, so Kersten über den „Science Slam“.

Für Professor Athanassios Pitsoulis ist der Science Slam „einfach nur Spaß“. Er tritt an, um das Vorurteil anzugehen, dass Wirtschaftswissenschaft eine „trübselige Theorie von knappen Ressourcen und unbefriedigten menschlichen Bedürfnissen“ sei; sie ist seiner Meinung nach vielmehr extrem vielfältig und vor allem lehrreich. Mit am lehrreichsten findet er dabei die Spieltheorie, die heute aus den Wirtschaftswissenschaften nicht mehr wegzudenken ist. Wie die Spieltheorie helfen kann, internationale Konflikte und Verhandlungen zu erklären - man denke nur an Grexit, Brexit, Handelskriege und so weiter - wird Thema seines Vortrags sein, in dem er auch auf seine eigenen Forschungsarbeiten Bezug nehmen wird.

Science Slam mit Worten, Requisiten, technischen Hilfsmitteln oder Live-Experimente

Mit Worten, Requisiten, technischen Hilfsmitteln oder auch Live-Experimenten soll das Publikum für die Arbeit und Denkweisen in den vier Wissenschaftsdisziplinen interessiert und begeistert werden – am Ende hat das Publikum durch die Lautstärke des Applauses entschieden, welcher der Beiträge den Wettstreit gewinnt: Den Science Slam 2019 hat Professor Wolf Schünemann gewonnen, er arbeitete sich in seinem Vortrag am Komplex Internet und Staat ab und ließ Bilder und Videos aus dem Netz sprechen.

Interessierte Lehrende, Studierende, Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung,, Transfer und  Kooperationen begrüßt die Gäste, die Moderation übernimmt Markus F. Langer, Friend- und Fundraiser der Universität. Der Abend wird auch in diesem Jahr musikalisch von dem Saxophonisten Lars Stoermer aus Hannover begleitet.

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news-17566 Mon, 14 Oct 2019 14:18:06 +0200 Semesterstart an der Universität Hildesheim: „Wir dulden weder Hass noch Feindschaft“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/semesterstart-an-der-universitaet-hildesheim-wir-dulden-weder-hass-noch-feindschaft/ Das neue Semester beginnt – 1650 Bachelorstudierende starten in ihr Studium. 8800 Studierende lernen derzeit an der Universität Hildesheim. Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich appelliert an die Studentinnen und Studenten: „Wir sind gegen Hass und Diskriminierung. Alle Hochschulen stehen heute in der Pflicht, dies deutlich zu bekunden. Lassen Sie uns an der Universität Hildesheim zusammenarbeiten. Wir werden hier weder Hass noch Feindschaft dulden. Wir arbeiten zusammen, als Studierende, als Lehrende und als Forschende“, so der Präsident. Rede des Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich [PDF]

Brief des Niedersächsischen Wissenschaftsministers Björn Thümler [Deutsch, PDF] / [English, PDF]

Leitbild der Universität Hildesheim

Bericht des NDR FERNSEHENS, 14.10.2019

Tipp für Erstsemester: Konzert am 20.10.2019
Null-Euro-Tickets für Studierende an der Abendkasse
(gegen Vorlage des Studierendenausweises) [PDF]

In dieser Woche lernen die Erstsemester die Universität und die Stadt Hildesheim kennen. 1650 Bachelorstudierende starten in diesen Tagen in ihr Studium und wurden am Montag von Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich und Bürgermeister Jörg Bredtschneider in einer Feierstunde begrüßt.

8819 Studentinnen und Studenten (Stand 14. Oktober 2019) lernen in diesem Wintersemester an der Universität Hildesheim, darunter 833 internationale Studierende. „Dass zehn Prozent unserer Studierenden aus dem Ausland stammen, zeigt: wir leben Weltoffenheit. Ohne Internationalität ist Wissenschaft nicht denkbar“, so Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Appell des Präsidenten: Wir sind gegen Hass und Diskriminierung

Der Universitätspräsident wünscht allen Studienanfängerinnen und Studienanfängern einen guten Semesterstart. „Sie haben sich für ein Studium an der Universität Hildesheim entschieden. Darüber sind wir sehr glücklich. Universität bedeutet ‚Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden‘, und in unserem Leitbild bekennen wir uns zu dieser Form von Partnerschaft. Wir wollen Sie fachlich und persönlich betreuen und fördern“, so Wolfgang-Uwe Friedrich.

Anlässlich des Anschlags in Halle, der Partnerstadt Hildesheims, hat der Präsident zur Immatrikulationsfeier Ehrengäste eingeladen. Um Solidarität zu demonstrieren, begrüßte der Präsident den Vorsitzenden des Landesverbands der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst. „Sie sind seit vielen Jahren ein unermüdlicher Streiter für Versöhnung, für Verständigung, für Zusammenarbeit. Sie zeigen Zivilcourage, sprechen die Sprache der Vernunft und leisten damit unserer Gesellschaft einen herausragenden Dienst. Besonders ermutigend ist der jüdisch-muslimische Dialog, das Projekt „Schalom-Aleikum“, das der Zentralrat der Juden initialisiert hat und durch das die deutsche Zivilgesellschaft gestärkt wird. Sie sind uns herzlich willkommen!“ Ferner hat Präsident Friedrich, um für die Universität Hildesheim Zeugnis abzulegen und um Solidarität zu demonstrieren, als Ehrengäste die Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinde in Hildesheim, der türkisch islamischen Gemeinde Hildesheim, der Katholischen Studierendengemeinde und der Evangelischen Hochschulgemeinde eingeladen.

„Wir sind gegen Hass und Diskriminierung. Alle Hochschulen stehen heute in der Pflicht, dies deutlich und vernehmlich zu bekunden: Wir sind gegen Hass und Diskriminierung jeglicher Art! Liebe Studentinnen und Studenten, lassen Sie uns an der Universität Hildesheim zusammenarbeiten. Zu unseren Regeln zählt die Beachtung der Werte, die in unserem Leitbild definiert wurden. Wer hier Diskriminierung persönlich erlebt, kann und sollte sich direkt an mich wenden.  Die Studiendekane, das Gleichstellungsbüro, das Ideen- und Beschwerdemanagement und der AStA bieten ebenfalls Beratung und Unterstützung an. Wir werden hier weder Hass noch Feindschaft dulden. Wir arbeiten zusammen, als Studierende, als Lehrende und als Forschende“, so der Präsident.

„Wir beobachten eine allgemeine erschreckende Entwicklung in Deutschland, es ist die Verantwortung aller Mitglieder der Gesellschaft, jedes Einzelnen, wir sind als Menschen, als Mitglieder der Universität, als Deutsche und als Europäer, verpflichtet, dagegen aufzustehen. Wir zeigen öffentlich, dass wir Hass, Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art ablehnen und verurteilen“, so Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

„Was wir erlebt haben in Halle, sprengt Dimensionen. Ich bin heute hier, um etwas von Ihnen zu fordern. Sie haben die Freiheit, hier und überall in Deutschland zu studieren. Ich möchte, dass Sie als Gegenleistung für diese Freiheit, die Sie hier erleben, Mut, Zivilcourage und Toleranz zeigen. Zivilcourage bedeutet, aufzustehen, wenn man merkt, dass ein anderer bedrängt wird.“, sagt Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbands der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, in seinem Grußwort während der Immatrikulationsfeier.

Universitätspräsident Friedrich hob die bedeutsame Arbeit der Studierendenvertretung hervor, es sei wichtig, an Hochschulwahlen teilzunehmen und die Partizipationsmöglichkeiten, etwa im Studierendenparlament StuPA, im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss AStA und in den Fachschaften wahrzunehmen. Zudem ermutigte der Präsident alle Erstsemester, einen Auslandsaufenthalt in ihr Studium einzuplanen.

„Während der Dauer Ihres Studiums – sei es, ob Sie aus nah oder von weiter weg kommen – sollen Sie alle hier in Hildesheim herzlich willkommen sein“, so Bürgermeister Jörg Bredtschneider. „Hildesheim ist die kleinste Großstadt in Deutschland – da shat Vorzüge. Hildesheim bietet alles, was eine Großstadt zu bieten hat, einschließlich einer hervorragenden Universität. Aber Sie verlaufen sich bei uns nicht. Wir haben historische Ecken und Weltkulturerbestätten, Museen wie das herausragende Roemer- und Pelizaeus-Museum mit seiner ägyptischen Sammlung und das Dommuseum mit seinem Domschatz, das Theater und die Kulturfabrik Löseke. Nutzen Sie unser Angebot während Ihrer Studienzeit“, betonte der Bürgermeister die familiäre Atmosphäre in der Stadt.

833 internationale Studentinnen und Studenten lernen in Hildesheim

Im Rahmen der Immatrikulationsfeier wurde der DAAD-Preis verliehen. In diesem Jahr erhält Valeria Matteini den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende Studierende. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

Die 25-jährige Valeria Matteini produziert Übertitel, um schwerhörigen und gehörlosen Menschen den Theaterbesuch zu ermöglichen. Die italienische Medienübersetzerin schließt gerade ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ an der Universität Hildesheim ab und spezialisiert sich auf Barrierefreiheit.

833 internationale Studentinnen und Studenten sind im Wintersemester 2019/20 in Hildesheim immatrikuliert. 284 internationale Studierende beginnen im Oktober ihr Studium an der Universität Hildesheim. Die meisten Vollzeitstudierenden kommen aus der Türkei, Syrien, Indien, Pakistan, Iran und China. Insgesamt pflegt die Universität Hildesheim Austauschkooperationen mit über 190 Hochschulen in 37 Ländern. Das Team des International Office unterstützt Studierende bei der Planung und Finanzierung eines Auslandsaufenthaltes.

Reem Hafez und Elena Kachanovskaya wurden im Rahmen der Immatrikulationsfeier mit je einem Rotary-Stipendium ausgezeichnet. Das Stipendium beinhaltet einmalig 1000 Euro für das Studienjahr. Die Wirtschaftsinformatikerin und die Erziehungswissenschaftlerin werden für ihre besonderen Leistungen auf dem Weg in die Wissenschaft geehrt.

Reem Hafez studiert im Bachelorstudiengang „Wirtschaftsinformatik“ seit dem Wintersemester 2018/19 an der Universität Hildesheim. Sie lebt seit vier Jahren in Deutschland. Sie hat sich für Geflüchtete als Übersetzerin etwa in der Ausländerbehörde, JobCenter und beim Arztbesuch engagiert und ist in diversen musikalischen Aktivitäten als Sängerin aktiv.

Elena Kachanovskaya studiert mit großem Einsatz den Masterstudiengang „Sozial- und Organisationspädagogik“ im 2. Semester, sie hat zuvor an der Universität Hildesheim den deutsch-russischen Doppelabschluss (Bachelor „Erziehungswissenschaft“) absolviert. Elena Kachanovskaya hat bereits an einigen Veranstaltungen des International Office teilgenommen, um internationale Studierende beim Ankommen in Hildesheim zu unterstützen.  

„Die feierliche Übergabe zum Semesterstart ist ein Zeichen für alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Universität fördert besondere Leistungen“, sagt Vizepräsident Professor Martin Schreiner.

Einführungswoche auf dem Universitätscampus

Nach der Immatrikulationsfeier erkunden die Studienanfängerinnen und Studienanfänger den Universitätscampus.

Während der Einführungswoche vom 14. bis 18. Oktober 2019 erhalten die Erstsemester Einblicke in den Studienalltag und erkunden die Universität Hildesheim: Wie kann ich die Universitätsbibliothek nutzen? Wann kontaktiere ich das Rechenzentrum? Wie finanziere ich einen Auslandsaufenthalt? Wie organisiere ich ein Studium mit Kind? Etwa 100 Tutorinnen und Tutoren, Studierende aus höheren Semestern, helfen den Erstsemestern beim Studieneinstieg und bei der Stundenplanung.

Mensa-Neubau der Universität Hildesheim im Stadtteil Marienburger Höhe

Am Hauptcampus entsteht in drei Jahren Bauzeit bis 2021 eine neue Mensa. Der 2000 Quadratmeter große Neubau ist das größte Bauprojekt der Universität. Das erste Essen soll 2021 über die Theke gehen und serviert werden.

Das Gebäude wird 500 Sitzplätze und eine Außenterrasse bekommen. Die Universität Hildesheim will sich damit mehr zur Stadt hin öffnen. Mit dem Bau wird auch das gesamte Umfeld am Hauptcampus gestalterisch aufgewertet, es entstehen Aufenthaltsflächen und ein zentraler Campusplatz zwischen Universitätsmensa, Universitätsbibliothek und Audimax.

Der Hauptcampus wurde Ende der 1960er Jahre gebaut, der Großteil der technischen Anlagen in der Uni-Mensa ist noch aus dieser Zeit und völlig veraltet, hinzu kommen energetische Defizite. Die Mensa wurde vor knapp 50 Jahren für eine Pädagogische Hochschule mit unter 2000 Studentinnen und Studenten gebaut – heute lernen hier etwa 8800 Studierende. Daher ist eine Erweiterung dringend erforderlich.

Die alte Mensa bleibt während der dreieinhalbjährigen Bauzeit vollständig leistungsfähig, so dass für Studierende, Lehrende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Einschränkungen in der Hochschulgastronomie und Versorgung entstehen.

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news-17461 Fri, 11 Oct 2019 09:39:00 +0200 Informationskompetenz ist eine Schlüsselqualifikation der digitalen Gesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/informationskompetenz-als-schluesselqualifikation-der-digitalen-gesellschaft/ Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim informiert Bürger während einer öffentlichen kostenfreien Tagung über Informationskompetenz und Demokratie. Sie wollen über Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung diskutieren. Die öffentliche Tagung „Informationskompetenz und Demokratie“ findet am 18. und 19. Oktober 2019 statt. Eine Teilnahme ist noch möglich! Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim wendet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende sowie Bürgerinnen und Bürger in der Region, um mit ihnen über den Umgang mit Informationen zu sprechen und sich mit ihnen über die Bedeutung von Informationskompetenz im digitalen Zeitalter auszutauschen.

Die Welt wird informativ verbundener und dichter – Professor Joachim Griesbaum erforscht an der Universität Hildesheim unser Informationsverhalten in der vernetzten Welt. Professor Thomas Mandl erforscht die Algorithmen der Suchmaschinen. Wie glaubwürdig und zuverlässig sind die gefunden Informationen im Netz? Von der Sprachwissenschaft ist Professorin Elke Montanari dabei. Daphné Cetta ist neu im Forschungsteam, sie hat gerade ihr Masterstudium „Internationales Informationsmanagement“ mit dem Schwerpunkt Informationswissenschaft an der Universität Hildesheim abgeschlossen und arbeitet nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Hildesheim.

Im Gespräch erläutert das Forschungsteam, warum Informationskompetenz für die Demokratie bedeutsam ist.

Nehmen Sie Teil an der Debatte:
Informationskompetenz und Demokratie

Interview mit Informationswissenschaftlerin Daphné Cetta, Professor Joachim Griesbaum, Professorin Elke Montanari und Professor Thomas Mandl

Informationen zu suchen und Informationen zu finden fällt heute sehr leicht. Sie stoßen an der Universität Hildesheim eine Debatte über Informationskompetenz und Demokratie an (Programm). Warum machen Sie das?

Griesbaum: Unsere Informationswelt wird komplexer. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer stellen sich die Informationsversorgung einfacher vor als sie ist. Da sind wir auch naiv. In der Auseinandersetzung mit Informationen geht es um zutiefst relevante Kernbereiche des Lebens, zum Beispiel um medizinische Informationssuche, um wirtschaftliche Entscheidungen, die Unternehmen aufgrund von Informationen treffen, um politische Positionen.

Mandl: Die Vielfalt der Systeme, die eine Person nutzt, nimmt zu, sowohl privat als auch im Beruf. In dieser individuellen Informationsumgebung gibt es Plattformen mit sehr unterschiedlicher Qualität. Dies sollte den Nutzern immer bewusst sein.

Wie kann ich denn prüfen, ob eine Information stimmt? Wie kann ich mir sicher sein, ob das so ist, was ich da gerade im Netz lese?

Griesbaum: Man kann überlegen, wie glaubwürdig eine Aussage, eine Quelle ist. Hierzu wäre zu fragen. Wie ist das Wissen entstanden, wer sind die Akteure, die die Information veröffentlichen? Man muss differenzieren. Bei einfachen Informationsbedarfen etwa, wenn ich Google nach der Länge der Donau frage, ist es in der Regel sinnvoll den Aufwand der Suche und Überprüfung gering zu halten. Wenn ich aber nach komplexeren Fragestellungen, etwa aktuellen Therapien im Bereich Demenz oder Früherkennung suche, dann sollte ich sorgsam suchen und die Ergebnisse prüfen: Wer stellt die Information bereit – ein Gesundheitsamt, eine Person in einem Forum, eine Krankenkasse? Man sollte in solchen Fällen, in denen der Sucherfolg schwer zu beurteilen ist auch nicht beim ersten Eintrag der Suchmaschine aufhören, sondern schauen, was es noch gibt.

Mandl: Ein Qualitätskriterium wäre, ob eine Information mehrfach von unterschiedlichen Quellen bestätigt werden kann. Und man sollte erkennen, dass unterschiedliche Meinungen diskutiert werden.

Cetta: Die Welt ist komplex. Es gibt nicht immer eine einfache Antwort auf jede Frage.

Griesbaum: Man muss sich bewusst sein, dass Wissen nicht etwas Absolutes ist, Wissen ändert sich. Wissen hat eine Begründbarkeit und der kann man auf den Grund gehen.

Wie ist das bei Informationen, die gesellschaftliche, politische Fragen betreffen?

Griesbaum: Im politischen Bereich geht es oft um normative Sichtweisen.

Mandl: Auch hier gilt es, nach dem Absender der Information zu suchen. Man sollte beispielsweise erkennen, ob eine Information zum Klimawandel von der Kohleindustrie stammt. Man sollte erkennen, welche Interessen hinter den Informationen stehen und die Quellen kritisch hinterfragen.

Griesbaum: Man muss aber auch vertrauen – ich sehe ja keinen Klimawandel, ich kann die wissenschaftlichen Informationen als Laie nicht nachprüfen. Da muss ich entscheiden – wem vertraue ich? Dass es den Klimawandel gibt, ist wenig zweifelhaft und von Studien belegt. Aber unklar ist: Was ist dann die Lösung? Die meisten politischen Parteien sagen, wir müssen etwas tun, aber sie arbeiten mit unterschiedlichen Gewichtungen, berücksichtigen etwa soziale Dimensionen unterschiedlich. Wenn ich mich für eine Position entscheide, dann muss ich erkennen: Auch andere Positionen sind begründbar. Wir sollten weg von der Polarisierung und unsere Argumente in der Gesellschaft austauschen.

Sie verbinden die Debatte über mangelnde Informationskompetenz mit der Demokratie. Was beobachten Sie?

Griesbaum: Die gesellschaftlichen Diskurse scheinen sich zu polarisieren. Unser Anliegen ist es, das Bewusstsein dafür zu stärken, den Diskursraum nicht zu verengen und als Nutzer bereit zu sein anzuerkennen, dass es begründbare Gegenpositionen gibt. Wir möchten mit unserem Projekt eine Plattform schaffen, einen Wissensraum, der zum Nachdenken anregt. Wissen ist nicht etwas Absolutes, es gibt eine multidimensionale Sicht auf die Dinge.

Cetta: Im Oktober organisieren wir in Hildesheim die erste Tagung im Rahmen des Projekts und regen Bürger dazu an, sich anschließend auch an Online-Diskussionen zu beteiligen. Wir möchten den Diskurs vorantreiben, ein Bewusstsein für Probleme schaffen und Lösungsansätze entwickeln. Unsere Debatte betrifft unmittelbar die Lebenswelt jedes Netznutzers.

Montanari: Demokratie ist direkt bedroht, wenn die freie Information nicht mehr funktioniert. Und das passiert ganz schnell, wenn zum Beispiel fast nur noch eine Suchmaschine von allen genutzt wird, und dann nur die ersten Treffer gelesen werden. Es gibt dann zwar eigentlich viele Informationen, aber wenn vor allem nur wenige davon immer wieder geteilt werden, ist die Gefahr von Fehlinformation doch wieder groß.

Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert Ihren „Zukunftsdiskurs“. In der Projektbeschreibung verdeutlichen Sie, dass das Thema „Informationskompetenz und Demokratie“, der immer müheloser werdende Informationszugriff und der kritische Umgang mit Wissen zu den kritischen Fragestellungen des 21. Jahrhunderts gehören.

Mandl: Der Wissensraum wird komplexer, wir sehen die Gefahr von Vereinfachungen. In der Vielfalt von Informationszugängen und Informationsquellen muss man es schaffen, sich zu orientieren. Wir können in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz ein Teil des Ganzen ist, nicht mehr unterscheiden, ob ein Text von einer Maschine oder einem Menschen geschrieben wurde. Es gibt gefälschte Videos, mit deren Hilfe man Personen beliebigen Text in den Mund legen kann. Auch Laien auf dem Gebiet der KI sollten sich klar darüber sein, was möglich ist. Wichtig ist es also, kritisch mit der Information umzugehen. Die von Algorithmen gesteuerte Bereitstellung von Informationen ist für Nutzerinnen und Nutzer heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz weisen auf erhebliche Defizite hin.

Montanari: Das ist gerade für Studierende und für Schülerinnen und Schüler wichtig zu reflektieren! Damit nicht alles geglaubt wird, was sich im Internet befindet.

Sie plädieren dafür, den Zweifel zu pflegen, nicht gutgläubig einer Information blind zu vertrauen?

Mandl: Man muss sich fragen: Kann das so stimmen? Finde ich andere Quellen, die das bestätigen? In Ländern mit restriktiv reguliertem Internetzugang etwa in der Türkei und in China ist dies noch schwieriger. Die politischen Eingriffe in die Informationsgesellschaft sind dort stärker und sehr tiefgreifend.

Sie beziehen in dem Projekt und in der Tagung im Oktober auch die internationale Perspektive ein, etwa Forschungsarbeiten aus Venezuela und der Türkei sowie USA und China. Was sind hier bedeutsame Erkenntnisse, die Sie teilen möchten?

Mandl: In vielen Ländern sind derzeit Diskussionen über die Steuerung des Informationsangebots auf der Basis politischer Interessen entbrannt, seien es die Übernahmen Saudi-Arabiens im britischen Zeitungsmarkt, die Einflussnahme Russlands über Facebook-Werbung im US Wahlkampf oder die Anstrengungen Venezuelas, in der aktuellen Krise die Diskussionen online zu unterdrücken. Diese internationale Dimension möchte das Projekt in der zweiten Phase auch in den Blick nehmen.

Was ist Ihr Appell an die Nutzerinnen und Nutzer?

Griesbaum: Es ist wichtig, sich zu überlegen, wann und wie weit man dem jeweiligen Informationssystem vertrauen kann. Man muss die Informationswelt ansatzweise verstehen. Vor allem in Bezug darauf wie Wissen entsteht, sich verbreitet und wahrgenommen wird. Von wem und auf welche Weise werden etwa Nachrichtenmeldungen generiert? Werden diese geprüft? Wo werden diese platziert? Was liegt dem Prozess zugrunde, welche Ziele verfolgen die Erschaffer und Verbreiter?  Es ist nicht einfach, diese Strukturen zu verstehen und das nimmt uns Macht weg als Individuen. Wenn ich ein System nicht durchschaue, kann ich darin auch nicht souverän agieren. Das Fatale ist, wenn die Nutzerinnen und Nutzer für dieses Problem kein Bewusstsein haben.

Mandl: Viele Nutzer im Internet können gar nicht zwischen Information und Werbung unterscheiden. Das war im Fernsehen noch anders, wo deutlich gekennzeichnet wird: jetzt kommt der Werbeblock.

Cetta: Es ist wichtig, dass man sensibel wird und erkennt, von wo Informationen kommen. Ich habe heute mühelosen Zugang zu Informationen aber muss auch die Kehrseite kennen und Informationen einschätzen können. Gerade junge Leute wachsen in die digitale Welt hinein. Unsere Aufgabe als Gesellschaft besteht darin ihnen bewusst zu machen, dass man nicht allem blauäugig vertrauen kann.  Dies ist einer der Gründe warum wir Bürger einladen, mit uns über Informationskompetenz zu diskutieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt: Was bedeutet Informationskompetenz?

Kurz erklärt:

Zukunftsdiskurs an Universität Hildesheim: „Informationskompetenz und Demokratie“

Bürger, Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung / Wissenschaftsministerium fördert Debatte an Uni Hildesheim

Das Institut für Informationsmanagement und Sprachwissenschaft und das Institut für Sprache und Literatur der Universität Hildesheim laden zur Tagung „Informationskompetenz und Demokratie“ ein. Die öffentliche Veranstaltung findet am Freitag, 18. Oktober 2019, ab 12:00 Uhr, und Samstag, 19. Oktober 2019, ab 09:00 Uhr statt am Hauptcampus der Universität Hildesheim (Forum am Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim).

Informationen zu suchen und zu finden fällt heute sehr leicht, aber ein müheloser Informationszugriff ist nicht gleichzusetzen mit einem selbstbestimmten und fundierten Umgang mit Wissen. Algorithmengesteuerte Informationsbeschaffung und -bereitstellung ist für Nutzerinnen und Nutzer heute schwer zu durchschauen, weder auf Akteursebene, noch hinsichtlich technischer Wirkungsmechanismen. Untersuchungen zur Informationskompetenz weisen auf erhebliche Defizite hin.

Das Projekt „Informationskompetenz und Demokratie“ will das Problem für Niedersachsen stärker bewusst machen. Es soll in der Öffentlichkeit diskutiert und nach Lösungsansätzen gesucht werden. Es gilt, das Thema in der Fachwelt und der Öffentlichkeit als kritische Fragestellung des 21. Jahrhunderts zu positionieren. Hierzu bringt das Forschungsteam unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, um ein möglichst umfassendes Bild zum Themenbereich, den wahrgenommenen Problemfeldern und Lösungsperspektiven, insbesondere für den Bildungsbereich, zu erschließen.

Während der zweitägigen Veranstaltung beantworten unter anderem Lisa Merten (Leibniz-Institut für Medienforschung Hans-Bredow-Institut), Prof. Dr. Joachim Griesbaum (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Thomas Mandl (Universität Hildesheim) und Prof. Dr. Elke Montanari (Universität Hildesheim) Fragen zum Thema Informationskompetenz. Es gibt zum Beispiel Vorträge zu den Themen „Informationsraum Internet: komplex, interessengesteuert, intransparent“, „Alles anders durch Google und Facebook? Praktiken, Prinzipien und Paradoxien der informationsorientierten Mediennutzung online“ und „Nachrichtenbezogenes und medienbezogenes Informationsverhalten und Informationskompetenz“.

Das Projekt wird durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen der Ausschreibung „Zukunftsdiskurse“ gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab.

Das Thema „Informationskompetenz“ ist für jeden interessant, gerade auch für die Bürger sowohl auf privater, professioneller Ebene als auch im öffentlichen Bereich, etwa wenn es um die Steuerung und Gestaltung der Informationsnutzung und -versorgung zu politischen Themen geht.

Das Projekt bringt Akteure aus Wissenschaft, Bibliothekare, Politik, Wirtschaft, Bürger, Lehrende und Lernende zusammen und bezieht deren Problemwahrnehmung und auch Sichtweisen zu Lösungsansätzen ein. Eine Anmeldung ist erforderlich, wer teilnehmen möchte, kann sich via E-Mail (infodem@uni-hildesheim.de) anmelden.

SAVE THE DATE:

Außerdem wird das Forschungsteam die Ringvorlesung „Digitale Lebenswelten“ unter dem Motto „(Des)Informieren? Informationsverhalten zwischen externer Beeinflussung, individueller Aufwandsvermeidung und gelebter Informationskompetenz“ die Ringvorlesung im Wintersemester 2019/20 fortsetzen. Die erste Vorlesung findet am 19.11.2019 zum Thema „Die Bewertung von Quellen bei der Suche nach Gesundheitsinformation im Web“ (Dr. Yvonne Kammerer, Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen) statt.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Deutsche Sprache
news-17552 Wed, 09 Oct 2019 17:41:00 +0200 Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für Medienübersetzerin Valeria Matteini https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/preis-des-deutschen-akademischen-austauschdienstes-fuer-medienuebersetzerin-valeria-matteini/ Die 25-jährige Valeria Matteini produziert Übertitel, um schwerhörigen und gehörlosen Menschen den Theaterbesuch zu ermöglichen. Für ihre herausragenden Leistungen erhält die italienische Medienübersetzerin den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Die 25-Jährige schließt gerade ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ an der Universität Hildesheim ab und spezialisiert sich auf Barrierefreiheit. Zum Semesterstart wird der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verliehen. Den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis erhält die Hildesheimer Medienübersetzerin Valeria Matteini. Die 25-Jährige schließt gerade ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ am Fachbereich „Sprach- und Informationswissenschaften“ der Universität Hildesheim ab. Sie engagiert sich für Inklusion und barrierefreie Kommunikation, engagiert sich seit vielen Jahren sozial und interkulturell und unterstützt internationale Studierende beim Ankommen in Hildesheim.

Der Universitätspräsident und das Team des International Office überreichen den DAAD-Preis am Montag, 14. Oktober 2019 während der Immatrikulationsfeier/Semestereröffnung im Audimax der Universität Hildesheim.

Die 25-jährige Valeria Matteini ist in Sezze in Italien geboren und im italienischen San Felice Circeo aufgewachsen. Nach ihrem Bachelorabschluss in Rom in Übersetzung und Dolmetschen zog sie zum Masterstudium nach Hildesheim. An der Universität Hildesheim studiert die Übersetzerin derzeit „Medientext und Medienübersetzung“, sie spezialisiert sich auf Übersetzung und Barrierefreiheit und weist „ausgezeichnete Studienleistungen“ nach.

Die diesjährige DAAD-Preisträgerin Valeria Matteini gehört zu einem Team um Professorin Nathalie Mälzer, die sich am Bühler-Campus der Universität Hildesheim mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren befassen. Die Medienlinguisten und Medienlinguistinnen produzieren derzeit zum Beispiel Übertitel für das Theater, damit schwerhörige und gehörlose Menschen das Bühnengeschehen verfolgen können. Dabei setzen sie neue Technologien ein, über sogenannte „Smartglasses“ können die Theaterbesucher die Theaterproduktion mit virtuellen Übertiteln verfolgen.

Mehr erfahren:
Studie: Smartglasses projizieren virtuelle Übertitel im Bühnengeschehen

Interview mit der Studentin Valeria Matteini

Frau Matteini, Sie werden mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Ehrung?

Ich freue mich natürlich sehr darüber. Diese Auszeichnung bedeutet mir viel, weil dadurch meine Anstrengungen im Studium anerkannt wurden und es motiviert mich, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Dafür bin ich besonders Frau Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation dankbar, die mich der Kommission für diesen Preis vorgeschlagen hat.

Sie studieren „Medientext und Medienübersetzen“. Bitte erklären Sie einmal für Laien, was Medientexte, was Medienübersetzung ist, warum ist das wichtig in der Gesellschaft? Wer profitiert davon zum Beispiel?

Im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ beschäftigen wir uns mit der Übersetzung von Texten, die über alle Medien hinweg – zum Beispiel Bücher, Fernsehen, Radio, Theater – übermittelt werden. Unser Fokus liegt darauf, solche Texte für alle Nutzer zugänglich zu machen, etwa wenn bestimmte sprachliche Kenntnisse fehlen – wegen einer Fremdsprache – oder bei sonstigen zum Beispiel physischen oder geistigen Beeinträchtigungen, die den Zugang zu den Texten erschweren. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir einen Film in derselben Sprache für eine hörgeschädigte Person übersetzen.

Als junge Nachwuchswissenschaftlerin befassen Sie sich mit barrierefreier Kommunikation und Inklusion, zum Beispiel mit „Nachrichten in leichter Sprache“ und mit „inklusivem Theater“, um schwerhörigen und gehörlosen Menschen den Theaterbesuch zu ermöglichen.

Beim Projekt „Inklusives Theater“ fassen wir Untertitel zusammen für ein Theaterstück, welches in diesem Winter im Theater in Hildesheim inszeniert wird. Diese Untertitel stehen für Hörgeschädigte zur Verfügung und werden über besondere Brillen, sogenannte Smartglasses, gezeigt. Ein Teil der Gruppe beschäftigt sich dann mit der empirischen Studie, der Rest – unter anderen auch ich – produziert die Untertitel.

Im Wintersemester unterstützen Sie als „Buddy“ ehrenamtlich internationale Studentinnen und Studenten. Wie unterstützen Sie die internationalen Studierenden, die unter anderem aus Mexiko, Spanien, Russland, Pakistan oder Japan kommen, beim Ankommen in Hildesheim?

Als „Buddy“ und als ehemalige Erasmus-Studentin in Hildesheim ist meine Hauptsorge, dass ausländische Studierende mit dem deutschen Bildungssystem und der deutschen Kultur nicht zurechtkommen. Vieles was wir als selbstverständlich ansehen, ist vielleicht ungewöhnlich für diejenigen, die neu hierher kommen. Ich erinnere mich noch daran, als ich das erste Mal vom Flaschenpfand gehört habe: anstatt eine Plastikflasche wegzuschmeißen, kann ich sie zurück zum Laden bringen... sowas war für mich komplett neu. Ich unterstütze gerne Erasmus-Studierende in ihrem alltäglichen Leben und in der Uni und ich mag es, während eines Spaziergangs Sitten und Gebräuche der Stadt zu zeigen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation International Office MA MuM Internationales Aktuelles IO Studierendenportal
news-17451 Mon, 23 Sep 2019 15:27:00 +0200 Mensa-Neubau der Stiftung Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/mensa-neubau-der-stiftung-universitaet-hildesheim/ Am Montag wurde auf der größten Baustelle der Universität Hildesheim Richtfest gefeiert: Die neue Mensa der Stiftungsuniversität bietet künftig 500 Sitzplätze. Das erste Essen in der Universitätsmensa soll 2021 serviert werden. Im Folgenden äußern sich Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich, der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler, Oberbürgermeister Ingo Meyer, Sönke Nimz vom Studentenwerk und Uni-Baudezernent Thomas Hanold zur neuen Mensa. Am Hauptcampus der Universität Hildesheim entsteht in drei Jahren Bauzeit bis 2021 eine neue Mensa. Der 2000 Quadratmeter große Neubau wird circa 20 Millionen Euro kosten. Die Mittel stellt das Land Niedersachsen zur Verfügung. Von den circa 20 Millionen Euro übernimmt die Stiftung Universität Hildesheim rund 4,4 Millionen Euro aus Eigenmitteln. 

Der Mensa-Neubau ist das größte Bauprojekt der Universität Hildesheim. „Die Baumaßnahmen der Stiftungsuniversität Hildesheim belegen eindrucksvoll die dynamische Entwicklung der Hochschule. Seitdem die Universität 2003 in die Trägerschaft einer öffentlich-rechtlichen Stiftung überführt wurde, handelt die  Stiftungsuniversität  als Bauherrin. Heute sehen wir: es funktioniert. Wir haben die Chance ergriffen und den Kulturcampus Domäne Marienburg entwickelt, einen völlig neuen Bühler-Campus sowie das Forum am Hauptcampus gebaut. Nun entsteht der Mensa-Neubau“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

„Eine Mensa hat immer eine besondere Bedeutung: natürlich soll sie leere Mägen füllen und das sowohl lecker als auch günstig. Sie ist aber auch ein wichtiger Ort der Kommunikation – ein Treffpunkt, der Geselligkeit und Gedankenaustausch ermöglicht“, sagt Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler. „Schon jetzt kann man erkennen, dass die neue Mensa ein beeindruckendes Gebäude wird. Damit erfüllt sie für die Stiftung Universität Hildesheim einen weiteren wichtigen Zweck: Mit dem Neubau und der Gestaltung der Zufahrt möchte die Stiftung Besucher auf ihren Campus lenken – das wäre ein wichtiger Imagegewinn für diese dynamische Hochschule.“

„Die neue Mensa wird die Attraktivität der Universität und damit Hildesheims als Hochschulstandort noch weiter stärken. Von ihrem erweiterten Angebot werden dabei nicht nur Studierende und Hochschulmitarbeiter, sondern ebenso Anwohnerinnen und Anwohner profitieren, denen die Mensa gleichermaßen offensteht“, sagt Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer.

„Wir freuen uns sehr darauf, die Studierenden bald in einem zeitgemäßen Ambiente begrüßen zu können. Mit den größeren Räumlichkeiten, gerade im Bereich der Küche, schaffen wir für unsere Mensagäste ein vielfältigeres Angebot und neue Erlebnisse, wie zum Beispiel Live-Cooking“, sagt Sönke Nimz, Geschäftsführer des Studentenwerks OstNiedersachsen.

Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich hob während des Richtfestes die gute Zusammenarbeit zwischen dem Baureferat des Wissenschaftsministeriums und dem Baudezernat der Universität hervor und dankte allen Bauschaffenden und Planern, dem Studentenwerk OstNiedersachsen, der Gemeinde der Liebfrauenkirche sowie dem Oberbürgermeister und der Kommunalpolitik für die Kooperation und den Anwohnern der Marienburger Höhe für das Verständnis.

Der Minister hob während des Richtfestes hervor, dass Hildesheim mit seinen universitären Modellbauten zu einem Hotspot des Neubaus geworden sei. Der Kulturcampus Domäne Marienburg sei beispielgebend für das, was man aus einer alten Liegenschaft machen kann. Das Forum am Hauptcampus wurde im Zeitrahmen und Kostenrahmen gebaut. Das Center for World Music sei ein Bestandteil der Schaffenskraft des Universitätspräsidenten. Die neue Mensa sei ein Hauptbestandteil der Universität und werde zu einem Treffpunkt für alle, sagte der Minister.

Die Projektleitung für den Mensa-Neubau hat Olga Schwarzkopf-Lipp vom Uni-Baudezernat inne.

Neue Uni-Mensa: 500 Sitzplätze auf zwei Etagen, 75 Meter lang und 35 Meter breit

Das Gebäude wird 500 Sitzplätze und eine Außenterrasse bekommen. Die Universität Hildesheim will sich damit mehr zur Stadt hin öffnen. Mit dem Bau wird auch das gesamte Umfeld am Hauptcampus gestalterisch aufgewertet, es entstehen Aufenthaltsflächen und ein zentraler Campusplatz zwischen Universitätsmensa, Universitätsbibliothek und Audimax.

Auf der Wiesenfläche vor der heutigen Alt-Mensa entsteht ein etwa 75 Meter langes und 35 Meter breites und bis zu 16 Meter hohes neues Gebäude mit 500 Sitzplätzen, die bisherige Mensa weist nur 330 Plätze auf engem Raum auf. Die Sitzplätze in der neuen Mensa verteilen sich auf zwei Etagen: Das Obergeschoss bietet einen großen Speisesaal mit Blick über den Campus, Essens- und Aufenthaltsräumen sowie Live-Cooking, im Erdgeschoss entsteht eine Cafeteria mit einer Außenterrasse, die bei Sonnenschein zum Verweilen einlädt. Die neuen Räumlichkeiten bieten Studierenden zudem Aufenthaltsmöglichkeiten im Campusalltag.

Die alte Mensa bleibt während der dreieinhalbjährigen Bauzeit vollständig leistungsfähig, so dass für Studierende, Lehrende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Einschränkungen in der Hochschulgastronomie und Versorgung entstehen.

Das erste Essen in der neuen Mensa soll 2021 über die Theke gehen und serviert werden.

Uni-Baudezernent Thomas Hanold: „Die neue Mensa steht auch Anwohnern offen“

Die neue Mensa steht auch Anwohnern offen, sagt Thomas Hanold, Baudezernent der Universität Hildesheim. „Die Universität öffnet sich für den Stadtteil. Natürlich sind wir offen für alle, nicht nur für Studierende, Lehrende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Anwohner sind herzlich willkommen. Für den Stadtteil ist die Mensa attraktiv.“

Bei der Planung habe die Universität so weit möglich die Interessen der Anlieger berücksichtigt, die in unmittelbarer Nähe wohnen und von dem Bauprojekt besonders betroffen sind. So gilt etwa für den Lärmschutz: Die Be- und Entladung für die Hochschulgastronomie erfolgt hinter geschlossenen Türen, auch die Rückseite der Mensa ist mit Fensterbändern versehen und attraktiv gestaltet.

Der Hauptcampus wurde Ende der 1960er Jahre gebaut, der Großteil der technischen Anlagen in der Uni-Mensa ist noch aus dieser Zeit und völlig veraltet, hinzu kommen energetische Defizite. Die Mensa wurde vor knapp 50 Jahren für eine Pädagogische Hochschule mit unter 2000 Studentinnen und Studenten gebaut – heute lernen hier über 8000 Studierende. Daher ist eine Erweiterung dringend erforderlich. Ein Anbau an die bestehende Mensa wurde geprüft, ein Erweiterungsbau ist aber funktional, gestalterisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll. In Abstimmung mit der Stadt Hildesheim und der anliegenden Liebfrauen-Kirchgemeinde konnten durch den Ankauf von Flurstücken durch die Universität die Voraussetzungen für einen Mensaneubau am Hauptcampus geschaffen werden. Im Zuge des Neubaus entstanden am Hauptcampus über 50 weitere Parkplätze, hierfür wurde der Uni-Parkplatz neben dem W-Gebäude erweitert. 

Die Treuburger Straße könnte künftig zur „Universitätsallee“ werden, so die Idee des Baudezernenten Thomas Hanold.

HINWEIS: Studierende und Beschäftigte, die Interesse am Fortgang des Neubaus haben, erreichen bei Fragen Dr. Christian Dittmann, Referent des Präsidenten, unter christian.dittmann@uni-hildesheim.de. 

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news-17426 Mon, 23 Sep 2019 15:05:00 +0200 Universität Hildesheim im Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-im-bund-laender-programm-zur-foerderung-des-wissenschaftlichen-nachwuchses-erfo/ Die Universität Hildesheim hat sich erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Fünf dieser Professuren können an der Universität Hildesheim etabliert werden, und zwar in den Bereichen Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter sowie Informatikdidaktik. Die Tenure-Track-Professuren sind Teil des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Universität Hildesheim hat sich im Rahmen des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich um die Einrichtung sogenannter Tenure-Track-Professuren beworben. Wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz am 12. September 2019 bekannt gab, können nun fünf dieser Professuren an der Universität Hildesheim etabliert werden. Insgesamt wurden in der zweiten Bewilligungsrunde 532 Tenure-Track-Professuren an 57 Hochschulen zur Förderung ausgewählt. Nach der Vergabe von 468 Professuren in der ersten Bewilligungsrunde 2017 erhalten damit insgesamt 75 Hochschulen eine Förderung. 

Die Tenure-Track-Professur sieht nach einer erfolgreichen Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor, sodass die beruflichen Chancen des herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchses erhöht und die Planbarkeit einer Karriere in der Wissenschaft verbessert werden. An der Universität Hildesheim bestehen damit künftig neben der Habilitation als „klassischem“ Weg, der Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe und der Tenure-Track-Professur im Wesentlichen drei Wege zur Professur. Die auf diese Stellen berufenen Professorinnen und Professoren nehmen ihre Aufgaben in Forschung und Lehre selbständig wahr.

Digitales Lehren und Lernen im Unterricht, Ethnomusicology, Digitale Geisteswissenschaften, Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter, Informatikdidaktik

Thematisch sollen die Professuren im Bereich der Digitalisierung angesiedelt werden. Wie in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim „MINERVA 2025“ festgehalten, stellt Digitalisierung neben Bildung, Kultur und Diversität ein fachbereichsübergreifendes Leitthema dar. In innovativer Weise werden zwei Bereiche miteinander verknüpft: zum einen technische Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Data Analytics, Computerlinguistik) und zum anderen gesellschaftliche Handlungsfelder der Digitalisierung (unter anderem Verwaltung und Demokratieentwicklung, soziale Dienste). Der Bereich Digitalisierung dient damit zur weiteren Profilschärfung der Universität Hildesheim. Gleichzeitig werden Forschung, Lehre und Transfer in einem für die Zukunft äußerst relevanten Themenfeld strategisch gestärkt. 

Im Einzelnen beantragte die Universität Hildesheim die folgenden Tenure-Track-Professuren in dem Bund-Länder-Programm: 

  • Professur für Digitales Lehren und Lernen im Unterricht

  • Professur für Ethnomusicology

  • Professur für Digitale Geisteswissenschaften

  • Professur für Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter

  • Professur für Informatikdidaktik

Die Professuren sollen noch in diesem Jahr ausgeschrieben und im Sommersemester 2020 besetzt werden. Die Universität Hildesheim erhält für die Einrichtung der fünf Tenure-Track-Professuren rund 3,5 Millionen Euro. 

Das Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses läuft von 2017 bis 2032. Dafür stellt der Bund bis zu eine Milliarde Euro bereit. Zugleich sagten die Länder zu, die Zahl der unbefristet beschäftigten Professorinnen und Professoren an den antragsberechtigten Hochschulen dauerhaft um 1.000 zu erhöhen. Mit der Etablierung der Tenure-Track-Professur als international bekanntem und akzeptiertem Karriereweg soll nicht zuletzt die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems insgesamt erhöht werden.

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news-17421 Wed, 11 Sep 2019 10:09:00 +0200 Brücke zwischen Mensch und Maschine: „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ studieren https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/bruecke-zwischen-mensch-und-maschine-internationale-fachkommunikation-sprachen-und-technik-studi/ Am Bühler-Campus bildet die Universität Hildesheim Expertinnen und Experten für Sprachen, Kommunikation und Informationsmanagement aus. Für den Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ können sich Studieninteressierte noch bis zum 30. September 2019 bewerben. Das Studium beginnt im Oktober 2019. Studentinnen und Studenten schlagen eine Brücke zwischen Maschinen und Menschen und erklären präzise und verständlich die komplexe Technik. In Vorlesungen und Seminaren lernen sie zum Beispiel, über Automatisierungstechnik, technische Werkstoffe, Energietechnik und Maschinenelemente zu schreiben. Masterstudium an der Uni Hildesheim
„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

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In unserer globalisierten Welt sind im Bereich der Fachkommunikation Fachleute gefragt, die mehrsprachige Kommunikationsfähigkeit mit soliden und speziell auf ihre beruflichen Belange ausgerichteten technischen Kenntnissen verbinden. Beim professionellen Übersetzen wie auch in der technischen Redaktion geht es heute zu einem großen Teil um technische Inhalte.

Während des zweijährigen Masterstudiums „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ spezialisieren sich die Studentinnen und Studenten auf das Übersetzen oder auf das Erstellen technischer Texte im internationalen Kontext. Das Studium kombiniert sprachlich-übersetzerische und technisch-naturwissenschaftliche Inhalte.

Wer schreibt eigentlich die Bedienungs- und Installationsanleitungen?

„Wir bilden Textdesigner aus, die darauf spezialisiert sind, Dokumente technisch-fachlichen Inhalts zu erstellen und zu übersetzen“, sagt Franziska Heidrich über den Masterstudiengang. Dabei geht es nicht nur um das reine Texten. Weitere Merkmale von Fachdokumenten sind zum Beispiel die besondere Strukturierung und das Zusammenspiel von Text und Bild.

„Unsere Absolventen erstellen und übersetzen Dokumente von Wartungsanleitungen für den Sondermaschinenbau über Softwaredokumentationen, technische Beschreibungen und Schulungsvideos bis hin zu Bedienungsanleitungen für den Endnutzer von Kleingeräten für den Haushalt. Sie warnen vor möglichen Restgefahren, sorgen für Verständlichkeit und leiten so zum kompetenten und sicheren Umgang mit Technik aller Art an. Die Arbeit geht dabei weit über das rein Sprachliche hinaus“, sagt die promovierte Übersetzungswissenschaftlerin.

Eine Grundvoraussetzung für das Erstellen und Übersetzen dieser spezialisierten Fachdokumente ist ein grundsätzliches Verständnis der technischen Inhalte. Deshalb machen die Forschungsteams vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation und vom Institut für Technik die Studentinnen und Studenten mit einem weiten Feld an technischen Themen vertraut. „Wir setzen hier auf 'Technik ohne Mathe'. Die Lehrveranstaltungen der Technik sind in Umfang und Komplexität speziell dafür ausgelegt, ein umfassendes Verständnis technischer Grundlagen zu erwerben, das für das Erstellen und Übersetzen von fachlich geprägten Texten und Dokumenten notwendig ist“, sagt Franziska Heidrich.

„Betrieb, Wartung, Reparatur: Für jede Maschine gibt es eine Anleitung“

Die Studierenden wählen im Studium Schwerpunkte und können sich zum Beispiel auf die Fachkommunikation im Bereich Energietechnik oder auf das Übersetzen von Fachtexten in französischer und spanischer Sprache spezialisieren; oder sie wenden Methoden und Werkzeuge der Sprachtechnologie an und befassen sich mit maschineller Sprachverarbeitung.

Dabei machen sie genau das Gegenteil von Schriftstellern, anders als in literarischen Texten, verwenden sie für jedes Teil das gleiche Wort, arbeiten mit Wortwiederholungen, damit Bauteile in der Konstruktion, der Fertigung, im Vertrieb oder in der Autowerkstatt wieder auffindbar sind.

„Übersetzer und Dolmetscher brauchen wir alle. Sie sorgen dafür, dass man das koreanische Handy auf Deutsch bedienen kann“

Die Absolventinnen und Absolventen haben allerbeste Einstellungschancen auf dem Arbeitsmarkt, erläutert Professor Klaus Schubert. Sie arbeiten im In- und Ausland als Übersetzungsmanager, Technische Redakteure, mehrsprachige Content-Ersteller in der Industrie, bei Dienstleistern oder freiberuflich. Der Bedarf an professionellen technischen Texten in mehreren Sprachen sei gestiegen. „Übersetzer und Dolmetscher brauchen wir alle. Sie sorgen dafür, dass man das koreanische Handy auf Deutsch bedienen kann“, so Schubert.

Das Studium auf dem Hildesheimer Bühler-Campus sei geprägt durch eine persönliche Atmosphäre und die gute Betreuung der Studierenden. „Sprachen und Technik sind in Hildesheim auf besondere Weise miteinander verzahnt. Wir greifen die Inhalte aus den Lehrveranstaltungen der Technik auf und übersetzen technische Texte in den praktischen Lehrveranstaltungen zum Übersetzen“, sagt Franziska Heidrich.

Wer in Hildesheim „Sprachen und Technik“ studiert, habe nicht nur allerbeste Chancen auf dem Arbeitsmarkt, so Heidrich, sondern komme auch in den Genuss eines Masterstudiums in einem freundlichen, persönlichen Umfeld „im Grünen“.

Wer Fragen zum Masterstudium hat, erreicht Dr. Franziska Heidrich unter franziska.heidrich@uni-hildesheim.de.

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news-17378 Thu, 05 Sep 2019 08:32:30 +0200 Studie: Smartglasses projizieren virtuelle Übertitel im Bühnengeschehen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/studie-smartglasses-projizieren-virtuelle-uebertitel-im-buehnengeschehen/ Theaterbesucher mit einer Hörbehinderung in Hildesheim können „Smartglasses“ aufsetzen und das Theatergeschehen verfolgen, indem die Worte, die sie nicht hören können, als Übertitel virtuell im Bühnenraum projiziert werden. Ein Forschungsteam der Universität Hildesheim kooperiert dafür mit dem Theater für Niedersachsen. Nun sucht die Forschungsgruppe um Professorin Nathalie Mälzer Theaterbesucherinnen und Theaterbesucher, die an der Smartglasses-Studie teilnehmen möchten. Ab November 2019 bis Frühjahr 2020 werden Theaterbesucher mit einer Hörbehinderung in Hildesheim „Smartglasses“ aufsetzen und das Theatergeschehen in einzigartiger Weise wahrnehmen können: Wer eine solche Brille trägt, erlebt, wie Übertitel virtuell im Raum direkt im Bühnengeschehen schweben. So müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht ständig den Blick zwischen Bühnengeschehen und Übertiteln hin und herschweifen lassen. Für die anderen Zuschauerinnen und Zuschauer sind die Übertitel nicht sichtbar und beeinflussen somit nicht die Inszenierung.

Die Studie „Inklusives Theater“ führen Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim unter der Leitung von Professorin Nathalie Mälzer gemeinsam mit dem Theater für Niedersachsen (TfN) und mit Unterstützung der Firma Panthea durch.

Übertitelt wird die Theaterproduktion „Bella Donna“ im Theater für Niedersachsen in Hildesheim. „Um die Qualität dieser smarten Übertitel zu testen, möchten wir schwerhörige und gehörlose Menschen dazu einladen, sich das Stück anzusehen und im Anschluss einen Fragenbogen zu beantworten. Darin stellen wir Fragen zur Lesbarkeit sowie zur Verständlichkeit der Übertitel. Die Studie wird selbstverständlich anonymisiert“, sagt Professorin Nathalie Mälzer.

Zugänglichkeit an Theatern verbessern: Großes Interesse an dem Einsatz der Smartglasses-Technologie

Wie neu oder innovativ ist dieses Vorgehen – dazu erklärt das Forschungsteam: Generell gibt es bisher nur wenig Übertitelungen für Menschen mit einer Hörbehinderung. Im vergangenen Jahr wurde, betreut von Professorin Nathalie Mälzer und Professor Oliver Czulo von der Masterstudentin Linda Stegman am Schauspiel Leipzig ein Pilotprojekt mit Übertiteln für Smartglasses durchgeführt, bei dem einige Zuschauerinnen und Zuschauer anschließend befragt wurden.

Aus der Studie ging hervor, dass großes Interesse an dem Einsatz dieser Technologie für die Verbesserung der Zugänglichkeit an Theatern besteht. Wie Übertitel in einer rasanten Komödie wie „Bella Donna“ Humor transportieren können, wurde bisher noch nicht untersucht.

„Im Rahmen der Kooperation mit der Diakonie Himmelsthür und Aktion Mensch haben wir am TfN mehrere Vorstellungen mit Gebärdensprachdolmetschern organisieren können. Dabei habe ich erst gemerkt, wie ausschließend das Theater für Nichthörende ist. Da muss sich etwas bewegen! Ich bin total gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Fantastisch wäre es, wenn wir nicht nur eine ausgewählte Vorstellung mit Gebärdensprachdolmetschern anbieten, sondern an vielen Abenden schwerhörige und gehörlose Menschen mit Smartglasses zwischen den hörenden Zuschauern sitzen und es etwas ganz Selbstverständliches geworden ist, miteinander ins Theater zu gehen “, sagt Theaterpädagogin Bettina Braun.

Gemeinsamer Theaterbesuch von schwerhörigen, gehörlosen und hörenden Zuschauern: „Es sollte etwas  Selbstverständliches werden, miteinander ins Theater zu gehen“

Die Theaterkarten sind für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie natürlich kostenlos. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können zwischen zwei Smartglasses-Modellen wählen (Epson Moverion BT-300 und BT-350), die jeweils etwa 70 Gramm wiegen. Beide Modelle können über der eigenen Brille getragen werden. Eine Einführung in die Benutzung findet vor Ort statt.

Die Aufführungen mit smarten Übertiteln finden zwischen Ende November 2019 und Mitte März 2020 voraussichtlich an folgenden Terminen statt:

  • Samstag, 30. November 2019 
  • Dienstag, 17. Dezember 2019
  • Samstag, 21. Dezember 2019
  • Freitag, 10. Januar 2020
  • Mittwoch, 22. Januar 2020
  • Montag, 27. Januar 2020 
  • Sonntag, 2. Februar 2020
  • Samstag, 8. Februar 2020
  • Montag, 17. Februar 2020 
  • Donnerstag, 5. März 2020

Das Hildesheimer Forschungsteam hofft auf zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die durch ihre Mitwirkung an der Studie dabei helfen, Übertitel zu verbessern und den Zugang zum kulturellen Angebot für Menschen mit Hörbehinderung zu erweitern.

Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation per Email unter maelzers@uni-hildesheim.de kontaktieren.

Inklusives Theater: Forschung zu Übertiteln in Theaterhäusern

Ein Team um Professorin Nathalie Mälzer entwickelt seit 2015 Übertitel für Theaterstücke. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim produzieren Hildesheimer Studentinnen und Studenten des Studiengangs „Medientext und Medienübersetzen“ Texte für den Bühnenraum. Die Ergebnisse der Hildesheimer Forschung sind für Theaterhäuser in Deutschland relevant.

In Deutschland gibt es zwar einige Theater- und Opernhäuser, die bei fremdsprachlichen Inszenierungen Übertitel in anderen Sprachen anbieten. Oben über der Bühne befindet sich dann oft eine dezente LED-Leiste, über die Texte dargestellt werden. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft findet man so gut wie keine Übertitel für Menschen mit Hörbehinderung, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Die Professorin für Übersetzungswissenschaft entwickelte bereits in der Vergangenheit mit Studentinnen und Studenten und Kooperationspartnern Übertitel für Theaterstücke, die sich an Gehörlose, Schwerhörige und Hörende richten.

In den Projekten kommt als kommunikatives Element der „Übertitel“ zum Einsatz: Worte werden im gesamten Bühnenraum projiziert. Wenn eine Schauspielerin schreit, platzieren die Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer das Schriftbild im kompletten Bühnenraum in riesigen Großbuchstaben und umschreiben das Gefühl nicht mit der Formulierung „(schreiend)". Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes.

Professorin Nathalie Mälzer untersucht in Rezeptionsstudien, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Inwiefern stoßen die Hildesheimer Übertitelungskonzepte bei Jugendlichen und Erwachsenen auf Akzeptanz, verstehen gehörlose Jugendliche und Erwachsene das Theaterstück besser?

Die Hildesheimer Übertitel sind auf den Bühnen keine Fremdkörper, sie sind Teil des Bühnenbildes, manche Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus. Die ganze Theaterbühne wird zu einer Projektionsfläche, die Übertitel haben nicht bloß die Funktion, dass die Zuschauer mit einer Hörbehinderung den Inhalt verstehen. Sondern die Übertitel sind auch als ästhetisches Element in den Bühnenraum eingebunden.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-17365 Tue, 03 Sep 2019 09:16:00 +0200 Sprachlernprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprachlernprojekt-fuer-gefluechtete-kinder-und-jugendliche-1/ Seit vier Jahren qualifiziert ein Team um Annette Lützel Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. An zwei Standorten in Hildesheim unterstützen die Studierenden täglich geflüchtete Menschen beim Spracherwerb und bei der Integration in Schule, Alltag und Arbeitswelt. Mittlerweile wurden mehr als 400 Studierende qualifiziert. Eine Zwischenbilanz. Im Wintersemester 2015/16 wurde mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ein Projekt gestartet, dass Studentinnen und Studenten qualifiziert, um geflüchtete Menschen beim Spracherwerb zu unterstützen.

Ein Team der Universität Hildesheim vermittelt Studierenden in theoretischen Modulen die fachlichen Grundlagen, in einer Praxisphase unterrichten sie Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund.

Die fachliche Qualifizierung der Studierenden erfolgt in unterschiedlichen Themenbereichen wie zum Beispiel Diversität, Zweitspracherwerb, aufenthalts- und sozialrechtliche Regelungen für Geflüchtete, Hintergrundinformationen zu Fluchtursachen und Herkunftsländern sowie Umgang mit durch Flucht und Verfolgung traumatisierter Menschen. Des Weiteren gibt es Vertiefungsveranstaltungen zum Unterricht im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“, zur Unterrichtsvorbereitung und zum Thema Alphabetisierung. Nach dem Besuch der Einführungsveranstaltung beginnen die Studierenden mit der Unterrichtsassistenz an den Schulen.

400 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt seit 2015 geflüchtete Kinder und Jugendliche beim Spracherwerb unterstützt

Das Sprachlernprojekt fand zunächst in der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Hildesheim statt. Im November 2016 wurde die Erstaufnahmestelle geschlossen, viele Geflüchtete haben nun einen dauerhaften Aufenthalt und benötigen Unterstützung bei der Integration in Schule und Arbeitsmarkt.

Insbesondere die Schulen stehen hier vor einer großen Herausforderung. Das Projekt wird deshalb seit Sommer 2016 an zwei Hildesheimer Schulen, der Grundschule Nord und der Walter-Gropius-Berufsschule, fortgesetzt.  Beide Schulen haben einen großen Bedarf an Sprachförderung, das Sprachlernprojekt bietet hier täglich im Anschluss an den Regelunterricht ein ergänzender Sprachunterricht an. Hier wird – anders als im Regelunterricht – sehr intensiv in kleinen Gruppen gearbeitet. Täglich unterrichten 20 Studierende an den beiden Standorten.

Sprachunterricht an Grundschule und Berufsschule

Das Projekt hat sich seit dem Start sehr gut entwickelt, so die Projektkoordinatorin Annette Lützel. Beide Seiten – geflüchtete Schülerinnen und Schüler als auch Studierende – profitieren sehr von dieser Arbeit. Zuerst hatte sich das Projekt nur an Lehramtsstudierende gerichtet, die im Rahmen ihres Sozialpraktikums teilnehmen. Mittlerweile ist das Projekt auch für Studierende anderer Fachrichtungen, wie zum Beispiel Sozial- und Organisationspädagogik und Erziehungswissenschaften, offen. Viele Studierende treffen im späteren Berufsalltag auf Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, im Sprachlernprojekt erwerben sie wichtige Kompetenzen für diese Arbeit.

Die Schulen werden durch das Projekt sehr gut in ihrer Arbeit unterstützt, deshalb erhält das Projekt auch eine Förderung durch die Stadt und den Landkreis Hildesheim sowie die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung. Mit einer Unterstützung des Europäischen Sozialfonds hat das Uni-Team seit Januar 2019 das Sprachlernprojekt zusätzlich um eine intensive Unterstützung der Schülerinnen und Schüler im Übergang von der Schule in den Beruf erweitert.

Sommerfest

Am Donnerstag, 5. September 2019, ab 14:00 Uhr lädt das Team des Sprachlernprojekts im Neubau am Hauptcampus zum Sommerfest ein. Wer teilnehmen möchte, wird gebeten sich vorher bitte per E-Mail anzumelden (roeben@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Studierendenportal Flüchtlinge
news-17338 Wed, 21 Aug 2019 14:38:41 +0200 Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-in-hildesheim-studieren/ Marie Leusder gehört zur ersten Generation, die sich an der Universität Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Der Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ ist bundesweit einmalig. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Das Studium beginnt im Oktober 2019. Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“

Bewerben Sie sich bis zum 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]
Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Insgesamt gibt es 20 Studienplätze, das Studium beginnt im Oktober 2019.

Bundesweit einmalig sei dieser Masterstudiengang, sagt Isabel Rink von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim. „Wir bilden Textexpertinnen und Textexperten aus, die angemessene mündliche und schriftliche Texte für Personen mit Kommunikationseinschränkungen erstellen können. Von der Arbeit in Hildesheim profitieren Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Behinderung, mit divergierenden Bildungschancen oder einschneidenden Lebensereignisse wie zum Beispiel einer Flucht“, so Rink.

„Oft rücken bauliche Maßnahmen ins Bewusstsein, Inklusion bedeutet aber auch, sprachliche Barrieren abzubauen“

Interview mit der Studentin Marie Leusder

Marie Leusder, 23 Jahre, hat im Bachelorstudium an der Universität zu Köln Sonderpädagogik auf Lehramt mit den Fächern mathematische und sprachliche Grundbildung studiert und ihre Bachelorarbeit über Leichte Sprache geschrieben. Über die Recherche für ihre Abschlussarbeit wurde sie auf die Forschung an der Universität Hildesheim aufmerksam und hat sich entschieden, den Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim zu studieren.

Frau Leusder, Sie gehören zur ersten Generation des Masterstudiengangs „Barrierefreie Kommunikation“. Was ist Ihr Antrieb, warum haben Sie dieses Studium gewählt?

Ich habe mich in Köln, wo ich im Bachelor studiert habe, sehr wohl gefühlt, ich war am hin- und herüberlegen, ob ich nach Hildesheim zum Masterstudium gehen soll. Je mehr ich mich informiert habe und mit der Studienberatung in Nordrhein-Westfalen sprach, desto klarer wurde mir: Ich möchte mich spezialisieren und barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren. Inklusion ist ein großes gesellschaftliches Thema, oft – aber auch noch nicht genug – rücken die baulichen Maßnahmen in das Bewusstsein der Bevölkerung, aber dass viele Texte und Sprache viele Leute ausschließen, das ist vielen nicht bewusst.

Warum ist die barrierefreie Kommunikation bedeutsam?

Nehmen wir die Leichte Sprache als Beispiel, eine vereinfachte Variante des Deutschen. Die Leichte Sprache kann sehr vielen Menschen helfen, etwa Menschen mit kognitiven Einschränkungen, aber auch gehörlosen Menschen und Menschen, die aus anderen Ländern kommen und nun in Deutschland leben. Ich habe in Köln in einem inklusiven Café gearbeitet, die Kuchenrezepte wurden in Leichte Sprache übersetzt, das war für die Beschäftigten richtig gut, weil sie eigenständig anhand der übersetzten Rezepte den Kuchen backen konnten.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen im Masterstudium – verbinden Sie Theorie und Praxis?

Im ersten Semester hatten wir viel Theorie, etwa eine Vorlesung zur Verständlichkeitsforschung, in der wir uns damit auseinandergesetzt haben, was Texte eigentlich verständlich macht. Im zweiten Semester kombinieren wir die Theorie mit der Praxis, haben Projektseminare. Ich habe zum Beispiele Seminare zu Fachkommunikation und Verständlichkeitsoptimierung, in denen ich mich damit befasse, wie Bedienungsanleitungen verständlich formuliert werden können und an welchen Stellen es hapert und ich habe für das Roemer- und Pelizaeus-Museum für eine Fachtagung zu Kultur und Inklusion Abstracts übersetzt in Leichte Sprache. Wir befassen uns in Zusammenarbeit mit der Diakonie mit unterstützter Kommunikation und assistiven Technologien , wie können Texte über möglichst unterschiedliche Sinne zugänglich gemacht werden – fast wie ein Theaterstück. Bei der Übersetzung muss man viele Seiten mitdenken, die Nutzer, aber auch den Text und Inhalt selber und wo denn die Texte erscheinen.

Wem würden Sie diesen Masterstudiengang empfehlen?

Jedem, der Interesse an Sprache in der Gesellschaft hat. Wie kann Sprache ausschließen und was kann man dafür tun, dass diese Ausgrenzung reduziert und Teilhabe möglich wird? Dafür wollen wir Antworten entwickeln.

Der Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in der Gesellschaft mit Ihrer Arbeit im künftigen Berufsleben bewirken?

Ich möchte die Gesellschaft dafür sensibilisieren, Barrieren abzubauen. Es ist ein starker Ausschluss, wenn man sprachlich Barrieren aufbaut. Das Studium an der Universität Hildesheim ermöglicht mir, dazu beizutragen, diese Barrieren abzubauen. Übrigens ist der kleine Studienort kein Schock mehr für mich, im Gegenteil: Dadurch, dass ich vorher an einer riesigen Uni in Köln studiert habe, ist es jetzt voll der Luxus, in einer kleinen Studierendengruppe in Hildesheim zu lernen, die Dozentinnen und Dozenten fordern uns sehr, lassen uns aber nicht fallen. Das ist ein guter Antrieb, um weiterzukommen. Ich fühle mich sehr wohl in Hildesheim und rate jedem: „Geh lieber an eine kleine Uni, da ist die Lehre besser.“

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-17317 Mon, 12 Aug 2019 08:11:00 +0200 Sprachförderung in Schulen: Professorin Elke Montanari über das Recht auf Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprachfoerderung-in-schulen-professorin-elke-montanari-ueber-das-recht-auf-bildung/ Zur aktuellen Debatte um Sprachförderung in der Grundschule äußert sich Professorin Elke Montanari. Die Sprachwissenschaftlerin verweist auf das Recht auf Bildung und die Bedeutung qualifizierter Lehrerinnen und Lehrer. „Die Studierenden, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen“, so Montanari über die Hildesheimer Lehrerausbildung. Lehramtstudentinnen und Lehramtstudenten der Universität Hildesheim befassen sich im Studium mit Diversität, Deutsch als Zweitsprache und Bildungsintegration. Montanari erforscht, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Mehr erfahren:
Das Zentrum für Bildungsintegration
an der Uni Hildesheim

Zur aktuellen Debatte um Zweitspracherwerb, Sprachdiagnostik und Sprachförderung äußert sich Professorin Elke Montanari. „Deutschland hat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen mit verabschiedet. Darin ist in Artikel 28 das Recht auf den Schulbesuch verankert. In Deutschland wird dieses Recht durch die Schulpflicht gesichert“, sagt Montanari.

„Die Studierenden an der Stiftung Unviersität Hildesheim, denen ich begegne, sind höchst motiviert, allen Kindern die gleichen Chancen für die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Das sehen sie als eine der wichtigsten Aufgaben. Und wenn ein Kind bei der Einschulung etwas noch nicht gut kann – die deutsche Sprache, Zählen, Sport oder was auch immer, dann lernt es dieses Kind eben in der Schule. Dafür bilden wir ja die Lehrkräfte aus, und dafür studieren angehende Lehrkräfte an einer Universität, die Diversität wertschätzt.“ 

Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt als Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim, wo mit etwa 2600 Lehramtsstudierenden etwa ein Drittel der Grund-, Haupt- und Realschullehrer für Niedersachsen ausgebildet werden. In Hildesheim kann das Lehramtsstudium im Fach Deutsch mit einem Doppelstudium zum Master Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache kombiniert werden. Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder, die ohne oder mit unterschiedlich umfangreichen deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen. Die Wissenschaftlerin bildet Lehrerinnen und Lehrer aus, die im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ qualifiziert sind.

Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache
Studium an der Uni Hildesheim

Kurz erklärt: Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen und in Verlagen, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. 

Die beruflichen Aussichten seien sehr gut, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache. „Uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben“, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Die Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim forscht und lehrt zu der Frage, wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen an Gesamtschulen und Grundschulen und in Integrationskursen.

„Unsere Absolventinnen und Absolventen finden zum Beispiel zahlreiche internationale Berufsperspektiven in Goethe-Instituten, deutschen Auslandsschulen und an internationalen Universitäten. Vorbereitend können hierzu bereits im Studium Praktika absolviert werden, die frühzeitig zur beruflichen Vernetzung beitragen“,  sagt Montanari. 

Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen die Hildesheimer Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig und sehr gefragt als Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen.

Die nächsten Masterstudierenden starten im Oktober 2019 in ihr Studium. Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, die Universität bietet Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an.

Die Universität Hildesheim arbeitet in dem Studiengang mit internationalen Partnern zusammen und kooperiert zum Beispiel mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten.

Zur Person

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“.

Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen, mit Mehrsprachigkeit und Spracherwerb. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen. Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus.

Sie befasst sich zum Beispiel mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit kaum deutschen Sprachkenntnissen in die Schulen kommen, die deutsche Sprache erlernen. Die Wissenschaftlerin hat sich im vom Land Niedersachsen geförderten Projekt „Umbrüche gestalten” für die Integration der Sprachenförderung und Sprachenbildung in die Lehrerausbildung in Niedersachsen eingesetzt.

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news-17312 Thu, 08 Aug 2019 11:11:00 +0200 Internationales Informationsmanagement: Digitalisierung und Globalisierung studieren https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/internationales-informationsmanagement-digitalisierung-und-globalisierung-studieren/ Der Studiengang „Internationales Informationsmanagement“ verbindet Informationswissenschaft und Interkulturelle Kommunikation. Studentinnen uns Studenten befassen sich mit dem Umgang mit Informationen und internationalen Kontexten. Studieninteressierte können sich noch bis zum 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++] einschreiben, das Bachelorstudium an der Uni Hildesheim ist zulassungsfrei. Noch einschreiben bis zum 30. September 2019 +++VERLÄNGERT+++
„Internationales Informationsmanagement“ (IIM) studieren
Dieses Jahr ist IIM zulassungsfrei!
Hier geht's direkt zur Einschreibung

Der Bachelorstudiengang „Internationales Informationsmanagement: Informationswissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ (IIM) greift zwei Trends unserer Wirtschaftswelt auf: Die Globalisierung sorgt für immer mehr interkulturelle Kommunikation und die Digitalisierung erfordert zunehmend Experten für die Informationsversorgung, erläutert der Informationswissenschaftler Professor Thomas Mandl.

Informationsversorgung muss professionell erfolgen, um auf Märkten und bei Kunden Erfolg zu haben. Die Informationswissenschaft bietet dafür das Rüstzeug mit Kursen zu Informationsmanagement, Informationssuche, Digitaler Kommunikation und Mensch-Maschine Interaktion.

Im Bereich der Interkulturellen Kommunikation untersuchen Studentinnen und Studenten Kommunikationsprozesse, die durch Interkulturalität und Mehrsprachigkeit gekennzeichnet sind. Sie analysieren Kulturkontakte und zum Beispiel interkulturelles Verhandeln oder interkulturelle E-Learning-Module und Trainings. Auch die medialen Rahmenbedingungen moderner digitaler Kommunikation spielen dabei eine wichtige Rolle.

Der Bachelor „Internationales Informationsmanagement“ bietet mehrere Möglichkeiten, das Studium individuell und international zu gestalten:

  • Spezialisierung auf einen Schwerpunkt

  • Zwei Nebenfächer aus mehreren Möglichkeiten (zum Beispiel BWL, Medien, Psychologie)

  • Auslandssemester an einer der über 150 Partnerhochschulen

  • Möglichkeit, an einem Doppelstudiengang mit Russland teilzunehmen

  • Im Master: Möglichkeit an einem Doppelstudiengang mit Korea teilzunehmen

Weitere Informationen zum Bachelor IIM

Neuigkeiten rund um den Studiengang IIM im Blog

Beschreibung des Studiengangs IIM

Wie geht es nach dem Studium weiter? Steffen Weichert und Miray Soyak geben Einblicke in die Berufswege:

Im Podcast des Instituts für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie geben Lehrende und Absolventinnen und Absolventen Einblicke in die Berufswege nach dem Studium „Internationales Informationsmanagement“.

„Ich habe im Studium Vorlesungen zu Mensch-Maschine-Interaktion besucht und dann das Thema, was mich heute beruflich begleitet, entdeckt: Usability. Es geht darum, die Nutzerperspektive einzunehmen“, sagt Steffen Weichert (Interview hören: hier geht's zum Podcast). Der Informationswissenschaftler befasst sich mit der Interaktion zwischen Mensch und Maschine, er hat an der Universität Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ studiert. An der Uni gibt es ein „Usability-Labor“, in dem Studentinnen und Studenten mit Eye-Tracking-Geräten und Analyse-Software arbeiten, um Nutzertests mit Aufmerksamkeitsanalysen umzusetzen.

Nach dem Studium ist er in einer Agentur in Hannover gelandet, die sich auf Usability spezialisiert hat. „Ich erhebe bei bestehenden Systemen von kleinen bis sehr großen Unternehmen, wie nutzerfreundlich denn deren Software oder Website aufgebaut ist und verbessert werden kann. In anderen Projekten arbeite ich in der Entwicklung von interaktiven Systemen und Mensch-Maschine-Interfaces“ , so Winter. Außerdem arbeitet er im Wissenstransfer, bringt Unternehmen und der nächsten Generation der Studentinnen und Studenten, bei, wie man benutzerfreundliche Anwendungen entwickeln kann. Er arbeitet als Lehrbeauftragter an der Uni und teilt sein Wissen und die Methoden aus der täglichen Arbeit. Das Hildesheimer Studium habe ihn zum Beispiel darauf vorbereitet, „eine Eye-Tracking-Auswertung zu machen, mit kulturellen Herausforderungen in Projekten umzugehen, die weltweit stattfinden, oder computervermittelte Kommunikation zu verbessern. Alles, was mit im Studium begegenet ist, begegnet mir heute im Beruf. Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ich an der Uni erlernt habe, ist, mit Chaos umzugehen, dann ist man nicht frustriert, wenn nicht alle Lösungen da sind, in der Informationwissenschaft in Hildesheim erarbeiten Studierende Lösungen selber und warten nicht, bis jemand einem eine Lösung für ein Problem bringt.“

Auch Miray Soyak (Interview: Hier geht's zum Podcast) hat an der Universität Hildesheim im Bachelor „Internationales Informationsmanagement“ studiert und technische sowie sprachwissenschaftliche Aspekte kombiniert. Heute arbeitet sie in Hamburg in einer Agentur für Online-Marketing. „Die Arbeit ist kreativ, interkulturell, die Zielgruppen in meinem Berufsalltag sind vielfältig. Es ist ein spannendes Arbeitsfeld, es ändert sich viel im Online-Bereich, etwa durch die Datenschutzregelungen und es ist spannend zu beobachten, wie Werbung im Internet funktioniert. Ich befasse mich mit Kennzahlen und bin im Performance-Marketing tätig, ich spezialisere mich auf das Marketing in Social Media, welche Wünsche haben die Kunden, was möchten sie erreichen und mit welcher Strategie und welchen Kanälen sollen welche Kennzahlen erreicht werden?“, sagt Miray Soyak, die sich in ihrer Abschlussarbeit mit der Markenwahrnehmung auf Instagram beschäftigt hat.

Konsekutive Masterstudiengänge nach dem BA IIM:

Master „Internationales Informationsmanagement – Informationswissenschaft“

Master „Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Studierendenportal
news-17308 Wed, 07 Aug 2019 11:22:00 +0200 Umgang mit Forschungsdaten: Kultur der wissenschaftlichen Integrität https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/umgang-mit-forschungsdaten-kultur-der-wissenschaftlichen-integritaet/ Annette Strauch ist an der Universität Hildesheim für das Forschungsdatenmanagement zuständig. Im Interview gibt die Wissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit und spricht über das Management von Forschungsdaten in der Wissenschaft. Forscherinnen und Forscher sollten „den kompletten Forschungsprozess dokumentieren“, sagt Strauch. Wer kann sich an Sie wenden?

Alle, die hier forschen, können sich an mich wenden. Jede Professorin, jeder Doktorand, jede Studentin kann mich in der Universitätsbibliothek kontaktieren und Beratung zum Management von Forschungsdaten in Anspruch nehmen und Fragen rund um das Datenleben stellen. Die Erstsemester im Bachelor können mich übrigens genauso anrufen – der wissenschaftliche Nachwuchs ist die Zukunft. Wenn Studienanfängerinnen und Studienanfänger früh mit dem Forschungsdatenmanagement in Berührung kommen, ist das eine wichtige Grundlage für ihren weiteren Werdegang in der Universität. Ich biete Kurse und Workshops an. [weitere Informationen finden Sie hier und im Veranstaltungskalender]

Wie wird diese Beratung angenommen?

Das Angebot wird sehr gut angenommen, täglich nutzen in meinem Büro Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch Studierende die Beratung rund um das fachspezifische Forschungsdatenmanagement. Es entstehen Synergien, wenn ich eine Mustereinwilligung in der Psychologie vorliegen habe und ich dann am kulturwissenschaftlichen Fachbereich ein ähnliches Gespräch führe, können wir für alle Fachbereiche neue Lösungen für das Forschungsdatenmanagement schaffen und voneinander profitieren. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Forschungsteams zusammenarbeiten und ihre Daten gemeinsam managen, etwa im Forschungsprojekt „revamp2“ aus dem Bereich „Software Systems Engineering“. Mit dem Team um Professor Klaus Schmid stehe ich im Austausch rund um das Thema „Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten“ für seine Projekte.

„Umgang mit Forschungsdaten und Forschungssoftware innerhalb einer Kultur der wissenschaftlichen Integrität an der Universität Hildesheim“

Welche Bedeutung hat das Forschungsdatenmanagement für die Universität Hildesheim?

Es gibt kaum einen Fachbereich oder ein Institut, das heute nicht Forschungsdatenmanagement betreibt. Gutes, vertrauenswürdiges Datenmanagement ist von strategischer Bedeutung für die Universität Hildesheim insgesamt und für die Weiterentwicklung der Universitätsbibliothek im Bereich forschungsnaher Serviceleistungen. Die Universitätsbibliothek hat sich deshalb frühzeitig positioniert und entwickelt ihre Dienste für die Wissenschaft, Lehre und Forschung kontinuierlich weiter. Es gibt einen engen Austausch mit den Forscherinnen und Forschern. Die Publikation von Forschungsdaten ist Teil der Forschung. Wir betreiben nachhaltiges Forschungsdatenmanagement und haben Servicestrukturen entwickelt. Man kann Forschungsdaten heute im Zuge der Digitalisierung mehr und mehr teilen. Forschungsdaten, die an der Universität Hildesheim entstehen, sind sehr wichtig auch für andere Universitäten in Deutschland sowie global. Man sollte die Nachhaltigkeit und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten im Blick haben, damit Forschungsdaten in Suchmaschinen national und international verknüpft und aufgefunden werden können. Die Forschung aus Hildesheim soll nachhaltig für alle, national und international, sichtbar werden. Selbst dort, wo sensible Daten anfallen, werden zwar nicht die Daten geteilt, aber die Erkenntnisse und Forschungspublikationen.

Inzwischen ist ein Jahr vergangen seitdem Sie an der Universität Hildesheim die Stelle im Forschungsdatenmanagement angetreten haben. Der Umgang mit Daten in der Forschung erfordert viel Sorgsamkeit. Was leistet die Stelle „Forschungsdatenmanagement“, was vorher die Fachbereiche alleine organisieren mussten? Was für eine Hilfestellung bieten Sie?

Es gibt Fragen, die immer wieder auftauchen, etwa zur Speicherung und Archivierung, zu rechtlichen Aspekten, zu Datenmanagementplänen und zur Datensicherheit. Früher hat jedes Institut, wenn überhaupt, das Forschungsdatenmanagement mehr oder weniger alleine gemacht. Nehmen wir als Beispiel die Mustereinwilligungen, jedes Institut hat von vorne angefangen und eigene Dokumente erstellt. Ich möchte die Mustereinwilligungen künftig auf der Website zum Download anbieten, daran kann man sich orientieren, das spart Zeit.

Sie unterstützten Forscherinnen und Forschern auch bei Projektanträgen.

Gemeinsam mit dem Team der Forschungsförderung und unserem Datenschutzbeauftragten Professor Thomas Mandl unterstützen wir zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Antragsverfahren etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es ist wichtig, einem Forschungsantrag einen Datenmanagementplan beizufügen, in dem Angaben zur Speicherung und zu den Kosten für das Management gemacht werden; die DFG etwa bewilligt auch Mittel dafür. So können Daten zum Beispiel in der Politikwissenschaft in Fachrepositorien gespeichert und gefunden werden. Hier gibt es einen sehr hohen Informationsbedarf. Das Software-Werkzeug RDMO hat die Universität Hildesheim 2018 reibungslos installiert, um Datenmanagementpläne gut und einfach schreiben zu können. Jetzt wird das Werkzeug weiter an das institutionelle und fachspezifische Umfeld in den Instituten angepasst. Was in einen Datenmanagementplan gehört, ist sehr häufig die Frage von Forscherinnen und Forschern, wenn es um das Schreiben von Projektanträgen geht. Welche Daten fallen überhaupt an? Wie werden sie dann erhoben und dokumentiert? Werden Metadaten und ethische sowie rechtliche Aspekte berücksichtigt und wie werden die Daten gespeichert? Das sind einige Fragen, die ein Datenmanagementplan beinhalten kann.

Sie beschäftigen sich auch mit Fragen zur Speicherung von Forschungsdaten und mit Repositorien, also den Orten zur Aufbewahrung der Daten. Warum ist das wichtig?

Seit dem Frühjahr 2019 ermittele ich die Speicherbedarfe. Ich konnte mir einen ersten Überblick über den gegenwärtig praktizierten Umgang mit Forschungsdaten verschaffen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben den Wunsch nach Beratung zum Organisieren, Strukturieren, aber besonders die Anforderung nach verlässlichem Speicher deutlich gemacht. Um für diese Anforderungen passende Infrastrukturen finden und entwickeln zu können, bin ich derzeit im Austausch mit allen Fachbereichen und Instituten. Ich befasse mich mit dem Umfang der Forschungsdaten, das heißt, was fällt an? Ich möchte dabei wissen welche Datentypen und welche Datenformate in den einzelnen Projekten anfallen sowie das geschätzte Volumen der Forschungsdaten (ungefähre Größenordnung, das heißt weniger als 100 GB, 1 TB, 10 TB, 100 TB). Außerdem sind Aussagen zur Datenqualität sehr wichtig und ob die Daten schutzwürdig oder öffentlich sind. Antworten auf die Frage nach dem Speicherbedarf und Volumen zu erhalten, wird dabei helfen, technische Lösungsansätze für ein generisches, fächerübergreifendes und fachspezifisches Forschungsdatenmanagement zu schaffen und unter Berücksichtigung der lokalen Anforderungen und Bedarfe, den sicheren Betrieb von Datenspeichern und Infrastruktur zu gewährleisten und zu erweitern. Den Regeln der Guten Wissenschaftlichen Praxis folgend sollen Forschungsdaten in der eigenen Einrichtung oder in einer fachlich einschlägigen, überregionalen Infrastruktur für mindestens 10 Jahre archiviert werden. Am 1. August 2019 trat der Kodex der DFG in Kraft [PDF]. Der Kodex betont die Sicherung von Forschungsergebnissen in Repositorien mit Beachtung der fachspezifischen Standards.
Eine Definition von Forschungsdatenrepositorien ist, dass sie Dokumentenserver sind, auf denen Forschungsdaten archiviert sind. Als Forscherin und Forscher bin ich durch Datenzitation meine DOI für das Forschungsdatum sichtbar. In vielen Gesprächen in allen Fachbereichen wurde der Wunsch geäußert, dass die Forscherinnen und Forscher der Universität Hildesheim zum längerfristigen Aufbewahren und Publizieren, neben externen Repositorien ihre Daten lokal speichern möchten, beispielsweise wenn es sich um sensible Daten handelt oder um Daten von Social-Media-Plattformen, an denen die Rechte fehlen. Die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, mit denen ich sprach und was ein Ergebnis einer hochschulweiten Umfrage war, haben allerdings noch nie Daten in einem Repositorium abgelegt, wobei zu bemerken ist, dass viele hier beabsichtigen, in Zukunft ein Repositorium zu nutzen, entweder ein lokales, wenn angemessen oder ein institutionelles. Die Kooperationen mit GESIS und Qualiservice in den Sozialwissenschaften zur längerfristigen Speicherung und Archivlösung werden als ein Beispiel in diesem Zusammenhang ausgebaut.

Der Umgang mit Forschungsdaten ist essentiell für die wissenschaftliche Tätigkeit. In „coffee lectures“ kommen Sie mit Studierenden und Forscherinnen und Forschern zusammen.

Ich lade mehrmals im Semester zu den „coffee lectures“ ein, man kommt bei einem Tee oder Kaffee eine dreiviertel bis eine Stunde zusammen, es beginnt immer um 12:30 Uhr. Die meisten haben nicht viel Zeit. Da ist das Angebot in der Mittagspause genau das richtige. Wir tauschen uns im Wintersemester 2019/20 aus über das „Organisieren und Arbeiten: Workflows im Forschungsdatenmanagement“ (23. Oktober 2019), die Kulturwissenschaftlerin Kristina Petzold gibt Einblicke in ihre Arbeit mit Datenmengen im Projekt „Rez@Kultur“ und mit welchen Werkzeugen sie arbeitet. Dann geht es am 8. November 2019 weiter mit einem Gespräch über „Syncing und Sharing (Academic Cloud)“, am 20. November 2019 sprechen wir über den „Zugang zu Forschungsergebnissen: Open Access“ und am 4. Dezember 2019 tauschen wir uns über das „Aufbereiten und Veröffentlichen“ und die Metadaten aus. Ob Student oder Professorin – alle Mitglieder der Universität Hildesheim sind herzlich eingeladen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Sie kommen von einer internationalen Konferenz in Astana in Kasachstan, wo Sie eine „Keynote-Rede“ zum Forschungsdatenmanagement gehalten haben. Was war dort Ihre Botschaft auf der internationalen Fachebene?

Ich konnte zeigen, dass die Universität Hildesheim eine feste Stelle für das Forschungsdatenmanagement eingerichtet hat und diese Aufgabe ernst nimmt. Bei vielen Kolleginnen und Kollegen in der internationalen Forschungsdaten-Community aus den wissenschaftlichen Bibliotheken und den Rechenzentren kam das sehr gut an. Wir sind in Hildesheim vorne mit dabei, es ist besonders. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung des Rechenzentrums, der Universitätsbibliothek, des Arbeitskreises Datenschutz und der Hochschulleitung. Viele Externe bewundern das, an manchen anderen Universitätsstandorten gibt es solche Stellen immer noch nicht.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt zum Forschungsdatenmanagement

Mit allen Fragen rund um das Forschungsdatenmanagement können Sie sich jederzeit an fdm@uni-hildesheim.de oder direkt an Annette Strauch (E-Mail annette.strauch@uni-hildesheim.de) wenden.

Aufruf: Bitte um Beteiligung an der Ermittlung des Bedarfs an Speicherung (falls noch nicht geschehen)

Forschungsdatenmanagement beschränkt sich nicht auf die technische Speicherung und Archivierung, dennoch ist es im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis und für die Universitätsbibliothek und das Rechenzentrum essentiell, die Speicherbedarfe der jeweils laufenden Projekte zu kennen, um technisch für alle Forscherinnen und Forscher eines Projektes die besten infrastrukturellen Dienste zur Verfügung stellen zu können und um bestehende Basisdienste weiterzuentwickeln.

Annette Strauch bittet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim, sich an einer Umfrage über den Umfang der Forschungsdaten in aktuellen Forschungsprojekten zu beteiligen. Wenn Sie sich an der Umfrage beteiligen möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail an annette.strauch@uni-hildesheim.de. Einen Link mit Informationen finden Sie hier.

Das nachhaltige Forschungsdatenmanagement betrifft jede Hochschule, auch im Hinblick auf eine Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

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news-17300 Tue, 30 Jul 2019 14:16:00 +0200 Multilingualism and Diversity Education: Tagung am Bühler-Campus https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/multilingualism-and-diversity-education-tagung-am-buehler-campus/ 25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Ländern diskutierten in Hildesheim über „Multilingualism and Diversity Education“. Die Summer School bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie fortgeschrittene Masterstudierende.

25 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Spanien, Iran, Kamerun, Kanada, Schweden und Norwegen nahmen an der Summer School „Multilingualism and Diversity Education“ teil. Am Bühler-Campus der Universität Hildesheim diskutierten sie in der fünftägigen Veranstaltung über Forschungserkenntnisse im Themenfeld der Mehrsprachigkeit.

„Die Summer School Multilingualism and Diversity Education bietet eine internationale Plattform für Nachwuchswissenschaftler*innen, Promovenden und fortgeschrittene Masterstudierende, um auf hohem Niveau intensiv über aktuelle Forschungsfragen der Mehrsprachigkeit und der Vielfalt zu diskutieren. Im Vordergrund steht die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Studierende und Promovenden sollen ihre Fragen stellen dürfen und international profilierte Wissenschaftler*innen kennen lernen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache.

In der fünftägigen Sommerschule stellten unter anderem Professorin Elena Nicoladis von der University of Edmonton (Alberta, Canada), Professorin Tanja Kupisch von der Universität Konstanz/UiT Tromsø The Arctic University of Norway (Deutschland/Norwegen) und Professor Henrik Gyllstad von der Lund University (Schweden) zentrale Forschungsergebnisse vor, etwa zum Thema „Investigating the multilingual mental lexicon – single words and multiword units“. Sie tauschten sich mit Forschungsteams der Universität Hildesheim aus, unter anderem mit Professorin Bettina Kluge, Professorin Kristin Kersten, Professor Joachim Griesbaum sowie Dr. Timo Ahlers, Dr. Kathrin Schweiger und Dr. Anna-Lena Scherger.

Die Summer School findet im Umfeld des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ in englischer und deutscher Sprache statt. Die Veranstaltung wurde vom Zentrum für Bildungsintegration ermöglicht sowie vom Institut für deutsche Sprache und Literatur gefördert.

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news-17124 Tue, 09 Jul 2019 16:11:16 +0200 „Uns interessiert die türkische Sprache in Europa als Thema in der Wissenschaft“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/uns-interessiert-die-tuerkische-sprache-in-europa-als-thema-in-der-wissenschaft/ In dieser Woche tagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Norwegen, Großbritannien, der Türkei und Deutschland an der Universität Hildesheim. Die Fachleute befassen sich mit der türkischen Sprache in Europa. Auf dem internationalen Workshop „Turkish in Europe“ an der Universität Hildesheim vernetzen sich die Fachleute aus Sprachwissenschaft, Psychologie und Pädagogik, um ihre Forschung zu diskutieren.

Guelsen Yilmaz stellt zum Beispiel die Frage: „How much variation disqualifies the heritage speaker’s nativeness?“, Christoph Schroeder und Kateryna Iefremenko referieren zum Thema „The post-verbal position in Turkish in two contact settings: Turkish-German bilinguals in Germany and Turkish-Kurdish bilinguals in Turkey“ und Işıl Erduyan spricht über „Turkish heritage speakers in Germany“. Zudem findet ein Austausch mit Professorin Irene Pieper, Vizepräsidentin für Internationalisierung, statt.

„Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen“

Interview mit Prof. Dr. Elke Montanari
Professorin für Deutsch als Zweitsprache 

Frau Professorin Montanari, in Hildesheim kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum internationalen Workshop „Turkish in Europe“ zusammen. Was ist das Ziel der Tagung?

Wir wollen uns in Europa vernetzen mit Forscherinnen und Forschern, die sich mit der Entwicklung der türkischen Sprache beschäftigen. Wichtige Forschungsfragen sind zum Beispiel: Wie verändert sich das Türkische bei den Türkischsprecherinnen und Türkischsprechern, die nicht in der Türkei wohnen? Wir stellen fest, dass sie einen anderen sprachlichen Input haben, als Menschen, die in Istanbul, Antalya oder Ankara leben und arbeiten. Guelsen Yilmaz, Sprachwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin, beobachtet diese Variationen im Türkischen von Personen, die außerhalb der Türkei leben.

Eine andere, viel diskutierte Frage ist: Wie gehen wir mit den Herkunftssprachen um? Die Sprache von jemandem, der in Berlin oder Paris lebt, kann sich durchaus in einigen Bereichen unterscheiden von der Sprache, die jemand spricht, der in der Türkei zur Schule gegangen ist, dort lebt und arbeitet. Dabei ist eine Herkunftssprache, wobei schon dieses Wort umstritten ist, ebenso eine Muttersprache, eine Erstsprache für das Kind, das damit aufwächst, wie für jedes andere Kind auch die Sprache in den ersten Lebensjahren, die Sprache der engsten Bezugspersonen.

Ein Beitrag befasst sich mit der Frage, welchen Wert die Gesellschaft der Sprache entgegenbringt.

Was ist Sprachprestige, und wie gehen wir in Deutschland mit dem Prestige der Sprache Türkisch um? Mit diesem Thema befasst sich Dr. Yasemin Dayıoğlu-Yücel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hildesheim. Welche Wertigkeit wird der türkischen Sprache in Bildungsinstitutionen, in der Umgebung, in der Familie entgegengebracht? Wie gut ist unser Umgang mit der Vielfältigkeit von Sprachen? Das sind Fragen, die uns sehr beschäftigen.

An der Konferenz nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher linguistischer Disziplinen teil wie Soziolinguistik, Zweisprachigkeit, Spracherwerb, Psycholinguistik und Pädagogik. Warum ist diese interdisziplinäre Forschung wichtig?

Wir brauchen die unterschiedlichen Blickrichtungen. Wir sehen darin einen Mehrwert, zu untersuchen, wie zum Beispiel der Sprachgebrauch mit mentalen Dimensionen, mit der Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses und der Intelligenz, mit der sich die Psycholinguistik befasst, zusammenhängt. Und was sind Schlussfolgerungen für die Pädagogik? Für die Gesellschaft? Das geht nur interdisziplinär.

Sie erforschen seit vielen Jahren, wie Kinder und Erwachsene das Deutsche als zweite Sprache lernen und wie sie mehrsprachig aufwachsen und mit vielen Sprachen leben. Sie befragen etwa in Schulen mehrsprachig aufwachsende Kinder, untersuchen den Wortschatz und das mentale Lexikon. Welche Rolle spielt dabei die türkische Sprache in Ihrer Forschung?

Die Community der Türkisch sprechenden Personen in Europa ist riesig. Wir haben sehr viele Sprecherinnen und Sprecher in Deutschland, in Frankreich und in anderen Ländern mit türkischem Hintergrund. In Deutschland ist es die nach wie vor größte Community, mit sehr engagierter Elternarbeit. Menschen mit türkischen Wurzeln sind in der Studierendenschaft und in der Dozentenschaft präsent, gerade auch in der Stiftung Universität Hildesheim. Es hat eine zentrale Bedeutung, dass wir gemeinsam Fragestellungen in der Forschung und in der Lehre entwickeln, wie es zum Beispiel im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ und in vielen weiteren Studiengängen dieser Universität geschieht. Es ist ein Ziel, die Chancen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen, die für die Gesellschaft in der Vielfalt liegen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Studium

Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

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news-17107 Thu, 04 Jul 2019 07:46:00 +0200 Vorstand des Zentrums für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/vorstand-des-zentrums-fuer-digitalen-wandel/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Im Juli kam der Vorstand des „Zentrums für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“  der Universität Hildesheim zur konstituierenden Sitzung zusammen.

Dem Vorstand gehören der Wirschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt (Sprecher), die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, der Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum, die Mathematikdidaktikerin Professorin Barbara Schmidt-Thieme, der Leiter der Universitätsbibliothek Dr. Ewald Brahms und der Literaturwissenschaftler Dr. Guido Graf an.

„Mit dem Zentrum für Digitalen Wandel wollen wir bestehende Forschungs-, Lehr- und Transferinitiativen bündeln, um diesen eine größere Wirksamkeit zu verleihen und um disziplinübergreifende Erklärungs- und Gestaltungsansätze zu ermöglichen, die dem digitalen Wandel in seiner Komplexität gerecht werden“, so Professor Ralf Knackstedt.  

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype die Debatten über den digitalen Wandel prägen. Die Digitalisierung ist eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim.

Weitere Informationen über das ZFDW finden Sie online.

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news-16486 Tue, 21 May 2019 20:39:00 +0200 Erste große Untertitel-Studie mit Kindern im deutschsprachigen Raum https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/erste-grosse-untertitel-studie-mit-kindern-im-deutschsprachigen-raum/ Wissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim haben erstmals in Deutschland umfassend untersucht, wie Kinder Untertitel in Kindermedien verstehen und wie sich Untertitel verbessern lassen. An der zweijährigen Studie haben 250 Kinder teilgenommen. Der Kinderkanal von ARD und ZDF, der MDR und der NDR waren Kooperationspartner und der Deutsche Gehörlosenbund hat das Projekt unterstützt. Nun liegen die Ergebnisse vor. Seit einigen Jahren bauen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihr barrierefreies Angebot immer weiter aus. Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind Untertitel ein wichtiges Hilfsmittel, um Filme, Serien und Sendungen zu verstehen. Inzwischen gibt es auch zahlreiche untertitelte Kinderangebote. Da sich Kinder im Leselernprozess befinden, deshalb meist langsamer lesen als Erwachsene und da auch ihre Konzentrationsfähigkeit noch nicht so stark ausgeprägt ist, müssen Untertitel für sie anders gestaltet werden als für Erwachsene.

Auf Anregung des Norddeutschen Rundfunks, der in der ARD das Thema „Barrierefreier Rundfunk“ federführend betreut, haben die Übersetzungswissenschaftlerinnen Professorin Nathalie Mälzer und Maria Wünsche untertitelte Sendungen genauer unter die Lupe genommen. Ziel war es, die Untertitel für Kinder zu optimieren und wissenschaftlich überprüfte Richtlinien für die Erstellung von Untertiteln für Kindersendungen zu entwickeln.

In einer Pilotstudie mit 50 teilnehmenden gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Kindern und in einer Hauptstudie mit 200 teilnehmenden Kindern aus Deutschland wurden Ausschnitte aus Sendungen mit verschiedenen Formen der Untertitelung gezeigt und Fragen zu Akzeptanz und Verständnis gestellt.

Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder sie gut lesen können?

Nun liegen Ergebnisse des Projekts „TV-Untertitel für gehörlose und schwerhörige Kinder – Empirische Studie zur Erarbeitung von Standards für die Gehörlosenuntertitelung von Kindersendungen“ vor. Die Studie liefert erstmals in Deutschland eine wissenschaftliche Grundlage, um verbesserte und zielgruppengerechte Untertitel für Kindersendungen zu erarbeiten.

Die Studie der Universität Hildesheim liefert Antworten auf die Frage: Wie müssen Untertitel in TV-Sendungen gestaltet sein, damit gehörlose und schwerhörige Kinder zwischen acht und zwölf Jahren die Untertitel gut lesen, der Sendung inhaltlich folgen können und die Untertitel akzeptieren? Welche Änderungen wirken sich positiv auf die Lesbarkeit, Akzeptanz und Verständlichkeit der untertitelten Serien aus?

Die Forscherinnen befragten 250 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren

Viele der 250 befragten Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren aus Berlin, Brandenburg, Bremen,  Hamburg, Niedersachsen und NRW haben bisher wenig Erfahrung mit Untertiteln. Elternhäuser, auch hörende Eltern, sollten die Untertitel im Fernsehen einschalten, wenn ihre Kinder gehörlos oder schwerhörig sind, so die Wissenschaftlerinnen.

Die Akzeptanz der Untertitel spielt dabei eine große Rolle, sagt die Studienleiterin Professorin Nathalie Mälzer. Wie bekommt man Eltern und Kinder dazu, die Untertitel überhaupt zu nutzen? Die Wissenschaftlerinnen haben die teilnehmenden Kinder befragt, welche Untertitel ihnen gefallen, was sie stört und welchen Einfluss unterschiedliche Standzeiten oder typografische Hervorhebungen auf das Leseverständnis haben. „Für die Kinder ist es wichtig, dass sie die Untertitel den Sprecherinnen und Sprechern richtig zuordnen können. Trägt eine Figur eine grüne Mütze, kann der Text auch in grün gesetzt werden“, erklärt Maria Wünsche.

Weitere Ergebnisse der Hildesheimer Untersuchung sind:

  • Alter: Die Lesekompetenz der acht- und neunjährigen Studienteilnehmer*innen war insgesamt nicht ausreichend für das Lesen von Untertiteln. „Kinder ab zehn Jahren können den Untertiteln aber bereits gut folgen und daher ein besseres Verständnis der untertitelten TV-Sendungen entwickeln“, so Nathalie Mälzer. 

  • Untertitelnutzung: Die Hypothese, je häufiger Kinder Fernsehen mit Untertiteln ansehen, desto besser verstehen sie untertitelte Sendungen, kann nicht bestätigt werden. 

  • Untertitelgeschwindigkeit: Sowohl kurze als auch längere Standzeiten der Untertitel können das Verständnis beeinträchtigen: Sei es durch starke Textkürzung oder durch zu viel Textumfang. Längere Standzeiten werden aber bevorzugt, da auf diese Weise mehr Zeit zum Lesen bleibt. Die Studie zeigt, dass Untertitel mit längeren Standzeiten signifikant besser bewertet werden als Untertitel mit kürzeren Standzeiten. „Die Akzeptanz der Untertitel mit längeren Standzeiten ist viel stärker, weil Kinder sonst in Stress geraten und aussteigen, wenn der Text so rast“, sagt Mälzer.

  • Typografische Hervorhebungen: Typografische Hervorhebungen verbessern die Verständlichkeit nicht signifikant. Typografische Hervorhebungen erhielten im Gesamtergebnis zwar positive Rückmeldungen. Die Teilgruppe, die am häufigsten Untertitel nutzt und daher an sie gewöhnt ist, schätzt die Hervorhebungen aber signifikant schlechter ein als jene Teilgruppen, die kaum Untertitelerfahrung haben. 

Die Wissenschaftlerinnen tragen die Ergebnisse der Studie nun detailliert zusammen, leiten Handlungsempfehlungen für die Praxis ab und stellen sie den kooperierenden Rundfunkanstalten zur Verfügung. Die wissenschaftliche Publikation der Ergebnisse folgt im Laufe des Jahres.

Professorin Nathalie Mälzer sagt: „Die Studie ist nicht nur für die Forschung relevant, sondern hat direkten Einfluss auf die Arbeitsweise unserer Kooperationspartner NDR, MDR und dem Kinderkanal von ARD und ZDF. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen in den Richtlinien der ARD Berücksichtigung finden. Die Schulen und die Rundfunkanstalten wünschen sich von uns nun Vorträge und Schulungen sowie Info-Broschüren: Vor allem Eltern sollten für das Thema Untertitel sensibilisiert werden und ihren Kindern ermöglichen, Sendungen mit Untertiteln zu sehen, um das Verständnis der Sendungen zu verbessern und den Schriftspracherwerb der Kinder zu unterstützen.“

Aus der Zusammenarbeit mit Kindern wissen die Wissenschaftlerinnen: „Kinder sind dankbar, wenn die Wissenschaft sie ernstnimmt, wenn sie gehört werden.“

Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen für die Untertitelproduktion:

  • Die Arbeit mit Farben bei der Untertitelung für die Verbesserung der Figurenzuordnung sollte fortgesetzt werden.

  • Es sollten Untertitel mit längeren Standzeiten verwendet werden, weil die Kinder dann nicht „frustriert“ sind und im Vergleich zu Untertiteln mit kurzen Standzeiten kaum Unterschiede beim Verständnis festzumachen sind. 

  • Es sollten möglichst keine Paraphrasen in Untertiteln formuliert werden.

Die Europäische Union hat die Studie im „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) von März 2017 bis Februar 2019 gefördert. Die Wissenschaftlerinnen danken allen beteiligten Schulen für die engagierte Mitarbeit.

Wer mehr über Untertitel in Medien erfahren möchte, erreicht Prof. Dr. Nathalie Mälzer vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim unter maelzers@uni-hildesheim.de. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen sind Fachleute für den Bereich Medientext und Medienübersetzung.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Forschung Startseite
news-16768 Mon, 13 May 2019 08:17:43 +0200 Migrationslinguistik: Interview mit Professorin Marta Estévez Grossi https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/migrationslinguistik-interview-mit-professorin-marta-estevez-grossi/ Der Bereich „Community Interpreting“ und die barrierefreie Kommunikation ist von hoher soziopolitischer Relevanz. Mit ihrer Forschung und Lehre wollen Übersetzungswissenschaftlerinnen aus Hildesheim und dem mexikanischen Toluca und Oaxaca zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen. Während der Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania" („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“) stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim, Hannover, Mainz-Germersheim, Universidad Autónoma del Estado de México (UAEM/Toluca) und Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca (UABJO/Oaxaca) aktuelle Forschungserkenntnisse zur barrierefreien Kommunikation und Migrationslinguistik in Mexiko und Deutschland vor. Die Konferenz fand am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation statt.

 

„Uns alle verbindet die Faszination für komplexe mehrsprachige Situationen, aber vor allem der Wunsch, zu einer größeren gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen beitragen zu können, egal in welcher Sprache sie sich ausdrücken“, sagt Institutsdirektorin Professorin Bettina Kluge über die Zusammenarbeit mit den mexikanischen Forscherinnen und Forschern aus Übersetzungswissenschaft und Sprachwissenschaft.

„Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen“

Professorin Dr. Marta Estévez Grossi arbeitet als Vertretungsprofessorin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit dem Schwerpunkt Community Interpreting an der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsinteressen gehören unter anderem das Community Interpreting, die Migrationslinguistik, Soziolinguistik und Barrierefreie Kommunikation. Im Interview gibt die Übersetzungswissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit.

Frau Estévez, mit welcher Forschungsfrage befassen Sie sich derzeit?

Die Idee der Translation als Schlüssel für die Integration und Inklusion von sozial benachteiligten Personen beschäftigt mich seit langem und hat schon immer meine Forschung begleitet. Mein Dissertationsprojekt widmete ich der sprachlichen Lage bei spanischen GastarbeiterInnen der ersten Generation in Hannover und wie und von wem ihr Sprachmittlungsbedarf gedeckt wurde (oder eben nicht). Derzeit forsche ich zu den Strategien der Adaptation und intralingualen Übersetzung von juristisch-administrativen Texten in „einfache Sprache“ als eine Form der Barrierefreien Kommunikation im Spanischen und Französischen. Gerade um diese zwei komplementären sprach- und dolmetschwissenschaftlichen Themenbereiche, und wie die Praxis und der Forschungsstand in Mexiko und Deutschland ist, geht es in unserer Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania“ („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“).

Warum ist diese Forschung wichtig, was möchten Sie damit bewegen?

In jedem Land der Welt befinden sich Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen der jeweiligen Mehrheitssprache nicht (vollständig) mächtig sind und deswegen sich in ihren Rechten und Pflichten beeinträchtigt sehen. Sie können unter anderem Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge, Sprecherinnen und Sprecher von Regional- oder indigenen Sprachen, Menschen mit Behinderungen oder Lernbeeinträchtigungen aber auch Touristinnen und Touristen, Messebesucher, Geschäftsmänner oder Geschäftsfrauen oder Konferenzteilnehmerinnen und Konferenzteilnehmer sein. Die Forschung im Bereich Community Interpreting und in den weiteren Formen der Barrierefreien Kommunikation ist daher von hoher soziopolitischen Relevanz, denn sie hat sich als übergeordnetes Ziel gesetzt, die Erkenntnisse der Forschung in die Praxis umzusetzen und einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Überwindung von Sprachbarrieren zu leisten. Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen. In diesem Sinne beteiligt sich das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in verschiedenen Projekten, die oft als innovativ nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit gelten. Im Bereich Community Interpreting ist das von meiner Kollegin Dr. Conchita Otero Moreno geleitete Zertifizierungsprogramm der Stadt Braunschweig für die Ausbildung von interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern nennenswert, indem ich seit fünf Jahren mitwirken darf. Das Programm, das in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert, wurde von Dr. Otero mitkonzipiert und vom Start wissenschaftlich begleitet. Ferner ist im Bereich Barrierefreie Kommunikation, im weitesten Sinne die von Prof. Dr. Christiane Maaß gegründeten Forschungsstelle Leichte Sprache, und der daraus entstandene Masterstudiengang Barrierefreie Kommunikation, der im vergangenen Wintersemester startete, hervorzuheben.

Bei einer Tagung am Bühler-Campus kamen Fachleute in der letzten Woche in Hildesheim zusammen. Was ist das Ziel dieser Konferenz?

In unserer Tagung kamen wir mit drei Gastwissenschaftlerinnen aus der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca in Mexiko (Edith Matías Juan, María del Sagrario Velasco García und Mariana Vásquez Jiménez) und mit zwei Kolleginnen aus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki und Christiane Wegener) zusammen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki wurde an dieser Universität in Oaxaca ein Masterstudiengang für das Übersetzen und Dolmetschen indigener Sprachen aufgebaut. Dieser Masterstudiengang, der in diesem Jahr startet, gilt als erster seiner Art in ganz Mexiko oder sogar in Lateinamerika und soll einen ersten wissenschaftlich fundierten Schritt in Richtung einer Professionalisierung von Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen für Sprecherinnen und Sprecher indigener Sprachen darstellen. Die drei mexikanischen Gastwissenschaftlerinnen sollen ab August im Masterstudiengang unterrichten und interessieren sich sehr für die Erfahrungen, die wir über die Jahre hinweg im universitären und außeruniversitären Kontext gesammelt haben. Auch für uns ist der Austausch hochinteressant und sehr bereichernd, um die Lage des Community Interpreting in Mexiko kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Praxis, Forschung und Lehre herauszuarbeiten. Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz plant in diesem Zusammenhang weitere Forschungsprojekte. Neben der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca und weiteren Universitäten im In- und Ausland soll nun die Universität Hildesheim auch als Partner fungieren. Diese Tagung hat uns erlaubt, uns zum erstem Mal mit den Kolleginnen aus Oaxaca zu treffen und persönlich auszutauschen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Ein Projektbeispiel: Dolmetschen fürs Amt in Braunschweig

In Braunschweig leben Menschen aus über 170 Ländern. 2009 hat die Stadt im Büro für Migrationsfragen eine Servicestelle für Interkulturelles Dolmetschen und Übersetzen eingerichtet, um Verständigung im Arbeitsalltag von Institutionen, kommunalen Dienststellen und in Bildungseinrichtungen zu ermöglichen und Missverständnisse und Konflikte im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich zu vermeiden. Die Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Conchita Otero Moreno von der Uni Hildesheim begleitet diesen Prozess seit dem Start und ist für die Schulung der bisher insgesamt 201 Dolmetscher zuständig. Als Dolmetscher sind Migrantinnen und Migranten aus unterschiedlichen Ländern tätig.

„Die Einsätze der geschulten interkulturellen Dolmetscher ermöglichen eine gelungene Kommunikation zwischen dem Fachpersonal und Migrantinnen und Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die bisher Freunde oder Verwandte zu Gesprächen mitnahmen. Die zum Teil hochqualifizierten Menschen leben seit Jahren in Deutschland, beherrschen die eigene und die deutsche Sprache sehr gut und wollen und können gerne als Dolmetscher tätig werden“, sagt die Wissenschaftlerin.

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news-15915 Mon, 06 May 2019 08:00:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Die Verständlichkeit geht vor https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-die-verstaendlichkeit-geht-vor/ Sie wollen Kommunikationsbarrieren in der Gesellschaft abbauen: Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido haben ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ abgeschlossen und arbeiten in der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität in Hildesheim. Im Interview berichten sie, warum und wie sie Texte übersetzen. Als einziger Universitätsstandort bundesweit hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden.

Die Medienlinguistinnen und Medienlinguisten übersetzen in Hildesheim zum Beispiel juristische Fachtexte, Nachrichten und Märchen in Leichte Sprache.

Die Universität Hildesheim bildet in einem zweijährigen Masterstudiengang Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation“ aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache.

„Leichte Sprache ist die maximale Reduktionsstufe der deutschen Sprache. Wenn man sich ein Spektrum an Komplexität vorstellt, steht sie ganz am Anfang. Ihr gegenüber befindet sich die Fachsprache und dazwischen unsere Stan-dardsprache. Es geht also darum, Inhalte so einfach wie möglich zu konzipieren, um Menschen mit Kommunikationseinschrän-kungen das Verständnis zu erleichtern“, sagt Loraine Keller.

Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido berichten im Interview über ihre Forschung im Bereich der barrierefreien Kommunikation. Das Interview lesen Sie ab Seite 36 im Universitätsjournal DIE RELATION [Ausgabe #04, hier gelangen Sie zur PDF-Datei]. Gedruckt liegt das Universitätsjournal an allen Campusstandorten aus, zum Beispiel vor der Universitätsbibliothek.

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Fachbereich 3 Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Forschung Startseite
news-16645 Wed, 17 Apr 2019 17:09:51 +0200 Habilitation in Sprachtechnologie: Wissenschaftlerin Laura Giacomini https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/habilitation-in-sprachtechnologie-wissenschaftlerin-laura-giacomini/ Forschung zu Fachkommunikation und Sprachtechnologie: Mit der Terminologie und Wissensmodellierung in der digitalen Gesellschaft und sprachtechnologischen Ressourcen wie zum Beispiel elektronischen Wörterbüchern befasst sich die Wissenschaftlerin Laura Giacomini. „Ich befasse mich hauptsächlich mit Fachsprachen, Korpuslinguistik und sprachtechnologischen Ressourcen wie zum Beispiel elektronischen (Fach-)Wörterbüchern, terminologischen Datenbanken und Ontologien. Diese Ressourcen sind für die Verwaltung von Terminologie im Unternehmen wichtig, aber auch für die Übersetzung und die Technische Redaktion“, sagt Laura Giacomini.

Seit 2016 forscht die Wissenschaftlerin am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim, wo sie sich in der Computerlinguistik habilitiert hat.

„Die erfolgreich abgeschlossene Habilitation bedeutet für mich, ein wichtiges Ziel in meiner akademischen Karriere erreicht zu haben. In den letzten Jahren habe ich intensiv daran gearbeitet. Das  Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie hat mir die Möglichkeit gegeben, in einem wissenschaftlich – und menschlich – inspirierenden Umfeld und unter optimalen Forschungsbedingungen dieses Ziel zu erreichen“, sagt Giacomini.

Zum Abschluss des Habilitationsverfahrens hielt PD Dr. phil. habil. Laura Giacomini eine spannende Antrittsvorlesung am 10. April 2019 in der Aula des Bühler-Campus der Universität Hildesheim mit einem hochaktuellen und sehr anschaulichen Vortrag zum Thema „Terminologie und Wissensmodellierung in der digitalen Gesellschaft“.

Laura Giacomini befasste sich in dem Vortrag, der in Teilen ihre Habilitationsschrift „Ontology – frame – terminology. A method for extracting and modelling variants of technical terms“ widerspiegelte, mit Ontologien, also Systemen der Wissensrepräsentation. Der Vortrag zog einen Bogen von Anwendungen in der Künstlichen Intelligenz über die Terminologie- bis hin zur Übersetzungswissen-schaft und zeigte auf, dass die Herangehensweisen der verschiedenen Disziplinen zwar unterschiedlich, die sich stellenden Herausforderungen und Perspektiven jedoch trotz recht unterschiedlicher Daten oft ähnlich ist. Es handelt sich um eine interdisziplinäre Arbeit, die mit vielen wissenschaftlichen Bereichen verknüpft ist.

Als Beschreibung einer praktischen Anwendung stellte Laura Giacomini unter anderem eine von ihr im Rahmen ihrer Habilitation entwickelte Datenbank vor, die spezifische Terminologiedaten zu Dämmstoffen beinhaltet.

Die Antrittsvorlesung wurde zahlreich von Fach- und Laienpublikum besucht. Professor Ulrich Heid, Dekan des Fachbereichs „Sprach- und Informationswissenschaften“ überreichte ihm Anschluss an die Antrittsvorlesung eine Urkunde der Universität Hildesheim, die das nun erfolgreich abgeschlossene Habilitationsverfahren von Laura Giacomini bestätigt.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie
news-16522 Thu, 11 Apr 2019 11:42:37 +0200 Fachkommunikation: Kooperation mit Hochschulen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/fachkommunikation-kooperation-mit-hochschulen/ Die Universität Hildesheim ist bundesweit einer der wenigen Standorte, die diese wissenschaftliche und berufliche Qualifikation anbieten. Zugleich ist die Universität der wichtigste Anlaufpunkt für Promotionen in diesem Bereich. Dr. Franziska Heidrich und Professor Dr. Klaus Schubert von der Kooperationsstelle Fachkommunikation fördern mit Unterstützung der Universitätsleitung kooperative Promotionen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Die technische Fachkommunikation ist ein zukunftsträchtiges Berufsfeld. Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim bildet Expertinnen und Experten für fachliche Kommunikation aus.

Im Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ lernen Studentinnen und Studenten fachliche Inhalte für Experten und Laien aufzubereiten, rechtskonforme und anwenderorientierte Dokumente zu erstellen und diese zweck- und situationsangemessen zu übersetzen, sagt Dr. Franziska Heidrich.

Ein besonderer Schwerpunkt am Institut liegt im Erwerb technischer Fachkenntnisse, etwa in den Bereichen Automatisierungstechnik, Mechanik, Energietechnik, Elektrotechnik, technische Werkstoffe sowie Maschinenelemente, ohne die eine fachlich korrekte Gestaltung von Fachtexten und Fachdokumenten unmöglich wäre.

Die Nachfrage nach solchen Fachleuten ist riesig, sagt Professor Klaus Schubert. Alle Absolventinnen und Absolventen des Hildesheimer Masterstudiengangs finden gute Arbeitsstellen, ehe sie auch nur das Zeugnis der Universität in der Hand halten.

Kooperationsstelle Fachkommunikation bahnt Forschungskooperationen mit Hochschulen an

Die Universität Hildesheim ist in der technischen Fachkommunikation die einzige deutsche Universität, die eine solche berufliche und zugleich auch die höhere wissenschaftliche Qualifikation anbietet. „Das wiederum macht den Fachbereich für Sprach- und Informationswissenschaften deutschlandweit zur einzigen Anlaufstelle für weiterführende Qualifikationen (Promotion und Habilitation) im Rahmen der technischen Fachkommunikation“, so Schubert.

„Anders als Hessen und neuerdings auch Nordrhein-Westfalen setzt Niedersachsen auf kooperative Promotionen von Universitäten und Fachhochschulen. Ich halte die Zusammenarbeit in der Forschung für ein Gebot der Vernunft. Dabei muss aus vielen Gründen das Promotionsrecht bei den Fakultäten bleiben“, sagt Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

Mit Unterstützung der Hochschulleitung haben Klaus Schubert und Franziska Heidrich die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ aufgebaut. Zweck der Kooperationsstelle ist die Anbahnung von Forschungskooperationen mit den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und von kooperativen Promotionen, erläutert Klaus Schubert. „Dabei möchten wir nicht nur Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen auf ihrem Weg in die Wissenschaft fördern, sondern vor allem auch, Hochschulprofessorinnen und Hochschulprofessoren an der Betreuung und Begutachtung dieser Qualifikationen beteiligen. Dies geschieht in Übereinstimmung mit den Positionen der Landeshochschulkonferenz und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die solche kooperativen Promotionen ausdrücklich begrüßen.“

Doktorandenveranstaltungen in Deutschland und der Schweiz

Zur Anbahnung dieser kooperativen Qualifikationsvorhaben haben Franziska Heidrich und Klaus Schubert bereits einige einschlägige Hochschulen in Deutschland und der Schweiz erreichen können, mit denen gemeinsam im letzten Jahr für Promotionsinteressierte vor Ort Informationsveranstaltungen zum Thema „kooperative Promotion“ durchgeführt worden sind. Weitere Hochschulen in ganz Deutschland werden im Jahr 2019 folgen.

Das Angebot erhält großen Zuspruch durch Masterstudierende und Absolventen, von denen zahlreiche bereits zur näheren Abstimmung und weiteren Planung an Professor Klaus Schubert herangetreten sind.

„Die thematische Bandbreite ist dabei groß. Die Fachkommunikationswissenschaft ist interdisziplinär ausgerichtet und hat damit zahlreiche Schnittstellen zu anderen Wissenschaftsgebieten. Zudem ist die Fachkommunikationswissenschaft als eigenständige Disziplin eine noch sehr junge Disziplin, die sich am Schnittpunkt zwischen angewandter Sprachwissenschaft, Übersetzungswissenschaft, Kommunikationswissenschaft und den technischen Fachwissenschaften verortet – auch dies bedingt eine große Bandbreite an Forschungsinteressen, die häufig der konkreten Berufspraxis entspringen“, so Schubert.

Erfolgreiche Forschungstagung zum dritten Mal in Hildesheim

Die Kooperationsstelle Fachkommunikation hat 40 junge und auch etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Konferenz nach Hildesheim eingeladen. Ende März 2019 tauschten sich die Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz am Bühler-Campus auf der dritten Forschungstagung „Fachkommunikation – die wissenschaftliche Sicht“ über die Forschung aus.

„Ziel unserer Tagungen ist nicht nur der fachliche Austausch. Wir wollen für die jungen Wissenschaftler der Fachkommunikation auch fachliche Kontakte, eine berufliche Vernetzung und Denkanstöße für die eigene Arbeit geben“, so Franziska Heidrich.

Masterstudiengang
„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

Kooperationsstelle Fachkommunikation

Kurz erklärt

Übersetzungswissenschaft in Hildesheim

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation bildet Sprach- und Übersetzungsprofis aus: Im Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ lernen Studierende die Grundlagen, um Texte, Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher zu übersetzen. Nach einem Studienjahr geht der gesamte Jahrgang ins Ausland – etwa nach Mexiko, Spanien, Frankreich, Indien oder in die Türkei.

Im Master-Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" spezialisieren sich Studentinnen und Studenten auf Kommunikationsformen in und für die Medien und transmediale sowie inter- und intralinguale Übersetzung. Sie untertiteln zum Beispiel Filme, übertiteln Theaterstücke und übersetzen Nachrichten und Rechtstexte in Leichte Sprache.

Im neu eingerichteten Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ lernen die Studierenden, wie mit kommunikativen Barrieren umgegangen wird und erschließen so ebenfalls einen hochspezialisierten Bereich der angewandten Sprachwissenschaft.

Hildesheimer Absolventinnen und Absolventen sind zum Beispiel als Technische Redakteure und Fachübersetzerinnen in der Industrie oder bei Dienstleistern angestellt, sind bei einem der größten Übersetzungsdienste der Welt – der EU-Kommission in Brüssel – tätig oder arbeiten für das Bundesjustizministerium und beim Norddeutschen Rundfunk.

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news-16490 Mon, 08 Apr 2019 15:45:58 +0200 Learning how the younger generation is preparing to face new challenges https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/learning-how/ Der Gastwissenschaftler Lenin Martell berichtet im Interview, mit welchen Impressionen er aus Deutschland nach Mexiko zurückkehrt. Der Politikwissenschaftler gehört zu einem Team, dass die Kooperation zwischen den Universitäten Toluca und Hildesheim ausbaut und pflegt. Er befasst sich mit Entwicklungen im Journalismus und der Rolle öffentlicher Medien im politischen System Mexikos. Die Universität Hildesheim und die Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) in Toluca kooperieren seit 2010 unter anderem in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen. Bisher haben mehr als 50 Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Toluca an dem Austausch teilgenommen. Außerdem beinhaltet die Zusammenarbeit den Austausch von Dozentinnen und Dozenten sowie gemeinsame Veröffentlichungen, so entstand zum Beispiel ein Sammelband zur Fremdsprachenvermittlung.

Es gibt zahlreiche Kooperationsabkommen zwischen deutschen und mexikanischen Hochschuleinrichtungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und der Universidad Autónoma del Estado de México ist allerdings besonders: das Verbindungsbüro der mexikanischen Universität in Hildesheim ist die erste und einzige ständige Vertretung einer mexikanischen Hochschuleinrichtung in Deutschland.

Studierende und Dozentinnen und Dozenten, die Fragen zum internationalen Austausch haben, können das Team des International Office der Universität Hildesheim kontaktieren.

Interview with Lenin Martell

“I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor”

Prof. Dr. Lenin Martell is a Professor at the School of Political and Social Sciences in the Autonomous University of the State of Mexico in Toluca. As a guest lecturer he worked at University of Hildesheim. In an interview he talks about his experiences in Hildesheim.

You have worked, researched and taught in Hildesheim as a visiting scholar, now you are back in Mexico. What was exciting?

I would say three things: Learning about what the younger generation thinks about global issues – such as poverty – also, how they learn, how they behave, how they are preparing to face new challenges in the professional arena. I had many international students in my classes at University of Hildesheim – from Rumanians to Indians or Mexicans, among others.

Students tend to have more information about global issues, such as gender equality and environment, though having more information does not make them more sensitive to these issues. They seem to show take on a more intellectual posture as opposed to a broad understanding on global issues.

With which impressions are you going back home?

I returned to Mexico with many new professional and life experiences. The concept of higher education is changing very dramatically around the world, and it is difficult for the policy makers, administrators, and scholars to adapt to new educational realities. For example, we want to teach in a more active-participatory way, but I perceive that many colleagues do not exactly know how to develop those skills in the classroom. There is a growing need to work one-on-one with students, but it seems to be hard for both students and professors to learn these dynamics. Also, let’s face it: Students are not reading at the same pace as previous generations used to. This is a big problem. Students feel more empowered and freer to be opinionated rather than providing strong arguments in class. Also, despite students being quiet young, they struggle to learn new methods or dynamic approaches within the class. We live in a global world, but it doesn’t mean students are able to adapt to new environments.

In addition to this, universities need to develop media literacy. International students seem very well informed on current worldwide events. But it is difficult for them to decode concepts such as poverty or injustice – even identifying them. Their academic and personal formation would benefit from these skills. 

On the other hand, I learned many pedagogical aspects from co-teaching with another professor. I learned them first-hand from a German educator, and I think she experienced the same thing. That means exchanging good pedagogical practices. For example, what to expect academically from students; how to tackle a specific problem in class; which approach to give a theoretical class. This is very rewarding, because one rarely has the opportunity to receive feedback from another professor.

How do you want to strengthen the cooperation between Toluca and Hildesheim?

Since being home I have been able to strengthen our ties with Hildesheim. Dr. Felix Koltermann from the Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur just spent two weeks at the Autonomous University of the State of Mexico (UAEM) as a visiting scholar. He taught two workshops on Visual “Storytelling and Photojournalistic Imaginary” and “Visualizing Conflict in Contemporary News”. He also gave a keynote presentation on “Photojournalism in the era of Post-Truth”. Both students and academics welcomed Koltermann’s work in Toluca with gratitude. For example, students at the graduate program on Peace and Development studies were able to experience practical knowledge and were very happy to learn about photojournalism. According to these students, Koltermann made them think about knowledge and skills they had never considered before. Some were even motivated to include the study of photos in their research.

I will also continue to promote student and scholar exchanges with Hildesheim, and I will continue collaborating with other professors at Hildesheim.

Questions: Isa Lange

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news-16417 Tue, 02 Apr 2019 11:11:35 +0200 Nachruf – Gedenken an Prof. Dr. Annette Sabban https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nachruf-gedenken-an-prof-dr-annette-sabban/ Die Universität Hildesheim trauert um Prof. Dr. Annette Sabban. Sie verstarb im Alter von 66 Jahren am 31. März 2019. Die Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft und Romanistik forschte und lehrte seit 1995 in Hildesheim, sie bezeichnete oft die Liebe zur Sprache als die Triebfeder für ihren beruflichen Werdegang. Die Universität Hildesheim trauert um Professorin Dr. phil. habil. Annette Sabban, die im Alter von 66 Jahren am 31. März 2019 in Lüneburg verstorben ist.

Die Sprach- und Übersetzungswissenschaftlerin forschte und lehrte seit 1995 am Institut  für Angewandte Sprachwissenschaft und seit 2009 am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählten das Übersetzen von Medientexten, Popularisierungsformate in Rundfunk und Fernsehen, die Phraseologie im Text, die Kommunikation zwischen Experten und Nicht-Experten sowie der Sprachvergleich.

Annette Sabban wurde am 28. März 1953 in Klein Bülten bei Ilsede geboren. Sie studierte Anglistik, Romanistik und Sinologie an den Universitäten Hamburg und Edinburgh sowie Psychologie als Zweitstudium an der Universität Hamburg. Sie legte eine erste und zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Englisch und Französisch ab.

An der Universität des Saarlandes promovierte Annette Sabban 1981 zum Dr. phil. im Fach Anglistische Sprachwissenschaft. Die Doktorarbeit trägt den Titel „Gälisch-englischer Sprachkontakt. Zur Variabilität des Englischen im gälischsprachigen Gebiet Schottlands. Eine empirische Studie“. Von der Feldforschung auf den Äußeren Hebriden, die der Dissertation zugrunde lag, hat Annette Sabban auch später viel erzählt. Nach ihrer Promotion arbeitete sie von 1981 bis 1985 als Redakteurin für Fremdsprachenlehrwerke beim Ernst Klett Verlag in Stuttgart. Von 1985 bis 1991 war sie als Akademische Rätin am Institut für Romanische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Dort habilitierte sie sich 1992 im Fach Romanische Philologie mit der Schrift „Okkasionelle Variationen sprachlicher Schematismen. Eine Analyse französischer und deutscher Presse- und Werbetexte“. Nach ihrer Habilitation blieb sie zunächst in München und arbeitete am Institut für Romanische Philologie bis 1995 als Oberassistentin. Von 1993 bis 1995 vertrat sie Professuren für Romanische Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg und an der Universität München. 1995 folgte sie dem Ruf an die Universität Hildesheim auf die Professur für Angewandte Sprachwissenschaft und Romanistik. Annette Sabban hatte 2001 eine DAAD-Gastprofessur und 2005 eine Erasmus-Kurzzeitdozentur in Helsinki inne. Eine weitere Gastprofessur absolvierte sie 2006 an der Universität Paris VII.

„Annette Sabban war eine sehr kluge, meinungsstarke, für ihre Interessensgebiete brennende Frau, von der immer ein sehr feinsinniger, häufig auch sehr humorvoller Kommentar zu erwarten war. Sie selbst bezeichnete oft die Liebe zur Sprache als die Triebfeder für ihren beruflichen Werdegang – daneben gab es aber auch die Liebe zur Musik, besonders zur Flötenmusik des Barock. Ihre Begeisterung, gepaart mit profunder Sachkenntnis, wirkte ansteckend auf viele, die mit ihr in direktem Kontakt standen. Was immer sie auch tat, tat sie mit hundertprozentigem Engagement“, erinnern sich die Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation.

„Frau Prof. Dr. Sabban überzeugte durch ihre wissenschaftliche Kompetenz und die sehr feine und sensible Art, in der sie unsere Entwicklung mit gestaltet hat. Ich werde ihren Rat sehr vermissen“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

An der Universität Hildesheim entwickelte Professorin Annette Sabban mit Kolleginnen und Kollegen den Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ und damit ein deutschlandweit einzigartiges Studienangebot, das Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und Medienwissenschaft verbindet.

Die Sprachwissenschaftlerin forschte an der Universität Hildesheim unter anderem über die Popularisierung von Wissen und untersuchte, wie Wissensinhalte an ein nicht fachlich vorgebildetes Publikum vermittelt werden. Sie befasste sich mit der Frage, wie Wissen medial aufbereitet wird und wie Sach- und Fachthemen zugänglich gemacht werden, etwa im Fernsehen, im Internet, oder in Kinderbüchern und Zeitschriften für unterschiedliche Altersgruppen.

Professorin Annette Sabban war seit 2015 Studiendekanin des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften und trug mit Umsicht und Sorgfalt dazu bei, die Studien- und Prüfungsordnungen des Fachbereichs für die Studierenden so durchschaubar und unbürokratisch wie möglich zu machen. Annette Sabban leitete darüber hinaus viele Jahre lang die Prüfungs- und Auswahlkommissionen mehrerer Studiengänge des Instituts.

Sie war Mitglied des Deutschen Romanistenverbandes, des Deutschen Frankoromanistenverbandes und der Gesellschaft für Angewandte Linguistik. Darüber hinaus engagierte sie sich in der Europäischen Gesellschaft für Phraseologie, deren Vorstandsmitglied sie von 2004-2010 war. Zudem war sie Mitherausgeberin des renommierten Yearbook of Phraseology.

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim verliert eine hochgeschätzte Kollegin, die sich große Verdienste um das Institut und den Fachbereich erworben hat und deren Wirken noch lange nachhallen wird.

Hildesheim, den 2. April 2019

Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim

Prof. Dr. Ulrich Heid, Dekan des Fachbereichs „Sprach- und Informationswissenschaften“

Prof. Dr. Bettina Kluge, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation

Prof. Dr. Klaus Schubert

Prof. Dr. Christiane Maaß

Prof. Dr. Nathalie Mälzer

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation und die Studierenden des Fachbereichs „Sprach- und Informationswissenschaften“

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news-16276 Thu, 21 Mar 2019 10:36:00 +0100 Digital Humanities: Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/digital-humanities-forschung-in-den-digitalen-geisteswissenschaften/ Am Zentrum für Digitalen Wandel in Hildesheim bauen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften aus. Mithilfe computerlinguistischer Methoden können sie große Datenmengen analysieren. Aktuelle Ergebnisse stellten sie beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ vor, einer Kooperation zwischen den Universitäten Hildesheim und Göttingen. Ulrich Heid forscht und lehrt als Professor für Sprachtechnologie und Computerlinguistik am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Professorin Caroline Sporleder, Direktorin des Göttingen Centre for Digital Humanities , lädt der Computerlnguist regelmäßig zu Arbeitstagungen ein.

Alle sechs Monate kommen Forscherinnen und Forscher beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ zusammen, im Frühjahr in Göttingen, im Herbst in Hildesheim. Ende Februar 2019 fand die Arbeitstagung zum Thema „Digital Methods in Political Science“ in Göttingen statt.

Die Workshops dienen dazu, dass beide Standorte einander über laufende Projekte, Methoden und Verfahren informiert halten. Regelmäßig werden europäische oder nationale Gäste eingeladen.

Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoribildung und computerlinguistischer Textanalyse

„Einige der prominenteren Vertreter computerlinguistisch arbeitender Politikwissenschaft Deutschlands kamen diesmal zusammen“, sagt Ulrich Heid. „Wir wollen gemeinsam verstehen, wie die Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoriebildung und computerlinguistischer Textanalyse aussehen kann. Zwar ist der Einsatz von Werkzeugen zur Extraktion von Wörtern und Wortsequenzen und von Zählverfahren und statistischen Tools sehr ‚en vogue‘ in der Politikwissenschaft, aber das eigentliche Ziel sollte es sein, klarer zu verstehen, welche Arten von Werkzeugen welche Arten von theoriegeleiteten Fragenstellungen gut unterstützen.“

Ein thematischer Schwerpunkt ist das vieldiskutierte Problem „Hate Speech“. „Wir bringen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sich Gedanken dazu machen, was eigentlich alles als Hate Speech gelten soll, aber auch solche, die Werkzeuge oder Daten für Training und Test von Werkzeugen entwickeln.“

Computerlinguistische Techniken in den Geisteswissenschaften

Die Verwendung und die Menge verschiedener computerlinguistischer Techniken hat für die textbasierten Geisteswissenschaften in der letzten Zeit enorm zugenommen, sagt Heid. Mit den Nachbarn in Göttingen hat er die idealen Kooperationspartner gefunden. Beide Universitäten haben eine geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Ausrichtung, forschen sowohl grundlagen- als auch anwendungsorientiert. In Göttingen wurde Caroline Sporleder als Professorin für digitale Geisteswissenschaften im Fachbereich Informatik berufen. „Wir halten uns auf dem Laufenden, wie die Geisteswissenschaften auf die Digitalisierung reagieren“, sagt Ulrich Heid, der in Hildesheim gemeinsam mit dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt und der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer seit Ende 2018 am „Zentrum für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ mitarbeitet.

Program of the 7th. Göttingen/Hildesheim-Workshop
on Computer Linguistic and Digital Humanities

Im Folgenden geben einige der am Workshop beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hildesheim Einblicke in ihre Forschung:

Analyse von Diskursen über Solidarität

Computerlinguist Prof. Dr. Ulrich Heid

Prof. Dr. Ulrich Heid ist ordentlicher Professor für Sprachtechnologie / Computerlinguistik in Hildesheim und Mitbegründer der Workshop-Serie „Computational Linguistics and Digital Humanities“. Ulrich Heid ist selbst Geisteswissenschaftler, hat Sprachwissenschaft und Geschichte studiert und sich dann auf Computerlinguistik und Sprachtechnologie spezialisiert.

Herr Professor Heid, an welchem Forschungsthema arbeiten Sie zurzeit?

Zusammen mit Prof. Dr. Marianne Kneuer präsentiere ich Pläne für das neue, vom Land Niedersachsen finanzierte Projekt SOLDISK, also erst einmal nur Ziele und angestrebte Methoden, noch keine Ergebnisse. Professorin Marianne Kneuer koordiniert das Projekt, das am 1. März 2019 beginnt und Politologen und Computerlinguisten zusammenbringt. Wir analysieren Diskurse über Solidarität, wie sie in online-Quellen vorliegen. Beispiele sind offizielle Texte der Regierung, aber auch Statements auf Internetseiten zivilgesellschaftlicher Akteure (Kirchen, Vereine, Bürgerinitiativen usw.) oder von Individuen. Wir wollen für den Zeitraum 2012 bis 2016 und die beiden Einwanderungsereignisse in Deutschland (Rumänen und Bulgaren, 2012 bis 2014; sogenannte „Flüchtlingskrise“ 2014 bis 2016) ein Textkorpus sammeln, analysieren und im Hinblick darauf untersuchen, wie über Solidarität (zum Beispiel mit den Flüchtlingen) geschrieben wird.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Es heißt, Solidarität sei in der Krise; speziell in Zeiten, die als Krisenzeiten wahrgenommen werden, wie etwa den von Migrationsereignissen gekennzeichneten Jahren 2012 - 2016. Solidarisches Handeln in großem Stil zu erfassen ist sehr schwer; aber Diskurse über Solidarität das heißt das, was Akteure im Gemeinwesen darüber schreiben oder sagen, lässt sich sammeln, über die Zeit hinweg analysieren und interpretieren. Uns interessiert, ob und wie sich die oben genannten drei Gruppen in ihren Solidaritätsdiskursen unterschieden, ob generell oder gruppenweise Soldidarisierungs- bzw. Desolidarisierungsentwicklungen feststellbar sind, und ob Diskurse einer Akteursgruppe auf die anderen Gruppen "abfärben". Schließlich auch, wie argumentiert wird: mit wirtschaftlichen Argumenten, mit Fremdheit, oder mit Sicherheitsargumenten? Die Ergebnisse sind langfristig auch für die Politikberatung relevant.

„Practices of Commenting in Digital Public Spheres”

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten

Prof. Dr. Michael Corsten ist Professor für Soziologie und Dekan des Fachbereichs Erziehungs- und Sozialwissenschaften in Hildesheim. Im Rahmen des DFG-Projekts „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“ hat Corsten mehrere Doktorarbeiten und eine Habilitation begleitet.

Herr Professor Corsten, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Es geht um ein Ergebnis aus dem DFG-Projekt „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“, die exemplarische Auswertung der 432 Beiträge im Zeit-Online-Kommentarbeich zum Artikel „schlecht, schlechter, Geschlecht“ von Harald Martenstein.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Bemerkenswert ist oberflächlich betrachtet zunächst der Befund, dass auch in dem Online-Forum eines anerkannten Mediums des Qualitätsjournalismus eine Vielzahl von Beiträgen zu finden sind, in denen Personen und/oder Positionen in abwertender bis diskriminierender Form behandelt werden. Trotzdem zeigt sich an dem untersuchten Beispiel, dass sich innerhalb solcher Online-Leser-Kommentarforen Debatten zwischen kleineren Gruppen von Leserinnen und Lesern entfalten können. Wichtig ist die Untersuchung speziell dieser Bereiche nicht zuletzt deshalb, weil sich daran eine Kombination von One-To-Many- und Many-To-Many-Kommunikation zeigt.

„Who polluted the debate in the German federal election campaign 2017? Analysis and automatic detection of hate speech on social media”

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann

Prof. Dr. Wolf J. Schünemann forscht und lehrt als Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet in Hildesheim.

Herr Professor Schünemann, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Wir stellen zentrale Ergebnisse aus dem Projekt „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) vor und zwar aus dem Teilprojekt 1, in dem wir einen großen Datensatz digitaler Kommunikationsdaten (insgesamt 2,9 Mio. Facebook-Beiträge) automatisiert ausgewertet haben. Wichtige Ergebnisse sind bislang, dass wir die viel beschworenen Echokammern, insbesondere im Hinblick auf die populistische Rechte, im deutschen Facebook-Wahlkampf nicht nachweisen können, zumindest nicht, wenn wir uns anschauen, auf welche Medieninhalte in den Posts und Kommentaren verwiesen wird. Hier zeigen alle Parteien einschließlich der AfD große Überschneidungen. Dennoch finden wir Muster thematischer und formaler Polarisierung, auf die wir eingehen. Zudem wird der Datensatz auch für die Forschung zu offensiver Sprache oder Hate Speech im Facebook-Wahlkampf verwendet. Hier leistet die Sylvia Jaki die wesentliche Forschungsarbeit und wird auch erste Ergebnisse präsentieren. 

Warum ist diese Forschung wichtig?

Die Bundestagswahl 2017 war einschneidend, sowohl im Hinblick auf das Ergebnis der Wahl (insbesondere der Erfolg der Rechtspopulisten) als auch den Online-Wahlkampf. Es gilt gerade im Vorfeld weiterer Wahlkämpfe (Länder/Europa) Lehren daraus zu ziehen und viel diskutierte Tendenzen der politischen Kommunikation und angenommene Gefahren für die Demokratie an der Realität zu überprüfen.

„Echo chambers and polarisation in the German federal election 2017”

Fritz Kliche, Stefan Steiger und Prof. Dr. Wolf Schünemann forschen zu Echokammern in sozialen Medien. Der Computerlinguist Fritz Kliche forscht in der Arbeitsgruppe von Professor Ulrich Heid.

Mich interessieren besonders die „Digital Humanities“ – also die Zusammenarbeit von Informatikern oder in unserem Fall Computerlinguisten mit Forscherinnen und Forschern aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften, sagt Fritz Kliche. Mit seiner Arbeit möchte er dazu beitragen, dass Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften in Hildesheim ausgebaut werden und in der interdisziplinären Zusammenarbeit weitere wichtige Forschungserkenntnisse erarbeitet werden können.

Automatic detection of hate speech on social media

Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki

Dr. Sylvia Jaki ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in Hildesheim und forscht im Bereich der Medienlinguistik. Mit Kollegen der Universität Antwerpen hat sie ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombination in Tweets aufzuspüren. Sie befasst sich mit sprachlichen Charakteristika der Medien und arbeitet an ihrer Habilitation.

Frau Dr. Jaki, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Für die Facebook-Daten des Projekts „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) von Wolf Schünemann konnten wir zeigen, dass die Facebook-Profile von Parteien und Politikerinnen und Politikern an den politischen Rändern während der letzten Bundestagswahl tendenziell mehr Hate Speech aufwiesen als bei den Parteien der politischen Mitte. Dies heißt aber nicht unbedingt, dass sich die Hate Speech GEGEN die Partei beziehungsweise den Politiker oder die Politikerin richtet. Unsere Analysemethode demonstriert überdies, dass lexikonbasierte Ansätze zu transparenteren Systemen bei der Erkennung von Hate Speech beitragen können.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Hate Speech hat sich zu einem omnipräsenten Phänomen in den Medien entwickelt. Wie aber wollen wir damit umgehen – automatisiert entfernen, akzeptieren oder dagegen andiskutieren? Dies ist eine Frage, die vielerorts diskutiert wird und auch unbedingt diskutiert werden sollte. Aufgrund der Schwächen, die Detektionssoftware derzeit noch aufweist, ist es wichtig, Detektionssysteme zu schaffen, die einen Einblick in die Klassifikationsmechanismen geben, um die oftmals als Black Box bezeichnete Künstliche Intelligenz transparenter zu machen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16230 Wed, 20 Feb 2019 14:21:38 +0100 Universität Hildesheim bildet Sprachexpertinnen und Sprachexperten aus https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-bildet-sprachexpertinnen-und-sprachexperten-aus/ Für diese sprachwissenschaftlichen Masterstudiengänge können sich Studieninteressierte zum Sommersemester 2019 derzeit noch bewerben: „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“, „Barrierefreie Kommunikation“, „Medientext und Medienübersetzen“, „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“, „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“. Das Studium an der Universität Hildesheim beginnt im April 2019. Am Bühler-Campus bildet die Universität Hildesheim Expertinnen und Experten für Sprachen, Kommunikation und Informationsmanagement aus. Dies sind die Masterstudiengänge des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften, für die eine Bewerbung zum Sommersemester 2019 jetzt noch möglich ist:

„Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Expertinnen und Experten für die Vermittlung der deutschen Sprache aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind stark nachgefragt und arbeiten an Schulen, Hochschulen und in Verlagen, in der Bildungsplanung in Behörden, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit. Die Universität arbeitet in dem Studiengang mit regionalen und internationalen Partnern zusammen. In der Praxisphase absolvieren Studentinnen und Studenten mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ Auslandspraktika an Partnerhochschulen weltweit, etwa an Universitäten in Ungarn, Litauen, Italien, China oder Mexiko. [hier lesen Sie ein Interview mit Professorin Elke Montanari und Professorin Beatrix Kreß]

„Barrierefreie Kommunikation“

Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten dieses Masterstudiengangs zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache.

„Medientext und Medienübersetzen“

Mit dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzen“ bietet die Universität Hildesheim einen deutschlandweit einzigartigen Studiengang an, der Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und Medienwissenschaft verbindet. Studentinnen und Studenten können sich unter anderem in den Bereichen audiovisuelle Übersetzung wie Untertitelung und Synchronisation, barrierefreie Kommunikation sowie interne Unternehmenskommunikation spezialisieren.

„Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

In unserer globalisierten Welt sind im Bereich der Fachkommunikation Fachleute gefragt, die mehrsprachige Kommunikationsfähigkeit mit soliden und speziell auf ihre beruflichen Belange ausgerichteten technischen Kenntnissen verbinden. Beim professionellen Übersetzen wie auch in der technischen Redaktion geht es heute zu einem großen Teil um technische Inhalte. Während des zweijährigen Masterstudiums „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ spezialisieren sich die Studentinnen und Studenten auf das Übersetzen und/oder Erstellen technischer Texte im internationalen Kontext. Das Studium kombiniert sprachlich-übersetzerische und technisch-naturwissenschaftliche Inhalte.

„Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

Der Masterstudiengang „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ bildet Expertinnen und Experten für interkulturelle Situationen aus, in denen mit gesprochener und geschriebener Sprache in unterschiedlichen Institutionen – zum Beispiel der öffentlichen Hand, in Nichtregierungsorganisationen oder in Institutionen der Wirtschaft – kulturübergreifend gehandelt wird. Inhalte des Studiums sind u.a. Kenntnisse über migrationsbedingte Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kommunikation in unterschiedlichen Texten und Diskursen sowie Phänomene des Kultur- und Sprachkontakts. 

Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften

Hier gelangen Sie zur Online-Bewerbung und
erhalten Informationen zu den Bewerbungsfristen

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news-16052 Thu, 24 Jan 2019 17:40:00 +0100 Bildung stiften: Universität zeichnet 95 Studierende mit Deutschlandstipendien aus https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/bildung-stiften-uni-zeichnet-95-studierende-mit-deutschlandstipendien-aus/ Die Universität Hildesheim dankt allen Bildungsstifterinnen und Bildungsstiftern, die Studentinnen und Studenten auf ihrem Bildungsweg unterstützen. Das Bundesbildungsministerium hat die Stiftungskultur an der Uni Hildesheim ausgezeichnet, nun hofft das Stiftungsteam um Vizepräsident Martin Schreiner und Markus Langer auf weitere Stifter, die junge Wissenschaftstalente fördern. „Bildung stiften 111“:
Helfen Sie uns, 111 junge Wissenschaftstalente zu fördern

Professor Martin Schreiner hat die diesjährige Stipendienfeier der Universität  genutzt, um den Bildungsstifterinnen und Bildungsstiftern aus Hildesheim und der Region zu danken. „Ihre Unterstützung ist weitaus mehr als ein monetäres Engagement und eine Geldüberweisung, Sie zeigen jungen Talenten an unserer Universität, dass Sie an sie glauben und setzen Vertrauen in das Tun des wissenschaftlichen Nachwuchses“, sagte der Vizepräsident für Stiftungsentwicklung in dieser Woche vor 140 Gästen im Roemer- und Pelizaeus-Museum. „Wir sind äußerst dankbar für Ihr Engagement.“

Seit 2011 vergibt die Universität Hildesheim Deutschlandstipendien an ihre Studierenden. Das Modell sieht so aus: Eine private Spende von 1800 Euro verdoppelt der Bund auf 3600 Euro, so dass für ein Jahr ein Stipendium mit monatlich 300 Euro vergeben werden kann.

Waren es im Jahr 2016 noch 72 Deutschlandstipendien sind es in diesem Jahr bereits 95 Deutschlandstipendien, die die Universität Hildesheim vergeben kann.

Vizepräsident dankt den 43 privaten Stifterinnen und Stiftern, 24 Unternehmen und 28 Stiftungen

Bisher haben sich viele Personen der Hildesheimer Bürgergesellschaft entschieden, Studentinnen und Studenten mit einem Stipendium zu unterstützen.  Neben der finanziellen Unterstützung gehören der persönliche Austausch und Veranstaltungen zum Stipendienprogramm. Unter den Stiftern sind außerdem Unternehmen und Stiftungen. Unter den Förderern befinden sich 43 private Stifterinnen und Stifter, 24 Unternehmen und 28 Stiftungen. Unter den Stipendiatinnen und Stipendiaten sind alle Studienrichtungen der Universität vertreten – von Wirtschaftsinformatik und Kulturvermittlung bis Umweltsicherung und Lehramt.

„Auch dank des hohen Engagements der Hildesheimer Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmerinnen und Unternehmer ist uns eine neuerliche Steigerung auf nunmehr 95 Stipendien gelungen, von denen direkt unsere Studierenden profitieren“, sagt Markus Langer, der an der Universität als Leiter des Fund- und Friendraisings für die Stipendienprogramme zuständig ist.  „Ab sofort richten wir den Blick nach vorn: Unsere Kampagne Bildung Stiften 111! geht auch im Jahr 2019 weiter – bis Ende Juni wollen wir die 111 Stipendien eingeworben haben. Wir hoffen dabei auf die Unterstützung aus der Region“, so Langer.

Professor Martin Schreiner dankt herzlich allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Fachbereichen, die in Kommissionen zur Stipendienvergabe mitgewirkt haben. In der Feierstunde im Roemer- und Pelizaeus-Museum hielt der Kulturwissenschaftler Professor Stefan Krankenhagen den Festvortrag „Karl Mays Silberbüchse oder: Die Dinge des Populären“. Der Wissenschaftler sprach über den Beginn der Spielzeugindustrie im 19. Jahrhundert, das Spiel mit Realität und Fiktion und den habituellen Wert der Dinge im sozialen Gefüge der Gesellschaft.

„Das Stipendium ist eine Motivation und eine Wertschätzung der wissenschaftlichen Arbeit“

„Die Freude war groß über die Stipendienzusage, das Stipendium ist eine Motivation auf den letzten Metern und eine Wertschätzung der wissenschaftlichen Arbeit“, sagt Maria Nesemann, die in Hildesheim im Masterstudium Kulturvermittlung in einer deutsch-französischen Studienvariate studiert. „Aus dem Stipendium ergeben sich wesentlich mehr Freiräume, ich kann mich besser auf meinen Studienabschluss konzentrieren und meine ehrenamtliche Arbeit im Hildesheimer Sprachlernprojekt fortsetzen, in dem ich sehr viel für meinen künftigen Beruf im Umgang mit Kinder und Jugendlichen mit Deutsch als Zweitsprache lerne“, sagt die Lehramtsstudentin Anne Hampel, die in Hildesheim Deutsch und Englisch studiert.

Beide Stipendiatinnen erhalten ein Stipendium des Hildesheimer Ehepaars Sibylle und Dr. Hans-Jürgen Fischer. „Wir freuen uns auf das Stipendienjahr“, so Sibylle Fischer. „Wir haben damals gut studiert, nun möchten wir der Gesellschaft etwas zurückgeben. Seit ich im Ruhestand bin, gehe ich gerne zu den offenen Vorlesungen der Universität, die Uni bietet ein offenes, bürgernahes Klima“, sagt Hans-Jürgen Fischer. Dass der Staat jede private Spende verdoppelt, ist für das Ehepaar ein gutes Zeichen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Stifterverband haben die Stipendieninitiative der Stiftung Universität Hildesheim und ihrer Bildungsstifterinnen und Bildungsstifter ausgezeichnet. Die Universität Hildesheim ist eine von drei Hochschulen bundesweit, die 2017 für ihre Stipendienkultur ausgezeichnet wurde.

Kampagne „Bildung stiften 111“: Studierende mit einem Stipendium unterstützen

Bis zu 111 Deutschlandstipendien kann die Universität Hildesheim vergeben. „Bildung Stiften 111!“ heißt die Kampagne, die Markus Langer und Vizepräsident Martin Schreiner in Hildesheim ins Leben gerufen haben. Die Universität Hildesheim dankt allen bisherigen Förderern und sucht nun weitere Stifterinnen und Stifter, die Studierende auf ihrem Bildungsweg unterstützen.

Wer Studierende mit einem Stipendium unterstützen möchte, kann sich direkt an Markus F. Langer (05121 883 90130, markus.langer@uni-hildesheim.de) oder Prof. Dr. Martin Schreiner (05121 883 11102, martin.schreiner@uni-hildesheim.de) wenden.

Das Stipendienprogramm läuft über eine Eigenbewerbung. Ab Juni 2019 können sich Studierende aller Fachbereiche für das nächste Stipendienjahr um ein Deutschlandstipendium bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni 2019.

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news-15986 Mon, 14 Jan 2019 08:01:00 +0100 Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ startet https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/fotografieprojekt-100-studierende-100-geschichten-startet/ Beim AStA setzen sich Studierende für studentische Belange ein, und gestalten so die Universität mit. Isabelle C. M. Lohrengel ist AStA-Referentin für Inklusion und berichtet im Interview von ihrer Arbeit. Gerade wirbt die Kunststudentin mit dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ für mehr Toleranz und Diversität an unserer Universität. An dem Projekt können Studierende ab sofort noch mitwirken. Die Fotos sind Teil einer Ausstellung. TIPP: Jede Stimme zählt – wählen gehen! Vom 14. Januar bis zum 28. Januar 2019 haben Studentinnen und Studenten die Möglichkeit die Vertreterinnen und Vertreter für die Fachbereichsräte, den Senat und das Studierendenparlament zu wählen. [Hier geht's zur Online-Wahl]

Im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) gibt es eine Reihe von Referaten, Studierende befassen sich zum Beispiel mit den inhaltlichen Themen „Inklusion“, „Soziales“, „Familie“, „Politische Bildung“, „Umwelt und Nachhaltigkeit“, „Internationales und Antirassismus“ oder „Gender und Queer“. Die Mitglieder des AStA arbeiten ehrenamtlich und werden jährlich durch das Studierendenparlament (StuPa) gewählt.

Eine von ihnen ist Isabelle C. M. Lohrengel. Die Lehramtsstudentin studiert in Hildesheim Deutsch, Kunst und Soziologie und arbeitet als AStA-Referentin für Inklusion, zuvor war sie zwei Jahre Beauftragte für Barrierefreiheit.

Interview

Frau Lohrengel, Sie starten ein Ausstellungsprojekt über Vielfalt an der Hochschule. Warum?

Ich zeige ab Ende Januar 2019 im Stammelbachspeicher mein derzeitiges Fotografieprojekt, das ist Teil meines künstlerischen Projekts am Kunstinstitut bei Manfred Lauschke und Swantje Saß. Gemeinsam mit weiteren Kunststudierenden entsteht die Ausstellung „höher, schneller, weiter“. Ich möchte die Möglichkeit der öffentlichen Präsentation nutzen, um auf das Thema „Inklusion“ aufmerksam zu machen. Warum ich gerade jetzt das Projekt umsetze? In letzter Zeit habe ich vermehrt alarmierende Beratungsgesrpäche, in denen Studierende erzählen, wie sie vermehrt Diskriminierung erleben. Ich habe mindestens fünf Beratungen pro Woche, es ist sehr unterschiedlich, und viele sagen, sie wissen nicht, wie sie Hilfe bekommen können. Sie berichten neben strukturellen Barrieren zum Beispiel von Ereignissen, in denen sie von Kommiliton*innen aufgrund einer chronischen Krankheit oder Behinderung beispielsweise gefragt werden: „Ist das ansteckend?“, oder es werden schreckliche herabwürdigende Sticker, die ich hier nicht zitieren möchte, auf dem Campus gefunden.

Sie suchen Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche für Ihr Fotografieprojekt zum Thema Inklusion. Wer kann sich denn bei Ihnen melden? Was verstehen Sie unter Inklusion

Für mich bedeutet Inklusion, das jeder dieselbe Teilhabe erfährt und respektiert wird. Aber auch, dass jeder mit seinen individuellen Eigenschaften akzeptiert und wertgeschätzt wird. Es ist bereichernd, verschieden zu sein. In meinem Fotografieprojekt suche ich nun 100 Studierende, die ein Zeichen für mehr Toleranz setzen möchten. Ich erstelle ein schwarzweiß Portrait, außerdem beantwortet jeder zwei Fragen schriftlich, das ist anonym und wird später in den Computer übertragen – selbst ich kann die Bilder und Geschichten nicht einander zuordnen. Jede Geschichte ist gleichwertig bedeutsam, ich gruppiere und ordne nicht. Die erzählten Geschichten reichen von Rassismuserfahrungen über finanzielle Sorgen und dadurch Diskriminierung, weil man es sich nicht leisten kann, teilzuhaben. Auch die Geschichten von jenen, die sich vielleicht nicht diskriminiert fühlen, können und sollen erzählt werden. Inklusion geht uns alle etwas an! Ich möchte aber besonders die ermutigen, Teil des Projektes zu werden, die selbst Diskriminierung erleben. Ich suche 100, die sich trauen, mich inbegriffen. Mit dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ möchte ich auch einen inhaltlichen Beitrag dazu leisten, inklusive Strukturen an der Hochschule weiterzuentwickeln, und zeigen: Wir sind mehr!

Als AStA-Referentin bearbeiten Sie das Thema Inklusion und möchten für mehr Toleranz und Diversität an unserer Universität werben – was können Studierende im Alltag bewirken und tun?

Ich habe zwei Bitten an uns alle. Die erste Bitte betrifft jeden – gehe mit offenen Augen durch die Uni, reflektiere das eigene Verhalten sowie Machtstrukturen und mache dich stark für andere, wenn Diskriminierung sichtbar wird. Wenn du dich über Strukturen ärgerst, dann sag es auch, denn studentische Partizipation ist super wichtig. Deshalb sollte man auch an Gremienwahlen unbedingt teilnehmen. Die zweite Bitte richtet sich an Betroffene von Diskriminierung – du musst nicht schweigen, du bist nicht alleine und du musst Diskriminierung nicht alleine erleben. Es gibt Unterstützung, wie zum Beispiel meine Referentenstelle beim AStA. Als Studierendenvertreterin möchte ich mich gemeinsam mit dem gut vernetzten AStA- und StuPa-Team für andere stark machen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“: Wie kann ich mitmachen?

Wer an dem Fotografieprojekt „100 Studierende – 100 Geschichten“ mitwirken möchte, kann ab sofort noch bis zum 23. Januar 2019 an folgenden Terminen teilnehmen: Dienstag, 15. Januar  (14 bis 18 Uhr), Mittwoch, 16. Januar (14 bis 18 Uhr), Dienstag, 22. Januar (10 bis 16 Uhr) und Mittwoch, 23. Januar (14 bis 18 Uhr). Die Studentin erstellt im AStA-Beratungsraum (I103) am Uni-Hauptcampus ein schwarzweißes Portrait, das teilnehmende Studierende als Datei geschickt bekommen können. Außerdem kann man folgende zwei Fragen schriftlich und anonym beantworten: „Was beeinträchtigt dich im Studium?“ und „Was ist dein Ziel?“. Bei Fragen kontaktieren Sie gerne die Studentin Isabelle C. M. Lohrengel, AStA-Referentin für Inklusion (E-Mail: inklusion@asta-hildesheim.de).

Die einzelnen Portraits werden zu einem Tableau zusammengefügt und die Antworten anonym in einem Begleitheft gedruckt. Das Ergebnis wird im Rahmen der kunstpädagogischen Austellung präsentiert.

Ausstellung „höher, schneller, weiter“

Lehramtsstudierende der Kunstpädagogik führen am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft an der Universität Hildesheim wieder ein künstlerisches Projekt durch. Das Ausstellungsprojekt leiten Manfred Lauschke und Swantje Saß.

In der Ausstellung „höher, schneller, weiter“ zeigen 35 Studierende klassische Zeichnungen,  aufwändige Videoinstallationen und dreidimensionale Objekte oder eben Fotografien. Die Ausstellung wird mit einer Vernissage am Montag, 28. Januar 2019 um 18:00 Uhr im Stammelbachspeicher in der Wachsmuthstraße eröffnet. Mit einer Finissage endet die Ausstellung am Mittwoch, 6. Februar 2019 um 18:00 Uhr mit Worten von Professorin Bettina Uhlig.

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Pressemeldungen Inklusion Studierendenportal Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft
news-15962 Wed, 09 Jan 2019 16:45:32 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung, Service und Nachhaltigkeit https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-service-und-nachhaltigkeit/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, den Biologen Dr. Stefan Flohr und das Team des Sachgebiets „Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel“ des Dezernats für Finanzen für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und Service aus. Zudem verleiht das Green Office den Nachhaltigkeitspreis an die Umweltstudentin Jenny Dreblow und den IMIT-Absolventen Sebastian Pape.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich gab im Rahmen des Neujahrsempfangs aktuelle Zahlen bekannt: 91 Professorinnen und Professoren, 447 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 265 Personen in Technik und Verwaltung sind derzeit an der Stiftungsuniversität Hildesheim tätig. 8333 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim.

Professorinnen und Professoren, die 2018 ihr Amt in Hildesheim antraten, bearbeiten zum Beispiel die Bereiche Transmediale Übersetzung, Kirchengeschichte, Mathematikdidaktik, Empirische Unterrichtsforschung, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, Migrationspolitik, Biowissenschaften des Sports, Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung, Musiksoziologie und Popular Music Studies, Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie, Gender und Bildungskulturen, Vegetationsökologie und Naturschutz sowie Bildungssoziologie.

Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

  • Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer
  • Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr
  • Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen
  • Nachhaltigkeitspreis für Umweltstudentin Jenny Dreblow und Informatikstudent Sebastian Pape

Im Folgenden stellen wir die Preisträgerinnen und Preisträger ausführlich vor.

Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer

Auf Vorschlag der Dekane und des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung zeichnet die Universität Hildesheim Prof. Dr. Marianne Kneuer für ihre hervorragende Forschung aus.

Seit 2011 forscht und lehrt die Wissenschaftlerin am Institut für Sozialwissenschaften. Die Forschungsschwerpunkte von Marianne Kneuer liegen im Bereich der vergleichenden Politikforschung, der Demokratieforschung und der Forschungen zur Rolle digitaler Medien für die Politik.

Die Politikwissenschaftlerin hat an der Universität Hildesheim seit 2012 den bundesweit viel beachteten Forschungsbereich „Internet und Politik“ aufgebaut. Sie untersucht zusammen mit ihrem Team die Auswirkungen der Digitalisierung auf politische Strukturen, Prozesse und Akteure sowie staatliches Handeln in Demokratien und Autokratien. Sie erforscht Themen wie Politik im Netz, e-governement und e-participation intensiv und publiziert international. Seit 2018 ist sie eine Gründungsdirektorin des neu gegründeten „Zentrums für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ an der Universität Hildesheim.

„Welche Bedeutung der Digitalisierung für gesellschaftliche Transformationsprozesse und die Politik zukommt, hat Marianne Kneuer früh wissenschaftlich in den Blick genommen, lange bevor die Digitalisierung in aller Munde war. Ebenfalls früh hat sie sich der Erforschung von Autokratien und totalitären Systemen zugewandt und danach gefragt, welche Rolle digitale Medien sowohl für Demokratisierungsprozesse in autokratischen Systemen als auch für die Kontrolle der Bürger durch den Staat einnehmen“, so Vizepräsidentin Prof. Dr. Meike Baader in ihrer Laudatio. „Sie forscht international, ist teamorientiert und äußerst kollegial. Sie arbeitet zu gesellschaftlich höchst relevanten Themen, die uns alle angehen und für unser Zusammenleben von Bedeutung sind“, unterstreicht Meike Baader. Zudem kommuniziere die Wissesnchaftlerin ihre Forschungsergebnisse in die Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit.

Vor ihrer Tätigkeit in Hildesheim war Marianne Kneuer Lehrstuhlvertreterin an den Universitäten Darmstadt, Hagen und Erfurt. 2005 hat sie an der Universität Eichstätt habilitiert mit einer Arbeit zur „Europäischen Union als externer Akteur bei Demokratisierungsprozessen“, nachdem sie Forschungsstipendiatin der DFG war. Promoviert wurde sie 1991 an der Universität Bonn. Marianne Kneuer war Referentin im Planungsstab des Bundespräsidenten Roman Herzog von 1994 bis 1999 in Bonn. Seit 2018 ist sie Präsidentin der International Political Science Association (IPSA), der sie seit 2016 als erste Vizepräsidentin vorsaß.

Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr

Auf Vorschlag einer Jury unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten für Lehre und Studium wird der Preis für hervorragende Lehre an den Biologen Dr. Stefan Flohr vom Institut für Biologie und Chemie vergeben.

Für den Preis für hervorragende Lehre wurden insgesamt 78 Vorschläge eingereicht, Studentinnen und Studenten nominierten insgesamt 51 Lehrende für den Preis. „Studierende reichen die Vorschläge für den Lehrpreis ein“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander.

Seit 2007 forscht und lehrt Dr. Stefan Flohr an der Universität Hildesheim und gibt sein Wissen in der Anthropologie, Anatomie, Humanbiologie und Paläoanthropologie sowie Bioarchäologie an Studentinnen und Studenten weiter. Er war mehrere Jahr als Landesanthropologe in Thüringen tätig.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter wird für seine hervorragende Lehre in den Seminaren „Bioarchäologie und Paläoökologie II“ und „Funktionelle Anatomie des Bewegungsapparates“ ausgezeichnet. In seiner Lehre fördert er forschendes und problemorientiertes Lernen und wendet innovative Prüfungsmethoden an.

Die Lehre sei „immer anspruchsvoll, interessant und geprägt von einer angenehm lockeren Atmosphäre“, so die Lehramtsstudentin Xenia Dalke in ihrer Laudatio. „Die Lehrveranstaltung Bioarchäologie war unterteilt in fachlichen Input und ein eigenes Projekt. Es ist einfach viel interessanter, wenn man sich selbst durch die vielen Skelette hier im Keller der Universität wühlen darf und eigenständig seine Forschung betreibt, als wenn man nur Wissen trocken vorgetragen bekommt. Dazu kommen noch die geballte fachliche Expertise und Erfahrung, die uns geboten wurde. Man vergisst als Studierender manchmal, wie viel Forschung und Arbeit unsere Dozierenden neben der Lehre leisten. Somit wurden wir Studierenden, die am Anfang gerade einmal einen Schädel von einem Oberschenkelknochen unterscheiden konnten, zu Experten in unserem Thema.“

Die Studentin Xenia Dalke befasste sich in ihrem Projekt mit X- und O-Beinen mittelalterlicher Skelette. „Dann durfte ich die Erkenntnisse auf einer wissenschaftlichen Tagung in Konstanz vorstellen. Diese Chance, ein Uniprojekt auf diese Weise weiterzuführen und im offiziellen Rahmen vorstellen zu dürfen, ist einfach unglaublich und nicht selbstverständlich. Aber hier endet unsere Reise noch nicht – der nächste Schritt ist die gemeinsame Publikation unserer Forschungsergebnisse“, sagt die Studentin.

Weitere Studierende von Stefan Flohr begründen die Auszeichnung wie folgt:

  • „Herr Flohr hat es geschafft ein trockenes Thema grandios zu lehren, Studenten zu motivieren und für die Anatomie anzustecken! Die wöchentlichen Testate und sein Engagement haben dazu beigetragen, dass das erworbene Wissen nicht sofort verfällt, sondern im Gegenteil anders als beispielsweise bei Klausuren nachhaltig abgespeichert wurde. Die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und Herrn Flohr war Voraussetzung und Wunsch und verlief bestens. Fragen, gerade im Bezug zur Muskulatur und deren Defekten, förderten das eigenständige Nachdenken und auch Ausprobieren von Seiten der Studenten.“

  • „In diesem Kurs wurde uns Studierenden die Möglichkeit gegeben, in einem interessanten Themengebiet eigenständig und mit ständiger Unterstützung von drei absolut kompetenten und anregenden Dozenten – Stefan Flohr, Uwe Kierdorf und Carsten Witzel – eigene Projekte zu gestalten. Man hat in der Universität selten die Möglichkeit so intensiv in ein interessantes Themengebiet einzutauchen, die Dozenten erschaffen eine freundliche, kooperative Atmosphäre und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Besonders hervorzuheben ist hier Stefan Flohr, der die Leistungen der Studierenden über das Seminar hinaus mit einer Vertiefung des Projekts würdigt und seine Freizeit und Leidenschaft dafür widmet.“

„Die Tatsache, dass ich inzwischen schon mehrfach von meinen Studierenden für den Preis nominiert wurde, ist mir im Grunde Auszeichnung genug, denn sie sind die Adressaten meiner Lehrtätigkeit. Dass nun auch die Kommission zur Vergabe des Preises dem Vorschlag der Studierenden zustimmt, ist großartig und zeigt mir, dass gute Lehre nicht immer nur eine Frage der Anwendung modernster und innovativster Methoden und Techniken sein muss, sondern dass es offenbar auch mit eher traditionellen Mitteln möglich ist, Menschen für fachwissenschaftliche Inhalte zu begeistern“, freut sich Stefan Flohr über die Auszeichnung.

Stefan Flohr wird im Sommersemester 2019 in der Weiterbildung „Hochschuldidaktik“ seine Erfahrungen teilen und mit interessierten Kolleginnen und Kollegen über exzellente Lehre sprechen.

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die sich in ganz besonderem Maße für die Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben.

Auf Vorschlag des Präsidiums wird der Preis für hervorragende Service-Leistungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen vergeben.

Zu dem Team gehören:

  • Frau Monika Sardí (Sachgebietsleiterin)
  • Frau Anja Ehlers (Studienqualitätsmittel)
  • Herr Mirco Fink (Drittmittel)
  • Frau Marika Schaper (Sondermittel)
  • Herr Marvin Freund (Drittmittel)
  • Frau Vicky-Nicoletta Erber (Drittmittel)
  • Frau Miriam Rother (Sondermittel)
  • Frau Stefanie Hankel (Drittmittel)

„Das Team hat es in herausragender Weise geschafft, die gestiegene Zahl an Projekten vorbildlich abzuarbeiten – sozusagen die Pflicht – und parallel die Unterstützung sowie Beratung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Phasen der Projektbearbeitung im Sinne des Servicegedankens auszubauen. Und das ist die Kür – dort die Flexibilitätswünsche und hier die Richtlinien!  Nur wenn wir uns gemeinsam dem Ziel der Drittmitteleinwerbung verpflichtet fühlen, können wir auch weiterhin so erfolgreich sein, wie in den letzten Jahren“, so der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

„Die Auszeichnung bedeutet für das Sachgebiet Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel eine hohe Wertschätzung. Wir bedanken und freuen uns darüber, dass unser Engagement wahrgenommen und belohnt wird. Der Preis ist eine Bestätigung unseres Tuns und gleichzeitig ein Ansporn, uns in Zukunft weiterhin so einzusetzen“, so die Sachgebietsleiterin Monika Sárdi.

Green Office verleiht Nachhaltigkeitspreis an Umweltstudentin Jenny Dreblow und an IMIT-Absolvent Sebastian Pape

Mit dem Nachhaltigkeitspreis zeichnet das Green Office Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim aus, die sich in ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit nachhaltiger Entwicklung befassen. Das Nachhaltigkeitsbüro der Uni möchte damit einen Beitrag leisten, Nachhaltigkeit in den Forschungsfokus gerade des wissenschaftlichen Nachwuchses zu bringen.

Die Studentin Jenny Dreblow wird für ihre Bachelorarbeit „Nachhaltigkeit – ein interkultureller vergleich üver zugange und perspektiven belarussischer und deutscher Studierender“ im Studiengang „Umweltsicherung“ und Sebastian Pape für seine Masterarbeit „Soziale Nachhaltigkeit in Geschäftsprozessen – Entwicklung eines Pattern-basierten Ansatzes“ im Studiengang „Informationsmangement und Informationstechnologie“ ausgezeichnet.

Jenny Dreblow leiste mit ihrer Abschlussarbeit einen Beitrag zu einer interkulturellen Verständigung über Nachhaltigkeit und gibt damit wertvolle Anregungen für eine deutsch-belarussische Zusammenarbeit im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung, so die Begründung. „Die Auszeichnung bedeutet für mich Wertschätzung. Und Mut weiterzugehen – auch beruflich“, sagt die Preisträgerin Jenny Dreblow.

Sebastian Pape sei es mithilfe von Experteninterviews gelungen, einen Musterkatalog aus sozial nachhaltigen Geschäftsprozess-Patterns zu entwickeln, dessen Anwendung eine Integration von sozialen Nachhaltigkeitsaspekten in Geschäftsprozesse von Unternehmen fördern kann, so die Jurybegründung.

„Dank der großzügigen Unterstützung der Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine und ihres Fördervereins können wir in diesem Jahr zwei Abschlussarbeiten mit dem Nachhaltigkeitspreis dotiert mit jeweils 500 Euro auszeichnen“, sagt Karina Schell, Mitarbeiterin des Green Office.

„Mit dem Nachhaltigkeitspreis möchten wir studentische Beiträge honorieren und herausragende Abschlussarbeiten universitätsweit bekannt machen. Die Auszeichnung soll Studierende motivieren, sich wissenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen“, sagt Karina Schell. Die Mitarbeiterin Julia Witter ergänzt: „Mit diesem Preis betont die Universität Hildesheim den besonderen Stellenwert des fachbereichsübergreifenden Themas „Nachhaltigkeit“ in der Ausbildung der Studierenden und den Anspruch, als Universität zur Lösung dringender gesellschaftlicher Probleme beizutragen.“

Der Preis wird auch im nächsten Jahr wieder vergeben. Die Bewerbung auf den Nachhaltigkeitspreis ist bis zum 1. Dezember 2019 möglich, detaillierte Informationen finden Sie zeitnah auf der Homepage des Green Office.

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news-15918 Wed, 02 Jan 2019 08:03:00 +0100 Masterstudium: Universität Hildesheim bildet Sprachexperten aus https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/masterstudium-universitaet-hildesheim-bildet-sprachexperten-aus/ Die Professorinnen Beatrix Kreß und Elke Montanari bilden Expertinnen und Experten aus, die die deutsche Sprache und Kultur unterrichten – etwa in Sprachkursen, an Schulen oder an Universitäten weltweit. Die Universität Hildesheim sucht sprachbegeisterte Studentinnen und Studenten. Studieninteressierte können sich um einen Masterstudienplatz für den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“ bewerben. 

Hier gelangen Sie zur Online-Bewerbung und
erhalten Informationen zu den Bewerbungsfristen

„Wir nehmen pro Jahr nur 25 Studentinnen und Studenten im Studium 'Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache' auf, es ist eine Gruppe, die sich gut kennt. Wir sind interessiert an den vielfältigen Erfahrungen und Kenntnissen unserer internationalen Studentinnen und Studenten. Wir bemühen uns sehr, am Bühler-Campus ein Studium in persönlicher Atmosphäre zu ermöglichen“, sagt Professorin Elke Montanari.  

Im Studium gibt es zum Beispiel einen Alphabetisierungsschwerpunkt. „In diesem Studienschwerpunkt beschäftigen wir uns damit, wie Kinder und Erwachsene schnell lernen, in deutscher Sprache zu schreiben; von der ersten Alphabetisierung – wie lernen sie die Buchstaben? – bis zur Textebene. Wenn ein Kind in der Schule in der 8. Klasse ist, reicht es nicht, die Buchstaben zu können, das Kind muss die Aufgabe bewältigen, die Klassenarbeit oder den Aufsatz schreiben können. Wie kommt man da hin? Die Absolventinnen und Absolventen unseres Studiengangs erwerben auch die Qualifikation, in Sprachkursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu unterrichten, das heißt sie dürfen ohne weitere Zusatzqualifikation in Alphabetisierungskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge lehren“, so Montanari.

Lehramtsstudierende des „Master of Education“ können den Master „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) auch im Parallelstudium studieren, es gibt umfangreiche Möglichkeiten der Anrechnung, das Schulpraktikum wird zum Beispiel angerechnet, erläutert Montanari. Die Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten fühlen sich damit besser vorbereitet auf ihre zukünftige Arbeit an Schulen, so die Sprachwissenschaftlerin. Es ist möglich, die beiden Masterstudiengänge Lehramt und DAZ zu kombinieren, wir haben einen Kombinationsplan mit umfangreichen Anrechnungsmöglichkeiten ausgearbeitet. 

„Wer sich ein internationales Leben vorstellen kann, für den ist dieser Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache eine Option. Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel als Deutschlehrer an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen im Ausland. Sie organisieren aber auch Sprachangebote im Inland“, sagt Professorin Beatrix Kreß. 

In der Praxisphase absolvieren Studentinnen und Studenten mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ Auslandspraktika an Partnerhochschulen weltweit. „Wir haben enge Beziehungen zu Universitäten in Miskolc in Ungarn und Siauliai in Litauen, zur Universität Modena in Italien, zur Universität Zhejiang in Hangzhou in China und Toluca in México. Einige Studierende unterrichten die deutsche Sprache an Hochschulen, andere sind zum Beispiel an internationalen Schulen und bei Goethe-Instituten tätig. Sie sammeln und reflektieren Erfahrungen im Bereich der Sprachvermittlung, der Unterrichtsplanung und der Sprachstandsdiagnose und Förderung“, so Beatrix Kreß.

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Der Studienbeginn ist im Sommersemester 2019. Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte: Masterstudium DAZ/DAF.

Studium „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

Mit einem interdisziplinären Modul an der Schnittstelle zu „Deutsch als Zweit-/Deutsch als Fremdsprache“ wird an der Universität Hildesheim noch ein weiterer Masterstudiengang angeboten: Der Masterstudiengang „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ bildet Expertinnen und Experten für die interkulturelle Kommunikation aus, die mit gesprochener und geschriebener Sprache in unterschiedlichen Institutionen – zum Beispiel der öffentlichen Hand, in Nichtregierungsorganisationen oder in Institutionen der Wirtschaft – handeln. Auch dieser Studiengang lässt im Sommersemester 2019 Studierende zu.

Der Studienbeginn ist im Sommersemester 2019. Weitere Informationen über den Studiengang finden Sie online: Masterstudium „Internationales Informationsmanagement – Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“

Kontakt bei Fragen:

Wer Fragen zum Studium im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ hat, kann Prof. Dr. Elke Montanari vom Institut für deutsche Sprache und Literatur kontaktieren (elke.montanari(at)uni-hildesheim.de). Bei Fragen rund um den Studienschwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ und zum Studium „Internationales Informationsmanagement: Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Beatrix Kreß (kressb(at)uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Stephan Schlickau (stephan.schlickau(at)uni-hildesheim.de) vom Institut für Interkulturelle Kommunikation.

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Pressemeldungen
news-15934 Wed, 02 Jan 2019 07:47:00 +0100 Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/professorin-ursula-bredel-ist-mitglied-der-deutschen-akademie-fuer-sprache-und-dichtung/ Professorin Ursula Bredel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Es ist das erste Mal, dass einer Deutschdidaktikern diese Ehre zuteil wird. Die Sprachwissenschaftlerin forscht und lehrt in Hildesheim. In der Akademie wird sie mit rund einhundertachtzig Mitgliedern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens zusammenarbeiten. Die Arbeitsschwerpunkte von Professorin Ursula Bredel liegen in den Bereichen Grammatik, Orthographie und Erzählen, jeweils unter fachlicher und didaktischer Perspektive. Die Sprachwissenschaftlerin lehrt und forscht seit 2010 am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Mit ihrer Arbeit an der Universität in Hildesheim trägt Ursula Bredel zur Professionalisierung der Lehrerbildung im Bereich des Sprachunterrichts bei.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung entstand 1949 als ein Ort des freien Gesprächs nach den Jahren der Diktatur und als eine unabhängige Instanz, die an die verfolgten und verstummten Schriftsteller erinnerte – etwa durch die Wiederentdeckung und Veröffentlichung ihrer Werke. Seit 1951 verleiht die Akademie den Georg-Büchner-Preis.

Der Akademie gehören namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Kritikerinnen und Kritiker sowie Übersetzerinnen und Übersetzer an, ebenso Fachleute aus den Sprach- und Literaturwissenschaften und Naturwissenschaften, deren Arbeit sich durch ein besonderes Interesse an der Sprache auszeichnet. Die rund einhundertachtzig Mitglieder kommen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie aus vielen anderen Ländern Europas, Amerikas und Asiens.

Eine Aufgabe der Akademie besteht darin, die Sprachentwicklung in der Verbindung von sprachwissenschaftlicher, literarischer und literaturkritischer Kompetenz aufmerksam zu begleiten; vergessene oder marginalisierte Literatur durch ihre Veröffentlichungen wieder ins Gespräch zu bringen und sich für den freien Austausch der Meinungen in Wort und Schrift einzusetzen und zu einer differenzierten Debattenkultur beizutragen.

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Deutsche Sprache Fachbereich 3 Pressemeldungen Startseite Forschung
news-15916 Wed, 19 Dec 2018 13:35:00 +0100 Bedeutung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/bedeutung-der-internationalen-wissenschaftlichen-zusammenarbeit/ Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Universität Hildesheim mit der Partneruniversität im russischen Nowgorod zusammen. Der Rektor der Staatlichen Universität Nowgorod hat sich während seines Antrittsbesuchs in Hildesheim über die Beziehungen zwischen den beiden Hochschulen informiert. „Die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit ist eine Grundlage für die Beziehungen in der Wirtschaft und auch in der Politik. Ich messe den internationalen Kontakten eine sehr große Bedeutung bei, insbesondere auf der Ebene der Universitäten“, sagt Professor Yury Borovikov.

Der Rektor der Staatlichen Universität Nowgorod hat sich während seines Antrittsbesuchs an der Universität Hildesheim im Dezember 2018 über die Beziehungen zwischen den beiden Hochschulen informiert.

Das Spezialgebiet des Ingenieurs Yury Borovikov sind elektrotechnische Systeme und Energiesysteme. Seit November 2017 leitet er die Staatliche Universität Nowgorod und hält in dieser Funktion die internationalen Wissenschaftsbeziehungen aufrecht. „Die Ernennung betrachte ich als eine Herausforderung“, sagt Borovikov. Der Ingenieur war zuvor Prorektor für Lehre an „einer der ältesten und bekanntesten technischen Universitäten hinter dem Uralgebirge“ im westsibirischen Tomsk. „Seite 1995 war mein Leben mit Tomsk und dieser Region verbunden.“ Bisher hatte der Wissenschaftler vor allem Beziehungen nach Osten gepflegt, nach China und in die Mongolei aber auch zu europäischen und amerikanischen Hochschulen.

„Wir haben gute Grundlagen in den Beziehungen und eine langjährige Geschichte, Professorin Beatrix Kreß pflegt und entwickelt unsere Kooperation in den Sprachwissenschaften. Wir haben in den Erziehungsiwessenschaften, in Technik und Informatik gemeinsame Ziele. Wir werden unsere Kontakte weiterentwickeln“, sagt Yury Borovikov über die Zusammenarbeit zwischen Nowgorod und Hildesheim. „Ich habe mich während meiner Reise in Hildesheim über die Menschen informiert, die diese Kooperation mit uns in Nowgorod pflegen. Ich möchte aber auch neue Impulse für die Kooperation geben, ein neues Feld ist der digitale Wandel, das maschinelle Lernen wird uns verbinden. Mit dem Informatikprofessor Lars Schmidt-Thieme haben wir gesprochen.“ In Nowgorod entsteht derzeit die „Technische Schule“, das Ziel ist die Ausbildung und Umschulung der Fachleute für „Märkte der Zukunft“, beschreibt Borovikov. „Wir laden die Hildesheimer Informatikprofessoren ein, an dieser Entwicklung persönlich teilzunehmen.“

Yury Borovikov informierte sich über die gemeinsamen Studienprogramme. Die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin Professorin Beatrix Kreß überreichte dem Rektor ein Bachelorzeugnis einer Studentin aus Nowgorod, die gerade ihr Studium in Hildesheim als bereits siebte Absolventin aus Russland erfolgreich beendet hat, das sei ein „zentrales Ergebnis unserer guten Zusammenarbeit“. Zwei Hildesheimer Studentinnen sind derzeit in Nowgorod.

Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Nowgorod spezialisieren sich im Studium auf die „deutsch-russischen Beziehungen“. Der Doppelabschluss im Bereich „Interkulturelle Kommunikation“ der Universitäten Hildesheim und Nowgorod wurde durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Bisher vergab die Universität Hildesheim 3 Stipendien an deutsche Studierende und 3 Stipendien an russische Studierende pro Jahr. Die Universität Hildesheim unterstützt die Hildesheimer Studentinnen und Studenten beim Erwerb von russischen Sprachkenntnissen. An der Universität Nowgorod finden die Lehrveranstaltungen in russischer und deutscher Sprache statt.

Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich dankte der Delegation für ihren Besuch und sicherte eine Fortsetzung der Kontakte zu: „Gerade in Zeiten von politischen Spannungen ist die kontinuierliche Pflege wissenschaftlicher Beziehungen ein hohes Gut. Unsere pensionierte Professorin Olga Graumann hat hier Pionierarbeit geleistet, die wir fortsetzen werden!“

Kurz erklärt

Deutsch-russische Beziehungen: Doppelstudium

Wer sich für ein Studium „Interkulturelle Kommunikation: deutsch-russische Beziehungen“ interessiert, kann Professorin Beatrix Kreß kontaktieren (E-Mail: kressb@uni-hildesheim.de). Das Doppelstudium umfasst einen einjährigen Aufenthalt in Nowgorod. Der Studienaufenthalt in Nowgorod findet im 3. und 4. Semester statt. Mit dem Studium kann man sich für eine berufliche Tätigkeit im deutsch-russischen Arbeitsumfeld, etwa in Unternehmen, Hochschulen, im Bildungswesen, in sozialen Institutionen oder in NGOs qualifizieren. Am Ende der Studienzeit erlangen Studierende jeweils einen Abschluss im Bachelorprogramm „Internationales  Informationsmanagement“ der Universität Hildesheim sowie in „Linguistik: Übersetzung und Übersetzungswissenschaft“ der Staatlichen Universität Nowgorod.

Weitere Informationen zum Doppelstudium finden Sie online:

Deutsch-russische Beziehungen: Doppelstudium

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Erziehungswissenschaft Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation Fachbereich 4 Maschinelles Lernen Informatik Pressemeldungen Präsident
news-6219 Mon, 10 Dec 2018 08:34:33 +0100 Gastwissenschaftlerin aus Salamanca: Literaturwissenschaftlerin Patricia Cifre Wibrow https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/gastwissenschaftlerin-aus-salamanca-literaturwissenschaftlerin-patricia-cifre-wibrow/ Mit Unterstützung aus der Bürgergesellschaft gelangen internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler nach Hildesheim. Zum dritten Mal vergibt die Universität Hildesheim das „Wippermann Fellowship“. Das Stipendium erhält Professorin Patricia Cifre Wibrow von der Universidad de Salamanca. Das Ehepaar Jutta und Professor Burkhard Wippermann hat 2017 erstmals in Kooperation mit der Universität Hildesheim ein „Wippermann Fellowship” für internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler gestiftet. Das Stipendium beinhaltet eine individuelle Förderung, die dem Gastwissenschaftler Freiräume und Ressourcen für die Durchführung von Forschungs- und Lehrvorhaben an der Universität Hildesheim ermöglicht. Das Stipendium wird in jedem Studienjahr vergeben und ermöglicht einen Aufenthalt in Hildesheim maximal für die Dauer eines Semesters. Die Universität hat das Programm entwickelt, um die mehrsprachige Lehre zu stärken.

Dank des „Wippermann Fellowship” arbeitet derzeit die spanische Wissenschaftlerin Professorin Patricia Cifre Wibrow am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hält einen öffentlichen Vortrag [Information als PDF], über das Comeback des Familienromans als Symptom eines neuen Zeitgefühls. In den jüngsten Familienromanen, so ihre These, kommt es zu einer Neuordnung der Beziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vor allem wird die Gegenwart wieder verstärkt an die Vergangenheit angekoppelt. Für die zunehmende Attraktivität rückwärtsgewandter Zukunftsbilder, von denen auch der Aufschwung der Populismen zeugt, macht die Wissenschaftlerin die wachsenden Globalisierungsängste verantwortlich.

Während ihres einmonatigen Aufenthaltes an der Universität Hildesheim (bis 22. Dezember 2018) wird die Professorin an ihrem Buch über die literarische Darstellung der spanischen und deutschen politischen Transformationsprozesse arbeiten.

Professorin Patricia Cifre Wibrow hat 2015 gemeinsam mit dem Hildesheimer Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen und Professor Arno Gimber aus Madrid eine Kooperation deutscher und spanischer Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler ins Leben gerufen. Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland im Rahmen von internationalen Tagungen in Salamanca und Hildesheim [zum Artikel]  auseinander. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Fachleute aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Eine dritte Tagung wird 2020 in Madrid stattfinden. „Hier liegt der Fokus auf der Erforschung der Konfigurationen bezeihungsweise der Mischungsverhältnisse von Fakten und Fiktionen in Literatur, Theater und Film“, sagt Professor Tholen. „Unsere gemeinsamen Forschungsthemen bewegen sich darüber hinaus im Kontext der Erforschung von autobiographischem Schreiben und Familienromanen.“

Die Universität in Salamanca gehört zu den ältesten Universitäten in Europa. Patricia Cifre Wibrow forscht und lehrt am dortigen Institut für Germanistik und ist Koordinatorin des Studiums für deutsche Philologie. In ihrer vergleichenden Forschung hat sich die Wissenschaftlerin früh mit der Erinnerungspolitik in ihrem Land und mit der deutschen Erinnerungskultur beschäftigt. „Dank des Forschungsaufenthalts bin ich in der Lage, wieder auf Tuchfühlung zur deutschen Sprache zu gelangen, das ist für mich als Philologin sehr bedeutsam, so Cifre Wibrow.

Interessierte, die die Universität Hildesheim im Rahmen von internationalen Stipendienprogrammen unterstützen möchten, können sich an Vizepräsident Professor Martin Schreiner (martin.schreiner@uni-hildesheim.de) wenden.

Wippermann-Fellowship: Öffentlicher Vortrag der Literaturwissenschaftlerin

Wann? Dienstag, 11. Dezember 2018, 18:00 Uhr

Wo? Forum am Hauptcampus, Raum N 009, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim

Thema des Votrags: Die Spur der Nachfolge. Das Comeback des Familienromans als Symptom eines neuen Zeitempfindens.

Programm:

  • Begrüßung: Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang-Uwe Friedrich Präsident der Stiftung Universität Hildesheim
  • Vorstellung der Referentin: Prof. Dr. Toni Tholen Institut für deutsche Sprache und Literatur
  • Vortrag: Prof. Dr. Patricia Cifre Wibrow, Universidad de Salamanca
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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-14672 Mon, 03 Dec 2018 19:17:00 +0100 Sprachdidaktik: Juniorprofessor Sören Ohlhus https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprachdidaktik-juniorprofessor-soeren-ohlhus/ Sören Ohlhus forscht und lehrt als Juniorprofessor für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik an der Universität Hildesheim. Der Sprachwissenschaftler befasst sich mit Gesprächsforschung sowie Schreibentwicklung und untersucht Lehr-Lern-Interaktionen. Die Arbeitsschwerpunkte von Sören Ohlhus liegen in den Bereichen Gesprächsforschung, insbesondere die Untersuchung von Lehr-Lern-Interaktionen, sowie Forschung zu Diskurserwerb und Schreibentwicklung. Der Juniorprofessor untersucht unter anderem, wie sich Sprache, Gesten und die materielle Umwelt in der Kommunikation gegenseitig beeinflussen und wie dadurch Lernprozesse angestoßen werden können.

„In meinem Beruf geht es darum, die Erkenntnisse der Sprachwissenschaft für Lernprozesse im Unterricht fruchtbar zu machen. Die Strukturen der Sprache und die vielen Möglichkeiten, sie zu verwenden und über sie nachzudenken, sind dabei ein vielseitiger Lerngegenstand“, so Sören Ohlhus. „Die Sprache ist ein zentrales Medium des Lernens in allen Fächern. Und das macht die Verbindung von Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik so spannend.“

Ohlhus forscht und lehrt seit dem Sommersemester 2017 als Juniorprofessor für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik im Institut für deutsche Sprache und Literatur in Hildesheim.

Wie kann man kommunikative Prozesse in einem Klassenraum beschreiben?

An der Universität Hildesheim gefällt ihm vor allem, „dass hier bereits viel und aus der Perspektive ganz unterschiedlicher Fächer dazu geforscht wird, was in schulischen Unterricht eigentlich konkret passiert, wie man die komplexen kommunikativen Prozesse in einem Klassenraum überhaupt erfassen und beschreiben kann. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten“, so Ohlhus.

„Auf dieser empirischen Basis lassen sich neue Konzepte für den Unterricht entwickeln – nicht zuletzt auch in Zusammenarbeit mit angehenden Lehrerinnen und Lehrern in den eigenen Seminaren.“

„Mir wurde beim Transkribieren von Gesprächsaufnahmen klar , was es für ein Wunder ist, dass die Leute sich verstehen“

Sören Ohlhus ist 44 Jahre alt, geboren in Elmshorn, und hat Germanistik, Philosophie und Informatik an der Universität Hamburg studiert. „Ein wichtiger Moment in meiner wissenschaftlichen Karriere war, als mir beim Transkribieren von Gesprächsaufnahmen klar wurde, was es für ein Wunder ist, dass die Leute sich überhaupt verstehen. Den sich daraus ergebenden Fragen bin ich nach wie vor auf der Spur“, so Ohlhus.

Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik hat, erreicht Prof. Dr. Sören Ohlhus unter ohlhus@uni-hildesheim.de.

Antrittsvorlesung

In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung stellt sich der Sprachwissenschaftler am Mittwoch, 7. November 2018, den Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in sein Forschungsgebiet. In seiner Antrittsvorlesung erläutert Juniorprofessor Sören Ohlhus unter anderem, wie sich Sprache, Gesten und die materielle Umwelt in der Kommunikation gegenseitig beeinflussen und wie dadurch Lernprozesse angestoßen werden können. Der Vortrag mit dem Titel „Sprachliche Zeichen und ihr Umfeld in diskursiven und fachlichen Lernprozessen“ beginnt um 18:00 Uhr am Bühler-Campus der Universität Hildesheim.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Personalportal
news-15803 Mon, 26 Nov 2018 10:01:00 +0100 Universität Hildesheim gründet Zentrum für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/universitaet-hildesheim-gruendet-zentrum-fuer-digitalen-wandel/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Die Universität Hildesheim hat am Donnerstag, 22. November 2018, das Zentrum für Digitalen Wandel gegründet. Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive.

Im Rahmen der Gründungsfeier sprachen Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich über „Digitalisierung an der Universität Hildesheim“ und Staatssekretär Stefan Muhle aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung über „Digitalisierung in Niedersachsen“.

„Der Digitale Wandel verändert unser Leben in einer Weise, wie es ähnlich die Erfindung des Buchdrucks und die Industrielle Revolution getan haben. Die Universität Hildesheim hat sich darauf verständigt, die Digitalisierung als eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in ihre Entwicklungsplanung aufzunehmen“, sagt Universitätspräsident Friedrich. Das Zentrum ist das Ergebnis eines bottom-up-Prozesses von engagierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die seit Jahren den digitalen Wandel erforschen – von der Informatik über die Politikwissenschaft bis zur Computerlinguistik. Sie bringen diese Kompetenzen im Zentrum zusammen, sagte Friedrich.

„Im Namen der niedersächsischen Landesregierung gratuliere ich Ihnen zur Gründung des Zentrums für Digitalen Wandel. Mit viel Offenheit gehen Sie an das Thema heran. Die Universität Hildesheim hat zum Beispiel in der Informatikausbildung mit dem Master of Science 'Data Analytics' bereits heute einen Magneten. In der Politikwissenschaft beschäftigt sich das Team um Professorin Marianne Kneuer seit Jahren mit dem Thema 'Demokratie und Internet'. In der digitalen Demokratie könnten wir in Niedersachsen vorangehen und ja zum ersten Bundesland werden, in dem wir digital wählen. Frau Kneuer, darüber sollten wir sprechen. Von diesem Gründungstag des Zentrums für Digitalen Wandel geht ein mutiges Signal aus. Sie sagen nicht: Man müsste mal. Sondern: Sie machen! Ich will Sie nach Kräften unterstützen“, sagte Staatssekretär Stefan Muhle.

Anschließend stellte der Gründungsvorstand – der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt, der Computerlinguist Professor Ulrich Heid und die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer – das neue Zentrum vor. Als Zentrum wollen wir erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype unsere Debatten über den digitalen Wandel prägen, so Professorin Marianne Kneuer. 

Zahlreiche Forscher und Forscherinnen haben sich für Hildesheim als Arbeitsort entschieden und teilen hier ihr Wissen, damit sich die Gesellschaft in der digitalen Zukunft und Gegenwart zurechtfindet. Der Computerlinguist Professor Ulrich Heid etwa erhielt Rufe an mehrere Universitäten und hat sich für Hildesheim entschieden.

Die Schriftstellerin Kathrin Passig hielt den Festvortrag „Trial und sehr viel Error: Netzgemeinschaften als Politiklabor“. Über die Gesellschaft im Zeitalter der Digitalisierung debattierten der Bibliothekar Ewald Brahms, der Literaturwissenschaftler Guido Graf, der Informatiker Professor Lars Schmidt-Thieme, die Informationswissenschaftlerin Professorin Christa Womser-Hacker und die Sozialpädagogin Professorin Inga Truschkat. Steffen Gurr, Redaktionsleiter von NDR online, moderierte die Diskussion.

Im Zentrum versammeln sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen – von Computerlinguistik, Soziologie, Psychologie und Politikwissenschaft über Unterrichtsforschung und Medienkulturwissenschaft bis Informatik, Softwareentwicklung und maschinellem Lernen.

Die inhaltliche Debatte wurde während einer öffentlichen Fachtagung am Freitag, 23. November 2018,  fortgeführt. Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus regionalen Unternehmen erhielten die Chance, sich über spannende aktuelle Fragestellungen zum Digitalen Wandel vor Ort zu informieren. Die Universität Hildesheim freut sich über den Austausch mit dem lokalen Umfeld aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft und möchte diesen fortführen.

Themen der Workshops sind unter anderem:

  • Zukunftsperspektiven für die Digitale Wirtschaft (Adaptive Systeme und Datenschutz, Smart Systems, Produkt-Innovation)

  • Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter

  • Politikforschung mit digitalen Kommunikationsdaten

  • Digitalisierung an Schulen

  • Wieviel Digitalisierung braucht der Mensch?

  • Kulturrezensionen im Digitalen Wandel

  • Digitale Daten in Geographie und Umweltwissenschaften

  • Arbeiten und Lernen 4.0

  • Virtual Reality Games made in Hildesheim: Auf einer 3x3m-Spielfläche können Sie mit einer Virtual-Reality-Brille erfahren, wie man sich in der virtuellen Welt grenzenlos bewegen kann.

Programm der Gründungsfeier und Tagung

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news-15746 Sat, 10 Nov 2018 19:33:00 +0100 Wettstreit der Wissenschaften: Sportwissenschaftler Sebastian Gehlert gewinnt „Science Slam" https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wettstreit-der-wissenschaften-sportwissenschaftler-sebastian-gehlert-gewinnt-science-slam/ Der Sportwissenschaftler Sebastian Gehlert, der Kulturjournalist Guido Graf, der Informationswissenschaftler Thomas Mandl und der Mathematiker Boris Girnat traten im „Science Slam“ gegeneinander an und überzeugten mit informativen und kreativen Vorträgen. Die Universität Hildesheim lädt einmal im Jahr zu einem Wettstreit der Wissenschaften ein. Auf der Bühne des „Science Slam“ gaben im November 2018 vier Wissenschaftler aus den Fachdisziplinen Sportwissenschaftl, Kulturjournalismus, Informationswissenschaft und Mathematik Einblicke in ihre Forschung. gelang es den Hildesheimer Forschern, ihre wissenschaftlichen Forschungsfragen, an denen sie arbeiten, einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Prof. Dr. Sebastian Gehlert (Sportwissenschaft), Senior Researcher Dr. Guido Graf (Literarisches Schreiben und Kulturjournalismus), Prof. Dr. Thomas Mandl (Informationswissenschaft und Sprachtechnologie) sowie Prof. Dr. Boris Girnat (Mathematikdidaktik) sprachen im voll besetzten Audimax über ihre Wissenschaftsdisziplinen, dabei kamen neben Worten auch Requisiten und Experimente zum Einsatz. In jeweils 15 Minuten hatten die Kandidaten Zeit, ihre wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte praxisnah und unterhaltsam zu vermitteln.

Warum er am Science Slam mitwirkt, begründet der Literaturwissenschaftler Guido Graf: „Weil Vermittlung wichtig ist.“ Er sprach über die Digitalisierung. „Wir müssen hinter die Eingabemasken (nicht nur) der digitalen Welt schauen, um zu verstehen, wie sie unsere alltägliche kulturelle Praxis bestimmen“, so Graf. Die Vermittlung von Fachwissen in Kürze sei eine Herausforderung und werde immer wichtiger, sagt Professor Thomas Mandl. „Und es macht Spass, die Botschaft auch mal zu verkürzen und zuzuspitzen.“ Die Kernbotschaft des Informationswissenschaftlers war an diesem Abend: „Information wird gebraucht, aber auch missbraucht, verfälscht, verknappt und manipuliert. Je schneller die Digitalisierung voranschreitet, desto mehr muss diese dunkle Seite der Information und ihrer Nutzung in den Fokus rücken. Die Informationswissenschaft liefert dafür Theorien und Lösungsansätze.“

Das Publikum entschied am Ende des Abends durch die Lautstärke des Applauses über den Sieg und kürte den Sportwissenschaftler Sebastian Gehlert. Er konnte mit seiner kurzen Geschichte über die Biowissenschaften des Sports überzeugen. Dabei beantwortete er die Frage, warum man nicht gleichzeitig ein sehr guter Ausdauer-, Kraft- und Schnellkraftsportler sein kann. Professor Gehlerts Forschungen zeigen, wie die zelluläre Kommunikation nach Kraft- und Ausdauertraining im Skelettmuskel sich gegenseitig behindern kann.

Der Sportwissenschaftler forscht am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hildesheim. Gehlert untersucht zum Beispiel die muskuläre Anpassung im Kraft-und Ausdauertraining, die Regulation molekularer Signalwege im Skelettmuskel und befasst sich mit Training und Ernährung im Leistungssport sowie mit molekularen und zellulären Aspekten biologischer Trainingsanpassung.

Vizepräsident Professor Martin Schreiner dankte den Hildesheimer Forschern für ihre allgemeinverständlichen sowie unterhaltsamen Beiträge im „wissenschaftlichen Kurzvortragsturnier“. Der „Science Slam“ wurde von Dörthe Buchhester moderiert, musikalisch von  Lars Störmer begleitet und vom Team um Markus Langer und Jan Baumhöfener organisiert.

Der nächste „Science Slam“ findet im November 2019 statt. Wer Fragen zum Science Slam hat, erreicht Markus Langer unter langerma@uni-hildesheim.de.

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news-15747 Fri, 09 Nov 2018 08:37:42 +0100 Erst Doktorandin in Hildesheim, heute Professorin in Köln https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/erst-doktora/ Karolina Suchowolec hat ihre Doktorarbeit „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim mit summa cum laude abgeschlossen. Nur 15 Monate später wurde sie auf eine Professur berufen. „Eine sehr selbstständige und ungewöhnlich umfassende Forschungsarbeit“, sagt Suchowolec‘ Doktorvater Professor Klaus Schubert über die wissenschaftliche Leistung der jungen Forscherin. Während der Promotionsfeier der Universität Hildesheim wurde in dieser Woche Karolina Suchowolec ihre Promotionsurkunde überreicht. Die Sprachwissenschaftlerin ist einer der 70 Doktorandinnen und Doktoranden, die ihre Promotion zwischen 2016 bis 2018 an der Universität Hildesheim erfolgreich abgeschlossen haben.

Während der Promotionsfeier, die in diesem Jahr das Team um Dekan Professor Martin Sauerwein vom Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ ausrichtete, wurden Dr. Josif Grabocka aus der Arbeitsgruppe Maschinelles Lernen von Professor Lars Schmidt-Thieme und Dr. Martin Kreh aus der Arbeitsgruppe „Algebra und Zahlentheorie“ von Professor Jürgen Sander für herausragende wissenschaftliche Arbeiten geehrt.

Vor zwanzig Jahren lag die durchschnittliche Promotionsbilanz bei unter 10 im Jahr – heute bei rund 40. Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich gratuliert allen Promovendinnen und Promovenden und dankt den Professorinnen und Professoren, die die wissenschaftlichen Arbeiten mit viel Mühe und Engagement begleitet haben. Dies sei Ausdruck für die „gewissenhafte Arbeit, die wir als Universität leisten“. „Pflegen und nutzen Sie die Kraft der Vielfalt und tragen Sie Ihren Doktortitel mit Bescheidenheit und Respekt“, so der Appell des Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Uwe Thomas.

Forschungsthemen der Doktorandinnen und Doktoranden sind zum Beispiel:

  • „Moderne Kunst in Taiwan. Diskursanalysen zum taiwanesischen Selbstverständnis im Globalisierungsprozess der Kunstwelt seit 1950“, Dr. Lisa Bauer-Zhao, betreut von Prof. Dr. Rolf Elberfeld, Philosophie

  • „Untersuchung zur Vermeidung der Blaulichtanteile bei der Hintergrundbeleuchtung von Displays unter Einsatz von LED-Clustern mit steuerbarem Farbspektrum“, Dr. Nils Habich, betreut von Prof. Dr. Jürgen Böhmer, Technik

  • „Die Mengenlehre im Anfangsunterricht – historische Darstellung einer gescheiterten Unterrichtsreform in der Bundesrepublik Deutschland“, Dr. Tanja Hamann, betreut von Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme

  • „Sozialer Einfluss und therapeutische Wirkmechanismen bei depressiven Störungen“, Dr. Christina Charlotte Hofheinz, betreut von Prof. Dr. Renate Soellner, Psychologie

  • „Analyse contrastive des verbes dans des corpus médicaux et création d’une ressource verbale de simplification de textes“, Dr. Ornella Wandji Tchami, betreut von Prof. Dr. Ulrich Heid, Informationswissenschaft und Sprachtechnologie

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Karolina Suchowolec

Im Interview spricht Karolina Suchowolec über das wissenschaftliche Arbeiten in Hildesheim und die Entstehung einer Doktorarbeit.

Frau Professorin Suchowolec, was untersuchen Sie in Ihrer Forschung?

Sprachen sind nicht statisch, sondern dynamisch und verändern sich mit der Zeit. In meiner Doktorarbeit „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ in Hildesheim habe ich untersucht, wie man den Sprachgebrauch von Menschen gezielt und systematisch verändern kann. Zwei Beispiele sind etwa die Rechtschreibreformen einer Standardsprache (wie die neuste deutsche Rechtschreibreform) oder auch Wortschatzstandardisierung für Gebrauchstexte wie Bedienungsanleitungen, damit ein „Ding“ immer mit dem gleichen Wort benannt wird.

Warum erfolgen solche Veränderungen in der Kommunikation?

Solche Maßnahmen sind ganz praktisch begründet und hängen oft, wenn auch nicht ausschließlich, mit dem Wunsch zusammen, die Kommunikation effizienter zu gestalten und zu optimieren. Bei der Wortschatzstandardisierung für technische Texte möchte man unter anderem erreichen, dass die Texte für den Endbenutzer aber auch für den Übersetzer leichter verständlich sind und dabei auch der Schreibprozess für die Textautoren und Textübersetzer einfacher und kostengünstiger ist.

Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt Ihrer Doktorarbeit?

Speziell habe ich mich in der Doktorarbeit mit der Frage befasst, welche Empfehlungen es in der Forschung gibt, wie man die Durchführung solcher Maßnahmen unterstützen kann. Diese Empfehlungen habe ich in mehreren Gebieten der Linguistik identifiziert, sie dann zusammengetragen, systematisiert und in einer leicht zugänglichen Form dargestellt. Eine allgemeine Empfehlung ist zum Beispiel, dass die späteren Benutzer von Anfang an eine aktive Rolle in der Entwicklung der Maßnahme spielen und nicht erst am Ende des Prozesses mit Resultaten konfrontiert werden sollten.

Eine Erkenntnis, zu der Sie in Ihrer Hildesheimer Doktorarbeit kamen?

Auch wenn das Thema der Sprachlenkung in der Praxis ganz wichtig ist, so ist die Frage nach konkreten Praxisempfehlung in der Linguistik noch recht unsystematisch erforscht. Es gibt viele Teildisziplinen der Linguistik, die sich zwar punktuell mit einzelnen Problemen befassen, aber es gibt zwischen ihnen kaum Austausch. Es ist sinnvoll und möglich, die Empfehlungen aus allen diesen recht unterschiedlichen Teildisziplinen gemeinsam zu betrachten.
Das Hauptergebnis meiner Arbeit sind Ablaufdiagramme, die zeigen, welche Schritte bei der Umsetzung für möglich gehalten werden. Diese Diagramme sind sowohl für Projekte in der Praxis interessant, weil man daraus einfach ablesen kann, was man konkret tun kann und welche Möglichkeit man bis jetzt vielleicht nicht berücksichtig hat. Sie können also als eine Entscheidungshilfe bei der Planung und Umsetzung von Projekten dienen. Aber auch für die Wissenschaft sind sie interessant, weil sie die Formulierung von Forschungshypothesen für empirische Untersuchungen unterstützen.

Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist es wichtig, im Bereich der Fachkommunikation zu forschen?

Das Hauptergebnis meiner Arbeit hat eine ganz praktische Anwendung. Aber auch in der angewandten Wissenschaft ist es wichtig, dass man sich einem praktischen Problem systematisch und mit nachvollziehbaren und überprüfbaren Methoden nähert. Zudem ist der Austausch über die Forschungsergebnisse wichtig. Diesen Punkten habe ich mich in meiner Doktorarbeit explizit gewidmet.

Wie viel Zeit haben Sie in Ihre Doktorarbeit investiert?

Ich habe an meinem Promotionsprojekt insgesamt sechseinhalb Jahre gearbeitet, davon habe ich die ersten drei Jahre bei einem Maschinenbauunternehmen in Würzburg verbracht, wo ich ganz praktisch einen standardisierten Wortschatz für die Technische Dokumentation von Druckmaschinen (Betriebsanleitungen) aufgebaut und eingeführt habe. In dieser Zeit habe ich zwar keine „Daten“ für  meine Doktorarbeit gesammelt, da es sich um keine empirische Arbeit im klassischen Sinne handelte, aber die Praxiserfahrungen und Beobachtungen haben mir insgesamt in meinem Promotionsprojekt geholfen. In dieser Zeit habe ich auch viel gelesen, zu linguistischen Themen aber auch darüber hinaus, was dann eine Grundlage für die Doktorarbeit legte. Nach diesen drei Jahren als externe Doktorandin wechselte ich nach Hildesheim und arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft bei Professor Dr. Klaus Schubert. Durch eine stärkere Anbindung an den universitären Betrieb konnte ich mich der Doktorarbeit fokussierter widmen. Ich habe in dieser Zeit mit dem Aufschreiben von Ideen begonnen, was in meinem Fall ein wichtiger Schritt war, weil die Arbeit eher theoretisch ist; durch das Aufschreiben entstanden neue Erkenntnisse und die Arbeit kristallisierte sich immer mehr heraus. Ich stellte kleine Ausschnitte oder Problemfälle aus meiner Arbeit immer wieder auf wissenschaftlichen Konferenzen und Workshops vor, was auch wichtig für das Fortschreiten der Arbeit war. So konnte ich auch die Analysemethode konkretisieren und verfeinern.

Welche Verantwortung tragen Sie als Forscherin?

Vor allem bei qualitativen Arbeiten stellen Nachvollziehbarkeit und Transparenz eine Herausforderung, weil man die Erkenntnisse auf eine intersubjektive Grundlage stellen muss. Deswegen war mir der Einsatz einer klar definierten Analysemethode und eine kleinschnittige Dokumentation der Zwischenschritte und -ergebnisse besonders wichtig.

Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den Doktortitel – werden Sie etwas vermissen?

Die Bibliothek in Hildesheim bietet eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und dort arbeiten sehr freundliche und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Welcher Karriereschritt folgt nach der Doktorarbeit?

Natürlich lässt sich die wissenschaftliche Karriere nur bis zu einem gewissen Grad planen und die berufliche Unsicherheit ist in der Wissenschaft schon recht groß. Aber ich habe nach der Promotion eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim erhalten. Und 2018 folgte die Berufung auf die Professur für Terminologie und mehrsprachige Fachkommunikation in Köln. Dort befasse ich mich mit mit dem Fachwortschatz, u.a. aus Standardisierungsperspektive, sowie mit Prozessen, die bei der Kommunikation über fachliche Inhalte stattfinden. Die Berufung auf eine Professur kurz nach der Promotion war dank meiner einschlägigen außeruniversitäten Berufserfahrung möglich.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person: Prof. Dr. Karolina Suchowolec

Karolina Suchowolec, geboren in Bialystok in Polen, forscht und lehrt seit 2018 an der Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften der TH Köln. Die 33-Jährige ist Expertin für Terminologie und mehrsprachige Fachkommunikation.

Die Sprachwissenschaftlerin hat zum Thema „Sprachlenkung – Aspekte einer übergreifenden Theorie“ bei Prof. Dr. Klaus Schubert am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim promoviert. Direkt nach ihrer Promotion 2016 ging die Wissenschaftlerin nach Mannheim an das renommierte Institut für Deutsche Sprache in Mannheim und wurde 2018 auf die Professur in Köln berufen. „Karolina Suchowolec bringt eine für die Berufschancen sehr günstige Kombination aus industrieller Praxiserfahrung und wissenschaftlichem Forscherdrang mit“, sagt ihr Doktorvater Professor Klaus Schubert.

Suchowolec studierte zuvor Angewandte Linguistik und Deutsch als Fremdsprache an der TU Dresden und an der Ohio State University in den USA sowie Mathematik und Informatik an der Fernuniversität Hagen.

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news-14669 Tue, 06 Nov 2018 07:40:00 +0100 Nachruf – Gedenken an die Studentin Katharina Rößler https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nachruf-gedenken-an-die-studentin-katharina-roessler/ Mit großer Betroffenheit erfahren wir vom Tod unserer Studentin Katharina Rößler. Sie verstarb nach einem tragischen Verkehrsunfall am 1. November 2018 in Mexiko. Unser Mitgefühl gilt ihren Eltern und allen Angehörigen und Freunden. Ein Kondelenzbuch liegt am Bühler-Campus aus. Ein Kondolenzbuch liegt im Geschäftszimmer des Instituts für Interkulturelle Kommunikation, Bühler Campus, Raum L102, aus, um der Studentin zu gedenken.

Katharina Rößler studierte im 5. Semester Internationales Informationsmanagement mit dem Schwerpunkt Angewandte Sprachwissenschaft am Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften der Universität Hildesheim. Sie beteiligte sich als Studentin mit großem Engagement an den Lehrveranstaltungen. Die Begegnungen mit ihr waren durch ihre angenehme, freundliche Art für uns alle eine Bereicherung. Ihr Interesse an verschiedenen Sprachen und Kulturen sowie ihre Offenheit für Probleme der interkulturellen Kommunikation brachten sie als Promos-Stipendiatin ins Ausland.

Unser Mitgefühl gilt ihren Eltern und allen Angehörigen und Freunden. Die Universität Hildesheim ehrt ihr Andenken.

In tiefer Trauer

Prof. Dr. Dr. hc. Wolfgang-Uwe Friedrich
Präsident der Stiftung Universität Hildesheim

Prof. Dr. Ulrich Heid
Dekan des Fachbereichs Sprach- und Informationswissenschaften

Prof. Dr. Beatrix Kreß
Institut für Interkulturelle Kommunikation

Ana Iglesias
Institut für Interkulturelle Kommunikation, Fachkoordinatorin für Mexiko im Bachelor „Internationales Informationsmanagement“

María Camacho-Mohr
Verbindungsbüro Universidad Autónoma del Estado de México (UAEM) an der Stiftung Universität Hildesheim

Dr. Marit Breede
International Office

Fachschaft iplus+ der Universität Hildesheim

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news-14294 Mon, 15 Oct 2018 09:00:00 +0200 Bildungswege: „Ich wollte unbedingt wieder studieren“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/bildungswege-ich-wollte-unbedingt-wieder-studieren/ Sajedeh Khabaz Ghazian und ein weiterer Student werden mit einem Stipendium ausgezeichnet. „Die feierliche Übergabe zum Semesterstart ist ein Zeichen für alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Universität fördert besondere Leistungen“, sagt Vizepräsident Professor Martin Schreiner. Zwei Stipendien vergibt der Rotary-Club Hildesheim im neuen Studienjahr an zwei Studierende der Universität Hildesheim. Das Stipendium beinhaltet einmalig 1000 Euro für das Studienjahr Wintersemester 2018/19 und Sommersemester 2019.

Die Rotary-Stipendien Stipendien erhalten Sajedeh Khabaz Ghazian und ein weiterer Student für ihre besonderen Leistungen auf dem Weg in die Wissenschaft. Beide sind ohne Verwandte nach Deutschland gekommen und haben sich in den letzten Monaten und Jahren sehr darum bemüht, in kurzer Zeit die deutsche Sprache so gut zu erlernen, dass sie jetzt ein Studium in Hildesheim aufnehmen können.

„Die feierliche Übergabe zum Semesterstart ist auch ein Zeichen für alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Universität fördert besondere Leistungen“, sagt Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung. Die Universität Hildesheim vergibt bis zu 200 Stipendien im Studienjahr, darunter das „Deutschlandstipendium“, das „Lore-Auerbach-Stipendium“ sowie das Stipendium im „Minerva-Kolleg“. „Wir sind froh und dankbar, dass es Menschen in der Region Hildesheim gibt, die sich für Bildung engagieren“, sagt Schreiner. Die Universität Hildesheim sucht nun weitere Stifter, die Studentinnen und Studenten auf ihrem Bildungsweg unterstützen.

Sajedeh Khabaz Ghazian studiert ab Oktober 2018 Lehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch in Hildesheim. In den letzten Monaten fuhr sie täglich von einer kleinen niedersächsischen Stadt mit Bus und Bahn über Hannover bis nach Hildesheim. Ihr Ziel: der Sprachkurs an der Universität Hildesheim. Nun startet sie im Oktober in ihr Lehramtsstudium. „Ich lebe seit fünf Jahren in Deutschland. In Iran habe ich bereits Englisch studiert und unterrichtet. Als ich in Niedersachsen ankam, wollte ich unbedingt wieder studieren – das war immer mein Ziel. Anna Pulm vom International Office hat mich auf dem Weg an die Universität sehr unterstützt und beraten. In einem Schulpraktikum habe ich die Freude gefunden, mit Kindern zu arbeiten. Ich mag Sprachen, spreche Persisch, Deutsch und Englisch. Ich möchte unbedingt die deutsche Sprache beherrschen, ich werde viele Vorlesungen in Literatur- und Sprachwissenschaft besuchen“, sagt die 34-Jährige.

Dr. Marina Hohage, Präsidentin des Rotary Clubs Hildesheim, über die Rotary-Stipendien:

„Der Rotary Club Hildesheim hat die Förderung junger Menschen zu seinem besonderen Schwerpunkt erklärt. Der gleichmäßige Zugang zur Bildung und beruflicher Perspektive steht dabei im Vordergrund. Studierende, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, haben nicht selten besondere Hürden zu bewältigen. Dies wird auch bei den in diesem Jahr ausgewählten Stipendiaten deutlich, die ohne ihre Eltern zu uns gekommen sind, sprachliche Barrieren überwinden mussten und bei allen zu organisierenden Details auf sich allein gestellt sind. Beide Stipendiaten haben mit beachtlichem Tempo und Erfolg die deutsche Sprache erlernt, engagieren sich ehrenamtlich an Schulen oder im kirchlichen Bereich und haben durch die Teilnahme an Vorbereitungskursen sowie regelmäßig lange Anreisewege enorme Anstrengungen aufgezeigt, um an der Stiftung Universität Hildesheim studieren zu können. Beide Studierende unterstützen wir sehr gerne und hoffen, damit einen Beitrag leisten zu können, dass sie an der Universität Hildesheim ihren erfolgreichen Weg fortsetzen können“, so Marina Hohage.

Studierende mit einem Stipendium unterstützen

Wer Studierende mit einem Stipendium unterstützen möchte, kann sich direkt an Markus Langer (05121 883 90130, markus.langer@uni-hildesheim.de) oder Prof. Dr. Martin Schreiner (05121 883 11102, martin.schreiner@uni-hildesheim.de) wenden.

Stiftungskultur an der Universität Hildesheim

Die Universität Hildesheim ist Träger des Deutschen Hochschulfundraisingpreises 2018. Der Deutsche Hochschulverband hat die Stiftungskultur in Hildesheim ausgezeichnet. Hildesheimer Bildungsstifterinnen und Bildungsstifter – Bürger aus der Stadt und Region sowie Unternehmen und Stiftungen – tragen mit ihren Spenden dazu bei, dass Bildungswege junger Menschen unterstützt und neue Forschungsgebiete ausgebaut werden können.

Übersicht über Stipendienprogramme der Universität Hildesheim

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news-15615 Mon, 15 Oct 2018 07:44:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Interview mit Sergio Andrés Hernández Garrido https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-interview-mit-sergio-andres-hernandez-garrido/ Sergio Andrés Hernández Garrido befasst sich in seiner Forschung mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren. Dafür erhält der junge Medienlinguist den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab. Zum Semesterstart wurde der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verliehen. Den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis erhält der Hildesheimer Übersetzungswissenschaftler Sergio Andrés Hernández Garrido. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab.

Der diesjährige DAAD-Preisträger Sergio Andrés Hernández Garrido gehört zu einem Team um Professorin Christiane Maaß, die sich am Bühler-Campus der Universität Hildesheim mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren befassen. Die Medienlinguisten und Medienlinguistinnen übersetzen zum Beispiel Nachrichten, juristische Texte oder sogar Märchen in Leichte Sprache.

Die Forschung und Lehre im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ an der Universität Hildesheim wächst, dies ist eine der aktuellen Entwicklungen:

Abbau von Kommunikationsbarrieren als gesellschaftliche Aufgabe

Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ startet

Erstmals starten im Oktober 2018 Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim im viersemestrigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache. Studieninteressierte können sich um einen Masterstudienplatz bewerben, die nächste Gelegenheit zur Einschreibung ist zum Sommersemester 2019.

Interview mit dem Übersetzungswissenschaftler und Medienlinguisten Sergio Andrés Hernández Garrido

Herr Hernández Garrido, Sie studieren in Hildesheim Medientext und Medienübersetzung.

Das Hildesheimer Masterstudium ist einzigartig in Deutschland. Ich habe mir vor meiner Bewerbung die Stadt und Universität in Hildesheim angesehen – da dachte ich, dieser Ort ist ein guter Ort für mich.

Medientext und Medienübersetzung, das klingt etwas abstrakt – was steckt dahinter?

Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der audiovisuellen Übersetzung von Texten, wir untertiteln zum Beispiel Filme. Ich spezialisiere mich in Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation, beschäftige mich mit Audiodeskription – Bilder übersetze ich in Wörter, damit Personen mit einer Sehbehinderung auch audiovisuelle Medien konsumieren können –, Untertitelung und Leichter Sprache. Das hat mich vom ersten Moment an interessiert. Ich kann mit meiner Arbeit einen Beitrag in der Gesellschaft leisten.

Sie schreiben gerade ihre Masterarbeit.

Mein Ziel ist es, die Leichte Sprache aus einer internationalen Perspektive zu untersuchen. In Deutschland ist schon vieles geschafft worden im Bereich der Inklusion, auch wenn der Weg weiter lang ist. Wenn ich in mein Heimatland Kolumbien blicke, dann wurde praktisch noch nichts gemacht, um Kommunikationsbarrieren abzubauen. Ich möchte die Leichte Sprache nach Kolumbien bringen, wo es bislang kaum Bemühungen in der barrierefreien Kommunikation gibt. In Kolumbien möchte ich die Leichte Sprache aufbauen, um die Partizipation von Menschen mit Leseeinschränkungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu ermöglichen. Gemeinsam mit kolumbianischen Forschungseinrichtungen möchte ich ein Regelwerk für die Übersetzung von juristisch-administrativer Kommunikation in Leichtes Spanisch entwickeln. Die Grundlagen hierfür erarbeite ich in meiner Masterarbeit und ich plane ein Promotionsprojekt an der Universität Hildesheim. Ich habe erste Kontakte zu Universitäten in Barranquilla geknüpft.

Sie übersetzen in der Forschungsstelle Fachtexte in einfach geschriebene Texte. Was ist die Leichte Sprache?

Die Leichte Sprache ist eine Reduktionsvarietät des Deutschen. Die Sprache wendet sich vor allem an Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch an andere Menschen mit Leseeinschränkung. Also: Die Texte werden so reduziert, dass sie verständlicher sind, so dass die Menschen eigenständig die Texte verstehen können, was ihnen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit ermöglicht. Wir nehmen die Originaltexte und formulieren sie in Hauptsätze um, auch vermeiden wir zum Beispiel die Verwendung von Pronomina. Wir versuchen alles so simpel und klar darzustellen, so dass sich alle alleine informieren können. Die Texte in Leichter Sprache sind ein Zusatzangebot und eine Hilfe zum Originaltext, sie ersetzen das Original nicht. Die Studien von Professorin Christiane Maaß zeigen, dass nicht nur Menschen mit geistiger Behinderung davon profitieren, sondern auch Sprachlerner oder Menschen mit Leseschwierigkeiten.

Wie arbeiten Sie in der Forschungsstelle?

Ich übersetze Fachtexte, wir arbeiten mit Kultureinrichtungen, Medien wie dem NDR und WDR und Behörden zusammen. Ich bin auch in der Planung von Tagungen und Projekten beteiligt.

Was macht Ihnen Freude in der barrierefreien Kommunikation? Was ist Ihr Antrieb?

Meine Motivation steigt ganz ehrlich jeden Tag durch meine Erfahrungen in der Forschungsstelle. Gerade habe ich wieder mit einer Prüfgruppe aus Braunschweig unsere Texte unter die Lupe genommen. Die Menschen mit Behinderung geben mir Rückmeldungen zur Verständlichkeit unserer Übersetzungen und machen Verbesserungsvorschläge, sie sind sehr dankbar für die Arbeit, die wir in Hildesheim leisten. Wenn man sieht, dass die Arbeit, die man leistet, einen Sinn hat, ist man motiviert, weiterzumachen.

Sie erhalten den DAAD-Preis.

Die Auszeichnung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst ist eine riesige Motivation für mich, mich weiter zu bemühen. Der DAAD war schon für meinen Vater als junger Wissenschaftler sehr wichtig, er konnte promovieren – heute ist er Mathematikprofessor in Kolumbien. Meine Familie und ich haben Deutschland vieles zu verdanken. Ich habe die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht und hatte Chancen, mich zu bilden. Ich möchte durch meine Arbeit in der barrierefreien Kommunikation der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich möchte mit dieser Kraft auch zeigen, was in den Menschen in Kolumbien steckt, all jenen, die sich jeden Tag bemühen, das Land zu einem besseren Land zu machen. Mein Traum ist es, all die Kompetenzen, die ich in Deutschland, in Hildesheim, erworben habe, in Kolumbien umsetzen zu können, um dort Kommunikationsbarrieren abzubauen und Teilhabe von Menschen an der Gesellschaft zu fördern. Ich habe das Gefühl, dass das was ich lerne, einen Sinn hat.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Sergio Andrés Hernández Garrido, 24 Jahre, geboren in Baranquilla in Kolumbien. Als kleines Kind hat er fünf Jahre mit seiner Familie in Deutschland gelebt, da sein Vater als DAAD-Stipendiat in Deutschland geforscht hat. Die Familie kehrte nach Kolumbien zurück, wo Sergio Andrés Hernández Garrido sein Abitur absolvierte. Es folgte ein Bachelorstudium der Übersetzungswissenschaft in Mainz.

Seit 2016 studiert er im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ in Hildesheim und hat sich dort auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Er arbeitet als studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle Leichte Sprache, nachdem er dort zunächst ein sechsmonatiges Praktikum absolviert hat. Im Masterstudium hat der junge Wissenschaftler bereits die Übung zur Vorlesung „Übersetzungswissenschaft“ unterrichtet. Spanisch ist seine Muttersprache.

Seit Oktober ist er für die Forschungsstelle Leichte Sprache auch im Projekt „Easy Access for Social Inclusion Training“ (EASIT) tätig, einem europäischen Forschungsprojekt unter Leitung der Universität Barcelona, an dem neben der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim weitere Forschungseinrichtungen aus Spanien, Italien, Slowenien, Schweden und Deutschland mitwirken. Die internationale Arbeitsgruppe untersucht die Möglichkeiten, wie audiovisuelle Medien in Leichter Sprache aufbereitet werden können und wie dieses Wissen in die Ausbildung von Medienübersetzern eingebracht werden kann.

Kontakt

Wer sich für den Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ interessiert erreicht Prof. Dr. Christiane Maaß, die Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache, unter christiane.maass@uni-hildesheim.de.

Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“

Die Universität Hildesheim richtet die Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“ vom 18. bis 20. Oktober 2018 in Hildesheim aus. Es werden Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft anwesend sein, unter anderem die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, sowie renommierte Fachkolleginnen und Fachkollegen aus dem In- und Ausland. Die Tagung ist barrierefrei und die Beiträge werden unter anderem in Gebärdensprache verdolmetscht. Auch Schriftdolmetscher sind im Einsatz, um Menschen mit Hörschädigung die Teilnahme zu ermöglichen . Das Team um Professorin Christiane Maaß stellt auf der Tagung das neue 800-seitige Handbuch „Barrierefreie Kommunikation“ vor. Insgesamt werden etwa 70 Konferenzteilnehmer aus dem In- und Ausland in Hildesheim erwartet.

Programm der Konferenz: Barrierefreie Kommunikation

Duden-Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache

Die „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim hat zusammen mit der Duden-Redaktion den Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache ausgeschrieben. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert und wird im Oktober 2018 erstmals auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim übergeben. Preisträger ist Mark Harenberg vom NDR. Anwesend sind Vertreterinnen und Vertreter der Duden-Redaktion und von der Lebenshilfe Braunschweig, die neben der Forschungsstelle Leichte Sprache zur Jury gehören.

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news-14296 Mon, 15 Oct 2018 07:34:00 +0200 Mehrsprachigkeit in der Unterrichtsforschung: Kooperation mit der Ain Shams Universität Kairo https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/mehrsprachigkeit-in-der-unterrichtsforschung-kooperation-mit-der-ain-shams-universitaet-kairo/ Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Frage, die die Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler verbindet ist die Mehrsprachigkeit in Schulen und in der Gesellschaft. Mehrsprachigkeit im Unterricht als ein Thema, das über die Kontinente hinausreicht – das ist die Grundidee der Forschungskooperation zwischen dem Zentrum für Bildungsintegration, dem Institut für deutsche Sprache und Literatur und dem Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität Hildesheim mit der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität in Kairo, Ägypten. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert über zwei Jahre den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und dem wissenschaftlichen Nachwuchs, der von der Universität Hildesheim aus von den Professorinnen Elke Montanari und Beatrix Kreß betreut wird.

Eine Delegation der Deutschen Abteilung der Ain Shams Universität Kairo in Ägypten ist derzeit zu Gast auf dem Sprachencampus der Universität Hildesheim. Eine Woche lang (vom 8. bis 12. Oktober 2018) tauschen sich die Wissenschaftlerinnen Dr. Heba Ahmed Mahmoud Emam und Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim sowie die Wissenschaftler Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Dr. Basem Schoaib, Dr. Abdelrahman Nagi und von der Ain Shams Universität mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Hildesheim aus.

Ziel der Gespräche ist es, Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Lehre zu diskutieren und den wissenschaftlichen internationalen Austausch in der Lehrerbildung zu befördern. Wie lässt sich zum Beispiel das Studium institutionell verknüpfen? Vorbilder können die gemeinsamen Studienprogramme der Universität Hildesheim mit der Pai Chai University in Daejeon und der Chungbuk National University in Chungbuk in Südkorea in den Informationswissenschaften, mit der Staatlichen Universität Nowgorod in Russland in den Sprachwissenschaften und mit der Université de Provence in Marseille in Frankreich in den Kulturwissenschaften sein. Ein Teil des Studiums absolvieren die Studierenden in Hildesheim und einen Teil an der jeweiligen Partneruniversität.

Eine Frage, die an den Universitäten in Kairo und Hildesheim diskutiert wird, betrifft die Rolle der Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht. Sollte Mehrsprachigkeit einbezogen werden, weil es das Sprachenlernen befördert, wenn Erst- und neue Sprachen verknüpft werden? Oder sollte möglichst viel Zeit mit der neu zu lernenden, deutschen Sprache zur Verfügung stehen? Welche Rolle darf und soll Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht einnehmen?

In diesem Jahr war als erster Gaststudent bereits Hassan Reyad aus Kairo für ein Semester in Hildesheim, um seine Masterarbeit zu beenden, er kehrte mit einem fertigen Dokument und vielen neuen Kontakten zurück nach Kairo, so Elke Montanari. „Wir arbeiten auch im Bereich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zusammen und betreuen gemeinsam eine Doktorandin. Wir haben in Kairo und Hildesheim gemeinsame wissenschaftliche Biografien – die Funktionale Pragmatik verbindet uns.“

Die beiden Universitäten in Kairo und Hildesheim unterzeichnen im Oktober 2018 ein „Memorandum of Understanding“, darin heißt es:

„Ain Shams University and the University of Hildesheim believe that mutual benefit can be derived from scholarly interaction, cultural interchange, co-operative research, and other forms of academic collaboration. Therefore, both parties agreed on the following: The Parties see advantages in the development of strong academic links and relationships and agree in principle to enter into discussions to establish ties of friendship and cooperation for the purpose of promoting mutual understanding and academic, cultural and personal exchange in various sectors and disciplines. […]”

Prof. Dr. El Sayed Madbouly, Kairo

El Sayed Selmy Madbouly ist Professor an der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Zuvor hat der Sprachwissenschaftler in Hamburg und Siegen promoviert. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Grammatik als kontrastive Linguistik. Zwei Jahre hat er am Landesspracheninstitut Bochum und acht Jahre an einer Sprachen- und Übersetzungsfakultät in Saudi-Arabien gearbeitet. Er sagt:

„Mit Professorin Montanari habe ich das Kooperationsprojekt zwischen Hildesheim und Kairo beantragt. Gemeinsam möchten wir die Lehrerausbildung im mehrsprachigen Kontext ausbauen. Der Zwecke der Reisen ist, sich eng abzusprechen, was wir in der Zukunft gemeinsam in Forschung und Lehre machen können.

Mehrsprachigkeit ist ganz klar da – schauen Sie in die Klassenzimmer in deutschen Schulen, es ist wichtig, dass man den sprachlichen und kulturellen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler kennt, bevor man unterrichtet. Bei uns in Ägypten ist der deutsche Arbeitsmarkt auch eine Berufschance für Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer, viele Ägypter sind jetzt in Deutschland und unterrichten geflohene Syrer. In Ägypten ist die deutsche Sprache sehr verbreitet, es gibt siebzehn deutsche Abteilungen an den staatlichen Universitäten, die privaten nicht eingerechnet. Wir versuchen, unsere Studentinnen und Studenten durch die Literatur zum Sprechen zu bringen. Unser Ziel ist, dass auch die deutschsprachige Literatur zur Förderung der Sprachfähigkeit führt.

Kairo ist eine riesige Stadt – wir freuen uns auf Hildesheim als kleine Stadt. Man kann die Stadt zu Fuß einfach besichtigen und Natur erleben – das ist wirklich anders als in Kairo. Ich genieße die Ruhe hier in Hildesheim.“

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim, Kairo

Fatma Al-Zahraa Muhammad Abdulazim arbeitet als Oberassistentin der Deutschen Abteilung der Pädagogischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Ihre Doktorarbeit möchte sie an den Universitäten Hildesheim und Kairo schreiben. Sie sagt:

„Ich habe meine Abschlussarbeit über das alltägliche Erzählen in arabischer und deutscher Sprache geschrieben. Jetzt arbeite ich an meiner Doktorarbeit. Das Thema meiner Arbeit ist ‚Präsuppositionmarker im Deutschen und Arabischen‘. Der kontrastive Vergleich zweier Sprachen ist immer interessant. Das finde ich toll, in der Forschung gelangt man zu Perspektiven und Erkenntnissen in beiden Sprachen. Die Forschungserkenntnisse sollen beim Deutschunterricht helfen. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die Sprachen verstehen, ist es einfacher zu unterrichten.

Die Kooperation zwischen der Ain Shams Universität in Kairo und der Universität in Hildesheim ist eine Chance. Unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst können wir unsere gemeinsame Arbeit im Bereich der Mehrsprachigkeit stärken – auf verschiedenen Ebenenen, es entstehen gemeinsame Publikationen. Wir sprechen über die Zusammenarbeit in Studiengängen oder in der Forschung. Heutzutage sind die Begegnungen wichtig.

Meine Hoffnung ist, dass diese Kooperation fortbesteht und dass wir gegenseitig profitieren – auf der kulturellen und wissenschaftlichen Seite. Wir möchten auch ein Vorbild für andere Universitäten sein, internationale Kooperationen zu pflegen. Ich bin das erste Mal in Hildesheim und freue mich sehr, dass ich in Hildesheim sein kann. Es ist eine große Chance, ich lerne von den Kollegen vieles und hoffe, im Laufe der Zeit kann ich etwas zurückgeben.“

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-15656 Fri, 12 Oct 2018 21:16:00 +0200 Einblicke für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Wer macht was in der Uni? https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/einblicke-fuer-neue-mitarbeiterinnen-und-mitarbeiter-wer-macht-was-in-der-uni/ Wer in den Berufsalltag startet, ob in Wissenschaft oder Verwaltung, sollte den direkten Austausch am 25. Oktober 2018 nicht verpassen: Auf einer Informationsveranstaltung stellen Uni-Verantwortliche ihren Tätigkeitsbereich vor. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im direkten Gespräch ihre Fragen rund um den Hochschulalltag loswerden. Wer macht eigentlich was in der Universität? Bei welchen Fragen hilft das Team aus dem Dezernat für Personal- und Rechtsangelegenheiten, der Universitätsbibliothek oder dem Rechenzentrum weiter? Wie kann ich das Dezernat für Finanzen erreichen? Und wann kontaktiere ich den Forschungsreferenten, den Mitarbeiter aus dem Fundraising und die Gleichstellungsbeauftragte?

Die Universität lädt am Donnerstag, 25. Oktober 2018, von 11:00 bis 13:00 Uhr zu einer Begrüßungsveranstaltung in das Foyer des Verwaltungsgebäudes am Hauptcampus ein. Führungskräfte aus der Verwaltung, den Stabsstellen und den zentralen Einrichtungen stellen ihren Tätigkeitsbereich in zweiminütigen Kurzvorträgen vor.

Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind herzlich eingeladen im Anschluss daran im direkten Gespräch ihre Fragen rund um den Hochschulalltag zu stellen. Eingeladen wurden 126 neue oder zurückkehrende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 ihre Tätigkeit (wieder) an der Universität Hildesheim aufgenommen haben.

Das Präsidium, das Gleichstellungsbüro und die Referentin für Fort- und Weiterbildung der Universität Hildesheim Gundula Sperling bringen mit der Begrüßungsveranstaltung neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Verantwortlichen aus der Verwaltung und den Einrichtungen zusammen.

„Warum ich an der Mitarbeiterbegrüßung teilnehme? Als jemand, der neu in der Stadt Hildesheim ist, erhalte ich Einblicke in Strukturen der Universität“

Moritz Steinhauer ist seit einem Jahr wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Warum er an der Begrüßungsveranstaltung der Universität Hildesheim teilnimmt, begründet der Kulturwissenschaftler so:

„Die Auftaktveranstaltung hat es mir ermöglicht, als jemand, der neu in der Stadt und der Universität Hildesheim angekommen ist, erste Einblicke in die Strukturen der Universität zu erlangen und die Gesichter zu den Namen kennenzulernen, welche man sonst nur auf Webseiten und Infomaterialien ließt. So habe ich mich bei der Auftaktveranstaltung direkt über die Weiterbildungsmöglichkeiten informiert, Kontakte zum International Office und der Pressestelle geknüpft und mir vom Baudezernenten die Lage auf der – damals gerade erst wieder hochwasserfreien – Domäne Marienburg schildern lassen. Auch bot die Veranstaltung die Möglichkeit, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen der Universität kennenzulernen und sich auszutauschen, sodass meinen Start in die Arbeit an der Universität bereichert wurde.“

„Dank der Mitarbeiterbegrüßung kann ich mit den zahlreichen Namen an der Universität nun auch Gesichter, Stimmen und Persönlichkeiten verknüpfen“

Professor Jörg Bölling ist seit Anfang des Jahres Professor für Kirchengeschichte am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim. Hier begründet der Theologe und Historiker, warum er neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Forschung, Lehre und Verwaltung die Begrüßungsveranstaltung der Universität Hildesheim weiterempfiehlt:

„Die Begrüßungsveranstaltung war für mich gleich in dreifacher Hinsicht ein großer Gewinn: Zunächst habe ich einen guten Überblick über zentrale Einrichtungen erhalten und dabei mit zahlreichen bekannten Namen nun auch Gesichter, Stimmen und Persönlichkeiten verknüpfen können. Dann folgten in lockerer, und doch anregender Atmosphäre einzelne Gespräche, bei denen ich auch konkrete Fragen stellen und Kontakte knüpfen konnte, etwa zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universitätsbibliothek oder des Gleichstellungsbüros (zu Fragen der Kinderbetreuung). Schließlich gibt es auch nicht planbare, immer wieder neue Langzeitwirkungen: rein zufällige Begegnungen auf dem Campus, in der Mensa und im Café – Situationen, in denen man ohne Einführungsveranstaltung wohl achtlos aneinander vorbeigelaufen wäre.“

Wie kann ich an der Veranstaltung teilnehmen?

An alle neuen und zurückkehrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde eine persönliche Einladung, mit der Bitte sich anzumelden, verschickt. Bei Fragen können Sie sich an Gundula Sperling (E-Mail sperling@uni-hildesheim.de) wenden.

Wer macht was? Weitere Informationen

Vom Dezernat für Studienangelegenheiten über das Friend- und Fundraising bis zum Qualitätsmanagement – wer einen Überblick über die vielen Einrichtungen und Aufgabenbereiche an der Universität Hildesheim erhalten möchte, findet online eine Übersicht über die zentrale Verwaltung, zentrale Einrichtungen, Gremien, Fachbereiche, Forschungszentren und Stabsstellen.

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news-12288 Thu, 13 Sep 2018 11:50:51 +0200 Übersetzen: Universität sucht Sprachexperten https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/uebersetzen-universitaet-sucht-sprachexperten/ Welche Rolle spielen Übersetzungen im Alltag? Im Interview spricht Professorin Bettina Kluge über die Ausbildung von Übersetzerinnen und Übersetzern und über menschliche und maschinelle Übersetzungen. An der Universität Hildesheim bildet sie den Übersetzernachwuchs im Studiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ aus. Zum Studium gehört ein Auslandsaufenthalt. Eine Bewerbung um einen Studienplatz im Bachelorstudium „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ ist bis zum 21. September 2018 noch möglich. Der Studienbeginn ist im Oktober 2018.

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Interview mit der Übersetzungswissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge

Was leisten Übersetzerinnen und Übersetzer in unserer heutigen Gesellschaft?

Viel. Unser gesamter globalisierter Alltag ist stark durchdrungen von Übersetzungen, selbst wenn es uns häufig gar nicht mehr auffällt: im Kino laufen viele Hollywoodfilme – fast immer als Synchronisation. Im Supermarkt sind viele Produkte importiert, und die Inhaltsangaben und Rezeptvorschläge auf der Verpackung sind häufig Übersetzungen, ebenso die Bedienungsanleitungen unserer Smartphones, Musikanlagen, Autos, Möbel, Kleidung und so weiter. Umgekehrt versteht sich Deutschland als Exportweltmeister, und ebenso wie wir erwarten, dass importierte Produkte mit gut verständlichen deutschsprachigen Bedienungsanleitungen und Produktangaben versehen sind, ist das umgekehrt natürlich auch der Fall.

Wer in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert, geht bereits nach einem Jahr ins Ausland. Welche Bedeutung hat der Auslandsaufenthalt?

Wenn Studierende aus dem Ausland zurückkommen, dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wir bilden am Sprachencampus in Hildesheim Übersetzerinnen und Übersetzer aus, die zum Beispiel Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher sowie Bedienungsanleitungen übersetzen. Im ersten Studienjahr stehen die Grundlagen auf dem Programm, etwa die beiden Vorlesungen „Einführung in die Sprachwissenschaft“ und „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“ sowie erste sprachpraktische Übungen und Methoden des Übersetzens. Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland. Die Studentinnen und Studenten bekommen ein Gefühl für die Sprache und erweitern ihren Wortschatz im Alltag enorm. Die im Ausland erbrachten Studienleistungen werden anerkannt.

„Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland“

Mit welchen Partnerhochschulen arbeiten Sie zusammen?

Wir kooperieren mit Partnerhochschulen in Alicante, Madrid, Murcia und Barcelona in Spanien, in Paris, Clermont-Ferrand und Tours in Frankreich sowie in Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien, Kolumbien und Mexiko. Es gibt Ausnahmeregelungen, wenn ein Auslandsaufenthalt nur schwer möglich ist, etwa wenn Studierende schwer krank sind, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen müssen.

Wie geht es dann im Bachelorstudium weiter?

Im dritten Studienjahr folgen sprachpraktische Seminare und Spezialisierungen etwa in „Fachübersetzen“, also technische Übersetzungen: Wie übersetzt man Handbücher für Maschinen?. Außerdem können sich Studierende auf „Unternehmenskommunikation“, „Sprache und Medien“ oder auch „community interpreting“ spezialisieren. Letzeres ist die Sprachmittlung in institutionell geprägten Situationen wie die Kommunikation in der Sozialbehörde, der Stadtverwaltung, beim Arzt, wenn es um Beispiel wichtig ist festzustellen, wo genau es schmerzt und ob die Schmerzen stechend oder ausstrahlend sind.

Wen möchten Sie mit dem Studienangebot erreichen?

Der Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ richtet sich an Studieninteressierte, die neben der Begeisterung für Sprachen, Texte und verschiedene Kulturen auch ein Interesse für neue Technologien und Medien mitbringen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Grundlagen des professionellen Übersetzens. Die Studentinnen und Studenten beschäftigen sich in drei Jahren mit Texten unterschiedlicher Sprachen. Neben der Grundsprache Deutsch wählen sie ein bis zwei weitere Sprachen – Englisch, Französisch oder Spanisch.

Humor und Ironie werden von Übersetzungsprogrammen oft nicht erkannt

Haben Sie Sorge, dass die Arbeit eines Übersetzers eines Tages von Maschinen übernommen wird? Welche Rolle spielen dabei zum Beispiel die sprachliche Varietät, Humor, Ironie und Wortspiele?

Ich glaube, Übersetzerinnen und Übersetzer werden auch in Zukunft weiterhin gebraucht. Zugegeben, auf den ersten Blick wirken maschinelle Übersetzungsprogramme als Bedrohung. Die Resultate werden immer besser und die automatischen Übersetzungen von Bedienungsanleitungen, über die wir früher so gern gelacht haben, werden weniger. Maschinell unterstützte Übersetzung basiert häufig auf großen Textsammlungen, sogenannten Korpora, und die Übersetzungssoftware gibt dann auf der Basis der Wahrscheinlichkeiten Übersetzungsvorschläge heraus.

Wie fällt die Qualität dieser maschinellen Übersetzungen aus?

Die Übersetzungen können stimmen – oder eben auch nicht. Weil die Korpora für das Sprachenpaar Englisch-Deutsch größer sind als die für Spanisch-Deutsch oder auch Chinesisch-Deutsch, sind die Übersetzungen aus und ins Englische meistens besser als für Spanisch oder Chinesisch. Zum Beispiel kann sich englisch „china“ auf das Land beziehen oder auf Porzellan. Menschliche Übersetzer berücksichtigen hier den Kontext, in dem das Wort „china“ auftaucht, inklusive Groß- und Kleinschreibung. Viele Übersetzungsprogramme tun das immer noch nicht. Oder ein anderes Beispiel: spanisch „padre“ heißt zunächst einmal „Vater“ und ist ein Substantiv. Aber im mexikanischen Spanisch kann „padre“ auch ein Adjektiv mit der Bedeutung „toll, super“ sein. Wenn jemand auf Facebook ein Urlaubsfoto mit „Qué padre foto“ kommentiert, heißt das also „Was für ein tolles Bild!“, während die automatische Übersetzung auf Facebook „Was Vater Foto“ daraus macht – ziemlich unverständlich, oder? Auch Humor und Ironie werden von Übersetzungsprogrammen regelmäßig nicht erkannt – gerade deswegen wird die audiovisuelle Übersetzung von Spielfilmen wohl noch lange ein Arbeitsfeld für menschliche Übersetzer sein, wenn auch mit maschineller Unterstützung. Übersetzungsprogramme sind insofern in ähnlicher Weise eine Bedrohung wie vor einigen Jahren die elektronischen Wörterbücher als Bedrohung gesehen wurden – heute sind sie aus dem Übersetzeralltag kaum wegzudenken.

Wo arbeiten Ihre Absolventinnen und Absolventen?

Studentinnen und Studenten, die in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert haben, sind heute zum Beispiel beim WDR als Untertitlerin und als technische Redakteurin bei der Volkswagen AG tätig oder haben sich als Übersetzerinnen selbständig gemacht. Andere spezialisieren sich in den Hildesheimer Masterstudiengängen „Medientext und Medienübersetzung“, „Sprache und Technik“ oder auch im Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“, der im Oktober startet.

Ihre Studentinnen und Studenten arbeiten auch in kleinen mittelständischen Unternehmen – und übersetzen zum Beispiel Frachtkosten, Warengut und Lieferbedingungen.

Auch kleine und mittlere Unternehmen sind in den Weltmarkt eingebunden und auf Übersetzungen angewiesen – sie brauchen mehrsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ein ausgeprägtes Sprachgefühl haben, um einiges selbst übersetzen zu können, aber auch wissen müssen, wann sie einen bestimmten Text an eine spezialisierte Agentur abgeben sollten – etwa Abschnitte zu Sicherheitshinweisen und natürlich auch Patentanmeldungen. Häufig übernehmen unsere Absolventinnen und Absolventen in kleinen und mittleren Unternehmen auch Aufgaben in der internen und externen Unternehmenskommunikation, zum Beispiel wenn sie den social media-Auftritt betreuen, egal ob auf Deutsch oder Englisch. In diesen Unternehmen können unsere Absolventinnen und Absolventen also „Allrounder“ sein, das finden einige sehr attraktiv. Zum Beispiel betreut eine Absolventin aus Hildesheim jetzt sämtliche social media-Aktivitäten eines niedersächsischen Craft Beer-Herstellers, der inzwischen auch ins Ausland exportiert.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt

Wer Fragen zum Studium hat, kann sich an Prof. Dr. Klaus Schubert, Direktor des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim wenden (E-Mail klaus.schubert@uni-hildesheim.de) oder an Prof. Dr. Bettina Kluge (klugeb@uni-hildesheim.de).

Eine Bewerbung um einen Bachelorstudienplatz ist bis zum 21.9.2018 möglich:

  • „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ | Bachelor of Arts

    Der Bachelorstudiengang ist für Studentinnen und Studenten interessant, die ein Interesse an Sprachen, Texten und verschiedenen Kulturen haben, aber auch an neuen Technologien und Medien interessiert sind. In Hildesheim erlernen sie die Grundlagen des professionellen Übersetzens, ob Filme, Literatur oder technische Benutzerhandbücher. Zum Studium gehört ein Auslandsaufenthalt. Die Universität kooperiert mit Partnerhochschulen in Spanien, Frankreich, Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien und Mexiko.

  • „Internationales Informationsmanagement“ | Bachelor of Arts

    Studentinnen und Studenten können in diesem Bachelorstudiengang ihr Interesse an Sprachen und modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verknüpfen. Beruflich stehen internationale Wege offen, die Studierenden bereiten sich auf eine Karriere in internationalen Unternehmen oder zum Beispiel im Wissensmanagement vor.

    Hier geht's direkt zur Online-Bewerbung

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-15236 Mon, 10 Sep 2018 10:13:00 +0200 Jetzt bewerben bis zum 21. September – Bachelorstudienplatz an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/jetzt-bewerben-bis-zum-21-september-bachelorstudienplatz-an-der-universitaet-hildesheim/ Übersetzen, Wirtschaftsinformatik, Informationsmanagement, Lehramt – eine Bewerbung um einen Studienplatz ist noch möglich. Hier finden Sie Informationen zu den Bachelorstudiengängen an der Universität Hildesheim. Das Studium beginnt im Oktober 2018. Achtung: Bewerbungsfrist verlängert bis zum 21.9.2018. Bewerben Sie sich um einen Bachelorstudienplatz: „Erziehungswissenschaft“ | „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ | „Internationales Informationsmanagement“ | „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ | „Wirtschaftsinformatik“ | „Angewandte Informatik“ | Freie Studienplätze im Losverfahren für den Zwei-Fächer-Bachelorstudiengang mit Lehramtsoption 

An der Universität Hildesheim ist eine Bewerbung für die folgenden Bachelorstudiengänge noch möglich. Details zu den Studiengängen erhalten Studieninteressierte auf der Webseite der Universität [hier geht's direkt zur Online-Bewerbung]. „Hildesheim ist keine Massenuniversität, stattdessen ist das Studium geprägt von viel Interaktion, Austausch und Diskurs“, sagt der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt.

Bis zum 21.9.2018 können sich Studieninteressierte für diese Bachelorstudiengänge bewerben:

  • „Erziehungswissenschaft“ | Bachelor of Arts

    Der Bachelorstudiengang richtet sich an Studentinnen und Studenten, die sich für die Erziehung, Bildung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen interessieren. Die Studierenden befassen sich zum Beispiel mit der Frage, wie pädagogische Maßnahmen entwickelt oder pädagogisches Personal unterstützt werden kann. Das Studium der Erziehungswissenschaft greift aktuelle internationale Entwicklungen im Bildungssektor auf. Ein Schwerpunkt ist der Bereich „Diversity Education“. Die freie Wahl eines Nebenfaches ermöglicht Studierenden eine individuelle Profilbildung.

  • „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ | Bachelor of Arts

    Der Bachelorstudiengang ist für Studentinnen und Studenten interessant, die ein Interesse an Sprachen, Texten und verschiedenen Kulturen haben, aber auch an neuen Technologien und Medien interessiert sind. In Hildesheim erlernen sie die Grundlagen des professionellen Übersetzens, ob Filme, Literatur oder technische Benutzerhandbücher. Zum Studium gehört ein Auslandsaufenthalt. Die Universität kooperiert mit Partnerhochschulen in Spanien, Frankreich, Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien und Mexiko.
  • „Internationales Informationsmanagement“ | Bachelor of Arts

    Studentinnen und Studenten können in diesem Bachelorstudiengang ihr Interesse an Sprachen und modernen Informations- und Kommunikationstechnologien verknüpfen. Beruflich stehen internationale Wege offen, die Studierenden bereiten sich auf eine Karriere in internationalen Unternehmen oder zum Beispiel im Wissensmanagement vor.

Bis zum 21.09.2018 können sich Studieninteressierte für diese IT-Bachelorstudiengänge bewerben:

Die Informatik-Studienprogramme der Universität Hildesheim verbinden Theorie mit Praxis. Absolventenbefragungen zeigen regelmäßig, dass Studierende dieser Studiengänge sehr gute Berufschancen besitzen. Ein Wirtschaftspraktikum ist in jedem der Studiengänge fester Bestandteil. Der „Arbeitskreis IT“ unterstützt die Studentinnen und Studenten bei der Kontaktaufnahme zu Unternehmen in der Region.

  • „Angewandte Informatik“ | Bachelor of Science

    Die Studentinnen und Studenten lernen, wie man große Informationsmengen managt, höchst performante Algorithmen umsetzt und Software wartungsfreundlich gestaltet. Absolventinnen und Absolventen beherrschen moderne Technologien der Softwareentwicklung und sind Spezialisten der Softwareentwicklung. Wer technische Aspekte von Softwareprodukten im Detail verstehen und gestalten möchte, wählt diesen Studiengang.
  • „Informationsmanagement und Informationstechnologie“ | Bachelor of Science

    Das Auffinden relevanter Informationen stellt heute eine Kernherausforderung in vielen Berufen dar. Absolventen werden auf diese Herausforderung optimal vorbereitet, indem dieser Studiengang Inhalte der Informatik und der Informationswissenschaft verknüpft. Darüber hinaus werden den Studierenden viele Freiräume gelassen, um aus einem breiten Studienangebot auf die eigenen Interessen zugeschnittene Studienprogramme zusammenzustellen.
  • „Wirtschaftsinformatik“ | Bachelor of Science

    Die Wirtschaftsinformatik betont die Anwendungsperspektive von Informationssystemen. Absolventinnen und Absolventen können Unternehmensprozesse mit IT kontinuierlich verbessern bzw. gänzlich neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Sie verstehen sowohl die Möglichkeiten der IT als auch die Bedarfe in der Wirtschaft, um betriebliche Anwendungssysteme erfolgreich auswählen, anpassen, betreiben und neu entwickeln zu können. Der Studienverlaufsplan orientiert sich an bundesweit gültigen Rahmenempfehlungen.

Freie Studienplätze im Losverfahren!

  • Da nach Durchführung des Auswahlverfahrens Studienplätze im Polyvalenten Zwei-Fächer-Bachelorstudiengang mit Lehramtsoption in bestimmten Fächerkombinationen unbesetzt geblieben sind, besteht die Möglichkeit, sich noch für ein Losverfahren anzumelden. Eine Anmeldung zum Losverfahren ist noch bis zum 21.09.2018 (Ausschlussfrist!) möglich. [hier geht es zum Losverfahren]

Kultur studieren: Bewerbung um einen Studienplatz

  • „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ | Bachelor of Arts

    Von Medien, Musik und Philosophie bis Theater, Literatur und Bildende Kunst: Im Bachelor-Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ der Universität Hildesheim kombinieren Studierende Theorie und Praxis. Der Studiengang ist der älteste dieser Art in Deutschland. Es sind noch Studienplätze frei, ein Studienbeginn ist zum Wintersemester 2018/19 möglich. Die Anmeldefrist endet am 10. September 2018. [Hier finden Sie Informationen zur Anmeldung für die kulturwissenschaftliche Eignungsprüfung]
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Pressemeldungen Studierendenportal Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Informationssysteme und Unternehmensmodellierung Informatik Mathematik & Angewandte Informatik SSE Maschinelles Lernen IIS ESS Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-15274 Wed, 22 Aug 2018 16:18:58 +0200 „Sprache und Kultur sind eng miteinander verknüpft“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprache-und-kultur-sind-eng-miteinander-verknuepft/ Sprache ist kulturell geprägt, sagt Professorin Beatrix Kreß. Die Sprachwissenschaftlerin bildet in einem Masterstudiengang Experten aus, die die deutsche Sprache und Kultur unterrichten, etwa in Sprachkursen und an Universitäten weltweit. „Wer sich ein internationales berufliches Leben vorstellen kann, ist bei uns am Bühler-Campus genau richtig“, sagt Kreß. Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Jetzt bewerben bis zum 1. September 2018

Prof. Dr. Beatrix Kreß forscht und lehrt als Professorin für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Hildesheim. In der Forschung befasst sie sich mit Pragmatik (Diskursforschung) und politischer, Medien- und Werbesprache im kulturkontrastiven Vergleich. Sie forscht zu Migration und Mehrsprachigkeit, ein Schwerpunkt sind Slawische Länder. Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich zum Beispiel mit mehrsprachigen Bildungsbiografien in Niedersachsen und untersucht, welche Zusammenhänge zwischen Herkunftssprachen und Identitätsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund bestehen.

Beatrix Kreß hat Slavische Philologie und Germanistik in Frankfurt am Main und Prag studiert. Sie ist Leiterin des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und Studiengangsleiterin des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“.

Im Interview spricht Professorin Beatrix Kreß über den Zusammenhang von Sprache und Kultur und das Studium am Bühler-Campus in Hildesheim.

„Wer sich ein internationales Leben vorstellen kann, für den ist dieser Masterstudiengang eine Option. Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel als Deutschlehrer an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen im Ausland. Sie organisieren aber auch Sprachangebote im Inland.“

Beatrix Kreß

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Beatrix Kreß

Frau Prof. Kreß, Sie sind Expertin für interkulturelle Kommunikation. Kultur und Sprache sind untrennbar miteinander verknüpft?

Sprache und Kultur sind so eng miteinander verknüpft, das wir selbst in der Forschung oft Schwierigkeiten haben, herauszufinden, ob eine wahrgenommene Differenz sprachliche oder kulturelle Gründe hat. Sprache ist kulturell geprägt und geformt. Wie wir täglich sprachlich handeln, baut auf unserer Sozialisation und unserer kulturellen Prägung auf.

Die Bedeutung interkultureller Kommunikation in Unternehmen und Behörden oder im Alltag wird spätestens dann deutlich, wenn Konflikte entstehen. Wie kann denn die Kommunikation heute gelingen, was sind entscheidende Faktoren für gelingende interkulturelle Kommunikation?

Ein Konflikt an sich ist noch kein Problem, auch in intrakultureller Kommunikation tauchen häufig Konflikte und Missverständnisse auf. Was hilft, ist ein Bewusstsein von sprachlichen Normen. Wenn wir kommunizieren, besteht oft die Neigung, Missverstehen zu bewerten. Besser wäre es, wenn man einfach akzeptiert: Das Gegenüber kommuniziert anders als ich, dann ist Dialog möglich.

Sie haben mit weiteren Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“ entwickelt. Mit welchen Themen befassen sich Studentinnen und Studenten im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“?

Zunächst setzen sie sich mit den Bedingungen des Spracherwerbs auseinander. Wie erlernt jemand, der nicht im Land ist, eine Fremdsprache, in diesem Fall die deutsche Sprache? In Hildesheim haben wir weitere Schwerpunkte, wir berücksichtigen zum Beispiel die wissenschaftliche Kommunikation und ihre kulturelle Gebundenheit. Die Studentinnen und Studenten befassen sich während ihres Studiums mit authentischer Kommunikation und untersuchen das Unterrichtsgeschehen in der Praxis. Wir bleiben nicht auf der Oberfläche stehen und beschreiben landeskundliche Besonderheiten, vielmehr geht es um ein Verständnis der Verflechtung von kulturellen Prägungen und sprachlich-kommunikativer Praxis. Ein Schwerpunkt in der Sprachpraxis am Bühler-Campus sind die Sprachen Spanisch, Serbisch-Kroatisch, Russisch und Türkisch. Auch Arabisch nehmen wir zunehmend in den Blick.

Wo absolvieren die Studierenden im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ zum Beispiel ihre Praktika im Rahmen des Masterstudiums?

In der Praxisphase absolvieren unsere Studentinnen und Studenten Auslandspraktika an Partnerhochschulen weltweit, wir haben enge Beziehungen zu Universitäten in Miskolc in Ungarn und Siauliai in Litauen, zur Universität Modena in Italien, zur Universität Zhejiang in Hangzhou in China und Toluca in México. Einige Studierende unterrichten die deutsche Sprache an Hochschulen, andere sind zum Beispiel an internationalen Schulen und bei Goethe-Instituten tätig. Sie sammeln und reflektieren Erfahrungen im Bereich der Sprachvermittlung, der Unterrichtsplanung und der Sprachstandsdiagnose und Förderung.

Welche Berufsperspektiven stehen Studentinnen und Studenten im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ offen, welche Wege gehen Ihre Absolventen zum Beispiel?

Wer sich ein internationales Leben vorstellen kann, für den ist dieser Masterstudiengang eine Option. Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel als Deutschlehrer an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen im Ausland. Sie organisieren aber auch Sprachangebote im Inland. Andere gehen in das Verlagswesen und entwickeln Lehrmaterialien – das mediale Spektrum ist riesig, zum Beispiel können sie Apps zur Unterstützung des Spracherwerbs entwickeln.

Sie lehren am Bühler-Campus, dem Sprachen-Campus der Universität. Wie kann man sich den Studienalltag in Hildesheim vorstellen?

Wir können aufgrund unserer räumlichen Gegebenheiten und der Größe des Studiengangs ein Studium der kurzen Wege, der engen Betreuung und der familiären Atmosphäre bieten. Lehrende und Studierende sind sehr gut miteinander vernetzt und immer im Gespräch. Das ermöglicht es den Studierenden auch, sich frühzeitig in die Forschung und die Praxis einzubringen, indem sie in die vielfältigen Projekte der beiden am Studiengang beteiligten Institute eingebunden werden können.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt:

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte (mehr Informationen).

Kontakt bei Fragen

Bei Fragen rund um den Studienschwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Beatrix Kreß (kressb(at)uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Stephan Schlickau (stephan.schlickau(at)uni-hildesheim.de) vom Institut für Interkulturelle Kommunikation.

Lesetipp

„Wer mehrsprachig lebt, stellt vielfältige Querbezüge zwischen Sprachen her“
Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Montanari

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation
news-15336 Thu, 16 Aug 2018 12:53:00 +0200 „Ohne die Frauencharaktere würde der Roman nicht funktionieren“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/ohne-die-frauencharaktere-wuerde-der-roman-nicht-funktionieren/ Nach drei Jahren Forschung schließen acht Doktorandinnen und Doktoranden derzeit ihre Doktorarbeit im Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ ab. Im Interview geben die Doktorandin Alexandra Mieth und der Doktorand Jöran Klatt Einblicke in ihre Forschungsarbeit. Im Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ haben sich die Doktorandinnen und Doktoranden zum Beispiel mit Geschlecht in der Literatur, in Raptexten, in der bildenden Kunst und im Computerspiel auseinandergesetzt.

Im Kolleg fördert die Universität Hildesheim Promotionsprojekte aus den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften. Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden an der Universität Hildesheim, zu ihnen gehören die Erziehungswissenschaftlerinnen Professorin Kathrin Audehm und Professorin Meike Sophia Baader, die Sprachwissenschaftlerinnen Professorin Stefanie Brusberg-Kiermeier und Professorin Beatrix Kreß, der Soziologe Professor Michael Corsten, die Theaterwissenschaftlerin Professorin Annemarie Matzke und der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen.

Das Kolleg ist interdisziplinär, also fachübergreifend, ausgerichtet. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten tauschen regelmäßig Erkenntnisse aus – auf Tagungen, in Vorlesungsreihen, Workshops und in Arbeitssitzungen.

Während des dreijährigen Graduiertenkollegs haben die Doktorandinnen und Doktoranden an Angeboten der Karriereförderung teilgenommen und  sprachen zum Beispiel mit Professorin Meike Baader anlässlich ihres Vortrages über „Karrierewege in der Wissenschaft" und mit Markus  Weißhaupt über „Fördermöglichkeiten gegen Ende der Promotion“.

Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ wurde aus Mitteln des Professorinnenprogramms II finanziert, dass im Juni 2019 ausläuft. Insgesamt wurden acht Promotionsstipendien (monatlich 1250 Euro Unterstützung) vergeben.

„Wenn die Universität mit Ihrer Bewerbung im Professorinnenprogramm III ebenso erfolgreich ist wie im Professorinnenprogramm II, stehen die Chancen für die Fortsetzung des Graduiertenkollegs Gender und Bildung gut“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Silvia Lange.

„Ohne die Frauencharaktere würde der Roman nicht funktionieren“
Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Alexandra Mieth

Die Literaturwissenschaftlerin Alexandra Mieth schließt derzeit ihre Doktorarbeit zum Thema „Selbstbildungsprozesse und Gender in Graham Greenes Romanen“ ab. In ihrer Forschung befasst sich Mieth mit der Literatur der Postmoderne und Klassischen Moderne und mit Bildungsromanen.

Was untersuchen Sie in Ihrer Promotion?

Ich untersuche Romane des britischen Autors Graham Greene, dessen Werk in Hollywood mit renommierten Schauspielerinnen und Schauspielern wie Elizabeth Taylor, Richard Burton, Richard Attenborough und Helen Mirren verfilmt wurde. Ich fokussiere unter anderem die weiblichen Charaktere in den Romanen „Brighton Rock“, „A Gun for Sale“ und „Travels with My Aunt“.

Warum ist das wichtig?

Greenes literarisches Werk wurde bisher in der Genderforschung kaum beachtet. Der Schriftsteller gilt als katholischer Autor, seine Romane wurden theologisch erforscht, seine männlichen Figuren wurden traditionell untersucht. Auch auf humanistische Aspekte der Romane ist bereits eingegangen worden. Die weiblichen Charaktere wurden bisher kaum betrachtet, ebenso wenig wie die Krise der Männlichkeit in Greenes Werken eingehend erforscht wurde. Als Bildungsromane wurden die Erzählungen noch nicht angemessen gewürdigt. Dabei ist Greene als humanistisch geprägter Autor zu betrachten, der von der Bildungs- und Selbstbildungsfähigkeit des Menschen überzeugt war. Dieser These gehe ich in meiner Doktorarbeit auf den Grund.

Was sind erste zentrale Erkenntnisse Ihrer Forschung?

Graham Greene wird vorgeworfen, in sämtlichen Romanen keinen einzigen starken weiblichen Charakter erschaffen zu haben – dem widerspreche ich. Greene zeichnet sehr imposante Frauen, die nicht dem traditionellen Muster als Mutter folgen. Es gibt Frauen, die diesem Muster völlig widersprechen. Ohne die Frauencharaktere in den drei Romanen, die ich untersucht habe, würde der Roman nicht funktionieren. Im Thriller „Brighton Rock“ übernimmt Ida Arnold die Rolle der Detektivin, sie sorgt für Moral und Ordnung und Gerechtigkeit – das macht sie zu einer sehr starken Persönlichkeit.
Greenes Werke sind eine neue Interpretation des Bildungsromans. Mit den in den Romanen dargestellten Schicksalen können sich Leserinnen und Leser identifizieren, das beginnt bei den gängigen Namen der Hauptfiguren im Roman „The Comedians“: Mr Jones, Mr Brown, Mr und Mrs Smith. Der Autor ermöglicht, dass die Schicksale seiner Figuren auf die Schicksale realer Menschen übertragbar sind. In Greenes Romanen durchlaufen die Handelnden unterschiedlichen Geschlechts und verschiedener Altersstufen Bildungsprozesse, die sie zum Teil auch gegen die Widerstände der Gesellschaft verfolgen.

Welche Bedeutung spielt das Graduiertenkolleg Gender und Bildung in Ihrem wissenschaftlichen Werdegang?

Ich habe Lehramt mit den Fächern Anglistik und Germanistik studiert. Professorin Brusberg-Kiermeier und Professor Tholen haben mich während meiner Doktorarbeit sehr unterstützt. Das Graduiertenkolleg bietet darüber hinaus die Chance, hilfreiche Hinweise von den anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erhalten – die Einflüsse aus anderen Forschungsfeldern sind sehr anregend. Ein Graduiertenkolleg ist vor allem inhaltlich wertvoll, weit mehr als eine finanzielle Unterstützung. Ich schließe meine Doktorarbeit ab. Nun beginne ich meinen Vorbereitungsdienst an einer Grundschule in Niedersachsen – mit der Forschung werde ich am Nachmittag verbunden bleiben.

Die Fragen stellte Isa Lange.

„Im Netz versammeln sich unterschiedliche Menschen und formen Bündnisse“
Interview mit dem Politik- und Kommunikationswissenschaftler Jöran Klatt

Jöran Klatt hat an der Universität Göttingen Geschichte und Germanistik studiert. Seine Doktorarbeit im Rahmen des Hildesheimer Graduiertenkollegs „Gender und Bildung“ trägt den Titel: „Die #GamerGate-Kontroverse – Schmelztiegel der Gamer-Identität?“.

Mit welchem Thema befassen Sie sich in Ihrer Promotion?

Ich habe in meiner Doktorarbeit das Phänomen „#Gamer Gate“ untersucht, ein Streit, der im Internet in sozialen Netzwerken stattgefunden hat. Computerspielerinnen und Computerspieler haben sich seit 2014 organisiert, in der Debatte „#GamerGate“ ging es um Sexismus im Computerspiel, die vermeintliche Verstrickung von Spielejournalismus und Industrie aber auch um den Status des Computerspiels als entweder Kulturgut oder reinem Unterhaltungsprodukt. Die Auseinandersetzung zeigt die fragile Identität dieses jungen Milieus.

Ich forsche online-ethnografisch, ich bin sehr viel im Internet unterwegs, bewege mich in den sozialen Netzwerken, in denen die Kontroverse stattgefunden hat, und untersuche die Argumentationen. Sprachwissenschaftlich analysiere ich die Argumentationslinien.

Warum ist das wichtig?

Das Computerspielen bedeutet für die Computerspielerinnen und Computerspieler Identität. Ich möchte am Beispiel des Computerspiels herausfinden: Wo werden Identitäten verteidigt, herausgefordert, bestätigt, hinterfragt und kreiert?

Was sind erste zentrale Erkenntnisse Ihrer Forschung?

Der „#GamerGate“-Streit ist ein prototypisches Phänomen für viele Entwicklungen, die wir aktuell im Netz beobachten. Unterschiedliche Menschen versammeln sich und setzen sich zu Bündnissen zusammen, ein Interesse eint sie. Dieser Fall im Bereich der Computerspiele ist prototypisch für viele Phänomene des Politischen, das Netz befeuert die Auseinandersetzung – physische Räume werden leicht überwunden, das World Wide Web beflügelt die Bildung von neuen Bündnisketten. 

Welche Bedeutung spielt das Graduiertenkolleg Gender und Bildung in Ihrem wissenschaftlichen Werdegang?

Ich befinde mich derzeit mitten in der Niederschrift meiner Promotion. Mein Doktorvater ist Professor Corsten und meine Doktormutter Professorin Brusberg-Kiermeier, die Gespräche mit Professor Tholen sind äußerst wertvoll – er ist eine Koriphäe auf dem Gebiet der Männlichkeitsforschung. Obwohl das Kolleg inzwischen offiziell vorbei ist, stehen wir Stipendiatinnen und Stipendiaten noch in engem Austausch. Die Gemeinschaft war und ist eine große Hilfe.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Forschung Startseite
news-15186 Mon, 06 Aug 2018 17:54:00 +0200 „Wer mehrsprachig lebt, stellt vielfältige Querbezüge zwischen Sprachen her“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wer-mehrsprachig-lebt-stellt-vielfaeltige-querbezuege-zwischen-sprachen-her/ An der Universität Hildesheim bildet die Sprachwissenschaftlerin Professorin Elke Montanari Experten für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ sind an Schulen und in Verlagen tätig, unterrichten in Sprachkursen weltweit die deutsche Sprache und Kultur oder arbeiten in internationalen Unternehmen – die Berufswege sind vielfältig. Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“

Jetzt bewerben bis zum 1. September 2018.

Prof. Dr. Elke Montanari forscht und lehrt seit 2012 als Professorin für Deutsch als Zweitsprache am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Sie ist Mitglied im Vorstand des „Zentrums für Bildungsintegration“. Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich in ihrer Forschung mit der Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen. Die Wissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Mehrsprachigkeit in Schulkonzepten verankert werden kann und wie Kinder und Erwachsene eine zweite Sprache erlernen.

Elke Montanari bildet an der Hildesheimer Universität Lehrerinnen und Lehrer im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache" aus. und ist die stellvertretende Studiengangsleiterin des Studiengangs „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“, der von Professorinnen und Professoren des Instituts für Interkulturelle Kommunikation und des Instituts für deutsche Sprache und Literatur entwickelt wurde.

Im Interview spricht Professorin Elke Montanari über die Inhalte des Studiengangs und Sprachforschung.

Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Montanari

Die Universität bildet Experten für den Bereich Deutsch als Zweitsprache aus. Warum haben Sie das Studienangebot gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Interkulturelle Kommunikation und vom Institut für deutsche Sprache und Literatur entwickelt?

Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs – es reicht nicht, nur eine Sprache zu erlernen. Wir untersuchen: Wie werden die sprachlichen Mittel eingesetzt, um etwas zu erreichen – etwa in der Schule, in der Kindertagesstätte, in einem Unternehmen oder im Fremdsprachenunterricht.

Was ist besonders an dem Masterstudiengang in Hildesheim?

Wir haben unter anderem einen Alphabetisierungsschwerpunkt. In diesem Studienschwerpunkt beschäftigen wir uns damit, wie Kinder und Erwachsene schnell lernen, in deutscher Sprache zu schreiben; von der ersten Alphabetisierung – wie lernen sie die Buchstaben? – bis zur Textebene. Wenn ein Kind in der Schule in der 8. Klasse ist, reicht es nicht, die Buchstaben zu können, das Kind muss die Aufgabe bewältigen, die Klassenarbeit oder den Aufsatz schreiben können. Wie kommt man da hin? Die Absolventinnen und Absolventen unseres Studiengangs erwerben auch die Quailifikation, in Sprachkursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu unterrichten, das heißt sie dürfen ohne weitere Zusatzqualifikation in Alphabetisierungskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehren.

„Die interkulturelle Kommunikation und das Sprachlernen stehen gemeinsam im Zentrum unseres Studiengangs“

Aus welchen Bereichen kommen die Studentinnen und Studenten? Gibt es unterschiedliche Wege in das Studium?

Wir nehmen pro Jahr nur 25 Studentinnen und Studenten auf, es ist eine Gruppe, die sich gut kennt.. Wir sind interessiert an den vielfältigen Erfahrungen und Kenntnissen unserer internationalen Studentinnen und Studenten. Wir bemühen uns sehr, am Bühler-Campus ein Studium in persönlicher Atmposphäre zu ermöglichen. Wir haben Studierende aus aller Welt, aus Asien, aus Südamerika, die Deutsch als Fremdsprache zum Beispiel in China studiert haben und auf ihrem Studium mit dem Master in Deutschland aufbauen. Dann haben wir Studierende im Lehramt, die den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache“ zusätzlich zum Lehramtsstudium „Master of Education“ im Fach Deutsch studieren und sich damit besser vorbereitet fühlen auf ihre zukünftige Arbeit an Schulen. Es ist möglich, die beiden Masterstudiengänge Lehramt und DAZ zu kombinieren, wir haben einen Kombinationsplan mit umfangreichen Anrechnungsmöglichkeiten ausgearbeitet. Außerdem lernen hier Studierende, die zum Beispiel Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen oder andere sprachnahe Studiengänge im Bachelor studiert haben und die sich stärker und qualifiziert mit dem Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf gesellschaftliche Fragestellungen rund um Sprachen vorbereiten wollen.

Mit welchen Themen beschäftigen sich die Studentinnen und Studenten in den zwei Jahren zum Beispiel?

Wir befassen uns im Orientierungssemester mit der Sprachbeschreibung – wie kann man eigentlich die deutsche Sprache beschreiben, wie viele Fälle hat die Sprache, flektiert sie oder nicht? Ab dem ersten Semester setzen wir uns mit dem Unterricht in mehrsprachigen Lerngruppen auseinander. Neben dem didaktischen Schwerpunkt, dem Unterricht in ganz unterschiedlichen Lernkonstellationen in Deutschland und in aller Welt, geht es um die Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit und interkultureller Kommunikation, wir verzahnen Praxis und Theorie. Im Aufbausemester wird die Kommunikationsanalyse eingeführt, die Studierenden beobachten authentische Diskurse und analysieren diese. Sie setzen sich darüber hinaus mit Lehrmitteln und Medien für den Unterricht auseinander und befassen sich mit der Diagnose und Überprüfung von Sprachständen: Wie wird eigentlich festgestellt, wie gut jemand Deutsch kann, welche unterschiedlichen Verfahrensweisen gibt es und welche Vor- und Nachteile haben diese? Daran schließt sich ein Praxissemester an. Eine Studentin geht zum Praktikum nach Zypern, ein Student geht nach Vietnam, die Studentinnen und Studenten absolvieren ihre Praktika an Sprachschulen, im Goethe-Institut oder bei Verlagen, das ist ganz unterschiedlich und orientiert sich an den Interessen der Studierenden.

Wie arbeiten Sie international mit Kooperationspartnern zusammen?

Wir pflegen viele internationale Kontakte, ich greife einmal ein Beispiel heraus. Wir kooperieren mit der deutschen Abteilung der Ain-Shams-Universität in Kairo in Ägypten. Die Universität mit 220.000 Studierenden ist sehr groß, an der deutschen Abteilung in Kairo gibt es einen wissenschaftlichen Schwerpunkt, den es in Hildesheim so auch gibt. Wir beschäftigen uns in der Kooperation zum Beispiel mit Handlungsmustern in Bewerbungsgesprächen, im Unterricht, wie wird die Sprache angewendet? Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt unser Forschungsprojekt, wir setzen uns mit Mehrsprachigkeit in der Lehrerbildung in Deutschland und Ägypten auseinander. Eine Delegation aus Hildesheim war im Frühjahr in Ägypten, eine Delegation aus Kairo wird uns im Oktober in Hildesheim besuchen.

„Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt“

Die Studierenden befassen sich auch mit dem Thema Multikompetenz. Wie können denn Mehrsprachige besondere Fähigkeiten einsetzen, ob im Beruf, in der Ausbildung und Schulzeit oder im Alltag?

Das ist ein Begriff von Vivian Cook. Ein sehr einfaches Verständnis von Mehrsprachigkeit ist das additive Konzept: Man lernt eine Sprache, dann kommt noch eine Sprache hinzu, oder vielleicht nur eine halbe Sprache – als würden Sprachen nebeneinander stehen. Dem ist natürlich nicht so. Multikompetenz bedeutet, dass Menschen, die in mehreren Sprachen leben, vielfältige Querbezüge herstellen. Wenn man eine neue Sprache erlernt, entnimmt man viel aus anderen Sprachen, die man schon kennt. Wir beobachten Wirkungen der Sprachen untereinander. Aus dem sprachlichen Wissen werden diejenigen Begriffe und sprachlichen Mittel herausgesucht, die in dem Moment für die sprachliche Handlung besonders wertvoll sind. In der wissenschaftlichen Kommunikation ist das üblich, dass italienischsprachige und spanischsprachige Personen in einer Diskussion miteinander alle sprachlichen Mittel einsetzen, ohne dass jemand sagt: „Halt, das Wort darf man nicht verwenden.“ Kann man das für die Schule nutzbar machen? Wir haben gerade in Deutschland die Situation, dass ältere Jugendliche in die Schule kommen, und noch während sie in die Schule kommen, schon Fachlernen bewältigen müssen. Da stellt sich die Frage: Wie kann ich fachlich anspruchsvoll unterrichten, wenn die sprachlichen Mittel zwar schon erworben sind, aber noch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um komplexe Themen in der Sekundarstufe I zu bearbeiten. Es geht mir darum, die spezifische Kompetenz mehrsprachiger Kinder und Erwachsener zu begreifen. Ich beschäftige mich zum Beispiel mit der Frage, wie man die Sprachenvielfalt in den Unterricht einbinden kann, welchen Sinn das hat und wo es vielleicht nicht funktioniert.

Einige Absolventen gehen ins Ausland, um die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten

Wie sind die bisherigen Erfahrungen, welche beruflichen Perspektiven stehen den Absolventinnen und Absolventen Ihres Studiengangs offen? Welche Wegen können nach dem Studium folgen?

Die Aussichten sind sehr gut – uns werden die Absolventinnen und Absolventen zum Teil abgeworben, bevor sie ihr Masterverfahren beendet haben, also einige haben schon Arbeitsverträge, während sie noch ihre Masterarbeit schreiben. Die Berufsfelder, in denen unsere Absolventen tätig sind, sind vielfältig – einige gehen im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ ins Ausland, um dort die deutsche Sprache und Kultur zu unterrichten. Ein weiteres Berufsfeld sind die Verlage und Bildungsinstitutionen, in denen unsere Absolventen Lehrwerke und Lehrmittel weiterentwickeln. Ein weiteres großes Arbeitsfeld ist der Bildungssektor, einige Absolventen sind beim Land Niedersachsen tätig. Unsere Lehramtsstudierenden sind sehr gefragt als Lehrkräfte an öffentlichen Schulen. Und einige lehren und forschen an Universitäten, gerade habe ich eine Promotionsstelle ausgeschrieben.

Bis wann ist eine Bewerbung möglich? Wann beginnt das Studium? Und können Berufstätige das Masterstudium mit dem Beruf kombinieren?

Eine Bewerbung um einen Masterstudienplatz ist bis zum 1. September 2018 möglich. Bewerbungen sind willkommen! Das Masterstudium kann auch im Teilzeitstudium studiert werden, wir bieten Lehrveranstaltungen berufsbegleitend am Nachmittag oder in Blockphasen an. Zudem können Lehramtsstudierende des „Master of Education“ den Master „Deutsch als Zweitsprache“ auch im Parallelstudium studieren, es gibt umfangreiche Möglichkeiten der Anrechnung, das Schulpraktikum wird zum Beispiel angerechnet.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Studium „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache“

Die Universität Hildesheim bildet Fachleute im Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ aus. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Wer sich für ein Studium interessiert, findet online Informationen über den Aufbau des Studiums, die Bewerbung und Erfahrungsberichte: Weitere Informationen.

Kontakt bei Fragen

Wer Fragen zum Masterstudiengang hat, kann Prof. Dr. Elke Montanari kontaktieren via elke.montanari@uni-hildesheim.de.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Studierendenportal Startseite Forschung
news-15008 Tue, 24 Jul 2018 10:21:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Erstmals Leichte-Sprache-Preis ausgeschrieben https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-erstmals-leichte-sprache-preis-ausgeschrieben/ Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim loben einen Preis für die beste Fachübersetzung aus. Damit wird die Leistung von Übersetzerinnen und Übersetzerin gewürdigt, die mit einfachen sprachlichen Mitteln schwierige Gegenstände korrekt und funktional darstellen – etwa Schreiben vom Amt, Formulare, Beipackzettel oder Bedienungsanleitungen. Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache verleihen den Preis am 18. Oktober 2018 auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ der Universität Hildesheim. In unserer hoch spezialisierten Welt begegnen uns täglich Fachtexte aller Art: Schreiben vom Amt, Formulare, Beipackzettel, Bedienungsanleitungen und vieles mehr. Menschen mit geringen Lesefähigkeiten fällt es oft schwer, diese Texte zu verstehen und so an der Gesellschaft teilzuhaben. Daher stellen mehr und mehr Behörden, Bildungseinrichtungen oder Unternehmen sie heute zusätzlich in Leichter Sprache bereit, einer vereinfachten Form des Deutschen.

Für Übersetzerinnen und Übersetzer ist es eine besondere Herausforderung, Fachtexte in Leichter Sprache zugänglich zu machen: Mit einfachen sprachlichen Mitteln müssen sie schwierige Gegenstände korrekt und funktional darstellen.

In Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim schreibt die Dudenredaktion erstmals den mit 1500 Euro dotierten Leichte-Sprache-Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache aus. Der Preis soll einen Beitrag zur Professionalisierung der Übersetzung in Leichte Sprache leisten. Mit dem Preis sollen Fachtexte ausgezeichnet werden, die sprachlich und inhaltlich korrekt, funktional und situationsangemessen sind. Der Preis wird an einen Übersetzer oder eine Übersetzerin vergeben, der oder die einen Fachtext beliebiger Ausrichtung in Leichte Sprache übersetzt hat. Die Forschungsstelle Leichte Sprache und die Dudenredaktion nehmen eine Vorauswahl dreier hervorragender Übersetzungen vor; der Preisträger oder die Preisträgerin wird im Anschluss von der Expertengruppe der Lebenshilfe Braunschweig gekürt.

Alle Unterlagen sind bis zum 15. August 2018 einzureichen. Die Ausschreibung mit allen weiteren Informationen sind online abrufbar.

Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache verleihen den Preis am Nachmittag des 18. Oktober 2018 auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ der Universität Hildesheim.

Tagung  „Barrierefreie Kommunikation“ an der Universität Hildesheim

Zum Wintersemester 2018 startet an der Universität Hildesheim der im deutschsprachigen Raum erste Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zur Eröffnung des neuen Studiengangs findet vom 18. bis 20. Oktober 2018 eine gleichnamige internationale Tagung in Hildesheim statt. Expertinnen und Experten unter anderem aus Deutschland, Finnland und Spanien zeigen in Form von Vorträgen sowie in interaktiven Workshops auf, welche Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern Anwendung finden, um kommunikative Barrieren zu überwinden oder zu kompensieren. Die Fachleute befassen sich mit barrierefreier Kommunikation aus verschiedenen Blickwinkeln: Wissenschaft, Empowerment, Politik, Behörden und Medien.Die Hauptvorträge halten unter anderem Volker Sieger, Leiter der Bundesfachstelle Barrierefreiheit, Antje Baumann vom Bundesjustizministerium, Anna Matamala, Professorin am Department of Translation and Interpreting der Universität Barcelona sowie Nathalie Mälzer, Universitätsprofessorin für Transmediale Übersetzungan der Universität Hildesheim.

Während der Konferenz stellen die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Professorin Christiane Maaß und Isabel Rink das Handbuch „Barrierefreie Kommunikation“ vor. Erstmals wird der Leichte-Sprache-Preis für eine hervorragende Fachübersetzung in Leichte Sprache durch die Duden-Redaktion verliehen. Der Preis wird von Duden gestiftet und zusammen mit der Lebenshilfe Braunschweig und der Forschungsstelle Leichte Sprache auf der Tagung ausgehändigt.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-15107 Tue, 24 Jul 2018 09:24:00 +0200 Seminar am Institut für Interkulturelle Kommunikation zu Migration und Integration in Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/seminar-am-institut-fuer-interkulturelle-kommunikation-zu-migration-und-integration-in-hildesheim/ Studentinnen und Studenten haben am Institut für Interkulturelle Kommunikation ein Semester lang gemeinsam mit zugewanderten Absolventeninnen und Absolventen eines Sprachkurses über Integration und Desintegration diskutiert. Das Seminar fand im Rahmen der Initiative „Glokale Orte“ des Elbinstituts Hamburg statt. Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim haben ein Semester lang gemeinsam mit zugewanderten Absolventeninnen und Absolventen eines Sprachkurses über das Zusammenleben in Hildesheim diskutiert und unter anderem auf Grundlage der Biografien der Teilnehmer „Stories von Integration und Desintegration“ geschrieben. Im Seminar „Analyse und Vermittlung: Migration und Integration“ diskutierten sie über die Situation in Hildesheim. Zum Auftakt kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem „Glokalen Tisch“ zusammen. Dort trafen sich die Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer zum ersten Mal und diskutierten gemeinsam mit der Sprach- und Sozialwissenschaftlerin Dr. Steffi Nothnagel, der Doktorandin Nawal Msellek, und der Initiatorin Barbara Seibert und Gästen vom Elbinstitut Hamburg in Plenum und Arbeitskreisen unterschiedliche Themen von „Integration und Desintegration“.

In den folgenden Wochen bearbeiteten die Hildesheimer Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer unter Leitung von Steffi Nothnagel dann Themen von Migrationstheorie bis hin zu persönlichen (Des)-Integrationserfahrungen. Dieser Austausch über Erlebnisse und Erfahrungen der zugewanderten und einheimischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bildete den Ausgangspunkt für die gemeinsame wissenschaftliche Bearbeitung der thematischen Schwerpunkte: „Das Kopftuch in Hildesheim“, „Sprachlosigkeit – Momente der Desintegration“, „Integration durch Kochen und Musik“. Die Ergebnisse der Auseinandersetzung wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Abschlusspräsentation zum Ende der Vorlesungszeit am Bühler-Campus vorgestellt.

Die Seminarveranstaltung fand statt im Rahmen der Initiative „Glokale Orte“. Zwischen September 2017 und Ende 2019 werden an bundesweit 25 Orten verschiedene Projekte stattfinden, die eine Gemeinsamkeit haben: Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Aufnahme- und Zuwanderungsgesellschaft arbeiten gemeinsam an je einem Thema, von „Sicherheit“ über „Digitalisierung“ bis hin zu „Arbeit“, „Umwelt“ und vielen weiteren Themen, als deutliches Zeichen gegen Rassismus und Segregation und für eine wechselseitig anerkennende glokale Gesellschaft“, erläutert die Geografin Barbara Seibert. Die Direktorin des Elbinstituts Hamburg hat die Initiative „Glokale Orte“ ins Leben gerufen. Die Stiftung Universität Hildesheim ist bisher der einzige universitäre Standort.

Kontakt bei Fragen

Fachliche Informationen zum Seminar: Dr. Steffi Nothnagel, steffi.nothnagel[at]uni-hildesheim.de

Fachliche Information zu „Glokale Orte“: Barbara Seibert, bseibert[at]elbinstitut.de

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation
news-14924 Mon, 09 Jul 2018 09:01:00 +0200 Fakten und Fiktionen in den Künsten https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/fakten-und-fiktionen-in-den-kuensten/ Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland auseinander. Im Interview spricht der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen über Fakten und Fiktionen in den Künsten und über die „Kultur der Wahrheit und Verlässlichkeit“ in der Gesellschaft. Professor Toni Tholen lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. In Hildesheim kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Hildesheim, Madrid (Complutense) und Salamanca zusammen und stellen Forschungserkenntnisse zu Fakten und Fiktionen in den Künsten vor. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Fachleute aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Interview mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Toni Tholen

Herr Professor Tholen, wir leben in einer Zeit, in der gesellschaftlich stark über Fiktion und Fakten etwa in Zusammenhang mit politisch-gesellschaftlichen Ereignissen debattiert wird. Die Literaturwissenschaft kennt Fakten und Fiktionen seit jeher. Wie blickt ein Literaturwissenschaftler denn auf gesellschaftliche Debatten rund um Fake News?

Im Rahmen literaturwissenschaftlicher Analyse ästhetischer Phänomene blicke ich neugierig auf Fact-Fictions, das heißt auf bisweilen uneindeutige, kaum entwirrbare Mischungen von Fakten und Fiktionen in der Literatur und in anderen künstlerischen Medien. Natürlich kann es sich dabei auch um als Fakten ausgegebene Fiktionen handeln. Diese sind übrigens längst nicht immer als Fake News im gegenwärtig in der Öffentlichkeit intensiv diskutierten Sinne zu verstehen, denn sie haben in den allermeisten Fällen keine schädigende Wirkung. Das ist bei Fake News, die durch die sozialen Medien verbreitet werden, in Bezug auf Personen oder Institutionen anders. Ihre sich offenbar rasant vermehrende Verbreitung zu manipulativen Zwecken, zur Denunziation oder zur Steuerung politischer Ziele ist hochgefährlich und macht mich sehr besorgt. Sie trägt zu einer umfassenden Vertrauenskrise in der Öffentlichkeit bei. Nicht umsonst gehen viele Medien nun in die Offensive und ergreifen Maßnahmen, die die Unterscheidbarkeit von Fakten und Fiktionen (im Sinne von Unwahrheit und bloßer Erfindung) sichern, auch dadurch, dass sie sich mithilfe von Anzeigen und Kampagnen gegen die massenhafte Verbreitung falscher Informationen und Nachrichten wenden und im Gegenzug etwa für einen seriösen Journalismus eintreten. Das ist dringend nötig. Es geht hier, kurz gesagt, um eine ernsthafte Verteidigung einer Kultur der Wahrheit und Verlässlichkeit, völlig unabhängig davon, was in den Künsten ausprobiert wird.

Sie veranstalten erneut eine spanisch-deutsche Tagung zum Thema „Fakten und Fiktionen im Zwischenraum. Autoästhetische Praktiken im 21. Jahrhundert“. Wen möchten Sie erreichen?

Zunächst einmal handelt es sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Tagung mit Expertinnen und Experten, die sich in der Literatur, im Theater oder auch in Bildmedien sehr gut auskennen. Sie findet im Rahmen einer Forschungs- und Lehrkooperation deutscher und spanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern statt. Die Vorträge, die sich überwiegend mit der Literatur und dem Theater der Gegenwart auseinandersetzen, werden jeweils im Anschluss an die Präsentation von den Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmern diskutiert. Allerdings ist die Tagung offen für ein fachübergreifendes wissenschaftliches Auditorium, in erster Linie für Lehrende und Studierende der Universität.

Wie ist denn das Verhältnis zwischen Fakten und Fiktionen in der Literatur? Und: Können Sie das an einem Beispiel aus Ihrer Forschung einmal erläutern?

Komplex und kompliziert zugleich. Ich will gleich mal ein Beispiel anführen. Wie ist es zu bewerten, wenn auf dem Buchdeckel ein Roman, also eine Fiktion, angekündigt wird, aber zwischen den Buchdeckeln, also in der erzählten Geschichte ständig der Name der Romanautorin auftaucht? Normalerweise sind realer Autor und Protagonist der Erzählung sowie ihr Erzähler in Autobiographien identisch. Es handelt sich bei Autobiographien gattungstheoretisch allerdings zunächst einmal um faktuale Texte. Also fragt sich die Literaturwissenschaft, mit was für einer Mischung von Fakt und Fiktion wir es in solch einem Roman zu tun haben. Zum Beispiel annoncieren Karl Ove Knausgård und Hanns-Josef Ortheil ihre autobiographischen Bücher als Romane. Man hat für solche Mischformen den Begriff der Autofiktion zur Verfügung. Und davon gibt es in der Gegenwartsliteratur unzählig viele Beispiele, auch ein Text wie Hoppe von Felicitas Hoppe zählt dazu. Die Frage ist: Warum sind eigentlich gegenwärtig solche Autofiktionen so prominent? Durch welche kulturellen Rahmungen lassen sich solche oder andere Hybridformen erklären und einordnen?

Fakten und Fiktionen erforschen: Was ist eine zentrale Erkenntnis, zu der Sie gelangt sind?

Mit was wir rechnen müssen, ist, dass es immer schwieriger wird, Gattungen und Formen klar voneinander abgrenzen zu können. Es ist nötig, ein Sensorium und ein begriffliches Instrumentarium dafür zu entwickeln, Mischformen, Hybride, mit denen wir geradezu umstellt sind, zu erkennen, sie einordnen zu können und mit Uneindeutigkeiten, Ambiguitäten produktiv umgehen zu lernen. Vielleicht im Sinne einer gesteigerten Aufmerksamkeit für die Frage nach dem, was faktisch gegeben und was erfunden ist, was echt und was gefälscht, schließlich was wahrhaftig und was bloß vorgetäuscht ist.

Wie Sie zu Beginn bereits ausgeführt haben, ist für den Journalismus die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktionen zentral. Welche Rolle spielt hingegen das Mischverhältnis von Fakten und Fiktionen etwa auf der Bühne oder im Film, wenn Fakten und Fiktionen gemeinsam auftreten?

Keine grundsätzlich andere als in der Literatur. Neueste Filme und Theaterinszenierungen geben etwa vor, nah an der Wirklichkeit zu sein, Wirklichkeit dokumentarisch wiederzugeben. Sie verführen geradezu dazu, das, was man auf der Bühne oder im Kino sieht und hört, als wirklich aufzufassen. Gleichzeitig wird klar, dass das scheinbar Reale, Echte und wirklich Erlebte Produkt komplexer intermedialer Inszenierungen, Simulationen und Konstruktionen ist. Wir werden als Publikum somit ständig aufgefordert, situativ in Aushandlungsprozesse über das, was faktual und was fiktional ist, einzutreten. Denken Sie etwa an die theatralen Inszenierungen von Rimini Protokoll.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Internationale Konferenz

Der Literaturwissenschaftler Professor Toni Tholen und die promovierte Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare richten in Hildesheim die binationale Konferenz „Fakten und Fiktionen im Zwischenraum. Autoästhetische Praktiken im 21. Jahrhundert“ gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Hildesheim, Madrid (Complutense) und Salamanca aus.

Die Konferenz findet vom 20. bis 22. Juni 2018 auf dem Kulturcampus in Hildesheim statt (Programm). Der Hildesheimer Theaterwissenschaftler Professor Jens Roselt spricht über Selbstinszenierungen im autobiografischen Theater, Professor Arno Gimber aus Madrid setzt sich mit fiktionalen Provokationen im postdramatischen Dokumentartheater auseinander. Professorin Maria Loreto Vilar Panella aus Barcelona hält den Vortrag „Can you describe this? Zwischen erlebter und erfundener Gulag-Realität in zwei Romanen von Susanne Schädlich und Monika Zgustova“. Professorin Miriam Llamas Ubieto aus Madrird diskutiert über „Das virtuelle Ich im postdigitalen Zeitalter“. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert die Konferenz aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Startseite Forschung
news-14861 Mon, 09 Jul 2018 08:00:00 +0200 Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ startet https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/masterstudiengang-barrierefreie-kommunikation-startet/ Zum Wintersemester 2018/2019 startet an der Universität Hildesheim der viersemestrige Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache und Gebärdensprache. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli 2018. Jetzt bewerben: Masterstudium „Barrierefreie Kommunikation“

Zum Wintersemester 2018/2019 startet an der Universität Hildesheim der viersemestrige Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Ein Teilzeitstudium ist ebenfalls möglich. Ein Team um Professorin Christiane Maaß hat das Studienangebot entwickelt.

Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Gebärdensprache, Verständlichkeit und Fachkommunikation sowie Inklusion in Erziehung und Bildung.

Der Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ vermittelt wissenschaftlich fundierte Kenntnisse und Fähigkeiten für eine Expertentätigkeit im Bereich barrierefreie Kommunikation und richtet sich an Personen aus verschiedenen Fachbereichen, die dazu beitragen wollen, Kommunikationsbarrieren abzubauen.

Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs haben vielfältige berufliche Möglichkeiten, sie können beispielsweise als Mittler für Personen mit Kommunikationseinschränkungen fungieren oder arbeiten in Übersetzungsbüros für Leichte Sprache, Ministerien, Organisationen oder Unternehmen und Einrichtungen der Gesundheitspflege. Außerdem besteht die Option einer freiberuflichen Tätigkeit im Bereich der barrierefreien Kommunikation.

Weitere Informationen zum Studiengang und zur Bewerbung

Alle Informationen zum Studiengang und zur Anmeldung sowie der aktuellen Studiengangsflyer sind online abrufbar. Die Bewerbungsunterlagen (Zeugnisse und Nachweise in beglaubigter Form, tabellarischer Lebenslauf, ein- bis zweiseitiges Motivationsschreiben, ggf. Transcript of records) können bis zum 15. Juli 2018 bei der Universität Hildesheim eingereicht werden.

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news-12759 Wed, 27 Jun 2018 11:22:00 +0200 Mentoring-Programm: „Ich erkenne meine Stärken“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/mentoring-programm-ich-erkenne-meine-staerken/ Bis zum 1. Juli 2018 können sich Studentinnen und Absolventinnen für das Mentoring-Programm bewerben. Über neun Monate werden sie von erfahrenen Mentorinnen und Mentoren begleitet. Hier berichten die Studentinnen Luka Sackmann und Anna Kardziev über ihr Studium in den Bereichen Übersetzen sowie Angewandte Informatik und wie sie sich im Rahmen des Mentorings auf ihren Berufseinstieg vorbereiten. Studentinnen und Absolventinnen können sich aktuell für das „ProKarriere-Mentoring“ bewerben. Das Mentoringprogramm richtet sich an Studentinnen aller Fachrichtungen der letzten beiden Semester ihres Bachelor-Studiums, an alle Master-Studentinnen und an Absolventinnen.

Der Bewerbungsschluss ist der 1. Juli 2018, mehr Informationen finden Sie online. Das Mentoring beginnt dann im Wintersemester 2018/19.

Das Programm funktioniert so: Über neun Monate wird eine „Mentee“ (Studentin oder Absolventin) am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn von einer berufserfahrenen Person begleitet und gefördert, sagt Dr. Silvia Lange, Projektleiterin und Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hildesheim. Mentorinnen und Mentoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen geben dabei ihre Erfahrungen weiter. Ergänzt wird die Mentoringbeziehung durch ein an den Bedarfen der Mentees ausgerichtetes Begleitprogramm.

Wer Fragen zu dem Programm „ProKarriere-Mentoring: Karriereförderung für Studentinnen und Absolventinnen mit und ohne Migrationshintergrund“ hat, erreicht die Projektkoordinatorin Sandra Ahnen vom Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim unter 05121 883 92162 und ahnens[at]uni-hildesheim.de.

Jetzt bewerben bis zum 1. Juli 2018

Warum nehmen Sie am Mentoring-Programm teil?

Hier berichten zwei Studentinnen aus dem aktuellen Mentoring-Jahrgang über ihr Studium in den Bereichen Übersetzungswissenschaft sowie Angewandte Informatik. Sie geben einen Einblick, warum sie das Mentoring-Programm anderen Studentinnen weiterempfehlen.

„Ich habe viel in mein Studium investiert und erkenne im Mentoring-Programm meine Stärken“

Luka Sackmann studiert „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ und spezialisiert sich in Hildesheim auf das technische Übersetzen. Im Mentoring-Programm des Gleichstellungsbüros wird die 26-Jährige ein Jahr lang auf ihrem Weg in das Berufsleben gecoacht.

„Viele Fragen mich: Technische Redaktion – ist das nicht langweilig? Ich habe viele Jahre in mein Studium an der Universität Hildesheim investiert. Als technische Übersetzerin bearbeite ich etwa Installationsanleitungen in der Automobilindustrie. Ich schreibe gerne Texte strukturiert, ohne Schnörkel, und habe Freude daran, Texte aufzuräumen und zu erklären, wie eine Maschine funktioniert. Das Mentoring-Programm ist eine ideale Unterstützung im Übergang vom Studium in das Berufsleben. Ich erkenne meine Stärken und konzentriere mich auf das, was ich beruflich erreichen möchte“, sagt die Studentin.

„Meine Mentorin kommt aus dem Maschinellen Lernen und zeigt mir vielfältige Berufswege auf“

Anna Kardziev, 26, studiert „Angewandte Informatik“ an der Universität Hildesheim. Sie schreibt ihre Masterarbeit über künstliche Intelligenz: „Fallbasierte Konfiguration“ und wird ein Jahr lang in ihrer Abschlussphase von einer Mentorin aus der Wirtschaft im Programm „ProKarriere-Mentoring“ begleitet.

„Ich studiere ‚Informationsmanagement und Informationstechnologie‘ mit dem Schwerpunkt Angewandte Informatik. In meiner Masterarbeit setze ich mich mit einem Mechanismus der künstlichen Intelligenz auseinander, der mit Erfahrungswissen arbeitet. Dabei wird Erfahrung aus der Vergangenheit genutzt, um daraus zu lernen und zukünftige ähnliche Probleme zu lösen. Ein Beispiel: Mithilfe von Erfahrungswissen können in der Industrie Diagnosesysteme bei Wartungsarbeiten schneller erkennen, wie eine technische Maschine repariert werden kann. In meinem Bachelorstudium habe ich mich in Magdeburg vor allem mit dem Wissensmanagement beschäftigt, in Hildesheim kann ich die technische Seite stärken, mich spezialisieren. Ich studiere bei Professor Klaus-Dieter Althoff im Bereich ‚Intelligente Informationssysteme‘ am Institut für Informatik und bei Professor Ralf Knackstedt an der Abteilung ‚Informationssysteme und Unternehmensmodellierung‘.

Ich möchte in meiner beruflichen Zukunft im Wissensmanagement in einem Wirtschaftsunternehmen arbeiten. Meine Familie kommt nicht aus dem IT-Bereich, es fiel mir schwer zu wissen, was ich mit einem Informatikstudium beruflich anstreben kann. Ein Jahr lang nehme ich jetzt am ‚ProKarriere‘-Mentoring des Gleichstellungsbüros teil. Das ist ideal: Meine Mentorin kommt aus dem Bereich ‚Maschinelles Lernen‘ und zeigt mir vielfältige Berufswege auf“, sagt die Studentin Anna Kardziev.

TIPP: Wer sich für ein IT-Studium interessierte, sollte den Info-Nachmittag „Studium & Karriere im IT-Bereich" am 4. Juli 2018 an der Universität Hildesheim nicht verpassen.

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Pressemeldungen Studierendenportal Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 4 Informatik Fachbereich 1 Fachbereich 2
news-14759 Sun, 27 May 2018 10:11:00 +0200 Wie in Hildesheim Verständlichkeit erforscht wird https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wie-in-hildesheim-verstaendlichkeit-erforscht-wird/ Fachliche Kommunikation kann mehr oder weniger gut gelingen. Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind. Ein Gastbeitrag von Dr. Franziska Heidrich vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Fachliche Kommunikation hat ihren festen Platz im Alltag von Unternehmen. Denn Fachkommunikation findet immer dann statt, wenn Menschen über Fachliches kommunizieren – sei es in Ausübung ihrer beruflichen Aufgaben untereinander, mit Experten anderer Fachgebiete oder mit Personen, die keine Experten sind. Damit findet sich fachliche Kommunikation auch in unserem Alltag wieder – im Gespräch mit Fachleuten oder beim Lesen von Bedienungsanleitungen.

Diese fachkommunikativen Handlungen können mehr oder weniger gut gelingen. Gerade bei der Kommunikation zwischen Experten und Laien kommt es häufig vor, dass Texte – ob schriftlich oder mündlich – zu komplex sind, zu kompliziert, zu mehrdeutig, zu uneinheitlich. Diese Texte sind also für die vorgesehenen Adressaten nicht verständlich genug. Dies ist ärgerlich für den Leser, der Texte nicht oder nur sehr mühsam versteht. Dies kann aber darüber hinaus auch schwerwiegende Folgen haben. Wenn Dokumente der Fachkommunikation nicht verstanden werden, können schwere Verletzungen die Folge sein (wenn zum Beispiel der Nutzer schlichtweg nicht verstanden hat, dass er den Strom ausschalten muss, bevor er das Gerät öffnet...). Daraus folgen dann wiederum Haftungsansprüche und möglicherweise hohe Zahlungen der Unternehmen an die Geschädigten.

Verständliche Fachkommunikation zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass Dokumente übersichtlich strukturiert sind, dass für denselben Gegenstand immer derselbe Fachbegriff verwendet wird, dass Satzstrukturen einfach und eindeutig sind und zum Beispiel auch dadurch, dass der Leser auf den ersten Blick erkennt, ob es sich bei einem Satz um eine Handlungsaufforderung oder eine bloße Hintergrundinformation handelt. Unverständlich oder schwer verständlich gerät Fachkommunikation entsprechend, wenn etwa der fachliche Inhalt für die Zielleserschaft zu komplex ist, der sprachliche Ausdruck zu kompliziert, der Text nicht angemessen strukturiert ist und die Funktionen von kommunikativen Handlungen unklar bleiben.

Die Erforschung der Verständlichkeit ist ein Kernthema der Fachkommunikationswissenschaft. Diese integrative Disziplin umfasst die traditionellen Forschungszweige der Fachsprachenforschung, der Terminologielehre und der Fachübersetzungswissenschaft. Die Fachkommunikationswissenschaft ist ein Schnittbereich aus den Wissensgebieten Sprache, Technik, Kommunikationsmedien und Arbeitsprozessorganisation.  Die Fachkommunikationswissenschaft ist am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim in Forschung und Lehre präsent – im Master-Studiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ werden die Studentinnen und Studenten zu professionellen Fachkommunikatoren, auch in Hinblick auf eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn, ausgebildet.

Fachkommunikation: Internationale und nationale Experten tauschen sich in Hildesheim aus

Regelmäßig kommen Expertinnen und Experten am Institut zusammen, um sich über ihre Disziplin auszutauschen – jüngst während einer Tagung im Frühjahr 2018. Dabei berichten erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Doktorandinnen und Doktoranden – also dem wissenschaftlichen Nachwuchs – aus ihrem Wissenschaftsalltag.  Die Referentinnen und Referenten kommen aus Universitäten und Fachhochschulen national und international. Neben Gästen aus Hildesheim, Hannover, Gießen, Köthen, Duisburg-Essen, Würzburg, Köln, München, Eichstätt-Ingolstadt, Merseburg, Mainz, Berlin, Aalen, Darmstadt, Flensburg, Heidelberg und Dillingen/Saar waren internationale Fachwissenschaftler aus Genf, Rapperswil, Winterthur (Schweiz), Krems (Österreich) und Antwerpen (Belgien) in diesem Jahr in Hildesheim zu Gast.

In seinem Grußwort zur Tagung begrüßte Universitätspräsident Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich die Zusammenarbeit des Hildesheimer Institutes für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit den einschlägigen Fachhochschulen. Die Kooperation soll in der neu gegründeten Kooperationsstelle Fachkommunikation fortgeführt und die Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den Fachhochschulen ausgebaut werden.

Zur Person: Dr. Franziska Heidrich

Dr. Franziska Heidrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Ihre Lehrtätigkeit umfasst vor allem die Bereiche Technische Redaktion, Fachübersetzen und Verständlichkeitsforschung in den Studiengängen „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ (B.A.) und „Internationale Fachkommunikation – Sprache und Technik“ (M.A.) sowie ab dem Wintersemester 2018/2019 im neuen Master-Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Kommunikationsoptimierung von Fachkommunikation, hier insbesondere im Bereich der Gestalteten Sprache. Gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Schubert hat sie in diesem Jahr die „Kooperationsstelle Fachkommunikation“ gegründet, die vor allem der Anbahnung von Forschungskooperationen und kooperativen Promotionen mit den fachlich einschlägigen Fachhochschulen dienen soll.

[erstveröffentlicht am 09.05.2018]

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news-14032 Mon, 30 Apr 2018 08:27:00 +0200 Jubiläum: 10 Jahre Lese- und Schreibzentrum an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/jubilaeum-10-jahre-lese-und-schreibzentrum-an-der-universitaet-hildesheim/ Ein Team um Professorin Irene Pieper unterstützt seit zehn Jahren Studierende aller Fachbereiche beim wissenschaftlichen Arbeiten. Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim feiert sein zehnjähriges Bestehen. Die Universität richtet eine Jubiläumstagung zu aktuellen Fragen des Lesens und Schreibens aus. Den hochschulöffentlichen Festvortrag hält der renommierte Linguist Professor Konrad Ehlich. Hier geht's zum Programm der Jubiläumstagung

In diesem Jahr feiert das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim sein zehnjähriges Bestehen. Die Universität richtet am 4. Mai 2018 eine Tagung zu aktuellen Fragen des Lesens und Schreibens in Lehre, Forschung und Beratung aus.

Den hochschulöffentlichen Festvortrag „Wissenschaftlich schreiben. Lernen durch Lesen“ hält der Linguist Professor Konrad Ehlich vom Institut für deutsche und niederländische Philologie der Freien Universität Berlin. Zum Auftakt findet am Donnerstag, 3. Mai 2018, um 18:30 Uhr eine Lesung mit der bekannten Autorin Daniela Danz im Rahmen des Literarischen Salons statt. Daniela Danz liest aus dem Roman „Lange Fluchten“, diese Veranstaltung ist öffentlich.

Die Tagung bietet Gelegenheiten zum Austausch über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven des akademischen Lesens und Schreibens, auch angesichts der tiefgreifenden Wandlungsprozesse in der gegenwärtigen Studien- und Wissenschaftskultur – etwa durch die fortschreitende Internationalisierung und Digitalisierung des Studiums sowie die zunehmende Diversität der Studentinnen und Studenten. Was bedeutet etwa die zunehmende Mehrsprachigkeit an Universitäten für eine diversitätssensible Lese- und Schreibdidaktik? Wie verändern sich Lese- und Schreibprozesse im Zeitalter der Digitalisierung und wie kann man diesen Veränderungen begegnen?

Das akademische Lesen und Schreiben stehe im Zuge der Digitalisierung vor Herausforderungen, sagt Professorin Irene Pieper. „Alltägliche Lese- und Schreibpraktiken haben neue Formen angenommen und vor allem an Tempo gewonnen“, so die Literaturwissenschaftlerin vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. „Ändern sich dadurch zum Beispiel die Lesegewohnheiten gegenüber längeren Texten? Wie steht es um Toleranz gegenüber hoch verdichteten Texten, wenn wir uns durch Informationswelten bewegen, die aus der Kürze und dem Hyperlink heraus leben? Komplexe Texte schreibend zu verarbeiten, war schon immer herausfordernd. Was sich da gegenwärtig tut, übersehen wir noch gar nicht. Es scheint jedenfalls derzeit besonders wichtig, Schreib- und Lesegelegenheiten zu suchen und zu pflegen, die auch geeignet sind, einen langen Atem zu entwickeln und zu kultivieren“, sagt Irene Pieper.

Die Hildesheimer Psychologieprofessorin Renate Soellner spricht auf der Tagung über das wissenschaftliche Arbeiten in der Psychologie. Dr. Wiebke von Bernstorff und Dr. Kerstin Böhm vom Institut für deutsche Sprache und Literatur diskutieren über das Thema „Sprecht! Lest! Schreibt! Möglichkeiten des Lesens und Schreibens in der universitären Lehre“. Über die digitale Leseszene spricht der Literaturwissenschaftler Dr. Guido Graf. Über das Problem, die Fremdsprache Theologie zu beherrschen, diskutiert Theologieprofessorin Christina Kalloch.

An der Tagung können Studierende und Lehrende aller Fachbereiche kostenfrei teilnehmen. Die Konferenz „Wissen schaffen. Lesen und Schreiben im Gespräch“ findet am 4. Mai 2018 am Bühler-Campus, dem Sprachencampus der Universität Hildesheim, statt (Lübecker Str. 1, 31141 Hildesheim).  Die Lesung mit Daniela Danz findet in der Leselounge der Universitätsbibliothek (Universitätsplatz 1) statt,

Veranstaltet wird die Konferenz von Prof. Dr. Irene Pieper, Dr. Ulrike Bohle, Denise Reimann, M.A. und dem Team des Lese- und Schreibzentrums der Universität Hildesheim.

Kurz erklärt

Lese- und Schreibzentrum

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Beratung, Workshops und Schreibgruppen. Studentische Lese- und Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Feedback und Tipps zu Lese- und Schreibtechniken. Studierende können einfach zu den Sprechzeiten kommen oder einen Termin vereinbaren. Mit dem Literarischen Salon leistet das Lese- und Schreibzentrum gemeinsam mit dem Institut für deutsche Sprache und Literatur einen Beitrag zum literarischen Leben der Universität und der Stadt.

Anmeldung: Teilnahme an der Tagung

Für Angehörige der Universität Hildesheim ist die Tagung kostenfrei. Die Veranstalter bitten um verbindliche Anmeldung bis spätestens zum 24. April 2018 (Anmeldeformular online). Bei Fragen zur Tagung ist Denise Reimann vom Institut für deutsche Sprache und Literatur erreichbar unter denise.reimann@uni-hildesheim.de.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-14702 Fri, 20 Apr 2018 11:12:03 +0200 Ausschreibung: Preis für herausragende studentische Initiativen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/ausschreibun-12/ Das Präsidium der Universität Hildesheim lobt einen Preis für herausragende studentische Initiativen aus. Damit sollen Studentinnen und Studenten ausgezeichnet werden, die sich über das eigentliche Studium hinaus besonders engagieren. Eine Bewerbung ist bis zum 15. Mai 2018 möglich. Der Preis ist mit 3.000 € dotiert. An der Universität Hildesheim gibt es zahlreiche Studierende, die sich über das eigentliche Studium hinaus in vielfacher Weise für die Universität, die Interessen ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen oder die Belange Dritter einsetzen. Um das außerordentliche Engagement dieser Studierenden zu würdigen, lobt das Präsidium einen Preis für herausragende studentische Initiativen aus. Mit dem Preis sollen besonders innovative Initiativen sichtbar gemacht und dazu ermutigt werden, diese weiter zu entwickeln. Darüber hinaus soll mit dem Preis ein weiterer Beitrag zur Verwirklichung des Leitbilds der Universität Hildesheim als Studierendenuniversität geleistet werden.

Studentische Initiativen, die an die Universität Hildesheim gebunden sind, können entweder durch Dritte vorgeschlagen werden oder sich selbst bewerben.

Hier finden Sie die Details der Ausschreibung [PDF]

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news-14665 Mon, 09 Apr 2018 13:36:05 +0200 Verpflegungssituation am Bühler-Campus https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/verpflegungssituation-am-buehler-campus/ Am Bühler-Campus wird bis voraussichtlich Ende April 2018 die Cafeteria saniert. Das Dezernat für Bau- und Liegenschaftsangelegenheiten der Universität Hildesheim informiert hier über den Sachstand. Aufgrund eines Wasserschadens wird die Cafeteria am Bühler-Campus der Universität Hildesheim momentan saniert und kann zu Semesterbeginn nicht genutzt werden. Ersatzweise steht der studentische Arbeitsraum (Raum L 064) als Verpflegungsraum zur Verfügung, zusätzlich werden im Flurbereich Bistro-Tische und Stühle angeordnet.

Das Studentenwerk fährt mit dem Bistrowagen den Bühler-Campus täglich wie folgt an:

  • 08:45 bis 09:30 Uhr – Zwischenverpflegung
  • 11:45 bis 12:45 Uhr – Mittagsverpflegung, Zwischenverpflegung

Ein provisorischer Betrieb der Cafeteria am Bühler-Campus wird voraussichtlich ab dem 30. April 2018 wieder möglich sein. Die am Samelson-Campus ansässigen Institute werden gebeten sich entweder am Bistrowagen am Bühler-Campus oder an der Mensa am Uni-Hauptcampus zu verpflegen.

Bei Rückfragen erreichen Sie Dipl.-Ing. (FH) Olga Schwarzkopf-Lipp vom Dezernat für Bau- und Liegenschaftsangelegenheiten telefonisch unter 05121 883 91438.

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news-14434 Fri, 09 Mar 2018 19:30:00 +0100 Neue Technologie erkennt deutsche Hassbotschaften in sozialen Medien https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/neue-technologie-erkennt-deutsche-hassbotschaften-in-sozialen-medien/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Antwerpen und der Universität Hildesheim haben einen Hate Speech-Detektor für Twitter entwickelt. Die Hildesheimer Medienlinguistin Sylvia Jaki und der Antwerpener Sprachtechnologe Tom De Smedt spüren mit dem automatisierten Computerprogramm in Echtzeit hetzerische Wörter und Wortkombinationen in Tweets auf. Die EU setzt große Tech-Unternehmen wie Twitter, Facebook und Google unter Druck, verstärkt gegen Hate Speech im Netz vorzugehen. In Deutschland zwingt das neue Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) die sozialen Medien nun, Inhalte, die als Hate Speech gelten können, innerhalb von 24 Stunden zu entfernen. So wurde beispielsweise jüngst eine AfD-Politikerin zeitweise auf Twitter blockiert. Wie eine neue Studie der Universität Warwick zeigt, besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Hassbotschaften in deutschen sozialen Medien und körperlicher Gewalt gegenüber Flüchtlingen.

Seit 2016 hat Twitter bereits hunderttausende Profile blockiert, die Hass verbreiten und zu Gewalt aufrufen. Allerdings gilt dies hauptsächlich für englischsprachige Profile, während vergleichbare deutsche, französische oder niederländische Tweets häufig unbemerkt bleiben. Jeden Tag werden über 500 Millionen neue Tweets veröffentlicht – ein schwieriges Unterfangen also. Wenn Twitter 10.000 Angestellte hätte, die die neuen Tweets überwachen, müsste jeder von ihnen täglich 50.000 Tweets lesen. Das wären ein bis zwei pro Sekunde, ohne Mittagspause gerechnet.

Im letzten Jahr haben der Sprachtechnologe Tom De Smedt von der Forschergruppe Computerlinguistik der Universität Antwerpen (BE) und die Medienlinguistin Sylvia Jaki vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim (DE) ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, in Echtzeit automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombinationen in Tweets aufzuspüren.

Das neue Computerprogramm ist Teil eines Projekts, in dem die beiden Forscher die politische Kommunikation im Kontext der Bundestagswahl 2017 untersuchen. Um herauszufinden, wie bestimmte Politiker kommunizieren und wie Menschen in den sozialen Medien auf politische Themen reagieren, analysieren sie Polit-Talkshows im deutschen Fernsehen sowie Kommentare in sozialen Medien von Politikern und politischen Parteien bzw. solche über und für sie. „Um ein besseres Verständnis zu gewinnen, wie politisch motivierte Hassbotschaften in den sozialen Medien aussehen, berücksichtigen wir auch nonverbale Elemente wie Bilder oder Emojis – Twitter-Kommentare sind schließlich nicht rein verbal“, sagt Sylvia Jaki.

Die Sprachtechnologen in Antwerpen haben bereits Erfahrung mit der Implementierung von Programmen im Bereich Cyber-Sicherheit, zum Beispiel, wenn es um die Erkennung von dschihadistischen Inhalten geht. „Die Software lernt selbstständig, Hasskommentare aufzuspüren, und kann auch mit der Tatsache umgehen, dass sich die Sprache des Hasses sehr schnell verändert“, so De Smedt. „Wir haben unser Programm bereits getestet: In 80 Prozent der Fälle liegt es richtig. Wir könnten uns gut vorstellen, mit den deutschen Behörden zusammen zu arbeiten, aber wir müssen gleichzeitig auch vorsichtig sein, wie wir als Gesellschaft solche Technologien nutzen. Die EU verfügt über keine rechtsgültige Definition, was genau unter Hate Speech zu verstehen ist.“

Der Algorithmus der beiden Linguisten zeigt, dass sich deutsche Hasskommentare häufig gegen Flüchtlinge aus Afrika (Afrikaner, Nafris), Muslime (Araber, Syrer, Salafisten, Islam Terroristen), Juden (die Juden) und einige andere Bevölkerungsgruppen (Polen und Ungarn, Gebrochen Deutsch Sprechender, Gefährder und Kriminelle, Obdachlosen, Gutmenschen, Linksextremisten, Frauen) richten. Typisch sind Ausdrücke der Gewalt (schlagen, schießen, überfallen, bekämpfen, Widerstand) und Beschimpfungen im Allgemeinen (Scheißdeutschland).

Die beiden Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Publikation ihrer Ergebnisse.

Kontakt zum Forscher aus Antwerpen und zur Forscherin aus Hildesheim:

Tom De Smedt
tom.desmedt@uantwerpen.be
www.uantwerpen.be/en/research-groups/clips/

Sylvia Jaki
jakisy@uni-hildesheim.de
jaki.hosting.uni-hildesheim.de

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 88390100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-14513 Fri, 09 Mar 2018 15:02:20 +0100 Kita-Alltag: Sprachfördernde Situationen schaffen und nutzen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/kita-alltag/ Die Universität und der Landkreis Hildesheim kooperieren seit 2011 und unterstützen 160 frühpädagogische Einrichtungen in Stadt und Landkreis Hildesheim bei der Sprachbildung im Alltag. Das Projekt wird durch das Land Niedersachsen gefördert. Alltagsintegrierte Sprachbildung und Sprachförderung sind elementar wichtige pädagogische Aufgaben in Kitas und Krippen, um allen Kindern eine faire Bildungschance zu ermöglichen, sagt die Psychologin Dr. Ann-Katrin Bockmann von der Universität Hildesheim. Der Landkreis und die Universität Hildesheim unterstützen im Kooperationsprojekt „Kea – Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache“ die Fachkräfte der etwa 160 frühpädagogischen Einrichtungen in Stadt und Landkreis Hildesheim seit mehreren Jahren bei dieser wertvollen Aufgabe.

Neben Studientagen, Fortbildungen, Coaching und Vor-Ort-Beratungen finden regelmäßig zwei Mal jährlich Fachtage zu relevanten Themen statt. Am Dienstag, 13. März 2018, lädt das Kea-Team von 14:00 bis 17:30 Uhr alle pädagogischen Fachkräfte zu einem praxisnahen Fachtag „Es rappelt in der Sprachkiste“ auf den Bühler-Campus der Universität Hildesheim ein. Nach einem Impulsvortrag von Beate Hamilton Kohn aus dem Dialogwerk in Braunschweig erhalten Erzieherinnen und Erzieher in fünf Themenworkshops Anregungen zu rhythmisch-musischer Sprachbildung, Handpuppenspiel sowie Gesprächsführung mit Eltern und Kindern. Es gibt noch wenige freie Plätze, bitte kontaktieren Sie bei Interesse Dr. Ann-Katrin Bockmann (E-Mail kea@uni-hildesheim.de oder bockmann@uni-hildesheim.de).

Die Universität und das Jugendamt erreichen mit dem Sprachförderprojekt rund 90 % der Krippen und Kitas im Landkreis Hildesheim. Ziel ist, mit vielen kleinen und großen Sprechanlässen im Alltag die Sprachbildung in der Kindheit zu fördern, etwa durch Rituale bei denen das Miteinander-Sprechen, Aufeinander-Hören und in Worte-Fassen den Tag durchziehen. Zunächst wurden seit 2011 Kindertagesstätten im Landkreis mit dem Projekt erreicht. Seit dem Kindergartenjahr 2013/2014 ist das Jugendamt des Landkreises auch für die Umsetzung der Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache in Kindertagesstätten im Stadtgebiet Hildesheim zuständig.

Universität und Jugendamt erreichen mit dem Sprachförderprojekt rund 90 % der Kitas im Landkreis Hildesheim

„Wir bilden Erzieherinnen und Erzieher strukturiert und flächendeckend fort und setzen bei dem an, was sich in Praxis und Forschung bewährt hat“, sagt die promovierte Psychologin Ann-Katrin Bockmann. Sie begleitet die Umsetzung wissenschaftlich. Durch Weiterbildung sollen pädagogische Fachkräfte sowie Kita-Leitungen sprachfördernde Situationen und Sprachauffälligkeiten erkennen und Sprache bewusst im Alltag einsetzen. Der Anteil mehrsprachiger Kinder und der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund oder Fluchthintergrund variiert stark zwischen den Einrichtungen sowie städtischem und ländlichen Einzugsgebiet, so Bockmann. Für diese Herausforderung wurden spezielle Fortbildungen entwickelt, die für den Umgang mit Kindern, die Deutsch als zweite Sprache erlernen, vorbereiten.

Das Projekt wird durch das Land Niedersachsen gefördert. Viele der Erzieherinnen und Erzieher bewerten es als positiv, dass sie durch die hilfreichen, praxisnahen Fortbildungen und die Begleitung vor Ort ihr eigenes Handeln reflektieren und ihr Sprachangebot optimieren konnten. Das vorhandene Wissen wird aufgefrischt und im Umgang mit Sprachauffälligen haben sie mehr Sicherheit erhalten. Die freiwilligen Angebote sind überwiegend kostenfrei oder werden mit deutlich ermäßigten Teilnehmergebühren angeboten. Die Themen reichen von Sprachbildung über Sprachstörungen bis zu vertiefenden Einheiten zu Elternarbeit sowie Umgang mit Mehrsprachigkeit und Familien mit Fluchterfahrung.

Anlass für das flächendeckende Sprachförderkonzept ist eine im Mai 2011 in Kraft getretene Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache im Elementarbereich des Landes Niedersachsen sowie eine ebenfalls vom Land Niedersachsen im Juni 2011 veröffentlichte Handlungsempfehlung zur Sprachbildung und Sprachförderung im Elementarbereich.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121 883 90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-11896 Thu, 22 Feb 2018 08:40:00 +0100 Wissenschaftliches Arbeiten: Lese- und Schreibzentrum und Universitätsbibliothek unterstützen Studierende https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wissenschaftliches-arbeiten-lese-und-schreibzentrum-und-universitaetsbibliothek-unterstuetzen-studie/ Ein Team des Lese- und Schreibzentrums und der Universitätsbibliothek berät rund um Recherche-, Lese- und Schreibtechniken. Studierende aller Fachbereiche können sich während der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ über Strategien für das wissenschaftliche Arbeiten informieren. Im Interview sprechen Elisabeth Tränkler und Denise Reimann über Konzentration beim wissenschaftlichen Schreiben. Die Hildesheimer „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ geht dieses Jahr in die siebte Runde. Sie ist Teil einer bundesweiten Initiative, die jedes Jahr im März an über 50 Universitäten tausende Studierende zum gemeinsamen Schreiben einlädt. Die Lange Nacht findet am Donnerstag, 1. März 2018, in der Universitätsbiblothek Hildesheim statt.

Interview mit Denise Reimann und Elisabeth Tränkler

Denise Reimann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lese- und Schreibzentrum sowie am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim in den Bereichen Literaturwissenschaft, Literatur- und Schreibdidaktik. Elisabeth Tränkler hat Informationswissenschaften an der FH Potsdam studiert und ist Mitarbeiterin in der Universitätsbibliothek Hildesheim. Sie arbeitet in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit sowie Auskunft und Informationsvermittlung. Im Interview geben die beiden Uni-Mitarbeiterinnen Einblicke in ihre Arbeit und die Organisation der „Langen Nacht“.

Warum veranstalten das Lese- und Schreibzentrum und die Universitätsbibliothek die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" in Hildesheim?

Denise Reimann: Viele Studierende machen die Erfahrung, wie motivierend und anregend es sein kann, über einen längeren Zeitraum hinweg in Gesellschaft zu schreiben. Eine gemeinsame Nachtschicht in der Bibliothek ist eine einmalige Gelegenheit, endlich loszulegen mit der Hausarbeit, begonnene Schreibarbeiten entspannt zu Ende zu bringen und dabei nicht allein zu sein. Es geht darum, in einer inspirierten Atmosphäre zu arbeiten, Ideen und Motivation zu bekommen, einander auszutauschen, MitarbeiterInnen der Universitätsbibliothek und des Lese- und Schreibzentrums (LSZ) der Uni Hildesheim kennenzulernen, sich beraten zu lassen, aber auch, sich zurückziehen zu können, um konzentriert zu arbeiten.

Elisabeth Tränkler: „Aufschieberitis“ kennen wir doch alle. Ich denke, die „Lange Nacht“ ist vor allem ein Anstoß in Form eines festen Termins, endlich mit der Hausarbeit anzufangen oder daran weiter zu arbeiten. Und welcher Ort der Universität wäre dazu besser geeignet als die Universitätsbibliothek? Zentral gelegen am Hauptcampus, Wissen in Form von Büchern, Zeitschriften und natürlich auch E-Medien verfügbar. Arbeitsplätze mit oder ohne PC, sowie unsere Gruppenarbeitsräume, die während der „Langen Nacht“ für die Studierenden auch ohne Reservierung nutzbar sind. Jede/Jeder kann sich in der Universitätsbibliothek einen eigenen Raum schaffen und mit oder ohne Beratung, allein oder gemeinsam Arbeiten.

Was passiert zum Beispiel in der Langen Nacht?

Denise Reimann: In der Langen Nacht unterstützen wir die Studierenden bestmöglich beim Schreiben. In einer offenen und inspirierten Atmosphäre können Studentinnen und Studenten konzentriert an den eigenen Schreibprojekten arbeiten. Wer möchte, kann darüber hinaus die vielfältigen Angebote wahrnehmen, die wir – das aus Tutorinnen und Tutoren und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammengesetzte Team der Bibliothek und des Lese- und Schreibzentrums – uns für die Lange Nacht ausgedacht haben: Allen, die an einer Stelle ihrer Hausarbeit nicht weiterkommen oder einfach Lust auf Input haben, stehen wir mit Rat und Tipps zur Seite. Wir bieten Mini-Workshops zur Literaturrecherche und zum Strukturieren von Arbeiten an, beraten in Einzel- oder Gruppengesprächen und sorgen für ausreichend Entspannungsmöglichkeiten, etwa bei Schreibtischyoga, einer Lesung und einer Nachtwanderung. Natürlich werden auch Kaffee, Tee und leckere Snacks bereitstehen, um munter zu bleiben.

Was ist Ihre Erwartung, mit welchem Gefühl starten die Studierenden in den nächsten Tag?

Denise Reimann: Am nächsten Tag hat man das schöne Gefühl, mit der Hausarbeit ein gutes Stück weitergekommen zu sein und nebenbei einen besonderen Abend in guter Gesellschaft verbracht zu haben.

Eine Nacht kann ein Anstoß sein. Das wissenschaftliche Arbeiten muss doch jeden Tag erprobt und erarbeitet werden – das ist doch der Kern des Studiums. Wie unterstützen Sie Studierende dabei? Was bieten das Lese- und Schreibzentrum und die Bibliothek zum Beispiel an Hilfestellungen an?

Denise Reimann: Das stimmt, die Fähigkeit, wissenschaftlich zu schreiben und zu lesen fliegt einem nicht einfach zu, sondern will gelernt sein – erfahrungsgemäß geht das am besten im Austausch mit anderen Schreibenden und/oder Schreiberfahrenen. Unser studentisches TutorInnenteam vom LSZ ist bestens ausgebildet, um ratsuchende Studierende in allen Fragen rund ums wissenschaftliche Lesen und Schreiben zu unterstützen. Oft kommen Studierende zu uns, die Schwierigkeiten haben, ein Thema für Ihre Hausarbeit zu finden, Schreibblockaden zu überwinden oder die einfach mal mit jemandem über ihren Schreibprozess reden möchten.  Bei uns finden Sie seit 2008 GesprächspartnerInnen.

Elisabeth Tränkler: Schon die Bibliothek als Gebäude kann eine große Hilfe sein. Ort der Ruhe, des Lernens aber auch der Begegnung mit anderen, wie Kommilitonen oder Lehrenden. Man kommt hinaus aus der häuslichen Umgebung in der es oftmals einige Ablenkungen gibt. Des Weiteren liegt der Schwerpunkt natürlich bei der Literaturrecherche und –beschaffung. Das sind in der Universitätsbiblothek zum Beispiel das Projekt „Bücher für Studierende“ oder zielgruppenorientierte Schulungen zur Literaturrecherche. Auch geben wir Hilfestellungen und Einführungen zu den Literaturverwaltungsprogrammen Citavi und Zotero. Außerhalb dieser Veranstaltungen helfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Auskunft bei auftretenden Fragen gerne weiter.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten 2018

Das Lese- und Schreibzentrum und die Universitätsbibliothek der Universität Hildesheim laden Studierende aller Fachbereiche zur „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ ein. Ein Team aus Schreibberaterinnen und Schreibberatern unterstützt Studentinnen und Studenten mit Schreibberatung, Recherchehilfen und Schreibtischsport.

Umgeben von Büchern können Studentinnen und Studenten von Donnerstagabend auf Freitagnacht ihre aufgeschobenen Hausarbeiten endlich anpacken. Die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ beginnt am Donnerstag, 1. März 2018, um 20:00 Uhr und endet am Freitag, 2. März, um 02:00 Uhr.

An über 50 Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum und in den USA treffen sich seit 2011 einmal im Jahr tausende Studierende, um in motivierender Atmosphäre gemeinsam zu schreiben, sich zu inspirieren, aufgeschobene Arbeiten endlich anzupacken oder begonnene abzuschließen.

Angebote während der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten:

  • Lese- und Schreibberatung: Das Team des Lese- und Schreibzentrums gibt Feedback, Unterstützung und Anregungen zu Lese- und Schreibtechniken sowie Motivationsschübe.
  • Recherchehilfen: Es stehen sämtliche Bücher der Universitätsbibliothek vor Ort für die Recherche zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek unterstützen Studierende bei der Literaturrecherche.
  • Tipps und Infos: Strategien für die Literaturbeschaffung und Literaturverwaltung, Schreibtypen und Phasen beim wissenschaftlichen Arbeiten.

Lese- und Schreibzentrum

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Beratung, Workshops und Schreibgruppen. Studentische Lese- und Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Feedback und Tipps zu Lese- und Schreibtechniken. Studierende können einfach zu den Sprechzeiten kommen oder einen Termin vereinbaren.

Lernort Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek Hildesheim bietet etwa 320 Arbeits- und Lernplätze und mehrere online reservierbare Gruppenarbeitsräume für Studierende an. In Schulungen können Studierende, Lehrende und Bürgerinnen und Bürger aus der Region ihr Wissen rund um Literaturverwaltung, Literaturrecherche und Nutzung digitaler Informationsquellen auffrischen.

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news-14392 Mon, 05 Feb 2018 14:45:24 +0100 Neuropsychologin über Freude beim Problemlösen im Studium https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/neuropsychol/ Wie lernen wir beim Problemlösen? Jasmin Kizilirmak forscht im Neurolabor der Universität Hildesheim. Die Psychologin befasst sich mit der Frage, was eigentlich im Gehirn passiert, wenn Menschen lernen. Die promovierte Wissenschaftlerin arbeitet derzeit an ihrer Habilitation in der Arbeitsgruppe „Neurodidaktik“ von Professor Kristian Folta-Schoofs. Im Februar hielt sie einen akademischen Festvortrag an der Universität. Die Universitätsgesellschaft zeichnete während einer Feierstunde den wissenschaftlichen Nachwuchs für herausragende akademische Leistungen aus. 14 Bachelor- und 14 Masterarbeiten sowie 5 Dissertationen wurden nominiert. Wer die drei Preisträger sind, wurde im Februar während einer Feierstunde bekannt gegeben. Unter den Nominierten sind junge Forscherinnen und Forscher aus allen Fachbereichen. Den Festvortrag hielt Dr. Jasmin Kizilirmak zum Thema „Kein Studium ohne Probleme – Freude und Lernerfolg beim Problemlösen“.

Die Universitätsgesellschaft ehrt für hervorragende akademische Leistungen folgende drei Preisträgerinnen und Preisträger:

  • Bachelorarbeit: Maximilian Theisen, Institut für Psychologie der Universität Hildesheim

  • Masterarbeit: Annette Leyendecker, Institut für Kulturpolitk der Universität Hildesheim

  • Dissertation: Dr. Anna Kaitinnis, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim

Hier finden Sie ausführliche Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern

Interview mit der Neurowissenschaftlerin Dr. Jasmin Kizilirmak über Freude und Lernerfolg beim Problemlösen

Dr. Jasmin Kizilirmak forscht und lehrt im Neurolabor am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet derzeit an ihrer Habilitation in der Arbeitsgruppe „Neurodidaktik“ von Professor Kristian Folta-Schoofs. Die Psychologin hat über den Abruf von Informationen im Langzeitgedächtnis promoviert. Sie befasst sich mit der Frage, was eigentlich im Gehirn passiert, wenn Menschen lernen, wie das Denken funktioniert, welche Regionen im Gehirn daran beteiligt sind und wie diese unter welchen zeitlichen Abläufen miteinander interagieren. Mithilfe von Elektroenzephalografie (EEG) und Kernspintomographie sucht sie nach Antworten. Derzeit beschäftigt sie sich besonders mit dem Problemlösen und wie man durch das Lösen von besonders schwierigen Problemen lernen kann.

Sie sprechen von Freude beim Problemlösen, was steckt hinter diesem Begriff?

Der Begriff der Freude beim Problemlösen hängt mit dem „Aha-Erlebnis“ zusammen. Man kann Probleme auf ganz unterschiedliche Art und Weise lösen. Wir empfinden besonders viel Freude beim „Aha-Erlebnis“, wenn wir in eine Sackgasse beim Problemlösen geraten sind und irgendwann, wenn wir uns vielleicht schon mit etwas anderem beschäftigen, plötzlich alles verstehen und das Problem lösen können.

Lernen und sich in einer wissenschaftlichen Arbeit mit Problemen auseinandersetzen kann große Freude machen, oder?

Das Auseinandersetzen mit Problemen an sich bereitet wahrscheinlich eher Frust, solange wir keine Lösung finden. Doch das plötzliche Verstehen einer Lösung – das ist es, was einem Freude bereitet. Lernen tun wir aber sowohl aus dem Auseinandersetzen mit einem Problem als auch dem Lösen.

Geht es beim Lernen immer um das Lösen von Problemen?

Das würde ich nicht sagen. Man lernt auch ganz viel, ohne Probleme zu lösen. Aber wenn wir Probleme lösen, dann lernen wir eigentlich fast immer. Man unterscheidet zwischen Problemen und Aufgaben. Aufgaben können wir mit unseren vorhandenen Fähigkeiten bewältigen. Bei Problemen besitzen wir nicht alle Fähigkeiten, um sie zu lösen; vielleicht schon, aber wir müssen die Problemlösung erst entwickeln. Wir können nicht einfach auf Abruf eine bestimmte Formel, die wir im Mathematikunterricht gelernt haben anwenden, sondern wir müssen erst darauf kommen, was wir dort brauchen um das Problem lösen zu können.

Frau Dr. Kizilirmak, dieses Interview lesen Studentinnen und Studenten, die vielleicht gerade mitten in der Prüfungsphase sind, in der Bibliothek eine Hausarbeit schreiben oder sich auf eine mündliche Prüfung vorbereiten. Warum fällt es einigen Studierenden leichter, anderen schwerer, zu lernen?

Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Manche Menschen lernen generell schwieriger, weil sie beispielsweise Aufmerksamkeitsdefizitstörungen haben, das kommt auch im Erwachsenenalter vor und wurde lange Zeit vernachlässigt. Aber das größte Problem ist, dass wir vielleicht nicht optimale Lernstrategien verwenden, beispielsweise reine Wiederholungsstrategien, wo wir den Stoff einfach immer wieder durchlesen ohne irgendeine weitere Verarbeitung. Besser ist es, sich zu dem Thema Fragen zu stellen, sich zu überlegen: Was weiß ich noch über das Thema? Dann kommt es außerdem auf das Interesse an – wir können leichter lernen bei Themen, die uns emotional berühren, die wir interessant finden.

Was verändert sich im Gehirn, wenn wir Informationen aufnehmen und verarbeiten? Was passiert – grob erklärt – in unserem Kopf, wenn wir lernen und Probleme lösen?

Wenn wir uns mit dem Problem beschäftigen, versuchen wir, Informationen abzurufen, die wir zu den Bestandteilen des Problems schon vorliegen haben. Dann werden Problemlösestrategien abgerufen, die normalerweise funktionieren. Aber man trifft immer wieder auf Probleme, bei denen die gängigen Lösungsstrategien nicht funktionieren – dann muss man kreativ werden. Aber was dann genau im Gehirn passiert, ist relativ schwer zu beantworten. Es sind verschiedene Netzwerke aktiv, wie die Hirnregionen genau kommunizieren, können wir noch nicht erklären.

Sie führen im Hildesheimer Neurolabor eine Studie zum Problemlösen durch.

Ich analysiere in einer Eye-Tracking-Studie die Augenbewegungen von Probanden, während sie Probleme lösen. Es handelt sich um Worträtsel – drei Nomen werden präsentiert, die auf Anhieb scheinbar nichts miteinander zu tun haben, etwa: „Wäsche“, „Hälfte“ und „Erschütterung“. Der Proband muss ein viertes Wort finden, das man als Verbundwort mit all den anderen nutzen kann, vielleicht denkt man an „Wäschekorb“, oder bei „Erschütterung“ an ein Erdbeben. Viele dieser Probleme sind relativ schwer lösbar und frustrierend, weil alle naheliegenden Assoziationen, die uns auf Anhieb einfallen nicht als Lösungswort passen. Es ist eher eine weiter wegliegende Assoziation, da greifen die semantischen Netzwerktheorien: Man geht davon aus, dass unser Wissen in Netzwerken organisiert ist und Dinge, die wir gleichzeitig abrufen, stärker miteinander verknüpft sind. Wir schauen uns an, was passiert, wenn die Probanden graduell zur Lösung kommen oder mit einem plötzlichen „Aha-Erlebnis“ die Lösung schlagartig finden. Das Lösungswort ist übrigens: „Gehirn“ – „Gehirnwäsche“, „Gehirnhälfte“, „Gehirnerschütterung“.

Welche Rolle spielt der Hippocampus beim erfolgreichen Lernen und Erinnern und hat das etwas mit dem Problemlösen zu tun?

Das Problemlösen funktioniert nicht ohne das Gedächtnis. Wir nutzen das deklarative, bewusste Gedächtnis. In einem gewissen Grade ist der Hippocampus immer mit dabei, der Hippocampus ist eine Art Vermittlungszentrale, ein Archivar, der weiß, wo die Informationen gespeichert sind oder eingespeichert werden sollen. Wenn wir beim Problemlösen auf eine neue Lösung kommen, dann spielt der Hippocampus eine Rolle, da er beim Lernen immer mitwirkt und die neue Information mit abspeichert. Interessanterweise scheint dieser „normale“ Einspeicherungsweg via Hippocampus übergangen zu werden, wenn wir Problemlösungen durch eine plötzliche Erkenntnis, also ein „Aha!-Erlebnis“, lösen.

Für manche Menschen ist die Prüfungszeit eine Qual, Sorgen und Ängste begleiten das Lernen. Welche Rolle spielt Freude beim Lernen? Wie kann es gelingen, Probleme beim Lernen mit Freude zu bewältigen? Haben Sie da einen Tipp für Studentinnen und Studenten?

Ich weiß nicht, ob ich die Frage beantworten kann. Denn Freude beim Lernen hängt sehr stark von der Persönlichkeit ab. Bei manchen Menschen ist das Bedürfnis, Nachdenken und Rätseln zu wollen, stärker ausgeprägt und sie beschäftigen sich gerne mit schwierigen Problemen („need for cognition“). Generell ist die Freude beim Lernen wichtig. Wenn wir uns freuen, wird der Botenstoff Dopamin im Gehirn ausgeschüttet, der uns dabei hilft, Informationen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Auch wenn der Problemlöseprozess noch so frustrierend ist: Wenn wir es schaffen, auf die Lösung zu kommen oder wenn wir nach einem schwierigen Problemlöseprozess die Lösung gezeigt bekommen und sie dann nachvollziehen können, dann ist das Lernen sehr viel effektiver, als wenn wir die Lösung von vorherein einfach nachgeschaut hätten.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-14274 Wed, 10 Jan 2018 15:26:31 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung und Service und Nachhaltigkeitspreis https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/ausgezeichne/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet den Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt, den Kulturwissenschaftler Jochen Bonz und den Entwicklungspsychologen Professor Werner Greve sowie den Hausmeister Gisbert Werth für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und Service aus. Die Preise sind mit jeweils 3000 Euro dotiert. Zudem wird erstmals der Nachhaltigkeitspreis des Green Office an die Studentin Julia Horn verliehen. Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich gab im Rahmen des Neujahrsempfangs aktuelle Zahlen bekannt: 86 Professorinnen und Professoren, 437 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie  250 Personen in Technik und Verwaltung sind derzeit an der Stiftungsuniversität Hildesheim tätig. 8403 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim.

Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

Preis für hervorragende Forschung:
Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Ralf Knackstedt

Die Universität Hildesheim zeichnet Prof. Dr. Ralf Knackstedt für seine hervorragende Forschung aus. Seit 2011 forscht und lehrt der Wirtschaftsinformatiker am Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik und hat dort seitdem die Abteilung „Informationssysteme und Unternehmensmodellierung“ aufgebaut.  Habilitiert hat er 2010 an der Universität Münster, an der er 2004 auch promoviert wurde. Ralf Knackstedt ist Experte für die Geschäftsprozessmanagement, Produktions- und Dienstleistungssysteme und Informationssystemmodellierung.

„Der Preis wird ihm für eine Vielzahl von Projekten, die er leitet und koordiniert, verliehen“, so Vizepräsidentin Prof. Dr. Meike Baader in ihrer Laudatio. Die Forschung von Ralf Knackstedt sei geprägt von einer „großen Vielfalt und Breite von Forschungsthemen“, einer „Vielzahl von Förderern“ sowie „einer großen Anzahl von wissenschaftlichen Kooperationspartner und Kooperationspartnerinnen“.  Zu den Förderern gehören unter anderem das Bundesforschungsministerium, das Wissenschaftsministerium des Landes Niedersachsen und die Robert Bosch Stiftung. „Prof. Dr. Ralf Knackstedt ist mit seinen Themen inter- und transdisziplinär unterwegs und offensichtlich hervorragend vernetzt“, so Baader.

Aktuell arbeitet Ralf Knackstedt im Forschungsprojekt „Rez@Kultur“ mit Kollegen und Kolleginnen aus der Literaturwissenschaft, dem literarischen Schreiben, der Kulturpolitik, den Informationswissenschaften und der Sprachtechnologie zusammen. Das interdisziplinäre Team erforscht die Digitalisierung kultureller Rezensionsprozesse. Im Innovationsverbund „SmartHybrid“ erforscht der Wirtschaftsinformatiker mit sechs niedersächsischen Forschungseinrichtungen aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen neue digitale Dienstleistungen für Unternehmen in Niedersachsen. Im Projekt „InDeko.Navi“ geht es um betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel.

Im Forschungsprojekt „BeSt F:IT“ wendet sich der Wirtschaftsinformatiker an Mädchen und junge Frauen mit einer interaktiven Online-Plattform zur Berufs- und Studienorientierung. Das Ziel ist es, Schülerinnen  über regionale IT-Ausbildungsberufe und IT-Studiengänge aufzuklären und für IT zu begeistern. Denn zahlreiche Studien zeigen, dass das Interesse dieser Zielgruppe für IT im Alter zwischen 15 und 18 Jahren signifikant abnimmt. Das „BeSt F:IT“-Konzept soll auch in anderen Regionen angewendet werden. „Damit hat Ralf Knackstedt auch Fragen von Bildungsentscheidungen und Bildungseinrichtungen im Blick“, so Vizepräsidentin Baader. Eine seiner neuesten Publikationen, gerade im Druck, thematisiert „Business Process Management in German Institutions of Higher Education“ (2018).

Preis für hervorragende Lehre:
Kulturwissenschaftler Dr. Jochen Bonz und Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Werner Greve

Für den Preis für hervorragende Lehre im Studienjahr 2016/17 wurden insgesamt 92 Vorschläge eingereicht, wodurch  Studentinnen und Studenten insgesamt 50 Lehrende für den Preis nominierten. „Es ist erfreulich, dass so viele Studierende bereit sind, ihren Dozent*innen hervorragende Lehre durch deren Nominierung sowie eine anschauliche Begründung ihres Vorschlages zu bescheinigen“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander. Die Preis-Jury – bestehend aus zwei Studierenden und zwei Studiendekan*innen aller vier Fachbereiche – hat entschieden, den Preis an zwei Lehrende zu vergeben: Der Preis geht an Dr. habil. Jochen Bonz sowie Prof. Dr. Werner Greve.

Dr. Jochen Bonz lehrt und forscht am Institut für Theater, Medien und Populäre Kultur auf dem Kulturcampus. Der habilitierte wissenschaftliche Mitarbeiter wird für seine hervorragende Lehre in den Seminaren „Kulturwissenschaft im Spannungsfeld von ästhetischem und ethnologischem Kulturverständnis“, „Sound Studies: Zur inszenatorischen Qualität des Sounds in Pop, Kunst, Film und Alltagskultur“ sowie „Fans und andere Formen populärer Begeisterung“ ausgezeichnet.

Seine Studierenden begründen die Auszeichnung wie folgt:

  • „Dr. Jochen Bonz hat es in seiner Lehrveranstaltung geschafft, trotz der immensen Kursgröße auf die individuellen Lernbedürfnisse der Seminarteilnehmer*innen einzugehen. Kritische Fragen zu den im Seminar behandelten Texten griff er als Impulse auf und stellte sie zur Diskussion. Zentral in seiner Arbeit war die Aufforderung an die Studierenden, mit den Texten als Material zu arbeiten, im Sinne des Textes zu argumentieren und gerade dadurch auch fähig zu werden, ihre Ansätze womöglich zu kritisieren.“
  • „Das Seminar zu Sound Studies war ein optimales Beispiel, guter universitärer Lehre. In einer Kleingruppe – circa 10 Studierende – gab uns Jochen Bonz jede Sitzung die Möglichkeit, sowohl anhand von wissenschaftlicher Fachliteratur als auch frei zu diskutieren und kritisch über die praktischen Gegenstände nachzudenken. […] Es ergab sich ein freier Austausch zwischen den Studierenden und Jochen Bonz fungierte als eine Art Mediator – mal im Hintergrund, wenn nötig aber auch fokussiert im Vordergrund. So konnte er die teils eher praktischen Diskussionen mit tiefgehendem fachlichen Wissen anreichern und dadurch eine hohe Lehr- und Lernqualität erreichen. Doch alle fachlichen und didaktischen Kompetenzen nützen nichts, wenn der Dozent als sozialer Mensch versagt. Jochen Bonz arbeitet auf Augenhöhe mit den Studierenden, hilft und berät wo er kann und vermittelt (trotz der großen Nähe) eine Autorität, die man sehr gerne respektiert. Ich freue mich auf das nächste Seminar mit ihm!“

Jochen Bonz arbeitet seit Oktober 2016 auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim. Nach der Promotion 2003 an der Universität Bremen folgte 2011 die Habilitation an der Universität Bremen mit der Studie „Vom ‚Text‘ zur ‚Atmosphäre‘: Eine kulturtheoretische Studie an der Gegenwart“.

Seit 2001 forscht und lehrt der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Werner Greve am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. In Forschung und Lehre befasst sich Werner Greve mit der Erklärung von Handlungen und der Bewältigung von Problemen. Für seine hervorragende Lehre in den Vorlesungen „Einführung in die Psychologie“ und „Einführung in die Entwicklungspsychologie“ wird Werner Greve nun geehrt, seine Studierenden begründen die Auszeichnung wie folgt:

  • „Herr Greve ist ein sehr aufgeschlossener Mensch. Er kann super erklären, egal welche Vorlesung meine Kommilitonen und ich bei ihm hatten, wir sind immer mitgekommen und haben alles verstanden. Die Lernanforderungen sind gut dosiert, er bewertet fair und lässt niemals schlechte Laune an jemandem aus.“
  • „Seine Folien sind nie zu voll und er erklärt auch diese einzeln, nicht zu langsam und nicht zu schnell. Auf seine Vorlesungen hat man sich immer gefreut, sogar wenn sie um acht Uhr morgens waren. Seine immer gute Laune ist ansteckend. Bei Professor Greve lernt man gerne und schnell.“
  • „Der Dozent regt mit seinen Inhalten jeden Studenten zum Nachdenken an. Er benutzt in seinen Vorlesungen so passende Beispiele, sodass man jeden Tag an seine Worte und die dahinterstehenden Theorien denken muss. Er regt außerdem sehr stark zum weiter recherchieren an!“
  • „Herr Greve lehrt Menschen, selbstständig nachzudenken. Er zeigt auf, dass es keine Theorie gibt, die perfekt und fehlerfrei ist – dass es eine solche aber auch nicht geben muss, solange man sich möglicher Schwächen einer Annahme bewusst ist.“

Werner Greve war zuvor von 1994 bis 2003 Stellvertretender wissenschaftlicher Direktor und anschließend amtierender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover (KFN), davor Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Trier.

Zu den Arbeitsgebieten des Professors für Psychologie gehören die Entwicklungspsychologie der Lebensspanne, Rechts- und Kriminalpsychologie und Theoretische Psychologie. Werner Greve befasst sich in Lehre und Forschung mit der Frage, wie wir belastende Erfahrungen, kritische Lebensereignisse und Entwicklungsprobleme bewältigen.

Preis für hervorragende Serviceleistungen:
Gisbert Werth

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die sich in ganz besonderem Maße für die Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben.

Der diesjährige Preisträger ist Gisbert Werth. „Als ich Sie vor Weihnachten zuhause anrief, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihnen der Servicepreis verliehen wird, haben Sie so reagiert, wie ich es nicht anders erwartet hatte – und wodurch ich in der Preisentscheidung bestärkt wurde. ‚Wie ich?‘ war Ihre ungläubige Reaktion“, so der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing in seiner Laudatio.

Seit seinem Start an der Universität Hildesheim im April 2012, zunächst als Vertretungskraft im Hausdienst und dann seit Januar 2013 als fester Mitarbeiter, setzt sich Gisbert Werth mit „großer Freude und Tatkraft“ für die Universität ein.

Seit 2016 ist er als Mitarbeiter des Hausdiensts auf dem Kulturcampus verantwortlich für die kleinen und großen Sorgen. „Zuletzt hat sich Ihre Tatkraft in außergewöhnlicher Weise beim Hochwassereinsatz auf der Domäne im Juli letzten Jahres gezeigt. Während dieser Zeit waren Sie rund um die Uhr einschließlich Samstags und Sonntags vor Ort und haben für Ihren Kulturcampus gekämpft – Sie waren Dammbauer, Aktenretter, Ansprechpartner, Wegweiser, Organisator und wohl auch Tröster“, sagt Matthias Kreysing.

Green Office verleiht erstmals Nachhaltigkeitspreis

Das Green Office der Universität Hildesheim vergibt erstmals den Nachhaltigkeitspreis und zeichnet studentische Abschlussarbeiten aus.

Erstmals werden Studierende der Universität Hildesheim mit einem Preis für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Der Preis wurde im Rahmen des Neujahrsempfangs an Julia Horn verliehen. Die Lehramtsstudentin wird für ihre Bachelorarbeit „Nachhaltiger Tourismus aus Sicht deutscher Pauschalreiseveranstalter“ ausgezeichnet. Darin untersucht sie im Rahmen einer Interviewstudie die Einstellung zu und Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien durch Anbieter von Pauschalreisen, die über ihr Angebot jedes Jahr Millionen deutscher Urlauber erreichen. Die erfolgreiche Abschlussarbeit wurde am Institut für Geographie wissenschaftlich betreut durch Dr. Sabine Panzer-Krause, die sich in Forschung und Lehre auf die Humangeographie spezialisiert hat und sich mit Fragestellungen zu Nachhaltigkeitstransformationen im regionalen und globalen Kontext beschäftigt.

Das Green Office zeichnet Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim aus, die sich in ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit nachhaltiger Entwicklung befassen und will damit einen Beitrag leisten, Nachhaltigkeit in den Forschungsfokus gerade des wissenschaftlichen Nachwuchses zu bringen. Bewerben konnten sich Studierende und Absolventinnen und Absolventen aller Fachbereiche, die ihre Abschlussarbeit im Wintersemester 2016/17 oder Sommersemester 2017 an der Universität Hildesheim eingereicht haben. Ausgezeichnet werden Abschlussarbeiten, deren Forschungsgegenstand sich in den Themenfeldern der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen bewegt. Dotiert ist der Preis mit 500 Euro. Der Preis wird einmal im Jahr verliehen. Der Auswahlkommission für den Nachhaltigkeitspreis gehören die Koordinatorinnen des Green Office, die Forschungsgruppe Nachhaltigkeit und Bildung sowie die AStA-Referentin für Umwelt und Nachhaltigkeit an.

Für den Nachhaltigkeitspreis wurden acht studentische Bachelor- und Masterarbeiten aus den Fachgebieten Mathematik, Chemie, Geographie, Psychologie, Sozialwissenschaften, Grundschuldidaktik und Kulturpolitik eingereicht. Inhaltlich setzen sich die Studentinnen und Studenten unter anderem mit inklusiver und gerechter Bildung, mit nachhaltigem Wirtschaftswachstum und Konsum, mit lebenslangem Lernen sowie Ressourcen- und Biodiversitätsschutz auseinander.

„Uns hat dabei positiv überrascht, wie vielfältig, kreativ und ambitioniert durch den wissenschaftlichen Nachwuchs dringende Probleme unserer Zeit angegangen werden. Als der Preis ausgeschrieben wurde haben wir nicht damit gerechnet, bereits im ersten Jahr so viele beeindruckende und hochwertige Einreichungen aus der gesamten Universität zu bekommen. Wir sind zuversichtlich, mit dem Preis einen Anstoß zu geben damit in Zukunft noch mehr Arbeiten in diesem Feld geschrieben werden.“, sagt Dr. Torsten Richter vom Institut für Biologie und Chemie der Universität Hildesheim.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Psychologie Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Fachbereich 3 Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Informationssysteme und Unternehmensmodellierung Geographie Green Office
news-8415 Mon, 08 Jan 2018 11:01:00 +0100 Barrierefreie Kommunikation: „Die ganze Theaterbühne ist eine einzige Projektionsfläche“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-die-ganze-theaterbuehne-ist-eine-einzige-projektionsflaeche/ Ein Team um Professorin Nathalie Mälzer entwickelt Übertitel für Theaterstücke. Im Medientextlabor der Universität Hildesheim produzieren Hildesheimer Studentinnen und Studenten Texte für den Bühnenraum. Derzeit sind sie an der Entstehung der Inszenierung des Stückes „Mädchen wie die“ am Schauspielhaus Hannover beteiligt. Im Januar 2018 ist die Premiere des Theaterstücks für hörbeeinträchtigtes und hörendes Publikum. In Deutschland gibt es zwar einige Theater- und Opernhäuser, die bei fremdsprachlichen Inszenierungen Übertitel in anderen Sprachen anbieten. Oben über der Bühne befindet sich dann oft eine dezente LED-Leiste, über die Texte dargestellt werden. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft findet man so gut wie keine Übertitel für Hörgeschädigte oder Gehörlose, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Die Professorin für Übersetzungswissenschaft entwickelte bereits in der Vergangenheit mit Studentinnen und Studenten und Kooperationspartnern Übertitel für Theaterstücke, die sich an Gehörlose, Schwerhörige und Hörende richten.

Neben Gebärdensprache und Lautsprache kommt auf der Bühne ein drittes kommunikative Element zum Einsatz: Übertitel. Worte werden im gesamten Bühnenraum projiziert. Wenn eine Schauspielerin schreit, platzieren die Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer das Schriftbild im kompletten Bühnenraum in riesigen Großbuchstaben und umschreiben das Gefühl nicht mit der Formulierung „(schreiend)". Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes.

Professorin Nathalie Mälzer untersucht in Rezeptionsstudien, wie die Übertitel beim hörenden und nicht hörenden Publikum ankommen. Inwiefern stoßen die Hildesheimer Übertitelungskonzepte auch bei einem hörenden Publikum aus Jugendlichen und Erwachsenen auf Akzeptanz, verstehen gehörlose Jugendliche und Erwachsene das Theaterstück besser?

Teil des Bühnenbildes: Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus

Die Ergebnisse der Hildesheimer Forschung sind für Theaterhäuser in Deutschland interessant. So entstand auch der Kontakt zum Schauspielhaus Hannover. Das Theaterhaus entwickelt derzeit in Kooperation mit den Hildesheimer Wissenschaftlerinnen die Inszenierung „Mädchen wie die“ (hier geht's zum Trailer). Die Premiere ist am 12. Januar 2018. Regisseurin ist Wera Mahne. Sie ist freie Regisseurin und arbeitet unter anderem mit dem Performancekollektiv „Klub Kirschrot“. Wera Mahne studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Portugal. In das Bühnenbild werden auch Videos des Videokünstlers Declan Hurley eingebunden. Es gehört zum Konzept der Regie und der Videokunst, den gesamten Bühnenraum zu nutzen, um Worte zu projizieren. Die Inszenierung des Stücks wird gefördert durch Cochlear, die Hannoversche Volksbank, die Stiftung Niedersächsischer Volksbanken und Reiffeisenbanken sowie die Hörregion Hannover. Das Übersetzungsprojekt der Uni Hildesheim wird gefördert von der Stiftung Niedersachsen der der Calenberg-Grubenhagensche Landschaft.

Die Übertitel werden auf der Bühne keine Fremdkörper sein. „Die ganze Theaterbühne ist eine einzige Projektionsfläche, wir nutzen die Wörter und den Bühnenraum, die Übertitel haben bei uns nicht bloß die Funktion, dass die Zuschauer den Inhalt verstehen. Wir binden die Übertitel als ästhetische Elemente in den Theaterraum ein“, sagt die Studentin Hannah Schwarz. Sie studiert im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ und gehört zu dem Projektteam, das die Übertitel entwickelt.

Die Studierenden entwickeln derzeit die Texte, dabei müssen sie kürzen und Prioritäten setzen, da nicht der komplette Stücktext Eins zu Eins wiedergegeben werden kann. Sie begleiten im Dezember und Januar die Probenarbeit in Hannover und erstellen die Übertitel für die Aufführungen. Dabei arbeiten sie auch mit dem Videokünstler Declan Hurley zusammen. Während der Vorstellungen werden die Übertitel live auf den Bühnenraum projiziert. Eine Herausforderung: Das Theaterstück „Mädchen wie die“ hat ein hohes Tempo, es handelt von Cybermobbing und die Texte folgen rasant aufeinander, arbeiten mit vielen Wiederholungen und Kraftausdrücken. „Unsere Übertitel werden zu einem theatralen Element des Bühnenbildes, die Texte füllen den ganzen Bühnenraum aus, unsere Vorgehensweise eignet sich bei diesem Stück besonders gut, da wir mit den Texten zum Beispiel Chatrooms und Cybermobbing darstellen“, sagt Professorin Nathalie Mälzer.

Auch Geräusche und Musik werden als Texte dargestellt

Die Doktorandin Hanna Bock begleitet die Probenarbeit intensiv und untersucht in ihrer Doktorarbeit unter anderem, wie diese Art der Inszenierung und die vermittelte Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Schauspielerinnen die Probenprozesse verändert. Die Doktorarbeit zum Thema „Translatorische und theaterpraktische Aspekte bei der Produktion inklusiver Theaterprojekte“ entsteht derzeit.

Professorin Nathalie Mälzer plant schon die nächste Inszenierung. Gemeinsam mit der Grazer Regisseurin Lina Hölscher möchte die Hildesheimer Wissenschaftlerin Georg Büchners „Woyzeck“ im Jahr 2019 auf die Bühne bringen. Bisher liegen keine Forschungserkenntnisse vor, wie Erstellung von Übertiteln gelingt, wenn bereits existierende Dramentexte inklusiv inszeniert werden.

Kurz erklärt: Was bei der Produktion von Übertiteln beachtet werden muss

Die Hildesheimer Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer richten sich mit ihren Texten an hörende, gehörlose und hörgeschädigte Menschen, sie müssen daher immer die Mehrfachfunktion der Übertitel vor Augen halten. Der Übertitel übersetzt nicht einseitig Lautsprache für hörgeschädigte Menschen, sondern auch Gebärdensprache für hörende Menschen, die nicht gebärden. Außerdem kann der Übertitel auch die Rolle einer Figur übernehmen. Die Übersetzerinnen und Übersetzer müssen sich also zunächst konzeptionell überlegen, wie die schriftliche Dramenvorlage sinnvoll in Lautsprache-Gebärdensprache und Schriftsprache (Übertitel) aufgeteilt werden kann, an welchen Stellen der Übertitel als eigenständige Figur auftritt und wann er als Vermittler zwischen Hörenden und Gehörlosen fungiert. Im Unterschied zu Texten, die durch LED-Leisten laufen, kann der Untertitel überall im Raum und auf die Körper der Schauspielerinnen projiziert werden, Teil von Videoprojektionen werden und ganz unterschiedliche Formen annehmen. Der Übertitel ist spielerisch und kreativ wie Schrift in Comicpanels.

„Wir übersetzen nicht nur interlingual, also ‚von einer Sprache in die andere‘. Wir finden auch Wege, um Geräusche oder Musik in den Übertiteln wiederzugeben“, sagt die Studentin Hannah Schwarz. Es werde auch Momente im Stück geben, in denen gebärdet, aber die Gebärden nicht in Laut- oder Schriftsprache übersetzt werden – jeder, ob hörend, nicht hörend oder schwer hörend, könne in die Situation des „Nicht-Verstehens" kommen, so Schwarz.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Startseite
news-14202 Wed, 15 Nov 2017 16:44:51 +0100 Nach dem Erdbeben in Mexiko: „Danke, dass ihr meinem Land helft“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nach-dem-erdbeben-in-mexiko-danke-dass-ihr-meinem-land-helft/ Mexiko wurde im September von schweren Erdbeben erschüttert. Die Universität Hildesheim arbeitet mit der mexikanischen Universität in Toluca seit 2010 zusammen und unterstützt die Partnerhochschule am Freitag, 17. November, mit einer Benefizveranstaltung. Die Studentin Anastasia Kauz hat das Erdbeben in Mexiko miterlebt. Hier berichtet sie von der Naturkatastrophe und dem Wiederaufbau. Benefizveranstaltung für die Erdbebenopfer in Mexiko

Mexiko wurde im September 2017 von zwei schweren Erdbeben erschüttert, die zahlreiche Todesopfer und erhebliche Sachschäden in mehreren Bundestaaten forderten – auch in der Region der Partneruniversität Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex), nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Die Universität Hildesheim arbeitet mit der Partneruniversität seit 2010 eng zusammen. Mit einer Benefizveranstaltung am Freitag, 17. November 2017 (Programm als PDF) soll der Wiederaufbau in Mexiko unterstützt werden. Die gespendete Summe wird an die Universität UAEMex weitergeleitet, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Studierende der Fakultät für Architektur entwickeln damit Projekte zum Wiederaufbau. Schirmherr der öffentlichen Veranstaltung „Día de Muertos“ ist Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer. María Camacho-Mohr vom Verbindungsbüro der mexikanischen Universität an der Uni Hildesheim wird in einem Impulsvortrag Einblicke in den traditionellen mexikanischen Feiertag „Día de Muertos“ geben, an dem Tag wird den Verstorbenen gedacht. Neben mexikanischen Köstlichkeiten werden die Musiker Manuel Alejandro und Michael Orlovich lateinamerikanische Musik spielen. Außderdem zeigt die Tanzgruppe „Sol México“ traditionelle Tänze Mexikos. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei. Studierende, Lehrende und Bürger, die den Wiederaufbau unterstützen möchten, können sich gerne bei María Camacho-Mohr melden (Telefon 05121 883 92014, E-Mail camachom@uni-hildesheim.de).

Interview mit der Studentin Anastasia Kauz

Anastasia Kauz studiert an der Universität Hildesheim Sozial- und Organisationspädagogik. Derzeit ist sie zum Auslandssemester in Toluca und studiert an der Fakultät für Administration mit dem Schwerpunkt auf "Human Ressources". Die 24-Jährige hat Auslandserfahrungen im Bachelor und im Master gesammelt. Anfang September hat sie erlebt, wie ein Erdbeben Mexiko erschüttert. Gemeinsam mit weiteren Studentinnen hilft die Hildesheimer Studentin beim Wiederaufbau.

Sie studieren derzeit in Mexiko. Wie haben Sie das Erdbeben erlebt? Wie reagiert die Universität?

Anastasia Kauz: Die meisten von uns waren mittags, zu der Uhrzeit als das Erdbeben passierte, Zuhause. Da wir direkt an der Hauptstraße wohnen und man die vorbeifahrenden Busse im Haus merkt und die Vibration spürt, haben wir uns schon beim ersten Erdbeben am 8. September gefragt, was für ein Schwertransporter diesmal vor unserem Fenster fährt. Dieses Mal haben wir etwas schneller verstanden, was da gerade passiert. Wir riefen alle unsere Mitbewohner aus ihren Zimmern und versammelten uns, wie all unsere Nachbarn, mitten auf der Hauptstraße und warteten. Die Universität evakuierte alle Gebäude und entließ ihre Studentinnen und Studenten bis zum Ende der Woche nach Hause. In Toluca direkt ist kein Erdbeben ausgebrochen, im Bundesstaat Chiapas und in der Stadt Puebla (19. September) waren die Epizentren.

Sie studieren fern von zu Hause. Rückt man, obwohl man einander nicht kennt - in so einer Notsituation zusammen?

Anastasia Kauz: Wir, meine Mitbewohner und ich kennen uns nach der kurzen Zeit ganz gut. Und jeder war froh den anderen an diesem Tag zu sehen. Ich wohne mit Studierenden aus Argentinien, Kolumbien, Mexiko, Spanien und Deutschland zusammen. Mit dem Rest des Landes ist man schon näher gerückt. In der Universität war in jeder Veranstaltung das Erdbeben ein Thema und wie wir es überstanden haben. Alle zeigten sich sehr fürsorglich jedem gegenüber. Auch wir, alle meine ausländischen Mitbewohner, bekamen eine andere Verbindung zum Land und wollten helfen, wo wir nur konnten. Einige von uns fuhren nach Mexico-City, um dort direkt zu helfen, andere in umliegende Dörfer, wo es noch keine Rettungskräfte gab. Die Mexikaner bedankten sich für unsere Hilfe mit den Worten: „Danke, dass ihr meinem Land helft.“. Ein ehrlicher und rührender Satz.

Wie geht es nun weiter? Läuft das Semester in Toluca, ist es unterbrochen, wie geht es weiter?

Anastasia Kauz: Seit ein paar Tagen ist alles - zumindest in meiner Fakultät wie beim Alten. Andere Fakultäten hat es schwerer erwischt und sie müssen erst darauf warten, bis die Lehre wieder freigegeben werden konnte.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Der Rektor der Universidad Autónoma del Estado de México äußert sich zur Erdbebenhilfe:

"Due to earthquakes of last September 7 and 19 that struck Mexico, our facilities in the main Rectorate Building and campus nearby Mexico City and Tenancingo City were damaged. I would like to express our appreciation on behalf of the Universidad Autónoma del Estado de México, for the noble gesture and solidarious spirit shown by Anastasia Kauz, Meike Margarete Huppatz, Emma Sofie Pruessner and Alina Krebs, who are our guests at UAEM this term. Amidst these adverse events, the students of Hildesheim made donations in kind and volunteered support of the Mexican Red Cross. This spontaneous action is not only a demonstration of the German people kind nature, but also hard proof of the comprehensive education Stiftung Universität Hildesheim provides students ."
Dr. Alfredo Barrera Baca, Universidad Autónoma del Estado de México

Kurz erklärt: Toluca und Hildesheim

Die Stiftung Universität Hildesheim und die Universidad Autónoma del Estado de México (UAEMex) in Toluca kooperieren seit 2010 unter anderem in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation und Übersetzen. Bisher haben etwa 50 Studentinnen und Studenten aus Hildesheim und Toluca an dem Austausch teilgenommen. Außerdem beinhaltet die Zusammenarbeit den Austausch von Dozentinnen und Dozenten sowie gemeinsame Veröffentlichungen, so entstand zum Beispiel ein Sammelband zur Fremdsprachenvermittlung.

Es gibt zahlreiche Kooperationsabkommen zwischen deutschen und mexikanischen Hochschuleinrichtungen. Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und der Universidad Autónoma del Estado de México ist allerdings besonders: das Verbindungsbüro der mexikanischen Universität in Hildesheim ist die erste und einzige ständige Vertretung einer mexikanischen Hochschuleinrichtung in Deutschland.

Studierende und Dozentinnen und Dozenten, die Fragen zum internationalen Austausch haben, können das Team des International Office der Universität Hildesheim kontaktieren. Im Wintersemester 2017/18 studieren sechs Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim in Toluca, erstmals sind neben den Sprach- und Übersetzungswissenschaften auch eine Studentin aus der Psychologie und eine Studentin aus dem Bereich Sozial- und Organisationspädagogik in Toluca. Aus Toluca studieren derzeit sechs Studierende in Hildesheim im Fachbereich Sprach- und Informationswissenschaften sowie in Kulturwissenschaften & Ästhetische Kommunikation.
Die Universitäten wollen die Zusammenarbeit in den Bereichen Kulturwissenschaften, Informatik, Pädagogik und Sozial- und Organisationspädagogik sowie Sprachwissenschaft ausbauen.

Wie die Partnerhochschulen aus Toluca und Hildesheim zusammenarbeiten, lesen Sie hier.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Internationales
news-13933 Mon, 02 Oct 2017 18:12:00 +0200 Sprachlernprojekt in der Berufsschule und Grundschule https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprachlernprojekt-in-der-berufsschule-und-grundschule/ 270 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt der Universität Hildesheim seit 2015 eine wertvolle Zusatzqualifikation aufgebaut, sie begleiten Kinder und Jugendliche beim Erlernen der deutschen Sprache. Die Uni kooperiert dabei mit einer Hildesheimer Berufsschule und Grundschule. Die Klosterkammer Hannover unterstützt das Uni-Projekt. Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim unterstützen im Sprachlernprojekt seit Herbst 2015 Kinder und Jugendliche, die erst seit kurzem in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Zunächst haben die Studierenden täglich in einer Erstaufnahmestelle Deutschkurse für Geflüchtete angeboten. Nach der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung hat sich das Sprachlernprojekt auf zwei Standorte in Hildesheim konzentriert und arbeitet seit Herbst 2016 mit der Grundschule Nord und der Walter-Gropius Berufsschule zusammen, an beiden Schulen hat sich das Projekt sehr gut etabliert, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert.

Für die Schulen sei der zusätzliche Unterricht durch das Projekt sehr wichtig und hilfreich, da der Unterricht in den Sprint- und Sprachlernklassen aufgrund der unterschiedlichen Sprachniveaus und Bildungshintergründe eine große Herausforderung darstelle. Vor allem die Berufsschule steht mit zwölf Sprint- und Sprachlernklassen vor einer großen Aufgabe, sagt Lützel. Mit dem Sprachlernprojekt kann die Universität Hildesheim Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen und zum Teil mit einer Eins-zu-Eins-Betreuung intensiv fördern und so den Anschluss an den Regelunterricht ermöglichen.

An beiden Schulen führen die Studentinnen und Studenten nach dem regulären Unterricht einen Sprachunterricht durch, der den Unterricht in den Sprachlernklassen ergänzt und vertieft. „Dabei können wir – anders als in den Sprachlernklassen selbst – einen sehr intensiven Unterricht gestalten, in dem die Schülerinnen und Schüler individuell betreut werden“, sagt Annette Lützel. In der Berufsschule arbeiten täglich zehn Studierende, auch in der Grundschule unterrichten täglich zehn Studierende. Die Studentinnen und Studenten werden dabei immer von zwei Lehrkräften angeleitet, die auf den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ spezialisiert sind. Nach einer gemeinsamen Einführungsphase zu den jeweiligen Unterrichtsinhalten beginnt die Arbeit in kleinen Gruppen. „Die Jugendlichen können dadurch sehr intensiv lernen und wir können leistungsheterogene Gruppen auch leistungsdifferenzierter unterrichten“, so Lützel.

Neben den für den Unterricht angemeldeten Schülerinnen und Schülern kommen täglich auch viele Jugendliche aus eigener Initiative in den Unterricht, berichtet Annette Lützel. Deren Engagement ist so groß, dass die Universität in den Sommerferien eine Sommerschule an der Uni für die Jugendlichen der Berufsschule angeboten hat.

Bei den Studentinnen und Studenten – viele aus dem Lehramtsbereich – ist das Projekt sehr beliebt, da sie hiermit eine Zusatzqualifikation erwerben, die für die spätere Berufspraxis sehr hilfreich ist und die sonst nicht im Rahmen des Studiums erworben werden kann, so Lützel. „Wir haben deshalb statt der geplanten Zahl von 120 Studierenden für dieses Jahr schon 140 Studierende zugelassen, weitere befinden sich noch auf unserer Warteliste oder haben sich bereits für die ersten beiden Durchgänge 2018 angemeldet.“ Seit Projektbeginn im Oktober 2015 wurden, mit den Durchgängen Januar und April 2017, insgesamt 191 Studierende qualifiziert, bis Ende des Jahres werden es 271 Studierende sein. Das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim ist ein durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördertes Projekt zur Qualifizierung von Studierenden für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Projekt wird finanziell unterstützt von der Klosterkammer Hannover und der Niedersächsischen Lotto-Sport Stifung.

Die Universität bildet mit rund 2600 Studierenden einen Großteil der Grund-, Haupt- und Realschullehrer in Niedersachsen aus.

Wie kann ich im Sprachlernprojekt mitwirken? Hier erfahren Sie mehr!

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Lehrerbildung
news-11230 Wed, 30 Aug 2017 09:58:00 +0200 Nachruf – Gedenken an Dr. Gerard Oppermann https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nachruf-gedenken-an-dr-gerard-oppermann/ Der Hildesheimer Wissenschaftler Dr. Gerard Oppermann, der viele Jahre an der Universität gelehrt und die Entwicklung der Hochschule geprägt hat, ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Von 1967 bis 2000 lehrte und forschte der hochengagierte Literaturwissenschaftler in Hildesheim. Gerard Oppermann hat zum Beispiel die legendäre Literaturringvorlesung mit ins Leben gerufen. Dr. Gerard Oppermann wirkte mehr als drei Jahrzehnte an der Universität Hildesheim und hat den Wissenschaftsstandort Hildesheim mit seiner Arbeit in Forschung und Lehre geprägt.

Die Universität behält Gerard Oppermann als hochengagierten, tatkräftigen und dabei sehr sensiblen Kollegen in dankbarer Erinnerung. „Er hat die Entwicklung unserer Universität erfolgreich mitgestaltet, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem Kollegen Hans-Herbert Wintgens und die legendäre Ringvorlesung“, sagt Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für deutsche Sprache und Literatur und viele Generationen von Studentinnen und Studenten haben dem Literaturkenner und engagierten Lehrer viel zu verdanken.

Professorin Hildegard Gornik schreibt:

Jeden Montag im Wintersemester bewegen sich Ströme von Hildesheimern jeden Alters Richtung Audimax. Der Anlass: die Literaturringvorlesung der Universität. Ins Leben gerufen wurde sie 1996 von Hans-Herbert Wintgens und Gerard Oppermann. Sie haben sie bis 2006 gestaltet: durch eigene Vorträge, durch Vortragseinladungen an Kolleginnen und Kollegen. Stets waren die Vorträge im Anschluss Diskussionsgegenstand. Noch im Audimax, im Campus-Lokal und außerhalb der Universität. Vielen werden die Vorträge von Dr. Oppermann besonders im Gedächtnis sein: Vorträge zum Beispiel über Patrick Süskinds „Parfüm“, über Paul Celan, über Wilhelm Busch und vor allem über seinen geliebten Fontane. Die Frage, wie Literatur einem interessierten großen Publikum vermittelt werden kann, hat ihn besonders bewegt und umgetrieben. In den langen Jahren seiner Tätigkeit als akademischer Direktor am Institut für deutsche Sprache und Literatur war er seinen Studierenden ein hingebungsvoller Lehrer. Nun ist Dr. Oppermann nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Das Institut für deutsche Sprache und Literatur verliert mit ihm einen scharfsinnigen Literaturkenner und sensiblen Gesprächspartner, einen unvergleichlichen Kollegen und Freund.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-13783 Mon, 28 Aug 2017 09:46:00 +0200 „Literatur findet mitten im Leben statt“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/literatur-findet-mitten-im-leben-statt/ Aus der Forschung: Wie verhält sich ein literarischer Text zu seiner zeitlichen Umgebung – reaktiviert er Wissen aus der Vergangenheit, speichert er Gegenwart, grenzt er sich ab? Im Interview spricht die Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare über ihre Doktorarbeit, die Beziehung zwischen Politik und Literatur und die Recherche in Archiven. Außerdem gibt sie Einblicke in ihre Habilitation, in der sie das gemeinsame autobiographische Schreiben im 19. Jahrhundert untersucht. Jennifer Clare lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur. An der Universität in Hildesheim hat die Literaturwissenschaftlerin bei Professor Toni Tholen promoviert und arbeitet derzeit an ihrer Habilitation.

Im Moment schaut sich die 31-Jährige deutsch- und englischsprachige Texte aus dem 19. Jahrhundert an und untersucht, wie hier literarische Zusammenarbeit funktioniert, also die Arbeit von mehr als einer schreibenden Person an einem Text. Jennifer Clare hat sich für die Wissenschaft entschieden und schätzt dabei besonders die Diskussionen mit Studentinnen und Studenten in Lehrveranstaltungen.

Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare

Wie heißt Ihre Doktorarbeit?

Meine Doktorarbeit trägt den Titel „Protexte. Interaktionen von literarischen Schreibprozessen und politischer Opposition um 1968“.

Was untersuchen Sie in der Forschung?

Ich habe in der Doktorarbeit literarisches Schreiben um 1968 untersucht: Welche Vorstellungen gibt es in dieser Zeit vom Schreiben und von sich selbst als schreibender Person? Wie werden Schreibende gesehen, mit welchen Erwartungen, Zuschreibungen, aber auch Vorwürfen werden sie konfrontiert? Wie sieht die oft benannte „Politisierung der Literatur“ genau aus, das heißt wie greifen Politik und Literatur ineinander, was bezieht die Literatur aus der Politik, aber auch die politische Oppositionskultur aus neuen Schreibverfahren? Wie mischt sich das Schreiben in diesem Zusammenhang mit anderen medialen und sprachlichen Formaten – mit dem, was zeitgleich zum Beispiel in Popmusik, Film oder Flugblättern passiert? Und, nicht zuletzt: Was macht all das mit den entstehenden literarischen Texten, ihrer Form, ihrer Ästhetik?

Wie sieht denn die „Politisierung der Literatur“ aus, wie greifen Politik und Literatur ineinander? Was haben Sie in Ihrer Doktorarbeit herausgefunden?

Wenn man „Politisierung der Literatur“ hört, denkt man vielleicht zuerst an das Naheliegende: Ein Text handelt entweder von politischen Themen oder er fungiert als politisches Instrument – zum Beispiel, indem er zum Widerstand aufruft, über einen gesellschaftlichen Missstand aufklärt oder einer unterdrückten Personengruppe eine öffentliche Stimme verleiht. Solche Texte gibt es um 1968 recht viele, aber die „Politisierung der Literatur“ beschränkt sich nicht darauf. Zum Beispiel konnte ich an Texten von Rolf Dieter Brinkmann zeigen, dass er, obwohl er die politische Instrumentalisierung von Literatur strikt ablehnt und Politik auch wenig explizit thematisiert, trotzdem „politisiert“ im Sinne der „68er“ schreibt: In seinen Texten geht es vor allem darum, sprachlich radikal zu sein, sich gegen literarische Autoritäten zu positionieren, formale und stilistische Hierarchien zu überwinden, als bürgerlich empfundene Räume zu verlassen (in seinem Fall zum Beispiel den Schreibtisch), auf sprachlicher Ebene Macht und sogar Gewalt auszuüben, Auslöschung zu betreiben. Alle diese Elemente und Ideen haben ihre Pendants in der politischen Szene um 1968 –  ohne dass diese Bezüge geplant oder auch nur zeitgenössisch hergestellt wurden. Das ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass Literatur und soziale Umgebung immer wechselseitig und nicht immer berechenbar interagieren.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst kamen?

Es ist ungeheuer interessant und wichtig, diesen Zeitraum mit zeitlichem Abstand und mit aktueller fachwissenschaftlicher Methodik neu anzuschauen. Seine kulturellen Produkte haben Vieles und teilweise sehr Differenziertes zu sagen über eine leider oft einseitig und klischeehaft interpretierte Zeit und ihr sehr spezielles literarisches Schreiben.

Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist Ihre Forschung wichtig?

1968 gilt bis heute als wichtige Schaltstelle der jüngeren deutschen Geschichte; Personen und Institutionen der medialen Öffentlichkeit berufen sich – positiv wie negativ – darauf. Meine Arbeit über literarische Texte aus dieser Zeit sagt viel über zeitspezifische Lebenssituationen, Konflikte, Faszinationen und Ängste. Denn ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin ist immer auch zugleich ein schreibender Mensch in einer bestimmten Lebens- und Denkumgebung. Seine oder ihre Texte sind unschätzbare Dokumente nicht nur von Fakten und Aussagen, sondern, viel wichtiger, von Konfliktsituation und Konfliktkonstellation, von Prozessen der Einsicht, des Ausprobierens, des Scheiterns, des Reflektierens. All das ist retrospektiv nur schwer greifbar, aber es ermöglicht den Ansatz eines Verständnisses, warum sich zum Beispiel bestimmte literarische Formen und Formate oder auch bestimmte politische Kommunikationsmuster genau in dieser Zeit genau so entwickelt haben.

Meine Perspektive steht dabei nicht in Konkurrenz zu der der zahlreichen noch lebenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen (denen ich viele Informationen und Materialien verdanke), sondern versucht, eine spezielle literarisch-kulturelle Konstellation aus der Gegenwart und den Texten heraus aufzurollen und reflektierbar zu machen.

Und wie lange dauert Ihre Forschung?

Die allerersten Ideen zu der Arbeit hatte ich im Frühjahr 2010, verteidigt habe ich sie dann im Frühjahr 2015. Mein Arbeitsalltag sah in den fünf Jahren sehr unterschiedlich aus: Am Anfang habe ich sehr viel Zeit in Bibliotheken verbracht, recherchiert, gelesen und notiert. Bei meinem Thema lagen die relevanten Forschungstexte nicht sofort auf der Hand, sodass ich anfangs wirklich alles aus der Zeit, das mir in die Hände kam, angeschaut habe: Ich habe Flugblattsammlungen durchgesehen, Filme geschaut, Musik gehört, mich mit Fotobänden und wichtigen literarischen Institutionen wie zum Beispiel dem „Kursbuch“ beschäftigt. Daraus hat sich allmählich ein Textkorpus herausgeschält.

Die letzten zwei Jahre habe ich hauptsächlich geschrieben. Was ich an der Forschungstätigkeit wirklich mag, ist, dass sie immer wieder produktiv mit anderen Dingen interagiert, die ich tue: Oft habe ich durch den Besuch einer Konferenz oder eine studentische Rückfrage in einer meiner Lehrveranstaltungen – manchmal in völlig anderen thematischen Zusammenhängen! – eine gute Idee für die Arbeit bekommen.

Welche Verantwortung tragen Sie als Wissenschaftlerin?

Als Literaturwissenschaftlerin mache ich in meiner Arbeit Deutungs- und Verständigungsangebote. Oft geht es um nichts Geringeres als das Leben selbst: Wie wir uns selbst verstehen, wie wir in bestimmten Zusammenhängen zusammenleben, wie wir uns zu unserer Vergangenheit, unserer Kultur, unserer Gesellschaft stellen, warum bestimmte Dinge in Alltag, Medien und Kommunikation so sind, wie sie sind – ich glaube, das ist der große Horizont, in dem Literatur etwas zu sagen hat und über Macht verfügt. Meine ganz persönliche Verantwortung ist es, diesen Zusammenhängen nachzuspüren und sie gesellschaftlich zur Diskussion zu bringen. Literatur findet mitten im Leben statt und ist unmittelbar verknüpft mit der sozialen Umgebung, aus der sie hervorgeht. Als Literaturwissenschaftlerin muss ich diese Verknüpfung ernst nehmen und eine Kommunikation darüber herstellen.

Ganz konkret bedeutet das, dass ich mich zum Beispiel bewusst um einen verständlichen, der interessierten Öffentlichkeit zugänglichen Schreibstil bemühe und dass ich mir bei jedem Thema, das ich auswähle – für ein Forschungsprojekt, einen Aufsatz, eine Lehrveranstaltung – genau überlege, worin seine gesellschaftliche Relevanz besteht.

Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den „Doktortitel“ – haben Sie Sorge, wie es nun beruflich weitergeht?

Ich habe mich dafür entschieden, die akademische Karriere weiter zu verfolgen und möchte Professorin werden. Natürlich verfolge ich den Stellenmarkt und weiß um seine Herausforderungen und Schwierigkeiten, aber ich weiß auch, dass ich gute Arbeit mache und werde in diesem Sinne versuchen, meinen Weg zu gehen.

Sie sind seit 2010 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim im Bereich Literaturwissenschaft. Seit 2016 arbeiten Sie an Ihrem Habilitationsprojekt „Zusammen leben, zusammen schreiben. Kollaboration, Geschlechtlichkeit und autobiographisches Schreiben im 19. Jahrhundert".

Ich habe mich gefragt, wie literarische Zusammenarbeit funktioniert – also die Arbeit von mehr als einer schreibenden Person an einem Text. Wer entscheidet da was, wie wird die Schreibarbeit organisiert und aufgeteilt, wovon hängt sie ab? Und was passiert, wenn wir es auch noch mit einem im weiteren Sinne autobiographischen Format (wie einem gemeinsamen Tagebuch, Briefwechsel, Notizbuch) zu tun haben? Wer biographiert dann eigentlich wen?  Und sind es marginale, atypische Einzelfälle oder sind viel mehr Schreibprozesse in Zusammenarbeit abgelaufen als wir es gemeinhin annehmen? Müssen wir auf Basis solcher Fälle Konzepte wie „autobiographisch“ und „Autorschaft“ erweitern? Im Moment schaue ich mir exemplarische deutsch- und englischsprachige Texte im 19. Jahrhundert an. Der Aspekt der Geschlechtlichkeit ist dabei besonders wichtig, weil Männer und Frauen in ihrem Schreiben und ihrer schreibenden Selbstinszenierung stark geschlechtlichen Normen ihrer Zeit unterliegen (oder auch gerade versuchen, diese in der Zusammenarbeit mit dem anderen Geschlecht zu überwinden).

Sie haben in Gastseminaren an der Sun Yat-Sen University, Guangzhou, der Universität Zürich und der Universität Warschau unterrichtet, waren zum dreimonatigen Forschungsaufenthalt als „Junior Visiting Fellow“ an der University of London. Was lernen Sie in solchen internationalen Begegnungen, wie profitiert die Forschung aus solchen internationalen Kontakten?

Meine Lehrveranstaltungen im Ausland waren sehr unterschiedlich, was zum Beispiel das literaturwissenschaftliche Vorwissen, die Sprachkenntnisse, die Gruppengröße, die thematischen Interessen und die Bildungssozialisation der Studierenden betrifft. Es macht unglaublich Spaß, sich darauf einzustellen, sich auf andere Institutionen und Lernkulturen einzulassen und darin auch die eigene Lehrpraxis in Deutschland immer wieder neu zu denken. Das Fellowship in London war wiederum eine wichtige Erfahrung dahingehend, wie anders Forschung und akademische Zusammenarbeit an einer sehr großen Universität organisiert sind. Außerdem habe ich hier Zugang zu sehr großen Literaturbeständen bekommen, zum Beispiel der British Library und der Senate House Library. Am wichtigsten war und ist mir aber in allen Fällen die persönliche Vernetzung. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen arbeite ich immer noch intensiv zusammen.

In Ihrer Forschung befassen Sie sich auch mit dem Thema „Literatur und Gedächtnis“. Worum geht es da, welche Frage ist noch offen?

Dieses Thema ist mir sehr früh begegnet, als ich mich in meiner Diplomarbeit mit der Darstellung der Roten Armee Fraktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur beschäftigt habe. Ich habe damals gezeigt, wie die verschiedenen Texte in ganz unterschiedlicher Weise vom Umgang mit Erinnerungen geprägt sind: Wird die Vergangenheit als gegenwärtig oder in Retrospektive aufgerufen? Welche Elemente werden in der Literatur wieder aufgerufen und stark gemacht, welche werden vergessen? Wie gehen Autorinnen und Autoren mit einem Thema um, das in der kollektiven Erinnerung sehr stark von einem sehr limitierten Haushalt von Bildern – Fahndungsplakate, Brandstiftungsprozesse, Verhaftungsfotos, Entführungsopfer – und medialen Erzählfragmenten geprägt ist? Kann man eigentlich noch auf „die RAF“ zugreifen oder nur auf eine bereits recht lange und intensive Geschichte der Erinnerung in Medien, öffentlichen Debatten und früheren literarischen Texten?

Offen ist eigentlich bei jedem neuen literarischen Text die Frage, wie er sich zu seiner zeitlichen Umgebung verhält – reaktiviert er Wissensbestände aus der Vergangenheit, speichert er Gegenwart, grenzt er sich ab, nimmt er eine bestimmte Perspektive des Vergangenheitsbezugs ein? Das sind Fragen, die mich auch in den Folgeprojekten begleitet haben.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Dr. Jennifer Clare, 31, geboren in Bochum, Titel der Dissertation „Protexte. Interaktionen von literarischen Schreibprozessen und politischer Opposition um 1968“, betreut durch Prof. Dr. Toni Tholen vom Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Die Literaturwissenschaftlerin arbeitet an der Universität in Hildesheim an ihrem Habilitationsprojekt zum Thema „Zusammen leben, zusammen schreiben. Kollaboration, Geschlechtlichkeit und autobiographisches Schreiben im 19. Jahrhundert“ (Arbeitstitel).

Einblicke in Forschung

Das Interview mit Dr. Jennifer Clare ist Teil einer fortlaufenden Serie über Doktorandinnen und Doktoranden an der Universität Hildesheim. Wer Einblicke in seine Arbeit, Forschungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse geben möchte, kann sich gerne in der Pressestelle bei Isa Lange melden (presse(at)uni-hildesheim.de).

So gibt zum Beispiel die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Wiebke Hiemesch Einblicke in ihre Dissertation. Im Interview spricht der Zahlentheoretiker Jan-Hendrik de Wiljes über seine Forschung.

Dr. Wiebke Hiemesch: Das Erinnern wachhalten

Dr. Jan-Hendrik de Wiljes: Über maximale Mengen

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Startseite Forschung
news-13656 Sat, 12 Aug 2017 10:44:00 +0200 Dämmung, Isolierung, Isolation: Terminologische Variation erforschen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/daemmung-isolierung-isolation-terminologische-variation-erforschen/ Um Erkenntnisse aus der Forschung zu teilen, kamen Fachexperten aus Frankreich, Belgien, Österreich und Deutschland am Bühler-Campus zusammen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen aus den Bereichen Computerlinguistik, Übersetzungswissenschaft und Lexikografie. Am Sprachencampus arbeitet Laura Giaomini derzeit an ihrer Habilitation, mit dem Computerlinguisten Professor Ulrich Heid hat sie eine internationale Tagung organisiert. Ende Juli hat das Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim Fachexperten aus dem europäischen Ausland zum Austausch nach Hildesheim eingeladen  („TermVar Workshop on terminological variation“). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankreich, Belgien, Österreich und Deutschland haben über die terminologische Variation aus der Perspektive der Terminologie, Fachlexikografie, Computerlinguistik und Übersetzungswissenschaft diskutiert.  Vor einem internationalen Publikum von Fachübersetzern und Terminologen aus Universitäten und der Industrie wurden zahlreiche Fragen diskutiert. Dabei setzten sich die Fachexperten mit dem Begriff „Terminologische Variation“ in Sprachwissenschaft und Terminologie auseinander, diskutierten computationelle Ansätze zur Identifizierung terminologischer Varianten in Texten und Bedürfnisse von Übersetzern und technischen Redakteuren im Hinblick auf die terminologische Variation.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rücken die sprachlichen Variationen in den Fokus ihrer Forschung, ein Beispiel:

Linguistic variation is normal in general language

Linguistic variation is normal in general language: examples of variant expressions are synonyms, paraphrases or syntactically different alternative ways to express a given concept. Though expressing typically "the same ideas", variants often belong to different registers, regional varieties, sociolects etc., which is why sociolinguistics has traditionally dealt with this concept, focusing on general language. Regional varieties have been the topic of study in many pluricentric languages: for German, the 'Variantenwörterbuch des Deutschen: die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol' by Ammon et al. (2004) is a typical example of a dictionary of regional varieties.

It was probably the quite recent emergence of corpus-based terminology work, as well as the systematic and comparative analysis of specialized texts which triggered a new wave of interest in terminological variation in the research community: together with the recognition of a need for a more descriptive (and possibly thus less prescriptive) approach to specicalized communication and terminology, many researchers got aware of the existence of a broad range of variation phenomena in specialized languages; hereafter, we note just some examples:

  • variation induced by differences in domain knowledge and specialized language knowledge in communication partners: expert communication vs. communication with or among lay persons;
  • variation induced by the layering of specialized languages: workshop language vs. scientific language vs. marketing speak, etc.
  • variation induced by secondary term formation;
  • regional variation;
  • corporate language and the interest in companies to coin terminological variants in order to have "own" denominations of certain concepts.

Terminology: "Fahrtrichtungswechselanzeiger" vs. "Blinker"

What is the exact relationship with synonymy: are variants 'exact synonyms' or 'quasi-synonyms'? To what extent can a more flexible approach to synonymy be useful for the specification of variation phenomena? While e.g. DE 'Renovierung' and DE 'Renovation' can be seen as full synonyms (although with a diatopic difference, the latter being typical of Swiss German), morphologically or syntactically related variants may rather fall under a notion of quasi-synonymy, cf. DE 'Holzfaserdämmplatten' vs. 'Holzfaserplatten zur Dämmung' (where the latter items makes a purpose relation explicit which is implicit in the compound).

What is the relation between variation and diasystematic marking: are all variants somehow 'marked', e.g. for register, region, level of formality, etc.? The above example of DE/CH 'Renovation' illustrates diatopic markedness, while e.g. the couple of DE 'Fahrtrichtungswechselanzeiger' (standard automotive terminology) vs. DE 'Blinker' (lay people's term) shows the layering of specialized languages with respect to the targeted public. We do not believe that all variants are marked with respect to diasystematic properties: most morphologically and syntactically related variants (e.g. EN 'energy production' vs. 'production of energy') are not; what does this mean for the set of phenomena to be described as variants?

Which lexical and grammatical objects are involved into variation? Does it affect only single word terms (DE 'dämmen' vs. DE 'isolieren', '[to] insulate')? Or also multiword terms, collocations, verbs and their argument structure, morphologically related paraphrases? What are criteria at the levels of morphology, syntax, semantics, lexicalization, idiomatization that allow us to delimit the range of phenomena to be covered? In fact, DE 'begehbare Dachbodendämmung' is also found as 'begehbare Dämmung des Dachbodens'; while this couple satisfies most synonymy criteria, this is less clearly so with 'begehbare Dämmung am Dachboden' or 'Dachboden begehbar dämmen'.

Quelle: Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie

„Das Ziel des Workshops, die wissenschaftliche und die Nutzer-Perspektive in der Diskussion um die fachsprachliche Variation miteinander zu verknüpfen, wurde eindeutig erreicht“, freut sich Laura Giacomini über den intensiven fachlichen Austausch während der Hildesheimer Tagung. „Wir haben viel positive Resonanz von den Teilnehmenden und neue Anregungen und Impulse für künftige Forschungsprojekte erhalten.“

Nach ihrer Promotion arbeitet die Wissenschaftlerin derzeit an ihrer Habilitation an der Universität Hildesheim („Morphologically related term variants. A multi-layered database design for the technical domain“). In ihrer Habilitation beschäftigt sich Laura Giacomini mit dem Phänomen der terminologischen Variation in der Fachsprache der Technik und deren Repräsentation in einer terminologischen Datenbank. In ihrer Studie untersucht Giacomini die lexikalischen, text- und fachgebietsbezogenen Merkmale von morphologisch verwandten Varianten in zwei ausgewählten technischen Teilgebieten, nämlich im Gebiet der Wärmedämmprodukte (Bauwesen) und im Gebiet der Halbleiterdioden (Elektrotechnik). In einem weiteren Teil der Arbeit befasst sich Laura Giacomini mit der Datenrepräsentation in einer terminologischen Datenbank und der Datenpräsentation in einem e-Fachwörterbuch.

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Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Pressemeldungen Fachbereich 3
news-13475 Wed, 21 Jun 2017 09:18:05 +0200 Mentoring-Programm: „Ich bin optimal vorbereitet auf das, was kommt“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/mentoring-programm-ich-bin-optimal-vorbereitet-auf-das-was-kommt/ Bis zum 28. Juni 2017 können sich Studentinnen und Absolventinnen für das Mentoring-Programm bewerben. Über neun Monate werden sie von erfahrenen Mentorinnen und Mentoren begleitet. Im Interview sprechen die Studentin Renée Gauer und ihre Mentorin Suzanne Walter über das Mentoring. Studentinnen und Absolventinnen können sich aktuell für das „ProKarriere-Mentoring“ bewerben. Der Bewerbungsschluss ist der 28. Juni 2017, mehr Informationen finden Sie online. Das Mentoringprogramm richtet sich an Studentinnen aller Fachrichtungen der letzten beiden Semester ihres Bachelor-Studiums, an alle Master-Studentinnen und an Absolventinnen.

Das Programm funktioniert so: Über neun Monate wird eine „Mentee“ (Studentin oder Absolventin) am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn von einer berufserfahrenen Person begleitet und gefördert, sagt Dr. Silvia Lange, Projektleiterin und Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hildesheim. Mentorinnen und Mentoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen geben dabei ihre Erfahrungen weiter. Ergänzt wird die Mentoringbeziehung durch ein an den Bedarfen der Mentees ausgerichtetes Begleitprogramm.

Interview mit Renée Gauer und Suzanne Walter

Renée Gauer, studiert im Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ an der Universität Hildesheim. Die 24-Jährige bereitet technische Themen sprachlich so auf, dass sie verständlich sind und kann diese Fähigkeiten zum Beispiel in der Unternehmenskommunikation und bei der Erstellung von Bedienungsanleitungen und Produktleitfäden anwenden. Renée Gauer ist seit neun Monaten Mentee im Mentoring-Programm.

Suzanne Walter, Mentorin im Programm „ProKarriere-Mentoring“. Sie berät Unternehmen im internationalen Personalwesen und unterstützt Unternehmen bei der Suche nach Fach- und Führungskräften. Suzanne Walter hat Betriebswirtschaft studiert und war für das Personalwesen in Europa für ein Unternehmen mit 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tätig.

Was machen Sie im Rahmen des Programms „ProKarriere-Mentoring“?

Renée Gauer: Wir treffen uns einmal im Monat: Wie läuft das Studium? Wie geht es nach dem Studium weiter? Ich bin jetzt am Ende meines Masterstudiums, die Gespräche mit Frau Walter helfen mir sehr. Mit Hilfe von Frau Walter habe ich meinen Wunschplatz gefunden: In einem großen Industrieunternehmen werde ich einen Kommunikationsplan entwickeln. Das passt gut zu meinem Studium im Bereich Sprache und Technik sowie interne Unternehmenskommunikation.

Suzanne Walter: Ich habe schon einmal an dem Programm als Mentorin teilgenommen. Es ist wichtig, dass beide Seiten mitarbeiten, bei uns war es wie „Liebe auf den ersten Blick“. Ich versuche Renée zu unterstützen, etwa in der Frage, wie eigentlich der Bewerbungsprozess verläuft und wie man mit Absagen und Zusagen umgehen kann. Die Bewerbungstrainings, in die man die jungen Leute schickt, sind so standardisiert. Ich kann meine jahrelangen Erfahrungen im internationalen Personalwesen teilen. Und wenn es darum geht, einen Platz zu finden, drücke ich Renée die Daumen.

Wie erleben Sie das Mentoring-Programm, wozu trägt das Mentoring bei?

Renée Gauer: Wenn ich  mit einer Kommilitonin über die Zeit nach dem Studium spreche, ist das ganz anders als die Gespräche, die wir im Mentoring führen. Frau Walter hat langjährige Erfahrungen und sie ist immer ehrlich und direkt und das hilft mir sehr weiter.

Suzanne Walter: Ich habe eine Verantwortung für Renée. Dass das Mentoring so gut funktioniert, liegt auch an dem Engagement der Studentin, die sehr gut mitarbeitet und sich Zeit für das Mentoring nimmt. Wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis.

Hat sich durch das Mentoring in den letzten Monaten etwas verändert?

Renée Gauer: Die klaren und offenen Gespräche haben mir ungemein weitergeholfen. Im Rahmenprogramm habe ich an vielfältigen Workshops teilnehmen können, zum Beispiel sprachen wir mit Frauen aus Industrieunternehmen über ihren Werdegang. Im Workshop zur Karriere- und Lebensplanung haben wir Mentees über die eigenen Stärken und Schwächen nachgedacht. Während der neun Monate im Mentoring wird man im positiven Sinne dazu gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und sich zu entscheiden: Was will ich machen?

Suzanne Walter: Ich lerne auch viel – die Gespräche mit Renée sind sehr erfrischend. Es ist sehr schön zu erleben, wie aufgeschlossen und zuversichtlich die junge Generation ist. Das gibt mir das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind in die Zukunft. Renée hat meine Adresse und kann mich auch nach Ende des Mentorings erreichen – dann können wir weiter darüber sprechen, wie es weitergeht. Ich hoffe, dass es eine Freundschaft bleibt.

Empfehlen Sie das Mentoring-Programm weiter?

Renée Gauer: Auf jeden Fall! Das Mentoring hat mich weitergebracht. Vor allem empfehle ich das Mentoring Studentinnen, die am Ende ihres Studiums sind. Sie haben die Chance, sich neun Monate intensiv mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Ich schreibe jetzt meine Masterarbeit und habe das Gefühl, optimal vorbereitet zu sein auf das, was kommt.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 4 Studierendenportal
news-12762 Tue, 13 Jun 2017 08:11:00 +0200 Mehrsprachigkeit und Vielfalt im Unterricht https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/mehrsprachigkeit-und-vielfalt-im-unterricht/ Internationale Tagung mit Videodokumentation an der Universität Hildesheim: Professorinnen und Professoren unter anderem aus New York und Utrecht sprechen am Bühler-Campus über Mehrsprachigkeit und Vielfalt im Unterricht. Die Vorträge werden auch online zum Nachhören veröffentlicht. Für die „The Multilingualism & Diversity Lectures" laden das Institut für deutsche Sprache und Literatur und das Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie an die Universität Hildesheim ein. Für die Veranstaltung konnten international sehr profilierte Gastredner gewonnen werden, die Mehrsprachigkeit mit Blick auf Bildungszusammenhänge beleuchten. So spricht Professorin Ofelia Garcia von der City University of New York (USA) über „Translanguaging", einem neuen Weg mehrsprachiger Unterrichtskommunikation. Prof. Jan ten Thije von der Universität Utrecht (NL) stellt rezeptive Mehrsprachigkeit in der didaktischen Anwendung vor. Prof. Jeanine Treffers-Daller und Michael Daller von der University of Reading (UK) beschäftigen sich mit dem Erwerb von zwei Sprachen. Über bilinguale Sprecher in Deutschland wird Prof. Harald Clahsen von der Uni Potsdam vortragen.

Die Veranstaltung unter der Leitung von Professorin Elke Montanari und Professor Joachim Griesbaum von der Uni Hildesheim stellt die Sprachenförderung und Sprachenbildung als integrale Bestandteile der Lehramtsausbildung in den Mittelpunkt (Projekt Umbrüche gestalten II). Das Projekt wird vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst Niedersachsen gefördert. Die Vorträge werden aufgezeichnet und online veröffentlicht.

Wann & Wo

Vom 6. bis 9. Juni 2017 finden am Bühler-Campus der Universität Hildesheim (Raum LN 004, Lübecker Str. 1) die lectures statt. Die Veranstaltung ist kostenfrei, interessierte Studierende und Lehrende sind herzlich eingeladen. Die Vorträge werden als Video aufgezeichnet, wer an der Veranstaltung teilnimmt, erklärt sich mit der Videoaufzeichnung und Veröffentlichung einverstanden. Wer nicht dabei sein kann, wird die Vorträge ab Oktober 2017 online abrufen können. Das Team um Professorin Elke Montanari zeichnet alles auf und stellt die Vorträge frei zugänglich für Fortbildungen, wissenschaftliche Lehre und Diskussionen zur Verfügung.

Programm und Speaker

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Zentrum für Bildungsintegration
news-12443 Fri, 12 May 2017 17:44:26 +0200 Mehrsprachigkeit: Sprachliches und literarisches Lehren und Lernen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/mehrsprachigkeit-sprachliches-und-literarisches-lehren-und-lernen/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Bozen und der Universität Hildesheim setzen ihre Zusammenarbeit fort. Sie wollen die gemeinsame Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit ausbauen. „Die Universitäten Hildesheim und Bozen arbeiten in ähnlichen Fachbereichen, wir möchten die Kooperation in der Forschung und im Austausch von Studierenden und Dozentinnen und Dozenten stärken“, sagt Professor Friedrich Lenz. Während einer Tagung am Bühler-Campus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim und der Freien Universität Bozen sich über gemeinsame Forschungskooperationen ausgetauscht. „Die Universitäten Hildesheim und Bozen arbeiten in ähnlichen Fachbereichen und Themen, wir möchten die Kooperation in der Forschung und im Austausch von Studierenden und Dozentinnen und Dozenten stärken“, sagt Professor Friedrich Lenz vom Institut für englische Sprache und Literatur. Im Vorjahr tagten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Bozen. In diesem Jahr steht die Mehrsprachigkeit im Fokus des Symposiums in Hildesheim. Die Tagung steht unter dem Motto „Bilingualität/Multilingualität – Sprachliches und literarisches Lehren und Lernen“ (12. und 13. Mai 2017).

Ein Team um Professorin Elke Montanari stellt Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „MLex – Mehrsprachiger Lexikonerwerb“ vor und zieht didaktische Schlussfolgerungen. Professorin Annemarie Saxalber von der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen spricht über die Sprachförderung in einem mehrsprachigen Bildungskontext. Erste Ergebnisse aus einer Studie über bilinguales Lehren und Lernen stellen die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerinnen Lydia Schmieder und Alina Wegner vor. Wie italienische Kindergärten in Südtirol mit der Sprachenvielfalt umgehen, erläutern Professorin Ulrike Stadler-Altmann und Renata Zanin von der Freien Universität Bozen. Über die Förderung der Zweisprachigkeit referiert Giulia Consalvo.

Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Bianca Strutz und Professorin Irene Pieper sprechen zum Thema „Literarische Metaphorik verstehen lernen: Die Schülerstudie im Projekt LiMet“. Gernot Herzer gibt Einblicke in seine Forschung zur interkulturellen Kompetenz von Studierenden der Freien Universität Bozen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bozen und Hildesheim planen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. So soll beispielsweise der Austausch von Lehrenden und Studierenden  und die gemeinsame Forschung (Forschungskooperationen, Doppelpromotionen) gepflegt werden. 2018 findet das „Kooperative Symposion“ der beiden Universitäten dann  2018 in Bozen/Brixen.

Beispiele aus der Forschung: Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bauen Forschungskooperation mit der Freien Universität Bozen aus

Mehrsprachiger Wortschatz

Mehrsprachigkeit ist ein Thema, das  Südtirol und Niedersachsen verbindet, sagt Professorin Elke Montanari. Welche Chancen und Möglichkeiten bietet das Aufwachsen mit zwei Sprachen? Was bedeutet das für die Schule? Mit diesen Fragen befassen sich Elke Montanari, Lilia Tschudinovski, Anna Salgo, Burcu Gökcay und Tanja Jeschke am Forschungsschwerpunkt Mehrsprachiger Wortschatz an der Universität Hildesheim.

Unter anderem stellen die Wissenschaftlerinnen Daten aus dem jüngsten Projekt am Institut für deutsche Sprache und Literatur unter der Leitung von Professorin Montanari auf der Konferenz vor. In dem Forschungsprojekt, das vom Niedersächsischen Kultusministerium gefördert wird, beschäftigen sich die Sprachwissenschaftlerinnen mit Bildungswegen von jungen Flüchtlingen. So zeigt sich, dass natürlich der Erwerb der deutschen Sprache eine große Schwierigkeit darstellt, dass die untersuchten Jugendlichen aber schon nach einem Jahr in der Lage sind, erste Texte zu verfassen, sagt Montanari. Diese Fragen werden im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten mit Studierenden diskutiert, damit sie sich schon im Studium auf die zukünftigen Herausforderungen im Lehramt vorbereiten können.

Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung

Das Forschungsprojekt „Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung“ (BiLLiE) ist interdisziplinär angelegt. In dem Projekt kooperieren Professorin Kristin Kersten und Alina Wegner vom Institut für englische Sprache und Literatur mit Professor Werner Greve und Lydia Schmieder vom Institut für Psychologie. Das Projekt untersucht die Umsetzung bilingualer Unterrichtsformen aus spracherwerblicher und fachdidaktischer sowie aus entwicklungspsychologischer Perspektive. Dabei steht die Identifizierung möglicher hinderlicher bzw. förderlicher Faktoren bei der Implementierung von bilingualem Unterricht in der Primarstufe im Fokus. Das Projekt geht somit der Frage nach, unter welchen persönlichen, organisatorischen und kontextuellen Bedingungen sich einzelne Lehrerinnen und Lehrer oder eine Schule als Organisation für oder gegen die Implementierung eines bilingualen Unterrichtskonzeptes entscheiden. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben gemeinsam mit der Freien Universität Bozen einen Fragebogen des Projekts für Südtirol angepasst und eingesetzt.

Studies on Multilingualism in Language Education

Im Projekt „Studies on Multilingualism in Language Education“ (SMILE) untersucht Professorin Kristin Kersten den Einfluss von verschiedenen Faktoren auf den Fremdsprachen-Erwerb von Grundschulkindern in regulären und bilingualen Grundschulen. Dabei arbeitet die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin eng mit  Professor Werner Greve und Professorin Claudia Mähler vom Institut für Psychologie sowie mit Christoph Schüle vom Institut für Erziehungswissenschaft zusammen.

Zu den untersuchten Einflussfaktoren gehören unter anderem verschiedene kognitive Fähigkeiten, der sprachliche und sozioökonomische Hintergrund der Kinder und die Sprachverwendung in der Familie. Auf dem kooperativen Symposium mit der Freien Universität Bozen stellen Marie Adler und Dr. Anna Trebits die ersten Ergebnisse aus ihren Arbeiten zum Zusammenhang dieser Einflussfaktoren mit dem Fremdsprachenerwerb vor. Das SMILE-Team ist besonders interessiert an einem Austausch über die Implikationen der Ergebnisse für die pädagogische Praxis und darüber, in welcher Form Erkenntnisse aus dem gemeinsamen Forschungsgebiet in Südtirol bereits bildungspolitisch umgesetzt werden.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Englische Sprache
news-13403 Mon, 08 May 2017 10:09:00 +0200 Wie gehen Studierende mit der Masse der Informationen um? https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wie-gehen-studierende-mit-der-masse-der-informationen-um/ Der Informationswissenschaftler Thomas Mandl untersucht die Informationskompetenz von Studierenden. Vielen jungen Erwachsenen fällt es schwer, mit Fundstellen im Web kritisch umzugehen, so der Professor. Gemeinsam mit Universitäten aus Graz, London, Barcelona, Frankfurt, Zadar und Ljubljana hat der Datenschutzbeauftragte der Universität Hildesheim das Projekt „Information Literacy Online“ entwickelt. Finden Studentinnen und Studenten heute immer die Quellen, die sie benötigen? Kennen sie die Fachdatenbanken? Können sie mit Fundstellen im Web kritisch umgehen? Mit diesen Fragen befasst sich Professor Thomas Mandl in einem aktuellen Forschungsprojekt. „Leider zeigt die Realität in der Lehre, dass Studierende mit der Masse der Informationen überfordert sind, obwohl sie glauben, sehr gut und erschöpfend zu suchen. Informationskompetenz stellt heute eine Kernkompetenz in der Wissensgesellschaft dar. Das Niveau der Informationskompetenz von Studierenden ist oft niedrig. Dieses Phänomen bestätigen Kollegen auch aus anderen Ländern.“

Bei der Suche nach wissenschaftlichen Quellen kennen Studierende oft nicht die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Suchdienste. So wird häufig die allgemeine Websuche für wissenschaftliche Informationsbedürfnisse eingesetzt und die Beurteilung der Qualität der Fundstellen gelingt nicht. 

Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, startet der Informationswissenschaftler nun gemeinsam mit weiteren Partneruniversitäten ein internationales Projekt. „Wir haben uns an der Universität Hildesheim vorgenommen, diese Situation zu verbessern und die Studierenden zu unterstützen“, so der Hildesheimer Informationswissenschaftler.

Gemeinsam mit Universitäten aus Graz, London, Barcelona, Frankfurt, Zadar und Ljubljana hat Thomas Mandl das Projekt „Information Literacy Online“ entwickelt. Das von der EU geförderte Projekt ist 2016 gestartet und läuft bis 2018. „Wir entwickeln einen Massive Open Online Course (MOOC), den Studierende und andere Interessenten online bearbeiten können. MOOCs sind ein neuer Trend, der die Hochschulen erfasst hat“, so Mandl. Noch stehen die meisten Kursangebote in Englisch zur Verfügung. Im gemeinsamen Forschungsprojekt wollen die Partneruniversitäten ihre Studierenden aber in den jeweiligen Landessprachen erreichen, also Englisch, Slowenisch, Kroatisch, Spanisch und Deutsch. Eine Herausforderung: Die Universitäten müssen die Inhalte rund um das Thema Informationskompetenz an die nationalen Gegebenheiten anpassen. „Beispiele können nicht einfach von anderen Ländern übernommen werden“, erläutert Thomas Mandl. „Für die Suche in Spanisch und Kroatisch werden natürlich unterschiedliche Dienste genutzt. Bei der Suche zu einem Thema ergeben sich in jeder Sprache andere Ergebnisse, so dass praxisorientierte Szenarien im MOOC für jede Sprache selbst entwickelt werden müssen.“ Der Online-Kurs wird derzeit erarbeitet und soll ab 2018 verfügbar sein.

Professor Thomas Mandl arbeitet am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim und befasst sich dort unter anderem mit „Information Retrieval“ sowie der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.  Er lehrt auch im Bereich Informationsethik. Derzeit unterrichtet der Informationswissenschaftler etwa im Seminar „Information and Society: Information Ethics“. „Die Anwendung neuerer Technologien sollte durch ethische Richtlinien begleitet werden. Wir diskutieren, wie unsere ethischen Standards mit der Digitalisierung kollidieren und ob die Informationstechnologie eine neue Informationsethik erfordert“, so Mandl. Die Studierenden der Informationswissenschaft befassen sich mit Fragen des Copyright und Datenschutz  – aber auch mit Zensur und Einschränkungen des Zugangs zu Wissen.

Professor Thomas Mandl wurde im April erneut als Datenschutzbeauftragter der Universität Hildesheim bestellt.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie
news-13371 Thu, 04 May 2017 08:43:00 +0200 Alltag im Uni-Sekretariat: kommunizieren und koordinieren https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/alltag-im-uni-sekretariat-kommunizieren-und-koordinieren/ Kommunizieren, organisieren und koordinieren gehören zum Alltag im Institutssekretariat, zählt Helga Burgemeister die Tätigkeiten auf. Sie arbeitet seit 25 Jahren als Sekretärin am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Eine Ausstellung macht ab heute auf den Arbeitsalltag und die Arbeitsbelastung von Sekretärinnen und Sekretären aufmerksam. Kommunizieren, organisieren und koordinieren gehören zum Alltag im Institutssekretariat, zählt Helga Burgemeister die Tätigkeiten auf. Sie arbeitet seit 25 Jahren als Sekretärin am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim, seit 11 Jahren auch am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft. Helga Burgemeister ist eine von derzeit 52 Sekretärinnen und Sekretäre an der Hildesheimer Universität. Bis 2015 waren in den Sekretariaten ausschließlich Frauen beschäftigt, inzwischen auch ein Sekretär. Rund zwei Drittel von ihnen haben einen Arbeitsplatz in Instituten oder Dekanaten, 15 % in den Dezernaten oder der Universitätsleitung und 19 % in sonstigen zentralen Einrichtungen wie zum Beispiel dem Rechenzentrum oder dem Fundraising. Ihr Tätigkeitsspektrum ist vielfältig und reicht von der Kostenerfassung über Abstimmungen mit dem Lehrpersonal bis zur Protokollführung.

Während die Zahl der Studierenden in den Jahren 2010 bis 2015 um 33 % wuchs und die Zahl der Professorinnen und Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich anstieg, erhöhte sich der Anteil des Verwaltungspersonals nur um 11 %.

Das Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim möchte mit einer Ausstellung auf den Arbeitsalltag und die Arbeitsbelastung von Sekretärinnen und Sekretären aufmerksam machen. „Ohne ihr permanentes Wirken im Hintergrund würden weder die Verwaltung noch die Institute im Wissenschaftsbetrieb funktionieren“, sagt Dr. Silvia Lange, Gleichstellungsbeauftragte an der Universität Hildesheim. „Dabei hat sich ihr Berufsbild in den letzten 30 Jahren total gewandelt. Aus den ehemaligen Schreibkräften wurden Expertinnen und Experten des universitären Verwaltungsapparates, die hohen und komplexen Arbeitsanforderungen genügen müssen. Vergütung und Anerkennung der Sekretariatstätigkeiten hat in der Regel nicht mit den gestiegenen Anforderungen Schritt gehalten.“ „Sekretär_innen sehen sich oft mit vielen Aufgaben gleichzeitig und mit Termindruck konfrontiert“, ergänzt Karin Burg, Dekanatssekretärin im Fachbereich Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation.

Die Ausstellung ist kostenfrei und für alle Interessierten zugänglich. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 4. Mai 2017, um 10:00 Uhr am Uni-Hauptcampus (Gebäude I) eröffnet. Mitglieder der Universität sind auch herzlich zu einer hochschulöffentlichen Podiumsdiskussion am 10. Mai eingeladen.

Wanderausstellung „Mit Schirm, Charme und Methode – Arbeitsplatz Hochschulbüro“

  • 04. – 17. Mai 2017 am Hauptcampus der Stiftung Universität Hildesheim
  • 19. – 29. Mai 2017 am Bühler Campus der Stiftung Universität Hildesheim
  • Veranstalter ist das Gleichstellungsbüro der Stiftung Universität Hildesheim

Wer Fragen zu der Ausstellung hat, kann sich an Dr. Silvia Lange (E-Mail: langes@uni-hildesheim.de) und Karin Burg (E-Mail: dekanat2@uni-hildesheim.de) wenden.

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news-13209 Sat, 01 Apr 2017 16:05:13 +0200 Gemeinsam lesen: Uni Hildesheim startet Aktion „Eine Uni – ein Buch" https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/gemeinsam-lesen-uni-hildesheim-startet-aktion-eine-uni-ein-buch/ Dabei sein und mitlesen: Im April startet an der Universität Hildesheim die Aktion „Eine Uni – ein Buch". Aus der Lektüre des Buches „Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation" soll ein neues Buch entstehen. „Gemeinsam mit allen Universitätsangehörigen möchten wir das Buch von Michel Serres lesen, daraus Fragen entwickeln und diskutieren", sagt Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung. Alle Hochschulen in Deutschland waren eingeladen, ein Buch zu bestimmen, über das ein Semester lang geredet und debattiert werden soll. Die Universität Hildesheim hat beim Wettbewerb „Eine Uni – ein Buch" gewonnen. Hildesheim gehört zu den zehn ausgewählten Hochschulen. Die Aktion ist ein gemeinsames Programm des Stifterverbandes und der Klaus Tschira Stiftung in Kooperation mit DIE ZEIT.

„Gemeinsam mit allen Universitätsangehörigen möchten wir das Buch von Michel Serres 'Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation' lesen, daraus Fragen entwickeln und diskutieren", sagt Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung. Nun werden Leiterinnen und Leiter von Lesegruppen gesucht. Diese erhalten ein Freiexemplar des Buches. Wer Interesse hat, eine solche Lesegruppe zu gründen, ist herzlich eingeladen zur Einführungsveranstaltung am Mittwoch, 5. April 2017, um 17:00 Uhr s.t. in die Universitätsbibliothek (Raum B107, 1. Stock). An dem Tag stellt Guido Graf, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft, auch ein Social-Reading-Tool vor, um online über das Buch zu diskutieren.

Die 2012 erschienene „Liebeserklärung an die vernetzte Generation" des 86-jährigen französischen Philosophen Michel Serres ist ein sehr hoffnungsvolles Buch, das viele aktuelle gesellschaftlich relevante Themen im Kontext der Digitalisierung des Bildungssystems sowie der Arbeits- und Erlebniswelt anspricht. Fern von jeder technikfeindlichen Kulturkritik fordert Serres die junge und ältere Generation auf, ihre Chance zu nutzen und alles neu zu erfinden: die Gesellschaft, das Bildungssystem – und sich selbst.

Die Auseinandersetzung mit dem Buch startet an der Stiftungsuniversität Hildesheim im April 2017 auf der hochschulweiten Social-Reading-Plattform „Lectory". Es schließen sich Ringvorlesungen über digitale Lebenswelten an. An diversen Universitätsorten werden Freiexemplare ausgelegt und laden zum Kommentieren ein. Das Buch wird in der Leselounge der Universitätsbibliothek, im Lese- und Schreibzentrum und an dem von Studierenden organisierten Campustag thematisiert. In Interviews sprechen Angehörige der Universität über ihre Leseerfahrungen – von der Studentin und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter über die Sekretärin und den Haustechniker bis zur Dekanin und dem Präsidenten.

Aus der Leseaktion in Hildesheim soll ein neues Buch entstehen, das im Universitätsverlag in Kooperation mit dem Georg Olms Verlag Hildesheim erscheinen soll. Einen guten Überblick über das Vorhaben in Hildesheim gibt dieses zweiminütige Video. Weitere Informationen findet man auf der Aktionsseite.

Wer an der Aktion mitwirken möchte und Fragen hat, kann sich an Dr. Guido Graf und Prof. Dr. Martin Schreiner wenden (Email: martin.schreiner@uni-hildesheim.de und guido.graf@uni-hildesheim.de).

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news-13194 Wed, 29 Mar 2017 18:20:00 +0200 Damit wir Maschinen besser verstehen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/damit-wir-maschinen-besser-verstehen/ Wer schreibt eigentlich die Bedienungsanleitungen? Ob Energietechnik, Maschinenelemente oder medizinische Geräte: Die Universität Hildesheim bildet in einem Masterstudiengang Fachleute aus, die Technik präzise und verständlich erklären können. Außerdem unterstützt ein Team um Professor Klaus Schubert und Franziska Heidrich den wissenschaftlichen Nachwuchs. Doktorandinnen und Doktoranden der Fachkommunikation tagen in dieser Woche in Hildesheim. Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“

Ein Schwerpunkt am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in Hildesheim liegt in der technischen Kommunikation. Studentinnen und Studenten aus dem Masterstudiengang „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ schlagen eine Brücke zwischen Maschinen und Menschen und erklären präzise und verständlich die komplexe Technik. In Vorlesungen und Seminaren lernen sie, über Automatisierungstechnik, Mechanik, Energietechnik, Elektrotechnik und technische Werkstoffe sowie Maschinenelemente zu schreiben.

Die Studierenden stellen technische Sachverhalte für Fachleute und Laien dar; sie schreiben und übersetzen in Hildesheim technische Dokumentationen, etwa Bedienungsanleitungen und Warnhinweise. Dabei finden sie Wege, um technische Inhalte nicht in abstrakt-mathematischer Form, sondern möglichst anschaulich zu vermitteln.

Wer schreibt eigentlich die Bedienungsanleitungen?

„Unsere Absolventen bringen sprachliches und technisches Fachwissen mit und dokumentieren zum Beispiel Geräte in der Medizin- und Sicherheitstechnik, IT, Elektrotechnik und im Maschinenbau“, sagt Professor Klaus Schubert. Die Nachfrage nach Fachleuten sei groß. „Jede Woche erhalten wir Stellenangebote aus der Industrie. Unsere Studenten erhalten schon während des Studiums hervorragende Praktikumsmöglichkeiten“, berichtet der Sprachwissenschaftler. Seit 2009 lehrt und forscht Klaus Schubert an der Universität Hildesheim, der Bedarf an professionellen technischen Texten in mehreren Sprachen sei gestiegen. „Übersetzer und Dolmetscher brauchen wir alle. Sie sorgen dafür, dass man das koreanische Handy auf Deutsch bedienen kann, und dass wir die Filme im Kino und im Fernsehen in deutscher Fassung genießen können.“

„Wir machen genau das Gegenteil von literarischen Texten, wir verwenden für jedes Teil das gleiche Wort, arbeiten mit Wortwiederholungen“, sagt Klaus Schubert über die Ausbildung der technischen Redakteure. Die Hildesheimer Studierenden bauen im Studium ihre Sprachkenntnisse aus. Englisch ist verpflichtende Fremdsprache für alle Studierenden, zusätzlich können sie eine weitere Sprache wählen, Französisch oder Spanisch. Alle Unternehmen, die technische Produkte oder Dienstleistungen anbieten, brauchen Fachleute für die technische Dokumentation. Da die Hersteller für Richtigkeit und Verständlichkeit ihrer Texte haften, stellen sie gern sehr gut ausgebildete technische Redakteure und Übersetzer ein, so Schubert.

Auch der Fachwortschatz ist in Industrie und Gewerbe ein ständiges Thema. Vor Kurzem hat eine Hildesheimer Studentin alle Fachwörter rund um die Autotür ausgearbeitet. Wichtig ist, ein zusammenhängendes System von Bezeichnungen für alle mechanischen und elektronischen Teile zu entwickeln. Schließlich soll dasselbe Bauteil in der Konstruktion, der Fertigung, bei den Verkäufern und auch in der Autowerkstatt immer mit demselben Wort benannt werden.

Sinnvoll aufgebaute Anleitungen in mehreren Sprachen

Die Studierenden wählen im Studium Schwerpunkte und können sich zum Beispiel auf die Fachkommunikation im Bereich Energietechnik oder auf das Übersetzen von Fachtexten in französischer und spanischer Sprache spezialisieren; oder sie wenden Methoden und Werkzeuge der Sprachtechnologie an und befassen sich mit Textkorpora, elektronischen Wörterbüchern und maschineller Sprachverarbeitung.

In einer Praxisphase sind die Studierenden „im Feld“ und wenden ihre Kenntnisse an. Eine Studentin hat etwa bei einem Reifenhersteller das Schulungsmaterial erarbeitet, mit dem das Unternehmen neue Mitarbeiter in die Bedienung von Maschinen einarbeitet. Eine andere Studentin hat an der Produktion einer Informationsbroschüre des Bundesfamilienministeriums für Eltern mitgewirkt, in der erklärt wird, wie Mobiltelefone technisch funktionieren und welche Gefahren sie für Kinder bergen.

Eine der Absolventinnen aus dem Masterstudium „Sprachen und Technik“ ist Franziska Heidrich. Die Übersetzungswissenschaftlerin hat nach ihrem Studium an der Universität Hildesheim promoviert und arbeitet nun an ihrer Habilitation. Heidrich möchte in ihrer Forschung verschiedene Sprachformen untersuchen, die bewusst gelenkt werden. „Ich untersuche ‚gestaltete Sprachformen‘. Es geht um Sprache, in die bewusst eingegriffen wird, die verändert wird, damit der Empfänger die Informationen besser aufnehmen kann. Dabei untersuche ich zum Beispiel Texte aus der Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern oder technische Fachtexte, die gezielt so verfasst worden sind, dass der Leser einfach und widerspruchsfrei an die von ihm benötigten Informationen gelangt“, so Franziska Heidrich.

Nachgefragt

„Betrieb, Wartung, Reparatur: Für jede Maschine gibt es eine Anleitung“

Professor Klaus Schubert forscht an der Universität Hildesheim im Bereich Kommunikationsoptimierung und befasst sich mit der Frage, was einen guten Fachtext ausmacht. Dahinter steckt das bewusste Eingreifen in Sprache, um die Kommunikation zu verbessern. Zur Bedeutung von Fachtexten und Bedienungsanleitungen in unserem Alltag sagt Klaus Schubert:

„Wer ein Auto kauft, bekommt auch eine kleine Broschüre, in der erklärt und in Bildern gezeigt wird, wie alles funktioniert. Diese Betriebsanleitung haben technische Redakteure geschrieben und technische Fachübersetzer übersetzt. Diese beiden Berufe gehören zur Fachkommunikation. Eine kleine Broschüre für ein Automodell, das eine Million Mal verkauft wird – das kann ja nicht viel Arbeit sein. Oder doch?

Das Auto muss auch mal in die Werkstatt. Da wartet ein elektronisches Diagnosegerät, das die Betriebsdaten und Fehlermeldungen der Bordelektronik ausliest und den Kraftfahrzeugtechnikern anzeigt. Außer der Betriebsanleitung braucht man also auch noch eine detaillierte Dokumentation der Diagnoseelektronik im Auto, dann eine Betriebsanleitung für das Diagnosegerät in der Werkstatt und schließlich eine Wartungs- und Reparaturanleitung für die Techniker. Wieder viel Arbeit für die Fachkommunikation.

Irgendwann ist das Auto ja auch gebaut worden. Eine Autofabrik besteht heutzutage aus einer Reihe automatisierter Fertigungsstraßen. Diese Aneinanderreihungen hochkomplexer, computergesteuerter Werkzeugmaschinen funktionieren auch nicht, ohne dass es für jede einzelne Maschine eine Betriebsanleitung, eine Installationsanleitung, eine Wartungsanleitung und eine Reparaturanleitung gibt. Noch mehr Arbeit für die Fachkommunikation.

Natürlich kaufen wir nur Autos höchster Qualität, die allen Sicherheits- und Umweltanforderungen genügen. Daher wird jedes einzelne Metallteil, jedes elektronische Bauteil und jeder Gummireifen des Autos einer Qualitätsprüfung unterzogen. Diese Qualitätsprüfungen laufen weitgehend automatisiert. Wieder gibt es Maschinen und Software und wieder Dokumentation, die von technischen Redakteuren und technischen Fachübersetzern erarbeitet werden.

Die Universität Hildesheim bietet mit ihrem Masterstudiengang ‚Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik‘ eine Studienmöglichkeit an, deren Absolventen praktisch eine Arbeitsplatzgarantie haben. Die allermeisten Studierenden wählen sich aus mehreren Stellenangeboten eines aus, ehe sie ihr Zeugnis von der Uni in der Hand halten.

Die Fachkommunikation ist ein Schnittbereich aus den vier Wissensgebieten Technik, Sprache, Kommunikationsmedien und Arbeitsprozessorganisation. Um die Studierenden auf 40 oder 45 Jahre Berufspraxis vorbereiten zu können, muss die Universität Hildesheim in der Fachkommunikation wissenschaftlich tätig sein und durch ihre Forschungsarbeit neue Entwicklungen vorbereiten.“

Wissenschaftlicher Nachwuchs tagt in Hildesheim

Die Tagung „Fachkommunikation – die wissenschaftliche Sicht“ [Programm als PDF] führt am 31. März 2017 Doktorandinnen und Doktoranden der Universität Hildesheim mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus nah und fern zusammen. Ziel ist es, für die jungen Wissenschaftler der Fachkommunikation fachliche Kontakte, eine berufliche Vernetzung und Denkanstöße für die eigene Arbeit zu schaffen.

Die Teilnehmerzahl der Tagung ist auf 40 begrenzt. Die Zuhörer kommen aus den Universitäten und Hochschulen in Hannover, Wolfenbüttel, Gießen, Flensburg, Berlin, Essen, Köln, Magdeburg, Merseburg, Würzburg und aus dem belgischen Antwerpen. Auch Teilnehmer aus Unternehmen sind dabei. Die vortragenden Professorinnen und Professoren kommen von den Universitäten Graz und Krems (beides Österreich) und der Hochschule Hannover.

Die Doktoranden der Fachkommunikation promovieren oft neben einer Berufstätigkeit im Unternehmen oder an einer Hochschule. Die in Hildesheim vortragenden Doktoranden kommen von der Volkswagen AG, der Universität Genf (Schweiz), der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (Schweiz), der Hochschule Flensburg und der Universität Hildesheim. Linda Hujer, Doktorandin an der Universität Hildesheim, untersucht am Beispiel von Volkswagen die „Kommunikative Effizienz von Text und Bild: eine empirische Untersuchung von Werkstattinformationen“. Swenja Schum, Doktorandin an der Universität Hildesheim, befasst sich in ihrer Forschung mit dem Thema „Barrierefreiheit als Herausforderung in der Fachtextübersetzung“.

Kurz erklärt: Übersetzungswissenschaft in Hildesheim

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation bildet weitere Übersetzungsprofis aus: Im Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ lernen Studentinnen und Studenten die Grundlagen des Übersetzens und der internationalen Kommunikation. Nach einem Studienjahr geht der gesamte Jahrgang für ein Semester ins Ausland – etwa nach Mexiko, Spanien, Frankreich, Indien oder in die Türkei. Im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ spezialisieren sich Studentinnen und Studenten auf Textarbeit in den Medien. Sie untertiteln Filme, übertiteln Theaterstücke und übersetzen Nachrichten und Rechtstexte in Leichte Sprache.

Hildesheimer Studentinnen und Studenten sind übrigens auch bei einem der größten Übersetzungsdienste der Welt tätig: bei der EU-Kommission in Brüssel. Hier tragen sie dazu bei, dass Papiere, Vorlagen und Beschlüsse in 24 Sprachen übersetzt werden. Absolventen des Master-Studiengangs „Internationale Fachkommunikation – Sprachen und Technik“ arbeiten weltweit als Fachübersetzer, technische Redakteure und Experten für mehrsprachige Fachkommunikation für Industrieunternehmen oder für Dokumentations- und Übersetzungsdienstleister.

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news-13065 Wed, 01 Mar 2017 11:44:00 +0100 Übersetzen: „Humor, Ironie und Wortspiele sind für eine Maschine extrem schwierig“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/uebersetzen-humor-ironie-und-wortspiele-sind-fuer-eine-maschine-extrem-schwierig/ „Blockbuster, Bedienungsanleitungen, Beipackzettel, und selbst die Etiketten auf Nudelpackungen – wir sind umgeben von Übersetzungen“, sagt Professorin Bettina Kluge. An der Universität Hildesheim bildet sie den Übersetzernachwuchs im Studiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ aus. Zum Studium gehört ein verbindlicher Auslandsaufenthalt. Eine Bewerbung um einen Studienplatz ist bis zum 15. März 2017 möglich. Studienbeginn ist im April 2017. Jetzt bewerben: „Internationale Kommunikation und Übersetzen“

Kaum war Sinazo Saul auf dem Uni-Campus angekommen, plante sie schon wieder ihre Abfahrt. Wer in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert, geht bereits nach einem Jahr ins Ausland. „Kaum ist man da, ist man schon wieder weg“, lacht Sinazo Saul. Nach einem Semester an der Universität Bogotá in Kolumbien ist die Studentin nun zurück in Hildesheim.

„Wenn Studierende aus dem Ausland zurückkommen, dann ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Professorin Bettina Kluge. Die Übersetzungswissenschaftlerin bildet an der Universität Hildesheim Fachleute aus, die zum Beispiel Texte, Filme, Literatur und technische Benutzerhandbücher sowie Bedienungsanleitungen übersetzen. Im ersten Studienjahr stehen die Grundlagen auf dem Programm, etwa die beiden Vorlesungen „Einführung in die Sprachwissenschaft“ und „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“ sowie erste sprachpraktische Übungen und Methoden des Übersetzens.

„Nach einem Jahr schicken wir den gesamten Jahrgang ins Ausland. Die Studentinnen und Studenten bekommen ein Gefühl für die Sprache und erweitern ihren Wortschatz im Alltag enorm. Die im Ausland erbrachten Studienleistungen werden anerkannt.“ Die Universität Hildesheim kooperiert dabei mit Partnerhochschulen in Spanien (etwa Alicante, Madrid, Murcia und Barcelona), in Frankreich (etwa Paris, Clermont-Ferrand und Tours) sowie in Irland, Finnland, Belgien, in der Türkei, Indien und Mexiko. Es gibt Ausnahmeregelungen, wenn ein Auslandsaufenthalt nur schwer möglich ist, etwa wenn Studierende schwer krank sind, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen müssen.

Im dritten Studienjahr folgen sprachpraktische Seminare und Spezialisierungen etwa in „Fachübersetzen“ (technische Übersetzungen: Wie übersetzt man Handbücher für Maschinen?), „Unternehmenskommunikation“ oder „Sprache und Medien“. Die Studentin Sinazo Saul spezialisiert sich auf den Bereich „Community Interpreting“ – das klingt etwas technisch, ist aber mitten aus dem Leben. „Das Seminar ist mein Highlight. Wir beschäftigen uns mit der Frage, welche Rolle Übersetzungen im Alltag spielen, etwa bei Arztbesuchen. Übersetzerinnen, die hier geschult sind, können dazu beitragen, dass ein Kind nicht Diagnosen für den Vater übersetzen muss, der die deutsche Sprache noch nicht sprechen kann“, sagt die 23-Jährige. Seit zweieinhalb Jahren studiert die Hamburgerin auf dem Bühler-Campus in Hildesheim. „Die Kombination im Studium ist gut – nicht so eintönig, ich studiere in den Nebenfächern Politik- und Medienwissenschaft. Das Studium in Hildesheim habe ich eher zufällig entdeckt. Eigentlich wollte ich nach Heidelberg – aber mit dem Semesterticket kann ich schnell nach Hamburg flitzen, wo meine Familie lebt“, sagt Sinazo Saul. Ihr Interesse an Sprachen prägt ihr Leben: Sie ist mehrsprachig aufgewachsen, hat sich in der Oberstufe für ein Sprachenprofil entschieden – Englisch, Spanisch und Französisch. Mit einer ihrer Übersetzungen ist Sinazo Saul bereits erfolgreich: Die Studentin hat ein Kinderbuch ihres Onkels übersetzt. „Der kleine Stern“ heißt nun „Little star“.

Auch für Pia Roser war die Freude an Sprachen entscheidend für ihre Studienwahl. Sie studiert im fünften Semester „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ mit den Fächern Englisch und Spanisch. „Das Auslandssemester in Toluca in Mexiko konnte ich nutzen, um wirklich ein halbes Jahr Erfahrungen zu sammeln. Ich lerne, wie ich mit Sprache kompakt formulieren und gut Informationen übermitteln kann, hebe mein sprachliches Niveau, vermeide unnötige Wölkchen. Es geht darum, knackig zu formulieren und trotzdem mit Sprache zu spielen und die Nuancen auszuschöpfen“, sagt Pia Roser. Bei einer guten Übersetzung kommt es darauf an, „alle Informationen in angepasster Form weiterzugeben und auf den Punkt zu bringen“. Sie hat zum Beispiel für ein kleines mittelständisches Unternehmen übersetzt – Frachtkosten, Warengut und Lieferbedingungen. „Auch kleine Unternehmen sind in den Weltmarkt eingebunden und auf Übersetzungen angewiesen – sie brauchen Mitarbeiter, die ein ausgeprägtes Sprachgefühl haben“, sagt Bettina Kluge.

Ob sie Sorge hat, dass ihre Arbeit eines Tages von Maschinen übernommen wird? „Wenn ich eine Bedienungsanleitung übersetze, übersetze ich nicht bloß eins-zu-eins, ich muss auch wissen, was technisch passiert. Dieses Wissen bringe ich als Übersetzerin mit. Maschinen können viel, sie können aber nicht den Menschen ersetzen. Gerade Literatur lebt von menschlichen Eindrücken. Es würde viel verloren gehen an sprachlicher Varietät und Bandbreite“, sagt Sinazo Saul. „Humor, Ironie und Wortspiele sind für eine Maschine extrem schwierig.“

Auch Themen aus der Zeitgeschichte stehen auf dem Seminarplan: Im Seminar „Linguistic analysis of the 2016 U.S. election“ beschäftigten sich die Studentinnen mit dem US-Wahlkampf und seiner Darstellung in den deutschen Medien, mit Wortspielen und Metaphern („Das Trumpeltier“), mit Übersetzungen von Tweets, mit Reden im Originalton, deren Übersetzung als Untertitel mitläuft, und mit rhetorischen Mitteln im Wahlkampf.

Studentinnen und Studenten, die in Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert haben, sind heute zum Beispiel beim WDR als Untertitlerin und als technische Redakteurin bei der Volkswagen AG tätig oder haben sich als Übersetzerinnen selbständig gemacht. Andere spezialisieren sich in den Masterstudiengängen „Medientext und Medienübersetzung“ oder „Sprache und Technik“.

„Internationale Kommunikation und Übersetzen“ in Hildesheim studieren

Der Bachelorstudiengang „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ richtet sich an Studieninteressierte, die neben der Begeisterung für Sprachen, Texte und verschiedene Kulturen auch ein Interesse für neue Technologien und Medien mitbringen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Grundlagen des professionellen Übersetzens. Die Studentinnen und Studenten beschäftigen sich in drei Jahren mit Texten unterschiedlicher Sprachen. Neben der Grundsprache Deutsch wählen sie zwei weitere Sprachen – Englisch, Französisch oder Spanisch. Eine Bewerbung ist bis zum 15. März 2017 möglich. Das Studium beginnt im April 2017. Wer Fragen zum Studium hat, kann sich an Prof. Dr. Bettina Kluge, Direktorin des Instituts für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim wenden (E-Mail klugeb@uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-13047 Wed, 22 Feb 2017 10:45:00 +0100 Bildungsforschung: Inklusion in der frühen Kindheit https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/bildungsfors/ Land Niedersachsen fördert Forschungsverbund an der Universität Hildesheim: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bauen die Grundlagenforschung zur frühkindlichen Bildung aus. Sie dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule. Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen. Bereits 2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet und sich damit verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen. Seitdem verändert sich das gesamte Bildungssystem und die Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Kindertagesstätten. Pädagoginnen und Pädagogen lernen, konstruktiv mit den unterschiedlichen sozialen, sozio-kulturellen, körperlichen und biografischen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen umzugehen und die Teilhabechancen für alle zu verbessern. Wie das aber im Alltag passiert, etwa in Kindertagesstätten, wird bisher kaum untersucht. Hier setzt der Hildesheimer Forschungsverbund an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tauchen ein in den Alltag und dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule.

„Wir vertiefen die Bildungs- und Teilhabeforschung in der frühen Kindheit“, sagt Peter Cloos, Professor für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Hildesheim und Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen. Gerade im Bereich der Bildung und der sozialen Teilhabe der bis sechsjährigen Kinder gibt es noch erhebliche Forschungslücken in Bezug auf die Inklusion. „Im gesamten Bildungssystem und in der Kinder- und Jugendhilfe geschehen aktuell große Umwälzungen. Inklusion ist eine breit diskutierte Herausforderung. Wir wollen dazu beitragen, das noch geringe empirische Wissen auszubauen und die unterschiedlichen Forschungstraditionen zu verbinden“, so Cloos.

Das Land Niedersachsen fördert am Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Universität Hildesheim den Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung" bis 2020 mit insgesamt 1,3 Millionen Euro. Neben Hildesheim werden Verbundprojekte in Göttingen und Hannover aus dem „Niedersächsischen Vorab“ gefördert.

Der Hildesheimer Forschungsverbund bearbeitet sechs Forschungsprojekte. Beteiligt sind insgesamt acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Erziehungswissenschaft, Entwicklungspsychologie, dem Fremdsprachenerwerb und der Mathematikdidaktik, der Neurodidaktik sowie Sozial- und Organisationspädagogik. „Ich freue mich auf die weitere Vertiefung unserer Zusammenarbeit im Kompetenzzentrum, wir wollen gemeinsam neue Perspektiven für eine inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit entwickeln", sagt Professor Cloos.

Neue Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen – in die Wissenschaft, die Politik, die Kinder- und Jugendhilfe und in die Bildungseinrichtungen. Der Forschungsverbund arbeitet eng mit Partnern aus der Praxis zusammen und entwickelt gemeinsam mit den Praxispartnern Konzepte für den Transfer, unter anderem mit Kindertagesstätten und Grundschulen, der Landesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen Niedersachsen/Bremen e.V. (lagE), dem Kinder- und Jugendbereich der Diakonie Himmelsthür, dem Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen (FMKS). Geplant sind ebenso Kooperationen mit Jugendämtern, Fachschulen und Einrichtungen der Fort- und Weiterbildung. In allen Forschungsprojekten werden konkrete Transfermaßnahmen für die pädagogische Praxis entwickelt und umgesetzt. Die Forschungsprojekte laufen bis 2020. Ergebnisse werden auf Tagungen vorgestellt.

Im Forschungsverbund unterstützt die Universität Hildesheim zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in der Phase  während und nach der Promotion. Sie promovieren in den Projekten, werden vom Uni-Methodenbüro in der Wahl der Forschungsmethoden unterstützt und können sich mit laufenden Vorhaben aus den Graduiertenkollegs „Multiprofessionalität in der Bildungsinfrastruktur und in Sozialen Diensten“, „Gender und Bildung“ und den Promotionskollegs „Bildungsintegration“ und „Unterrichtsforschung" vernetzen. Die im Verbund beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auch im Promotionsstudiengang Sozial- und Organisationspädagogik, dem bundesweit ersten akkreditierten Studiengang dieser Art, promovieren.

Wer Interesse an dem Forschungsverbund hat, kann sich an Prof. Dr. Peter Cloos wenden (E-Mail cloosp@uni-hildesheim.de).

Folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim leiten die sechs Forschungsprojekte:

  • Prof. Dr. Meike S. Baader (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
  • Prof. Dr. Peter Cloos (Pädagogik der frühen Kindheit) (Sprecher)
  • Dr. Florian Eßer (Sozialpädagogik)
  • Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs (Neurodidaktik)
  • Prof. Dr. Kristin Kersten (Didaktik des Englischen und Spracherwerb)
  • Prof. Dr. Claudia Mähler (Pädagogische Psychologie und Diagnostik)
  • Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme (Mathematik und ihre Didaktik)
  • Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Sozialpädagogik)

 

Die sechs Forschungsprojekte im Überblick:

Wie Kinder sich entwickeln – Kognitive Entwicklung und Förderung in inklusiven Settings

Studie „Frühe Inklusion beim Schriftspracherwerb“ (FRISCH)

Schon lange vor der Einschulung bringen Kinder ganz unterschiedliche Voraussetzungen für die Schriftsprache mit. Ein Team aus der Pädagogischen Psychologie und Diagnostik um Professorin Claudia Mähler untersucht, wie Kindern der Einstieg in den Schriftspracherwerb gelingt. Welche Kinder profitieren in welcher Weise von einer Förderung zu welchem Zeitpunkt?

Claudia Mähler arbeitet mit Kitas und Grundschulen in der Region Hildesheim zusammen. Die Interventionsstudie beginnt im letzten Kindergartenjahr und begleitet 160 Kinder beim Übergang in die Grundschule und in den ersten beiden Schuljahren. Zunächst werden verschiedene Vorläuferkompetenzen erfasst, die für das Erlernen der Schriftsprache wichtig sind, etwa die Leistung des Arbeitsgedächtnisses, der Sprachentwicklungsstand und vor allem die „phonologische Bewusstheit“. Die Wissenschaftlerinnen untersuchen, wie sich ein Training der phonologischen Bewusstheit im letzten Kindergartenjahr und wie sich eine Umstellung des Eingangsunterrichts im Fach Deutsch auf das Erlernen der Schriftsprache auswirken.

„Ich freue mich, das Thema Inklusion nun auch in die frühe Bildung hineinzutragen und den Übergang vom Vorschulalter in die Schule begleiten zu können“, sagt Claudia Mähler. Die Professorin befasst sich in der Forschung seit vielen Jahren mit der Frage, welche frühkindlichen kognitiven Fähigkeiten es genau sind, die am Ende einen Einfluss darauf haben, ob ein Kind in der Schule gut zurechtkommt und erfolgreich ist. Bisherige Hildesheimer Langzeitstudien zeigen, dass die Unterschiede, die zwischen den Kindern in diesen Kompetenzen bestehen, bereits im Alter von vier Jahren sehr groß sind.

Studie „Soziales Training von Raumwahrnehmung und Raumkognition (zur vorschulischen Förderung des mathematischen Grundverständnisses)“ (STARK)

Wie kann das mathematische Grundverständnis in der frühen Kindheit gefördert werden? Professor Kristian Folta-Schoofs und Professorin Barbara Schmidt-Thieme untersuchen, in welcher Weise Kinder im letzten Kindergartenjahr von einem Training der Raumwahrnehmung profitieren können.

„Die vorschulische mathematische Förderung beinhaltet immer noch bevorzugt das Lernen von arabischen Zahlen und rechnerischem Faktenwissen. Wir wollen alternative Zugänge zur Förderung des mathematischen Grundverständnisses in den Blick nehmen, die weniger an Sprache und stärker auf die unmittelbare Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder bezogen sind“, sagt Professor Kristian Folta-Schoofs. „Dazu gehört auch die Berücksichtigung der körperlich-sinnlichen Erfassung von Raummerkmalen – auch im Verhältnis zum eigenen Körper – sowie von handlungs- und bewegungsorientierten Lernmöglichkeiten, die im Rahmen der vorschulischen Vorbereitung auf den Mathematikunterricht bislang noch wenig berücksichtigt werden und noch unzureichend wissenschaftlich untersucht sind.“

Barbara Schmidt-Thieme verfügt über Expertise auf dem Gebiet der mathematischen Frühförderung, vor allem zur Didaktik der Geometrie. Kristian Folta-Schoofs forscht im Neurolabor der Universität Hildesheim im Bereich der neuronalen Grundlagen von Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits- und Zeitverarbeitungsprozessen und zu den Ansätzen einer barrierefreien Gestaltung von Lernumgebungen.

Studie „Fremdsprachenlernen in inklusiven Kontexten: Sprachliche und kognitive Entwicklung in zweisprachigen Einrichtungen“ (FLINK)

Wie die sprachliche Entwicklung in ein- und zweisprachigen Kindertagesstätten und im Übergang in die Grundschule verläuft, untersucht Professorin Kristin Kersten in Kooperation mit Professor Werner Greve vom Institut für Psychologie. In der Studie erfassen die Wissenschaftler bis 2019, wie sich Kinder sprachlich und kognitiv entwickeln.

Dabei vergleichen sie die Entwicklungsverläufe von Kindern in einsprachigen und zweisprachigen Kitas und Grundschulen. In den bilingualen Kitas verwenden muttersprachliche Erzieherinnen und Erzieher im gesamten Tagesablauf Englisch im Umgang mit den Kindern, in bilingualen Schulen unterrichten Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel Mathe, Sport, Musik oder Sachkunde auf Englisch. Bislang wenig untersucht ist die Frage, inwieweit die sprachliche Entwicklung mit dem Selbstkonzept von Kindern zusammenhängt. Auch hierzu soll die Studie Erkenntnisse liefern. Durch teilnehmende Beobachtung werden außerdem die Strategien aller pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte dokumentiert: Wie begleiten sie die Lernprozesse? Wie gestalten sie den sprachlichen Input für inklusiv ausgerichtete Lernergruppen?

„Forschungsergebnisse aus früheren Studien weisen darauf hin, dass die Intensität, Dauer des Kontakts sowie das handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache an Objekten, Bildern und der Umwelt entscheidend sind. Wir wissen außerdem, dass intensives bilinguales Lernen zu kognitiven Vorteilen führen kann. Ob die Fremdsprache mehrere Stunden pro Tag oder nur zwei Stunden pro Woche angeboten wird und wie sie von der Lehrkraft umgesetzt wird – das macht für die Entwicklung der Kinder viel aus. Dazu kommt, dass jedes Kind individuelle Voraussetzungen zum Lernen mitbringt, die sich nicht nur in den kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch im sozialen Umfeld unterscheiden. Und schließlich ist jedes Schulprogramm ein komplexes Gefüge, in dem auch jede Lehrkraft ihre eigenen Kenntnisse, Einstellungen und Motivation mitbringt“, so Kersten. Die Sprachwissenschaftlerin hat zuvor ein EU-Projekt geleitet und in niedersächsischen Grundschulen den bilingualen Unterricht analysiert.

Der Alltag in Kitas – „Doing inclusion“ – Inklusion als alltägliche Herstellungsleistung

Studie „Inklusive Elterninitiativen“ (IKE)

10 Prozent aller 4500 Kindertageseinrichtungen in Niedersachsen sind Elterninitiativen. Elterninitiativen sind bislang kaum erforscht, dabei sind sie heute ein fester Bestandteil in der Kita-Landschaft. Eltern bauen somit einen Teil der Strukturen auf, die Bildungsteilhabe befördern oder verhindern können.

Einen Gesamtüberblick, welche Inklusionskonzepte Elterninitiativen im Bundesland Niedersachsen verfolgen, soll die Studie von Professorin Meike Baader liefern. Wer sind die Akteure und Akteurinnen, welches sind ihre Motive, Erfahrungen, Ressourcen aber auch Hindernisse? Wie gehen Eltern und Professionelle in diesen Einrichtungen mit Inklusion um? Die Erziehungswissenschaftlerin führt in den kommenden Monaten Interviews mit 45 Einrichtungsleitungen und analysiert, wie private Elterninitiativen in Niedersachsen handeln. Während sie in den 1970er Jahren anfänglich als Alternative für fehlende Plätze gegründet wurden, hat sich schon in den siebziger Jahren gezeigt, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Migrationserfahrungen aufgrund des Betreuungsschlüssels besonders gut versorgt wurden, wie eine DFG-geförderte Studie von Meike Baader zeigt.

Studie „Multiprofessionelle Teams in inklusiven Settings“ (MUPRO)

Zusammen statt allein: Professor Peter Cloos nimmt die Arbeit von multiprofessionell zusammengesetzten Teams in Kindertageseinrichtungen unter die Lupe. Der Erziehungswissenschaftler analysiert in 10 Einrichtungen 20 Teamgespräche.

„Wir tauchen ein in den Alltag“, sagt Cloos. Bisher wurde kaum empirisch untersucht, wie unterschiedliche Berufsgruppen in Organisationen wie Kitas zusammenarbeiten. Wie verständigen sie sich in Teamgesprächen über Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche? Teilen sie Aufgaben auf und grenzen sich voneinander ab („Das ist nicht mein Gebiet!“) oder entstehen Räume, um gemeinsam unter Einbeziehung vieler Perspektiven die individuelle Entwicklung von Kindern zu erfassen? Die Forschungsergebnisse sollen in die Beratung von multiprofessionellen Teams fließen.

Studie „Kinder als Inklusionsakteure“ (INKA)

Nicht nur Eltern und pädagogische Fachkräfte, auch Kinder leisten einen Beitrag zu Inklusion: wie sie anderen Kindern begegnen, wie sie selbst handeln. Bisher liegen kaum Studien vor, die Kinder als Handelnde in „inklusiven Settings“ betrachten oder Kinder in den Forschungsprozess einbeziehen. Florian Eßer, Miriam Sitter und Professor Wolfgang Schröer bauen derzeit eine Forschungsgruppe mit acht Kindern auf. Sie stimmen Forschungsfragen, die Erhebung und Präsentation von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit den Kindern ab: Wie erleben Kinder Zugehörigkeit und Ausgrenzung, wie nehmen sie den Alltag in Kitas wahr?

Vorurteile, dass man mit Kindern keine partizipative Forschung durchführen kann, gelten mittlerweile als widerlegt. Sie bringen junge Perspektiven in die Forschung ein, die sonst aus dem Blick geraten. Die Kinder ersetzen dabei nicht die Forscher, vielmehr eröffnen sie neue Sichtweisen.

„Differenzdilemma“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren im Forschungsverbund außerdem, inwieweit Wissenschaft selbst Differenzen erzeugt. Die Wissenschaft spricht von „Differenzdilemma“: Jede Thematisierung von Differenz behebt diese nicht nur, sondern kann Differenz durch ihre Betonung erst hervorheben oder verstärken.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-13062 Tue, 21 Feb 2017 09:39:00 +0100 Nachtschicht für aufgeschobene Hausarbeiten https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nachtschicht-fuer-aufgeschobene-hausarbeiten/ Ein Team des Lese- und Schreibzentrums und der Universitätsbibliothek berät rund um Recherche-, Lese- und Schreibtechniken. Studierende aller Fachbereiche können sich während der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ über Strategien für das wissenschaftliche Arbeiten informieren. Nachtschicht am Laptop – aber nicht allein:  Umgeben von Büchern  können Studentinnen und Studenten von Donnerstag- auf Freitagnacht ihre aufgeschobenen Hausarbeiten endlich anpacken. Die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ beginnt am Donnerstag, 2. März 2017, um 20:00 Uhr.

Ein Team der Universitätsbibliothek und des Lese- und Schreibzentrums berät zum Beispiel beim Strukturieren von Texten und Recherchieren nach Literatur. „Wenn man gemeinsam in dieser besonderen Atmosphäre in der Nacht in der Uni schreibt, dann ist das ein Motivationsschub. Man sieht, wie die anderen vorankommen oder verzweifeln, kann sich gegenseitig unterstützen. Wissenschaftliches Arbeiten ist keine einsame Tätigkeit“, sagt Jana Zegenhagen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur. In der Schreibberatung gibt sie mit ihrem studentischen Team vielen Studierenden mit auf den Weg, „dass man sich erste Fassungen erlauben und sich Zeit einräumen sollte für das Bearbeiten von Texten“. „Im Unterschied zum Postkarten schreiben geht es beim wissenschaftlichen Schreiben darum, Erkenntnisse zu gewinnen, das eigene Wissen zu erweitern und für Leser darzustellen. Das braucht Zeit und Gespräche – in allen Phasen von der Themenfindung über die Literaturbeschaffung bis hin zur Überarbeitung.“

Jana Zegenhagen organisiert die „Lange Nacht“ gemeinsam mit der Bibliotheksmitarbeiterin Elisabeth Tränkler und ihren studentischen Teams. „Wir wollen da sein, beraten und einen Raum anbieten, in dem man sich über eine der wesentlichen Tätigkeiten im Studium austauschen kann – das Schreiben.“

An über 50 Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum und in den USA und zum Beispiel in Singapur treffen sich seit 2011 einmal im Jahr tausende Studierende, um gemeinsam zu schreiben, aufgeschobene Arbeiten endlich anzupacken oder begonnene abzuschließen. In Hildesheim findet die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ seit 2011 statt.

Lese- und Schreibzentrum

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus ist jede Woche ansprechbar und unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Beratung, Workshops und Schreibgruppen. Studentische Lese- und Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Feedback und Tipps zu Lese- und Schreibtechniken. Studierende können einfach zu den Sprechzeiten kommen oder einen Termin vereinbaren (Learnweb-Kurs „Anmeldung Lese- und Schreibzentrum“).

Lernort Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek Hildesheim bietet etwa 320 Arbeits- und Lernplätze und mehrere online reservierbare Gruppenarbeitsräume für Studierende an. In Schulungen können Studierende, Lehrende und Bürgerinnen und Bürger aus der Region ihr Wissen rund um Literaturverwaltung, Literaturrecherche und Nutzung digitaler Informationsquellen auffrischen.

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news-13018 Thu, 02 Feb 2017 15:34:00 +0100 Sprache im Schulalltag: „Die Professionalität von Lehrern ist extrem kostbar“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprache-im-schulalltag-die-professionalitaet-von-lehrern-ist-extrem-kostbar/ Ob Mathematik, Sport oder Chemie – Sprache ist in jedem Schulfach relevant. Die Hildesheimer Professorinnen Elke Montanari und Barbara Schmidt-Thieme setzen in der Lehrerausbildung an. Im Projekt „Umbrüche gestalten“ arbeiten neun Hochschulen in Niedersachsen zusammen. In dieser Woche stellen sie Ergebnisse in Hannover vor. „Schulen können sich jetzt weiterentwickeln – das ist nötig. Die hohe und individuelle Diversität ist ein Ausgangspunkt für zukünftiges Unterrichten. Wir brauchen neue Methoden und Strategien in der Lehramtsausbildung“, sagt Elke Montanari. Hildesheim ist einer der Projektpartner in dem gemeinsamen Verbundprojekt, für das sich neun niedersächsische Hochschulen zusammengetan haben: „Umbrüche gestalten – Sprachenförderung und -bildung als integrale Bestandteile innovativer Lehramtsausbildung in Niedersachsen“. Das Niedersächsische Kultusministerium und das Wissenschaftsministerium unterstützen das Vorhaben nachhaltig. Das Projekt wird gefördert durch das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Ziel dabei ist, die Sprachenförderung in ihrer mehrsprachigen Dimension wie auch mit Blick auf Bildungssprache in die Lehrerausbildung aller Fächer – ob Mathematik, Sport, Sachunterricht oder Musik – aufzunehmen.

„Die große Diversität in der Schülerschaft als Ausgangspunkt des pädagogischen Handelns zu nehmen und sie auf Sprachenbildung zu beziehen, ist eines der Zukunftsthemen im Land“, sagt Professorin Elke Montanari. Sie ist Professorin für  Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim und forscht in den Bereichen Mehrsprachigkeit, Sprachaneignung in unterschiedlichen Lebensphasen und sie befasst sich mit der Entwicklung des mentalen Lexikons am Zentrum für Bildungsintegration und am Institut für deutsche Sprache und Literatur.

„Kinder haben den ersten Spracherwerb schon in den frühen Lebensjahren durchlaufen. In der Schule steht bei Sprachenbildung im Mittelpunkt, diese sprachlichen Fähigkeiten zu einer ausgereiften Bildungssprache auszubauen. Bei Schülerinnen und Schülern, die mitten in ihrer Schulbiografie nach Deutschland kommen, bedeutet das, ihnen Gelegenheit zu geben, ihre mehrsprachigen Ressourcen weiterzuentwickeln, gleichzeitig die neue Sprache Deutsch in Wort und Schrift zu lernen“, so Montanari.

Die Wissenschaftlerinnen setzen sich zum Beispiel mit dem Umgang mit Sprache im Mathematikunterricht auseinander. Wie können Lehrerinnen und Lehrer sprachlich dazu beitragen, das mathematische Lernen zu unterstützen? „Unterricht, ob Deutsch oder Chemie, hat immer mit Sprache zu tun. In der Mathematik gibt es eine Besonderheit: Unsere Gegenstände sind Gegenstände des Denkens. Wir arbeiten mit Fachbegriffen und Formeln“, sagt Professorin Barbara Schmidt-Thieme, die in Hildesheim Seminare zum Thema „Wie viel Sprache steckt im Fach Mathematik?“ anbietet. „‘Eine Kugel rollt‘ – das ist Alltagssprache. Dann geht man in die Fachsprache hinein. ‚Eine Kugel hat überall den gleichen Durchmesser. Sie ist die Menge aller Punkte des dreidimensionalen Raumes, die von einem Punkt M (Mittelpunkt) den gleichen Abstand hat.‘ Diesen Übergang zu gestalten, ist Aufgabe der Lehrkräfte, dazu benötigen sie Sprache“, sagt die Mathematikdidaktikerin Schmidt-Thieme. Ein weiteres Beispiel sind die „Päckchen“. „Man denkt an den Paketboten, an Weihnachten (‚Ich packe ein Päckchen für meine Freunde.‘). Aber in der Mathematik rechnen wir Päckchen – das finden Sie in jedem Mathebuch. ‚Rechne Päckchen‘. Hier ist es gut, sich mit Studierenden genau zu überlegen, was dort eigentlich steht und ob das noch einmal erklärt werden soll. Die fachspezifische Lexik ist sehr spannend“, sagt Elke Montanari.

Im Projekt „Umbrüche gestalten“ haben die Wissenschaftlerinnen Lehr-Lern-Konzepte entwickelt und erprobt, so haben sich Studierende etwa in der Vorlesung „Einführung in die Mathematikdidaktik“ oder in einem dreisemestrigen Projektband im Masterstudium in Schulen mit dem Thema Sprachenbildung befasst. Die Lehrveranstaltungen wurden dokumentiert, damit sie übertragbar sind, sie sind künftig in einer Datenbank online abrufbar. Zudem haben die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen national und international auf Tagungen die Frage diskutiert, was Lehrerinnen und Lehrer kennen und wissen müssen, um mit den Schülerinnen und Schülern der Zukunft zu lernen.

„Schulen können sich jetzt weiterentwickeln – das ist nötig. Die hohe und individuelle Diversität ist ein Ausgangspunkt für zukünftiges Unterrichten. Das bedeutet: Wir brauchen neue Methoden, Strategien und Veränderungen in der Lehramtsausbildung“, sagt Elke Montanari. Die Professorin startet nun ein Nachfolgeprojekt, „Umbrüche II“: In einer internationalen Ringvorlesung „Multilingualism and Diversity“ sprechen die Professoren Ofelia Garcia, Jan ten Thije und Harald Clahsen über Mehrsprachigkeit, Lernen und Vielfalt. „Wir sollten Diversität nicht als Hindernis sehen. Wenn Schülerinnen und Schüler mit zwölf Jahren als Seiteneinsteiger in unserem Bildungssystem anfangen, können wir sie nicht fünf Jahren parken und abwarten. Schülerschaft ist heterogen – welche Konzepte haben wir, hier erfolgreich zu unterrichten, um Hochbegabte, Schüler mit sozialem Förderbedarf und Schüler, die vor einem Jahren nach Deutschland gekommen sind auf ihren Wegen zu begleiten?“, so Montanari.

Zur Rolle der Lehrerinnen und Lehrer sagt Professorin Montanari: „Alle Untersuchungen zeigen, dass man die Bedeutung der Lehrpersonen nicht überschätzen kann. Sie sind enorm wichtig darin, wie sie Schülerinnen und Schüler begegnen. Ich spreche hier in Hildesheim mit Studierenden, die mit acht oder zehn Jahren nach Deutschland gekommen sind und sich erinnern: ‚Da war eine Lehrerin, die hat mich abgeholt und sie hat mich verstanden und bestärkt – dann ging das für mich richtig los.‘ Heute studieren sie Deutsch – man sieht, wie erfolgreich Bildungswege verlaufen können, wenn Lehrerinnen und Lehrer Kinder bestärken. Die Professionalität von Lehrern ist extrem kostbar. Und die gute Nachricht ist: Einer reicht. Wenn eine Schülerin eine Lehrperson findet, die sie annimmt und ihre Ressourcen wahrnimmt und stärkt, dann bringt das einen enormen Schub mit sich.“

Kurz erklärt: „Umbrüche gestalten“

Das Projekt „Umbrüche gestalten“ wird seit 2014 gefördert durch das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Das Mercator-Institut ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefördertes Institut der Universität zu Köln.. Im niedersächsischen Verbundprojekt haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von neun Hochschulen ein strukturiertes Qualifizierungsangebot zu Sprachenbildung und Sprachenförderung sowie Deutsch als Zweitsprache entwickelt. Ziel ist es, die Themen in die niedersächsische Lehramtsausbildung aller Fächer, Schulformen und Schulstufen zu integrieren. Das Projektteam der Universität Hildesheim arbeitet gemeinsam mit den Teams in Braunschweig, Osnabrück und Vechta im Bereich Grund-, Haupt- und Realschulen.

Eine Abschlusstagung findet in dieser Woche in Hannover statt (Februar 2017). Auf der von der VolkswagenStiftung geförderten internationalen Tagung werden die Projektergebnisse vorgestellt. Unter anderem sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Harvard Graduate School of Education, USA, und der Freien Universität Bozen, Italien.

Kurz erklärt: Studium – Deutsch als Zweitsprache

Die Universität Hildesheim bietet den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Der Masterstudiengang macht sichtbar, dass Mehrsprachigkeit zu unserem Alltag gehört. Absolventinnen und Absolventen können an Schulen und Hochschulen im Ausland arbeiten oder in international vernetzten Betrieben die deutsche Sprache und Kultur vermitteln. Sie können sich für die Sprachförderung in Schulen spezialisieren, in der Bildungsplanung in Behörden oder in der Schulbuchherstellung arbeiten und Erwachsene in Integrationskursen unterrichten. Der Studiengang kann auch berufsbegleitend und in Teilzeit studiert werden, zum Beispiel begleitend zu einer Lehrtätigkeit.

Medienkontakt: Kontakt zu den Wissenschaftlerinnen über die Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Deutsche Sprache Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-12547 Wed, 18 Jan 2017 14:01:00 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung und Service https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/ausgezeichne-1/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper, die Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und den Psychologen Ryan Hackländer sowie den Systemadministrator Florian Störig für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und im Wissenschaftsmanagement aus. Die Preise sind mit jeweils 3000 Euro dotiert. Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

Preis für hervorragende Forschung: Prof. Dr. Irene Pieper

Die Universität Hildesheim zeichnet Professorin Irene Pieper für ihre hervorragende Forschung aus. Seit 2007 forscht und lehrt Irene Pieper als Professorin für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik am Institut für deutsche Sprache und Literatur. Die Professorin befasst sich zum Beispiel mit der Lesesozialisation von Schülern und Schülerinnen aller Schulformen und dem Spannungsverhältnis zwischen fachlichem Wissen und literarischem Verstehen. Eines ihrer derzeitigen Projekte, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, widmet sich dem literarischen Verstehen im Umgang mit Metaphorik.

Was reizt Jugendliche am Lesen? Welche Rolle spielt das Lesen im Spektrum ihrer Mediennutzung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Irene Pieper in einer aktuellen Studie. Die Literaturwissenschaftlerin untersucht, welchen Platz Literatur im Deutschunterricht und in der Freizeit einnimmt. Die Beschäftigung mit Literatur, ihr Stellenwert im Deutschunterricht sowie die Orientierungen der Lehrerinnen und Lehrer stehen selten im Zentrum der Forschung. Bisher ist wenig untersucht, welche Erfahrungen die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Literatur in der Schule machen, inwiefern Jugendliche mit ihren persönlichen Leseinteressen das Unterrichtshandeln der Lehrkräfte beeinflussen und umgekehrt. „Unterrichtsnahe Forschung zu diesem Bereich fehlt im deutschsprachigen Raum weitgehend, obwohl er für die Entwicklung von Lesemotivation und Lesekompetenz eine zentrale Rolle spielt", sagt Professorin Pieper. In dem Forschungsprojekt, das vom Land Niedersachsen im Rahmen von „Pro Niedersachsen“ gefördert wird, kombiniert die Professorin qualitative und quantitative Zugänge. So werden in den kommenden Monaten Lehrerinnen und Lehrer von etwa 60 achten Klassen aus den Schulformen Gymnasium, Real-, Haupt- und Gesamtschule sowie deren etwa 1200 Schülerinnen und Schüler befragt.

„Frau Pieper ist wissenschaftlich ausgesprochen vernetzt. So hat sie bereits ein europäisches Projekt zum Thema ‚Literary Framework for Teachers in Secondary Education‘ durchgeführt und ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende der ‚International Association for Research in L1 Education (languages, literatures, literacies)‘, ARLE, die ihren Sitz in Hildesheim hat“, sagt Vizepräsidentin Prof. Dr. Renate Soellner in ihrer Laudatio. Seit 2011 leitet Irene Pieper das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Seit 2012 ist sie Mitherausgeberin der wichtigsten Zeitschrift der Deutschdidaktik, „Didaktik Deutsch“. „Neben der Forschung engagiert sie sich auch für das Erlernen von Schreibkompetenzen bei Studienanfängerinnen und Studienanfängern. Sie gründete 2008 und leitet bis heute das Lese- und Schreibzentrum. Aktuell arbeitet sie an der Entwicklung einer elektronischen Plattform für die Einübung in wissenschaftliches Lesen und Schreiben“, hebt Renate Soellner hervor. „Ich freue mich sehr über dieses Zeichen der Anerkennung“, so Irene Pieper. Sie wolle „interdisziplinäre Forschungsräume weiter ausbauen“.

Preis für hervorragende Lehre: Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und Psychologe Ryan Hackländer

Ein Rekord – 85 Vorschläge für den Preis für hervorragende Lehre gingen bei der Universität ein. „Nach dem grandiosen Erfolg der Maßnahmen, die unser Qualitätsmanager Torsten Bergt vor einem Jahr vorgeschlagen und umgesetzt hatte, um mehr Studierende zu bewegen, ihre Lehrenden für den Preis für hervorragende Lehre zu nominieren, konnte die Zahl der Anträge noch einmal deutlich gesteigert werden“, freut sich Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander. Eine Jury – bestehend aus der Studiendekanin des Fachbereichs 1, dem Studiendekan des Fachbereichs 2 und zwei Studierendenvertretern der Fachbereiche 3 und 4 – hat entschieden, den Preis an zwei Lehrende zu vergeben: Der  Preis geht an Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sowie Ryan Hackländer vom Institut für Psychologie.

Isabel Rink wird für ihre hervorragende Lehre im praxisnahen Seminar „Kommunikation und Orientierung von Menschen mit Sinnesbehinderungen“ ausgezeichnet. Die Übersetzungswissenschaftlerin hat Studierende an die Regeln der Leichten Sprache herangeführt – und begeistert. Vizepräsident Sander würdigt ihr „außergewöhnliches Engagement auf einem Gebiet höchster gesellschaftlicher Relevanz“. Die Studierenden haben theoretische Regeln in der Praxis angewendet, Übersetzungen wurden vom NDR veröffentlicht. Die Arbeit mit dem NDR habe den Studierenden „die realen Bedingungen des Übersetzungsmarktes nahe gebracht“.

Isabel Rink studierte „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ in Hildesheim und an der Universidad de Murcia/Spanien. Nach dem Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Sie ist Geschäftsführerin der Forschungsstelle Leichte Sprache und koordiniert gleichzeitig das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Isabel Rink hat eine Reihe von Publikationen zum Thema Leichte Sprache – etwa ihre Masterarbeit „Nachteilsausgleich im Bereich Hörschädigung: Zur Übersetzung von Mathematikarbeiten in Leichte Sprache“ – veröffentlicht und promoviert bei Prof. Dr. Christiane Maaß zum Thema „Barrierefreie Rechtskommunikation. Zur Übersetzung juristischer Inhalte in Leichte Sprache am Beispiel des Pilotprojekts ‚Leichte Sprache in der Niedersächsischen Justiz‘“.

Seit zweieinhalb Jahren lehrt Ryan Hackländer als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Uni Hildesheim. Zuvor lebte der US-Amerikaner in Kentucky, wo er als Doktorand am Department of Cognitive and Brain Sciences der University of Louisville promovierte. Für seine Hildesheimer Lehrveranstaltungen „Psychology of Olfaction” und „Projektband Allgemeine Psychologie: The Efficacy of Podcasts as Supplemental Learning Material” wird er nun ausgezeichnet. In Hildesheim bietet Ryan Hackländer für Masterstudierende im Lehramt ein Projektband mit Experimenten zum Gedächtnis an. Er hält seine Lehrveranstaltungen in englischer Sprache.

„Sehr abwechslungsreich, praxisorientiert, spielerisch lernend – Ryan Hackländer ist einfach ein sehr engagierter Dozent, der motiviert, montags früh um 8 Uhr in die Uni zu fahren“, sagen die Studentinnen Katharina Klabunde und Amira Sultan über ihren Dozenten. Er rege zu „kreativem und kritischem Denken“ an und verwende eine Bandbreite an Lehr- und Prüfungsmethoden. Ryan Hackländer sagt, er wolle in seinen Seminaren Studentinnen und Studenten ermutigen, Fragen zu stellen. Er selber profitiere in seiner Forschung sehr von den Diskussionen mit den Studierenden. „Die Studentinnen und Studenten bringen sich mit neuen Ideen ein, sind engagiert.“

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Systemadministrator Florian Störig

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, „die sich in ganz besonderem Maße für unsere Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

Der diesjährige Preisträger ist Florian Störig. Als Mitarbeiter im Rechenzentrum ist er für die Datenverarbeitung im Bereich der Uni-Verwaltung zuständig. „Für Ihr herausragendes Engagement, Ihre Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit gepaart mit Ihrer guten Laune möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken“, so Vizepräsident Kreysing in seiner Laudatio. „Seit unserem ersten Zusammentreffen habe ich Herrn Störig immer als kompetenten und lösungsorientierten Mitarbeiter erlebt, der sich mit seiner Aufgabe und unserer Universität über die Maßen identifiziert", ergänzt Matthias Kreysing.

Florian Störig sagt, die Arbeit in der Universität bereite ihm große Freude. Besonders bedankt er sich für die gute Zusammenarbeit bei dem Leiter des Rechenzentrums Dr. Dietmar Fox. Florian Störig hat 2002 seine Ausbildung zum Fachinformatiker mit dem Schwerpunkt Systemintegration im Rechenzentrum der Universität Hildesheim begonnen und diese 2005 erfolgreich abgeschlossen. Seitdem ist er als Mitarbeiter in der Uni-Verwaltung tätig. Darüber hinaus hat er sich von 2006 bis 2015 als Schwerbehindertenvertreter der Universität Hildesheim sowie vier Jahre im Uni-Personalrat engagiert.

Neujahrsempfang

Die Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen wurden im Rahmen des diesjährigen Neujahrsempfangs verliehen.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich warb während des Neujahrsempfangs der Universität Hildesheim für ein gutes Miteinander. „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“, zitierte er Humboldt. „Man kann mit Sorge in die Zukunft blicken. Die Meinungsfreiheit bedeutet aber nicht, dass rassistische Parolen verbreitet werden dürfen.“ Friedrich hob hervor, dass das Grundgesetz die Grundlage für den Alltag und den Umgang miteinander bildet. Er verweist auf das Leitbild der Universität.

499 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 227 Personen in der Verwaltung, in der Bibliothek und in der Technik sind derzeit an der Stiftungsuniversität tätig. 7930 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim. Die Universität werde in den kommenden Monaten ihre Entwicklungsplanung fortschreiben. „Im Zentrum unserer Arbeit steht die Wissenschaft – Forschung und Lehre. Wie können wir die Universität als forschende und lehrende Einrichtung voranbringen? Aus diesen Fragen ergeben sich Konsequenzen für das Studium“, so Friedrich. „Wir können nicht weiter wachsen, was die Anzahl der Studierenden betrifft. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen mehr Zeit für ihre Forschung und auch für Beratung und Betreuung von Studierenden. Allerdings sollten wir unser Studienangebot weiter entwickeln. Wir haben die Erziehungswissenschaften und Psychologie gestärkt. Ich freue mich sehr, dass in der Informatik u.a. mit Data Analytics die Entwicklung weiter sehr dynamisch verläuft.“

Universitätspräsident Friedrich zeigte sich sehr erfreut, dass erneut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Rufe an andere Universitäten abgelehnt und sich für den Universitätsstandort Hildesheim entschieden haben. So habe Vera Volkmann, seit 2012 als Juniorprofessorin am Institut für Sportwissenschaft tätig, einen Ruf nach Kiel abgelehnt und tritt nun eine Professur für Sportwissenschaft in Hildesheim an.

Erstmals hat die Universität Hildesheim einen Seniorprofessor: Wolfgang Christian Schneider lehrt in der Philosophie und Bildenden Kunst im Bereich der Geistes- und Kulturgeschichte. Das Wissen, welches er über jahrelange Forschung angesammelt hat, möchte er teilen. „Alle Dinge sind miteinander verflochten“, sagt Schneider. Wenn er in einem Kunst-Seminar über den italienischen Bildhauer Michelangelo spricht, taucht auch die Lyrik auf. Er befasst sich mit den Fragen, wie Menschen dichten, malen, Architektur entwerfen. Er trage gerne den Titel „Seniorprofessor“ und sieht diesen als Ergänzung zu den bestehenden Juniorprofessuren. „Ich möchte Erfahrungen zurückgeben“, sagt Schneider. „Ich freue mich auf meine kommenden Lehrveranstaltungen in Hildesheim, wir beschäftigen uns mit Naturphilosophie.“

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news-12917 Mon, 16 Jan 2017 10:06:00 +0100 Lehramt, Kultur, Sprachen, IT: Infotage für Studieninteressierte https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/lehramt-kultur-sprachen-it-infotage-fuer-studieninteressierte/ Infotage am 31. Januar und 1. Februar 2017 an der Universität Hildesheim: Wer Fragen rund um das Studium hat, kann sich an das Team der Zentralen Studienberatung wenden. Während der Infotage geben Lehrende Einblicke in das Studium, Studentinnen und Studenten beantworten Fragen rund um den Uni-Alltag. Den passenden Studiengang und Studienort zu finden ist oftmals eine Herausforderung für Studieninteressierte. Die Zentrale Studienberatung der Universität Hildesheim bietet daher im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung „Studieren auf der Höhe“ am 31. Januar und 1. Februar 2017 gezielt Unterstützung.

Zum Programm gehören Veranstaltungen der Lehrenden (beispielsweise zum Thema Lehramtsstudium) sowie Workshops von Studentinnen und Studenten zu Fragen rund um das Studium. Während der Infotage erhalten Studieninteressierte detaillierte Informationen zum Bewerbungsverfahren, vielfältige Einblicke in den Hochschulalltag und in die Besonderheiten des Studienangebots der Universität Hildesheim.

Am Dienstag, 31. Januar 2017, dreht sich auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg alles um die kulturwissenschaftlichen Studiengänge der Universität Hildesheim. Neben der Vorstellung von Studieninhalten erhalten Studieninteressierte hier wichtige Informationen rund um die künstlerische Eignungsprüfung. Wer in Theaterhäusern und Verlagen, in Schulen, in Funk- und Fernsehanstalten, in der Kulturverwaltung und Kulturellen Bildung arbeiten möchte, sollte den Infotag auf dem Kulturcampus nicht verpassen. Studieninteressierte können zum Beispiel an Lehrveranstaltungen teilnehmen - an der Einführung von Professor Jens Roselt in die „Arbeitsfelder der Theaterwissenschaft“, an einem Seminar von Professorin Stefanie Diekmann zur Frage „Was wir unter Feminismus verstehen“, an einer Übung zur musikalischen Analyse des Dozenten Ulrich Bartels oder an einem Seminar von Professor Simon Roloff über „Kleine Formen“ im Kulturjournalismus. Der Kulutr-Infotag beginnt um 09:15 Uhr mit einer Begrüßung den Dekan des Fachbereichs, jeweils um 09:30, 12:30 und 16:00 Uhr zeigen Studierende den Campus, zwischen 10:00 bis 14:00 Uhr können Studieninteressierte in ausgewählte Lehrveranstaltungen hineinschnuppern.

Am Mittwoch, 1. Februar 2017, stehen ab 14:30 Uhr das Lehramtsstudium und die weiteren Studienangebote aus den Erziehungs-, Informations- und Naturwissenschaften im Mittelpunkt. Interessierte können außerdem gemeinsam mit Studentinnen und Studenten den Campus erkunden und Fragen rund um das Studium klären. Zum Abschluss erhalten sie wichtige Informationen zur Bewerbung um einen Studienplatz.

Lehramt, Psychologie, Informatik, Umwelt, Sprachen: Infotage für Studieninteressierte

Das gesamte Programm der Infotage ist im Internet zu finden. Wer Fragen zu den Infotagen hat kann sich an Britta Lehradt von der Zentralen Studienberatung wenden (Telefon 05121.883-92212, E-Mail: lehradt@uni-hildesheim.de). Die Infotage richten sich an alle Studieninteressierten.

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news-12827 Tue, 03 Jan 2017 17:03:00 +0100 Es war einmal: Märchen in Leichter Sprache https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/es-war-einmal-maerchen-in-leichter-sprache/ Von „Frau Holle“ bis zu den „Bremer Stadtmusikanten“: Ein Team um Professorin Christiane Maaß übersetzt Märchen in Leichte Sprache. „Wir haben gehörlose Kinder kennengelernt, die zehn Jahre alt sind und kaum Märchen kennen“, berichtet Maaß. Märchen in vereinfachter Form existieren bisher kaum. Die Medienlinguistinnen der Universität Hildesheim arbeiten daher mit dem NDR zusammen. Die Märchen sind ab sofort online kostenfrei abrufbar. Professorin Christiane Maaß von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim hat mit ihrem Team und in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk Märchen in Leichter Sprache produziert. Die Märchen sind ab sofort online beim NDR abrufbar – von „Rapunzel“ und „Frau Holle“ über „Der Wolf und die sieben Geißlein“ bis zu den „Bremer Stadtmusikanten“.

Die Texte wurden von Studentinnen und Studenten des Studiengangs  „Medientext und Medienübersetzen“ in den Kursen „Orientierung – Menschen mit Sinnesbehinderungen“ und „Barrierefreie Internetnutzung“ angefertigt. Auch die Zeichnungen sind überwiegend von den Studierenden. Isabel Rink von der Forschungsstelle Leichte Sprache hat die Märchen überarbeitet und sie sind ab sofort auch in Gebärdensprache mit Untertiteln in Leichter Sprache abrufbar. Viel Wert haben die Übersetzerinnen auf eine schöne Stimmqualität der Sprecher gelegt.

Als einzige Universität in Deutschland hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten ebenso umgesetzt werden wie praktische Projekte. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium wurden zum Beispiel juristische Texte, etwa das Erbrecht, übersetzt. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, so Maaß.

Nachgefragt bei Professorin Christiane Maaß und Isabel Rink

Warum übersetzen Sie Märchen – von „Frau Holle“ bis „Hänsel und Gretel“?

Christiane Maaß: Wir übersetzen alle Arten von Texten und haben eigentlich einen Fokus auf fachlichen Texten, insbesondere juristischen. Hier gibt es inzwischen rechtliche Vorgaben und damit eine Handlungsnotwendigkeit. Uns ist es jedoch ein Anliegen, alle Formen von Schriftlichkeit für Leserinnen und Leser mit Einschränkungen zu öffnen. Märchen sind ein wichtiges Kulturgut. Sie sind sprachlich nicht leicht, aber alle Kinder – auch Kinder mit Behinderungen oder Kinder, die gerade erst Deutsch lernen – sollten möglichst direkt Zugang erhalten. Wir haben gehörlose Kinder kennengelernt, die zehn Jahre alt sind und kaum Märchen kennen, weil es sie nicht in für sie zugänglicher Form gab. Es war uns ein Anliegen, Märchen für alle barrierefrei zu machen. Darum auch die Umsetzung in Leichter Sprache, in Gebärdensprache, mit Vorlesefunktion und mit Untertiteln: Jede und jeder soll Zugang erhalten.

Was ist schwierig beim Übersetzen der Märchen? Ist es immer eindeutig klar, wie man einfache Worte für den komplexen Märchentext finden kann?

Isabel Rink: Nein – es war tatsächlich mühevoll bei den Märchen den richtigen „Ton" zu treffen, denn gerade dieser macht die Textsorte ja so besonders. Eine Herausforderung ist der Umgang mit den für Märchen so typischen Verkleinerungsformen, zum Beispiel „Häuschen", „Vögelchen" oder „Hemdlein" – diese sind nicht trivial und müssen erklärt werden [hier kann man das Märchen „Hänsel und Gretel“ in Leichter Sprache lesen]. Wir haben uns in der Übersetzung von Hänsel und Gretel für diese Variante entschieden:

Dann kommen Hänsel und Gretel zu einem Häuschen.
Ein Häuschen ist ein kleines Haus.
Das Häuschen ist mitten im Wald.
Das Häuschen ist aus Brot.
Und Zucker.

Wie verändert sich der Originaltext in Ihren Märchen-Übersetzungen?

Isabel Rink: Bei „Hänsel und Gretel“ kommt erschwerend hinzu, dass das Märchen einen typischen Reim enthält:

„Knusper, knusper, Knäuschen,
wer knuspert an meinem Häuschen?"

Zuallererst wollten wir das „Häuschen" zu einem „Haus" machen, aber dann hätte der so charakteristische Reim nicht mehr adäquat übersetzt werden können (Knusper, knusper, Knaus, wer knuspert an meinem Haus?). Das Märchen hätte seinen Charme verloren. Also mussten wir nach alternativen Lösungen suchen…

Für welche Übersetzung haben Sie sich dann entschieden?

Isabel Rink: Die Lösung sieht wie folgt aus:

Hänsel und Gretel essen ein Stück vom Häuschen.
Plötzlich hören Hänsel und Gretel eine Stimme.
Die Stimme kommt aus dem Häuschen:
Knusper knusper Knäuschen.
Wer knuspert an meinem Häuschen?

Wie geht es nun weiter in der Forschungsstelle Leichte Sprache – Sie übersetzen mit ihrem Team Texte aus der Justiz (etwa Erbrecht), Märchen, Nachrichten – und nun? Welche Textform wäre noch reizvoll und wichtig? Etwa: ein Mietvertrag, Musiktexte, Theatertexte, Kant, Goethe und Dostojewski?

Christiane Maaß: Im Moment steht eine wichtige Aufgabe für uns im Vordergrund: Ab 1. Januar 2018 besteht nach dem Behindertengleichstellungsgesetz ein gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Rechtstexte in Leichter Sprache. Diese Texte liegen noch nicht vor und es gibt nur wenige Übersetzer in Deutschland, die diese Aufgabe übernehmen können. Rechtstexte sind schwer und die Übersetzungen müssen ja korrekt und dabei trotzdem sprachlich ganz leicht werden. Das ist eine sehr schwere Aufgabe. Wir möchten zur Professionalisierung der Leichte-Sprache-Übersetzer im Bereich der fachlichen Übersetzung beitragen. Hierfür arbeiten wir eng mit den großen deutschen Übersetzerverbänden (ADÜ, BDÜ) zusammen. Wir konnten sie überzeugen, sich für Leichte Sprache zu öffnen und uns zu unterstützen. Wir möchten, dass viele Leichte-Sprache-Übersetzer in die Lage versetzt werden, Fachtexte angemessen in Leichte Sprache umzusetzen, damit das Projekt „Rechtstexte in Leichter Sprache" gelingen kann.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache

Wer sich für Leichte Sprache interessiert, kann Prof. Dr. Christiane Maaß (christiane.maass@uni-hildesheim.de) und Isabel Rink (rinkis@uni-hildesheim.de) kontaktieren. Weitere Informationen findet man auf der Internetseite der Uni-Forschungsstelle sowie auf der Internetseite des NDR.

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news-12818 Thu, 29 Dec 2016 13:39:00 +0100 Internet und Politik: Soziale Medien im Wahlkampf https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/internet-und-politik-soziale-medien-im-wahlkampf/ Welche Rolle spielen soziale Medien im amerikanischen und deutschen Wahlkampf? Die Nutzung von Twitter, Facebook und Co wird auch die Bundestagswahl beeinflussen, sagen Politikwissenschaftler. Die Universität Hildesheim lädt am 10. Januar 2017 zur Debatte ein. Am Dienstag, 10. Januar 2017, spricht Professor Christoph Bieber an der Universität in Hildesheim über den amerikanischen und deutschen Wahlkampf. Dabei geht der Politikwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen auf die Rolle sozialer Medien ein und fragt, ob der deutsche Wahlkampf anders sein wird als der amerikanische. Die USA haben einen Wahlkampf von noch nie dagewesener Schärfe erlebt. Professor Bieber ist Experte für soziale Medien in Wahlkämpfen und befasst sich zudem mit der Zeit „Nach Obama“ (das gleichnamige Buch erscheint im Frühjahr 2017). Der Vortrag ist Teil der Reihe „Digitale Lebenswelten" an der Universität Hildesheim.

„Die Nutzung sozialer Medien wird auch den deutschen Wahlkampf beeinflussen. Sehr wahrscheinlich aber in vielerlei Hinsicht anders als in den USA“, sagt Professorin Marianne Kneuer. „Welche Rolle etwa Twitter bei dem Bundestagswahlkampf spielen wird und ob populistische Tendenzen verstärkt werden, sind zwei Aspekte, die wir im Blick behalten müssen“, so die Politikwissenschaftlerin. Marianne Kneuer hat an der Universität in Hildesheim die Arbeitsgruppe Internet und Politik aufgebaut. Wolf Schünemann, seit Herbst 2016 neuer Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internet und Politik in Hildesheim, untersucht in den kommenden Monaten das Diskursverhalten in sozialen Netzwerken, etwa im anstehenden Bundestagswahlkampf und im Landtagswahlkampf in Niedersachsen.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Professorin Marianne Kneuer organisiert die Vorlesungsreihe gemeinsam mit den Sprachwissenschaftlerinnen Prof. Bettina Kluge und Prof. Beatrix Kreß und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum. Die Wissenschaftler laden interessierte Bürger herzlich in die Universität ein, um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren. Alle Vorträge sind öffentlich und kostenfrei. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Der Vortrag von Professor Christoph Bieber beginnt am 10. Januar 2017 um 18:15 Uhr am Uni-Hauptcampus am Universitätsplatz 1 (Forum, Raum N007). Die Reihe endet am 31. Januar 2017 mit einem Vortrag der Hamburger Informationswissenschaftlerin Professorin Frauke Schade über Erfolgsfaktoren von Marktführern auf dem digitalen Informationsmarkt. Auf dem digitalen Informationsmarkt entwickeln sich in einem rasanten Tempo neue Geschäftsmodelle und Vertriebsstrategien für Öffentlichkeiten, die nach neuen Regeln spielen.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-12663 Mon, 28 Nov 2016 10:59:00 +0100 Uni mitgestalten: Mitarbeit in Gremien https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/uni-mitgestalten-mitarbeit-in-gremien/ Wahlvorschläge für die Gremien der Universität einreichen: Noch bis zum Freitag, 2. Dezember 2016, können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Wissenschaft und Verwaltung sowie Studierende Wahlvorschläge einreichen. Die Gremienwahlen finden im Januar 2017 an drei Campus-Standorten statt. Sie halten die Universität am Laufen: universitäre Gremien. Ohne die Wissenschaftler_innen, Studierende und Mitarbeiter_innen der Universität, die sich hier aktiv mit Zeit und Ideen einbringen und so die Universität Hildesheim mitgestalten, würden diese Gremien nicht funktionieren. Im Senat beschließen sie zum Beispiel Ordnungen, die Entwicklungsplanung der Hochschule und sind an Berufungsverfahren für Professorinnen oder Professoren beteiligt, nehmen Stellung zur Entwicklung von Studiengängen und zum Wirtschaftsplan. In den Fachbereichsräten entscheiden sie über Angelegenheiten der Forschung und Lehre, beschließen Studien- und Prüfungsordnungen des jeweiligen Fachbereichs.

Nun stehen Neuwahlen an. Gewählt werden die Vertreterinnen und Vertreter der Hochschullehrergruppe, der Mitarbeitergruppe, der MTV-Gruppe sowie der Studierendengruppe im Senat und in den Fachbereichsräten. Außerdem wählen die Studierenden das Studierendenparlament neu. Die Amtszeit beträgt für Studierende ein Jahr und für alle übrigen zwei Jahre.

Wahlvorschläge können noch bis Freitag, 2. Dezember 2016 (12.00 Uhr Ausschlussfrist), beim Beauftragten des Wahlleiters, Henning Buitkamp, Justitiar an der Universität Hildesheim, eingereicht werden. Aus dem in der Telefonzentrale und im AStA-Büro ausliegenden Wählerverzeichnis geht hervor, wer wählen darf.

Die Gremienwahlen finden vom 17. bis 19. Januar 2017 jeweils von 09:45 Uhr bis 16:00 Uhr statt. Es gibt drei Wahlräume: Die Fachbereiche 1 und 4 sowie die sonstigen wahlberechtigten Mitglieder aller Gruppen wählen am Hauptcampus, Fachbereich 2 auf der Domäne Marienburg und Fachbereich 3 am Bühler-Campus. Wer nicht persönlich vor Ort sein kann, kann bis zum 10. Januar 2017 Briefwahlunterlagen beantragen.

Vordrucke für die Wahlvorschläge können online heruntergeladen werden.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Personalportal
news-12704 Fri, 18 Nov 2016 16:31:00 +0100 Was ist echt? Professor Tholen über Fakten und Fiktionen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/was-ist-echt-professor-tholen-ueber-fakten-und-fiktionen/ Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland auseinander. In einem Tagungsbericht gibt Professor Toni Tholen, Literaturwissenschaftler an der Universität Hildesheim, Einblicke in aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung, die während einer binationalen Konferenz in Salamanca vorgestellt wurden. Die Universitäten Hildesheim und Salamanca wollen ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Prof. Dr. Toni Tholen lehrt und forscht am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim.  Gemeinsam mit Professorin Patricia Cifre Wibrow von der Universidad de Salamanca und Professor Arno Gimber von der Universidad Complutense de Madrid hat er die binationale Konferenz „Fakten, Fiktionen und Fact-Fictions“ entwickelt. Die Konferenz fand vom 3. bis 5. Oktober 2016 in Salamanca statt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) förderte die Konferenz aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. An der Konferenz waren mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des kulturwissenschaftlichen Fachbereichs – aus Philosophie, Theater und Literatur – der Universität Hildesheim beteiligt. Die Konferenz bildet den Auftakt für weitere Kooperationen in Forschung und Lehre, Studierendenaustausch und wissenschaftlicher Nachwuchsförderung.

Tagungsbericht von Professor Toni Tholen

Die Erforschung des Verhältnisses von Fakten und Fiktionen in der Literatur und in anderen Künsten der Gegenwart ist eine vordringliche Aufgabe der Literatur- und Kulturwissenschaften. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielsweise hat die verstärkte Bedeutung etwa von visuellen Medien zu neuen Formaten innerhalb der Literatur geführt: Die Literatur macht die wirklichkeitserzeugende Kraft von Bildern zunehmend für ihre eigenen Zwecke fruchtbar. So entstanden in den letzten Jahrzehnten interessante literarische Foto-Texte, die von den jeweiligen Autorinnen und Autoren zum Zweck der ästhetischen Darstellung ihres eigenen Lebens produziert worden sind. Solche autobiographischen Texte nutzen auf der einen Seite das wirklichkeitsverbürgende Potenzial von Fotos aus der eigenen Kindheit zur Beglaubigung der erzählten Lebensgeschichte, auf der anderen Seite treten die Fotos und andere Bildelemente in ein ästhetisches Spiel mit dem Text ein, wobei längst nicht immer eindeutig ist, ob wir es mit faktualen oder fiktionalen Passagen der erzählten Lebensgeschichte zu tun haben. Die Texte werden auf diese Weise offen und mehrdeutig, das Erzählen des eigenen Lebens wird selbst zum literarischen Experiment – zur „Autofiktion“ –, und die Leserinnen und Leser können sich der Wahrhaftigkeit und Wahrheit des Erzählten nicht länger sicher sein.

Die allgemeine Schwierigkeit, in Erfahrung zu bringen, wie etwas Zurückliegendes wirklich war, was in bestimmten Zeiten, unter bestimmten politischen Verhältnissen wirklich geschehen ist, was man als Kind, als Jugendlicher und Erwachsener wirklich erlebt hat, wird in einer Vielzahl neuerer und neuester literarischer Texte erfahrbar und diskutierbar. Mit gutem Grund kann man solche Texte als Fact-Fictions bezeichnen.

Dabei spannt sich der thematische Fächer weit auf. Im deutschsprachigen Kontext sind es  oftmals Texte, die sich mit der Involvierung von Männern, Frauen und ihren Familien in den Nationalsozialismus, auf der Täter- wie auf der Opferseite, auseinandersetzen und dabei mehr oder weniger authentische, bisweilen sogar gefälschte Erzählungen (wie im Falle Binjamin Wilkomirskis) darbieten. Die Frage nach dem Grad der Wirklichkeitstreue der rekonstruierten bzw. erzählten Geschichte reicht dabei bis in die theoretische Auseinandersetzung um die Darstellbarkeit von Geschichte in der Geschichtswissenschaft selbst, wie Michael Pfeiffer grundsätzlich in einem der ersten Vorträge der Tagung ausführte. Bis heute herrsche dort Uneinigkeit über die Frage, inwiefern die wissenschaftliche Darstellung von Geschichte nicht notwendig auch auf Fiktionalisierungen zurückgreift bzw. um der Anschaulichkeit des Dargestellten willen zurückgreifen muss.

Bei der Konferenz stellte eine Reihe von spanischen und deutschen Referentinnen und Referenten ihre Forschungen auf diesem thematischen Feld vor. So mit Bezug auf den Faschismus, Diktatur und Holocaust Marisa Siguan in ihrem Beitrag über Max Aubs montageartigen Roman „Am Ende der Flucht“ und Hertha Müllers Roman „Der Fuchs war damals schon der Jäger“, Patricia Cifre Wibrow in Auseinandersetzung mit dem als Fälschung enttarnten autobiographischen Buch von Binjamin Wilkomirski (alias Bruno Dössekker) mit dem Titel „Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948“, in dem der Autor sich als Überlebender des Holocaust darstellt – parallel dazu mit Enric Marcos  Fälschung seiner Biographie im Franco-Regime –, M. Loreto Vilar über Angela Rohr, die eigene Erfahrungen in stalinistischen Lagern literarisch in der Erzählung „Der Vogel“ verarbeitet hat, Teresa Vinardell Puig über Peter Henischs Vaterbuch „Die kleine Geschichte meines Vaters“. Im größeren historischen und intergenerationalen Zusammenhang  referierten Dolors Sabaté über die autobiographischen Schriften Kasimir Edschmids, Manuel Maldonado Alemán über Tanja Dückers‘ Familienroman „Himmelskörper“ und Manuel Martín über autobiographische Texte von Walser, Degen und Forte. Versucht wurde darüber hinaus auch, den autobiographisch-autofiktionalen Schreibraum auf spezifische Formen und Text-Bildbeziehungen hin zu erkunden. Toni Tholen führte nach einer theoretischen Erörterung dieses Raums am Beispiel von Roland Barthes‘ Buch „Über mich selbst“ und W.G. Sebalds Text „Die Ringe des Saturn“ die Kategorie der Automelanchographie ein, eine Form des autobiographischen Schreibens zwischen Text und Bild, das sich vor allem auf der Folie einer affektiven Grundbefindlichkeit, der Melancholie, entfaltet. Jennifer Clare nahm den Begriff des autobiographischen Raums in Bezug auf den Schreibprozess bei Peter Weiss auf, indem sie die Wechselbeziehungen des Schreibens von Notizen und die Arbeit am Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ auch unter Aspekten des Lebenswissens und der Identitätsmodellierung untersuchte. Auf die spezifischen ästhetischen Wirkungen der Foto-Text-Montagen ging Anna Montané Forasté in ihrem Vortrag zu Judith Schalanskys „Blau steht dir nicht“ und Angela Krauß‘ „Eine Wiege“ ein. Die einzelnen Vorträge erarbeiteten Verbindungslinien zwischen Autor/innen, die zuvor nicht im Blick gewesen waren, und schärften so den Blick für die Intertexualität und Interkulturalität autofiktionalen Schreibens. Letzteren Aspekt hob insbesondere Ana Ruiz am Beispiel des literarischen Werks von Jorge Semprun hervor.

Aufgenommen wurden Strategien der Autofiktionalisierung noch einmal im weiteren Verlauf der Tagung, und zwar auch in historischer Perspektive. Schon Autorinnen und Autoren der klassisch-romantischen Periode verwenden vor allem in ihren Briefen und Briefwechseln Strategien der literarisierenden Ich-Modellierung. Im Falle Jean Pauls und anderer Autoren der Epoche geschieht dies durch fiktionale Autorsignaturen (Jörg Paulus), im Falle Bettina von Arnims durch das Erschreiben eines weiblichen Ich, das im Anruf des geliebten Goethe sich zur Autorin einer Wirklichkeit sui generis macht (Andrea Hübener), im Falle Goethes durch das  Anlegen einer Ich-Maske (persona), die ihm die Möglichkeit gibt, incognito zu bleiben und damit in faktischen Lebenszusammenhängen eine Identität zu simulieren, die seine Existenz ins Symbolische steigert. Simulierte Identität werde heute, so Christian Schärf in seiner Übertragung der Goetheschen Strategie der Selbstschöpfung auf die Gegenwart, nicht mehr von Einzelnen geleistet, sondern von den Agenturen der Massenkultur und der Massenmedien. Die wirklichkeitserzeugende und -erweiternde Kraft von Simulation und Virtualität erörtete auch Miriam Llamas Ubieto am Phänomen der Netzliteratur.

Ein anderer thematischer Block kreiste um die neue Aktualität des Dokumentartheaters. Stand dieses noch in den 1960er Jahren im Dienst einer Politisierung der Künste sowie im Dienst der Aufarbeitung deutscher Vergangenheit, woran der Vortrag von Manuel Montesinos Caperos über Günter Weisenborns Drama „Klopfzeichen“ noch einmal erinnerte, so thematisieren zeitgenössische Produktionen zwar auch politisch und gesellschaftlich relevante Themen wie etwa den NSU-Prozess, aber sie tun dies mit ganz neuen ästhetischen Mitteln, Strategien und Performanzen. Sie fördern den Hybridcharakter von theatralen Fact-Fictions deutlich zu Tage  und machen es Publikum wie Akteuren auf der Bühne zur Aufgabe, der Verhandlung von Geschichte, Politik und Lebensprozessen in interkulturellen Kontexten Sinn abzugewinnen und sie vor dem Hintergrund intermedialer und metaästhetischer Inszenierungen in ihrer Aussagekraft zu reflektieren. So widmete sich Jens Roselt der Thematisierung der eigenen Lebensgeschichte und der eigenen Lebenserfahrung von „Expert/innen“, die keine professionellen Schauspieler sind, auf der Bühne unter dem Stichwort des Erzähltheaters. An zeitgenössischen Produktionen wie „Breaking News“ von Rimini-Protokoll entfaltete er die These, dass das Erzählen der eigenen Biographie als Handeln inszeniert und wahrgenommen wird. Arno Gimber schritt in seinen Überlegungen zum zeitgenössischen Dokumentartheater den Zwischenraum von Fakten und Fiktionen weiter ab, indem er auf das Oszillierende, ästhetisch Verdichtete, auf den Als-ob-Charakter des Theaters als Spiel, aber auch als Ermöglichung des Utopischen verwies (den Aspekt des Utopischen hatte Andreas Hetzel am Tag zuvor schon unter dem Stichwort einer kritisch-transformatorischen Ästhetik im Anschluss an einen Roman von Vargas Llosa sowie an Rancière anvisiert). Die Integration von Realitätsfragmenten könne man, so Gimber, auch im Sinne einer neuen Sehnsucht nach dem Authentischen interpretieren. Brigitte Jirku arbeitete am Beispiel des NSU-Prozesses und dessen Verarbeitung in Elfriede Jelineks Stück „Das schweigende Mädchen“ als Metatext eines neuen Dokumentartheaters heraus und zeigte auf, inwiefern das Theater als Inszenierung von Akten des Zum-Sprechen-Bringens, des Beobachtens und des Bezeugens zum Mitspieler im Prozess gesellschaftlicher Auseinandersetzungen wird. Johanna Vollmeyer untersuchte Jelineks Theatertexte auf ihre Plurimedialität hin und verwies auf die Ununterscheidbarkeit zwischen Sein und Schein in den Texten.

Schließlich nahm Volker Pietsch in einem anderen Genre, dem Reportagefilm, einmal mehr den gegenwärtig spürbaren Drang zum Authentischen und Realen auf, um zu zeigen, dass Filmproduktionen wie „Rec“ die Distanzverringerung zum Faktischen mit gleichzeitiger Medienreflexion verbinden. Damit wurde einmal mehr bestätigt, dass Fakten, Reales, Biographien in den Künsten unter dem Vorbehalt bzw. der Rahmenbedingung des Gemachten, des Fiktionalen, des Inszenierten und Performativen verarbeitet werden.  Der Aspekt der medialen Vermitteltheit ist in den ästhetischen Texten und Produktionen stets kopräsent. Man könnte dies übergreifend als eines der zentralen Tagungsergebnisse bezeichnen.

Eine abschließende Diskussion führte zu wichtigen Ergebnissen und Schlüsselbegriffen, die es erlaubten, das Tagungsthema synthetisierend zu betrachten und Aspekte zukünftiger Forschungen zu identifizieren:

  1. Die Zwischenräumlichkeit als Raum-, Zeit- und Handlungsdimension von Fact-Fictions; auch im Sinne von utopischen Möglichkeitsräumen und hybriden Texträumen

  2. Das prozessuale, experimentelle Moment der Fact-Fictions, sowohl auf der Seite der Produktion wie der Rezeption, und unter Einbezug von Aspekten der Performativität, Materialität und Metareflexivität

  3. Die große Dichte autobiographisch-autofiktionaler Texte/Produktionen in den Gegenwartskünsten

  4. Die symmedial zu füllenden Lücken (in) der Wirklichkeit; die Erweiterung der Wirklichkeit im digitalen Raum

  5. Die Versprachlichung (und damit Fiktionalisierung) des Unsagbaren

Weitere Informationen zum Verlauf und zur Nachhaltigkeit der Tagung [PDF]

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Medien, Theater und Populäre Kultur Philosophie Fachbereich 3 Deutsche Sprache
news-12708 Fri, 18 Nov 2016 15:40:00 +0100 Nach der Lehrerausbildung: Ab ins Klassenzimmer https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nach-der-lehrerausbildung-ab-ins-klassenzimmer/ 100 Studentinnen und Studenten schließen ihr Masterstudium ab und starten in den Lehrerberuf. In einer Feierstunde in der Universität Hildesheim erhalten sie ihre Urkunden. Nachgefragt bei drei Studierenden, die künftig täglich im Klassenzimmer stehen. Ab ins Klassenzimmer: Viele Jahre des Studiums liegen nun hinter ihnen – das will gefeiert werden. Bevor die Masterstudierenden in das Referendariat starten, werden sie feierlich in der Universität Hildesheim verabschiedet. Ein studentisches Team hat die Feierstunde vorbereitet. An diesem Wochenende erhalten Studentinnen und Studenten des „Master of Education“ ihre Urkunden. Professorin Barbara Schmidt-Thieme wird während der Feierstunde sprechen, sie zeigt sich beeindruckt von der Vielfalt der Forschungsfragen, denen die Studierenden in den vergangenen Jahren nachgegangen sind. Drei Studierende werden für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet. Eine Woche später, am 26. November 2016, findet eine Feierstunde für Bachelorstudierende (Lehramt) statt.

Insgesamt erhalten 100 Studierende aus dem ersten viersemestrigen Masterstudiengang am Samstag ihre Abschlussurkunden, sagt Dörthe Buchhester vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. „Wir freuen uns, dass die ersten Absolventinnen und Absolventen nun erfolgreich ihr Studium abgeschlossen haben und wünschen ihnen alles Gute für den weiteren Weg.“

Außerdem baut die Universität ihr bundesweites Ehemaligen-Netzwerk aus: Ehemalige aller Fachbereiche können sich ab sofort online registrieren und werden über aktuelle Entwicklungen informiert.

Nachgefragt – Lehramtsstudierende im Kurzinterview

„Ich möchte, dass meine Schülerinnen und Schüler gerne in die Schule kommen“

Sara Schnüll, 25 Jahre, geboren in Hameln, hat ihr Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik und Musik erfolgreich abgeschlossen, möchte als Lehrerin in Niedersachsen unterrichten – am liebsten in der Region Hildesheim.

Sie starten jetzt in den Lehrerberuf, nach Jahren des Studiums. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Ich glaube, dass das Referendariat eine sehr anstrengende und schwierige Zeit wird. Ich hoffe, dass ich viel lerne und routinierter Unterrichtsstunden planen und umsetzen werde. Man hört ja häufig nicht die positivsten Geschichten über die Zeit des Referendariats. Aber ich hoffe sehr, dass ich das meistern kann und freue mich dann auf die Zeit, in der man mit weniger Druck (durch Unterrichtsbesuche und Bewertungen) an die Arbeit gehen kann.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Es wird eine sehr große Herausforderung, meinen eigenen Anforderungen an mich selbst, aber auch den Anforderungen, die von der Gesellschaft, den Eltern und den Kindern an mich gestellt werden, gerecht zu werden. Davor habe ich großen Respekt und ich bin selber noch gespannt, wie ich das alles so umsetzen werde. Ich möchte, dass meine Schülerinnen und Schüler gerne in die Schule kommen. Ich hoffe, dass sie Spaß am Lernen haben und dass ich jedes Kind da abholen kann, wo es gerade steht. Dass das nicht einfach wird, das war eine große Erkenntnis in meinem Masterstudium. Aber versuchen werde ich es auf jeden Fall.

Was haben Sie in Ihrer Masterarbeit untersucht?

Ich habe mich mit Methoden im Instrumentalunterricht beschäftigt. Welche Methoden wenden Lehrerinnen und Lehrer an, um Kindern das Spielen auf einem Instrument beizubringen? Schon in meiner Bachelorarbeit habe ich untersucht, was guten Instrumentalunterricht ausmacht, ich habe Neunjährige und Erwachsene befragt, wie der Unterricht heute und früher ablief. Spannend – es gibt Unterschiede.

Zu welchem Ergebnis kommen Sie?

Ein Ergebnis: Es kommt auf die Schüler und die Lehrer an, wie sie zusammenpassen – einige Schüler brauchen viele Vorgaben und etwas Druck, andere möchten sich die Inhalte selber erarbeiten und entdecken. Das erfordert vom Lehrer viel Flexibilität, weil man sich auf den Einzelnen konzentrieren muss. Es kommt darauf an, auf jeden Schüler individuell einzugehen – was kann das Kind, wo sind seine Stärken?

Musik wird oft fachfremd unterrichtet – wo wollen Sie im Schulalltag ansetzen?

Auf jeden Fall wird es mehr als ein bisschen hin- und herklimpern. Musik schafft auch Selbstvertrauen. Ich merke, dass die Kinder echt Spaß am Musizieren haben. Eine Befürchtung habe ich, was die Vergabe von Noten in diesem auch emotionalen Bereich angeht, das Schulsystem ist ja sehr leistungsorientiert. Ich glaube, man kann mit Musik viel erreichen. Oft ist das Instrumentarium im Schulalltag begrenzt – von Gitarre bis zum Keyboard. Ich spiele Klavier, bin aber offen, eine Oud oder Tombak in den Unterricht zu holen.

Eine Erinnerung an Ihre Studienzeit: Welche Bedeutung haben die Praxisphasen an Schulen im Verlauf des Studiums? Wie haben die Kinder und Jugendlichen auf Sie reagiert?

Ich erinnere mich gerne an die Praktika in meinem Studium zurück! Im ersten Jahr war ich einmal in der Woche im Klassenzimmer – die „Schulpraktischen Studien“ in der Grundschule Hohnsen hier in Hildesheim waren ein guter Start in das Studium. Ich habe hier auch viele tolle Menschen und Freunde kennengelernt. Die Praxisphase im Masterstudium habe ich an der Grundschule Ochtersum verbracht, auch hier habe ich festgestellt, wie wichtig und schön es ist, engagierte und nette Kollegen und Kolleginnen zu haben, mit denen man gut und gerne zusammenarbeitet und sich über den Unterricht austauscht. Die Schüler haben natürlich erstmal getestet, „wie weit man bei einer Praktikantin gehen kann“..., haben mich dann aber schnell als Lehrperson angenommen und es hat viel Freude gemacht, die Kinder so interessiert und konzentriert zu sehen.

Lektüre gehört zum Studium – welche?

Eine gute Frage... Es gibt kein Buch, das mich vom Anfang bis zum Ende durchgehend begleitet hat – da noch am ehesten das Kochbuch meiner Mutter. In Mathematik war es vielleicht das Buch „Didaktik der Arithmetik", das ich sehr sinnvoll fand.

Gab es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Sie besonders gefördert und unterstützt haben auf Ihrem Weg, Lehrerin zu werden?

In meinem Studium hat mich Dr. Andreas Hoppe aus dem Uni-Musikinstitut von Anfang bis zum Ende begleitet. Neben tollen, praxisnahen Seminaren und Übungen (die wirklich hilfreich für den späteren Lehrberuf waren), hat er mich außerdem während meiner Bachelor- und Masterarbeit unterstützt. Ich habe mich da immer sehr wohl und ernstgenommen gefühlt.

Nun starten Sie in das Referendariat. Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

An meinem Studium werde ich mit Sicherheit das längere Schlafen vermissen – dass man den Tagesablauf und Tagesrhythmus so frei wählen konnte, wie man es wollte. Ich habe dieses „freie Leben“ sehr zu schätzen gelernt. Das wird es im Vorbereitungsdienst und im späteren Job so bestimmt nicht mehr geben. War schon eine gute Zeit!

„Die Kinder haben sich schnell an uns gewöhnt und gemerkt: Okay, die bleiben länger hier“

Raimund Hollemann, 24, aus Hildesheim, hat im Masterstudium Mathematik und Sachunterricht (mit Geographie) studiert, ist einer der wenigen Männer, die sich für den Beruf als Grundschullehrer entschieden haben.

Sie starten jetzt in den Lehrerberuf, nach Jahren des Studiums. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Ich glaube, dass es eine harte und anstrengende Zeit wird. Bisher habe ich von Freunden aus dem Referendariat fast nur Negatives gehört. Ich hoffe allerdings, dass ich durch das Referendariat noch mehr darüber erfahren kann, wie ich Kindern mit Problemen jeglicher Art helfen kann – besonders auch im Erstunterricht.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Wissenschaftliches Arbeiten ist zu einem großen Teil das Abschreiben von anderen.

Eine Erinnerung an die Studienzeit: Welche Bedeutung haben die Praxisphasen an Schulen im Verlauf des Studiums? Wie haben die Kinder und Jugendlichen auf Sie reagiert?

Ich persönlich fand die Praxisphase sehr gut und wichtig. Durch sie wurde ich nochmals ermutigt diesen Beruf weiter auszuüben, weil die Lehre in der Universität mir zumeist zu theoretisch war. Die Praxisphasen waren zu jedem Zeitpunkt meines Studiums enorm aufmunternd und dort habe ich auch erfahren, wie ich in bestimmten Situationen zu reagieren habe. Ich durfte Schulalltag in der Grundschule Ochtersum, in der Grundschule Moritzberg und im Masterstudium in der Grundschule Nettlingen erleben.

Sie haben im ländlichen Raum Ihre Praxiszeit verbracht – was haben Sie in Nettlingen erlebt?

Die Lehrerin an meiner Praxisschule im Masterstudium war genial, das Kollegium an der einzügigen Grundschule, an der ich meine Praxiszeit verbringen durfte, hat uns Lehramtsstudenten sehr unterstützt. Für die Kinder war es ungewohnt, dass Lehramtsstudierende mit im Klassenzimmer sitzen – aber sie haben sich schnell an uns gewöhnt und gemerkt: Okay, die bleiben länger hier. Die Kinder haben uns wirklich herzlich aufgenommen. In den Pausen suchten vor allem die Kinder, die alleinerzogen wurden, meine Nähe auf. Das ist mir zum Ende meiner Studienzeit erst richtig bewusst geworden.

Lektüre gehört zum Studium: Welche?

Den Klassiker „Was ist guter Unterricht" von Hilbert Meyer fand ich während des Studiums sehr interessant und konnte damit auch häufig Unterrichtssequenzen begründen. Für meine Masterarbeit habe ich das Werk zur Untersuchung guten Mathematik- und Sachunterrichts ebenfalls sehr gut verwenden können.

Was haben Sie in ihrer Abschlussarbeit untersucht?

Ich habe Mathematik- und Sachunterricht in der Schule untersucht und Studierende befragt, die ein halbes Jahr an Schulen verbracht haben. Diese haben den Unterricht an zuvor ausgewählten Kriterien, wie klare Strukturierung, Methodenvielfalt oder vorbereitete Lernumgebung (nach Hilbert Meyer), bewertet und somit konnte eine Einschätzung getroffen werden, ob sie eher schlechten oder guten Unterricht gesehen haben.

Gab es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Sie besonders gefördert und unterstützt haben auf Ihrem Weg, Lehrer zu werden?

Es gab in meiner Zeit als Student mehrere Dozentinnen und Dozenten, die mir in unterschiedlichster Situation geholfen haben. Dabei möchte ich keine einzelne besonders Person hervorheben.

Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

Das liebste an der Studienzeit waren mir die neuen Freunde, die ich in der Zeit kennenlernen durfte (mit denen bleibe ich aber sicherlich in Kontakt). Auch werde ich die freie Wahl meines Tagesablaufs (die man als Student zum Teil genießt) vermissen. In der Zeit während ich in der Universität war, vermisse ich vor allem die Freistunden, die mit Kartenspielen in der Mensa immer ein Highlight waren.

„Für mich war es sehr wichtig, erste Unterrichtserfahrungen im Studium zu sammeln“

Miriam Pasewark,  25 Jahre alt, in Celle geboren, hat Lehramt an der Universität Hildesheim mit den Fächern Wirtschaft und evangelische Theologie studiert, möchte später an einer Realschule unterrichten.

Sie starten in den Lehrerberuf. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Schule?

Mit dem Beginn des Referendariats beginnt eine neue und hoffentlich spannende Phase in meinem Leben. Jetzt wird es ernst! Es wird sicherlich eine Umstellung zum Studentenleben, man trägt nun Verantwortung für die Schüler, Kollegen und für sich selbst. Ich freue mich auf ein freundliches Kollegium und die Möglichkeit, selbst vor einer Klasse zu stehen und mit den Schülern schöne wie auch nicht so angenehme Unterrichtsstunden zu verleben. Ich werde den Schulalltag mit all seinen Facetten kennenlernen und an den Herausforderungen wachsen.

Eine Erkenntnis, zu der Sie jüngst im Masterstudium kamen?

Eine besondere Erkenntnis im Masterstudium, die mir (und vielleicht auch anderen Studenten) in Zukunft hoffentlich noch hilfreich sein wird: Man sollte sich selbst nicht zu sehr mit anderen vergleichen, sondern seine Leistung an den eigenen Ansprüchen und Bemühungen messen. Beispielsweise ist eine 2,7 kein Weltuntergang, es ist eine gute Leistung mit leichten Schwächen, auf die man auf jeden Fall stolz sein kann.

Eine Erinnerung an die Studienzeit an der Universität Hildesheim: Welche Bedeutung haben die Praxisphasen an Schulen im Verlauf des Studiums?

Während meines Studiums habe ich Praktika an der Oberschule Delligsen, der Albertus-Magnus Realschule und der Hauptschule Himmelsthür absolviert. Für mich war es sehr wichtig, die ersten Unterrichtserfahrungen bereits im Studium zu sammeln. Man bekommt schnell ein Gespür dafür, ob man sich vor einer Klasse wohl fühlt. Eine weitere Bereicherung ist die Anleitung durch Mentoren. Man hat die Möglichkeit, den eigenen Unterricht mit einer berufserfahrenen Person zu reflektieren und bekommt hilfreiche Tipps zum eigenen Lehrerverhalten oder der Unterrichtsvorbereitung. Manchmal sieht man auch, was und wie man etwas nicht tun sollte….

Lektüre gehört zum Studium: Welche?

Zwei Bücher, die seit dem ersten Semester immer mal wieder zum Einsatz kamen: Hilbert Meyer „Was ist guter Unterricht?" und „Leitfaden Unterrichtsvorbereitung".

Womit haben Sie sich in Ihrer Abschlussarbeit beschäftigt?

Das Thema meiner Masterarbeit ist: „An den Grenzen des Lehrberufs: Eine empirische Studie zu niedersächsischen Lehrern an Psychiatrien und Krankenhäusern“. Ich habe Interview mit Lehrpersonen geführt, die in Psychiatrien und in Kliniken unterrichten. Vor welchen Herausforderungen stehen sie im Alltag?

Was ist ein Ergebnis?

In Niedersachsen werden die Lehrpersonen mit einer bestimmten Stundenzahl abgeordnet – es gibt keine richtige Schulleitung und Verwaltungsstruktur. Die Lehrer müssen sich selber organisieren. Die Lehrer, die das machen, haben eigentlich keine großen Vorteile, sondern eher mehr Arbeit, deswegen ist das nicht so beliebt. Ich habe in Psychiatrien und in Krankenhausschulen angerufen und gefragt, ob ich dort forschen kann. Die Reaktion: Alle angefragten Lehrer haben zugesagt, sie haben sich sehr gefreut, dass einmal jemand fragt. Ich durfte auch im Unterricht hospitieren.

Wie gelangt man zu Erkenntnissen – lernt man das im Studium?

In Pädagogik habe ich ein Begleitseminar zur Masterarbeit besucht, das war sehr hilfreich. Wir konnten all unsere Fragen stellen und unsere Arbeit auch untereinander diskutieren.

Gab es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Sie besonders unterstützt haben auf Ihrem Weg, Lehrer zu werden?

Es gibt einige Veranstaltungen, die mich sehr interessiert und weitergebracht haben. Dazu gehören sämtliche Psychologie-Vorlesungen und Seminare, welche immer sehr abwechslungsreich und spannend aufbereitet wurden. Die Reli-Seminare im Kloster Drübeck werden mir ebenfalls in Erinnerung bleiben. Außerdem wurde ich während der Masterarbeit sehr von der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Melanie Fabel-Lamla unterstützt.

Werden Sie etwas aus der Studienzeit vermissen?

Ich werde sehr viel aus der Studienzeit vermissen. In Hildesheim habe ich Freunde kennengelernt, die mich (hoffentlich) ein Leben lang begleiten werden. Die Zeit in meiner WG werde ich auch nicht so schnell vergessen, insbesondere unsere gemeinsamen DVD-Abende und das kollektive Aufregen über Dozenten. Des Weiteren war es schön, seine Zeit selbst einteilen zu können. Meine durchschnittliche Aufsteh-Zeit war 9 Uhr – da werde ich mich im Referendariat noch umgewöhnen müssen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) MEd (Lehramt) Lehrerbildung Studierendenportal
news-12683 Sun, 13 Nov 2016 20:03:00 +0100 Jung gründen: „Nicht aufgeben, Ressourcen geschickt kombinieren“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/jung-gruenden-nicht-aufgeben-ressourcen-geschickt-kombinieren/ Gründerwoche an der Universität Hildesheim startet: Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche können sich über Gründungen informieren. „Man kann das schaffen, selbst etwas gründen und auf die Beine stellen“, sagt die Wirtschaftsstudentin Sabrina Mujagic. „Unternehmen gründen ist eine Option – schon im Studium“, sagt Professor Athanassios Pitsoulis. „Unternehmerisches Denken und Handeln bekommt man nicht in die Wiege gelegt, das kann man lernen. Man kann lernen, nicht aufzugeben, weil man leicht sagt: Mir fehlen die Mittel. Stattdessen kann man sich fragen: Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung, wie kann ich das, was ich habe, geschickt kombinieren und mit anderen kooperieren?“

Während einer Aktionswoche an der Universität Hildesheim können sich Studentinnen und Studenten über Gründungen informieren. Vom 14. bis 20. November 2016 erfahren sie, wie sie einen „Business-Plan“ erstellen und wie Lehrerinnenund Lehrer Schülerfirmen begleiten können. Sie tauschen sich über Gründungen im Kulturbereich aus und können erproben, wie man Geschäftsideen entwickeln kann. Studierende und Lehrende aller Fachbereiche können teilnehmen.

„Wir brauchen unternehmerisches Denken und Handeln, um gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern. Wo andere nur Probleme sehen, kreieren unternehmerische Studierende mit den vorhandenen Ressourcen neue Gelegenheiten. Sie organisieren zum Beispiel eine Tauschbörse für gebrauchte Lehrbücher. Statt in den Klagekanon über Prüfungsstress einzustimmen, entwickeln sie die Idee für eine App, die Studierenden das Zeitmanagement erleichtert“, sagt die Hildesheimer Wirtschaftspsychologin Astrid Lange.

Dabei sein: Gründerwoche an der Uni Hildesheim

Unternehmertum in der Lehrerausbildung

Der Wirtschaftsprofessor Athanassios Pitsoulis bildet an der Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer aus, die unternehmerischesDenken und Handeln in Schulen fördern. „Wir können dazu beitragen, dass künftige Generationen von Lehrerinnen und Lehrern mit einem weniger durch Stereotype geprägten Bild von Unternehmertum an die Schulen kommen. Unser Land kann es sich langfristig schlichtweg nicht leisten, das vorhandene unternehmerische Potenzial verkümmern zu lassen“, sagt Pitsoulis.

„Ich möchte Jugendliche und Studierende darüber informieren und sie ermutigen: Man kann das schaffen und selbst etwas gründen und auf die Beine stellen“, sagt Sabrina Mujagic. Die Lehramtsstudentin schließt derzeit ihr Studium mit den Fächern Englisch und Wirtschaft ab und möchte unternehmerisches Denken und Handeln in den Schulalltag holen. Sie kommt aus einer Unternehmerfamilie, ihre Eltern und Geschwister haben sich selbstständig gemacht. Im Studium an der Universität Hildesheim hat Sabrina Mujagic bereits engagierte Jugendliche in Schülerfirmen begleiten können, sie beschäftigt sich mit dem Aufbau von „Juniorunternehmen“. So entstand in der Michelsenschule in Hildesheim beispielsweise ein Gewürzgeschäft.

Viele Schülerfirmen entwickeln „hochinteressante, ernstzunehmende Produkte“, sagt Professor Athanassios Pitsoulis. „Das sollte man nicht belächeln. Durch Schülerfirmen kommen Jugendliche in Schulen mit einer Welt in Berührung, zu der sie sonst wenig Zugang haben. Sie beschäftigen sich mit Finanz- und Ressourcenplanung und erfahren Wirtschaft und Unternehmertum am eigenen Leib. In Schülerfirmen können alle Fächer zusammenarbeiten.“

„Ich kam vor meinem Studium leider nie mit Selbstständigkeit und Unternehmertum in Berührung – weder durch Verwandte noch in meiner Schulzeit. Dann habe ich zufällig die Veranstaltungen der Gründerwoche in Hildesheim entdeckt – und nun bin ich Teil des Teams. Mit der Aktionswoche möchten wir Studierenden einen Einblick in die Welt der Gründerinnen und Gründer bieten. Vier Gründer erzählen zum Beispiel aus ihren Anfängen, über Scheitern und Erfolge beim Aufbau einer Firma“, sagt Loreen Waller. Sie studiert Lehramt mit den Fächern Wirtschaft und Deutsch und hat im Schulpraktikum an einer Oberschule in Harsum Achtklässler bei der Weiterentwicklung ihrer Schülerfirma begleitet.

Die Jugendlichen bringen Ideen und Freude mit, um selber „etwas auf die Beine zu stellen“ – Lehrerinnen und Lehrern können das Gründungsklima in deutschen Klassenzimmern befördern. Die Hildesheimer Studentinnen Sabrina Mujagic und Loreen Waller wollen in ihrem künftigen Beruf als Lehrerinnen Kinder und Jugendliche unterstützen, sich mit der Idee zu befassen, selbst ein Unternehmen zu gründen.

Jung gründen – erzähl deine Geschichte!

Was sie antreibt, welche Geschäftsideen sie haben und wie junge Leute im kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich ein Unternehmen gründen: In einer Serie berichtet die Universität Hildesheim über junge Gründerinnen und Gründer. So geben Studierende des Kreativen Schreibens zum Beispiel die bundesweite Literaturzeitschrift „Bella triste“ heraus. Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche, die bereits Gründungserfahrungen gesammelt haben, melden sich bitte bei Isa Lange (presse@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik
news-12665 Wed, 09 Nov 2016 15:45:00 +0100 Wie wir Informationen suchen: Ein Studienjahr in Südkorea https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wie-wir-informationen-suchen-ein-studienjahr-in-suedkorea/ Ein Jahr in Südkorea studieren? Studierende der Informationswissenschaft können an den südkoreanischen Partneruniversitäten Pai Chai University in Daejeon und Chungbuk National University in Cheongju studieren. Sie lernen, wie Gesellschaften komplexe Informationsprozesse bewältigen und gestalten können. Warum sie ein Jahr im Ausland studieren – Isa Lange hat nachgefragt bei Studierenden aus Hildesheim und Daejeon. Jetzt bewerben: Informationen über das Joint Degree Programm GLOMIS

Für Jeongboem Park heißt es derzeit: Halbzeit. Park ist 26, Student der Pai Chai University in Daejeon und verbringt sein zweites Studienjahr im „GLOMIS“-Programm an der Universität in Hildesheim. Normalerweise pendelt er durch Daejeon, eine Großstadt im Zentrum von Südkorea, mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Südkoreas. Nun führen ihn seine Wege durch Hildesheim. „Ich befasse mich mit den Informationen, die in Computern stecken und wie man die Mengen an Informationen organisieren kann, etwa in Bibliotheken oder Unternehmen. Hier in Hildesheim befasse ich mich mit der Interaktion zwischen Mensch und Maschine und mit der Suche nach Informationen. Es geht um die Informationsprozesse, wie können Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort für die richtige Person verfügbar sein? Wie kann man Informationen schnell, effizient finden? Wir nennen das ‚information retrieval‘.“

Neben ihm sitzen Wiebke Thode, Michael Krzyzowski und Chanjong Im – alle Studierende im „Joint Degree Programm GLOMIS“ – im Café am Bühler-Campus – dem Ort, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, wie sich Kommunikation und Sprache im Alltag von Menschen auswirken. Für Chanjong Im ist die Studienzeit in Hildesheim nach einem Jahr vorbei, er kehrt mit einem erfolgreichen Abschluss zurück in seine Heimat Südkorea. Er lässt das vergangene Jahr Revue passieren. „Wir haben nicht viele Studienprogramme im Bereich Informationswissenschaft, in denen wir mit europäischen Universitäten zusammenarbeiten“, sagt Chanjong Im. „Die meisten sind mit den USA vernetzt. Ich habe mich für ein Studium in Deutschland entschieden, um mehr über das Land zu erfahren. In meiner Heimat wusste ich wenig über Europa. Alle sagen: Deutschland ist bekannt für die guten Autos.“

Der 27-Jährige hat im Rahmen des „GLOMIS“-Programms ein Jahr an der Universität Hildesheim Informationswissenschaft studiert. Er erinnert sich an seinen ersten Tag in Hildesheim: „Ich fühlte mich leer – ich war ganz alleine im Bus. Es war gerade Urlaubszeit. Wenig Menschen sind nach 8 Uhr abends auf den Straßen.“ Mit jedem Tag wandelt sich sein Bild der norddeutschen Stadt. „Hildesheim ist die perfekte Stadt, um zu studieren. Ich kann mich konzentrieren, die Stadt ist grün und wenn ich spazieren gehe, singen die Vögel“, sagt Chanjong Im. Er habe sich für die 100.000-Einwohner-Stadt entschieden, da er sein Wissen im Bereich der Informationswissenschaft ausbauen und neue Impulse aufnehmen möchte. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich spezialisiert auf die Interaktion zwischen Mensch und Computer, auf maschinelle Sprachverarbeitung, Informations- und Wissensmanagement. Und sie untersuchen, wie wir über das Internet kommunizieren und wie Software so entwickelt werden kann, dass sie verständlich und gebrauchstauglich ist.

„Alles ist in Zukunft mit dem Computer verbunden“, vermutet der Student Chanjong Im. „Durch den Auslandsaufenthalt in Hildesheim habe ich einmal mehr erlebt, wie wichtig es ist, während der Programmierung an den Nutzer zu denken. Wenn ich ein Navigationssystem in Daejeon programmiere – unsere Navis sprechen normalerweise mit Autofahrern – dann kann ich das gleiche nicht in Deutschland einsetzen.“

„Programmierer müssen Produkte regionalisieren“, ergänzt Michael Krzyzowski. Der 28-Jährige Student der Universität Hildesheim hat das Studium im „GLOMIS“-Programm gerade mit einem einjährigen Aufenthalt in Daejeon abgeschlossen. Dort konnte er auch in den Forschungslaboren mitarbeiten. „Ich habe während meiner Zeit in Südkorea viel gelernt – Selbstmanagement, mit Zeit umzugehen.“ Auch Wiebke Thode war ein Jahr an der Pai Chai University. „Eine wichtige Erfahrung und viele Eindrücke – ein Jahr in einem unbekannten Land zu leben trägt zu einer offenen Grundhaltung bei. Wir haben auf Englisch kommuniziert. Professoren und Studierende haben uns in Daejeon unterstützt“, sagt die 24-Jährige, die ebenfalls gerade ihr Studium erfolgreich abgeschlossen hat. Es sei toll, dass die Hildesheimer Lehrenden diese Kooperation ermöglicht haben und auch die Finanzierung durch ein Stipendium getragen wurde, sagt Michael Krzyzowski.

Für Chanjong Im geht es zurück nach Daejeon. „Ich habe mich gerade an die Stadt Hildesheim gewöhnt. Ein großer Unterschied besteht darin, wie schnell Menschen arbeiten. In Südkorea läuft fast alles digital, in 30 Minuten ist eine Anfrage erledigt – hier greift man auf Papier zurück“, lächelt der Student. Mit welchen Erfahrungen reist er zurück nach Südkorea? „Ich habe in Deutschland gelernt, dass viele Menschen sehr strikt sind, wenn es um Privatheit geht. Das lässt mich aufwecken – wie gehen wir mit Informationen und Daten verantwortungsvoll um? Darüber denke ich nach“, sagt Chanjong Im.

Internationale Kooperation: Studierendenaustausch im Bereich Informationswissenschaft

In dem europäisch-koreanischen Joint Degree Programm „Global Studies on Management and Information Science“ (GLOMIS) befassen sich Studierende je nach dem Schwerpunkt ihrer Universität mit Informationsprozessen aus unterschiedlichen Fachperspektiven – Informationswissenschaft, Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik und Informationstechnologie. Das Studium ist eine länderübergreifende Kooperation der Universität Hildesheim (europäischer Koordinator) und der Universität Graz mit den Partnerhochschulen Pai Chai University in Daejeon und Chungbuk National University in Cheongju.

Im ersten Studienjahr studieren die Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim und der Pai Chai University Module aus den Masterstudiengängen ihrer Heimatuniversität: „Internationales Informationsmanagement – Informationswissenschaft“ bzw. „Information and Communication Engineering“. Im Auslandsjahr – in Südkorea für die europäischen Studierenden, in Europa für die Studierenden aus Südkorea – spezialisieren sich die Studierenden an der Partneruniversität.

Professorin Christa Womser-Hacker, Professor Thomas Mandl und Folker Caroli leiten und koordinieren das Gesamtprojekt „GLOMIS“ am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim. Das Programm wird durch die EU und die National Research Fundation in Korea gefördert. Für das Auslandsjahr erhalten Studierende ein Stipendium in Höhe von 11.500 Euro. Insgesamt konnten bisher 21 Studierende an dem Programm teilnehmen (5 aus der Uni Hildesheim, 6 aus der Uni Graz, 6 aus der Chubngbuk National University und 4 aus der Pai Chai University). Wer sich für das Studium interessiert, kann sich an Dr. Folker Caroli wenden (E-Mail caroli@uni-hildesheim.de).

Begleitet wird der der Austausch der Studierenden durch einen Austausch von Lehrenden, berichtet der Hildesheimer Informationswissenschaftler Folker Caroli. „Jedes Jahr besuchen im Frühjahr und Herbst koreanische Kolleginnen und Kollegen die europäischen Partner, Kollegen und Kolleginnen der europäischen Universitäten halten Lehrveranstaltungen an den Partneruniversitäten in Korea.“ So haben im Frühjahr 2016 Lehrende aus allen Partneruniversitäten einen Workshop auf der koreanischen Insel Jeju abgehalten,  in dem sich koreanische und europäische Studierende mit unterschiedlichen Aspekten der Analyse und der Organisation von Informationsprozessen im digitalen Zeitalter auseinandersetzen konnten.

„Der Erfolg des Studienprogramms beruht auf einer engen fachlichen Zusammenarbeit der beteiligten Institute und auf der professionellen Unterstützung durch die International Offices der Partneruniversitäten. Dies wurde auch bei der Projektbegehung durch die EU anerkannt“, sagt Caroli. Nach 2018 läuft die Förderung des Programms durch die EU definitiv aus. „Angesichts des Erfolgs des Programms und seiner zunehmenden Resonanz unter den Studierenden hoffen wir, dass wir Unterstützer finden, die das Studienprogramm fördern. Wir suchen derzeit Partner, die für einen Studenten ein Stipendium übernehmen“, sagt Caroli.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie International Office Studierendenportal
news-12610 Fri, 04 Nov 2016 19:13:00 +0100 Einblicke – Wer macht was? Willkommen in der Universität https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/einblicke-wer-macht-was-willkommen-in-der-universitaet/ Wer in den Berufsalltag startet, ob in Wissenschaft oder Verwaltung, sollte den direkten Austausch am 10. November 2016 nicht verpassen: Auf einer Informationsveranstaltung stellen Uni-Verantwortliche ihren Tätigkeitsbereich vor. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im direkten Gespräch ihre Fragen rund um den Hochschulalltag loswerden. Wer in den Berufsalltag startet, ob in Wissenschaft oder Verwaltung, sollte den direkten Austausch am 10. November 2016 nicht verpassen: Auf einer Informationsveranstaltung stellen Uni-Verantwortliche ihren Tätigkeitsbereich vor. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im direkten Gespräch ihre Fragen rund um den Hochschulalltag loswerden.

Wer macht eigentlich was in der Universität? Bei welchen Fragen hilft das Team aus dem Dezernat für Personal- und Rechtsangelegenheiten, der Universitätsbibliothek oder dem Rechenzentrum weiter? Und wann kontaktiere ich die Mitarbeiterin aus der Hochschulplanung, den Forschungsreferenten und die Gleichstellungsbeauftragte?

Statt lediglich online aufzulisten, wer für welche Aufgaben zuständig ist, bringen das Präsidium, das Gleichstellungsbüro und die Referentin für Fort- und Weiterbildung der Universität Hildesheim neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Verantwortlichen aus der Verwaltung und den Einrichtungen zusammen. Die Universität lädt am Donnerstag, 10. November 2016, ab 11:00 Uhr zu einer Begrüßungsveranstaltung in das Verwaltungsgebäude ein. Das Angebot findet bereits zum dritten Mal statt. Führungskräfte aus der Verwaltung, den Stabsstellen und den zentralen Einrichtungen stellen ihren Tätigkeitsbereich in einem zweiminütigen Kurzvortrag vor. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind herzlich eingeladen im Anschluss daran im direkten Gespräch ihre Fragen rund um den Hochschulalltag loszuwerden.

„Über die Willkommens-Veranstaltung für die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen wir den persönlichen Austausch mit der Verwaltung stärken. Hinter den E-Mail-Adressen und Telefonnummern befinden sich immer Menschen. Diese auch kennenzulernen, hilft der Kommunikation", sagt Matthias Kreysing, hauptberuflicher Vizepräsident für Verwaltung und Finanzen.

Insgesamt haben 112 neue oder zurückkehrende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  seit Oktober 2015 ihre Tätigkeit an der Universität aufgenommen oder starten derzeit in ihren Berufsalltag. Mittlerweile arbeiten an der Universität 726  hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wissenschaft und Verwaltung.

Wie kann ich an der Veranstaltung teilnehmen?

An alle neuen und zurückkehrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde eine persönliche Einladung, mit der Bitte sich anzumelden, verschickt. Bei Fragen können Sie sich an Gundula Sperling (E-Mail sperling@uni-hildesheim.de) wenden.

Wer macht was? Weitere Informationen

Vom Dezernat für Studienangelegenheiten über das Friend- und Fundraising bis zum Qualitätsmanagement – wer einen Überblick über die vielen Einrichtungen und Aufgabenbereiche an der Universität Hildesheim erhalten möchte, findet online eine Übersicht über die zentrale Verwaltung, zentrale Einrichtungen, Gremien, Fachbereiche, Forschungszentren und Stabsstellen.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Personalportal
news-12654 Fri, 04 Nov 2016 10:09:00 +0100 Wettstreit in der Wissenschaft: Science Slam in der Uni https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wettstreit-in-der-wissenschaft-science-slam-in-der-uni/ Auf der Bühne geben vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" Einblicke in ihre Forschung. Wie sie sich auf den Uni-Wettstreit vorbereiten? Nachgefragt bei der Theaterwissenschaftlerin Annemarie Matzke, dem Soziologen Michael Corsten, dem Chemiedidaktiker Jürgen Menthe und der Sprachwissenschaftlerin Bettina Kluge. An der Universität Hildesheim treten am Dienstag, 8. November 2016, vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" [PDF] gegeneinander an. Michael Corsten, Annemarie Matzke, Bettina Kluge und Jürgen Menthe vertreten die vier Fächer Soziologie, Theaterwissenschaft, Sprachwissenschaft sowie Chemiedidaktik. Auf der Bühne geben sie Einblicke in ihre Forschung. Mit Worten, Requisiten oder auch Live-Experimenten soll das Publikum über die Arbeit und Denkweisen in den vier Wissenschaftsdisziplinen informiert werden – am Ende entscheidet das Publikum über den besten Vortrag. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Science Slam beginnt um 18:00 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim und dauert etwa zwei Stunden. Der Eintritt ist frei.

Über 600 Studierende, Lehrende und Hildesheimer Bürger verfolgten den ersten Wissenschaftswettstreit an der Hildesheimer Universität. Nun, zwei Jahre später, hoffen die Veranstalter um Vizepräsident Professor Martin Schreiner erneut auf großen Zuspruch.  „Der zweite Hildesheimer Science Slam lässt erneut viermal die Eule der Minerva mit weichen Boxhandschuhen in den Ring steigen und allgemeinverständlich sowie unterhaltsam Wissenschaft erleben", sagt Schreiner.

Den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern: Stipendium stiften

Wer die künftige Generation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen möchte, kann schon im Studium junge Leute fördern – mit dem Deutschlandstipendium. Wer die Studierenden auf ihrem Weg in die Wissenschaft unterstützen möchte, kann sich an Prof. Dr. Martin Schreiner (Vizepräsident für Stiftungsentwicklung, martin.schreiner@uni-hildesheim.de, 05121.883-11102) und Markus F. Langer von der Universitätsförderung wenden (markus.langer@uni-hildesheim.de, 05121.883-90130).

Science Slam – Wie bereiten Sie sich vor?

Die Spannung steigt, der Wissenschaftswettstreit steht kurz bevor. Isa Lange hat nachgefragt bei den vier Science Slammern:

  • Worum geht es in Ihrem Vortrag?
  • Vor welcher Herausforderung stehen Sie – der Science Slam ist ja sprachlich ein anderes Format als die übliche Vorlesung...
  • Nutzen Sie in Ihrem Vortrag nur Sprache – oder auch Requisiten, Experimente und Hilfsmittel?

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, weshalb die Soziologie (mein Fachgebiet) davon lebt, sich auf Distanz zur Gesellschaft zu halten, ihr in bestimmter Weise fremd zu bleiben.

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Vor allem sind es nur zehn Minuten Zeit, die ich habe –  das ist ganz schön knapp. Ich hoffe, dass es mir gelingt, dem Publikum einen aus meiner Sicht ganz zentralen Satz der Soziologie auf unterhaltsame Weise nahe zu bringen.

  • Ich weiß noch nicht so recht, ob ich nur Sprache, oder auch Requisiten/Hilfsmittel im Vortrag nutze. Am liebsten würde ich es allein dem Wort überlassen. Aber vielleicht sollte doch der eine oder andere Satz über Power-Point an die Wand geworfen werden. Ich lasse mich da noch überraschen.

Theaterwissenschaftlerin Prof. Dr. Annemarie Matzke:

  • In meinem Vortrag wird es um den Theaterzuschauer gehen und darum wie auf der Bühne und im Zuschauerraum Emotionen entstehen. Dabei wird es nicht nur um das Feld der Theaterwissenschaft gehen, sondern ich untersuche auch Phänomene der Populären Kultur, der Bildenden Kunst und aus unserem Alltag.

  • Der Science Slam ist eigentlich eine Vorlesung in kondensierter Form: Auch dort geht es darum die Studierenden für ein Thema zu begeistern und das geht oft am besten auch über Humor. Da allerdings nicht 90 Minuten sondern nur 10 Minuten zur Verfügung stehen, gilt es, schnell zum Punkt zu kommen.

  • Neben Bildern und Text wird es wahrscheinlich auch Musik geben, in der Hoffnung echte Emotionen hervorzubringen.

Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, dass auch „kleinere“ Wortarten wie etwa Pronomen spannend sein können. Daher der Arbeitstitel: „Wer (b)ist du?“  Denn wenn man genauer hinhört, merkt man, dass „du“ (oder „Sie“) nicht nur für die Anrede verwendet werden...

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Mein Hauptproblem ist, dass ich in meiner Forschung vorwiegend zum Spanischen und Französischen arbeite und nicht davon ausgehen kann, dass diese Sprachen von allen Zuschauerinnen und Zuschauern verstanden werden. Die Beispiele, die ich gerne besprechen möchte, müssen daher eher aus dem Deutschen oder Englischen sein (und sogar hier: geht Englisch?).

  • In meinem Vortrag verwende ich auch eine Powerpoint-Präsentation, insbesondere für die Analyse von Gesprächsausschnitten. Aber ich zeige – wenn die Zeit dafür reicht, das ist noch nicht ganz klar – auch Internet-Memes zum Thema (und ja, es SIND süße Kätzchen auf den Bildern...).

Chemiedidaktiker Prof. Dr. Jürgen Menthe:

  • In meinem Vortrag erläutere ich leuchtende Beispiele chemiedidaktischer Inhalte („Let there be light“).

  • Die Herausforderung, beim Science Slam in der Universität anzutreten, ähnelt der, vor der Lehrkräfte der Chemie jeden Morgen stehen, wenn sie in der Schule einem skeptischen Publikum komplexe Sachverhalte spannend und verständlich näher zu bringen versuchen.

  • Ob ich Hilfsmittel verwende? Ich kombiniere Experimente, Sprache und Musik. Tanzen sollen aber vornehmlich die Moleküle...

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Soziologie Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 4 Biologie & Chemie
news-12616 Sun, 30 Oct 2016 14:35:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Soziale Medien im Wahlkampf https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/digitale-lebenswelten-soziale-medien-im-wahlkampf/ Wie kommunizieren Politikerinnen und Politiker über Twitter? Anhand des US-Wahlkampfs analysiert Patricia Yazigi die politische Kommunikation in sozialen Medien. In der Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten" geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in den Wahlkampf via Internet, sprechen über das Schreiben im Netz und Mehrsprachigkeit im digitalen Europa. Die Vorträge mit Diskussion sind öffentlich. Wie kommunizieren Politikerinnen und Politiker über Twitter? Patricia Yazigi befasst sich mit politischer Kommunikation in sozialen Medien. Sie analysiert in ihrem Vortrag in der Reihe „Digitale Lebenswelten" [Programm als PDF] an der Universität Hildesheim den US-Wahlkampf via Internet. Yazigi hat an der Universität in Hildesheim promoviert und in ihrer Dissertation den US-Wahlkampf 2012 auf dem Online-Netzwerk Twitter untersucht. Die Wissenschaftlerin hat die Profile von Barack Obama und Mitt Romney verglichen und sich angesehen, wie die beiden Kandidaten sich sprachlich auf 140 Zeichen positionieren mit dem Ziel, sich selbst möglichst positiv darzustellen und den politischen Gegner nach Möglichkeit gleichzeitig abzuwerten. Politikerinnen und Politiker kommunizieren im Wahlkampf nicht als Privatpersonen, sondern treten in bestimmten Rollen auf, die zum Wahlkampf passen. Inzwischen arbeitet die Hildesheimer Absolventin bei Volkswagen in Wolfsburg.

„Das Thema könnte aktueller kaum sein, wir stehen kurz vor der US-Präsidentschaftswahl. Patricia Yazigi wird auch den derzeitigen Wahlkampf ansprechen, immerhin bezeichnet die New York Times den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump als 'Titan of Twitter'“, sagt Professorin Bettina Kluge, die die Vorlesungsreihe gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, der Sprachwissenschaftlerin Professorin Beatrix Kreß und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum organisiert. „Wir laden interessierte Bürger herzlich in die Universität ein, um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen“, so Kluge.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Organisiert wird die Vorlesungsreihe von den Instituten für Sozialwissenschaften, Interkulturelle Kommunikation, Informationswissenschaft und Sprachtechnologie sowie dem Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Interessierte sind herzlich eingeladen. Alle Vorträge sind kostenfrei. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Der öffentliche Vortrag von Patricia Yazigi zum Thema „Facework, die sozialen Medien und der US-Wahlkampf“ beginnt am Dienstag, 1. November 2016, um 18:15 Uhr in der Aula am Bühler-Campus.

Die weiteren Vorträge der Reihe finden ab 15. November am Uni-Hauptcampus am Universitätsplatz (Neubau Raum N007) statt. Am 15. November 2016 spricht Georg Rehm vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz aus Berlin über „Mehrsprachigkeit für das digitale Europa“. Die Berliner Sprachwissenschaftlerin Anja Overbeck befasst sich am 29. November 2016 mit dem virtuellen Sprechen und digitalem Schreiben in sozialen Medien. Orientieren wir uns beim Schreiben im Netz eher an mündlichen oder an schriftlichen Vorbildern? Von welchen Faktoren ist dies abhängig (zum Beispiel Freizeitchat vs. Pressemitteilung). Professor Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen spricht am 10. Januar 2017 über soziale Medien im Wahlkampf. Dabei geht der Politikwissenschaftler der Frage nach, warum der deutsche Wahlkampf anders verläuft als der amerikanische. Abschließend referiert am 31. Januar 2017 die Hamburger Informationswissenschaftlerin Professorin Frauke Schade über Erfolgsfaktoren von Marktführern auf dem digitalen Informationsmarkt.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Sozialwissenschaften Politik Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Informationswissenschaft und Sprachtechnologie
news-12581 Tue, 18 Oct 2016 16:55:00 +0200 International: Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/international-preis-des-deutschen-akademischen-austauschdienstes/ Zahra Reyhani Monfared erhält den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende Studierende. Die Übersetzungswissenschaftlerin promoviert an der Universität Hildesheim. Wenn es in die Welt hinausgeht – oder von Indien, Simbabwe, Mexiko nach Hildesheim hinein –, dann ist man beim Team um Marit Breede gut aufgehoben. Das International Office berät Studierende bei der Planung von Auslandsaufenthalten, etwa beim Go-Out-Tag am 30. November 2016. Zum Wintersemester starten 8126 Studentinnen und Studenten in den Studienalltag. Darunter sind über 2400 Erstsemester, die ihr Bachelorstudium und Masterstudium an der Universität Hildesheim aufnehmen. Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich hat im Rahmen einer Feierstunde zum Semesterstart, der Immatrikulationsfeier, die Studienanfängerinnen und Studienanfänger begrüßt und auf das Leitbild der Universität hingewiesen:

Die Stiftung Universität Hildesheim verwirklicht ihr Leitbild als europäische Universität im Respekt vor der freiheitlich-demokratischen Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und in der besonderen Verantwortung des Landes Niedersachsen. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie von Menschen unterschiedlicher sozialer, ethnischer und religiöser Herkunft. Sie respektiert die Vielfalt des Einwanderungslandes und fördert die Integration. [...] Unser Land ist seit Jahrzehnten auch durch Immigration geprägt. Wir wollen konsequent dazu beitragen, die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien weiter zu entwickeln, um ihre Integration zu fördern. Gleichzeitig erkennen wir ihre vielfältigen Erfahrungen an.“

Im Wintersemester beginnen über 230 internationale Studierende ein Studium an der Universität Hildesheim. Darunter sind 127 Vollzeitstudierende. Die Herkunftsländer der meisten „Vollzeitstudierenden“ sind: Türkei, Griechenland, Russland, Italien, Schweiz und Ukraine. Die 195 Austauschstudierenden kommen aus 21 Ländern, und zwar aus: Belgien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kolumbien, Kroatien, Mexiko, Polen, Russische Föderation, Spanien, Südkorea, Türkei, Ungarn und USA. Insgesamt haben sich 531 Studierende aus 76 Herkunftsländern für ein Auslandssemester in Hildesheim entschieden.

Zahra Reyhani Monfared, seit einem halben Jahr Promotionsstudentin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim, erhält den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende ausländische Studierende. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

„Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die diese Auszeichnung des DAAD mir eröffnet“, sagt Monfared. Nach dem Bachelor- und Masterstudium in Iran promoviert Zahra Reyhani Monfared bei Professorin Nathalie Mälzer. An der Schnittstelle zwischen Übersetzungswissenschaft und Kulturwissenschaft untersucht die Promovendin den Umgang mit kulturellen Elementen in literarischen Übersetzungen, die auch Ausdruck der Position ihrer jeweiligen Urheber sind und damit eine gesellschaftlich-politische Dimension haben. Der Arbeitstitel lautet: „Deterritorialization and Acculturation through Translation Practices as a result of Globalization“. An einer Theorie über den „dritten Raum“ zwischen zwei Kulturen – welcher entstehen kann, wenn Übersetzerinnen und Übersetzer Texte in der Diaspora schreiben – zu arbeiten, sei vielversprechend und könne zu einer „Ausdifferenzierung und Konkretisierung auf textueller Ebene“ beitragen, so Professorin Mälzer. Sie hebt die „durchweg überzeugende, methodisch und theoretisch fundierte Forschung und den realistischen Zeitplan“ ihrer Promovendin hervor.

Monfared bedankt sich „ganz besonders bei Professorin Mälzer für ihre durchgehende Unterstützung während meiner Zeit an der Universität Hildesheim“ und dass die Universität „enthusiastische Studenten unterstützt, die leidenschaftlich für ihre akademische Ausbildung arbeiten“. Neben der sehr guten fachlichen Qualifikation zeichnet sich Zahra Reyhani Monfared durch gesellschaftliches Engagement aus, so hat sie über fünf Jahre in einem Waisenhaus Kinder in der englischen Sprache unterrichtet sowie ältere Frauen beim Sprachenlernen begleitet.

Wenn es in die Welt hinausgeht – oder von Indien, Simbabwe, Mexiko nach Hildesheim hinein –, dann ist man beim Team um Marit Breede gut aufgehoben. „Nutzen Sie die Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten für Auslandsaufenthalte, die Ihnen als Studentin oder Student der Universität Hildesheim offen stehen“, sagt Marit Breede, die mit dem Team vom International Office Studierende bei der Planung und Finanzierung von Auslandsaufenthalten berät. Studierende können sich während der Sprechstunden und Infoveranstaltungen wie dem Go-Out-Tag am 30. November 2016 über Auslandsaufenthalte informieren.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation International Office Präsident Präsidium
news-12508 Wed, 12 Oct 2016 14:51:00 +0200 Gebärdensprache lernen: Geschichten erzählen mit dem Körper https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/gebaerdensprache-lernen-geschichten-erzaehlen-mit-dem-koerper/ Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. In den Sprachkursen sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 13. Oktober 2016 anmelden. Marieke Einheuser lernt Sprachen. Nach Spanisch und Englisch arbeitet sich die 29-Jährige in den nächsten 12 Monaten in die Grammatik der Gebärdensprache ein. Das ist möglich, da Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen können. Marieke Einheuser, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und auf barrierefreie Kommunikation spezialisiert, nimmt ab November ein Jahr lang an dem Sprachkurs teil, eine wichtige Erfahrung, hofft sie. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen. „Ich möchte die Grundlagen der Gebärdensprache erlernen, um mit Gehörlosen ohne große Hemmungen kommunizieren zu können. Man erwartet immer, dass jemand, der nicht hören kann, sich durch die Schriftsprache wurschtelt oder von den Lippen abliest", sagt Marieke Einheuser. Sie möchte sich den Nuancen der Sprache annähern und „genau hingucken".

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt Professorin Christiane Maaß. Es gibt erstmals fünf Kurse, darunter vier Anfängerkurse, an denen Studierende ohne Vorkenntnisse teilnehmen können, sowie einen Aufbaukurs. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Sprachen oder Inklusion zu tun haben, sagt die Medienlinguistin. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft an der Universität installieren." Nachdem in den Vorjahren die Anfragen weit über den vorhandenen Kursplätzen lagen (auf 15 Plätze kamen über 110 Einschreibwünsche), bietet die Universität nun erstmals fünf Kurse parallel an: 64 Plätze für Einsteiger und 16 Plätze im Aufbaukurs.

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular in Form von Gebärden", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist, woher man kommt und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache; sie lernen zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten und Idiome kennen, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können.

Bisher nahmen unter anderem Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen", „Erziehungswissenschaften“ sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die Medienstudierenden ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Aber auch Studierende aller anderen Studiengänge und Fachrichtungen  können teilnehmen.

Jetzt anmelden: Gebärdensprache erlernen

Der Kurs geht über zwei Semester (DGS1 + DGS2) und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 13. Oktober 2016, es sind noch Plätze frei. Wer an einem der Kurse teilnehmen möchte, kann sich über das übliche Anmeldeverfahren des LSF anmelden. Das Startdatum der Kurse wird den Teilnehmern nach Anmeldeschluss mitgeteilt. Für Fragen steht Marieke Einheuser (einheuse@uni-hildesheim.de) zur Verfügung, die die Kurse koordiniert. Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.  Studierende können sich an die jeweilige Fachstudienberatung wenden, um die Anerkennungsmodalitäten zu besprechen.

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news-12460 Fri, 30 Sep 2016 13:36:00 +0200 Was ist echt? Konferenz zu Fakten und Fiktionen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/was-ist-echt-konferenz-zu-fakten-und-fiktionen/ Sind das erfundene Charaktere? Ist das ein Lebensbericht? Mit Fakten und Fiktionen sowie Überlappungen zwischen Wahrheit und Fantasie in Literatur, Theater und Film setzen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Spanien und Deutschland auseinander. Die Universitäten Hildesheim und Salamanca laden im Oktober zu einer Konferenz ein. Die Tagung soll weitere Kooperationen in Forschung, Lehre und im Studierendenaustausch anbahnen. Autorinnen und Autoren können Geschehnisse mit Worten nachbilden oder eine völlig neue Wirklichkeit schaffen, die in Büchern, Filmen, auf der Bühne und in den Köpfen der Zuschauer und Leser lebt.

In der internationalen literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschung nimmt das Interesse an ästhetischen Grenz- und Mischformen zwischen Fakten und Fiktionalität derzeit stark zu, sagt Professor Toni Tholen, Literaturwissenschaftler an der Universität Hildesheim. So werden Grenzen und Überlappungen von Fakt und Fiktion im Bereich der Szenischen Künste untersucht. Nach der postdramatischen Wende findet vor allem das Dokumentartheater wieder zur Theatralität zurück. Es gibt neue Formen, um Realität zu simulieren: Schauspieler werden durch wirkliche Personen ersetzt, Spielräume werden nicht mehr auf Theaterbühnen angesiedelt und Texte entstehen erst im Verlauf von Aufführungen.

Die Universitäten Hildesheim und Salamanca laden im Oktober 2016 zur binationalen Konferenz „Fakten, Fiktionen und Fact-Fictions“ [Programm PDF] im spanischen Salamanca ein. Professor Michael Pfeiffer (Barcelona) spricht zum Beispiel über literarische Zeugnisse des Unrechts. Professorin Marisa Siguan (Barcelona) setzt sich mit Fakten, Spuren und Autofiktion bei Hertha Müller auseinander. Die Hildesheimer Literaturwissenschaftlerin Jennifer Clare untersucht Notizbücher von Peter Weiss und dessen „autofiktionale Grenzgänge“. Was autobiographische Fälschungen verraten, erläutert Professorin Patricia Cifre Wibrow (Salamanca) in ihrem Vortrag. Über das „Schreiben im Rückblick“ und das historisch-fiktionale Erzählen Profesor Manuel Maldonado Aleman von der Universidad de Sevilla.

Wie geht das zeitgenössische Erzähltheater mit Fakten um? Professor Jens Roselt, Theaterwissenschaftler und Dekan des kulturwissenschaftlichen Fachbereichs der Universität Hildesheim, setzt sich in seinem Vortrag mit „aufgeführten Biografien“ auseinander. Professor Arno Gimber von der Universidad Complutense de Madrid spricht über Wirklichkeitsbeschreibungen und Fälschungen im Dokumentartheater und Professorin Brigitte Jirku von der Universitdad de Valencia erläutert am Beispiel des Dokumentartheaters und des NSU-Prozesses, wie Dokumente Teil des Theaters werden.

„Wir möchten im Rahmen der Forschungskooperation einen Beitrag leisten zur Erfassung und Bewertung komplexer ästhetischer Entwürfe und Präsentationen, die das Spannungsverhältnis zwischen Fakt und Fiktion in origineller, Erkenntnis fördernder Weise ausschreiten“, so Professor Tholen über die Zusammenarbeit in den Literatur- und Kulturwissenschaften. Tholen hofft, dass mit der Konferenz „weitere Vernetzungsaktivitäten“ zwischen der Universität Hildesheim und anderen deutschen wie spanischen Universitäten auf den Feldern von Forschung, Lehre, Studierendenaustausch und wissenschaftlicher Nachwuchsförderung entstehen.

Die Konferenz findet vom 3. bis 5. Oktober 2016 in Salamanca statt. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert die Konferenz aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Professorin Patricia Cifre Wibrow von der Universidad de Salamanca, Professor Arno Gimber von der Universidad Complutense de Madrid und Professor Toni Tholen von der Universität Hildesheim laden gemeinsam zur internationalen Konferenz ein.

Wer Fragen zur Konferenz hat oder sich für das Forschungsthema interessiert, kann Prof. Dr. Toni Tholen und Dr. Jennifer Clare vom Institut für deutsche Sprache und Literatur kontaktieren.

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news-12384 Mon, 26 Sep 2016 19:13:00 +0200 Lehramtsfach Deutsch – Masterstudium an der Uni Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/lehramtsfach-deutsch-masterstudium-an-der-uni-hildesheim/ Was sollten Lehrerinnen und Lehrer können, wenn sie künftig 7-Jährige oder 13-Jährige unterrichten? Literatur- und Sprachwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim geben Einblicke in das Lehramtsstudium im Fach Deutsch. Die Universität Hildesheim sucht die künftigen Lehrerinnen und Lehrer. Eine Bewerbung für ein Masterstudium ist derzeit noch möglich. Hildesheim bildet mit etwa 2600 Studierenden rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Die Universität verbindet Schulpraxis und Theorie und arbeitet mit Partnerschulen in Hildesheim, Hannover und der Region zusammen.  Schwerpunkte in der Lehrerausbildung liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer.

Lehramt studieren – eine Online-Bewerbung ist noch möglich: Studieninteressierte können sich für einen Studienplatz im Masterstudium bewerben. Lehramtsstudierende können sich in Hildesheim im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ professionalisieren.

Lehramtsfach Deutsch – Einblicke in das Masterstudium

Jeder Lehramtsstudent wählt zwei Fächer, zum Beispiel Mathematik und Musik, Englisch und Sport oder Deutsch und Kunst. Nachgefragt – was sind Studieninhalte im Lehramtsfach Deutsch im Masterstudium? Was sollten Lehrerinnen und Lehrer können, wenn sie künftig 7-Jährige oder 13-Jährige unterrichten? Literatur- und Sprachwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim geben Einblicke in das Lehramtsstudium.

Das Studium im Fach Deutsch setzt sich aus Seminaren und Vorlesungen zu Sprache, Literatur, Deutsch als Zweitsprache und Mediendidaktik und Theater in der Schule zusammen.

„Wir fragen zum Beispiel danach, wie Kinder in der Welt des Lesens und der Literatur ankommen. Hier gibt es einen engen Zusammenhang mit dem sprachlichen Lernen, den wir auch unter integrativer Perspektive zwischen Sprach- und Literaturdidaktik entfalten“, sagt Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper. Ästhetische Lernprozesse sind in der Primarstufe und der Sekundarstufe I von großer Bedeutung. „Dabei geht es sehr stark um die Frage, wie Kinder und Jugendliche Vorstellungen von ‚Ich‘ und ‚Welt‘ entwickeln und wie sie mit ästhetischen Medien etwas über sich und andere erfahren können“, so Pieper.

Darum geht’s auch im Studium: Wie muss Unterricht gestaltet sein, um gute Lerngelegenheiten für unterschiedlichste Lerner bereit zu halten? Was zeichnet ein „gutes“ Buch für Kinder und Jugendliche aus?  Was zeichnet geeignete Texte für die jeweiligen Lerngruppen aus?  Die Studentinnen und Studenten verbringen eine mehrmonatige Praxisphase in einer Schule und erarbeiten ein Forschungsprojekt. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer führen zum Beispiel eigene Studien zum Bereich „Gespräche zur Literatur“ durch und erproben Gesprächsverfahren. Sie untersuchen anhand empirischer Daten aus dem Unterricht, was gelingende Gespräche zur Literatur auszeichnet.

„Im Bereich der Sprache fragen wir, wie Kinder und Jugendliche zu einer ausgebauten Sprachfähigkeit kommen“, erläutert die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin Prof. Ursula Bredel. „Dabei geht es nicht einfach um normgerechtes Verhalten, sondern darum, das Spektrum sprachlicher Ausdrucksfähigkeiten möglichst breit auszuschöpfen. Um Kinder und Jugendliche bei dieser Entwicklung zu unterstützen, beginnen wir schon im Bachelorstudium mit der Stärkung der Sprachaufmerksamkeit und der Spracherfahrung der Studierenden, um die in der Schule stark ausgeprägte normative Perspektive (Sprachrichtigkeit) durch eine funktionale Perspektive (Sprachangemessenheit) zu ergänzen. Mit Veranstaltungen, die in die Grundlagen der Sprachbeschreibung einführen, stellen wir das notwendige Gerüst zur Verfügung, das die Studierenden in die Lage versetzen soll, die sprachlichen Ressourcen der Schülerinnen und Schüler aufzuspüren und Lernpotenziale zu ermitteln."

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bearbeitung der Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie auf der Bearbeitung verschiedener Lernausgangslagen, zum Beispiel wenn Deutsch als Erst- oder als Zweitsprache erlernt wird, so Bredel.

Im Masterstudium werden die Fragen der Sprachentwicklung an die Bedingungen des institutionellen Lernens angeschlossen: Wie können Lernangebote in der Schule konkret aussehen? Die Studierenden analysieren zum Beispiel Lehrwerke und Auszüge aus dem Sprachunterricht und decken bestehende Probleme der herkömmlichen Unterrichtspraxis auf. Sie erarbeiten Ideen, wie eine wirksame Sprachförderung gelingen kann, sagt Professorin Ursula Bredel. „Im Wintersemester bieten wir zum Beispiel im Projektband eine Veranstaltung zu Aufgaben im Grammatikunterricht an. Dort entwickeln die Studierenden Lernaufgaben für das sprachliche Lernen, erproben sie in der Praxisphase und werten die Ergebnisse aus.“

Lehrerinnen und Lehrer begegnen in ihren Klassen Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Welt. „Daraus können außerordentlich bereichernde Situationen entstehen, wenn sich alle Seiten auf Vielfalt und Diversität einlassen können“, sagt Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. „Das Zentrum für Bildungsintegration vernetzt Forschungsprojekte und bündelt eine Vielfalt interessanter und innovativer Perspektiven“, sagt Montanari. So nehmen Studierende zum Beispiel an einer internationalen „Summer School“ teil, die hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zum Thema Mehrsprachigkeit zusammenbringt.

Lehramtsstudierende können im Doppelstudium einen zweiten Masterabschluss erwerben und sich im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) professionalisieren – „das ist eine weitere Besonderheit des Universitätsstandortes Hildesheim“, sagt Montanari. Eine Bewerbung für den DaZ-Master ist wieder zum Wintersemester 2017/2018 möglich.

Bildungswege nach der Flucht: In einem Sprachlernprojekt begleiten Studierende aus dem Lehramt und dem Masterstudium „Deutsch als Zweitsprache“ Kinder und Jugendliche beim Ankommen im deutschen Bildungssystem und beim Übergang von Sprachlernklassen in den Regelunterricht. Zugleich werden Studierende auf die Berufspraxis vorbereitet. Die Universität arbeitet in dem Projekt mit Hildesheimer Schulen zusammen.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) MEd (Lehramt) Lehrerbildung Studierendenportal
news-12235 Sat, 30 Jul 2016 19:10:00 +0200 Ministerin: „Uni Hildesheim leistet wichtigen Beitrag für Verständigung“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/ministerin-uni-hildesheim-leistet-wichtigen-beitrag-fuer-verstaendigung/ „Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch“, so die Niedersächsische Wissenschaftsministerin anlässlich ihres Besuches an der Hildesheimer Universität. „Sprachförderung, Bildungsangebote und kulturelle Teilhabe sind entscheidend für die Integration von Zugewanderten. Die Universität Hildesheim leistet mit ihren Projekten zu  Spracherwerb und musikalischer Bildung einen wichtigen Beitrag für Verständigung und Austausch. Die drei Projekte, die ich mir heute angesehen habe, sind herausragende Beispiele dafür, dass Integration, Teilhabe und Diversität an der Universität Hildesheim gelebt und als gesamtuniversitäre Aufgabe definiert werden. Mein Dank gilt den engagierten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Studierenden, die in ihren Bereichen daran arbeiten, dass der gesellschaftliche Wandel positiv gestaltet wird“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić anlässlich ihres Besuches an der Universität Hildesheim.

Die Ministerin hat in dieser Woche die Universität Hildesheim besucht, um sich über den Studiengang „musik.welt – Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung" zu informieren. Darüber hinaus informierte sie sich über die Qualifizierung von Geflüchteten, die ein Studium aufnehmen möchten. Außerdem sprach die Ministerin mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich Mehrsprachigkeit über aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung.

Musikalische Wege: Aus der Not heraus den Gesang entdeckt

„Mit Musik kann man etwas bewegen, was man mit Worten nicht erreichen kann“, sagte Tinatin Tsereteli. Als Zehnjährige kam sie mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Deutschland an, da in Georgien ein Bürgerkrieg ausbrach. „Wenn ich allein war, bin ich eingetaucht in meine Musikwelt. In Georgien hatte ich Klavier- und Geigenunterricht. Die Musikwelt meiner Kindheit war sehr vielfältig. In Deutschland hatte ich kein Instrument, eine völlige Leere, wir hatten ein Zimmer für die ganze Familie. Aus meiner Not heraus habe ich den Gesang für mich entdeckt.“ Nach dem Abitur hat sie Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und anschließend im Weiterbildungsstudiengang „musik.welt" studiert. Die Sängerin und Musikpädagogin kombiniert die musikalische mit der sprachlichen Bildung in Kitas und Grundschulen. „Die Kinder wollen lernen und alles wie ein Schwamm aufsaugen, wir müssen ihnen nur die Chance geben“, sagt Tsereteli.

Über Bildungschancen sprach auch Abbass Anoor. „Ich bin in Darfur aufgewachsen. Ich wollte zur Schule gehen, aber ich durfte nicht. Ich wollte nicht als Kuhhirt enden und rannte mehrfach ohne Erfolg von zu Hause weg, bis es mir mit 13 Jahren gelang. Ich wollte in die Schule gehen. Erst mit 20 Jahren lernte ich richtig, Texte und meinen Namen zu schreiben.“ 25 Jahre später spricht Anoor vier Sprachen: Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Er ist ein bekannter Rapper aus dem Sudan und musste wegen seiner kritischen Liedtexte das Land verlassen. In seinen Texten spricht der Musiker und Dichter trotz einer positiven Grundeinstellung auch die Probleme seines Landes an. „Ich kann mich durch Musik am besten ausdrücken, was ich fühle, was ich auf den Straßen gesehen habe zu der Zeit, als ich noch im Sudan war.“

Heute studiert der Rapper Musik an der Universität Hildesheim. „Die universitäre Sprache ist etwas schwierig für mich, der Weg von Frankfurt nach Hildesheim ist zeit- und kostenaufwändig“, sagt der 43-Jährige. „Aber für mich ist das Studium eine große Chance. Wirklich, eine große Chance. Ich lerne viele neue Dinge über Musik, Geschichte und kulturelle Diversität. Ich lerne ein neues Instrument, jetzt spiele ich E-Bass. Die Leute an der Universität sind sehr hilfreich, auch in anderen Lebensbereichen. Das Center for World Music hat mir eine Chance, eine neue Familie gegeben. Mein Dank gilt Professor Raimund Vogels und Morena Piro – ich habe zum Glück diesen Ort gefunden. Jetzt habe ich eine zweite Heimat – hier in Deutschland.“

Seit 2011 bildet das Center for World Music der Universität Hildesheim Berufstätige aus, die Musik in ihrem Arbeitsumfeld aufgreifen – zum Beispiel in Kitas, Schulen, Stadtteilen, Flüchtlingsunterkünften und Jugendzentren. „Das Wissenschaftsministerium hat den Studiengang musik.welt ermöglicht. Die Stiftung Niedersachsen fördert diese Arbeit, dafür bedanken wir uns sehr“, sagte Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Ohne die Unterstützung der Stiftung Niedersachsen könnten die Studentinnen und Studenten nicht an der Universität Hildesheim lernen, da viele den Betrag für ein berufsbegleitendes Studium nicht finanzieren könnten. Insgesamt erhalten 20 Studierende jeweils ein Stipendium. Eine wichtige Landesstiftung habe die Bedeutung von Musik und kultureller Diversität in der Gesellschaft erkannt und handelt entsprechend, so der Musikethnologe und Direktor des Hildesheimer Forschungszentrums, Professor Raimund Vogels. Dadurch konnten in Hildesheim Strukturen aufgebaut werden, um Bildungswege von Menschen, von denen viele ihre Bildungsabschlüsse im Ausland (etwa Georgien, Kamerun, Marokko, Russland, Sudan, Iran, Irak, China, Mongolei) erworben haben, zu fördern und gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen anzuerkennen.

Universität begleitet Wege in das Studium – Ministerin: „Sie sind Pioniere“

Während Tinatin Tsereteli und Abbass Anoor den Übergang in das Studium bereits geschafft haben, sind einige junge Erwachsene mitten auf ihrem Weg an die Universität. Die Wissenschaftsministerin sprach mit jungen Erwachsenen aus Syrien, Ruanda und dem Iran, die sich derzeit in einem sechsmonatigen Intensivsprachkurs auf ein Studium vorbereiten. Sie gaben Einblicke in ihren Lebensweg und erklärten, welche Chancen, aber auch Schwierigkeiten sie erleben.

Seit Frühjahr 2015 begleitet die Universität Hildesheim Studieninteressierte mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg ins Studium. Derzeit nehmen 15 junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs und einer Studienvorbereitung teil. „Wir begleiten Studierende auf ihrem Weg an die Universität. Die Studienvorbereitung umfasst eine individuelle Beratung zu Themen wie Bewerbung, Finanzierung und Stundenplangestaltung. Wie orientiere ich mich auf dem Campus, wie nutze ich die Bibliothek und das Rechenzentrum? Außerdem gehören Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, Treffen mit Studierenden und Ausflüge dazu“, sagte Anna-Maria Pulm, Mitarbeiterin im International Office der Uni Hildesheim.

„Ich persönlich habe einen Plan, Schritt für Schritt“, berichtete der 24-jährige Majed. Seit eineinhalb Jahren lebt er in Deutschland. „Erst muss ich die deutsche Sprache besser sprechen und schreiben. Ich möchte gut in der Sprache sein. Dann möchte ich mein Informatikstudium abschließen und einen Beruf finden. Ich konnte mein Studium in Aleppo in Syrien nicht fortsetzen, Ich habe viel Zeit verloren und möchte endlich wieder lernen. Ich habe zufällig über eine Freundin von dem Intensivsprachkurs in Hildesheim erfahren – das ist ein großes Glück. Das Uni-Angebot ist selten, ich kenne viele Freunde, die keinen Sprachkurs machen und sich nicht auf ein Studium vorbereiten können. Ich mache mir aber Sorgen, wie ich mein Studium finanzieren kann.“

Auch Nareen, Sajadeh und Ahlam möchten ihr Studium fortsetzen. Als Nareen vor eineinhalb Jahren in Hildesheim ankam, war der Wunsch groß, wieder zu lernen. „Wegen des Krieges in Syrien konnte ich mein Mathematikstudium nicht fortsetzen“, so die 24-Jährige. „Am Anfang war es einfach mit der Sprache, ich habe eine B1-Prüfung abgeschlossen. Dann gab es eine lange Pause – und nun habe ich endlich den Sprachkurs an der Universität gefunden. Man muss sich bemühen, um sein Ziel zu erreichen.“ Sajadeh bereitet sich derzeit auf das Lehramtsstudium vor, ein zweimonatiges Praktikum an einer Grundschule in Hannover habe ihren Berufswunsch bestätigt. An einer iranischen Universität hat die 31-Jährige Englisch und Literatur studiert. Dann habe sie viel Zeit verloren. Nun möchte sie „unbedingt weiterstudieren“. Täglich fährt sie vier Stunden durch Niedersachsen, um an dem Sprachkurs in Hildesheim teilzunehmen. Auch Ahlam hat „viel gewartet“, um ihren Bildungsweg fortsetzen zu können. „Das Schwierige ist die Sprache. Ich habe viel alleine gelernt und habe mir die Sprache selbst beigebracht. Ich habe nach einem Sprachkurs gesucht. Viele Schulen haben mir gesagt: Nein, du kannst nicht studieren. Dann habe ich diesen Intensivsprachkurs der Universität Hildesheim gefunden, ich bereite mich jetzt auf mein Studium vor. Es ist eine tolle Gelegenheit. Wir lernen gemeinsam und wir diskutieren in der Gruppe“, sagt die 24-jährige Ahlam. Sie lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland.

„Sie sind Pioniere, sie haben jetzt angefangen, ihren Bildungsweg an der Universität fortzusetzen. Ich wünsche Ihnen alles Gute“, sagte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin zu den jungen Erwachsenen.

Mehrsprachigkeit: Maßnahmen sollten auf Forschungserkenntnissen aufbauen

Es sei wichtig, so Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, aktuelle Bildungsmaßnahmen auf Erkenntnissen aus der Forschung aufzubauen. Derzeit tagen etwa 40 Promovenden sowie Professorinnen und Professoren aus den USA, dem Irak, Schweden, Island, Italien, England und Deutschland an der Universität Hildesheim. Darunter Koryphäen wie die Linguisten Professor Konrad Ehlich, Professorin Rita Franceschini und Professorin Aneta Pavlenko.

„Es gibt viele Personen, die aktuell beim Spracherwerb helfen möchten. Damit wir jetzt nicht in eine Phase kommen, in der sich viele Personen engagieren, dann aber merken, dass sie nicht weiterkommen oder an Widerstände stoßen, braucht es eine Professionalisierung von Lehrpersonen, die in verschiedenen Altersstufen unterrichten können – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene – und Personen, die sich auch mit Traumata befassen“, sagte die Schweizer Professorin Rita Franceschini, die an der Freien Universität Bozen in Südtirol, Italien, forscht und lehrt.

„Wir müssen die gesamte Lernbiografie eines mehrsprachigen Kindes betrachten, und können ein Kind nicht allein auf Sprache oder Migrationshintergrund reduzieren. Eine interdisziplinäre Perspektive ist wichtig. Jeder Lerner bewegt sich innerhalb eines soziokulturellen Umfeldes, bringt eine bestimmte Persönlichkeit, bestimmte kognitive Fähigkeiten und psychologische Bewältigungsstrategien mit“, sagte Professorin Kristin Kersten. Die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin untersucht derzeit in zwei Forschungsprojekten gemeinsam mit Psychologen, wie Kinder mehrsprachig lernen. An bilingualen Schulen und Kindertagesstätten dokumentiert das Forscherteam zurzeit, wie der Spracherwerb funktioniert und wie Lehrer diese Lernprozesse begleiten und bilinguale Programme implementieren [mehr Infos zur Studie 1 und Studie 2]. Die Projekte werden im Rahmen der Programme „PRO Niedersachsen“ und „VW Vorab“ gefördert.

Wie können Lehrerinnen und Lehrer den Spracherwerb begleiten? „Es sollte Plattformen geben, um sich über gelungene Maßnahmen auszutauschen. Jede Person lehrt für sich alleine. In einem ‚Center for meetings‘ könnten sich Lehrer treffen und ihr Wissen und Materialien teilen: Was funktioniert gut? Das ist sehr simpel, aber effektiv“, kommentierte Professorin Aneta Pavlenko von der Universität Philadelphia, USA. Sie ist selbst in einem Flüchtlingscamp aufgewachsen und hatte in den 90er Jahren Englisch in einer Flüchtlingsunterkunft in Italien unterrichtet. Solch ein Austausch sollte sowohl online wie auch offline, im persönlichen Gespräch, möglich sein. „Lehrer sollten sowohl gelungene Materialien und Stundenplanungen teilen als auch ihre Erfahrungen, wenn etwas nicht klappt", so Professorin Pavlenko.

„Der Bedarf an abgesichertem Wissen zu Fragen der Migration und Integration ist groß“, so Elke Montanari. Daher fördert die Universität den wissenschaftlichen Nachwuchs.

An der internationalen „Summer School: Multilingualism and Diversity Education" sind das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung, das Institut für deutsche Sprache und Literatur, das Institut für englische Sprache und Literatur sowie das Institut für Interkulturelle Kommunikation beteiligt.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-11803 Fri, 06 May 2016 21:38:00 +0200 Untertitel im Film: „Gesprochene Sprache ist viel schneller“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/untertitel-im-film-gesprochene-sprache-ist-viel-schneller/ Was macht ihr denn da? Ein Nachmittag im Medientextlabor der Uni: Die Studentinnen Priska Mere und Laura Keiser untertiteln einen Film. Wie das geht, erzählen sie im Interview. Ein Nachmittag am Sprachen-Campus. Ein gelber Strich zeigt einen Schnitt an. Ein blauer Text-Balken endet unmittelbar nach einem gelben Strich. Der Untertitel ist einfach noch zu kurz.

„Wir wollen nicht unmittelbar nach einem Schnitt mit einem Untertitel rausgehen“, sagt Hansjörg Bittner und zeigt auf einen Computer. „Deshalb machen wir das Ganze noch ein bisschen länger, wir müssen die Ausblendzeit des Untertitels neu einrichten“. Der Übersetzungswissenschaftler steht im Medientextlabor der Universität Hildesheim zwischen Computern und Kopfhörern und berät Studierende bei der Produktion von Untertiteln. An diesem Vormittag ist eine Studierendengruppe aus Indonesien angereist – um das Untertiteln von Filmen zu lernen. Sie lernen im Tandem, jeweils mit einer Hildesheimer Studentin. Isa Lange traf zwei Studentinnen, die gemeinsam einen Film untertiteln.

Nachgefragt bei…

… Priska Mere, 21, studiert in Yogyakarta, Indonesien, Deutsch als Fremdsprache, lernt die Filmuntertitelung in Hildesheim

… Laura Keiser, 21, studiert Übersetzen mit den Sprachen Englisch und Spanisch an der Universität Hildesheim

Was macht ihr gerade?

Priska: Wir produzieren eine Untertitelung für einen Film. Ich lerne das gerade in Hildesheim, ich finde es super, etwas Neues zu lernen. Der Film ist in englischer Sprache.

Laura: Der Film heißt „Last letter home“. Eine Ehefrau schreibt sich Briefe mit ihrem Mann, der im Krieg ist. Wir übersetzen jetzt gerade einen Abschnitt des Films auf Deutsch und produzieren Untertitel, etwa: „Ich warte auf dich mit offenen Armen und ich werde mich um dich kümmern.“

Was ist eine Herausforderung beim Produzieren von Untertiteln? Hat man als Übersetzerin zu wenig Platz? Schließlich müsst ihr gesprochene Sprache in Schrift umsetzen – und der Film läuft ja weiter.

Laura: Das Problem ist: Die gesprochene Sprache ist viel schneller als die geschriebene Sprache. So habe ich meist ein Platzproblem. Ich muss die Untertitel also möglichst kurz halten, damit der Leser den Text in einer gewissen Geschwindigkeit noch lesen kann.

Priska: Genau, das ist schwierig. Ich muss aufpassen auf die Zeit. Der Untertitel darf nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein.

Laura: Eine andere Schwierigkeit: Manche Leute, die zum Beispiel einen englischsprachigen Film anschauen, haben nur Grundkenntnisse in Englisch und schalten daher deutsche Untertitel an. Dann erwarten sie natürlich, dass die Untertitel möglichst genau und nah an der Ausgangssprache übersetzt sind.

Welche Rolle spielen Untertitel im indonesischen Fernsehen und Film?

Priska: Ich habe gehört, dass in Deutschland viele Filme synchronisiert werden. Bei uns in Indonesien gibt es auch Filme, die synchronisiert werden, aber das ist eher selten, vor allem weil es viel Geld kostet. Ich schaue Filme in der Originalsprache und lese die englischen oder indonesischen Untertitel, um den Film zu verstehen. Es gibt bei uns auch Kinoabende, in einer Art „Kino-Café“ können wir so Deutsch lernen: Wir schauen gemeinsam deutschsprachige Filme, zum Beispiel „Das Labyrinth des Schweigens“. Es gibt so viele tolle Filme. Die meisten der deutschen Filme sind mit englischen Untertiteln verfügbar.

Du bist an der Universität Hildesheim, um das untertiteln zu lernen?

Priska: Meine Studienreise wird vom DAAD unterstützt. Wir beschäftigen uns mit der Untertitelung und Medientexten. Ich mag das Thema sehr. Ich denke gerade: Ich möchte hier in Hildesheim auch studieren! Ich finde das cool, hier zu arbeiten. Ich bin jetzt im Bachelorstudium.

Hast du die deutsche Sprache auch mit Filmen gelernt?

Priska: Ich lerne gerne Sprachen. Ich lerne durch Filme, durch Musik und Youtube-Videos. Für mich funktioniert Sprache nur, wenn ich höre und spreche. Nur lesen reicht nicht aus. Deshalb ist so eine Studienreise gut, ich treffe viele Menschen.

In Deutschland werden viele Filme synchronisiert. Dann fällt eine Sprache weg, die Originalsprache ist dann aus dem Film verschwunden. Weshalb lernst du das Untertiteln im Medientextlabor in Hildesheim?

Laura: Mir macht das Untertiteln einfach Freude, ich übersetze gerne. Ich glaube, es kann Menschen helfen, eine Sprache zu erlernen, wenn sie Filme in der Originalsprache mit Untertiteln anschauen. Die Sprache in Untertiteln ist besonders, auch die Sprache in Hörfilmen ist sehr dicht.

Wie geht es für dich nun weiter?

Laura: Ich habe im letzten Jahr im Ausland studiert, im spanischen Cordoba. Erst habe ich nur aus Spaß einige Dolmetsch-Kurse besucht, ich möchte mich in dem Bereich spezialisieren.

Das klingt interessant, vielleicht dolmetschst du einmal die Rede der Bundeskanzlerin.

Laura (lacht): Oh ja, das wäre toll – ob ich das so weit schaffe?

Die Fragen stellte Isa Lange.

Info: Austausch mit Universität in Indonesien

Haben einen Studierendenaustausch organisiert: Sri Megawati (Yogyakarta) und Hansjörg Bittner (Hildesheim). Foto Isa Lange/Uni Hildesheim

Hansjörg Bittner bildet an der Universität Hildesheim Fachleute für Untertitelung aus. Deutschland sei ein „typisches Synchronisationsland“, die skandinavischen Länder hingegen nutzen weit mehr Untertitel. In Indonesien hat Bittner Vorträge zur Untertitelung gehalten und Kontakte zu indonesischen Kollegen aufgebaut. In seiner Habilitation befasst sich Bittner mit Übersetzungsqualität. „Eine Übersetzungslösung ist nur so gut wie die Argumente, die sich für sie ins Feld führen lassen“, sagt der Übersetzungswissenschaftler.

„Wir lernen die deutsche Sprache auch mit Musik, mit Literaturverfilmungen. Medien sind eine Chance. Dann aber sind persönliche Begegnungen und Gespräche wichtig, deshalb führt uns die Studienreise nach Hildesheim“, sagt die indonesische Dozentin Sri Megawati, die im Wintersemester 2015/16 mit 15 Studierenden nach Deutschland gereist ist.

In Hildesheim ist Indonesisch zwar kein Sprachenschwerpunkt. Aber: „Wir wollen weiterhin mit Kollegen aus dem Ausland zusammenarbeiten, um Erkenntnisse aus der Übersetzungswissenschaft auszutauschen“, so Bittner. Studierende aus Hildesheim gehen für Auslandssemester vor allem nach Spanien, Frankreich und in englischsprachige Länder.

Kurz erklärt: Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medientexte zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Kurz erklärt : Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme aus anderen Sprachen, üben sich im Synchronisieren, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. In Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk und dem  Bayrischen Rundfunk erstellen Studentinnen und Studenten zum Beispiel Audioeinführungen für Hörfilme oder untertiteln Filme.

Kurz erklärt: Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim

Prof. Nathalie Mälzer entwickelt mit Studierenden Hörfilme und Übertitel für das Theater. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim liegt ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Die Universität bildet im Medientextlabor Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation" aus.

An der Universität Hildesheim wurde die bundesweit erste Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Die Medienlinguistinnen bereiten an der Uni Fachtexte und Formulare von Behörden verständlich auf. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium werden zum Beispiel Rechtstexte übersetzt.

„Untertitel und leichte Sprache sind auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11510 Sun, 20 Mar 2016 14:30:00 +0100 Audiodeskription: Hören statt Sehen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/audiodeskription-hoeren-statt-sehen/ Studentinnen und Studenten entwickeln im Medientextlabor der Universität Hildesheim barrierefreie Internetseiten und Übertitel für die Theaterbühne. Und sie produzieren Hörfilme – dabei arbeiten sie mit dem NDR zusammen. Erstmals wagen sich die Studierenden an einen Vampirfilm. Danach möchte das Team um Professorin Nathalie Mälzer auch Tierdokumentationen übersetzen. „Wir erstellen Hörfilme“, sagt Christine Seggelke. Die 25-jährige Studentin spezialisiert sich an der Universität in Hildesheim auf barrierefreie Kommunikation. Sie transportiert die Bildebene eines Films – Mimik, Gestik, Raum – auf eine sprachliche Ebene. „So gut das eben möglich ist.“

Die Studentin gehört zu einem Team, das in den letzten Monaten im Medientextlabor der Universität Hildesheim eine Audiodeskription und Audioeinführung zu dem preisgekrönten Spielfilm „A girl walks home alone at night“ für den NDR produziert hat. Der Film der iranisch-amerikanischen Regisseurin Ana Lily Amirpour handelt von einer Vampirin. „Der langsame Schwarz-Weiß-Film, in dem die Figuren kaum miteinander reden, sondern die suggestiven Bilder die Geschichte erzählen, birgt ganz eigene Herausforderungen für die Audiodeskription“, sagt Nathalie Mälzer. Die Juniorprofessorin erarbeitet mit Studierenden in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk Filme, die man hören kann.

Diesmal haben sie sich einen Horrorfilm vorgenommen. Wie entsteht ein Hörfilm? Zunächst schauen sich die Studierenden den Film mehrfach an, lassen die Bilder auf sich wirken, auch ohne Ton. „Der Film spielt in einer fiktiven iranischen Stadt, die sehr einsam und verlassen wirkt. Es gibt eine Szene, in der ein junger Mann in einem alten Ford durch die Gegend fährt. Und im Hintergrund rauschen Pumpen, Strommasten, trockenes Gebüsch vorbei. Das was ich sehe, beschreibe ich“, erzählt Christine Seggelke.

Manchmal, sagt die Studentin, sei es „schwierig eine Auswahl zu treffen“. Eine Szene spielt zum Beispiel in einer luxuriösen Wohnung. Wie schafft man es, den Raumeindruck in wenige Worte zu fassen? Eine Wasserpfeife und ein Kristallkerzenleuchter stehen auf einem polierten Tisch, ein Kamin ist aus, Bilder hängen an den Wänden. „Als wir die Szene im Seminar angeschaut haben, hat jeder etwas anderes als wichtig eingeschätzt.“ Mit den Worten muss sie sparsam umgehen. Sie könne keine Abhandlung über 40 Seiten schreiben. „Die Zeit ist begrenzt, der Film läuft weiter. Es geht zwangsläufig etwas verloren“, sagt Seggelke. Es sind nicht nur die Dialoge, auf die sie achten muss, um „in die Lücken etwas reinzuschreiben“. Wenn Musik beginnt, lässt sie den Anfang oft frei stehen, ohne Worte. Dann gibt es Szenen, in denen kaum etwas geschieht und gesagt wird: „Das Blickverhalten der Figuren untereinander und die fehlenden Blickkontakte sind aber sehr wichtig, um die Figuren zu verstehen. Als Sehender nimmt man das einfach nebenbei wahr. Aber wenn man dies in Worte fast, wirkt das komisch.“ Sie wolle mit ihren Worten „eine Geschichte erzählen“ und dabei die Ästhetik des Films bewahren.

Der Vampirfilm sei sehr besonders, ergänzt die Studentin Anna Pristouschek. „Er ist etwas philosophisch, abstrakt, hat wenige Dialoge.“ Geräusche sind in der Audiodeskription auch ein wichtiges Signal: „Wenn eine Autotür zuknallt und der Motor anspringt, dann muss ich dies nicht mehr in Worte fassen“, sagt Anna Pristouschek, die zuvor in Kiel studiert hat und für das Masterstudium nach Hildesheim gezogen ist.

Mit der Audiobeschreibung stoßen die Medienübersetzerinnen im Horrorgenre manchmal an Grenzen. Man habe manchmal kaum die Zeit, die Spannung und Überraschung einzufangen, sagt Nathalie Mälzer. „Dann arbeiten wir mit kurzen Sätzen. Was gut funktioniert sind ruhige Szenen, in denen wir eine Erwartungsangst aufbauen können. Manche Gruseleffekte und Schockmomente können wir mit Worten auffangen und prägnante Beschreibungen finden, um zu suggerieren wie eklig oder unangenehm etwas aussieht – andere nicht, da stoßen wir an Grenzen. Wir haben Rückmeldungen von blinden Audiodeskripteuren erhalten, die von dem Ergebnis sehr beeindruckt sind“, sagt Professorin Nathalie Mälzer. „Wir verwenden in der Audiodeskription kein filmtechnisches Vokabular,  sprechen nicht von Kameraeinstellungen, möchten aber sagen, was mit dem Bild eigentlich ist und warum man die Vampirin mal sieht und mal nicht, wegen der Unschärfe. Wir sagen dann: ‚Man erkennt sie nur verschwommen. Jetzt wird sie wieder sichtbar.‘“

Als nächstes möchten die Hildesheimer Medienübersetzerinnen Tierdokumentationen beschreiben. „Man sieht die Dinge, aber wie heißt das? Hier kann man nicht Schummeln. Bei der Dokumentation müssen die Fakten stimmen. Wie sehen die Tiere genau aus? Man kann nicht einfach sagen: ‚Der blonde Mann‘ oder der ‚Herr mit der Brille‘. Übersetzer benötigen das Fachwissen, wie sie die Tiere korrekt beschreiben können“, so Mälzer.

Warum die Professorin mit ihren Studierenden diese Hörfilme produziert? „Mit dem Alter wird das Sehen beeinträchtigt. Eine Frau aus meinem Bekanntenkreis genießt Filme und möchte wie zuvor kulturelle Produkte wahrnehmen. Sie sieht mittlerweile kaum noch etwas. An sie denke ich oft, wenn ich in diesem Bereich arbeite. Wir möchten mit den Filmen einen ästhetischen Genuss vermitteln und weitergeben, auf welche Weise der Film erzählt.“ Die Art und Weise, wie man etwas benennt, sei entscheidend, sagt Mälzer.

Sendetermin

Der Film „A girl walks home alone at night“ wird mit Audiodeskription und Audioeinführung am 21. März 2016 ausgestrahlt.  Es handelt sich um eine Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen.

Info: Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medien zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Info: Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme aus anderen Sprachen, üben sich im Synchronisieren, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. In Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk und dem  Bayrischen Rundfunk erstellen Studentinnen und Studenten zum Beispiel Audioeinführungen für Hörfilme oder untertiteln Filme.

Info: Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim

Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim liegt ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Die Universität bildet im Medientextlabor Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation" aus.

An der Universität Hildesheim wurde die bundesweit erste Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Die Medienlinguistinnen bereiten an der Uni Fachtexte und Formulare von Behörden verständlich auf. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium werden zum Beispiel Rechtstexte übersetzt.

„Untertitel und leichte Sprache sind auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz

Audiodeskriptionen im Film und Übertitel im Theater – wie geht das? Kontakt zur Professorin

Wer sich für Audiodeskriptionen im Film und Theaterübertitelung interessiert, kann Prof. Dr. Nathalie Mälzer kontaktieren (E-Mail: maelzers[at]uni-hildesheim.de). Im Sommersemester 2016 setzt die Juniorprofessorin das Projekt „Inklusives Theater“ fort: Im Seminar „Theaterübertitlung für Gehörlose“ werden Studierende in Kooperation mit dem Theaterhaus Hildesheim und der Theatergruppe Bwiezack Worte finden, die auf die Bühne projiziert werden. Mehr Informationen findet man online.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM
news-11445 Sun, 28 Feb 2016 13:00:00 +0100 Wissenschaftliches Arbeiten: Es geht um mehr als um Noten https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/wissenschaftliches-arbeiten-es-geht-um-mehr-als-um-noten/ Ein Team des Lese- und Schreibzentrums gibt Tipps rund um Lese- und Schreibtechniken. Studierende aller Fachbereiche können sich am Bühler-Campus über Strategien für das wissenschaftliche Arbeiten informieren. Nachgefragt bei einer Studentin aus den Hildesheimer Kulturwissenschaften. Nachtschicht am Laptop – aber nicht allein. Aufgeschobene Hausarbeiten endlich anpacken oder begonnene abschließen: Während der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten am Donnerstag, 3. März 2016, geben Fachleute in der Universitätsbibliothek Tipps rund um das wissenschaftliches Arbeiten [mehr Infos untenstehend].

Das Team des Lese- und Schreibzentrums am Bühler-Campus ist jede Woche ansprechbar und unterstützt Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche mit Recherchehilfen und Beratung. Studentische Schreibberaterinnen und Schreibberater helfen mit Tipps zu Schreibtechniken. Studierende können einfach einen Termin vereinbaren (E-Mail an: schreibtutoren[at]uni-hildesheim.de).

Wissenschaftliches Arbeiten – Nachgefragt bei einer Studentin aus den Kulturwissenschaften

Helene Timm studiert an der Universität Hildesheim im 3. Bachelorsemester Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit den Fächern Literatur und Medien. Die 21-jährige Rostockerin hat sich für die Studienvariante „Kulturpolitik im internationalen Vergleich" entschieden. Sie nimmt an der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten teil. Ein Gespräch im Burgtheater auf dem Kulturcampus.

Wie gehst du mit dem Berg an Aufgaben um?

Helene: Ich kann gut unter Druck arbeiten, wie wahrscheinlich viele Menschen, die kurz vor der Abgabefrist ihre Projekte erledigen. Dabei ergibt sich dann oft eine Phase, in der ich besonders intensiv an einem Thema arbeite und völlig in die Materie einsteige. Mich motiviert es, auch im Team zu arbeiten. Durch das Diskutieren des Themas werden einem meist nochmal neue Aspekte bewusst.

Woran arbeitest du gerade, was musst du derzeit schaffen?

Das reicht von der Themenfindung für eine Hausarbeit zu Design und Dingen bis hin zu einer Holzskulptur, wo ich ganz handwerklich arbeite und direkt Fortschritte sehen kann. Dann schließe ich gerade ein Interview-Seminar ab: Jeder in unserer Gruppe hat Menschen während Mitfahrgelegenheiten zu Mobilität und Flexibilität  interviewt. Dafür sprechen wir gerade unsere eigenen Gedanken zum Thema in Monologform im Studio ein. Die Interviews und Monologe betten wir dann online in eine Karte ein. Wenn man auf die Strecke klickt, die wir gefahren sind, hört man die persönlichen Geschichten.

Dann arbeite ich noch an einer Forschungsstudie im interkulturellen Kulturmanagement mit. Hierfür habe ich internationale Expertinnen interviewt. Um unter anderem herauszufinden, inwieweit sich Kulturmanagement in einzelnen Ländern unterscheidet und wie man zukünftige Zusammenarbeiten verbessern kann. Dabei mussten wir uns neben den Inhalten genauso mit den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens auseinandersetzen: Wie baut man so eine Studie überhaupt auf, wie erfasst man Dinge, wie wertet man seine Daten aus?

Hast du das Gefühl, du hast einen Berg an Aufgaben vor dir oder ist das zu schaffen?

Es stapelt sich schon in diesen letzten Wochen vor den Abgabefristen. Wahrscheinlich ist es wichtig, sich auf den Moment zu konzentrieren, was man in dem Moment schaffen kann. So ist es am besten machbar, indem man sich jeden Tag ein paar Aufgaben vornimmt, die man angeht. Ich finde es auch immer gut, wenn man sich mit Leuten verabredet, ein Ziel vor Augen hat, das gemeinsam durchzieht und aus dem Tag einen workspace entstehen lässt. Wir kochen zum Beispiel auch gemeinsam. Ich glaube, das motiviert manchmal mehr, als wenn man sich alleine an den Schreibtisch setzt.

Und was willst du verändern?

Ich könnte die Morgende noch mehr als Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Ich verlagere sehr viele Dinge auf nachts, was für kreative Prozesse ziemlich gut funktioniert, aber für Strukturierungsarbeiten nicht so sehr. Trotzdem bin ich eher der Nachtmensch.

Dein Ratschlag an andere Studierende?

Ich glaube, das ist für jeden ganz unterschiedlich. Ich finde es wichtig, dass man sich im Klaren ist, welche Motivation dahinter steckt, warum man das Projekt, die Hausarbeit, die Prüfung macht. Arbeite ich auf eine Deadline hin oder interessiert mich auch, was ich tue? Ich finde es wichtig, für sich selbst einen persönlichen Fortschritt anzustreben, es geht um mehr als um eine Note.

Die Fragen stellte Isa Lange

Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Das Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim lädt Studierende aller Fachbereiche in Kooperation mit der Universitätsbibliothek zur Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten ein. An über 50 Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum und in den USA und zum Beispiel in Singapur treffen sich seit 2011 einmal im Jahr tausende Studierende, um gemeinsam zu schreiben, aufgeschobene Arbeiten endlich anzupacken oder begonnene abzuschließen.

Auch Hildesheim ist dabei – das Lese- und Schreibzentrum und die Universitätsbibliothek unterstützen Studentinnen und Studenten mit Lese- und Schreibberatung, Recherchehilfen, Schreibtischsport und Snacks. Es gibt eine Nachtwanderung, eine Methoden-Bar und Chill-Out-Zone, eine Twitter-Wall in die anderen Schreibzentren und Bibliotheken. Die Lange Nacht findet in Hildesheim am Donnerstag, 3. März 2016, von 20 Uhr bis 02 Uhr in der Universitätsbibliothek am Hauptcampus statt.

Das Team des Lese- und Schreibzentrums unterstützt Studentinnen und Studenten mit Lese- und Schreibtechniken, Beratung, Feedback und Motivationsschüben. Die Bücher der Universitätsbibliothek stehen als Recherchehilfen vor Ort zur Verfügung. Das Team der Uni-Bibliothek unterstützt Studierende bei der Literaturrecherche.

Außerdem geben Lehrende Einblicke in ihre aufgeschobenen Projekte und verraten, wie sie mit Schreibblockaden umgehen. Während des „Schreibtalks“ (um 20:15 Uhr) sprechen zum Beispiel die Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper und der Sportwissenschaftler Dennis Wolff über ihre Schreiberfahrungen – von der ersten Hausarbeit bis zur liebsten Aufschiebestrategie. „Die Studierenden sollten auf diese Weise einen Eindruck davon bekommen, dass wir alle mal klein angefangen haben, dass Schreiben auch mit mehr Schreiberfahrung durchaus mal mühsam sein kann und Austausch helfen kann“, sagt Jana Zegenhagen.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Fachbereich 3 Deutsche Sprache Lese- und Schreibzentrum
news-11311 Sun, 07 Feb 2016 17:28:00 +0100 Online und offline publizieren: Zugang zu Wissen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/online-und-offline-publizieren-zugang-zu-wissen/ Zukünftig können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim ihre Erkenntnisse aus der Forschung auch im Georg Olms Verlag in gedruckter Form publizieren. Die Printmedien sind außerdem kostenfrei online zugänglich. „Den Hildesheimer Olms Verlag als Partner zu gewinnen, ist ein Glücksfall, besonders wegen seines internationalen Vertriebs“, sagt Universitätspräsident Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich anlässlich der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung Anfang Februar 2016. „Als ein renommierter Wissenschaftsverlag bietet Olms eine erhöhte Sichtbarkeit der Publikationen durch nationale und internationale Werbung sowie durch einen weltweiten Vertrieb“, sagt Ewald Brahms, Direktor der Universitätsbibliothek Hildesheim. Der Satz und das Layout werden zwischen Universität und Verlag abgestimmt, der Universitätsverlag vermittelt den Kontakt zu den Autorinnen und Autoren, der Olms-Verlag übernimmt den Druck und Vertrieb der Werke. Die Druckkosten können auf diese Weise gesenkt werden.

„Seit über drei Jahrzehnten arbeitet der Georg Olms Verlag erfolgreich mit verschiedenen Instituten der Stiftung Universität Hildesheim zusammen. Daraus entstand eine Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen. Um einen kontinuierlichen und nachhaltigen Ausbau der Kooperation zu gewährleisten, entschlossen sich jetzt beide Partner zu dem geschilderten innovativen Publikationsmodell. Dieses dient als Beispielcharakter und lädt andere wissenschaftliche Einrichtungen zum Mitwirken ein“, sagt Dietrich Olms.

Vereinbart wurde zudem, dass alle gemeinsam publizierten Printmedien parallel als kostenfreie elektronische Ressource angeboten werden. „Damit folgt die Universität Hildesheim den Erwartungen von Politik und Förderorganisationen, ohne die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Open-Access-Publikation zu verpflichten wie jüngst die Universität Konstanz“, sagt Ewald Brahms. Die Kooperationsvereinbarung sei ein „weiterer wichtiger Schritt der Stiftungsuniversität, um die Sichtbarkeit ihrer wissenschaftlichen Publikationen national und international zu steigern“.

Bisher konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in gedruckter Form im Universitätsverlag Hildesheim publizieren. Seit 2014 ermöglicht der Uni-Verlag die kostenfreie Erstveröffentlichung als „Open Access-Publikation“: Das Wissen ist somit offen und kostenfrei unter Wahrung der Urheberrechte im Internet zugänglich.

Kurzinfo: Weltweiter Zugang zu Wissen – Universitätsverlag Hildesheim

Weltweit und kostenfrei verfügbar – seit 2014 baut Mario Müller an der Universität Hildesheim den Bereich „Online-Publishing“ verstärkt aus. Die Inhalte reichen von Publikationen aus der Sportwissenschaft über die Musikwissenschaft bis zu Anglistik, Geographie und Physik. Ein Klick ins Netz – die vollen 300 oder 500 Seiten stehen online. Etwa zwei Drittel der Bücher des Hildesheimer Universitätsverlags sind Online-Publikationen. Sammelbände erscheinen meist online und print. Derzeit entsteht der Sammelband „Zäsuren der Weltgeschichte“.

Auf dem Publikationsserver „HilDok“ sind sämtliche Publikationen kostenfrei online zugänglich, etwa eine aktuelle Studie zu einem Sportentwicklungskonzept für die Stadt Hildesheim (von Peter Frei und Carina Eichele) und eine Untersuchung zu Naturerfahrungen von Jugendlichen in Hildesheim (von Ann-Christin Schock). Auch gelangt man mit einem Klick zu den Ergebnissen aus der bundesweiten Postdoc-Studie: Julia Gundlach und Svea Korff geben Einblicke in die Lebenslagen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nach der Promotion. Nutzer können mit wenigen Klicks nach Dokumenttypen, Schriftenreihen, Fachbereichen und Themen suchen.

„Oft entscheiden sich Doktorandinnen und Doktoranden für die Online-Publikation. Der Preis entscheidet“, sagt Mario Müller. Digital zu veröffentlichen biete für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Möglichkeiten. „Die Werke sind wie im Printbereich über Fachportale recherchierbar und in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet. Der Universitätsverlag arbeitet nicht gewinnorientiert, wir wollen Wissen flexibel und transparent zur Verfügung stellen“, so Müller.

Wer sich für die Arbeit des Universitätsverlags interessiert und ein Buch sucht oder publizieren möchte, kann sich an PD Dr. Mario Müller (Editorial Director Print & Digital Publishing, E-Mail: mario.mueller@uni-hildesheim.de) und an den Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Ewald Brahms wenden (E-Mail: brahms@uni-hildesheim.de). Der Universitätsverlag bietet Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität Hildesheim eine kostenfreie redaktionelle Betreuung und Veröffentlichung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse.

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news-11172 Sat, 16 Jan 2016 18:06:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Freie und unabhängige Medien https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/digitale-lebenswelten-freie-und-unabhaengige-medien/ Alexandra Borchardt, Chefin vom Dienst der Süddeutschen Zeitung, spricht an der Uni Hildesheim über die Situation der Medienbranche, Trends der Digitalisierung und freie und unabhängige Medien. Der Vortrag am Dienstag ist Teil der Reihe „Digitale Lebenswelten". Freie und unabhängige Medien sind zentral für die Demokratie. Doch die Medienbranche steht zunehmend unter Druck. Die digitale Welt verändert Lebens- und Konsumgewohnheiten, neue Meinungsmarktplätze machen Zeitungen und Zeitschriften, Fernseh- und Radiosendern Konkurrenz. Die bewährten Geschäftsmodelle sind angezählt. Alexandra Borchardt, Chefin vom Dienst der Süddeutschen Zeitung, analysiert in ihrem Vortrag in der Reihe „Digitale Lebenswelten" an der Universität Hildesheim die Situation der Branche. Sie beschreibt fünf Trends der Digitalisierung, die jeden betreffen und führt aus, welche Konsequenzen Medienhäuser daraus ziehen und ziehen müssen.

Der öffentliche Vortrag beginnt am Dienstag, 19. Januar 2016, um 19:15 Uhr in der Universitätsbibliothek am Universitätsplatz 1 in Hildesheim.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Reihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Organisiert wird die Vorlesungsreihe von den Instituten für Sozialwissenschaften, Interkulturelle Kommunikation sowie Informationswissenschaft und Sprachtechnologie. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Am 26. Januar 2016 wird das Buch „Soziale Medien in Protestbewegungen. Neue Wege für Diskurs, Organisation und Empörung?“ vorgestellt. Welche Rolle spielen soziale Medien in Protestbewegungen? Dieser Frage gingen Prof. Dr. Marianne Kneuer und Dr. Saskia Richter im Jahr 2014 nach. Anlass für die Studie war die Beobachtung, dass der weltweiten Finanzkrise in 2011 Protestbewegungen in westlichen Demokratien folgten, die in mehr als 80 Ländern der Welt ein hohes Maß an Empörung auf die Straße brachten und zugleich intensiv soziale Medien nutzten, sagt Marianne Kneuer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim. Die Politikwissenschaftlerinnen haben Facebook- und Twitter-Postings von Aktivisten aus Spanien, Portugal, den USA, Großbritannien und Deutschland analysiert. Prof. Dr. Paul Nolte von der FU Berlin stellt das  Buch im Center of World Music in Hildesheim vor (Programm als PDF).

Abschließend gibt die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge am 2. Februar 2016 Einblicke in Forschungsergebnisse aus der Migrationslinguistik. Sie spricht über „Mehrsprachigkeit und Humor als identitäre Ressource – migrantische Bloggerinnen und Blogger in Quebec“ (Programm als PDF). Die Wissenschaftlerin hat Blogs von spanisch- und französischsprachigen Menschen untersucht, die nach Quebec auswandern oder auswandern wollen und die sich online mit anderen Migrationswilligen über ihre Erfahrungen austauschen.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation
news-11134 Thu, 14 Jan 2016 19:00:00 +0100 70 Jahre Lehrerausbildung: Mittwochs im Hörsaal, freitags im Klassenzimmer https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/70-jahre-lehrerausbildung-mittwochs-im-hoersaal-freitags-im-klassenzimmer/ Die Universität Hildesheim erinnert in diesen Tagen an die Aufnahme des Studienbetriebs vor 70 Jahren, damals noch in Alfeld. Nach nur einem Jahr schlossen 1947 die ersten 51 Absolventen das Lehrerstudium ab. Frühe Schulpraxis ist seit Gründung der Hochschule bis heute Teil der Lehrerausbildung. In den letzten Wochen haben sich bereits 300 Ehemalige bei der Uni gemeldet, darunter Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen, die seit den 50er Jahren bis heute ihr Studium abgeschlossen haben. 2016 blickt die Universität Hildesheim auf 70 Jahre Lehrerausbildung zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann im Januar 1946 der Studienbetrieb an der Pädagogischen Hochschule Alfeld; im 20 Kilometer entfernten zerstörten Hildesheim waren keine geeigneten Gebäude vorhanden. Die ersten 51 Absolventinnen und Absolventen schlossen 1947 nach nur 400 Studientagen (2 Semester) ihr Studium ab. In den ersten 10 Jahren, bis 1955, absolvierten 510 Personen mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren ihr Studium. Frühe Schulpraxis ist seit Gründung der Hochschule bis heute Teil der Lehrerausbildung. 1970 wurde dann der Semesterbetrieb in Hildesheim aufgenommen.

Die Universität lädt alle ehemaligen und aktuellen Studierenden, ihre Mitglieder sowie die interessierte Öffentlichkeit am Samstag, 16. Januar 2016, um 11:00 Uhr zu einer Festveranstaltung in Audimax der Universität nach Hildesheim ein. Gemeinsam kehren die Teilnehmer zu den Anfängen zurück und erleben die Entwicklung der Hochschule bis heute. Der zweistündige Festakt bietet Raum für Austausch (Programm online). Der Festakt findet im Audimax der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim) statt. Anlässlich der 70-Jahr-Feier erscheint ein Jubiläumsband.

In den letzten Wochen haben sich bereits fast 300 Ehemalige aus allen Jahrzehnten bei der Universität gemeldet, darunter Schulleiter und Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Niedersachsen, die seit den 50er Jahren bis heute ihr Studium abgeschlossen haben. Viele haben der Universität nun Erinnerungen an ihre Studienzeit und den Berufsalltag zugeschickt. Etwa Rudolf Rückert, der sich nach seinem Studienabschluss 1953 in Alfeld an seine erste Schulklasse in Salzgitter mit 60 Jugendlichen erinnert: „Es gab kaum Schulräume, um die Enge zu überwinden, gingen wir möglichst oft ins Freie“, sagt Rückert, der bis in die 90er Jahre eine Schule in Salzgitter geleitet hat. Sein Tipp an heutige Lehramtsstudierende: „Als Lehrer muss man Kontakt zu den Schülern aufbauen, einen Draht finden, auf sie eingehen. In Schulpraktika merkt man, ob man das kann.“

Derya Akdağ ist heute Klassenlehrerin an einer Schule in Bockenem und unterrichtet Zehntklässler in den Fächern Englisch, Geschichte und Wirtschaft und eine 8. Klasse im Fach Werken. „Die Arbeit mit meiner Klasse und die Zusammenarbeit mit dem Kollegium ist bereichernd. An fast jedem Schultag stehe ich vor neuen Herausforderungen, die mich reich an Erfahrungen gemacht haben. Natürlich kracht es auch hier und da mal, das bleibt nicht aus. Mein Studium an der Universität Hildesheim hat mich vom ersten Semester an mit Hospitationen, Praktika und einer guten Betreuung auf diesen Beruf vorbereitet.“ Was es wirklich heißt, Lehrerin zu sein und über Stunden zu unterrichten, erlebt sie nun nach dem Abschluss ihres Referendariats in der Realität, im Schulalltag. Jeden Morgen fährt sie 60 km zur Schule und das „mit einem guten Gefühl“. „Ich bin froh da zu sein, wo ich jetzt bin“, sagt Derya Akdağ.

Ehemalige können sich noch zu der Festveranstaltung anmelden. Über den Festakt hinaus können sie auch eigeninitiativ Jahrgangstreffen auf dem Campusgelände organisieren. Interessierte erreichen Maike Becker per E-Mail (maike.becker@uni-hildesheim.de) oder auch telefonisch (05121 883-90132). Wer Interesse hat, kann an einer Vorabendveranstaltung am Freitag im „Cooks and Wines“ oder an einer Stadtführung durch Alfeld und Hildesheim am Sonntag, 17. Januar, teilnehmen.

Mit der 70-Jahr-Feier startet die Uni auch ein bundesweites Ehemaligen-Netzwerk. Ehemalige aller Fachbereiche können sich online registrieren und werden über aktuelle Entwicklungen informiert.

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Stiftung Universität Hildesheim:

Jubiläumsband „70 Jahre im Dienste der Bildung. Von der Pädagogischen Hochschule Alfeld zur Stiftung Universität Hildesheim (1945 bis 2015)“, Wolfgang-Uwe Friedrich und Martin Schreiner (Hrsg.), Universitätsverlag Hildesheim, 72 Seiten

Lehrerausbildung heute:

Mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer: Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule, das ist bundesweit besonders. Sie erhalten früh Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester halten sie eine erste Unterrichtsstunde. 500 Lehramtsstudierende starten jeden Herbst in ihr erstes Studienjahr.

Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Stiftung Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte in der Lehrerausbildung liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet in weiteren Praxisphasen im Verlauf des Studiums mit 250 Partnerschulen in Hannover, Hildesheim und der Region zusammen.

Mehr über die Lehrerausbildung erfahren:

„Willkommen im Schulalltag. Wie die Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer ausbildet", Reportagen und Interviews (Seite 46 bis 67) im Magazin der Universität Hildesheim, 2015 [PDF und epaper online]

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-11155 Thu, 14 Jan 2016 18:30:00 +0100 Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung und Service https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-und-service/ Bettina Uhlig untersucht, wie Kinder Bilder wahrnehmen und produzieren. Guido Graf eröffnet in seinen Seminaren „neue Wissenswelten, fordert heraus, ohne zu überfordern". Angelika Obstoj kennt die Universität aus all ihren Facetten. Die Universität Hildesheim zeichnet Graf, Uhlig und Obstoj für ihre hervorragenden Leistungen in Lehre, Forschung und im Wissenschaftsmanagement aus. Die Preise sind mit jeweils 3000 Euro dotiert. „Universität bedeutet Gemeinschaft, wir sind eine große Familie. Wir freuen uns, dass neue Professorinnen und Professoren unser Team verstärken, unter anderem in den Bereichen Chemiedidaktik, Philosophie, Politikdidaktik und Weiterbildung“, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich in dieser Woche während des Neujahrsempfangs der Universität Hildesheim. Jedes Jahr verleiht die Universität Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Preise sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert.

Die Preisträger sind:

Preis für hervorragende Forschung: Prof. Dr. Bettina Uhlig, Professorin für Kunstpädagogik

Der Preis für hervorragende Forschung geht an Prof. Dr. Bettina Uhlig vom Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft. Bettina Uhlig ist seit 2010 als Professorin für Kunstpädagogik und Didaktik der Bildenden Kunst an der Stiftung Universität Hildesheim tätig. Sie untersucht, wie Kinder Bilder wahrnehmen, produzieren und wie sich dies verändert. „Hierfür hat sie auf der Domäne ein bilddidaktisches Forschungsstudio eingerichtet. In Kooperation mit Grundschulen und Kindergärten führt sie ein Feldforschungsprojekt durch, das Aufschluss über die anthropologischen und kulturellen Grundlagen der Entwicklung von Bildlichkeit geben soll“, erläutert Vizepräsidentin Prof. Dr. Renate Soellner in ihrer Laudatio. Ihre Grundlagenforschung habe „einen hohen Anwendungsbezug“.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder über spezifische Imaginationsprofile verfügen. „So gibt es Kinder, deren narrative Imagination besonders prägnant ist, andere wiederum können sich Szenisches oder technische Zusammenhänge besonders gut vorstellen. Je nach Imaginationstyp differiert die bildnerische Praxis und führt bei einer gezielten Begleitung zu entsprechend unterschiedlich großen Fortschritten in der individuellen Bildpraxis von Kindern“, erläutert Soellner. Professorin Uhlig sei „ausgesprochen vernetzt“ und ist unter anderem Mitbegründerin des Forschungsnetzwerks IMAGO. „Ihre Forschungsergebnisse fließen sowohl in die fachdidaktische Diskussion als auch in die Praxis in Kindergärten und Schulen ein. Ihre Arbeiten sind somit im besten Hildesheimer Sinne an der Schnittstelle von Theorie und Praxis angesiedelt“, sagt Renate Soellner.

So arbeitet die Professorin zum Beispiel mit dem Hildesheimer Dommuseum in der Lehrerausbildung zusammen. Lehramtsstudierende gehen gemeinsam mit Schulklassen und Kindergärten in das Museum, um über die Objekte zu sprechen. „Die Kinder und ihre Fragen sind uns wichtig", sagt Bettina Uhlig. In den vergangenen 30 Jahren ging es häufig um die Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Wie entwickeln Kinder ein historisches Bewusstsein für die Stadt, in der sie leben? Wie kann man die für Kinder vermeintlich schwierige und ferne alte Geschichte adäquat vermitteln? Die Professorin verlegt ihre Seminare für angehende Lehrerinnen und Lehrern aus dem Hörsaal in das Museum. Die Studierenden der Universität Hildesheim sammeln wertvolle Praxiserfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Dommuseum. „Jede Forschung braucht Resonanz, ich möchte mich bei den Kolleginnen und Kollegen für den Austausch und bei der Universitätsleitung für das positive Forschungsklima bedanken“, sagt Uhlig.

Preis für hervorragende Lehre: Dr. Guido Graf lehrt Kulturjournalismus

So viele Nominierungen wurden bisher noch nie eingereicht, freut sich Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander. 69 Vorschläge von Studierenden für den Preis für hervorragende Lehre gingen bei der Universität ein.

Eine Jury – bestehend aus zwei Studierenden der Fachbereiche 1 (Nadine Federschmidt) und 2 (Simon Böker), der Studiendekanin des Fachbereichs 3 (Prof. Dr. Annette Sabban) und dem Studiendekan des Fachbereichs 4 (Prof. Dr. Klaus Schmid) – hat entschieden: Der  Preis geht an Dr. Guido Graf, der seit 2008 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft tätig ist. Er hat Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft in Braunschweig studiert und seine Dissertation über den Briefwechsel zwischen den Schriftstellern Arno Schmidt und Hans Wollschläger (Lehrer-/Schülerverhältnis) geschrieben. Bevor er  nach Hildesheim kam, arbeitete er als freier Journalist für Zeitungen und den Rundfunk. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Literaturvermittlung, Sound-Poetik, Social Reading, Radio, Medientheorie, Gegenwartslyrik und Übersetzung.  

Guido Graf „eröffnet in seinen Seminaren neue Wissenswelten, fordert heraus, ohne zu überfordern, er ist aufgeschlossen gegenüber Studierenden“, sagt der Student Jacob Teich über seinen Dozenten. „Guido Graf hört sich jede Idee an, gibt ihr Raum, diskutiert. Es geht ihm in der Lehre um individuelle Interessen, um Gemeinschaft, um Freiräume, in denen jeder sein Netz auswerfen kann, in denen ‚Hobbyangler‘ und ‚Profifischer‘ voneinander lernen.“ Der Dozent entgegnet auf die Laudatio: „Dass mir die Lehre so viel Spaß macht, hat vor allem etwas mit den hervorragenden Studierenden zu tun.“

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Dezernentin Dr. Angelika Obstoj

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, „die sich in ganz besonderem Maße für unsere Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

Die Preisträgerin ist Dr. Angelika Obstoj, Leiterin des Dezernats für Studienangelegenheiten. Seit 1988 arbeitet sie an der Universität Hildesheim. 1993 übernahm sie alle Sekretariats- und Verwaltungsaufgaben im Dezernat 3, Studium und Lehre, und war Ansprechpartnerin in der zentralen Studienberatung, „um Studieninteressierten im Erstkontakt Rede und Antwort zu stehen“, so Matthias Kreysing. „Ihr Engagement reichte und reicht immer noch über die ‚normalen‘ Aufgaben hinaus.“ So ist sie zum Beispiel Mitglied in der ständigen Senatskommission Lehramt (SKoLA) „und sehr aktiv in der Umsetzung eines Projekts zur Sprachlernunterstützung von Flüchtlingen, das vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert wird“.

„In der für unsere Universität besonders wichtigen Phase der Stiftungswerdung war sie Vizepräsidentin für Lehre. Sie kennt die Universität aus all ihren Facetten wie sonst kaum jemand“, sagt Vizepräsident Kreysing über die Leistungen der Uni-Dezernentin im Wissenschaftsmanagement. „Ich schätze Frau Obstoj wegen ihres hohen Organisationstalents, ihrer ausgeprägten Fähigkeit zu selbständigen und selbstbewussten Arbeiten sowie für ihre allgemein geschätzte Kooperationsbereitschaft, die immer mit einem Blick fürs Ganze kombiniert ist.“

Angelika Obstoj freut sich über den Preis für hervorragenden Service, denn „der Preis stellt eine hochschulöffentliche Würdigung meiner Arbeit an einer der Schnittstellen von Wissenschaft und Verwaltung, dem Dezernat für Studienangelegenheiten, dar". „Diese Arbeit findet zwar zumeist eher im Hintergrund statt, leistet aber gleichwohl einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der universitären Aufgaben in Lehre, Forschung und Weiterbildung. In meinem Dezernat spielt natürlich gerade auch der Service gegenüber den Studierenden eine große Rolle. Insofern ist die Ehrung für mich auch eine Anerkennung unseres Beitrages zur Umsetzung des im Leitbild der Universität formulierten Profilelements der Studierendenuniversität", so Obstoj.

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Pressemeldungen Fachbereich 2 Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Fachbereich 1 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Personalportal
news-11131 Tue, 05 Jan 2016 15:16:00 +0100 Begegnung auf dem Postweg https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/begegnung-auf-dem-postweg/ Wer nicht anfängt, kann nichts verändern: In studentischen Gremien, im Studierendenparlament und beim Allgemeinen Studierendenausschuss kann man etwas bewirken, sagen Svenja Brakebusch und Robert Rathke. Manchmal, sind es die kleinen Gesten die zählen – und mehr wiegen als Geld. Studierende der Universität Hildesheim haben Geschenkpakete für Familien gestaltet, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben. Manchmal sagen Worte sehr viel – und weitaus mehr als Geld: Auf der Rückseite eines Fotos von Studierenden steht:

„Wir wünschen dir frohe Weihnachten! Wenn du möchtest, würden wir dich gerne einmal treffen.“

Unter der Nachricht haben die Studierenden ihre Kontaktdaten geschrieben. Lasst uns treffen, das ist die Botschaft, die die jungen Erwachsenen an Familien senden, die erst seit wenigen Monaten in Hildesheim leben.

Von dieser Idee ist die Studentin Svenja Brakebusch beeindruckt. „Das finde ich total cool, dass man den Mut hat und sagt: So, ich würde dich gerne kennen lernen. Du bist neu hier? Ich bin gerne dein Ansprechpartner in dieser Stadt.“

Umgeben von Schuhkartons stehen Svenja Brakebusch und Robert Rathke in einem Uni-Büro. Die beiden studieren an der Universität Hildesheim Lehramt und haben gemeinsam mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), dem Studierendenparlament (StuPa) und in Zusammenarbeit mit dem Hildesheimer Migrationsverein Asyl e.V. Geschenke für Kinder und Jugendliche gesammelt, die nach der Flucht mit ihren Familien oder alleine in Hildesheim angekommen sind. Im Dezember haben sie Studierende und Lehrende dazu aufgerufen, ein Päckchen zu packen: Die Pakete sind in Geschenkpapier umhüllt, liebevoll bemalt, enthalten Spielsachen, Kleidung, Schreib- und Schulmaterialien, dazu handgeschriebene Briefe und Karten. Auf dem Paket kleben kleine Zettel mit einer Altersangabe.

Bis zur Decke stapeln sich die etwa 150 Pakete, täglich wurden es in den letzten Dezemberwochen mehr, bevor sie an Familien in Hildesheimer Flüchtlingsunterkünften verteilt wurden.

„Mit herzlichen Grüßen für ein gutes neues Jahr in Sicherheit und Gesundheit“

steht auf einer Karte in deutscher und englischer Sprache.

Von der Resonanz sind sie überwältigt. „Es ist eine kleine Geste, wir wollen hier vor Ort in Hildesheim etwas tun. Die Leute stehen in unserem Büro: mit welcher Freude sie die Geschenke mitbringen“, sagt Svenja Brakebusch.

Die 23-jährige Lehramtsstudentin engagiert sich seit drei Jahren im Studierendenparlament der Uni. „Wir haben viele Spenden bekommen, auch große Tüten mit Kuscheltieren. Und Mädchen-Schnick-Schnack, Haarbänder, Fußbälle, Lego-Trecker, etwas Süßes mit dazu.“ Außerdem wurden Schulsachen, Stifte, Radiergummis, erste Lesebücher, Anspitzer und Spielzeug eingepackt, ergänzt Robert Rathke. „Die Studierenden haben sich viele Gedanken gemacht, wir haben mit 20 Paketen gerechnet und stehen hier jetzt mit achtmal so viel.“ Die Pakete enthalten auch Grüße und Glückwünsche für das neue Jahr in verschiedenen Sprachen.

„Der große Dank geht an die Studierenden, die sich an solchen Aktionen beteiligen“, sagt Rathke, der an der Universität Lehramt mit den Fächern Wirtschaft, Geschichte und Evangelische Theologie studiert. Seine Hoffnung ist nun, dass über einzelne Feiertage hinaus Freundschaften und Begegnungen entstehen – zum Beispiel durch die Fotokarte mit der handgeschriebenen Einladung: „Lasst uns einmal treffen!“.

Studierende, sagt Robert Rathke, „können die Kompetenzen, die sie an der Universität erwerben, zum Beispiel in den Sprachwissenschaften und im Lehramt, auch im Alltag nutzen und sich einbringen“. Lehramtsstudierende gehen zum Beispiel seit Herbst 2015 in eine Hildesheimer Erstaufnahmestelle und lernen mit Erwachsenen und Familien die deutsche Sprache. 

Studierende aller Fachbereiche können beim Ankommen in der Universität mit Rat zur Seite stehen, sagt Svenja Brakebusch. „Wo muss ich hin, wie stelle ich einen Stundenplan zusammen, was muss ich beantragen, wo sind die Gebäude, in denen das Seminar stattfindet? Wie komme ich zur Universität? Im Alltag geht es darum, zu sagen: ‚Komm doch einfach mit, wir machen das zusammen.‘ Es ist eigentlich gar nicht viel, aber es hat eine riesen Wirkung.“ Das Ziel sei, dann gemeinsam im Hörsaal zu sitzen – um zu lernen.

Studentisches Engagement:

Wer sich für die Mitarbeit in den studentischen Gremien interessiert, kannst sich an Svenja Brakebusch und Robert Rathke wenden. Informationen zum Studierendenparlament findet man online. Den Allgemeinen Studierendenausschuss erreicht man zum Beispiel per E-Mail (kontakt[at]asta-hildesheim.de) und telefonisch unter 05121.883-90184. „Studierende können gerne mit ihren Ideen auf uns zukommen, wir helfen mit Infrastruktur weiter“, sagt Svenja Brakebusch. „Ich lerne hier viel“, sagt Rathke, der beim AStA für Finanzen zuständig ist.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Geschichte Deutsche Sprache Fachbereich 3 Mathematik & Angewandte Informatik Fachbereich 4 Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Flüchtlinge
news-11027 Mon, 14 Dec 2015 08:30:00 +0100 Dolmetschen vor 70 Jahren: O-Ton von Verbrechern übersetzen https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/dolmetschen-vor-70-jahren-o-ton-von-verbrechern-uebersetzen/ Zum ersten Mal in der Geschichte wurde bei den Nürnberger Prozessen in großem Umfang simultan gedolmetscht. So war es überhaupt erst möglich, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern der Gerichtsverhandlung folgen konnten. Doch die Arbeit der Dolmetscherinnen und Dolmetscher blieb bisher meist unsichtbar. Eine Arbeitsgruppe der Universitäten Hildesheim und Salamanca steuert dagegen: 70 Jahre nach der Verhandlung macht eine Ausstellung die Tätigkeiten sichtbar. Am 20. November 1945 begann im Saal 600 im alten Nürnberger Gericht der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs. Vor einem internationalen Gericht wurden sie für ihre Taten strafrechtlich zur Verantwortung gezogen (Info: Deutschlandfunk über die Nürnberger Prozesse). Die insgesamt etwa 70 Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die ein Jahr lang die Worte von Tätern und Zeugen übersetzt haben, arbeiteten an den Grenzen der Belastbarkeit angesichts der Geschehnisse, die sie in Sprache fassen mussten.

Die Arbeit der Dolmetscherinnen und Dolmetscher blieb bisher meist unsichtbar – dabei waren sie unverzichtbar, damit Kriegsverbrechen vor einem internationalen Gerichtshof aufgeklärt und Täter zur Verantwortung gezogen werden konnten. Eine Ausstellung der Universitäten Hildesheim und Salamanca dokumentiert die Tätigkeit von Dolmetschern während der Nürnberger Prozesse 1945/46. Bis zum 17. Dezember 2015 ist die Ausstellung in Hildesheim täglich (Montag bis Freitag) geöffnet.

Erst durch die Arbeit der Dolmetscher war eine rasche Kommunikation zwischen Richtern, Anklägern und Verteidigern, Zeugen und Angeklagten möglich. „Während der Nürnberger Prozesse vollzog sich der Schritt vom konsekutiven, also zeitversetzten, zum simultanen Dolmetschen“, sagt Conchita Otero Moreno vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. „Insgesamt wurde in etwa 218 Sitzungen simultan gedolmetscht, dies ist durch Aufnahmen belegt. Das Gerichtsverfahren wurde in den Sprachen Englisch, Russisch, Französisch und Deutsch geführt.“ „Die Nürnberger Prozesse sind ein historischer Meilenstein, sie sind gleichzeitig auch für unsere Fachgeschichte zentral: Zum ersten Mal weltweit wurde das Simultandolmetschen professionell und technisch gestützt eingesetzt. Die Dolmetscher bleiben dabei meist unsichtbar“, sagt die Wissenschaftlerin.

Lange Einarbeitungszeiten gab es nicht: Die Simultandolmetscher mussten sich „in kürzester Zeit auf die damals neue und revolutionäre Technik einstellen“, sagt Luise Heselhaus. Sie hat an der Universität Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert und mit Sarah Gizik die Texte für die Ausstellung vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. „Teilweise wurden Dolmetscher direkt von den Universitäten geholt, was dann auf sie zukam, war eine echte Herausforderung“, so Heselhaus. Anders als heute waren die Dolmetscherkabinen damals noch offen. „Es handelte sich eher um Glasscheiben, die keine akustische Abschottung zu den Geräuschen des Gerichtssaals boten. So mussten die Dolmetscher versuchen, Hintergrundgeräusche auszublenden“, sagt Sarah Gizik. „Bei der Recherche war es für uns als Übersetzerinnen manchmal schwierig, die Fassung zu bewahren.“

Die Hildesheimer Ausstellung hebt auch die Rolle der Frau hervor, „die zum ersten Mal in diesem Beruf etwas repräsentativer wird“. „Etwa 20 Prozent betrug der Frauenanteil, in den russischen Teams sogar etwas mehr. Wir stützen unsere Angaben und die gezeigten Dokumente auf einige Biographien von russischen Dolmetscherinnen, etwa Tatjana Stupnikova“, so Otero.

Kurzinfo: Ausstellung „Die Dolmetscher in Nürnberg" in Hildesheim

Die Ausstellung „Die Dolmetscher in Nürnberg" gibt einen Einblick in die Tätigkeit der Dolmetscherinnen und Dolmetscher während der Nürnberger Prozesse vom 20. November 1945 bis 1. Oktober 1946. Unter anderem werden erstmals Bilder aus Privatarchiven der Nachfahren der damals tätigen Dolmetscherinnen und Dolmetscher gezeigt. Fachleute der Universidad de Salamanca (Spanien) und der Universität Hildesheim (Deutschland) haben die Ausstellung gemeinsam mit Studierenden der Übersetzungswissenschaft entwickelt. Sarah Gizik und Luise Heselhaus haben an der Universität Hildesheim „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ studiert und Texte ins Deutsche übersetzt. Denn das Original der Ausstellung ist auf Spanisch. Die Eröffnung der Ausstellung fand am Mittwoch, 25. November 2015 statt. Nach einer Begrüßung durch das Dekanat und die Institutsleiterin, Professorin Bettina Kluge, gab Professor Jesús Baigorri (Salamanca) in englischer Sprache Einblicke in den Entstehungsprozess der Ausstellung und die Arbeit der Dolmetscher während der Nürnberger Prozesse. Anschließend besteht die Möglichkeit, an einem Rundgang teilzunehmen.

Die Ausstellung ist ein Ergebnis der jahrelangen Kooperation der Hildesheimer Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Conchita Otero Moreno. Sie arbeitet seit acht Jahren mit Fachkollegen in  der internationalen Forschungsgruppe „Alfaqueque“ zusammen. Auch der Konferenzdolmetscher und Historiker Prof. Jesús Baigorri und die Konferenzdolmetscherin und Philosophin Prof. Icíar Alonso (Universidad de Salamanca), die derzeit als Gastwissenschaftler zum Forschungsaustausch in Hildesheim arbeiten, gehören mit weiteren Kollegen aus Bologna-Forlí und Temuco (Chile) diesem Netzwerk an. Sie befassen sich mit dem Berufsprofil „Dolmetschen“.

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, kann Dr. Conchita Otero Moreno kontaktieren (E-Mail otero@uni-hildesheim.de, Telefon 05121.883-30936).

Die Ausstellung ist bis zum 17. Dezember 2015 an der Universität Hildesheim zu sehen und kostenfrei (Altbau, Bühler-Campus, Lüneburger Straße). Die Poster hängen im Flur und sind von Montag bis Freitag frei zugänglich. Zuvor hat die Ausstellung in Salamanca, Saragossa, La Rioja (Spanien) und in Doha (Katar) Station gemacht. 2016 zeigen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse unter anderem in Paris und in Luxemburg (im Europäischen Gerichtshof).

Lesetipp: NDR über die Dolmetscher-Ausstellung an der Universität Hildesheim / NDR-Interview mit Conchita Otero Moreno

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 MA MuM
news-11016 Sun, 13 Dec 2015 18:06:00 +0100 Klasse – wir treffen uns! 70 Jahre Lehrerausbildung https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/klasse-wir-treffen-uns-70-jahre-lehrerausbildung/ 2016 jährt sich zum 70. Mal die Aufnahme des Studienbetriebs an der Pädagogischen Hochschule Alfeld. Die Universität Hildesheim startet ihr Ehemaligen-Netzwerk und lädt Mitte Januar 2016 zu einer Festveranstaltung ein. Wer hier studiert hat, kann ab sofort Geschichten aus der eigenen Studienzeit oder Erinnerungen an den Beruf in der Schule an die Uni senden. Die Wurzeln der Lehrerausbildung reichen in Hildesheim weit zurück. „Der Jahreswechsel 1945/46 unmittelbar nach Gründung des Landes Niedersachsen hat für die Stiftung Universität Hildesheim eine hohe Bedeutung“, sagt Markus Langer, der an der Uni für die Universitätsförderung verantwortlich ist und derzeit einen Festakt für Freunde, Förderer und Ehemalige der Universität Hildesheim vorbereitet. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann – 20 Kilometer entfernt – der Studienbetrieb in den „Alfelder Kursen der Pädagogischen Hochschule Hildesheim“, denn im zerstörten Hildesheim waren keine geeigneten Gebäude vorhanden. Aus ihr ging 1978 die wissenschaftliche Hochschule und später die Universität Hildesheim hervor. Frühe Schulpraxis ist seit Gründung der Hochschule bis heute Teil der Lehrerausbildung. „Die ‚Alfelder Grundlagen' sind es gewesen, welche die Universität Hildesheim zu dem gemacht haben, was sie heute in der niedersächsischen Bildungslandschaft ist", so Dr. Uwe Thomas, Vorsitzender des Stiftungsrates der Universität und Präsident von Bosch Automotive Aftermarket.

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums möchte die Universität nun erfahren:
Was wurde aus den Studierenden, die seit den 50er Jahren hier gelernt haben? Wie erleben Studierende heute die Lehrerausbildung? Wie erleben junge Lehrkräfte den Start in Schulen in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt oder Berlin?

Als erste Absolventin des Studiengangs Kulturpädagogik erinnert sich Lore Auerbach an die Anfangsjahre zurück. „Dieser Studiengang wurde gerade erst aus der ehemaligen Pädagogischen Hochschule heraus entwickelt. Vieles wurde improvisiert, es gab erst sehr wenige Studierende. Die Seminare waren klein, Studierende und Lehrende kannten sich alle. Man hatte das Gefühl, an etwas Neuem mitzugestalten“, so Auerbach. Sie wünscht für die Zukunft der Stiftungsuniversität, dass diese auch weiterhin innovative Studiengänge entwickelt.

Die Universität lädt alle ehemaligen Studierenden, Freunde und Förderer am Sonnabend, 16. Januar 2016, ab 11:00 Uhr zu einer Festveranstaltung nach Hildesheim ein. Gemeinsam kehren die Teilnehmer zu den Anfängen zurück und erleben die Entwicklung der Hochschule. Der zweistündige Festakt auf dem Gelände des Hauptcampus bietet Raum für Austausch (weitere Informationen zum Festakt: 70 Jahre Lehrerausbildung).

Wer Interesse hat, kann an einer Vorabendveranstaltung oder einer Stadtführung durch Alfeld und Hildesheim teilnehmen. Wer sich aktiv an der Veranstaltung mit Ideen einbringen und zum Beispiel ein Jahrgangstreffen organisieren möchte, kann sich an Maike Becker wenden. Sie sammelt auch besondere Geschichten und Erinnerungen aus der eigenen Studienzeit oder an den Beruf in der Schule, die man per E-Mail oder Post zusenden kann. Texte und Bilder werden ggf. ganz oder in Auszügen veröffentlicht. Dabei sucht die Uni nicht nur Schilderungen aus den 50er Jahren, sondern gerade auch aus den Jahren 1960 bis 2000 sowie Schilderungen von aktuell tätigen Lehrkräften oder Referendaren, die an der Uni studiert haben.

Mit der 70-Jahr-Feier für Absolventinnen und Absolventen aller Fächer und aller Jahrgänge der Universität und ihrer Vorgängereinrichtung startet auch ein bundesweites Ehemaligen-Netzwerk. Alumni können sich online registrieren und werden über aktuelle Entwicklungen informiert. Wer sich online registriert, erhält über diesen Weg auch eine persönliche Einladung zum Festakt im Januar.

Interessierte erreichen Maike Becker per E-Mail (maike.becker@uni-hildesheim.de) oder auch telefonisch (05121 883-90132). Auch der Postweg (Universität Hildesheim, z.Hd. Maike Becker, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim) steht Ehemaligen für die Registrierung und Anfragen zur Verfügung.

Hintergrund / Hildesheimer Lehrerausbildung heute

Lehramtsstudierende sind im ersten Studienjahr jeden Freitag im Klassenzimmer. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

500 Lehramtsstudierende starten jeden Herbst in ihr erstes Studienjahr. Sie sind mittwochs im Hörsaal – und freitags im Klassenzimmer: Die Lehramtsstudierenden der Uni Hildesheim sind im ersten Studienjahr einmal in der Woche in der Schule, das ist bundesweit besonders. Um dies zu gewährleisten arbeitet die Universität eng mit Partnerschulen zusammen. In den „Schulpraktischen Studien“ beobachten die angehenden Lehrkräfte in einer studentischen Kleingruppe im ersten Studienjahr jeden Freitag Unterricht und sprechen darüber mit einer Lehrkraft und mit Lehrenden aus den Erziehungswissenschaften in Seminaren. Die Studierenden erhalten früh Einblicke in die Schulrealität, können die Berufswahl überprüfen und reflektieren. Im zweiten Semester halten sie eine erste Unterrichtsstunde.

Mit etwa 2600 Studierenden bildet die Stiftung Universität Hildesheim rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Individuelle Förderung und Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer. Die Universität arbeitet in weiteren Praxisphasen im Verlauf des Studiums mit 250 Partnerschulen in Hannover, Hildesheim und der Region zusammen.

Mehr erfahren: „Willkommen im Schulalltag. Wie die Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer ausbildet", Reportagen und Interviews (Seite 46 bis 67) im Magazin der Universität Hildesheim, 2015

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Ang. Erziehungswissenschaft Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Deutsche Sprache Englische Sprache Mathematik & Angewandte Informatik Biologie & Chemie
news-11070 Tue, 08 Dec 2015 17:14:00 +0100 Graduiertenkolleg startet: „Wir wollen selbst dabei klüger werden“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/graduiertenkolleg-startet-wir-wollen-selbst-dabei-klueger-werden/ Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde: Die acht Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in Raptexten, in der bildenden Kunst und im Computerspiel. „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch", sagt Professorin Kathrin Audehm, die zwei Promotionsprojekte betreut. Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde. Das Kolleg ist erneut interdisziplinär ausgerichtet und fördert Promotionsprojekte aus den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften. „Ich hoffe, Sie, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten können die nächsten drei Jahre gut nutzen. Sie haben einen enormen Freiraum, um zu forschen und ihre Schwerpunkte zu entwickeln“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Silvia Lange.

Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden an der Universität Hildesheim. Es gebe „genügend zu erforschen“, sagt Professor Toni Tholen. „Auf vielen Ebenen des Bildungssystems und in Medien können wir die (Re-)Produktion von problematisierwürdigen Geschlechterpraktiken und Geschlechterbildern beobachten. Das Graduiertenkolleg bietet vielfältige Möglichkeiten, der Konstruktion von Geschlechterrollen nachzugehen“, so der Literaturwissenschaftler.

Das Kolleg ist interdisziplinär, also fachübergreifend, ausgerichtet. Das sei „kein vordergründiges Label, sondern wird gelebt“, sagt Toni Tholen. Er verweist auf die Diskussionsrunden, die in den kommenden Monaten anstehen.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten können sich wissenschaftlich auseinandersetzen – auf Tagungen, in Vorlesungsreihen, Workshops und in Arbeitssitzungen im zweiwöchigen Abstand. „Wir wollen selbst dabei klüger werden“, freut sich Tholen auf den Austausch.

Das Graduiertenkolleg – eines der wenigen dieser Art bundesweit – kann durch eine Förderung des Bundesforschungsministeriums und aus Mitteln des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums im Rahmen des Professorinnenprogramm II in eine zweite Runde starten. Insgesamt wurden für die neue Runde acht Promotionsstipendien (monatlich 1250 Euro Unterstützung) vergeben. Die Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in der bildenden Kunst, in spirituellen Diskursen und im Computerspiel, Raptexte als Orte informeller Bildung und das Selbstverständnis der Sexualpädagogik der 1980er. Weitere Wissenschaftlerinnen untersuchen, welche Rolle Geschlecht in der Sterbebegleitung spielt und mit welchen Begrifflichkeiten und Verständnissen von Identität in der pädagogischen Praxis gearbeitet wird.

Heidi Süß ist eine der Stipendiatinnen. Sie hat in Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ studiert, mit einem Schwerpunkt in der Sprachwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Hip-Hop-Kultur. „Es geht um soziale Ungleichheit. Innerhalb der Hip-Hop-Kultur gibt es Exklusionsprozesse, die diskursiv stattfinden“, sagt Heidi Süß. Wer wird außen vorgehalten? – das ist eine ihrer Forschungsfragen. In ihrer Dissertation möchte sie herausfinden, „ob jemand durch Musik ausgeschlossen wird“. Ihr Datenmaterial sind Raptexte in deutscher Sprache. Welche Texte sie analysieren wird, wird sie in den kommenden Monaten festlegen. „Das ist ein Vorteil des Kollegs – wie ich das Datenmaterial erhebe, können wir ausdiskutieren.“

Sie wolle dann untersuchen, ob Personen aufgrund ihres Geschlechts, der Herkunft, des Bildungsgrades oder des Alters Ungleichheit erfahren. Sie sei selber mit Hip-Hop aufgewachsen und habe erfahren, „dass es schon dazu kommt, dass bestimmte Personengruppen als nicht zugehörig betrachtet werden“. „Ich möchte aber kein Hip-Hop-Bashing machen. Ich untersuche auch, welche positiven Strategien es gibt, wieder teilzuhaben in der Szene, etwa indem Begriffe rückerobert und positiv gedeutet werden“, sagt Heidi Süß, die bereits in ihrer Abschlussarbeit bei der Sprachwissenschaftlerin Prof. Beatrix Kreß über „Gangsta-Rap“ geforscht hat und nun im Graduiertenkolleg „ganz viel Austausch und neue Erfahrungen“ erwartet. „Ich möchte viel lernen von den anderen.“

Eine der Professorinnen, die den wissenschaftlichen Nachwuchs in den kommenden drei Jahren begleitet, ist Kathrin Audehm. Die Erziehungswissenschaftlerin forscht zu Autoritätsverhältnissen in pädagogischen Organisationen und Genderkonstruktionen im Film. Sie unterstützt zwei Promovendinnen auf dem Weg, die Forschung zu beginnen und abzuschließen: Eva Reuter erforscht kritische Bildungsdiskurse in der außerschulischen Jugendarbeit und Melanie Pierburg befasst sich mit der Ausbildung von Ehrenamtlichen, die in Hospizen in der Sterbebegleitung tätig sind. „Die meisten, die im Hospiz arbeiten sind Frauen. In der letzten Lebensphase und im Umgang mit Tod und der Vergänglichkeit des Lebens müssen wir auch Geschlechteraspekte beachten.“

Was man erlebt, wenn man eine Promotion begleiten kann? „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch. Und ich bin gespannt, wie die ganz jungen Wissenschaftlerinnen ihr Feld erarbeiten und ihre Fragen entwickeln. Wichtig ist am Anfang in der Beratung, auch einzugrenzen. Dann sagt man auch: Jetzt ist genug mit Theorie, jetzt geht es ins Feld und darum, Material zu sichten. Man kann sich auch auf den Weg machen, ohne ihn vollständig zu kennen, es geht auch darum, das Selbstvertrauen zu stärken“, sagt Kathrin Audehm.

Graduiertenkolleg startet mit Auftaktveranstaltung

Im Rahmen einer feierlichen Auftaktveranstaltung im Hohen Haus auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg kamen die unterschiedlichen Fachdisziplinen im November 2015 zusammen. Vizepräsident Prof. Martin Schreiner hob die „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ und die Bedeutung der „strukturierten Nachwuchsförderung“ hervor. Zum Auftakt sprach unter anderem Professorin Kerstin Palm von der Humboldt-Universität zu Berlin über „Naturwissenschaften und Gender Studies". Außerdem wurde der gut 450 Seiten starke Sammelband „Bildung – Selbst(bild) – Geschlechterbilder“, der in der ersten Runde des Kollegs entstanden ist, vorgestellt.

Mit ihrer Forschung starten Marcus Felix, Sarah-Christina Glücks, Jöran Klatt, Alexandra Mieth, Melanie Pierburg, Eva Reuter, Heidi Süß und Nina von Wildenradt. Die Professorinnen und Professoren Kathrin Audehm, Meike Sophia Baader, Stefani Brusberg-Kiermeier, Michael Corsten, Beatrix Kreß, Annemarie Matzke und Toni Tholen begleiten die Stipendiatinnen und Stipendiaten in den nächsten drei Jahren. Wer mehr über die einzelnen Forschungsvorhaben erfahren möchte, wird auf der Internetseite des Kollegs fündig.

Wer Fragen zu dem Promotionsprogramm hat, kann die Projektkoordinatorin Dr. Kerstin Bueschges kontaktieren (E-Mail bueschge@uni-hildesheim.de).

Rückblick auf das erste Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Sozialwissenschaften Soziologie Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Fachbereich 3 Deutsche Sprache Interkulturelle Kommunikation Fachbereich 4 Gleichstellungsbüro
news-11060 Mon, 07 Dec 2015 11:11:00 +0100 Sprache und Theater: „Diese geteilten Erfahrungen sind ein Schatz, für alle“ https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprache-und-theater-diese-geteilten-erfahrungen-sind-ein-schatz-fuer-alle/ „Wir spielen Theater, jeden Freitag“ steht auf einem Handzettel, der im Flüchtlingsheim ausliegt. Der Probenraum eignet sich eigentlich gar nicht, dennoch bringt ein Team um Wiebke von Bernstorff Theaterszenen auf die Bühne des Alltags: Rapunzel, griechischen Mythen, Alice und Kafka-Texte. „Du bist dran!“ Ein sechsjähriges Mädchen rennt mit einem Hula-Hoop-Reifen auf Lehramtsstudierende zu, die noch etwas schüchtern auf Bänken sitzen. Sie haben Kuchen und Getränke mitgebracht, ein kleines Buffet steht an einer gelben Wandseite. In den nächsten Monaten wollen sie den Kindern beim Erlernen der deutschen Sprache und beim Ankommen in der Stadt Hildesheim helfen und mit ihnen Theater spielen, es ist das erste Treffen.

Reihum ist jeder Student, jede Studentin einmal dran. Das Mädchen nimmt jeden an die Hand, weist einen Platz im Raum zu, zählt laut die Umdrehungen des Reifens mit: 22, 23, 24, 25, 26, 27. Ein Junge blickt in die Runde: „Wer war noch nicht?“.

Die Kinder sind kleine Brückenbauer. Selbst erst seit wenigen Monaten in Deutschland, gelingt es ihnen, die Studierenden von den Bänken zu holen. „Es sind einfach Kinder, wie alle anderen Kinder auch. Manche sind schüchtern, andere gar nicht, manche frech, manche wild, manche sanft", sagt Wiebke von Bernstorff. Es komme darauf an, sie als diejenigen wahrzunehmen, die sie sind und werden wollen, ohne sie in vorgefertigte und meist defizitorientierte Schemata wie „traumatisiert“ oder „Opfer“ einzuordnen, so die Wissenschaftlerin. „Das müssen auch die Studierenden erst lernen." Das gemeinsame Theaterspielen sei ein Weg, ohne Sprache auszukommen, oder mit wenig, und dennoch teilzuhaben, sich zu begegnen und zwar gleichberechtigt.

Auf einem Handzettel steht: Wir spielen Theater, jeden Freitag

„Wir spielen Theater, jeden Freitag“ steht auf einem Handzettel, der im Flüchtlingsheim in der Senkingstraße ausliegt. Die Literaturwissenschaftlerin und Theaterpädagogin Wiebke von Bernstorff arbeitet mit ihren Studierenden und jungen Erwachsenen – manche leben seit einigen Wochen, andere seit Monaten in Hildesheim – wöchentlich am Freitag an Theaterszenen. Seit vielen Jahren befasst sie sich mit dem interkulturellen Theaterspielen und bildet am Deutschinstitut Lehramtsstudierende aus.

„Der Probenraum im Flüchtlingsheim eignet sich eigentlich gar nicht, das ist ein Schulungsraum, aber das ist egal. Wir stellen Tische beiseite und arbeiten mit unseren Körpern und mit unserer Stimme. Wir erzählen uns Märchen, die älteren, schon länger in Deutschland lebenden Kinder übersetzen für die Kinder, die noch nicht alles verstehen.“ Die Theaterübungen basieren häufig auf Nachahmung, Studierende und Kinder bilden jeweils Paare. Besonders gerne mögen die Kinder Objektimprovisationen, erzählt Wiebke von Bernstorff. Dabei liegt ein Gegenstand in der Mitte, reihum macht jeder etwas mit dem Objekt. „Dabei wird aus einer Kiste zunächst ein Hut, dann ein Stuhl, dann ein Lenkrad. Wir jonglieren nicht mit Sprache, wir benutzen sie einfach.“

Seit zwei Jahren bietet die Wissenschaftlerin diese Lehrveranstaltungen an. „Studierende und Flüchtlinge begegnen sich sehr herzlich und interessiert. Die, die sich einmal eingelassen haben, sind ganz dabei, weil sie merken, dass sie hier als ganzer Mensch gefragt sind. Die Berührungsängste gegenüber dem Ort sind anfangs zwar oft groß. Deshalb fange ich immer mit einem Nachmittag zum Kennenlernen an. Diese Brücke braucht es. Die Anhänglichkeit, mit der die Kinder sich an die Studierenden binden wollen, ist eine neue Erfahrung und ungewohnt“, sagt von Bernstorff.

Mit Drei- bis Elfjährigen haben sie letztes Jahr das Märchen „Rapunzel“ inszeniert und zur Weihnachtsfeier aufgeführt. Studierende und Kinder haben die Rollen gemeinsam gespielt und dabei voneinander gelernt. „Dieses Jahr haben wir für die anstehende Weihnachtsfeier mit den Kindern ein eigenes Märchen in Anlehnung an Figuren und Motive aus 'Alice im Wunderland' entwickelt.“ Im Sommersemester hat die Gruppe mit Erwachsenen an Szenen zu griechischen Mythen gearbeitet. Sie haben Szenen entwickelt über Macht und Ohnmacht, Einschluss und Ausschluss.

Improviation – Aus einer Kiste wird zunächst ein Hut, dann ein Stuhl, dann ein Lenkrad

Und wer in das Vorlesungsverzeichnis klickt, landet auch im Wintersemester bei der Lehrveranstaltung von Wiebke von Bernstorff. Voraussetzung sind Spielfreude, Neugierde und Interesse, steht in der Beschreibung. In diesem Wintersemester beschäftigt sich die Gruppe mit Kafka-Texten. Unter ihnen ist zum Beispiel Moussa aus dem Sudan. Er möchte kein Schauspieler werden, erzählt er an einem Nachmittag im Herbst. „Ich spiele jeden Freitag zwei Stunden Theater, ich möchte mit anderen jungen Leuten sprechen. Wir arbeiten an Aufgaben, zum Beispiel spreche ich einen Satz laut und mache dazu eine Bewegung.“

Das Theater habe den Vorteil, dass man „ohne eine gemeinsame Sprache zusammen künstlerisch tätig sein kann“. Es gehe darum, so Wiebke von Bernstorff, sich aufeinander einzulassen. „Den Kindern fällt Vieles zunächst leichter als den Studierenden, denen es zum Teil schwerfällt, als Katze auf dem Boden herum zu jagen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, und schon gar nicht ein Besser oder Schlechter.“ Diese geteilten Erfahrungen seien „ein großer Schatz für alle“. „Ich gehe davon aus, dass das sehr nachhaltige Erfahrungen für die Studierenden sind.“

Es geht darum, sich aufeinander einzulassen

Das bestätigen auch die Lehramtsstudierenden. Seit einem Jahr dabei sind Carolin Schamel und Dennis Schwark. „Wir arbeiten an Szenen, auch mit erwachsenen Flüchtlingen, weil sie hier mehr oder weniger ausharren müssen und nicht rauskommen“, sagt Schamel, die gemeinsam mit Wiebke von Bernstorff und Anna Salgo vom Institut für deutsche Sprache und Literatur, Studierenden der Universität und der Hochschule HAWK auch in der Initiative „Pangea“ mitwirkt. Sie setzen sich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen in der Region Hildesheim ein, spielen gemeinsam Theater und machen Sport, sprechen Deutsch, reparieren Fahrräder in der Fahrradwerkstatt und möchten „Wegweiser“ im Alltag sein, etwa bei Behördengängen zur Seite stehen. „Wir wollen den Flüchtlingen das Ankommen in Hildesheim erleichtern, sie willkommen heißen, ihnen helfen, die Strukturen zu verstehen und zu nutzen und sprachliche Grenzen zu durchbrechen“, sagt Wiebke von Bernstorff.

Die Sprachwissenschaftlerin Anna Salgo hat zum Beispiel ihr Seminar vom Hörsaal in das Hildesheimer Flüchtlingsheim verlegt. Deutschstudierende haben dreimal wöchentlich eine Hausaufgabenbetreuung für Kinder angeboten. Musikstudierende bringen ihre Gitarre mit, singen mit den Kindern. „Ich lerne viel im Umgang mit Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, ich muss die Lernsituation, die Aufgaben, die Sprache anpassen“, sagt Josephine Winkler. Die Lehramtsstudentin der Universität Hildesheim war etwa vier Monate jeden Mittwoch im Hildesheimer Flüchtlingsheim und unterstützt Grundschulkinder beim Spracherwerb. „Wir lesen viel mit den Kindern. Wenn etwas Zeit ist, spielen wir Wortspiele, etwa ‚Obstsalat‘. Es fällt auf, dass Kinder ausziehen und neue hinzukommen, die teilweise noch kein Wort Deutsch sprechen, manche leben erst eine Woche hier. Die Kinder sind sehr offen zu uns“, sagt die 21-Jährige, die in Hildesheim Deutsch und Englisch studiert. „Es sind weniger fachliche Mängel, die Sprache ist die Hürde – und das in allen Fächern. Wir intensivieren den Kontakt zu den Schulen der Flüchtlingskinder“, sagt ihre Dozentin Anna Salgo.

Gegangen, gesehen, gesessen – in normalen Grammatikseminaren sei das Partizip II recht fern. Es sei toll, die Motivation der Studierenden zu erleben und zu sehen, wie die Studierenden Theorie und Praxis verbinden und ihr im Studium erworbenes Wissen über die deutsche Sprache und ihre Vermittlung anwenden. „Die Studierenden müssen nicht nur großes Engagement und Eigeninitiative sondern vor allem auch Flexibilität und Offenheit mitbringen. Das sind Eigenschaften, die auch in ihrem späteren Beruf als Lehrer und Lehrerinnen wichtig sind“, sagt Salgo. Sie haben Waffeln gebacken und auf dem Campus Spenden gesammelt, um Lernmaterialien zu kaufen, Buntstifte, Radiergummis, Lineale, Bildwörterbücher, Lernspiele.

„Teilweise kommen auch Eltern, die einen Deutschkurs besuchen, mit Fragen zu uns“, sagt Josephine Winkler. Manchmal können sie eine Eins-zu-Eins-Betreuung ermöglichen, wenn sehr viele Kinder das Angebot wahrnehmen, arbeiten sie in Gruppen.

Deutsch als Zweitsprache in Hildesheim

Sprache lernen. Das Bild entstand in einer Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Am Deutschinstitut lehrt und forscht mit Elke Montanari eine Professorin für Deutsch als Zweitsprache, Wissenschaftlerinnen befassen sich mit der Mehrsprachigkeit von Kindern und Jugendlichen. Wer Kontakt aufnehmen möchte oder Fragen zu Zweitspracherwerb und zu dem gemeinsamen Theaterspielen hat, kann sich bei Wiebke von Bernstorff (bernstor@uni-hildesheim.de) und Elke Montanari (elke.montanari@uni-hildesheim.de) melden.

Kontakt zur Initiative Pangea

Ankommen und Weiterkommen in Hildesheim: Studierende, die sich beteiligen und mit Ideen sowie Aktionen einbringen wollen, sind herzlich willkommen (E-Mail: pan.gea@gmx.de).

Bildungsteilhabe nach der Flucht

Weitere Informationen findet man auf der Internetseite des Zentrums für Bildungsintegration. Lehramtsstudentinnen und Studenten, die Erwachsene, Familien und Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen möchten, können ihr Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle in Hildesheim absolvieren.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Deutsche Sprache Fachbereich 3 Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Bildungsintegration
news-11057 Sun, 06 Dec 2015 10:00:00 +0100 Studium in Russland mit DAAD-Stipendium https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/studium-in-russland-mit-daad-stipendium/ Während der Studienzeit in Nowgorod wachsen Freundschaften: beim gemeinsamen Singen und Kochen. Nina Henke studiert seit Herbst in Russland. Gerade in politischen Krisenzeiten – etwa aktuell die Lage zwischen Russland, der Europäischen Union und der Ukraine – dürfen der „Austausch zwischen Menschen und die wissenschaftlichen Beziehungen nicht abreißen“, sagt Professorin Beatrix Kreß. Studierende können sich noch für ein DAAD-Stipendium für einen Studienaufenthalt in Russland bewerben. In diesem Semester haben Studentinnen und Studenten aus Hildesheim erstmals ihr Studium im Schwerpunkt „deutsch-russische Beziehungen“ an einer russischen Universität begonnen. Der Doppelabschluss im Bereich „Interkulturelle Kommunikation“ der Universitäten Hildesheim und Nowgorod wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Insgesamt vergibt die Universität Hildesheim drei Stipendien an deutsche Studierende und drei Stipendien an russische Studierende pro Jahr. Die Universität Hildesheim unterstützt Studentinnen und Studenten beim Erwerb von russischen Sprachkenntnissen. An der Universität Nowgorod finden die Lehrveranstaltungen in russischer und deutscher Sprache statt.

Ein Studienaufenthalt im Ausland sei nicht nur für jene relevant, die später im Ausland arbeiten werden, sagt Beatrix Kreß, Professorin für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Hildesheim. Wer etwa in einem international tätigen Unternehmen arbeitet, müsse interkulturelle Kompetenzen mitbringen. Russisch ist mit etwa 160 Mio. Muttersprachlern eine Weltsprache und Lingua Franca in vielen Ländern. Gerade in politischen Krisenzeiten – etwa aktuell die Lage zwischen Russland, der Europäischen Union und der Ukraine – dürfen der „Austausch zwischen Menschen und die wissenschaftlichen Beziehungen nicht abreißen“, so Kreß.

Eine der ersten Studentinnen, die in Hildesheim und Nowgorod studiert ist Nina Henke. Die 22-Jährige studiert an der Universität Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“. Seit Herbst 2015 lebt sie im Nordwesten Russlands in der Nähe von St. Petersburg. Ihre Russischkenntnisse waren, als sie sich für das Doppelstudium beworben hat, „noch auf null“. „Die Kultur und die Menschen in diesem Land haben mich schon länger interessiert, da ich viele Freunde mit einem russischen Hintergrund in Deutschland habe. Außerdem war es mir so möglich ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen und eine neue Sprache zu erlernen, in der Hoffnung dies – wie auch Englisch –  flüssig sprechen zu können“, sagt Nina Henke. Es sei „mit sehr viel Arbeit verbunden“, aber sie habe sich vorgenommen „diese Herausforderung zu meistern und sehr gut abzuschließen“.

Ein Tag in Nowgorod beginnt mit dem Weg zur Universität. „Da mein Unterrichtsgebäude nur etwa 1,5 km von meinem Wohnort entfernt liegt, gehe ich sehr gerne zu Fuß, oder nehme auch mal den Bus wenn dieser gerade vorbeifährt“, berichtet Nina Henke. Der Unterricht in der Universität sei „anders als in Deutschland“. „Ich verbringe die gesamte Unterrichtswoche in einer Gruppe, wie in einer Klasse, nur das die Räume gewechselt werden.“ Einmal in der Woche geht die Gruppe zwei Stunden zum Sportunterricht. „Meine Uni-Tage sind derzeit noch relativ kurz, da meine russischen Sprachkenntnisse noch nicht sehr gut ausgereift sind.“ Viele Veranstaltungen, die allein auf Russisch stattfinden, besucht sie im nächsten Semester. Aktuell besucht sie Seminare über die Geschichte der deutschen Sprache und Stilistik und baut ihre Sprachkenntnisse im Fremdsprachenunterricht aus. „Außerdem nehme ich an einem Sprachtandem mit einer russischen Studentin und an einem Übersetzungspraktikum teil.“

Es sei „sehr, sehr wichtig, die Wissenschaftsbeziehungen zu pflegen und vor allen Dingen auch durch Austauschprogramme aufrecht zu erhalten“. Sie findet Freunde in Russland, auch außerhalb der Studienzeit, etwa beim gemeinsamen Kochen und vorherigem Einkaufen oder beim gemeinsamen Singen und Gitarre spielen. Sie singt russische Songs und trifft sich mit Studierenden zum „Brettspiel Abend“. „Wir spielen ALIAS oder Mafia. Alles in allem ist es nicht viel anders als Freizeit mit Freunden in Deutschland zu verbringen, nur dass man Kommunikationshürden vorfindet, die es zu überwinden gilt.“

Bis Juli 2016 verbringt sie ihre Zeit im Ausland. „Ich studiere am Universitätscampus Antonovo, dem Standort für das Institut der Philologie. Nicht weit von dort befindet sich das Wohnheim, in dem ich untergekommen bin. Dort habe ich ein eigenes kleines Zimmer, sowie Dusche und Badezimmer. Bereits in Hildesheim hat sie die Sprache einmal in der Woche in einem Kurs an der Volkshochschule erlernt und ist nun im Sprachniveau von A1 bis A2 angekommen. „Es wäre klasse, noch ein breiteres Angebot für Russisch an der Universität Hildesheim anzubieten.“

Deutsch-russische Beziehungen: Doppelstudium und Stipendium

Wer sich für ein Studium „Interkulturelle Kommunikation: deutsch-russische Beziehungen“ und ein DAAD-Stipendium interessiert, kann Professorin Beatrix Kreß kontaktieren (E-Mail: kressb@uni-hildesheim.de). Das Doppelstudium umfasst einen einjährigen Aufenthalt in Nowgorod. Der Studienaufenthalt in Nowgorod findet im 3. und 4. Semester statt.

Mit dem Studium kann man sich für eine berufliche Tätigkeit im deutsch-russischen Arbeitsumfeld, etwa in Unternehmen, Hochschulen, im Bildungswesen, in sozialen Institutionen oder in NGOs qualifizieren. Am Ende der Studienzeit erlangen Studierende jeweils einen Abschluss im Bachelorprogramm „Internationales  Informationsmanagement“ der Universität Hildesheim sowie in „Linguistik: Übersetzung und Übersetzungswissenschaft“ der Staatlichen Universität Nowgorod.
Weitere Informationen zum Doppelstudium findet man online (PDF).

Beratung für Studierende: Wie man einen Auslandsaufenthalt plant

Interesse geweckt? Wann und wie man einen Auslandsaufenthalt in das Studium integrieren kann – das Team des International Office berät Studierende, wo es hingehen kann und wie man den Aufenthalt plant und finanziert. Regelmäßig bieten sie „Info-Talks" an, die nächsten im Dezember und Februar. Etwa 150 Erasmus-Partnerhochschulen gehören zum Netzwerk, weltweit arbeitet die Universität mit über 250 Partnerhochschulen zusammen. Türkei, Schweden, Polen, China: Online kann man sich durch Partneruniversitäten, Förderprogramme und Erfahrungsberichte klicken.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Interkulturelle Kommunikation Fachbereich 3 Internationales International Office
news-10988 Tue, 17 Nov 2015 17:20:00 +0100 Abfahren: Wie plane ich einen Auslandsaufenthalt? https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/abfahren-wie-plane-ich-einen-auslandsaufenthalt/ Studieren weltweit – wer ein Semester im Ausland studieren, ein Praktikum oder einen Sprachkurs im Ausland absolvieren möchte, erhält beim International Office an der Universität einen Überblick. Wie finanziere ich den Auslandsaufenthalt? Was ist bei der Organisation zu beachten? Welche Universitäten passen zu meinem Studium? „Der Austausch über Ländergrenzen und nationale Kulturen hinweg ist nicht nur eine persönliche Bereicherung für jeden Einzelnen, sondern stärkt auch den internationalen Zusammenhalt“, sagt Marit Breede vom International Office.

Drei, die sich für einen Auslandsaufenthalt bereits entschieden haben, sind Savannah, Ivana und Placido. Statt in USA, Kolumbien und Spanien zu lernen, studieren sie nun einige Monate in Hildesheim.

„Es ist sehr hilfreich, dass ich in einem Intensiv-Kurs zum Studienbeginn meine deutschen Sprachkenntnisse auffrischen kann“, sagt Savannah über ihre ersten Tage in Hildesheim. Die 21-Jährige interessiert sich besonders für Übersetzungen vom Deutschen ins Englische. Sie habe in der High School in einer kleinen Stadt nahe Philadelphia Deutsch gelernt. Elektronisches Übersetzen sei hilfreich, Savannah nutzt in Hildesheim ein Wörterbuch auf ihrem Smartphone, weil ihr manchmal Begriffe nicht einfallen oder Fachwörter wie „Fachwerkhaus“ ungewohnt sind. Aber nichts könne „human translation“ ersetzen, sagt die Studentin. „Computer haben keine Emotion, keine Gefühle. Auch die vielen Dialekte bereiten Maschinen Probleme.“ Daher studiert sie Übersetzen. Die Stadt Hildesheim habe sie als Studienort gewählt, weil sie in einer kleineren Universität schneller den Kontakt zu Professoren und Studierenden aufnehmen könne. „Wenn man keine Leute fragen kann, was ein Wort bedeutet, dann frage ich die Maschine und suche im Internet nach einer Übersetzung“, ergänzt Placido.

„Ich freue mich auf die Zeit in Hildesheim, ich war bereits einmal in Deutschland, aber nur für eine kurze Zeit. Ich mag die Jahreszeiten sehr gerne, besonders den Herbst. Ein Studium im Ausland ist eine tolle Gelegenheit, um andere Studierende kennen zu lernen. Und ich kann hier die deutsche Sprache jeden Tag sprechen“, sagt Ivana aus Kolumbien.

Die drei Studierenden aus den USA, Kolumbien und Spanien haben sich entschieden, eine Zeit lang in Hildesheim zu studieren. Um sie beim Ankommen in Hildesheim zu unterstützen, bietet die Universität Sprachkurse an. „Wir greifen die aktuellen Situationen aus dem Alltag der Studierenden auf. In erster Linie geht es darum, die Angst vor dem Sprechen und Fehlern zu nehmen“, sagt die Sprachwissenschaftlerin Lilia Tschudinovski, die zum Start des Wintersemesters Studentinnen und Studenten beim Deutschlernen unterstützt hat.

Die Lernenden kommen unter anderem aus Frankreich, Mexiko, Türkei, Spanien und Korea. Auf den ersten Blick ist eine heterogene Gruppe wie in diesem Semester „eine unüberwindbare grammatische und lexikalische Hürde für die Lehrperson“, so Lilia Tschudinovski. Sie habe aber „große Freude“ an der Vermittlung der „komplizierten grammatischen Phänomene“. „Und wenn der Akkusativ oder der Dativ in der Auswertung von den Kursteilnehmern als ‚leicht‘ eingestuft wird, motiviert mich das umso mehr“, sagt die Wissenschaftlerin.

Um eine Sprache zu erlernen helfen auch Tricks im Alltag, die man „individuell dosieren und mischen“ kann. Man kann zum Beispiel alle bekannten und unbekannten Zutaten als „Post-it“ in der Wohnung anbringen und die Vokabel trainieren oder einen Film in der Zielsprache schauen. Das Ziel und die Motivation seien ausschlaggebend für das erfolgreiche Erlernen einer Sprache, wobei auch die Dauer und Intensität des Sprachkontakts eine große Rolle spielen, sagt Lilia Tschudinovski.

Beratung für Studierende: Wie man einen Auslandsaufenthalt plant

Interesse geweckt? Wann und wie man einen Auslandsaufenthalt in das Studium integrieren kann – das Team des International Office berät Studierende, wo es hingehen kann und wie man den Aufenthalt plant und finanziert. Regelmäßig bieten sie „Info-Talks" an, die nächsten im Dezember und Februar. Etwa 150 Erasmus-Partnerhochschulen gehören zum Netzwerk, weltweit arbeitet die Universität mit über 250 Partnerhochschulen zusammen. Türkei, Schweden, Polen, China: Online kann man sich durch Partneruniversitäten, Förderprogramme und Erfahrungsberichte klicken.

Sprachbarriere?

Hildesheimer Studierende betreuen als „Buddy“ ausländische Studierende unter anderem aus Afghanistan, Frankreich, Madagaskar oder Tadschikistan, um ihnen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern.

Die Universität, die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und die Volkshochschule in Hildesheim bieten gemeinsam ein Sprachenforum an: In Sprachkursen können sich Studierende auf einen Auslandsaufenthalt vorbereiten. Und über das Programm Promos lassen sich sogar Sprachkurse im Ausland fördern.

Neben den Sprachkursen kann man an einem Sprachtandem teilnehmen, das geht so: Das Sprachtandem besteht aus zwei Personen mit unterschiedlichen Muttersprachen, die sich gegenseitig beim Erlernen der anderen Sprache helfen. Dabei sollen beide Personen von der gemeinsamen Arbeit profitieren. Das Team bestimmt selbst, was und wie es lernen möchte. Die Tandempartner können zum Beispiel über Zeitungsartikel diskutieren, um den mündlichen Ausdruck zu verbessern, sich auf Prüfungen vorbereiten oder zusammen einen Film in der Fremdsprache oder mit Untertiteln gucken.  Interessierte können das Team des International Office kontaktieren.

Campus international

An der Universität Hildesheim studieren derzeit 461 Studierende aus 72 Herkunftsländern, die über Förderprogramme und Kooperationen mit Partnerhochschulen ein Semester oder länger in Hildesheim verbringen. Das Team des International Office, das an der Universität für Auslandsaufenthalte zuständig ist, unterstützt die Studierenden umfassend, zum Beispiel auch bei der Wohnraumvermittlung. Viele der jungen Leute studieren in Hildesheim Internationale Kommunikation und Übersetzen, aber auch Kulturwissenschaften, Lehramt, Erziehungswissenschaft, Informationsmanagement und Informationstechnologie. Die meisten Vollzeitstudierenden kommen derzeit aus der Türkei, aus Russland, Polen, Griechenland, der Ukraine, Italien und der Schweiz. „Je schwieriger die Zeiten sind, desto wichtiger ist ein Austausch auf internationaler Ebene“, sagt Ulrike Bädecker-Zimmermann vom International Office. Studierende unterstützen internationale Studierende beim Ankommen in Deutschland, zum Beispiel in den Initiativen „Erasmus on tour“ und „Go intercultural“.

Die Universität Hildesheim hat drei Double-Degree-Programme in Kooperation mit der Staatlichen Universität Nowgorod (Russland, Erziehungswissenschaften), der Aix-Marseille Université (Frankreich, Kulturvermittlung) und der Pai Chai Universität Daejeon (Südkorea, Informationswissenschaften) entwickelt. Dabei erwerben die Studierenden beider Partnerhochschulen einen Abschluss in beiden Ländern.

Die Hochschule wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem europäischen Qualitätssiegel „E-Quality". Für das Projekt „Internationale Schreibpartnerschaften" erhielt die Universität Hildesheim das Europäische Sprachensiegel.

Infos rund um den Auslandsaufenthalt: Go-Out-Tag in Hildesheim

Am Mittwoch, 18. November 2015, erhalten Studierende an der Universität Hildesheim auf dem „Go-out-Tag – studieren weltweit“ Einblicke in die Planung und Finanzierung eines Auslandsaufenthaltes.

In Vorträgen erfährt man zum Beispiel, zu welchen spanischen Partneruniversitäten mit einem Schwerpunkt in den Übersetzungswissenschaften die Universität Hildesheim Kontakte pflegt, wie man ein EU-Auslandspraktikum plant und warum ein Auslandssemester im Lehramtsstudium sinnvoll ist.

Ob Finnland, Irland oder Mexiko – auf einer Infobörse können sich Studentinnen und Studenten im Erdgeschoss des neuen Forums am Universitätsplatz 1 von 10:00 bis 15:30 Uhr über Universitäten in bestimmten Ländern informieren. Um 15:15 Uhr erläutert Marit Breede vom International Office, wie man einen Auslandsaufenthalt finanziert.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation International Office
news-10945 Tue, 10 Nov 2015 18:13:00 +0100 Nachtaktiv: Abenteuerurlaub für Entwickler https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nachtaktiv-abenteuerurlaub-fuer-entwickler/ Beim ersten „Hackathon“ von Bosch und Uni suchen Studierende nach Lösungen im Themenfeld „Mobilität“. Studierende aus allen Fachbereichen, ob Informatik, Umweltbildung, Kultur-, Sprach- oder Sozialwissenschaften können Mitte November 2015 ihren Ideen freien Lauf lassen und zum Beispiel Software entwickeln. Dabei erhalten sie auch Unterstützung von Fachleuten. In eineinhalb Tagen die Welt retten? Die eine kann programmieren, der andere designen und die dritte Studentin bringt eine Idee mit. Zusammen bilden sie ein Team.

Studierende aus allen Fachbereichen können erstmals an einem „Hackathon“ teilnehmen. Die Informatiker um Professor Klaus Schmid von der Universität Hildesheim setzen damit ihre Zusammenarbeit mit dem Hildesheimer Unternehmen Bosch SoftTec fort. Bei einem Hackathon – eine Kombination der Wörter „hacken“ und „Marathon“ – arbeiten Studierende ein Wochenende lang intensiv an einem Projekt in der Software- oder Hardwareentwicklung. Dabei lassen sie ihrer Kreativität freien Lauf und setzen eigene Ideen um. Unterstützt werden die Studierenden von Spezialisten von Bosch. Das Unternehmen veranstaltet einen „Hackathon“ erstmals für Studierende. „Wir wollen mit dieser Veranstaltung Industrie und Hochschulen zusammenbringen. Wir möchten Leute, die Ideen und Sachverstand haben, unterstützen und ihnen eine Plattform zum Austausch bieten“, begründet Dietmar Meister von Bosch-Softtec das Angebot.

„Man kann ohne Team und ohne Idee kommen oder mit Team und mit Idee. Wir unterstützen bei der Bildung eines Teams, das entsteht vor Ort“, sagen die Studierenden Nils Tertling und Katharina Renner. Renner studiert in Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ und absolviert derzeit ein Praktikum bei Bosch.

Nachtaktiv: Wie läuft der „Hackathon“ in Hildesheim ab?

Studentinnen und Studenten kommen am Freitagvormittag zu Bosch, können in der Nacht durcharbeiten. Essen, Getränke, Duschen und eine Sitzecke für „Powernapping" werden vor Ort bereitgestellt. Am Samstagnachmittag werden die Ideen und Ergebnisse einer Jury vorgestellt. Die besten drei Ergebnisse werden prämiert.

„Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen kommen mit dem Ziel, etwas in kurzer Zeit unter Gleichgesinnten entwickeln zu wollen, auch die Nacht hindurch. Was will ich bis zum nächsten Tag erreichen? Irgendeiner werkelt und tippt immer, das motiviert enorm. Es geht darum, spielerisch, aber mit Ehrgeiz zu entwickeln. Da nicht hinzugehen ist ein verpasstes Wochenende“, beschreibt Dietmar Meister die „positive Anspannung“.

Und nach eineinhalb Tagen blickt man zurück und denkt: Ich hätte nie gedacht, dass ich das mit meinem Team in kurzer Zeit schaffe. Die Studierenden bringen ihren eigenen Rechner oder weitere Materialien mit, eine vertraute Entwicklungsumgebung.

Auto, Fahrrad, Barrierefreiheit: Wie stellen sich Studierende die Mobilität von morgen vor?

Inhaltlich geht es bei dem ersten Studierenden-Hackathon um das Thema „Connected Mobility“. „Die Gruppen arbeiten an ihren Projekten und entwickeln Ideen, wie sie sich die Mobilität von morgen vorstellen“, sagt Dietmar Meister.

Professor Klaus Schmid von der Arbeitsgruppe „Software Systems Engineering“ nennt den „Hackathon“ einen „Abenteuerurlaub für Entwickler“. Der Informatiker hat bereits im Sommersemester die Lehre an der Universität durch Praxiskooperationen ergänzt. IT-Studierende sammeln schon während des Studiums Erfahrungen, wie Software entwickelt wird und lernen die Bedingungen für Apps und Systeme im „realen Leben“ kennen.

Der Hildesheimer Informatiker hofft, dass auch Studentinnen und Studenten aus den Geistes-, Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaften an dem „Hackathon“ teilnehmen. Das Thema „vernetzte Mobilität“ ist sehr weit, die Entwicklungen müssen nicht mit einem Auto zusammenhängen. Egal ob öffentlicher Nahverkehr oder Fahrradkurier, all das kann „Connected Mobility“ sein. Die Grenze ist nur durch die Phantasie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesetzt, so Schmid.

Neben der Programmierung können Teams auch an der Entwicklung von Konzepten arbeiten und zum Beispiel nach Lösungswegen suchen, wie man durch Teilen („Sharing“) von A nach B kommt. Oder Studierende aus dem Schwerpunkt „Barrierefreie Kommunikation“ entwickeln Anwendungen, die durch den Alltag oder ein Museum führen, wenn man kaum oder gar nicht mehr Sehen und Hören kann.

Ein Beispiel: Nach der Flucht – wie kommt man täglich vom Dorf zum Lernort in der Stadt?

Ein Thema, mit dem sich Studierende beschäftigen können, ist zum Beispiel die Mobilität von Menschen, die neu in Deutschland ankommen: Wie kommt man ohne Busticket und mit wenig Geld von Bad Salzdetfurth, Alfeld, Algermissen, Diekholzen oder Nordstemmen in die nächstgelegene Großstadt, um zu lernen? Junge Erwachsene, die nach der Flucht in einem Dorf in Niedersachsen angekommen sind und nun die Universität und den Sprachkurs an der Volkshochschule besuchen wollen, haben Schwierigkeiten überhaupt aus dem Landkreis nach Hildesheim zur Vorlesung zu gelangen.

Das Schnupperstudium ist zwar kostenfrei – aber wie gelangt man täglich zu dem Lernort? „Wichtig ist, dass wir für Mobilität sorgen“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. „Mobilität ist ein großes Thema. Viele Studieninteressierte wohnen im Landkreis. Teilweise wohnen sie zwei Stunden entfernt von Hildesheim, sie dürfen nicht weg von ihrem Wohnsitz. Bei der Zuweisung wird nicht darauf geachtet, was die Leute können.“ Könnte man eine Mitfahrvermittlung geschickt mit einer APP organisieren? Während des „Hackathons“ können Studierende aus den Bildungs-, Sozial- und Sprachwissenschaften gemeinsam mit IT-Studierenden an Lösungen arbeiten.

„Wie es nach dem Hackathon weitergeht, ist offen. Bosch ist interessiert, auch danach mit den Studierenden an ihren Ideen zusammenzuarbeiten. Praktika oder eigene start-ups – alles ist möglich“, sagt Dietmar Meister.

„Hackathon“ am 13. und 14. November 2015 in Hildesheim

Lösungen entwickeln: Dietmar Meister, Bosch Softtec; Uni-Professor Klaus Schmid. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Der Hackathon in Hildesheim findet vom 13. bis 14. November 2015 im Bosch-Werk im Hildesheim Wald (Robert-Bosch-Straße 200, Hildesheim) statt. Er steht allen Studierenden offen. Wer teilnehmen möchte, kann sich noch anmelden (E-Mail: Hackathon.BSOT@bosch.com).  Dabei können Studierende auch auf eine App-Plattform für Fahrzeuge zurückgreifen. Weitere Hochschulen aus Hannover, Hildesheim und Hamburg nehmen teil. Die Gewinner werden ihr Ergebnis dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies und dem Hildesheimer Oberbürgermeister Ingo Meyer sowie weiteren Vertretern von Industrie, Politik und Hochschulen aus der Region vorstellen.
Weitere Informationen findet man online.

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Pressemeldungen Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Fachbereich 4 SSE Informatik Fachbereich 3
news-10913 Fri, 30 Oct 2015 11:09:00 +0100 Barrierefreie Kommunikation https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation/ Medien, Kultureinrichtungen und Behörden machen barrierefreie Angebote. „Es geht darum, Teilhabe nicht nur architektonisch zu ermöglichen. Zugang zu Informationen erfolgt auch über Sprache und Sinne“, so Professorin Nathalie Mälzer. Die Unterscheidung, leichte Sprache sei für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Untertitel hingegen für Gehörlose sinnvoll, könne man so einfach nicht treffen. „Untertitel und leichte Sprache sind zum Beispiel auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die Sprache erst erlernen", sagt die Medienwissenschaftlerin der Uni Hildesheim. Unsere Gesellschaft bietet eine Vielzahl von Informations-, Kultur- und Bildungsangeboten, die von kulturellen und politischen Einrichtungen, von Bildungsstätten und Wirtschaftsunternehmen gemacht werden.  Sie werden über Medien wie Internet, Rundfunk, Presse, Kino, Theater oder im Museum verbreitet. „Der Zugang zu ihnen kann aber Teilen des Publikums aufgrund kommunikativer Barrieren nur eingeschränkt möglich oder gar vollständig verwehrt sein“, sagt die Hildesheimer Professorin Nathalie Mälzer.

Die Ursachen für Barrieren sind unterschiedlich: Texte können für Leserinnen und Leser mit kognitiven Einschränkungen wegen ihrer Komplexität unzugänglich sein. Manche Texte, etwa Rechtstexte, fordern Fachwissen ein, über das nicht jeder verfügt. „Wenn eine Behörde in Fachsprache mit einem Bürger kommuniziert oder wenn in einem Unternehmen eine Informatikerin mit einem Gestalter spricht, können schnell Missverständnisse entstehen. Jeder bringt sein komplexes Fachvokabular mit – sie müssen eine gemeinsame Sprache finden, um sich verständigen zu können“, so Mälzer. Für Menschen, deren Sinneskanäle, nicht oder unvollständig ausgebildet sind, hat die mediale Gestaltung zur Folge, dass sie einen Film im Kino oder ein Objekt im Museum nur eingeschränkt wahrnehmen können.

Medien, Kultureinrichtungen und Behörden machen daher barrierefreie Angebote. Solche Angebote nutzen vielen Menschen, sagt Nathalie Mälzer, Juniorprofessorin für transmediales Übersetzen an der Universität Hildesheim, anlässlich einer Fachtagung in Hildesheim. Sie befasst sich in Forschung und Lehre mit barrierefreier Kommunikation und untersucht zum Beispiel, wie Theaterhäuser und Museen Untertitel, Übertitel und Audiobeschreibungen einsetzen und wen sie damit erreichen.

„Es geht darum, Teilhabe nicht nur architektonisch zu ermöglichen. Zugang zu Informationen erfolgt auch über Sprache und Sinne“, so Professorin Nathalie Mälzer. Barrieren gebe es in vielfältiger Weise. „Jemand ist hörgeschädigt – um diese Sinnesbarriere zu überwinden, wurden zum Beispiel Untertitel entwickelt. Nicht nur was gesagt wird, auch Informationen über Geräusche und Musik werden in Untertiteln vermittelt“, so die Medienwissenschaftlerin.

Wie werden Barrieren abgebaut? Einige Beispiele aus Hildesheim

Beispiel 1 – der Zugang zu Kunst und Kultur: Im Roemer-Pelizaeus-Museum haben Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzen“ einen Audioguide für Sehende und Nicht-Sehende entwickelt. Mit der Technik der Audiodeskription machen sie die Exponate für Blinde und Sehende sichtbar und vermitteln auf kreative Weise Hintergrundinformationen zu den Objekten.

Angehende Medienübersetzerinnen produzieren mit einer freien Theatergruppe Theater mit Übertiteln. Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes. Wenn eine Schauspielerin schreit, projizieren sie das Schriftbild „I C H  W I L L“ in Großlettern in den gesamten Bühnenraum, anstatt das Gefühl einfach mit der Formulierung „(schreiend)" zu umschreiben. Dabei entsteht ein ästhetischer Mehrwert, den sie für inklusive Effekte nutzen, denn die Übertitel wenden sich an Hörende und Nicht-Hörende zugleich.

Die Studierenden von Nathalie Mälzer entwickeln außerdem Audiodeskriptionen und Audioeinführungen für Filme. In solchen Hörfilmen wird die Filmtonspur um eingesprochene Textelemente ergänzt. Die relevanten Bildinhalte des Films werden akustisch verfügbar gemacht. Was man sieht, wird in Worte gefasst, damit Nichtsehende Filme hören können.

Jüngst übersetzten Hildesheimer Studierende einen Horrorfilm für den NDR. Die Medientext-Studentin Martha Stajer erläutert darin die Bildgestaltung – von Farbtönen über Kameraperspektiven bis zu Figurenbeschreibungen. Derzeit arbeitet eine weitere Studentin an einem Filmklassiker für die Vorweihnachtszeit. Und ein Streifen aus dem Vampirgenre, „A girl walks home alone at night“, wird derzeit in einem Projektseminar mit Worten beschrieben und im kommenden Jahr mit Audiodeskription und Audioeinführung ausgestrahlt.

Beispiel 2 – die Nachrichten: Der Deutschlandfunk veröffentlicht Nachrichten auch in einfacher Sprache. Derzeit entwickelt ein Team um Professorin Christiane Maaß von der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim und Uschi Heerdegen-Wessel vom NDR barrierefreie Angebote in den Nachrichten. So wird zum Beispiel erklärt, was der NDR macht, Nachrichten und Neuigkeiten aus Wirtschaft, Sport und Kultur werden in Leichter Sprache angeboten.

Atemberaubende Sprache im Sonntagskrimi: Viele profitieren von barrierefreien Angeboten

Die Unterscheidung, leichte Sprache sei für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Untertitel hingegen für Gehörlose sinnvoll, könne man so einfach nicht treffen.

„Untertitel und leichte Sprache sind zum Beispiel auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz (mehr lesen im aktuellen Uni-Magazin, Seite 74/75).

Fachleute aus Praxis und Forschung sollten gemeinsam Richtlinien entwickeln

Um den manchmal eingeschränkten Blick auf barrierefreie Kommunikation interdisziplinär zu erweitern, kamen im Oktober erstmals Fachleute an der Universität Hildesheim zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema „Barrieren“ blicken – von Fachleuten aus der Medienlinguistik und Übersetzungswissenschaft über Pädagogik bis hin zum Journalismus.

„Auf der Tagung haben sich viele Querverbindungen auf theoretischer und praktischer Ebene ergeben. Die Zielgruppen von Audiodeskription, der Untertitelung, der Leichten, Einfachen oder bürgernahen Sprache und der Fachkommunikation zeigen immer wieder interessante Überschneidungen“, sagt Nathalie Mälzer. Die Wissenschaftlerin möchte die empirische Forschung in Deutschland ausbauen. Richtlinien sollten in Zusammenarbeit zwischen Leuten aus Praxis und Forschung weiterentwickelt werden.

„Auf der Tagung kamen Fachleute zusammen, die sich bisher aufgrund disziplinärer Grenzen noch nicht wahrgenommen hatten“, freut sich Mälzer. An die Konferenz werden nun zwei neue Forschungsprojekte und eine Nachfolgetagung anknüpfen. Außerdem erlebt Nathalie Mälzer, wie „begehrt unsere Studierenden aus dem Bereich Medientext und Medienübersetzen“ sind. Sowohl Absolventinnen als auch Studierende werden für die Mitarbeit im Bereich Audiodeskription und Untertitelung gesucht. Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ entwickeln im Medientextlabor der Uni Hildesheim zum Beispiel barrierefreie Internetseiten, Übertitel für Theateraufführungen und Audiobeschreibungen für Hörfilme.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3
news-10644 Tue, 13 Oct 2015 16:33:00 +0200 Unsere Vorstellung von der Welt: Wie Medien Sachwissen aufbereiten https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/unsere-vorstellung-von-der-welt-wie-medien-sachwissen-aufbereiten/ Ob „Die Sendung mit der Maus“, „Terra X“ oder „Was-ist-was?“: Im Radio, Fernsehen, Internet und in Zeitschriften können Kinder und Erwachsene Themen aus der Wissenschaft entdecken. Welches Bild von Wirklichkeit hierbei wie vermittelt wird, wurde bisher kaum untersucht. Sachwissen wird vielfach emotionalisierend, dramatisierend und personalisierend aufbereitet, sagt Professorin Annette Sabban. Entsprechen die Bilder der Realität? Mitte Oktober untersuchen Fachleute auf einer Tagung an der Universität Hildesheim, wie Wissen medial aufbereitet wird: im Fernsehen, im Internet, im Radio, in Kinderbüchern oder in Zeitschriften für unterschiedliche Altersgruppen [Programm der Fachtagung „Wissensformate in den Medien – interdisziplinäre Zugänge“, 15. bis 17.10.2015]. Professorin Annette Sabban fasst sie unter dem Begriff „Wissensformate“ zusammen. Die Wissenschaftlerin geht der Frage nach, wie Sach- und Fachthemen zugänglich gemacht werden. Sie forscht an der Universität Hildesheim über die Popularisierung von Wissen und untersucht, wie Wissensinhalte an ein nicht fachlich vorgebildetes Publikum vermittelt werden.

Ob Sachgeschichten – Warum hat der Igel Stacheln? Warum ist ein Gullideckel rund? Welche Geschichte hat das Brandenburger Tor? – in der „Sendung mit der Maus“; die Zeitschriftenreihe „Geo Wissen“  über das Geheimnis der Sprache oder „Wissen vor 8“ über tierische Dialekte und die Invasion der Pflanzen zur besten Sendezeit vor der tagesschau: Bei der Aufbereitung von Wissen für Nicht-Experten kann man, unabhängig von Zielgruppe und Medium, grundlegende Verfahren beobachten, sagt Annette Sabban und zählt auf: Formen der Personalisierung, der Anschaulichkeit, das Anknüpfen an Alltagserfahrungen, das Erzeugen von Spannung bis hin zur Dramatisierung. „Die konkrete Umsetzung richtet sich nach den Möglichkeiten, die das jeweilige Medium bietet: Text, Ton, Standbild, Bewegtbild; beschreiben, erklären und erzählen, szenisch gestalten und nachstellen im ‚Reenactment'. Wichtig scheint mir dabei, nicht nur Verfahren der Umsetzung und Gestaltung zu beschreiben, sondern auch zu bedenken, welche Art von Wissen auf Grund einer bestimmten medialen Aufbereitung vermittelt wird. Oder, allgemeiner gesagt, welche Folgen bestimmte Gestaltungsweisen für die Vorstellungen haben, die wir uns von der 'Welt' machen.“

Wissensthemen, sagt Annette Sabban, werden „vielfach erlebnis- und ereignisbetont erzählt und personalisierend aufbereitet“. Das habe auch mit den Vorgaben der Rundfunksender zu tun: In den Programmperspektiven werde formuliert, Sendungen sollten zeitgemäß und unterhaltsam aufbereitet werden. Zielvorgaben bieten Orientierungen für die wissenschaftsjournalistische Praxis und seien somit musterbildend. Wenn Emotionen allerdings so im Vordergrund stehen und – aus der Perspektive der Sache, etwa der Medizin, der Archäologie oder der Biologie – solche peripheren Momente in den Mittelpunkt rücken, wo bleibt dann die eigentliche Wissensvermittlung?, fragt Annette Sabban. Untersuchungen und Rezeptionsanalysen zu diesen Fragen liegen bisher nur vereinzelt vor.

Die Hildesheimer Professorin nennt ein Beispiel aus dem deutschen Fernsehen: In einer 45minütigen Dokumentation wurde der Weg eines Archäologen ausführlich begleitet, über die Inhalte seiner Forschung erfuhr man kaum etwas. „Wie viel an Drumherum wird da gezeigt, zu der abenteuerlichen Landschaft und zu Gefahren, die der Forscher überwunden hat, damit er überhaupt etwas beobachten kann. Wenn man sich das 45 Minuten ansieht im Ergebnis zu dem, was wirklich inhaltlich gesagt wird, dann ist das Eigentliche ein verschwindend geringer Anteil. Da muss man hellhörig werden. Wir könnten nun vermuten, dass solche Darstellungen beim Zuschauer Interesse wecken, mehr über die Sache zu erfahren. Aber macht das jemand – geht man nach dem Fernseherlebnis im Anschluss in die Bibliothek?“

Das Publikum zu informieren und gleichzeitig zu unterhalten ist das scheinbar paradoxe Ziel von dokumentarischen Wissensformaten, sagt auch Sylvia Jaki vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. „Um dies zu erreichen, präsentieren  Wissensendungen im Fernsehen Sachinformationen  mehr oder weniger ausgeprägt emotional, dramatisch, persönlich.“ Auf der Tagung gibt sie Einblicke in ihr Habilitationsprojekt, in dem sie Titel von deutschen und englischen Wissensdokus analysiert – von „Crocodile Blues“ bis „Das heiße Leben der Schneeaffen“.

Sylvia Jaki untersucht in der Studie, wie „Wissenssendungen sprachlich gestaltet werden“. Bisher sind die Forschungen in diesem Feld gering, man weiß aber beispielsweise, dass häufig metaphorische Sprache oder Superlative verwendet werden. Sie befasst sich zunächst mit dem Einstieg in diese Sendungen. Was sieht der Zuschauer als erstes? Den Titel. Insgesamt 3936 Episodentitel hat die Hildesheimer Wissenschaftlerin gesammelt und analysiert. Die Reihe „BBC Horizon“ etwa läuft bereits seit den 1960er Jahren. Jaki schaut sich die Reihen im Verlauf an, die deutschen Titel sind meist länger als die englischen, jede Sendung habe eigene Gepflogenheiten. Manche Titel sind sehr transparent, eindeutig: „Das Beben von San Francisco“. Andere verwenden „Reizwörter“, so Jaki, etwa: „Expedition Deutschland – eine Zeitreise durch 500 Millionen Jahre“, „Faszination Universum: Das Geheimnis der Finsternis“, „Abenteuer Alaska“ oder „Das Geheimnis der Buckelwale“. Vor einigen Tagen sprach sie mit den Machern von Terra X, wie solche Titel entstehen. Es geht ja auch um Expeditionen, sagte man ihr. „Es ist spannend und wichtig, mit den Redaktionen zu sprechen. Forschung und journalistische Praxis können sich gut befruchten. Wir können die Sprache dieser Sendungen gut beschreiben – verstehen aber nicht unbedingt, woher das kommt.“

In ihrer Forschung konzentriert sich Sylvia Jaki auf die Bereiche Geschichte, Archäologie, Natur und Tierreich, Naturwissenschaft und Technik. Die Daten der Studie beinhalten Serien der Sender ZDF, NDR, BBC Two und Channel 4, darunter auch die langjährigen Reihen Terra  X (seit 1982), Expeditionen  ins Tierreich (seit 1965), BBC Horizon (seit 1964) und BBC Natural World (seit 1983). Die statistische Auswertung zeigt, dass die Verwendung von dramatisierenden „Reizwörtern“ über die Zeit deutlich zugenommen hat. Wörter wie „Entdeckung“ und „discovery“ treten häufig bei Geschichtsthemen auf. Außerdem hat Sylvia Jaki untersucht, ob sich Titel von TV-Wissenssendungen auf verschiedenen Märkten unterscheiden. Die Gegenüberstellung deutscher und englischer Titel zeigt, dass Unterschiede bestehen.

Weitere Informationen: Konferenz über Wissensformate in den Medien

Das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim lädt vom 15. bis 17. Oktober 2015 zur öffentlichen Tagung „Wissensformate in den Medien – interdisziplinäre Zugänge“ (PDF) ein. Die Konferenz führt etwa 25 Fachleute aus Medienwissenschaft, Linguistik, Publizistik und Fachwissenschaften wie Archäologie  zusammen.

Zum Auftakt spricht Martin Schneider, stellvertretender Redaktionsleiter von SWR Wissenschaft Fernsehen über „Wissenschaftsjournalismus im Wandel“. Während sich die ersten Wissenschaftsjournalisten Ende der 50er Jahre als Übersetzer verstanden, da sich die Forscher „selbst nicht allgemeinverständlich ausdrücken konnten oder – wegen drohendem Renomee-Verlusts in der scientific community – wollten“, stehe heute das „kritische Beobachten, Hinterfragen und Aufdecken versteckter Interessen“ im Fokus, sagt der Vorsitzende der Wissenschaftspressekonferenz.

Mehrere Tagungsbeiträge diskutieren die Sprache in ihren Bezügen zu Bild und Ton. Auch Unterschiede im Sprachgebrauch in öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Wissenssendungen werden thematisiert. Ursprünglich waren „Wissenschaftsmagazine“ eine „Ägide der öffentlich-rechtlichen Sender“, darauf weist Professor Hektor Haarkötter von der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln hin. Erst 1996  startete mit „Welt der Wunder“ etwas Ähnliches im Privatfernsehen, so der Kölner Forscher. Das chinesische Fernsehen habe die WDR-Kindersendung „Wissen macht Ah!“ übernommen und zeige das Format „Why? wei shen me“ nun zur  Primetime. Sprechen TV-Wissensformate junge Zuschauer an? Der Kölner Forscher hat 43  Wissenssendungen untersucht, davon 21 öffentlich-rechtliche sowie 22 Ausstrahlungen im Privatfernsehen mit einer Spieldauer von insgesamt 2939 Minuten. Ein Fazit des Forschers: Im Privatfernsehen ist der Moderationsanteil deutlich niedriger, private  Wissenssendungen „setzen eher auf kürzere Beiträge mit wechselnden Themen,  schnelleren Schnitten und mehr Effekten“. Außerdem setzen sie zur Attraktivtitässteigerung für eine jüngere Zielgruppe Gewinnspiele, Erotik, Actionelemente und mehr Videoeffekte ein.

Manche Medienangebote richten sich an bestimmte Altersgruppen und versuchen, die kognitiven Voraussetzungen, Wahrnehmungsgewohnheiten und Interessenslagen von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen.

Professor Thomas Gloning von der Universität Gießen spricht auf der Tagung über Wissensangebote für Kinder. Der Wissenschaftler hat untersucht, wie zum Beispiel die TV-Kindernachrichten „ZDF logo!“ über Ebola berichten, wie in klassischen TV-Kindersendungen wie etwa „Die Sendung mit der Maus“ Diabetes erklärt wird und wie Gesundheit in Büchern wie „Der kleine Medicus“ dargestellt wird. Wissensbücher für Kinder seien heute „keine reinen Textprodukte mehr, sondern bunte und räumlich komplex arrangierte Angebote“, so Gloning.

Mit Text-Bild-Relationen in Kindersachbüchern befasst sich Professorin Nina Janich von der TU Darmstadt. Sind Bücherserien wie „Was-ist-was?“ verständlich und anschaulich oder eine semiotische Überforderung? Den spezifischen Stil der „Sendung mit der Maus“ untersucht Professorin Heike Elisabeth Jüngst. Sachgeschichten sind nur ein Teil der Sendung, die seit 1971 ausgestrahlt wird. „Der typische Erzählstil der Sachgeschichten mit erkennbarer Stimme ist so bekannt, dass er auch für Parodien verwendet wird“, so die Wissenschaftlerin der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. „Die Maus ist in praktisch jeder Altersgruppe beliebt, obwohl sie für Kinder im Kindergartenalter gedacht ist“, so Jüngst. Längst sei die Maus in Neue Medien übergegangen und ist im Internet präsent, aber auch in Büchern.

Wissensformate arbeiten mit „wiederkehrenden Mustern“, etwa bei der Themenauswahl und Themenformulierung, beim Text-Aufbau und auf der Ebene des sprachlichen Ausdrucks. Mit Stereotypien in TV-Wissensdokus setzt sich Professorin Annette Sabban auseinander. „Wissensdokus im Fernsehen erfreuen sich großer Beliebtheit und nehmen bisweilen die begehrtesten Sendeplätze ein, allen voran die ZDF-Sendereihe Terra X“, sagt die Übersetzungswissenschaftlerin der Uni Hildesheim. Sie untersucht, welche Muster sich in der Gestaltung erkennen lassen. Wie werden in den Sendungen Forscher bzw. Experten sprachlich und bildlich dargestellt? Was tun sie typischerweise, an welchen Orten halten sie sich auf? „So manche Orte sind zwar exotisch, zugleich aber schwer zugänglich, und die Forscher müssen Strapazen auf sich nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen“, so Sabban. Auffällig sei, ein „intensivierender Beschreibungsmodus“, das Neuartige und Sensationelle werde hervorgehoben. Dabei fällt auf, so Professorin Sabban, dass die Aussagen über das Objekt oftmals „im Bereich des Affirmativen bleiben“, zum Beispiel verfügt ein Tier „über eine unglaubliche Fähigkeit“ – auf eine genauere Benennung oder Erklärung wird verzichtet. Welches Bild der Wirklichkeit wird durch solche Arten der medialen Darstellung vermittelt?

An der Universität Hildesheim untersuchen Studierende im Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ die Sprache in Medienformaten, ohne das Visuelle und Musikalische zu vernachlässigen. Sie befassen sich damit, wie Medien aufgebaut sind und funktionieren. Einige der Studierenden stellen auf der Tagung kleine Untersuchungen als wissenschaftliche Poster vor. Sie haben zum Beispiel visuelle und sprachliche Metaphern in Wissenssendungen analysiert, die dabei helfen sollen, das Sachwissen verständlich und anschaulich aufzubereiten.

Auf der Fachtagung werden außerdem erste Ergebnisse aus Rezeptionsanalysen vorgestellt. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium, die Volksbank Hildesheim und die Universitätsgesellschaft Hildesheim fördern die Tagung.

Die Teilnahme an der Konferenz ist möglich, um vorige Anmeldung wird gebeten (bitte per E-Mail an jakisy@uni-hildesheim.de). Wer sich für das Thema interessiert, kann die beiden Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Annette Sabban (E-Mail sabban@uni-hildesheim.de) und Dr. Sylvia Jaki (E-Mail jakisy@uni-hildesheim.de) kontaktieren. Alle Abstracts der Beiträge finden Sie online.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3
news-10760 Sun, 11 Oct 2015 09:31:00 +0200 Studienstart: Brief der Wissenschaftsministerin https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/studienstart-brief-der-wissenschaftsministerin-1/ Los geht's, das Semester startet mit der Einführungswoche. Studierende aus höheren Semestern helfen beim Studieneinstieg und unterstützen bei Fragen rund um den Uni-Alltag. Dr. Gabriele Heinen-Kljajić, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, wendet sich in einem Brief an alle Studienanfängerinnen und Studienanfänger. [lesen Sie den Brief der Niedersächsischen Wissenschaftsministerin als PDF]

Liebe Studierende,

für Sie beginnt nun ein spannender, neuer Lebensabschnitt. Ich freue mich, dass Sie Niedersachsen als Studienort gewählt haben und wünsche Ihnen einen guten Start an Ihrer Hochschule.

Niedersachsen wird für Studierende immer attraktiver. Die hervorragenden Studienbedingungen ermutigen eine wachsende Zahl junger Menschen, an unsere Hochschulen zu kommen. Mit mehr als 190.000 Studierenden haben wir in Niedersachsen einen neuen Höchststand erreicht. Dies ist auch auf die Abschaffung der Studienbeiträge zum Wintersemester 2014/15 zurückzuführen, die Ihnen wieder ein gebührenfreies Studium in Niedersachsen ermöglicht.

Aktuell stehen die Hochschulen vor einer besonderen Herausforderung. Es kommen derzeit viele Flüchtlinge nach Deutschland. Viele von ihnen haben in ihrer Heimat eine gute Schulbildung genossen oder bereits ein Studium begonnen. Die Landesregierung möchte diesen jungen Menschen Bildungschancen eröffnen und ihnen Wege ins Studium ermöglichen. Wir erleichtern Flüchtlingen den Hochschulzugang und bieten Hilfe beim Spracherwerb an. Hochschulen sind Orte des zivilgesellschaftlichen Engagements. Dies zeigen eindrücklich die vielen Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen, die überall in Niedersachsen von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern jenseits des eigentlichen Hochschulbetriebs auf die Beine gestellt werden. Die Projekte reichen von Gasthörerschaften über gemeinsamen Sport bis hin zu Study Buddies, die Flüchtlinge im Hochschulalltag begleiten und unterstützen. Ehrenamtliches Engagement ist außerordentlich wichtig, um Zuwanderer in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wir unterstützen solche Projekte, die Flüchtlingen bei der Orientierung für unterschiedliche Bildungswege helfen. [Info der Uni: mehr Informationen: Studierende und Lehrende der Uni Hildesheim wollen durch gemeinsamen Sport, Theaterspielen, Musizieren und Sprachenlernen Begegnungen fördern]

Die niedersächsischen Hochschulen nutzen ihre Stärken und übernehmen in hohem Maße gesellschaftliche Verantwortung. Wer sich engagiert einbringt und dabei hilft, die Herausforderungen seiner Hochschule bestmöglich zu meistern, sollte aber auch mehr Möglichkeiten haben, an der Gestaltung seiner Hochschule aktiv teilhaben zu können. Deshalb wollen wir die Demokratisierung der Hochschulen weiter vorantreiben und die Hochschulautonomie stärken. Dazu ändern wir das Niedersächsische Hochschulgesetz. Der Name der Novelle ist Programm: „Gesetz zur Stärkung der Beteiligungskultur innerhalb der Hochschulen“. Sie eröffnet Studierenden, Promovierenden, Personalvertretungen und Gleichstellungsbeauftragten neue Möglichkeiten, sich stärker als bisher an den hochschulinternen Entscheidungsprozessen – insbesondere in den Bereichen Studium und Lehre – zu beteiligen und ihren Anliegen mehr Gewicht zu verleihen.

Damit Sie Ihr Studium erfolgreich abschließen können, wollen wir die Studienbedingungen stetig verbessern. Denn wir sind überzeugt, dass der Schlüssel zum Erfolg in einer guten Qualität von Studium und Lehre liegt. Für ein erfolgreiches Studium ist z.B. ein angenehmes und dem Stand der Technik entsprechendes Lernumfeld wichtig. Wenngleich bereits viele Neubauten entstanden sind, stammen manche Gebäude der niedersächsischen Hochschulen noch aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts und sind sanierungsbedürftig. Mit dem neuen Programm HP-INVEST können wir in diesem Jahr rund 115 Millionen Euro zusätzlich für Sanierungen an den Hochschulen zur Verfügung stellen – Geld, mit dem die Hochschulen ergänzend zu den regulären Bauvorhaben Hörsäle, Fassaden, Werkstätten und Sportanlagen instand setzen können. Die Landesregierung leistet damit einen weiteren wichtigen Beitrag zur zukunftssicheren Gestaltung des Hochschulstandorts Niedersachsen.

Für exzellente Studienbedingungen sorgen auch die Studienqualitätsmittel von jährlich rund 130 Mio. Euro, die das Land den Hochschulen als Ersatz für die weggefallenen Studiengebühren zahlt. Um die Qualität der Studienangebote weiter zu verbessern, entwickeln die Hochschulen zum Beispiel neue Lehr- und Lernkonzepte, bieten zusätzliche Tutorien an oder weiten die Beratung zum späteren Berufsweg aus. Dafür gilt der Dank des Landes den Präsidien, den Gremienmitgliedern, den Lehrenden und sonstigen Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sowie auch den Studierenden, die sich beispielsweise als Tutorinnen und Tutoren oder als Ansprechpartnerinnen und -partner für Erstsemester engagieren.

Wir arbeiten an guten Bedingungen für Ihr Studium. Ich wünsche Ihnen für Ihr Studium alles Gute und viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Gabriele Heinen-Kljajić

Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur

 

Es geht los! Willkommen! Studienstart an der Universität Hildesheim

Die Immatrikulationsfeier beginnt am Montag, 12. Oktober 2015, um 11:30 Uhr im Audimax am Uni-Hauptcampus (Universitätsplatz 1). Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich begrüßt die Studierenden, gibt die aktuellen Studierendenzahlen bekannt und informiert über Entwicklungen an der Universität Hildesheim. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer begrüßt die Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Der DAAD-Preis und der Preis der Universitätsgesellschaft werden verliehen. Zum Abschluss der Feierlichkeiten fällt der offizielle Startschuss für die jährlich stattfindende Einführungswoche. Etwa 100 Tutorinnen und Tutoren, Studierende aus höheren Semestern, helfen beim Studieneinstieg, bei der Stundenplanung und beim Erkunden der Stadt Hildesheim. Zuvor beginnt um 09:30 Uhr im Mariendom Hildesheim (Domhof) ein Ökumenischer Gottesdienst für Studienanfängerinnen und Studienanfänger [weitere Informationen zum Studienstart finden Sie online].

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news-10730 Fri, 09 Oct 2015 18:00:00 +0200 Sprachkurs: Geschichten erzählen mit dem Körper https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/sprachkurs-geschichten-erzaehlen-mit-dem-koerper/ Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. Im nächsten Sprachkurs sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 25. Oktober 2015 anmelden. An den Moment, in dem sie das erste Mal die Gebärdensprache im Alltag einsetzte, erinnert sich Maria Heybutzki gut. Neulich fuhr die Masterstudentin mit dem Zug von Hildesheim nach Hannover, sie saß im Viererabteil am Fenster. „Ich konnte das Gespräch meiner drei Sitznachbarn verstehen, aber nur etwas, sie waren so schnell und richtig gut – sie haben sich im Dreieck unterhalten, was viel schwerer ist, da man sich dann nicht frontal sieht, sondern die Gebärden teilweise nur aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Man vergisst die Gebärdensprache schnell, wenn man sie nicht anwendet." Als sie aussteigen musste, setzt die Studentin ihre Gebärdensprachkenntnisse ein, um freundlich darum zu bitten, vorbeizukommen. Das konnte sie, die Gesten dazu hatte sie parat und man verabschiedete sich mit einem Lächeln.

Studentinnen und Studenten können an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen. Maria Heybutzki, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und sich in ihrer Abschlussarbeit mit barrierefreier Kommunikation befasst, hat ein Jahr lang an dem Sprachkurs teilgenommen, eine wichtige Erfahrung. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen.

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt die Medienlinguistin Prof. Christiane Maaß. Es gibt zwei Kurse: Gebärdensprache I ohne Vorkenntnisse und Gebärdensprache II mit Vorkenntnissen. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Inklusion zu tun haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft installieren."

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular, Gebärden und Idiome", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache, zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar  wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die beiden Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können. Bisher nahmen Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen" sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die angehenden Medienübersetzer ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Auch Lehramtsstudierende können teilnehmen.

Der Kurs startet am 1. November 2015, geht über zwei Semester und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 25. Oktober 2015. Wer sich für den Kurs anmelden möchte, kann Prof. Dr. Christiane Maaß kontaktieren (E-Mail: christiane.maass@uni-hildesheim.de). Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung Inklusion
news-10565 Thu, 17 Sep 2015 14:40:00 +0200 Nach der Flucht: Sport gibt Kraft und kann verbinden https://www.uni-hildesheim.de/fr/fb3/aktuelles-aus-dem-fachbereich-3/artikel/artikel/nach-der-flucht-sport-gibt-kraft-und-kann-verbinden/ Mikad hat es von einer Sprachlernklasse in die Regelklasse geschafft, für seine Freunde ist er ein Vorbild. Daria liebt das gemeinsame Fußballspiel. Orjan fühlt sich durch den Sport gestärkt. Firaz Mama wird vermisst, im Sport findet er Halt, um damit umzugehen. Zwei Lehramtsstudenten der Uni Hildesheim begleiten Jugendliche, die geflohen sind, beim Ankommen in Deutschland. Ihr Werkzeug: der Sport. Viele weitere Studierende wollen durch Theaterspielen, Musizieren und Sprachenlernen Begegnungen fördern. Darüber informierte sich Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić. Mikad* ist mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Von der Sprachlernklasse hat der Zwölfjährige gerade den Übergang in die Regelklasse geschafft. Er besucht eine Gesamtschule in Niedersachsen, lebt seit etwa zehn Monaten in Deutschland. Er hat eine schwierige Vergangenheit, wie eigentlich alle Kinder in dieser Fußballgruppe, die Krieg und Flucht erlebt haben. „Er spricht die deutsche Sprache immer besser", beobachtet der Student Omar Fahmy. „Mikad ist ein Vorbild für die anderen Kinder, er spricht fließend die arabische Sprache in Wort und Schrift und lernt sehr fleißig."

Daria* ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, sie besucht die Sprachlernklasse erst seit zwei, drei Monaten, kam mitten im Schuljahr hinzu. Die 12-Jährige spricht Arabisch und Kurdisch und ist mit ihrer Familie aus Syrien geflohen. „Sie macht im Fußball gut mit", freut sich Omar Fahmy.

Auch Orjan* macht große Entwicklungsfortschritte. Zunächst war es gar nicht so einfach, Freunde zu finden, er hat sich wenig zugetraut. Der Sport stärkt den Jungen. Er geht nun mehr auf Menschen zu.

Der 15-jährige Firaz* ist auf der Suche – seine Mutter wird vermisst, sein Vater ist gestorben. Der Junge lebt seit seiner Flucht aus Syrien bei seinem Onkel und dessen Sohn. Firaz kommt regelmäßig zurück auf den Sportplatz, erzählt den Lehramtsstudenten von seiner verzweifelten Lage. Seine Mama ist nicht auffindbar. „Es ist ihm sehr wichtig, am Sport teilzunehmen“, sagt Fahmy.

Die vier Jugendlichen nehmen in den Sommerferien an einem Sportcamp der Lehramtsstudenten Dominik Feer und Omar Fahmy teil. Etwa 36 Jugendliche kicken und lernen zusammen, viele Kinder kommen aus Syrien, einige aus dem Irak, andere aus Serbien. Sie leben mit ihren Familien im Flüchtlingsheim, einige wohnen in einer Wohnung in der Stadt, andere im Landkreis, 10 km entfernt von Hildesheim.

Was kann Sport auslösen? Kann Bewegung dazu beitragen, dass die Jugendlichen Kraft finden, um in Deutschland anzukommen?

Es ist August. Täglich sind Omar Fahmy und Dominik Feer auf dem Fußballplatz eines Hildesheimer Vereins. Ab 7 Uhr bereiten sie das Sportcamp vor, am Abend bauen sie ab. Dazwischen passiert viel. Nach einer Woche, es ist Samstag, fällt Omar Fahmy erschöpft ins Bett. „Ich muss das erst einmal verarbeiten. Ich bekomme immer mehr Geschichten mit. Es ist Wahnsinn, man denkt nicht, man spricht mit einem 11-Jährigen, sondern mit einem 20-Jährigen“, sagt der Student.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt diese Arbeit im Rahmen einer Soforthilfe für lehrerausbildende Universitäten, die Flüchtlinge beim Spracherwerb und beim Einstieg in ein Studium begleiten. Über die Arbeit an der Universität Hildesheim hat sich die Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić im August (19.08.2015) informiert. „Es geht darum, Flüchtlingen Bildungschancen zu eröffnen. Viele von ihnen verfügen über Bildungsqualifikationen und -potenziale, die wir nutzen wollen. Wir wollen Talente fördern“, so Ministerin Heinen-Kljajić. „Die Universität verfolgt Bildungsintegration mit hoher Priorität. Sie verfügt über Schwerpunkte im Lehramtsstudium, in den Erziehungswissenschaften und in der pädagogischen Psychologie.“ Ein großer Erfolg sei die Förderung des Projektes „Bildungsintegration“ aus dem niedersächsischen VW-Vorab über 2,85 Mio. Euro bis 2016.

Das Projekt FuNah („Fußball & Nachhilfe“) sieht die Ministerin als gelungenes Beispiel, wie man junge Flüchtlinge über den Sport erreicht. Das Projekt zeige, „dass Sport bestimmte Bildungsprozesse in Gang setzen kann“. Er kann das Selbstwertgefühl steigern, und im Spiel erlernen die Teilnehmer Werte wie Fairplay, Respekt und Teamgeist, so die Ministerin.

Der Hildesheimer Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: „Die Universität Hildesheim hat bereits 2008 ihr Leitbild den Anforderungen des Einwanderungslandes angepasst. Wir haben Professuren für Deutsch als Zweitsprache, Interkulturelle Kommunikation, Diversity Education und Migrationspolitik eingerichtet. Wir haben ein Zentrum für Bildungsintegration gegründet und wir stärken die Fächer Sport und Musik, weil diese für Integration besonders geeignet sind. Heute steht die deutsche Gesellschaft vor ihrer größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Wir wollen unseren Beitrag leisten, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.“

Die Studenten arbeiten im FuNah-Projekt nicht nur in den Ferien, sondern auch in der Schulzeit mit Mädchen und Jungen zusammen und wollen die Verbindungen zwischen den Jugendlichen stärken, gemeinsam an Teamgeist und Vertrauen arbeiten. In einer Realschule in Peine lernen sie seit einem Jahr jeden Montagnachmittag gemeinsam, dann geht es auf den Sportplatz. In einer Hildesheimer Gesamtschule wollen sie seit Jahresbeginn Jugendliche aus einer Sprachlernklasse und aus den Regelklassen im Sport zusammenbringen.

Das sei sehr wichtig, sagt Omar Fahmy und berichtet von einem Vorfall im August. Auf dem Sportplatz fielen Beleidigungen wie „Kanacke“, „Asylantenkinder“ und „Neger“. „Wir haben das Spiel sofort abgebrochen und gemeinsam über die Bedeutung der Wörter gesprochen. Ein Stück weit erzwingen wir diese Situation in einer heterogenen Gruppe. Wir müssen darüber reden, bevor es zu spät ist und solche Begriffe zum Alltag gehören", sagt Omar Fahmy. Die Schüler würden solche Äußerungen aus dem Elternhaus, von Freunden oder im Internet aufschnappen. Oft wissen sie gar nicht, sagt Fahmy, was sie da eigentlich sagen.

„Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy, dessen Familie aus dem Libanon und Ägypten kommt. Dass er Arabisch spricht, ist nun ein Vorteil.  Dominik Feer ergänzt: „Die Kinder sollen lernen, dass sie ihre Mitspieler brauchen, alleine geht es nicht.“ Warum er neben seinem Lehramtsstudium das Sport-Projekt entwickelt hat? Er wolle etwas zurückgeben und habe selber früh Sport getrieben. „Wir können dazu beitragen, dass Kinder schnell Fuß fassen in Hildesheim. Wir sollten jetzt die Kraft au