Wettstreit in der Wissenschaft: Science Slam in der Uni

Friday, 04. November 2016 um 10:09 Uhr

Auf der Bühne geben vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" Einblicke in ihre Forschung. Wie sie sich auf den Uni-Wettstreit vorbereiten? Nachgefragt bei der Theaterwissenschaftlerin Annemarie Matzke, dem Soziologen Michael Corsten, dem Chemiedidaktiker Jürgen Menthe und der Sprachwissenschaftlerin Bettina Kluge.

An der Universität Hildesheim treten am Dienstag, 8. November 2016, vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" [PDF] gegeneinander an. Michael Corsten, Annemarie Matzke, Bettina Kluge und Jürgen Menthe vertreten die vier Fächer Soziologie, Theaterwissenschaft, Sprachwissenschaft sowie Chemiedidaktik. Auf der Bühne geben sie Einblicke in ihre Forschung. Mit Worten, Requisiten oder auch Live-Experimenten soll das Publikum über die Arbeit und Denkweisen in den vier Wissenschaftsdisziplinen informiert werden – am Ende entscheidet das Publikum über den besten Vortrag. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Science Slam beginnt um 18:00 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim und dauert etwa zwei Stunden. Der Eintritt ist frei.

Über 600 Studierende, Lehrende und Hildesheimer Bürger verfolgten den ersten Wissenschaftswettstreit an der Hildesheimer Universität. Nun, zwei Jahre später, hoffen die Veranstalter um Vizepräsident Professor Martin Schreiner erneut auf großen Zuspruch.  „Der zweite Hildesheimer Science Slam lässt erneut viermal die Eule der Minerva mit weichen Boxhandschuhen in den Ring steigen und allgemeinverständlich sowie unterhaltsam Wissenschaft erleben", sagt Schreiner.

Den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern: Stipendium stiften

Wer die künftige Generation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen möchte, kann schon im Studium junge Leute fördern – mit dem Deutschlandstipendium. Wer die Studierenden auf ihrem Weg in die Wissenschaft unterstützen möchte, kann sich an Prof. Dr. Martin Schreiner (Vizepräsident für Stiftungsentwicklung, martin.schreiner@uni-hildesheim.de, 05121.883-11102) und Markus F. Langer von der Universitätsförderung wenden (markus.langer@uni-hildesheim.de, 05121.883-90130).

Science Slam – Wie bereiten Sie sich vor?

Die Spannung steigt, der Wissenschaftswettstreit steht kurz bevor. Isa Lange hat nachgefragt bei den vier Science Slammern:

  • Worum geht es in Ihrem Vortrag?
  • Vor welcher Herausforderung stehen Sie – der Science Slam ist ja sprachlich ein anderes Format als die übliche Vorlesung...
  • Nutzen Sie in Ihrem Vortrag nur Sprache – oder auch Requisiten, Experimente und Hilfsmittel?

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, weshalb die Soziologie (mein Fachgebiet) davon lebt, sich auf Distanz zur Gesellschaft zu halten, ihr in bestimmter Weise fremd zu bleiben.

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Vor allem sind es nur zehn Minuten Zeit, die ich habe –  das ist ganz schön knapp. Ich hoffe, dass es mir gelingt, dem Publikum einen aus meiner Sicht ganz zentralen Satz der Soziologie auf unterhaltsame Weise nahe zu bringen.

  • Ich weiß noch nicht so recht, ob ich nur Sprache, oder auch Requisiten/Hilfsmittel im Vortrag nutze. Am liebsten würde ich es allein dem Wort überlassen. Aber vielleicht sollte doch der eine oder andere Satz über Power-Point an die Wand geworfen werden. Ich lasse mich da noch überraschen.

Theaterwissenschaftlerin Prof. Dr. Annemarie Matzke:

  • In meinem Vortrag wird es um den Theaterzuschauer gehen und darum wie auf der Bühne und im Zuschauerraum Emotionen entstehen. Dabei wird es nicht nur um das Feld der Theaterwissenschaft gehen, sondern ich untersuche auch Phänomene der Populären Kultur, der Bildenden Kunst und aus unserem Alltag.

  • Der Science Slam ist eigentlich eine Vorlesung in kondensierter Form: Auch dort geht es darum die Studierenden für ein Thema zu begeistern und das geht oft am besten auch über Humor. Da allerdings nicht 90 Minuten sondern nur 10 Minuten zur Verfügung stehen, gilt es, schnell zum Punkt zu kommen.

  • Neben Bildern und Text wird es wahrscheinlich auch Musik geben, in der Hoffnung echte Emotionen hervorzubringen.

Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, dass auch „kleinere“ Wortarten wie etwa Pronomen spannend sein können. Daher der Arbeitstitel: „Wer (b)ist du?“  Denn wenn man genauer hinhört, merkt man, dass „du“ (oder „Sie“) nicht nur für die Anrede verwendet werden...

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Mein Hauptproblem ist, dass ich in meiner Forschung vorwiegend zum Spanischen und Französischen arbeite und nicht davon ausgehen kann, dass diese Sprachen von allen Zuschauerinnen und Zuschauern verstanden werden. Die Beispiele, die ich gerne besprechen möchte, müssen daher eher aus dem Deutschen oder Englischen sein (und sogar hier: geht Englisch?).

  • In meinem Vortrag verwende ich auch eine Powerpoint-Präsentation, insbesondere für die Analyse von Gesprächsausschnitten. Aber ich zeige – wenn die Zeit dafür reicht, das ist noch nicht ganz klar – auch Internet-Memes zum Thema (und ja, es SIND süße Kätzchen auf den Bildern...).

Chemiedidaktiker Prof. Dr. Jürgen Menthe:

  • In meinem Vortrag erläutere ich leuchtende Beispiele chemiedidaktischer Inhalte („Let there be light“).

  • Die Herausforderung, beim Science Slam in der Universität anzutreten, ähnelt der, vor der Lehrkräfte der Chemie jeden Morgen stehen, wenn sie in der Schule einem skeptischen Publikum komplexe Sachverhalte spannend und verständlich näher zu bringen versuchen.

  • Ob ich Hilfsmittel verwende? Ich kombiniere Experimente, Sprache und Musik. Tanzen sollen aber vornehmlich die Moleküle...


Die Theaterwissenschaftlerin Annemarie Matzke, der Soziologe Michael Corsten, der Chemiedidaktiker Jürgen Menthe und die Sprachwissenschaftlerin Bettina Kluge bereiten sich derzeit auf den „Science Slam" an der Universität Hildesheim vor. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim