Was Kinder über Sprachen wissen

Monday, 26. August 2013 um 11:03 Uhr

Wie Kinder bis zum Alter von zehn Jahren Sprachen lernen und mit Sprache umgehen, untersuchen Wissenschaftler an der Universität Hildesheim. Am 5. September geben sie mit dem Fachtag „Sprachlernwege" einen Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse.

Wie gehen Kleinkinder und Zehnjährige mit mehreren Sprachen um? Was denken sie über die Schrift? Wie sprechen Grundschulkinder über Literatur und Bilder? Einen verständlichen Einblick in wissenschaftliche Erkenntnisse geben, diese vermitteln und für die tägliche Umsetzung in Bildungseinrichtungen nutzbar machen – das ist das Ziel des Fachtags (Programm) am Donnerstag, 5. September. Psychologen, Erziehungs- und Sprachwissenschaftler sowie Fachdidaktiker aus den Bereichen Deutsch, Englisch und Kunst der Universität Hildesheim haben ein Weiterbildungsangebot für Fachkräfte aus Kindergärten und Schulen entwickelt. Das Besondere: Rund 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leiten ein Dutzend Workshops zusammen mit Studierenden. Diese sind in drei Themenfelder unterteilt: „Sprachfähigkeiten von Kindern erkennen“, „Sprachwissen von Kindern kennenlernen“ und „Sprache in Interaktion fördern“.

Wenn Lesen und Schreiben nicht gelingen – Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie und Diagnostik, erklärt, mit welchen diagnostischen Instrumenten Stolpersteine beim Schreiben lernen erkannt werden können. Anhand von Film- und Hörbeispielen erklärt Psychologin Ann-Katrin Bockmann Sprach- Stimm- und Schluckstörungen. Erziehungswissenschaftler um Carola Lindner-Müller erläutern, wie Sprach-, Lese- und Rechtschreibleistungen mit Testverfahren erfasst werden können. Studierende um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache, diskutieren anhand von Erzählungen von Vorschulkindern, welche Impulse geeignet sind, um die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern einzuschätzen.

Professorin Ursula Bredel zeigt mit ihren Studierenden, was Kleinkinder über Laute, Wörter und Grammatik wissen und wie man grammatisches Wissen spielerisch erarbeiten kann. Ursula Bredel untersucht in ihrer Forschung, wie Kinder Lesen und Schreiben lernen und was Schreibnovizen über Schrift denken.

Vorlesegespräche mit Kindern – im Workshop von Irene Pieper, Professorin für Literaturwissenschaft und ihre Didaktik, und ihren Studierenden, lernen die Teilnehmer aktuelle geeignete Bilderbücher für den Elementar- und Primarbereich und das Format Vorlesegespräch kennen. „Es ist einfach nur dunkel, sonst nichts“ sagt ein Kind über ein Bild – Bettina Uhlig, Professorin für Kunstpädagogik, untersucht im Bilddidaktischen Forschungsstudio der Uni Hildesheim, wie Kinder über Bilder sprechen und Bilder sprachlich produzieren. Im Workshop werden anhand von Bildern und Bilderbüchern methodische Varianten des Bildgesprächs vorgestellt und erprobt. Zweisprachiges Lernen: Ein Team um Kristin Kersten, Juniorprofessorin für Fremdsprachenunterricht und Zweitspracherwerb, erklärt, wie Inhalte in einer Fremdsprache in Kita und Grundschule vermittelt werden können.

Anne-Katrin Stolle vom Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung freut sich über das große Interesse an der Veranstaltung: „Es sind bereits über 100 Anmeldungen eingegangen. Mit diesem Fachtag möchten wir den Austausch zwischen Erziehern, Lehrern und Wissenschaftlern aus der Region fördern.“

Prof. Dr. Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim spricht einleitend über „Theorie und Praxis: linguistische Grundlagen der Förderung sprachlicher Kompetenzen“. Sie bietet auch einen Workshop zu Sprachstanderhebung an. Der Fachtag endet mit einem Konzert der Sängerin Dota Kehr (Kleingeldprinzessin). Interessierte wenden sich an Anne-Katrin Stolle (annekatrin.stolle[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-415). Veranstaltungsort ist der Uni-Hauptcampus (Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim). Für Studierende ist die Teilnahme kostenfrei.

Mehrere Forschungszentren der Universität Hildesheim veranstalten den Fachtag im Rahmen der Initiative Forum Bildung U10 gemeinsam: das Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung, das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen, das Forum Fachdidaktische Forschung sowie das Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung.